Nürnberg, Meistersingerhalle, Hochromatik in der Meistersingerhalle, IOCO Kritik, 20.07.2021

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Meistersingerhalle in Nürnberg @ Matthias Dengler

Meistersingerhalle in Nürnberg @ Matthias Dengler

Hochromantik – In der Meistersingerhalle zu Nürnberg  – 16.07.2021

Joana Mallwitz und Andrei Ionita interpretieren: Schumann – Cellokonzert a-Moll op.129,  Mendelssohn Bartholdy – Vierte Symphonie a-Dur „Italienische“ op.90

von Thomas Thielemann

Die Nürnberger Meistersingerhalle, in den 1960-Jahren als Konzerthaus erbaut, verfügt im Großen Saal über eine Fläche von 2079 m² sowie ein Raumvolumen von über 20 000 m³ und kann, je nach Bestuhlung, zwischen 944 und 2121 Besuchern Platz bieten. Für den verwöhnten Konzertbesucher wirkt diese zu groß geratene Schuhschachtel zunächst irritierend. Aber es erweist sich auch in Nürnberg: die Schuhschachtel-Struktur ist für die akustischen Bedingungen von Konzertsälen ein Optimum und verzeiht viele Raumgestaltungssünden; aber eben nicht alle Diskrepanzen beim Orchesterspiel. Trotzdem ist man überrascht, im imposanten Flachbau trotz langem Nachhall eine befriedigende Klangentfaltung zu erleben.

Robert Schumann Büste in Düsseldorf @ IOCO

Robert Schumann Büste in Düsseldorf @ IOCO

Nachdem die zweite Bewerbung des Robert Schumann (1810-1856) um die Aufgabe des Leipziger Gewandhauskapellmeisters gescheitert war und seine Bemühung um die Stelle des Dresdner Hofkapellmeisters kaum zu einem Ergebnis zu führen schien, nahm er 1850 das Angebot des Düsseldorfer Stadtrates an, als Nachfolger Ferdinand Hillers (1811-1885) zu wirken. Von den Rheinländern im September des Jahres freundlich empfangen, fand er trotz der vielfältigen Aufgaben als Städtischer Musikdirektor die Zeit, in der Euphorie des Neuanfangs innerhalb kurzer Zeit zwei seiner bedeutsamsten Kompositionen zu schaffen: die Rheinische Symphonie und, bereits im Oktober 1850 das „Konzert für Violoncello und Orchester  a-Moll op. 129“. Innerhalb von sieben Tagen skizzierte er das Werk und hatte es nach weiteren sieben Tagen fertig instrumentiert.

Staatsoper Nürnberg / hier das Staatsorchester @ Ludwig Olah

Tragisch, dass die Zusammenarbeit mit dem für die Uraufführung gewünschten, aber offenbar überschätzten Solisten Robert Emil Bockmühl, nicht funktionierte. Ob der Wirren der weiteren Düsseldorfer Dienstzeit und in der Folge der Erkrankung Schumanns wurde zunächst eine Aufführung des Cello-Konzertes regelrecht vergessen. Nach einem zaghaften Versuch, Cello mit Klavierbegleitung, 1860 in Leipzig, einer Uraufführung 1867 in Breslau, eroberte das Konzert erst im 20. Jahrhundert dank hervorragender Schallplatten- und CD-Einspielungen seinen verdienten Platz in den Repertoires. Inzwischen gilt es „als Traum aller Cellisten“.

Ob Dmitri Schostakowitsch 1963 im Hinblick auf Schumanns dramatische Situation in den Jahren nach der Arbeit am Opus 129 zu seiner etwas unglücklichen Bearbeitung veranlasst worden war, indem er der Orchesterbesetzung eine Piccolo Flöte, eine Harfe und zwei Hörner zufügte, ist unbekannt geblieben.

Andrei Ionita @ Andrei Ionita

Andrei Ionita @ Andrei Ionita

Der aus Rumänien stammende Solist des Abends Andrei Ionita gilt nicht zu Unrecht als einer der führenden Cellisten seiner Generation. Nach dem er mit dem Gewinn des ersten Preises des Moskauer Internationalen Tschaikowski-Wettbewerbs 2015 nach Bad Kissingen gekommen war, um den Luitpold-Preis des Fördervereins Kissinger Sommer für 2016 zu erhalten, begleiten wir, wo immer möglich, sein umfangreiches Wirken. Inzwischen ist er auch als Solist in Klavierkonzerten aufgetreten.

