Münster, Theater Münster, UNKNOWN TERRITORIES – Uraufführung, 19.10.2018

Oktober 18, 2018  
Veröffentlicht unter Ballett, Premieren, Pressemeldung, Theater Münster

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Theater Münster

Theater Münster © Rüdiger Wölk

Theater Münster © Rüdiger Wölk

Uraufführung UNKNOWN TERRITORIES

Konzept & Inszenierung – Hans Henning Paar &  Michael Letmathe

Premiere: Freitag, 19. Oktober 2018, 19.30 Uhr, Kleines Haus

Ein spartenübergreifender Tanz-Theater-Abend In Kooperation mit der Ausstellung »Bauhaus und Amerika. Experimente in Licht und Bewegung« im LWL-Museum für Kunst und Kultur (9.11.2018 – 10.3.2019)

Theater Münster / UNKNOWN TERRITORIES © Oliver Berg

Theater Münster / UNKNOWN TERRITORIES © Oliver Berg

Mit seinem innovativen Anliegen, die strengen Gattungsgrenzen ­zwischen bildender, darstellender und angewandter Kunst ­aufzulösen, prägte das 1919 von Walter Gropius gegründete Bauhaus zahlreiche KünstlerInnen der Moderne. Es entstanden neue experimentelle ­Theaterformen wie z.B. die Bauhausbühne unter der Leitung von ­Oskar Schlemmer, welche in Form von Bewegungs- und Raumexperimenten unter Einbeziehung von Licht- und Filmprojektion u.a. mit der Aufhebung des Theaterraumes spielte.

Theater Münster / UNKNOWN TERRITORIES © Oliver Berg

Theater Münster / UNKNOWN TERRITORIES © Oliver Berg

Angeregt durch das LWL-Museum für Kunst und Kultur im Rahmen der Ausstellung BAUHAUS UND AMERIKA entstand die Idee für ein spartenübergreifendes Theaterprojekt mit der Lust am interdisziplinären, intermedialen Experiment: In kollektiver Autorenschaft von Choreograf, Regisseur, Bühnen- und Kostümbildner, Videokünstler, Komponist und DarstellerInnen entsteht ein Gesamtkunstwerk, bei dem die Interaktion zwischen visueller, auditiver und darstellender Kunst im Zentrum steht. Sowohl im Zusammen- als auch im Widerspiel der verschiedenen Disziplinen und Gattungen werden Grenzen ausgelotet und die Wahrnehmung des Eigenen und des Anderen hinterfragt. Es kommt sprichwörtlich zu einer Auseinandersetzung mit »Fremdkörpern und Denkräumen«.

Theater Münster / UNKNOWN TERRITORIES © Oliver Berg

Theater Münster / UNKNOWN TERRITORIES © Oliver Berg

Konzept & Inszenierung: Hans Henning Paar &  Michael Letmathe, Choreografie: Hans Henning Paar, Bühne: Luis Crespo Portero, Kostüme: Bernhard Niechotz, Video: Sven Stratmann, Musik: Fabian Kuss, Dramaturgie: Esther von der Fuhr

Besetzung
Maria Bayarri Pérez, Adam Dembczynski, Fátima López García, Kana Mabuchi, Simon Mantei, Matteo Mersi, Tarah Malaika Pfeiffer, Adrián Plá Cerdán, Bálint Tóth, Elizabeth Towles, Leander Veizi, Keelan Whitmore

Weitere Vorstellungen:  Mittwoch, 24. Oktober, 19.30 Uhr, , Samstag, 3. November, 19.30 Uhr, , Freitag, 9.November, 19.30 Uhr,

—| Pressemeldung Theater Münster |—

Münster, Theater Münster, Madama Butterfly – Giacomo Puccini, IOCO Kritik, 11.10.2018

Oktober 13, 2018  
Veröffentlicht unter Hervorheben, Kritiken, Oper, Theater Münster

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Theater Münster

Theater Münster © Rüdiger Wölk

Theater Münster © Rüdiger Wölk

 Madama Butterfly  –  Giacomo Puccini

 In psychologisch konstruierter Täter-Opfer-Kette

Von Hanns Butterhof

Schon zur Ouvertüre von Giacomo Puccinis Oper Madama Butterfly von 1904 bricht eine Welt zusammen. Der Vater eines Mädchens, das mit verbundenen Augen am Bühnenrand unter einem Kirschbäumchen kniet (Foto), begeht im Bühnenhintergrund rituell Selbstmord. Was diese Erfahrung mit und aus dem Kind macht, erzählt Regisseur Hans Walter Richter im Großen Haus des Theaters Münster mit feinsinniger Psychologie.

