Münster, Theater Münster, Friedrich Hölderlin – 2020 – Theatergespräche, IOCO Aktuell, 21.12.2019

Dezember 21, 2019  
Veröffentlicht unter Pressemeldung, Spielpläne, Theater Münster

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Theater Münster

Theater Münster © Rüdiger Wölk

Theater Münster © Rüdiger Wölk

Friedrich Hölderlin – Der Dichter im Turm

Theatergespräche 2020  –  Beginn 6. Januar 2020

Acht Monate bevor Ludwig van Beethoven, der große Jubilar des kommenden Jahres, das Licht der Welt erblickte, wurde am 20. März 1770 im Herzogtum Württemberg der Dichter und Philosoph Friedrich Hölderlin geboren, eine der wirkungsmächtigsten Größen der deutschen und europäischen Geistesgeschichte. Aus Anlass seines 250. Geburtstags widmet sich das Theater Münster in einem umfangreichen Veranstaltungsprogramm im Jubiläumsjahr zwischen Januar und Mai 2020 dem Werk Hölderlins und seiner vielgestaltigen Rezeptionsgeschichte. Vertreter der internationalen Hölderlin-Forschung aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Italien werden sein dichterisches Oeuvre beleuchten, Schauspieler des Theaters Münster in Lesungen seine sprachgewaltige Poesie zum Vortrag bringen.

Der schwäbische Schriftsteller Friedrich Hölderlin (1770–1843), namhafter Vertreter des deutschen Idealismus, Freund und Diskussionspartner Georg W. F. Hegels und Friedrich W. J. Schellings, gilt als ein Vordenker der klassischen deutschen Philosophie. Seine extreme Sensibilität befähigte ihn darüber hinaus zu einzigartigen, vieldeutigen lyrischen und dramatischen Schöpfungen, deren Ausstrahlung bis ins 21. Jahrhundert reichen.

19. April 2020 – Hölderlin Festakt im Rathausfestsaal 

 Franz Karl Hiemer, Friedrich Hölderlin, um 1792, © Schiller-Nationalmuseum und Deutsches Literaturarchiv, Marbach am Neckar

Franz Karl Hiemer, Friedrich Hölderlin, um 1792, © Schiller-Nationalmuseum und Deutsches Literaturarchiv, Marbach am Neckar

Zu Lebzeiten galt Hölderlin als Außenseiter, er selbst sah sich als »Dichter in dürftiger Zeit«, als ein ewig Heimatloser und Revolutionär, der an der Enge des Alltags zu ersticken glaubte und mit seinen kühnen Zukunftsträumen von Freiheit und Gleichheit an den politischen Realitäten seiner Epoche scheitern musste. Von der Mitwelt als geisteskrank erklärt, sollte er die zweite Hälfte seines Lebens wegen schwerer psychischer Krisen in einem Tübinger Turm oberhalb des Neckars verbringen

Nach seinem Tod fast vergessen, entdeckte ihn das 20. Jahrhundert neu und stilisierte ihn zur umschwärmten Kultfigur der deutschen Dichtung. Als »großer Seher, der für sein Volk ins Licht tritt«, bejubelte ihn Stefan George, der Kommunist Johannes R. Becher bezeichnet ihn als »Sänger der nationalrevolutionären Befreiung«. Martin Heidegger adelte ihn schließlich zum Dichter-Messias und Künder einer »Ursprache«. Komponisten wie Paul Hindemith, Carl Orff und Hans Werner Henze vertonten seine Werke, bildende Künstler wie Erich Heckel und Max Ernst erfuhren die inspirierende Kraft des dichterische Erbes.