Andrei spielt auf einem Violoncello aus der Brescianischen Werkstatt des Giovanni Battista Rogeri (1642-1710) aus dem Jahre 1671.

Schumanns Konzert bot er ohne Überspitzungen oder Zurschaustellungen mit weitsichtig gestalteter Brillanz, Tonschönheit, gepaart mit Kultiviertheit und Noblesse.

Joana Mallwitz @ Simon Pauly

Joana Mallwitz @ Simon Pauly

Das Orchester der Staatsphilharmonie Nürnberg erwies sich als gleichwertiger Partner des Solisten. Seine Generalmusikdirektorin und Dirigentin des Abends Joana Mallwitz sicherte, dass sich die Musiker nicht in monotonen Begleitfiguren langweilten, sondern rhythmisch-harmonische Facetten hervorbringen konnten. Leider ging sie mit dem Solisten nicht immer partnerschaftlich um, veranlasste ihn gelegentlich zum Forcieren oder überdeckte sein Spiel.

Mit einer Zugabe konnte Andrei Ionita sein überragendes Können unbeeinflusst demonstrieren. Vom ersten Ton der Bach-Komposition war man vom reichen, intensiven Celloklang, seiner Eleganz und sensiblen Gestaltung gefesselt. Das völlig unprätentiöse auf das Nötigste beschränkte, aber mit Farbenreichtum, Zartheit und Kraft gebotene Spiel offenbarte das faszinierte Klanguniversum des aufstrebenden Musikers.

Felix Mendelssohn Bartholdy © IOCO

Felix Mendelssohn Bartholdy © IOCO

Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847) hat sich mehrfach durch landschaftliche Eindrücke zu großen Kompositionen beeinflussen lassen. So fanden auch Erlebnisse einer Reise mit Goethes „literarischem Italien-Reiseführer“ von 1830/31 ihren Niederschlag in seiner populärsten, der 4. Symphonie, der „Italienischen“.

Mit ausgewogenem Orchesterklang nahm uns Joana Mallwitz in den beschwingt-tänzerischen Einstieg des Kopfsatzes mit und versprach ein heiteres ausgelassenes Hörerlebnis. Mit ihrer Interpretation des zweiten Satzes, Andante con moto, vermied die Dirigentin ein Abgleiten ins Melancholische und konnte damit das filigrane Zarte betonen. Mit den beiden abschließenden Sätzen betonte sie vor allem das Unbeschwerte und Lebensfrohe der italienischen Mentalität.

Mit ihrer Auffassung der Mendelssohnschen Komposition vermittelte uns Joana Mallwitz eine differenzierte Verbindung von klassischem Formsinn mit einer tiefen Wärme und Innigkeit in den Empfindungen vermittelt. Jedes Detail war in eine stimmige Gesamtstrategie integriert, so dass große Spannungsbögen zur Wirkung kamen.

Die uns in den letzten Wochen präsentierten Orchester beherrschten das Musizieren mit den Corona-bedingten Abständen und dass jeder Musiker ein eigenes Podium einnimmt, inzwischen recht gut. Bei den Nürnbergern gab es aber, möglicherweise bedingt vom großflächigen Orchesterpodium, Nachholbedarf.

—| IOCO Aktuell Meistersingerhalle Nürnberg |—


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Nürnberg, Staatstheater Nürnberg, L´Orfeo – Claudio Monteverdi – Premiere, 24.09.2020

September 25, 2020  
Veröffentlicht unter Oper, Pressemeldung, Staatstheater Nürnberg

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Staatstheater Nürnberg

Staatstheater Nürnberg © Ludwig Olah

Staatstheater Nürnberg © Ludwig Olah

L’Orfeo  –  Claudio Monteverdi

  LED-Wand mit Videos und Live-Bilder begleiten den Weg Orfeos von der heutigen Konsumgesellschaft bis zur bilderlosen Unterwelt

Premiere 2. Oktober 2020

Staatsintendant Jens-Daniel Herzog eröffnet die Opern-Spielzeit 2020/21 mit L’Orfeo in einer Orchesterfassung von Joana Mallwitz und Frank Löhr

