Münster, Theater Münster, Premiere ASCHENPUTTEL von Massenet, 14.04.2018

März 15, 2018  
Veröffentlicht unter Oper, Pressemeldung, Theater Münster

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Theater Münster

Theater Münster © Rüdiger Wölk

Theater Münster © Rüdiger Wölk

ASCHENPUTTEL  – Oper von Jules Massenet

Premiere: Samstag, 14. April 2018, 19.30 Uhr

»Wir haben alle unser Bestes gegeben, Euch ins Feenland zu entführen!«

Jules Massenets (1842–1912) Märchenoper ASCHENPUTTEL erzählt den großen Traum eines einsamen Mädchens, sich aus seinem hasserfüllten Elternhaus befreien zu können. Die 1899 an der Pariser Opéra Comique uraufgeführte Oper begeistert bis heute das junge und erwachsene Publikum gleichermaßen. Massenets zauberhafte Musik ist die Basis für eine sehnsuchtsvolle Fluchtmöglichkeit aus einer scheinbar fantasielosen Welt.

Aschenputtel lebt bei seiner Stiefmutter und seinen zwei Stiefschwestern. Anders als in der Grimmschen Vorlage verhilft eine gute Fee Aschenputtel, auf den Ball des Prinzen zu gelangen. Doch nach Mitternacht nimmt die Oper eine dramatische Wende. Das gefährdete  Glück des Liebespaares wird aber durch das Eingreifen der Zauberfee gerettet. Die Oper ASCHENPUTTEL handelt von einem Traum, der nach grausamem Erwachen doch noch Wirklichkeit wird. Das selten gespielte Werk gelangt als Münsteraner Erstaufführung auf die Bühne:

Musikalische Leitung: Stefan Veselka, Inszenierung: Roman Hovenbitzer, Bühne & Kostüme: Bernhard Niechotz, Choreinstudierung: Inna Batyuk, Dramaturgie: Ronny Scholz

Mitwirkende: Henrike Jacob (Aschenputtel, Cendrillon), Suzanne McLeod (Madame de la Haltière), Youn-Seong Shim (Le Prince Charmant), Kathrin Filip (La Fée), Kristi Anna Isene (Noémie), Christina Holzinger (Dorothée), Gregor Dalal (Pandolphe), Stephan Klemm (Le Roi),  Christian-Kai Sander (Le Doyen de la Faculté/ Herold), Filippo Bettoschi (Le Surintendant des plaisiers), Christoph Stegemann (Le Premier Ministre), Opernchor des Theaters Münster, Sinfonieorchester Münster

Öffentliche Probe:   Dienstag,  20. März, 19.30 Uhr , Großes Haus,  Matinée:  Sonntag, 25. März, 11.30 Uhr, Großes Haus

Weitere Vorstellungen im April:  Mittwoch, 25. April, 19.30 Uhr, Sonntag, 29. April, 15.00 Uhr; weitere Vorstellungen im Mai, Juni 2018  PMThMü

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Münster, Theater Münster, Spielplan 2018/19: Oper, Schauspiel, Tanz, Konzert, IOCO Aktuell, 11.03.2018

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Theater Münster © Rüdiger Wölk

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 Theater Münster präsentiert den Spielplan für 2018/19

Mozart muss man singen können

Von Hanns Butterhof

Nach einem kurzen, zufriedenen Rückblick auf die noch laufende Spielzeit haben Generalintendant Dr. Ulrich Peters und das Leitungsteam des Theater Münster das vielseitige Programm der neuen Spielzeit 2018/19 vorgestellt.

Am Beginn einer Jahrespressekonferenz lobt man sich gerne selber für das Geleistete, und da macht auch Peters keine Ausnahme. Er verweist auf über 700 Vorstellungen der Spielzeit mit einer Gesamt-Auslastung von 77 %. Die Renner waren im Tanztheater Hans Henning Paars Romeo und Julia mit 99 %, im Schauspiel Bert Brechts Johanna der Schlachthöfe und im Musiktheater Carl Maria von Webers Freischütz mit 72 %. Offenbar stimmt die Mischung des Programmangebots, denn so soll es auch in der kommenden Spielzeit weitergehen.