Die Theatergespräche werden am Montag, 6. Januar 2020 um 20.00 Uhr mit einem Einführungsvortrag des Präsidenten der Hölderlin-Gesellschaft Prof. Johann Kreuzer (Oldenburg) im Theatertreff eröffnet. Ein mehrseitiges Faltblatt, das an der Theaterkasse erhältlich ist, informiert über die weiteren Termine, Referenten und Vortragsthemen. Eine begleitende Reihe im Schloßtheater wird sich ab Sonntag, 19. April den biographischen und experimentellen Annäherungen an Hölderlins Leben und Werk im Film widmen. Am Geburtstag, am 20. März 2020 wird ein Festakt mit Vortrag, Musik und Rezitation im Rathausfestsaal das Ausnahmetalent Hölderlin würdigen.

Karten zum Preis von je 10,- €/ Vortrag sind an der Theaterkasse (Tel. 0251/ 5909-100) erhältlich. Das Gesamtprogramm mit 22 Veranstaltungen (ohne Filme) kostet 154,- €.

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Münster, Theater Münster, Konzertvorschau Januar  2020

Dezember 16, 2019  
Veröffentlicht unter Konzert, Pressemeldung, Theater Münster

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Theater Münster

Theater Münster © Rüdiger Wölk

Theater Münster © Rüdiger Wölk


Konzertvorschau Januar  2020
Sinfonieorchester Münster


NEUJAHRSKONZERT
»Go West«
Mittwoch, 1. Januar, 16.00 und 19.30 Uhr
Freitag, 3. Januar ,19.30 Uhr
Mit Götz Alsmann und der Götz Alsmann Band
Sinfonieorchester Münster | Dirigent: Golo Berg


3. ERBDROSTENHOFKONZERT
Montag, 6. Januar,  20.00 Uhr
Werke von Johann Sebastian Bach, Franz Schubert und Ludwig van Beethoven
Kammermusik im Festsaal des Erbdrostenhofs


4. SINFONIEKONZERT
Dienstag, 14. Januar, 19.30 Uhr
Mittwoch, 15. Januar, 19.30 Uhr
Sonntag, 19. Januar, 18.00 Uhr
Werke von John Corigliano, Dmitri Schostakowitsch und Ludwig van Beethoven
Solist: Wolfgang Emanuel Schmidt, Violoncello
Sinfonieorchester Münster | Dirigent: Golo Berg


HÖRT, HÖRT! – GESPRÄCHSKONZERT
Samstag, 18. Januar, 11.30 Uhr, Martinikirche
Ausschnitte aus der Sinfonie Nr. 7 A-Dur von Ludwig van Beethoven
Sinfonieorchester Münster
Dirigent und Moderation: Golo Berg


 3. RATHAUSKONZERT
Donnerstag, 23. Januar, 19.30 Uhr
Werke von Jan Dismas Zelenka, Georg Philipp Telemann und Ignaz Pleyel
Kammermusik im Rathausfestsaal


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Münster, Theater Münster, MEDEA – TanzTheater – Thomas Noone, IOCO Kritik, 28.11.2019

November 28, 2019  
Veröffentlicht unter Ballett, Hervorheben, Kritiken, Theater Münster

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Theater Münster

Theater Münster © Rüdiger Wölk

Theater Münster © Rüdiger Wölk

MEDEA  –  Getanzter Schrecken

 Thomas Noone bleibt dem Thema Fremdheit treu

von Hanns Butterhof

Mehrfach hat sich das TanzTheater Münster mit der Fremdheit befasst und etwa in Unknown Territorries oder der Winterreise intensive Studien dazu gezeigt. Jetzt hat Tanztheater-Chef Hans Henning Paar sein Ensemble zum zweiten Mal Thomas Noone anvertraut. Der britische Choreograph hat mit seiner eigenen, in Barcelona beheimateten ThomasNooneCompany bereits 2014 eine Medea aufgeführt. In einer für Münster überarbeiteten Fassung greift er mit dem Tanzabend Medea einen europäischen Grund-Mythos der Fremdheit und missglückten Integration tänzerisch beeindruckend wieder auf.

