Münster, Westfälisches Landesmuseum, Bauhaus – Als die Bilder tanzen lernten, IOCO Kritik, 27.11.2018

November 28, 2018  
Veröffentlicht unter Hervorheben, ioco-art, Münster-Land

 Landesmuseum Münster mit Lichtplastik von Otto Piene. © Hanns Butterhof

Landesmuseum Münster mit Lichtplastik von Otto Piene © Hanns Butterhof

Landesmuseum Münster

Westfälisches Landesmuseum feiert – 100 Jahre Bauhaus

– Als die Bilder tanzen lernten –

Von Hanns Butterhof

Bauhaus, das sind weiße kubische Häuser, funktionale Möbel und schickes Design. Dass das nicht alles ist, sondern dass Bauhaus ein interdisziplinäres Labor für Licht- und Bewegungs-Experimente war und auch in diesem Sinne heute noch weiter wirkt, lässt die Ausstellung Bauhaus und Amerika. Experimente in Licht und Bewegung im Westfälischen Landesmuseum Münster eindrucksvoll sinnfällig werden.

Die Ausstellung kommt etwas früh, entstand doch das Staatliche Bauhaus in Weimar erst am 12. April 1919 mit Walter Gropius (1883 – 1969) als erstem Direktor und Namensgeber der Schule. Unter politischem Druck zog es 1925 nach Dessau um, wo die NSDAP nach gewonnener Gemeindewahl 1932 seine Schließung durchsetzte. Im gleichen Jahr wurde das Bauhaus als private Einrichtung nach Berlin verlegt, aber schon 1933 endgültig zur Selbstauflösung gezwungen.

In sechs Räumen im zweiten Stock des Museums ermöglicht die Ausstellung nun mit 150 Objekten von 50 Künstlern einen umfassenden Blick auf die wechselseitigen Beziehungen der nach Amerika emigrierten Bauhäusler zu amerikanischen Künstlern. Der formale Schwerpunkt liegt auf den Licht- und Bewegungs-Experimenten. Die ergaben sich aus dem programmatischen Anspruch des Bauhauses, die herkömmlichen Gattungsgrenzen zwischen der bildenden, der angewandten und der darstellenden Kunst zu sprengen. Damit öffnete sich der Weg für Licht- und kinetische Kunst, für den Experimental-Film wie auch für Tanz und Performance mit unübersehbaren Wirkungen bis ins Heute.

Westfälisches Museum Münster / Bauhaus hier Marcel Dzama und Merry go round © Hanns Butterhof

Westfälisches Museum Münster / Bauhaus hier Marcel Dzama und Merry go round #2 © Hanns Butterhof

Ein Beleg für diese fortdauernde Wirkung empfängt die Besucher bereits beim Eintritt in die Ausstellung. Den ersten Raum beherrscht leise klappernd ein Karussell mit bunten Blechfiguren, das wie eine Kombination von Blechspielzeug und Weihnachtspyramide aus dem Erzgebirge anmutet. Dieses von Marcel Dzama 2018 geschaffene Werk Merry go round #2 (Foto) ist kein unmittelbares Bauhaus-Produkt, bezieht sich aber direkt auf Entwurfszeichnungen für Figuren von Oskar Schlemmer (1888 – 1943) zum Ballett Spielzeug von 1928 und von Wassily Kandinsky (1866 – 1944) für Szenen zu dem Klavierstück Bilder einer Ausstellung von Modest Mussorgski (1839 – 1881), die im gleichen Raum zu sehen sind. Als charakteristisch erweisen sich die geometrischen Formen und damit die Entindividualisierung sowie das Spiel mit den je nach Beleuchtung wechselnden Farben. Die Lust, statt Bilder anderes zu gestalten, ist unübersehbar.

Andor Weininger (1899 – 1986) trieb diese Gedanken weiter und entwarf eine mechanische Bühnenrevue, in der die menschlichen Akteure ganz durch mechanisch bewegte Farbflächen ersetzt wurden. Die theoretische Voraussetzung dafür war die Annahme, dass das Zusammenspiel von Bewegung, Licht, Farbe, Form und Ton auf die Zuschauer ohne jedes spezielle Vorwissen wirken würde – und um die ging es ja unmittelbar nach dem Zusammenbruch der feudalen, auch ästhetischen Vorherrschaft.