Im Opernhaus geht es weiter! Am 2. Oktober 2020 eröffnet Staatsintendant Jens-Daniel Herzog die Opern-Spielzeit mit L’Orfeo und widmet sich dabei nach La Calisto einer weiteren Metamorphose: 1607 wurde die Favola in Musica L’Orfeo – ein Experiment mit der erst wenige Jahre jungen Form der Oper – von Claudio Monteverdi in Mantua uraufgeführt. Erzählt wird die Geschichte des gefeierten Sängers Orpheus, dessen Frau Eurydike am Hochzeitstag durch einen Schlangenbiss umkommt. Unfähig, ihren Tod zu akzeptieren, macht Orpheus sich auf den Weg in den Hades, um sie zurückzuholen. Für die Nürnberger Aufführung entwickelte Generalmusikdirektorin Joana Mallwitz, die in diesem Sommer mit großem Erfolg bei den Salzburger Festspielen debütiert hat, gemeinsam mit dem Dirigenten und Komponisten Frank Löhr eine eigene Orchesterfassung, die alte Instrumente und modernen Orchesterklang dramaturgisch miteinander verbindet.

Eigentlich war Die Frau ohne Schatten von Richard Strauss für die Spielzeiteröffnung geplant. Das ging aus bekannten Gründen nicht. Jens-Daniel Herzog und Joana Mallwitz waren sich einig, dass sie die Spielzeit 2020/21 nicht mit einer Notlösung starten wollten, indem sie etwa ein Repertoirestück auf Corona-Bedingungen zurechtstutzen. Sie wollten mit einer vollwertigen Produktion auf die neue Situation Bezug nehmen: „Theater reagiert grundsätzlich auf das, was eine Gesellschaft bewegt, und so können wir auch aus künstlerischen Gründen nicht einfach so weitermachen wie bisher. L’Orfeo ist unsere künstlerische Antwort auf die Erfahrungen, die wir mit der Pandemie gemacht haben. Die Oper zeigt uns eine Welt der Lebenslust, der Lebensgier, der Konsumfreude, die sich von einem Moment auf den anderen in ihr Gegenteil verwandelt. Ähnliche ist es uns in den letzten Monaten ergangen. Mit L‘Orfeo haben wir einen Stoff gefunden, der uns zum Nachdenken anregt über die Welt, in der wir leben, und das setzen wir mit dieser Produktion künstlerisch um“, erklärt Jens-Daniel Herzog, Staatsintendant und Regisseur.

GESCHICHTE DER OPER – Georg Holzer
youtube Trailer Staatstheater Nürnberg
[ Mit erweitertem Datenschutz eingebettet ]

Die Produktion wird komplett aus dem Nürnberger Opernensemble besetzt. Generalmusikdirektorin Joana Mallwitz entwickelte gemeinsam mit dem Dirigenten und Komponisten Frank Löhr eine neue, eigens für diese Inszenierung erstellte Orchesterfassung.

Hierfür kreierten sie eine stilistisch changierende Klangwelt aus dem Spannungsfeld zwischen heutiger Theaterpraxis und dem Anspruch historischer Informiertheit. Originalinstrumente treffen dabei auf das moderne Orchester: GMD Joana Mallwitz war es auch wichtig, das Repertoire für die Musiker*innen der Staatsphilharmonie Nürnberg zu erschließen. Ausgehend von der originalen Substanz der Monteverdi-Partitur erklingen im Orchester je nach dramatischer Situation wechselnde Besetzungen, Stil-Zitate und Analogien.

Eine mobile LED-Wand dominiert das Bühnenbild von Mathis Neidhardt, auf der sowohl vorproduzierte Videos als auch Live-Bilder projiziert werden können. Das Kostümbild ist schlicht und stattet die Soli, die sich aus dem Chor heraus entwickeln und wieder zurücktreten, zeichenhaft aus. Der Weg Orfeos von der Selfie-Flut der heutigen Konsumgesellschaft bis zur bilderlosen Unterwelt wird von Videokünstler Stefan Bischoff assoziativ nachgezeichnet.

Mathis Neidhardt, der auch für die Kostüme in L’Orfeo verantwortlich zeichnet, war von 1992 bis 2001 als Bühnen- und Kostümbildner am Staatsschauspiel Dresden engagiert und arbeitet seit 2001 freischaffend. Bis heute verbindet ihn eine enge künstlerische Mathis Neidhardt, Partnerschaft mit Jens-Daniel Herzog, mit dem er sowohl für das Schauspiel wie auch seit 2004 zunehmend für die Oper zahlreiche Bühnenbilder und Kostüme entwarf. So unter anderem für Inszenierungen an den Opernhäusern in Dortmund, Dresden, Frankfurt, Hamburg, Mannheim, Nürnberg und Zürich, für die Innsbrucker Festwochen der Alten Musik sowie für die Salzburger Festspiele. Zuletzt hat er am Staatstheater Nürnberg die Bühnenbilder von Jens-Daniel Herzogs „Don Carlos“ (2019) und „La Calisto“ (2019) gestaltet.