Theater Münster / Das Leitungsteam - stehend v. l. Frank Behnke, Rita Feldmann, Intendant Dr. Ulrich Peters, Golo Berg, sitzend v. l. Hans Henning Paar, Susanne Ablaß, Frank Röpke © Hanns Butterhof

Theater Münster / Das Leitungsteam – stehend v. l. Frank Behnke, Rita Feldmann, Intendant Dr. Ulrich Peters, Golo Berg, sitzend v. l. Hans Henning Paar, Susanne Ablaß, Frank Röpke © Hanns Butterhof

Ohne übergreifendes Motto kommt das Musiktheater aus. Das Programm wird hauptsächlich dadurch bestimmt, welche Sängerinnen und Sänger mit welchen Fähigkeiten am Haus zur Verfügung stehen. Unverzichtbar sei allerdings Mozart, nicht nur als Favorit des Publikums, sondern weil man Mozart singen können muss, diese Schule des Gesangs, unverzichtbar für Stimmhygiene, wie Peters schwärmt. Also diesmal „Die Entführung aus den Serail“, dazu Puccinis „Madama Butterfly“, Händels Oratorium „Saul“ und Prokofjews „Die Liebe zu den drei Orangen“, zusammen mit dem Musical „Sugar“ von Jule Styne nach „Manche mögen’s heiß“, das Peters inszenieren wird, eine sichere Bank. Für die Überraschungen stehen die wenig bekannte Oper „Street Scene“ von Kurt Weill und die Mono-Oper „Das Tagebuch der Anne Frank“ von Grigori Frid.

Schauspieldirektor Frank Behnke lenkt in seinem Programm den Blick auf Ego-Monster, Machtmenschen und Tyrannen. Alle drei Merkmale treffen bei „Caligula“ von Albert Camus zu, bei Friedrich Schillers „Wilhelm Tell“ – nach dem Krieg nie in Münster gespielt – kann die Zuordnung spannend werden. Zum Ego-Monster-Motto versprechen Patrick Marbers Komödie „Don Juan“ nach Molière und Lot Vekemans „Judas“ zu passen. Leo Tolstois „Anna Karenina“ ist ein Monsterroman; ihn zum Schauspiel umzustricken folgt einem unguten, das Drama von den Bühnen zurückdrängenden Trend, zu dem auch die Übernahme von Filmstoffen gehört wie von Ernst Lubitschs „Sein oder nicht Sein“..

Behnke versteht das Schauspiel betont politisch, eingreifend. Es dürfte interessant werden, zu sehen, inwieweit „politisch“ mehr bedeutet, als Gesinnung mit dem Kunstsiegel zu versehen, und mehr, als nur zu inszenieren, was das Publikum sowieso schon weiß.

Der künstlerische Leiter des Tanztheaters, Hans Henning Paar, wagt sich mit seinem Stück „Unknown Territories“ an weit die Sparten Übergreifendes: Tanz, Schauspiel und Musiktheater wirken in nicht ganz unbekanntem Land zusammen. Desgleichen bei dem Stück „Eine Winterreise“, bei dem zu einer von Hans Zander für Tenor und Kammerorchester komponierten Fassung von Franz Schuberts „Winterreise“ getanzt wird. Als Gastchoreographin wird Lenka Vagnerová den Tanzabend „And Then There Were None“ zum Programm beisteuern.

Für sein Konzertprogramm erwartet GMD Golo Berg ein „open minded“ Publikum. Wieder will er neben dem klassisch-romantischen Programm Komponisten aus Münster zu Gehör bringen. Vor allem möchte er an Fritz Volbach erinnern, der vor genau hundert Jahren das Münsteraner Symphonie-Orchester gegründet hat. Auch Julius Otto Grimm und Franz Bohner, zwei Komponisten-Freunde Brahms‘, stehen im Programm der Sinfoniekonzerte, wie Andreas Romberg ausdrücklich nicht aus lokalpatriotischen Gründen, sondern wegen ihrer ausgesprochen guten Musik, wie Berg betont.

Im Kinder- und Jugendtheater, für das sich mit Frank Röpke ein neuer Leiter vorstellt, wird Hausherr Peters als seine zweite Regie Astrid Lindgrens Kinderklassiker „Kalle Blomquist“ inszenieren.  Das Münsteraner Publikum darf sich auf eine interessante, vielseitige Spielzeit 2018/19 freuen.

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Münster, Theater Münster, Angels in America von Peter Eötvös, IOCO Kritik, 09.03.2018

März 9, 2018  
Veröffentlicht unter Hervorheben, Kritiken, Oper, Theater Münster

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Theater Münster © Rüdiger Wölk

Theater Münster © Rüdiger Wölk

   Angels in America – Oper von  Peter Eötvös

Engel gibt es nur auf Droge

Von Hanns Butterhof

Ein verrutschter knallroter Kussmund über einer mit Pissoirs bestückten Passage, die mit defekten Leuchtbuchstaben den Weg zum Himmel verspricht, ist kein gutes Vorzeichen für das Erscheinen von Engeln. Die Angels in America, die der Titel von Peter Eötvös‘ Oper verheißt, gibt es im Großen Haus des Theater Münster nur auf Droge in einer reichlich kaputten Welt.