UNKNOWN TERRITORIES – Tanz-Theater am Theater Münster mit den Grundintentionen des Baushaus – IOCO-Bericht HIER!

Von daher ist es nur ein kleiner Schritt zu einer das klassische Ballett ablösenden Tanz-Kunst, die im zweiten Raum der Ausstellung mit Schwarzweiß-Fotografien und Videos dokumentiert wird. Auch hier ist die Tendenz deutlich, den Tanz zu entindividualisieren und die Wahrnehmung vom Tänzer weg auf die Bewegung in Licht und Raum zu lenken. Am Black Mountain College in North Carolina, an dem der 1933 nach Amerika emigrierte Bauhäusler Josef Albers (1888 – 1976) das Programm der künstlerischen Ausbildung verantwortete, setzte vor allem Xanti Schawinsky (1904 – 1979) die Bühnenarbeit des Bauhauses fort. Er inspirierte Merce Cunningham (1919 – 2009) und Robert Rauschenberg (1925 – 2008), die mit dem experimentellen Komponisten John Cage (1912 – 1992) dem Tanz wesentliche Impulse zur Entwicklung der Performance gaben; in ihr wird auf die Wiedergabe einer Erzählung verzichtet und stattdessen auf vorgefundene Materialien und Alltagsgegenstände in der Umwelt reagiert. Auf fünf Monitoren kreiseln nun abstrakte kubische Figuren, führen Taxis ein Ballett auf und kontrastieren Musik-Tanz-Collagen von Merce Cunningham und John Cage mit der ernsthaft konventionellen Präsentation durch den Fernseh-Ansager.

Westfälisches Museum Münster / Bauhaus - hier : Robert Rauschenberg / Susan Weil: Blueprint © Hanns Butterhof

Westfälisches Museum Münster / Bauhaus – hier : Robert Rauschenberg / Susan Weil: Blueprint © Hanns Butterhof

Auf verschiedene Weisen zeigt sich so die allgemeine Tendenz des Bauhauses, sich auf möglichst keine traditionellen Bildungs-Inhalte einzulassen und voraussetzungslose ästhetische Erfahrungen zu ermöglichen. Ideal erwies sich dazu das populäre Medium Film, in dem etwa Walter Ruttmann (1887 – 1941) und Viking Eggeling (1888 – 1976) abstrakte Linien und Formen in Bewegung setzten. Völlig mechanisch arbeitet das in einem eigenen Raum aufgestellte Prunkstück der Ausstellung, der Licht-Raum-Modulator von László Moholy-Nagy (1895 – 1946). Die automatisierte Skulptur dreht sich, von einem Motor bewegt, um sich selbst und wirft bewegte Licht- und Schattenprojektionen ihrer Einzelteile an die Wand; Licht und Bewegung werden zum alleinigen, etwas merkwürdig selbstgenügsamen Inhalt.

Ähnlich, aber in der Verwendung von Motiven aus Bildern von Paul Klee (1879 -1940) populärer, sind Farbenlichtspiele von Ludwig Hirschfeld-Mack (1893 – 1965), für deren Projektionen auf die Leinwand eine erstaunlich detaillierte Reihe von Partituren zu sehen ist.

Die Beschäftigung mit der experimentellen Fotografie und dem absoluten, abstrakten Film, denen weitere Räume gewidmet sind, dürfte für die Produzenten interessanter als das Resultat für die Betrachter gewesen sein. So zeigt der Film von Oskar Fischinger (1900 – 1967) Komposition in Blau das Ballett ein- und mehrfarbiger Klötzchen, Platten und Kugeln zu einer erstaunlich unmodernen Operettenmusik.