Der Schweizer Stefan Bischoff absolvierte von 1994 bis 2000 eine Ausbildung als Visueller Gestalter, Fachbereich Video, an der Hochschule für Gestaltung und Kunst in Basel und Luzern. Seit 2001 ist er freischaffender Videogestalter in der Filmbranche und begleitet Projekte intermedialer Videoinstallationen für Museen und Festivals. Engagements führten ihn u.a. an die Schauspielhäuser in Düsseldorf, Zürich und Hannover, München, Basel, Dresden und Berlin und an die Opéra Nationale de Paris. Er arbeitete u.a. mit den Regisseuren Sebastian Baumgarten, Peter Kastenmüller, Jorinde Dröse, Jossi Wieler, Hermann Schmidt-Rahmer, Bastian Kraft sowie Leonard Koppelmann & Peter Jordan. Neben drei Werkbeiträgen des Kantons Luzern führte ihn das Atelierstipendium des Kanton Luzerns 2005 nach Chicago. Mit der Produktion „Die heilige Johanna der Schlachthöfe“ (Regie: Sebastian Baumgarten, Schauspielhaus Zürich) wurde er zum Theatertreffen 2013 in Berlin eingeladen.

Den Choreografen Ramses Sigl verbindet eine langjährige Zusammenarbeit mit dem Regisseur Jens-Daniel Herzog. So arbeiteten sie u.a. zusammen für Les pêcheurs de perles und Rinaldo in Zürich, für Schillers Turandot am Residenztheater München, für „Die Zauberflöte“ bei den Salzburger Festspielen, Der fliegende Holländer und „Anna Nicole“ in Dortmund, für die Uraufführung „A Harlot?s Progress“ am Theater an der Wien sowie für „Giulio Cesare in Egitto“ an der Semperoper Dresden.
Von 1998 bis 2012 leitete Ramses Sigl die Tanzausbildung des Studiengangs Musical an der Bayerischen Theaterakademie August Everding. Für „King Arthur“ arbeitete er dort auch erstmals mit Claus Guth zusammen. Es folgten „Le nozze di Figaro“, „Don Giovanni“ und „Così fan tutte“ bei den Salzburger Festspielen sowie Händels „Messiah“ am Theater an der Wien. Mit Dieter Dorn erarbeitete Ramses Sigl bei den Salzburger Festspielen „Orphée et Eurydice“. Für die Bayerische Staatsoper München entstanden Choreografien zu „Medusa“ in der Inszenierung von Aron Stiehl und zu Strauss? „Feuersnot“, für das Opernhaus Zürich zu Gounods „Faust“ und für die Uraufführung „Die Stadt der Blinden“.
Außerdem schuf er Choreografien für die Schauspielhäuser in Düsseldorf, Bochum, Klagenfurt und Mannheim und arbeitete für Film und Fernsehen (u.a. „Im Winter ein Jahr“ von Caroline Link).

Frank Löhr studierte Klavier, Dirigieren, Komposition sowie studienbegleitend Historische Aufführungspraxis in Hamburg. Während seines Studiums konzertierte Frank Löhr vor allem als Kammermusiker und Liedbegleiter und war anschließend in freien Musiktheaterproduktionen als Korrepetitor und Dirigent aktiv. Als Continuo-Spieler (historische Harfen, Cembalo, Orgel, Hammerflügel) musiziert er regelmäßig mit dem Barockorchester Elbipolis und der Hannoverschen Hofkapelle zusammen. Außerdem arbeitete er als Arrangeur und Komponist u. a. für Spielfilme und Serien des ZDF. Charakteristisch für Löhrs musikalische Konzepte sind experimentelle Projekte, die Werke des chorsinfonischen Repertoires mit zeitgenössischen Klangwelten collagieren. Hierbei sind die Arbeiten „Beyond Messiah“ (Klosterfestival OWL), „Christus Fragment“ (nach Mendelssohn, Chor.com Hannover) und „Mozarts Requiem“ zu nennen. Bereits 27-jährig wurde Frank Löhr Professor für Dirigieren, 2005 wurde er als Professor für Chor- und Ensembleleitung an die Musikhochschule Hannover berufen.