Peter Eötvös hat die Angels in America auf zwei Paare konzentriert. Zum einen verlässt der junge Louis Ironson (David Zimmer) seinen Geliebten Prior Walter (Christian Miedl), als der ihm seine HIV-Infektion offenbart. Parallel trennt sich die valiumsüchtige Harper Pitt (Kristi Anna Isene) von ihrem Mann Joseph (Filippo Bettoschi), als sie von dessen Homosexualität erfährt. Als Joseph sich outet, findet er Louis als Partner.

Theater Münster / Angels in America - hier Christian Miedl als Prior Walter informiert Louis von seiner HIV-Infektion © Oliver Berg

Theater Münster / Angels in America – hier Christian Miedl als Prior Walter informiert Louis von seiner HIV-Infektion © Oliver Berg

Nur lose in die Geschichte eingebunden ist der rücksichtslose Staatsanwalt Roy Cohn (Christoph Stegemann), der noch im Tod seine Aids-Diagnose zu Leberkrebs umlügt. Er steht für den verdrängenden Umgang mit Homosexualität und für alles, was die Welt so als von Gott verlassen erscheinen lässt.

Regisseur Carlos Wagner gelingt es, die nicht mehr ganz so dringliche Kritik des sperrigen Stücks an der Diskriminierung Homosexueller mit erfreulich bissigem Humor zur Kritik an einer Welt auszuweiten, die ohne Verantwortlichkeit für das Ganze und Mitgefühl für einander zerfällt. Die Bühne Christophe Ouvrards drückt das treffend mit ihrer Teilung in drei kalte zwar zusammenhängende, doch gegeneinander abgeschottete Bereiche aus.

Unter Drogeneinfluss erscheinen Harper Pitt, Roy Cohn und Prior Walter ihre Engel: ein himmlischer Eisbär verschafft Harper die entbehrte Befriedigung, und Cohn erscheint eine Frau, die er einst auf den Elektrischen Stuhl gebracht hatte; noch auf dem Sterbebett verhöhnt er sie. Den dahinsiechenden Prior will sein blonder Engel (Kathrin Filip) für die Absage an eine Welt gewinnen, die sich ihren Untergang weidlich verdient hat. Doch Prior verweigert sich und nimmt, absurd, im Sterben Partei für das Leben. Seinen hoffnungsfrohen Appell, sich auf ein wie auch immer unvollkommenes Leben einzulassen, relativiert der dringende Drogenverdacht.

Die Sängerinnen und Sänger zeichnen ihre Rollen differenziert, vor allem Christian Miedl verkörpert überzeugend Homosexualität so unaufdringlich, wie es Filippo Bettoschi verdruckst gelingt.

 Theater Münster / Angels in America hier_ Der Engel will Prior als Prophet gewinnen, mit Kathrin Filip und Christian Miedl © Oliver Berg

Theater Münster / Angels in America hier_ Der Engel will Prior als Prophet gewinnen, mit Kathrin Filip und Christian Miedl © Oliver Berg

Das kleine Orchester unter dem behutsamen Dirigat von Golo Berg setzt dezent meist dissonante Klangflächen nebeneinander. Der elektronisch bearbeitet dahinperlende, nur selten in den Vordergrund drängende Klangfluss wird von den per Microport verstärkten Stimmen fast hörspielartig überlagert. Nur den Engeln, vor allem der koloraturensicher trällernden Kathrin Filip, ist Gesang gegönnt, während bei den anderen Rollen der Sprechgesang überwiegt.

Nach zweieinhalb Stunden der spannenden, englisch gesungenen und englisch übertitelten Aufführung – ab dem 10. 3. ist die Übertitelung auf Deutsch – gab es lang anhaltenden Beifall für das Ensemble, Golo Berg und das Sinfonieorchester Münster sowie den zur Premiere anwesenden Komponisten.