Madama Butterfly – Giacomo Puccini
Youtube Trailer  des Theater Münster
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Alles ist in dieser sehr jetzigen Madama Butterfly kaputt. Das leichtgebaute Japanhaus mit seinen Schiebetüren, das den ganzen Bühnenraum umschließt, mutet wie ein Gefängnis an (Bühne und Kostüme: Bernhard Niechotz). Der grüne Blechcontainer mittendrin mit dem roten Leuchtschriftzug „home sweet home“  ist ein freudlos kalter Fremdkörper.

Die 15-jährige Geisha Cio-Cio-San, auch Butterfly genannt, ist das Kind mit den verbundenen Augen. Kristi Anna Isene gibt sie, nach der harten Erfahrung, mit dem Vater die soziale Stellung verloren zu haben, realistisch ohne kindliche Naivität. Ihrem dramatischen Sopran ist ein Grundton von Traurigkeit auch in den Arien des Glücks eingeschrieben. Wer ihr blindes Vertrauen in das Treueversprechen ihres amerikanischen Ehemanns zu erschüttern versucht, muss ihren Zorn ertragen wie ihre klarsichtige Dienerin Suzuki (Judith Gennrich). Erschütternd tritt sie aus der eigenen heimatlichen Tradition heraus, ohne in einer neuen anzukommen; am Ende tötet sie sich gemäß dem Ehrencodex ihres Vaters.

Theater Muenster / Madama Butterfly - hier : Cio-Cio-San erlebt den Selbstmord ihres Vaters © Oliver Berg

Theater Muenster / Madama Butterfly – hier : Cio-Cio-San erlebt den Selbstmord ihres Vaters © Oliver Berg

Garrie Davislim als der amerikanische Marineoffizier Pinkerton, der sie von dem mafiosen Goro (Pascal Herington) mitsamt Container gekauft hat, lässt von Anfang an keinen Zweifel daran, dass er ein gewissenloser, selbstbezogener Zyniker ist. Schon bei seiner Hochzeit mit Cio-Cio-San stimmt er mit unbekümmertem Tenor ein Hoch auf seine künftige amerikanische Ehefrau an. Die Warnungen des Konsuls Sharpless (Filippo Bettoschi) vor solchem Leichtsinn nimmt er nicht ernst; verantwortungslos verlässt er Cio-Cio-San. Am Ende erfrecht er sich zwar, ihr den gemeinsamen Sohn zu nehmen, ist aber zu feige, ihr selber gegenüberzutreten.

Die Regie Hans Walter Richters zeichnet die Charaktere und ihre Welt eindringlich. Dass er aber den aus Amerika zurückkehrenden Sohn erfindet, der sich ebenfalls umbringt, dimmt Cio-Cio-San auf ein Glied in einer zu psychologisch konstruierten Täter-Opfer-Kette herunter. Das wird ihr als tragischer Figur der absoluten Heimatlosigkeit nicht gerecht.

Theater Muenster / Madama Butterfly - hier : Braut und Container hat Pinkerton gekauft (Kristi Anna Isene, Garrie Davislim) © Oliver Berg

Theater Muenster / Madama Butterfly – hier : Braut und Container hat Pinkerton gekauft (Kristi Anna Isene, Garrie Davislim) © Oliver Berg

In der musikalisch überzeugenden Aufführung sind die Stimmen ausgewogen gut besetzt und klingen hervorragend zusammen. GMD Golo Berg und das Sinfonieorchester Münster können trotz unsentimental zupackendem, die Dissonanzen und Intervallsprünge betonenden Dirigats nicht verhindern, dass es spätestens beim Summchor (Choreinstudierung: Inna Batyuk) Cio-Cio-San ist, die auch als Schuldige zutiefst ergreift.