Westfälisches Museum Münster / Bauhaus - hier : Der Licht-Raum-Modulator von László Moholy-Nagy © President and Fellows of Harvard College

Westfälisches Museum Münster / Bauhaus – hier : Der Licht-Raum-Modulator von László Moholy-Nagy © President and Fellows of Harvard College

Ein Raum ist Josef Albers und seiner Wirkung auf die Op-Art gewidmet. Die ausgestellten Werke sind meist stark leuchtende, geometrische Figuren, die zu flimmern und sich kaleidoskopisch zu bewegen scheinen. Was sich hier noch meistens im Rahmen hält, entgrenzt sich im Folgeraum. Da modellieren Hannes Beckmann (1909 – 1977) oder Lillian Florsheim (1896 – 1988) feinstofflich mit Licht wie es Bildhauer handfester mit Ton tun. Die Bilder tanzen schließlich selbst aus dem Rahmen.

Die Ausstellung feiert das Bauhaus, und das ist für eine Jubiläumsausstellung nicht ungewöhnlich. Doch hätte der wissenschaftlich aufwendige, sorgfältig die Schwerpunkte beschreibende Katalog die Grundannahmen der Bauhaustheorie auch kritisch befragen können, statt sie nur billigend hinzunehmen. Welchen Gewinn hat die Entgrenzung der künstlerischen Gattungen erbracht und wie wäre er messbar? Welchen Beitrag hat das Bauhaus zu dem geleistet, was als Unwirtlichkeit unserer Städte beschrieben wird? Und wie steht es mit dem Anspruch, ein nicht ästhetisch vorgebildetes Publikum unmittelbar anzusprechen, angesichts der breiten Kluft zwischen einer Elite der Vor- und den Nicht-Vorgebildeten?

Dass das Bauhaus auch heute noch seine Fruchtbarkeit entfaltet, zeigt eine durch das Landesmuseum angeregte Tanzaufführung im Theater Münster. Dort hat Hans Henning Paar, der das TanzTheaterMünster leitet, in seinem Stück Unknown Territories vor allem der Maxime des Bauhauses Rechnung getragen, die herkömmlichen Gattungsgrenzen der Kunst zu sprengen. Der Sprache, dem Bühnenbild mit Videoeinspielungen und Sound räumt er nahezu gleichen Rang wie dem Tanz seines 12-köpfigen Ensembles ein. Paar bezieht sich zudem auf die Bauhaus-Tendenz, den Tanz zu entindividualisieren und die Wahrnehmung vom Tänzer weg auf die Bewegung in Licht und Raum zu lenken.

In kleinerem Rahmen führen die Choreographen Matthias Markstein und Isaak Spencer die eigens zur Ausstellung entworfene Tanzperformance MESH an acht Terminen im Foyer des Landesmuseums auf.

Der Katalog zur Ausstellung (deutsch oder englisch) ist im Kerber Verlag Bielefeld erschienen. Die Museumsausgabe kostet 27 €.

Die Ausstellung Bauhaus und Amerika. Experimente in Licht und Bewegung endet am 10.3.2019 im LWL-Museum für Kunst und Kultur, Domplatz 10, 48143 Münster. Weitere Informationen unter www.bauhaus-amerika.de

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Mitteilung des LWL-Museum für Kunst und Kultur, Münster, 28.11.2019:  Aufgrund der großen Nachfrage werden ab sofort mehr öffentliche Kunstgespräche in der Ausstellung Bauhaus und Amerika. Experimente in Licht und Bewegung (bis 10.3.2019) angeboten. Von Donnerstag bis Sonntag können Kunstinteressierte nun zwischen verschiedenen Angeboten wählen.

„Wir kommen den Wünschen der Besucherinnen und Besuchern sehr gern nach“, äußert sich Museumsdirektor Dr. Hermann Arnhold und betont: „Gemeinsam sieht man einfach mehr.“ Deshalb bietet das Museum samstags ab 16 Uhr und sonntags ab 11 Uhr auch kurze Spotlight-Rundgänge zur Bauhausbühne, zur Lichtkunst und zu den Fotoexperimenten an. Zudem gibt es regelmäßig einstündige Überblicke über das experimentelle Schaffen von den über 50 Künstlerinnen und Künstlern, zu denen Josef und Anni Albers, Wassily Kandinsky, Paul Klee, Oskar Schlemmer, Xanti Schawinsky und László Moholy-Nagy zählen. Die einstündigen Rundgänge finden donnerstags um 16.30 Uhr, freitags um 16.00 und um 17.00 Uhr sowie samstags und sonntags um 14.00 und um 15.15 Uhr statt. Die Teilnahme ist mit einer gültigen Eintrittskarte kostenfrei. Die Teilnahmetickets sind 30 Minuten vor Beginn der Veranstaltung an der Museumskasse erhältlich.