—| IOCO Kritik Staatstheater Nürnberg |—

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Nürnberg, Staatstheater Nürnberg, Don Carlos – Intendant Herzog in der Hauptpartie, IOCO Aktuell, 25.11.2019

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Staatstheater Nürnberg

Staatstheater Nürnberg © Ludwig Olah

Staatstheater Nürnberg © Ludwig Olah

Staatsintendant Herzog „brilliert“ in der Partie des Don Carlos

Staatsintendant Jens-Daniel Herzog übernimmt in der letzten Vorstellung von Don Carlos kurzfristig die Hauptrolle Jeder Theaterabend ist einmalig, aber manche sind noch einmaliger.

Am Staatstheater Nürnberg meldete sich am 22. November 2019, wenige Stunden vor Beginn der letzten Aufführung von Don Carlos,  der Darsteller der Titelrolle krank. Um die ausverkaufte Vorstellung der Inszenierung von Regisseur Jens-Daniel Herzog unter der musikalischen Leitung von Joana Mallwitz nicht absagen zu müssen, begann die Suche nach einem Ersatz. Und sie ward bald gefunden: Der Tenor Hovhannes Ayvazyan aus St. Petersburg würde einspringen. Doch sollte er erst zwei Stunden vor Beginn der Vorstellung im Nürnberger Opernhaus eintreffen.

Staatstheater Nürnberg / Intendant Jens-Peter Herzog mutiert in der Maske zu Don Carlos © Staatstheater Nürnberg

Staatstheater Nürnberg / Intendant Jens-Peter Herzog mutiert in der Maske zu Don Carlos © Staatstheater Nürnberg

Eine szenische Einstudierung war daher ausgeschlossen, lediglich kurze musikalische Proben waren möglich. Kurzentschlossen sprang Staatsintendant und Operndirektor Jens-Daniel Herzog selbst ein und übernahm den szenischen Part, kannte er doch seine Inszenierung in und auswendig. Während Herzog auf der Bühne den Carlos mimte und lediglich die Lippen bewegte, übernahm Hovhannes Ayvazyan die Gesangspartien von der Seitenbühne. Doch stellte sich noch eine weitere Herausforderung des Abends: Bei der Inszenierung von Jens-Daniel Herzog handelte es sich um die französisch-sprachige, selten gespielte Fassung von Verdis Oper, Tenor Hovhannes Ayvazyan jedoch beherrschte lediglich die italienische Fassung. Kurzerhand wurde die Aufführung zu einem multilingualen Ereignis.

Don Carlos an der Staatsoper Nürnberg
youtube Trailer des Staatstheater Nürnberg
[ Mit erweitertem Datenschutz eingebettet ]

Ayvazyan sang seine Partie in italienischer Sprache, die weiteren Ensemblemitglieder auf Französisch, übertitelt wurde in deutscher und englischer Sprache. Damit machte das Staatstheater Nürnberg einmal mehr und auf sehr plastische Art deutlich: Wir sind ein internationales Haus! Wir sind Europa! Die knapp 1000 Besucher*innen des Opernhauses honorierten die Darstellung Jens-Daniel Herzogs und die Leistung des kompletten Teams auf und hinter der Bühne mit frenetischem Applaus.

—| IOCO Aktuell Staatstheater Nürnberg |—


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Nürnberg, Staatstheater Nürnberg, Joana Mallwitz – 2018/2019 GMD am Staatstheater, IOCO Aktuell, 20.02.2018

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Staatstheater Nürnberg

Staatstheater Nürnberg © Ludwig Olah

Staatstheater Nürnberg © Ludwig Olah

Joana Mallwitz neue Generalmusidirektorin

Erstmals eine Frau Orchesterchefin in Nürnberg

Die junge Dirigentin Joana Mallwitz (* 1986 in Hildesheim) übernimmt als neue Generalmusikdirektorin ab der Saison 2018/2019 die Leitung der Staatsphilharmonie Nürnberg. Ihr Vertrag läuft über fünf Jahre. Nürnbergs Kulturreferentin Prof. Dr. Julia Lehner hob hervor, dass mit Joana Mallwitz zum ersten Mal eine Frau dem größten Orchester Nürnbergs vorsteht:

„Mit der Berufung von Frau Mallwitz zur Generalmusikdirektorin an das Staatstheater Nürnberg wurde ein Schritt vollzogen, der in unserer Gesellschaft höchst überfällig ist: Frauen in Führungspositionen. Die Verpflichtung der hochkompetenten Dirigentin wird entscheidend dazu beitragen, dass das Haus auf dem richtigen Weg in die Zukunft ist. Statt Lippenbekenntnissen werden in Nürnberg Tatsachen geschaffen.“