Madama Butterfly im Theater Münster: Die nächsten Termine: 14.10.; 10.11; 27.11.und 29.12. 2018

—| IOCO Kritik Theater Münster |—

Münster, Theater Münster, Caligula – Albert Camus, IOCO Kritik, 11.10.2018

Oktober 12, 2018  
Veröffentlicht unter Kritiken, Schauspiel, Theater Münster

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Theater Münster

Theater Muenster © Oliver Berg

Theater Muenster © Oliver Berg

  Caligula  –  Albert Camus

– Im Dschungelcamp des Kaisers –

Von Hanns Butterhof

Kaiser Caligula, der vom Jahr 37 bis 41 das Römische Reich regierte, war ein Tyrann von hohen Graden. Mit dem 1945 uraufgeführten Caligula, dem ersten  Bühnenstück des algerisch-französischen Literatur-Nobelpreisträgers Albert Camus, eröffnet das Schauspiel am Theater Münster passend die neue Saison, die Ego-Monstern, Machtmenschen und Tyrannen gewidmet ist.

In Caligula spielt Camus die Frage durch, ob die Möglichkeit, alles infrage zu stellen, die Konventionen und selbst die Vernunft zu verneinen, zur Freiheit und Wahrhaftigkeit im Leben führt.

Caligula – Albert Camus
Youtube Trailer  des Theater Münster
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Durch den Tod seiner inzestuös geliebten Schwester ist Caligula (Joachim Foerster) nervlich zerrüttet und in seinem Glauben an die vernünftige Einrichtung der Welt fundamental erschüttert. In seiner unbeschränkten kaiserlichen Freiheit erprobt er an seinem Staatsrat, was von einer Persönlichkeit übrig bleibt, wenn man ihr den stabilisierenden sozialen Rahmen mit all seinen vermeintlichen Selbstverständlichkeiten zertrümmert.

Sein Hof, den Ausstatterin Žana Bošnjak wie den Befehlsstand eines Raumschiffs mit zentralem Steuerpult angelegt hat, entwickelt sich zum kaiserlichen Dschungelcamp. Mit der ihn liebenden, bedingungslos getreuen Caesonia (Sandra Schreiber) irritiert er sein Umfeld mit absurden Anordnungen; er demütigt, vergewaltigt, tötet, und je unterwürfiger sich die beständig von ihm mit dem Tod bedrohten Menschen verhalten, desto mehr verachtet er sie.

Joachim Foerster als Caligula taumelt hochtourig zwischen weinerlicher Desorientierung und kalter Durchführung seiner Ideologie. Ein Gastmahl mit dem genötigten Staatsrat verwandelt er nackt in eine Orgie von  lustvollem Sado-Masochismus, nur um die verdrängten animalischen Lüste in seinen Räten aufzudecken.

Theater Muenster / Caligula von Albert Camus -  hier : Orgie der Gewalt_ Fréderic Brossier, Christian Bo Salle, Sandra Schreiber, Joachim Foerster © Oliver Berg

Theater Muenster / Caligula von Albert Camus – hier : Orgie der Gewalt_ Fréderic Brossier, Christian Bo Salle, Sandra Schreiber, Joachim Foerster © Oliver Berg

Seine kalkulierte Willkür verschont niemanden, den alle Erniedrigung erduldenden Mucius (Gerhard Mohr) ebenso wenig wie Lepida (Sandra Bezler), die  Caligula anhimmelt, nachdem er sie die Lust hat erfahren lassen, von ihm vergewaltigt zu werden; selbst vor Caesonia macht er nicht Halt. Der sensible Dichter Scipio (Frédéric Brossier) erhängt sich. Dass Cherea (Christian Bo Salle), der intellektuelle Gegenpart Caligulas, mit dem Leben davonkommt, erscheint auch als einer der Willkürakte Caligulas.

Das ist mit Dauer-Hochdruck gespielt, wobei oft Lautstärke für Emotionalität und Nacktheit für Authentizität steht. Für differenzierteres Spiel und die Verdeutlichung der verschiedenen inhaltlichen Positionen, vor allem Chereas Beharren auf Sinn, bleibt da wenig Raum. Nerlichs Inszenierung stellt Caligulas konsequent kaiserliche Anarchie mehr lustvoll aus, als dass sie deren fehlgehenden Impuls auf Wahrhaftigkeit ins Zentrum stellte. Damit lenkt sie weitgehend den Blick von der Aktualität des Stücks in einer Welt ab, deren „Rationalität“ eine Katastrophe nach der anderen hervorruft. Die von Camus gestellte, wenn auch absurde Aufgabe geht unter, gegen wachsende Empfindungslosigkeit an menschlicher Sinnstiftung zu arbeiten.