Medea TanzTheater in Münster
youtube Trailer des Theater Münster
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Die Bühne des Kleinen Hauses ist leer bis auf eine leicht gebogene Wand, die die Tanzfläche nach hinten abgrenzt. Ihre Beleuchtung, einmal warmes Rotgelb, dann grellkaltes Weiß (Bühne: Hubertus Reuters, Lichtdesign: Peter Lundin), unterstützt die emotionale Färbung der einzelnen Szenen. Wenn die Wand die Mauern der Stadt Theben bedeutet, dann findet die Handlung sinnigerweise vor ihr statt: Medea bleibt eine nie in der europäischen Stadt integrierte Fremde.

Das Stück beginnt nach Medeas Flucht aus ihrer „barbarischen“ Heimat Kolchis mit dem griechischen Abenteurer Jason. Ihm hatte sie aus Liebe geholfen, das ihr als Priesterin anvertraute Stammes-Heiligtum zu rauben, das Goldene Vlies. Es geht Noone mehr um Atmosphäre und Spannung aus den unaufgelösten Gegensätzen vor Theben als darum, die Handlung vollständig zu vertanzen.

Medea (Elizabeth Towles) tritt, wie alle in düsteres Blaugrau gekleidet (Kostüme: Marc Udina Duran), mit entschlossenem Schritt auf. Mit eckigen, exotischen Bewegungen und fliegenden Händen vergegenwärtigt sie sich ihre Situation; die wellenförmig wiederkehrende elektronische Musik Jim Pinchens erzählt von ihrer Erinnerung an die lange Fahrt auf dem Schiff und von Jasons verflossener Liebe.

 Theater Münster / Medea TanzTheater - hier : Elizabeth Towlles als Medea  kämpft um ihre Kinder © Oliver Berg

Theater Münster / Medea TanzTheater – hier : Elizabeth Towlles als Medea  kämpft um ihre Kinder © Oliver Berg

In krassem Gegensatz zu Medea zeigen der König von Theben, Kreon (Keelan Whitmore), und seine Tochter Glauke (Tarah Malaika Pfeiffer) geschmeidige Eleganz und fließende, kulturell gebändigte Bewegungen.Kreon will den weichen Jason (Leander Veizi) als Mann für Glauke. In einer Art Schattenboxen misst Kreon dessen Fähigkeit, seine königlichen Herrschergesten zu imitierten, für Jason eine erfolgreiche Initiation, einst König in Theben zu werden. Glauke gibt mit schwächelndem Einknicken ihr Einverständnis zum Plan der Männer. Vor den Augen des hilflosen, sich unisono bewegenden Chors der Korinther (Fátima López García, Kana Mabuchi, Matteo Mersi, Adrián Plá Cerdán, Charla Tuncdoruk) beginnt dann der verzweifelte, zu Herzen gehende Kampf Medeas um ihren Mann. Jason greift nicht mehr nach ihr, sie muss seine Hände mit letztlich vergeblicher Kraft selber an ihren Körper drücken. Ihr folgendes Ringen mit Jason um die beiden gemeinsamen, in unschuldiges Weiß gekleideten Kinder (Maria Bayarri Pérez und Raffaele Scicchitano) ist atemberaubend, ein Höhepunkt des Tanzabends. Die Glieder aller Vier verschlingen sich in großer Dynamik und Präzision. Als rotiere ein endloses Band mit nicht nachlassender Kraft, werden die Kinder zwischen den Eltern hin- und hergerissen.

Als Medea die Aussichtslosigkeit ihrer Hoffnungen erkennt, tötet sie in getanztem Schrecken alle außer Jason. Hier hätte durchaus deutlicher werden können, dass seine Strafe ist, den Tod der Kinder zu überleben, die er Medea hatte entziehen wollen.
Medea ist ein eindringlicher Beitrag zum Thema Fremdheit und eine tänzerisch beeindruckende Leistung des Ensembles zur anspruchsvollen, viel Dynamik und Athletik fordernden Choreographie von Thomas Noone.