Kinder von sechs bis zehn Jahren können darüber hinaus beim Bildschönen Samstag einen kreativen Zugang zum Bauhaus entdecken. Neben dem Ausstellungsbesuch steht hier die eigene künstlerische Praxis im Atelier im Fokus. Hier geht es beispielsweise um die bewegte Bühne, das Schwarzlichttheater oder analoge Fotoverfahren. Die Inhalte wechseln wöchentlich. Eine Anmeldung im Besucherservice ist immer bis zum vorherigen Freitag um 12 Uhr möglich.

Alle Themen und Zeiten sind unter http://www.bauhaus-amerika.de aufgeführt. Für telefonische Fragen steht der Besucherservice unter Telefon 0251 5907-201 zur Verfügung.

—| IOCO Kritik Landesmuseum Münster |—

Lengerich, Tanztheater mosaik, Uraufführung Kon-Takt, IOCO Aktuell, 23.03.2018

März 23, 2018  
Veröffentlicht unter Ballett, Kritiken, Münster-Land

 Tanztheater mosaik / v.l.: Christine Schwarz, Hacer Bilgir, Karola Beck, Anette Buschermöhle, Evi Alting, Ursula Mittring, Anne Engelhardt.© Hanns Butterhof

Tanztheater mosaik / v.l.: Christine Schwarz, Hacer Bilgir, Karola Beck, Anette Buschermöhle, Evi Alting, Ursula Mittring, Anne Engelhardt.© Hanns Butterhof

Tanztheater mosaik – Tanzstück „Kon-Takt“

 In der Provinz ganz unprovinziell

Von Hanns Butterhof

Zwischen Osnabrück und Münster gelegen ist Lengerich, westfälische Provinz. Was das dort seit fünfzehn Jahren ansässige Tanztheater mosaik jedoch Jahr für Jahr an Aufführungen auf die Bühne bringt, ist alles andere als provinziell. Jedes Stück hat ein aktuelles, auch die aus verschiedenen Kulturen stammenden Tänzerinnen selber betreffendes Thema, das grundsätzlich rein tänzerisch ausgedeutet wird. Mit den Stücken „Was also ist die Zeit“, „Wie hältst du’s mit der Religion“ oder „Mensch sucht Mensch“ gastierte mosaik in Münster und Osnabrück.

Ein Tanz vom Weg zu sich selbst

Jetzt begeisterten die neun Tänzerinnen unter der Leitung von Anne Engelhardt das Publikum in der Schule in der Widum mit der Uraufführung ihres neuen Tanzstücks   „Kon-Takt“. Für den fesselnd getanzten Bilderbogen über den Weg des Menschen zu sich selbst erntete mosaik Trampelbeifall, Bravos und Standing Ovations.

Tanztheater mosaik / „Kon-Takt“ - hier v.l.: Hatice Nagis, Marion Tewes-Lange, Uschi Lückge Pott © Dieter Vahrenhorst

Tanztheater mosaik / „Kon-Takt“ – hier v.l.: Hatice Nagis, Marion Tewes-Lange, Uschi Lückge Pott © Dieter Vahrenhorst

In drei großen Schritten, von der Individuation über das grenzenlose Streben nach Kontakt und Gemeinschaft bis hin zur ausgewogenen Autonomie in Bezogenheit, zeichnet „Kon-Takt“ tänzerisch vielfältig den Weg zu einer erwachsenen Persönlichkeit nach. Jeden dieser Schritte leitet ein kurzes, die Folgeszenen charakterisierendes Gedicht ein. Und so verschiedenartig die neun Tänzerinnen zwischen 50 und 83 Jahren sind, ohne Worte machen sie dann zu passend ausgesuchter romantischer oder rockiger Musik deutlich, dass ihnen für die gleichen Schritte unterschiedliche Möglichkeiten des Ausdrucks zur Verfügung stehen.