Nach 2 Stunden pausenlosen Spiels großer Applaus des Premierenpublikums für alle Beteiligten, v.a. für Joachim Foerster als Caligula.

Caligula von Albert Camus; die nächsten Termine: 11., 13., 25. und 26.10.2018

—| IOCO Kritik Theater Münster |—

Münster, Theater Münster, Premiere MADAMA BUTTERFLY, 15.09.2018

August 15, 2018  
Veröffentlicht unter Oper, Premieren, Pressemeldung, Theater Münster

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Theater Münster

Theater Münster © Rüdiger Wölk

Theater Münster © Rüdiger Wölk

 

MADAMA BUTTERFLY
Premiere: Samstag, 15. September 2018, 19.30 Uhr

Großes Haus des Theaters Münster
Japanische Tragödie von Giacomo Puccini
in italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Nagasaki in »unserer Zeit«. Der amerikanische Marineleutnant Pinkerton geht während eines längeren Aufenthaltes die Ehe mit der Geisha Cio-Cio-San, genannt Butterfly, ein. Was für ihn kaum mehr als ein Zeitvertreib ist, bedeutet für sie die große Liebe. Drei Jahre wartet Butterfly, die ihm einen Sohn geboren hat, auf die Wiederkehr ihres Mannes. Als Kanonenschüsse die Rückkehr Pinkertons ankündigen, erkennt Butterfly den wahren Umstand seines Besuches: Er und seine Frau Kate sind gekommen, um ihr das Kind zu nehmen. Die Katastrophe nimmt ihren Lauf…

Giacomo Puccini (1858–1924) besuchte in London eine Vorstellung des Schauspiels MADAME BUTTERFLY von David Belasco. Das japanische Drama hatte ihn sofort in seinen Bann gezogen, so dass er diesen Stoff als Vorlage für seine neue Oper verwendete. Am 17. Februar 1904 fand die Uraufführung von Puccinis MADAMA BUTTERFLY im Teatro alla Scala in Mailand statt, mit der der Komponist sein einziges Fiasko erlebte. Puccini zog die Oper umgehend zurück, um sie umzuarbeiten. Dieser Tatsache verdankt die Nachwelt eine der genialsten Opernszenen, wenn Cio-Cio-San eine ganze Nacht lang auf Pinkerton wartet.

Musikalische Leitung: Golo Berg
Inszenierung: Hans Walter Richter
Bühne & Kostüme: Bernhard Niechotz
Choreinstudierung: Inna Batyuk
Dramaturgie: Ronny Scholz

Mitwirkende:
Cio-Cio-San (Kristi Anna Isene), Suzuki (Judith Gennrich/ Chrysanthi Spitadi), Pinkerton (Garrie Davislim), Sharpless (Filippo Bettoschi), Goro (Pascal Herington),

Yamadori (Youn-Seong Shim), Onkel Bonze (Christoph Stegemann), Kate Pinkerton (Christina Holzinger), Mutter Cio-Cio-Sans (Barbara Bräckelmann/ Simona Maestrini), Tante Cio-Cio-Sans (Ute Hopp/ Katarina Michaelli), Cousine (Katarzyna Grabosz/ Melanie Spitau), Yakusidé (Jin-Chul Jung), Standesbeamter (Jae Joon Pak), Kommissar (Kiyotaka Mizuno), Opernchor des Theaters Münster, Sinfonieorchester Münster

Matinée:
Sonntag, 2. September, 11.30 Uhr, Oberes Foyer
Öffentliche Probe (im Rahmen des Theaterfests):
Samstag, 8. September, 11.15 Uhr, Großes Haus

Weitere Vorstellungen im September:
Donnerstag, 20. September, 19.30 Uhr, Großes Haus
Dienstag, 25. September, 19.30 Uhr, Großes Haus
Sonntag, 30. September, 15.00 Uhr, Großes Haus

—| Pressemeldung Theater Münster |—

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