Medea – TanzTheater am Theater Münster; die nächsten Termine: 5., 13., 20.12.2019, jeweils um 19.30 Uhr, am 25.12. um 18.00 Uhr

 

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Münster, Theater Münster, Musical ANATEVKA – Jerry Bock, 14.12.2019

November 27, 2019  
Veröffentlicht unter Musical, Premieren, Pressemeldung, Theater Münster

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Theater Münster

Theater Münster © Rüdiger Wölk

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ANATEVKA – Musical Joseph Stein, Jerry Bock

Premiere: Samstag, 14. Dezember 2019, 19.30 Uhr

Die jüdischen Bürger im kleinen Dorf Anatevka leben noch in den alten Traditionen. Doch die Zeiten sind unsicher, immer wieder finden antijüdische Ausschreitungen statt. Jeder ist wie ein Fiedler auf dem Dach – krampfhaft bemüht, eine fröh­liche Weise zu spielen, ohne herabzustürzen. Keiner ist reich, viele Wünsche sind offen, doch der Sabbat ist heilig und wird festlich begangen. So hält es auch Tevje, der Milchmann. Was würde er nicht alles tun, wenn er einmal reich wär‘! Doch er hat genug Sorgen mit seinen fünf Töchtern, die er und seine Frau Golde »unter die Haube« bringen möchten. Im Zuge der Judenpogrome durch den Zaren erfolgt die Ausweisung der Bewohner Anatevkas. Das Entsetzen der Menschen, denen man die Heimat nimmt, ist groß, doch sie sind wehrlos und müssen sich fügen. Bei aller Trostlosigkeit bleibt die Hoff­nung auf ein späteres Wiedersehen.

Dass ein Musical nicht Glanz und Gloria sowie ein ver­träumtes Happy End haben muss, um zu begeistern, beweist FIDDLER ON THE ROOF, das in Deutschland unter dem Titel ANATEVKA bekannt wurde. Die Handlung, die in vie­len Szenen die Waage zwischen heiter und bitterernst hält, basiert auf den Erzählungen des ostjüdischen Dichters Sho­lem Alejchem. Mit Rückgriffen auf die Musik der früher in Osteuropa siedelnden jüdischen Bevölkerung schuf Jerry Bock (1928–2010) seine beste Partitur und Evergreens wie Wenn ich einmal reich wär’ und ist es Liebe?

Musikalische Leitung: Stefan Veselka, Inszenierung: Nilufar K. Münzing, Choreografie: Jason Franklin, Bühne & Kostüme: Bernhard Niechotz, Choreinstudierung: Joseph Feigl
Dramaturgie: Ronny Scholz, Musikvermittlung: Ilka Roßbach

Mitwirkende: Tevje (Gregor Dalal), Golde (Suzanne McLeod), Zeitel (Melanie Spitau), Hodel (Kathrin Filip), Chava (Finn Samira), Shprintze / Bielke (Clara Heuft/ Mia/ Krusekamp/ Marleen Runde), Jente / Fruma-Sara (Barbara Wurster), Mottel Kamzoil / Oma Zeitel (Pascal Herington), Perchik (Emil Schwarz), Lazar Wolf (Christoph Stegemann), Motschach (Valmar Saar), Rabbi (Christian-Kai Sander), Awram (Lars Hübel), Mendel (Juan Sebastián Hurtado Ramírez), Wachtmeister (Ulrich Bärenfänger), Fedja (Patrick Kramer), Der Fiedler auf dem Dach (Mihai Ionescu/ Christoph Struck), Tänzer (Jason Franklin/ Maximo Marinelli/ Gian Marco Meier/ Gilberdan Verissimo Do Santos), Chor! (Opernchor des Theaters Münster, Extrachor des Theaters Münster), Sinfonieorchester Münster

Öffentliche Probe:
Samstag, 30. November, 11.30 Uhr, Großes Haus

Weitere Vorstellungen im Dezember :
Freitag, 20. Dezember, 19.30 Uhr, Großes Haus
Dienstag, 31. Dezember, 15.00 Uhr und 19.00 Uhr, Großes Haus

 

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