So beginnt der Tanzabend auf der ganz in Schwarz gehaltenen Bühne damit, dass sich die Tänzerinnen, noch eine amorphe Menge, aus einem die ganze Tanzfläche bedeckenden weißen Tuch herausarbeiten, über das faszinierend blaues Licht wie Nebel streift.  Dann gewinnt jede der schwarz gekleideten Tänzerinnen persönliche Kontur, wenn sie sich selbstbezogen mit raumgreifenden weg-da-jetzt-komm-ich-Bewegungen Platz schafft.

Dabei bleibt es nicht, das nun mit hellen Kleidchen tanzende Ensemble sucht vorsichtig tastend Kontakt untereinander. In flüchtigen Paarbeziehungen wird erkundet, was Liebe ist, hat die Sehnsucht nach Bindung, sogar die nach dem Tod, ebenso ihren Platz wie die Furcht vor vereinnahmender Fesselung; im Schwarzlicht kämpfen drei nur schwach sichtbare Gestalten mit stark leuchtenden farbigen Schnüren darum, diesen Bindungs-Knoten für sich zu lösen.

Tanztheater mosaik / „Kon-Takt“ - hier v.l. Anette Buschermöhle, Uschi Lückge Pott, Christine Schwarz © Dieter Vahrenhorst

Tanztheater mosaik / „Kon-Takt“ – hier v.l. Anette Buschermöhle, Uschi Lückge Pott, Christine Schwarz © Dieter Vahrenhorst

In einem der schönsten Bilder dieses an schönen Bildern reichen Tanzabends ordnet sich das Ensemble zu einer die Tanzfläche kreisförmig im gleichen ruhigen Takt umschreitenden Reihe. Alle halten sich, eine hinter der andren, an den Händen und bilden in ihrer Verschiedenheit einen Zusammenhang, der auch dadurch nicht gestört wird, dass immer andere sich an die Spitze setzen. In ihrem Beisammensein bewahren sie ihre Eigenständigkeit, ein berührendes Bild gelingender Menschwerdung im Kon-Takt.

Ein ausgelassener, lebensfroher Schlusstanz riss das Publikum zum Klatschen im Takt mit. Dann feierte es lang anhaltend das fesselnd tanzende Ensemble und seine Choreographin Anne Engelhardt für ihr bewegendes Kon-Takt -Stück, das keinen Weg dogmatisch vorgibt, sondern verschiedene Perspektiven auf die eigene Lebenserfahrung eröffnet.

—| IOCO Kritik Tanztheater mosaik |—

Münster, Kabarett RADIKALKU(ltu)R, Schnee von gestern? Reutter – Kreisler, IOCO Kritik, 28.11.20

November 29, 2017  
Veröffentlicht unter Kritiken, Münster-Land, Schauspiel

 Münster / Kabarett Radikalkultur hier Schnee von gestern ? © Hanns Butterhof

Münster / Kabarett Radikalkultur hier Schnee von gestern ? © Hanns Butterhof

RADIKALK(ult)UR gefällt mit neuem „Schnee von gestern?“

Aus der Kabarett-Nische „anspruchsvoll“

Von  HANNS BUTTERHOF

Das literarisch-musikalische Kabarett RADIKALK(ult)UR hat im Kulturforum Münster-Nienberge sein neues, das 5. Programm „Schnee von gestern?“ vorgestellt.

Im Rahmen einer Redaktionskonferenz um einen 52-teiligen Rückblick auf die Höhepunkte des literarischen Kabaretts des 20. Jahrhunderts erweist sich dieses als noch sehr lebendig und hochaktuell. Die hinreißenden Chansons und scharfzüngigen Texte von Kurt Tucholsky, Georg Kreisler und vielen anderen werfen ein spöttisches, manchmal gruselig aktuelles Licht auf die Frauenfrage, auf politische und soziale Brennpunkte, Antisemitismus und, klassischerweise als letztem Punkt, den Tier- und Naturschutz. Kurz, es geht auch in diesem Programm der anspruchsvollen Kabarettisten wieder um den ganzen Sinn des Lebens, und der ist nicht Schnee von gestern.