Angels of America im Theater Münster;  die nächsten Termine: 10., 16., 21., 23., 29.3.; 18.4.2018 jeweils 19.30 Uhr

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Münster, Theater Münster, Hold on – Getanzte Utopie von Versöhnung, IOCO Kritik, 06.03.2018

März 7, 2018  
Veröffentlicht unter Ballett, Hervorheben, Kritiken, Theater Münster

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Theater Münster © Rüdiger Wölk

Theater Münster © Rüdiger Wölk

James Wilton  –  Dynamischer Tanzabend „Hold On“

Getanzte Utopie gesellschaftlicher Versöhnung

Von Hanns Butterhof

Ein Bambusstab liegt im Lichtkegel mitten auf der Bühne. Im Dunkel sitzt das Ensemble in zwei Gruppen an der Seitenwand, zwischen ihnen ein Einzelner. Noch bevor das Licht im Kleinen Haus des Theaters Münster angeht, liegt Spaltung als Thema des fesselnden Tanzstücks „Hold On“ von Gastchoreograph James Wilton fest.

Das Stück beginnt mit Bildern der Harmonie. Während der Einzelne beobachtend an der Wand sitzen bleibt, spielen die übrigen mit dem Stab, stellen ihn senkrecht, fangen mit weichen Bewegungen seinen Sturz auf und integrieren ihn in ihren quirligen Kreistanz.

Theater Münster / Tanzstück Hold on hier - Jason Franklin und Elizabeth Towles © Oliver Berg

Theater Münster / Tanzstück Hold on hier – Jason Franklin und Elizabeth Towles © Oliver Berg

Das ändert sich, als der Einzelne (Jason Franklin) dazukommt und immer wieder mit seinem Versuch scheitert, an der Gruppe Halt zu gewinnen. Mit dem Bambusstab sondert er sich ab, ihn herrisch auf den Boden stoßend nutzt er ihn, um Macht über die Gruppe zu gewinnen. Was bisher Fluss war, erstarrt, was im Paartanz mit gespiegelten Bewegungen Harmonie war, wird mit verbissenem Ziehen und Drücken konkurrenter Kampf.

Die Gruppe ordnet sich seiner Herrschaft unter, nachdem er sie mit dem Stab in immer kleinere Einheiten aufgespalten hatte. Sie lässt sich zur Riege formieren und schließlich wie eine Herde von der Bühne treiben.

Wenn sie dann wieder die Bühne quert, dann vereinzelt in absurden Purzelbäumen oder geschwächt zusammensinkend.

Ein Versuch, zu entkommen, scheitert, als die Gruppe in einem extatisch schnellen Tanz mit vielen akrobatischen Drehungen, Sprüngen und raumgreifenden Gesten an der Seitenwand einen Turm aus Leibern errichtet, als wollte sie eine Mauer überwinden; doch stürzt sie rasch kraftlos in sich zusammen. Vereinzelt zerstieben die Gescheiterten im blauen Bühnennebellicht.

Nach weiteren Bildern der Herrschaft bis hin zum Schnitter Tod, der mit dem Bambusstab wie mit einer Sense die sich wegduckende Gruppe niedermäht, kommt es zur gewaltfreien Rebellion. Die Machtgesten des Einzelnen haben sich abgenützt, ohne Angst gehen alle auf ihn zu, auch die Paare des Anfangs haben sich in spiegelndem Tanz wieder gefunden. In einer der schönsten Bewegungen des an schönen Bildern reichen Stücks weicht die Gruppe letzten Spaltversuchen mit dem Bambusstab aus, der in sie eintaucht wie in Wasser, das sich über ihm wieder schließt und in dem keine Spur von ihm zurückbleibt, wenn er wieder herausgezogen wird. Die Herrschaft hat ihre Macht verloren.

Theater Münster / Tanzstück Hold on hier - Jason Franklin © Oliver Berg

Theater Münster / Tanzstück Hold on hier – Jason Franklin © Oliver Berg

Schließlich geht Elizabeth Towles, deren Eigensinn Jason Franklin in einem quälend langen Duett schon gebrochen hatte, auf ihn zu und entwindet ihm den Bambusstab. Doch statt der Rache findet sie, vor ihm hockend, einen liebevollen Blick für ihn. Am Ende steht die Hoffnung, dass er angenommen wird.

Nach fünfundsiebzig durchgetanzten Minuten riesiger Beifall des Premierenpublikums für das kraftvolle, aktuelle Statement James Wiltons zur Situation unserer Zeit und die begeisternde Umsetzung durch die zehn Tänzerinnen und Tänzer vom TanzTheaterMünster.

Tanzstück Hold on am Theater Münster:  Die nächsten Termine: 10., 15. und 21.3., jeweils 19.30 Uhr.

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