Lengerich, Tanztheater mosaik, Uraufführung Kon-Takt, IOCO Aktuell, 23.03.2018

März 23, 2018  
Veröffentlicht unter Ballett, Kabarett Muenster, Kritiken

 Tanztheater mosaik / v.l.: Christine Schwarz, Hacer Bilgir, Karola Beck, Anette Buschermöhle, Evi Alting, Ursula Mittring, Anne Engelhardt.© Hanns Butterhof

Tanztheater mosaik / v.l.: Christine Schwarz, Hacer Bilgir, Karola Beck, Anette Buschermöhle, Evi Alting, Ursula Mittring, Anne Engelhardt.© Hanns Butterhof

Tanztheater mosaik – Tanzstück „Kon-Takt“

 In der Provinz ganz unprovinziell

Von Hanns Butterhof

Zwischen Osnabrück und Münster gelegen ist Lengerich, westfälische Provinz. Was das dort seit fünfzehn Jahren ansässige Tanztheater mosaik jedoch Jahr für Jahr an Aufführungen auf die Bühne bringt, ist alles andere als provinziell. Jedes Stück hat ein aktuelles, auch die aus verschiedenen Kulturen stammenden Tänzerinnen selber betreffendes Thema, das grundsätzlich rein tänzerisch ausgedeutet wird. Mit den Stücken „Was also ist die Zeit“, „Wie hältst du’s mit der Religion“ oder „Mensch sucht Mensch“ gastierte mosaik in Münster und Osnabrück.

Ein Tanz vom Weg zu sich selbst

Jetzt begeisterten die neun Tänzerinnen unter der Leitung von Anne Engelhardt das Publikum in der Schule in der Widum mit der Uraufführung ihres neuen Tanzstücks   „Kon-Takt“. Für den fesselnd getanzten Bilderbogen über den Weg des Menschen zu sich selbst erntete mosaik Trampelbeifall, Bravos und Standing Ovations.

Tanztheater mosaik / „Kon-Takt“ - hier v.l.: Hatice Nagis, Marion Tewes-Lange, Uschi Lückge Pott © Dieter Vahrenhorst

Tanztheater mosaik / „Kon-Takt“ – hier v.l.: Hatice Nagis, Marion Tewes-Lange, Uschi Lückge Pott © Dieter Vahrenhorst

In drei großen Schritten, von der Individuation über das grenzenlose Streben nach Kontakt und Gemeinschaft bis hin zur ausgewogenen Autonomie in Bezogenheit, zeichnet „Kon-Takt“ tänzerisch vielfältig den Weg zu einer erwachsenen Persönlichkeit nach. Jeden dieser Schritte leitet ein kurzes, die Folgeszenen charakterisierendes Gedicht ein. Und so verschiedenartig die neun Tänzerinnen zwischen 50 und 83 Jahren sind, ohne Worte machen sie dann zu passend ausgesuchter romantischer oder rockiger Musik deutlich, dass ihnen für die gleichen Schritte unterschiedliche Möglichkeiten des Ausdrucks zur Verfügung stehen.

So beginnt der Tanzabend auf der ganz in Schwarz gehaltenen Bühne damit, dass sich die Tänzerinnen, noch eine amorphe Menge, aus einem die ganze Tanzfläche bedeckenden weißen Tuch herausarbeiten, über das faszinierend blaues Licht wie Nebel streift.  Dann gewinnt jede der schwarz gekleideten Tänzerinnen persönliche Kontur, wenn sie sich selbstbezogen mit raumgreifenden weg-da-jetzt-komm-ich-Bewegungen Platz schafft.

Dabei bleibt es nicht, das nun mit hellen Kleidchen tanzende Ensemble sucht vorsichtig tastend Kontakt untereinander. In flüchtigen Paarbeziehungen wird erkundet, was Liebe ist, hat die Sehnsucht nach Bindung, sogar die nach dem Tod, ebenso ihren Platz wie die Furcht vor vereinnahmender Fesselung; im Schwarzlicht kämpfen drei nur schwach sichtbare Gestalten mit stark leuchtenden farbigen Schnüren darum, diesen Bindungs-Knoten für sich zu lösen.

Tanztheater mosaik / „Kon-Takt“ - hier v.l. Anette Buschermöhle, Uschi Lückge Pott, Christine Schwarz © Dieter Vahrenhorst

Tanztheater mosaik / „Kon-Takt“ – hier v.l. Anette Buschermöhle, Uschi Lückge Pott, Christine Schwarz © Dieter Vahrenhorst

In einem der schönsten Bilder dieses an schönen Bildern reichen Tanzabends ordnet sich das Ensemble zu einer die Tanzfläche kreisförmig im gleichen ruhigen Takt umschreitenden Reihe. Alle halten sich, eine hinter der andren, an den Händen und bilden in ihrer Verschiedenheit einen Zusammenhang, der auch dadurch nicht gestört wird, dass immer andere sich an die Spitze setzen. In ihrem Beisammensein bewahren sie ihre Eigenständigkeit, ein berührendes Bild gelingender Menschwerdung im Kon-Takt.