 Münster / Kabarett Radikalkultur hier Das Musikteam Tauland Haxhikadrija und Mechthild von Schoenebeck © Hanns Butterhof

Münster / Kabarett Radikalkultur hier Das Musikteam Tauland Haxhikadrija und Mechthild von Schoenebeck © Hanns Butterhof

Die acht Frauen, eingeschlossen Regisseurin Christa Romberg und Mechthild von Schoenebeck, die den Text zwischen den Liedern verfasst hat und sie auch beflügelt am Klavier begleitet, übererfüllen leicht jede Frauenquote; neben dem Klarinettisten Tauland Haxhikadrija ist nur noch ein weiterer Mann an Bord. Ihre Mischung aus Musik und Literatur findet in der Nische „anspruchsvoll“ ihren Platz, die von der gängigen Comedy nicht bespielt wird.

 „Schnee von gestern?“ zeigt nicht nur beeindruckend, dass die Menschheit in den letzten hundert Jahren nicht sehr viel weiter gekommen ist. Vielmehr sind unsere heutigen Diskussionen damals schon wesentlich intelligenter, unverkrampfter und nachgerade weise geführt worden. Kabarett heute braucht sich daran nur zu erinnern, und RADIKALK(ult)UR tut dies ausgiebig und erhellend.

Der dankbare Beifall des aufmerksamen Premierenpublikums erzwang mehrere Zugaben.

Radikalkultur:  Die nächsten Termine: 28.11.2017 um 19.30 Uhr in Dortmund-Huckarde, Rahmer Str. 124, und am 1.12.2017 um 20.00 Uhr in Senden, Friedenskapelle.

—| IOCO Kritik Kabarett RADIKALKU(ltu)R |—

Münster, Kabarett RADIKALKU(ltu)R, Schnee von gestern? Reutter – Kreisler, IOCO Aktuell, 21.11.20

November 23, 2017  
Veröffentlicht unter Münster-Land, Pressemeldung, Schauspiel

 „Schnee von gestern? Ein literarisches Kabarett von Otto Reutter bis Georg Kreisler“

Kabarett RADIKALKU[ltu]R  präsentiert das 5. Kabarettprogramm

Im Rahmen einer Redaktionskonferenz um einen 52-teiligen Jahrhundertrückblick fürs Fernsehen über Highlights des literarischen Kabaretts des 20. Jahrhunderts zeigt sich dieses als noch sehr lebendig und aktuell. Hinreißende Lieder und scharfzüngige Texte von Kurt Tucholsky, Georg Kreisler und vielen anderen werfen ein spöttisches, manchmal gruselig aktuelles Licht auf die Frauenfage, auf politische und soziale Brennpunkte, den Antisemitismus und, klassischerweise als letztem Punkt, den Tier- und Naturschutz. Kurz, es geht auch in diesem Programm wieder um den ganzen Sinn des Lebens, und der ist kein Schnee von gestern.

Aufführungen: Am 24 und 25.11.2017, 20.00 Uhr, in Münster-Nienberge, Kulturforum, Kirmstr.1; am 28.11.2017, 19.30 Uhr, in Dortmund-Huckarde, Rahmer Str. 124 (Evangelische freikirchliche Gemeinde), und am 1.12.2017 in Senden, Friedenskapelle, Grüner Grund 5.

Der Eintritt ist frei, Spenden kommen der Welthungerhilfe zugute

Texte aus früheren Programmen von RADIKALKU[ltu]R und weitere Satiren von Mechthild von Schoenebeck bietet ihr neuestes Buch: Berichte von der Vollpfostenfront. Satirische Texte zur aktuellen Lage. Verlag DeBehr, Radeberg 2017, 10,95 €

—| Pressemeldung RADIKALKU(ltu)R |—

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