Staatstheater Nürnberg / Bestellung von Joana Mallwitz zur neuen Generalmusikdirektorin in Nürnberg © Lars Finneisen

Staatstheater Nürnberg / Bestellung von Joana Mallwitz zur neuen Generalmusikdirektorin in Nürnberg © Lars Finneisen

Mit der Verpflichtung von Joana Mallwitz als neuer Generalmusikdirektorin des Staatstheaters ist die künftige Theaterleitung komplett. Jens-Daniel Herzog stellte die neue Orchesterchefin als eine Dirigentin mit souveräner Technik vor, die in der Musikszene einen hervorragenden Ruf genießt. In den Vordirigaten im Rahmen des Findungsprozesses habe Joana Mallwitz durch eine außergewöhnliche Musikalität, deutliche Zeichengebung und klare musikalische Konzepte und Ansagen überzeugt. Die junge, aufstrebende und international gefragte Künstlerin habe sich in ihrer Zeit als GMD am Theater Erfurt als Theaterpraktikerin ausgewiesen, die einem Orchester sowohl Sicherheit als auch künstlerische Visionen vermitteln kann

„Mit Joana Mallwitz als GMD und Jan Philipp Gloger als Schauspieldirektor sind zwei der gefragtesten Künstler ihrer Generation künftig Spartenleiter am Staatstheater Nürnberg. Sie stehen für einen Generationswechsel und bringen dabei die nötige Erfahrung mit, um ihre Sparten kompetent und ideenreich in die Zukunft zu führen. Als designierter Staatsintendant bin ich stolz und froh, solche Persönlichkeiten für Nürnberg gewonnen zu haben.
Das Nürnberger Publikum darf sich auf ihren frischen Blick auf bekannte Stücke des Opern- und Musikrepertoires freuen, ebenso aber auf ihre Ideen, wie das Musikleben in Nürnberg weiterentwickelt werden kann. Ich freue mich besonders, dass sich Joana Mallwitz längerfristig ans Staatstheater Nürnberg binden und hier eine kontinuierliche Arbeit machen will – dazu sind nicht viele der hochbegabten Dirigenten ihrer Generation bereit. Dass sich eine Musikerin wie Joana Mallwitz für das Staatstheater Nürnberg entscheidet, zeigt die Attraktivität und Zukunftsfähigkeit dieses Theaters und dieser Stadt.“, sagte Jens-Daniel Herzog im Rahmen der Ernennung im Oktober 2017.

Staatstheater Nürnberg / Bestellung von Joana Mallwith zur neuen Generalmusikdirektorin in Nürnberg © Lars Finneisen

Staatstheater Nürnberg / Bestellung von Joana Mallwith zur neuen Generalmusikdirektorin in Nürnberg © Lars Finneisen

Joana Mallwitz übernahm als jüngste Generalmusikdirektorin Europas in der Spielzeit 2014/2015 die Orchesterleitung am Theater Erfurt. Neben der Einstudierung zahlreicher Neuproduktionen initiierte sie auch eine Orchester-Akademie des Philharmonischen Orchesters Erfurt, begründete das Composer in Residence-Projekt „Erfurts Neue Noten“ und konzipierte das überaus erfolgreiche Konzertformat „Expeditionskonzerte“. Daneben gastierte sie europaweit an renommierten Bühnen wie der Königlichen Dänischen Oper, am Opernhaus Zürich, an der Oper Frankfurt und an der Hamburger Staatsoper.

Zur neuen Aufgabe in Nürnberg sagte die designierte Generalmusikdirektorin: „Ich freue mich auf die spannende und ehrenvolle Aufgabe, die als Nürnbergs neue Generalmusikdirektorin auf mich zukommt; auf die Arbeit mit der großartigen Staatsphilharmonie und dem wunderbaren Team um Jens-Daniel Herzog, in das ich seit den ersten Begegnungen das größte Vertrauen hatte und mit dem einfach die Chemie stimmt.“

Im Namen der Staatsphilharmonie Nürnberg gratulierte der Orchestervorstand, den Heidi Braun und Ewald Laube vertraten, Joana Mallwitz herzlich zur Berufung durch den künftigen Intendant und den Stiftungsrat:  „Wir freuen uns vor allem auf eine gute und künstlerisch anregende Zusammenarbeit mit unserer neuen Generalmusikdirektorin und sind sehr gespannt und guter Dinge, dass wir gemeinsam auf eine inspirierende musikalische Reise gehen werden.“ 

—| IOCO Aktuell Staatstheater Nürnberg |—


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