Ein ausgelassener, lebensfroher Schlusstanz riss das Publikum zum Klatschen im Takt mit. Dann feierte es lang anhaltend das fesselnd tanzende Ensemble und seine Choreographin Anne Engelhardt für ihr bewegendes Kon-Takt -Stück, das keinen Weg dogmatisch vorgibt, sondern verschiedene Perspektiven auf die eigene Lebenserfahrung eröffnet.

—| IOCO Kritik Tanztheater mosaik |—

Münster, Kabarett RADIKALKU(ltu)R, Schnee von gestern? Reutter – Kreisler, IOCO Kritik, 28.11.20

November 29, 2017  
Veröffentlicht unter Kabarett Muenster, Kritiken, Schauspiel

 Münster / Kabarett Radikalkultur hier Schnee von gestern ? © Hanns Butterhof

Münster / Kabarett Radikalkultur hier Schnee von gestern ? © Hanns Butterhof

RADIKALK(ult)UR gefällt mit neuem „Schnee von gestern?“

Aus der Kabarett-Nische „anspruchsvoll“

Von  HANNS BUTTERHOF

Das literarisch-musikalische Kabarett RADIKALK(ult)UR hat im Kulturforum Münster-Nienberge sein neues, das 5. Programm „Schnee von gestern?“ vorgestellt.

Im Rahmen einer Redaktionskonferenz um einen 52-teiligen Rückblick auf die Höhepunkte des literarischen Kabaretts des 20. Jahrhunderts erweist sich dieses als noch sehr lebendig und hochaktuell. Die hinreißenden Chansons und scharfzüngigen Texte von Kurt Tucholsky, Georg Kreisler und vielen anderen werfen ein spöttisches, manchmal gruselig aktuelles Licht auf die Frauenfrage, auf politische und soziale Brennpunkte, Antisemitismus und, klassischerweise als letztem Punkt, den Tier- und Naturschutz. Kurz, es geht auch in diesem Programm der anspruchsvollen Kabarettisten wieder um den ganzen Sinn des Lebens, und der ist nicht Schnee von gestern.

 Münster / Kabarett Radikalkultur hier Das Musikteam Tauland Haxhikadrija und Mechthild von Schoenebeck © Hanns Butterhof

Münster / Kabarett Radikalkultur hier Das Musikteam Tauland Haxhikadrija und Mechthild von Schoenebeck © Hanns Butterhof

Die acht Frauen, eingeschlossen Regisseurin Christa Romberg und Mechthild von Schoenebeck, die den Text zwischen den Liedern verfasst hat und sie auch beflügelt am Klavier begleitet, übererfüllen leicht jede Frauenquote; neben dem Klarinettisten Tauland Haxhikadrija ist nur noch ein weiterer Mann an Bord. Ihre Mischung aus Musik und Literatur findet in der Nische „anspruchsvoll“ ihren Platz, die von der gängigen Comedy nicht bespielt wird.

 „Schnee von gestern?“ zeigt nicht nur beeindruckend, dass die Menschheit in den letzten hundert Jahren nicht sehr viel weiter gekommen ist. Vielmehr sind unsere heutigen Diskussionen damals schon wesentlich intelligenter, unverkrampfter und nachgerade weise geführt worden. Kabarett heute braucht sich daran nur zu erinnern, und RADIKALK(ult)UR tut dies ausgiebig und erhellend.

Der dankbare Beifall des aufmerksamen Premierenpublikums erzwang mehrere Zugaben.

Radikalkultur:  Die nächsten Termine: 28.11.2017 um 19.30 Uhr in Dortmund-Huckarde, Rahmer Str. 124, und am 1.12.2017 um 20.00 Uhr in Senden, Friedenskapelle.

—| IOCO Kritik Kabarett RADIKALKU(ltu)R |—

Münster, Kabarett RADIKALKU(ltu)R, Schnee von gestern? Reutter – Kreisler, IOCO Aktuell, 21.11.20

November 23, 2017  
Veröffentlicht unter Kabarett Muenster, Pressemeldung, Schauspiel

 „Schnee von gestern? Ein literarisches Kabarett von Otto Reutter bis Georg Kreisler“

Kabarett RADIKALKU[ltu]R  präsentiert das 5. Kabarettprogramm

Im Rahmen einer Redaktionskonferenz um einen 52-teiligen Jahrhundertrückblick fürs Fernsehen über Highlights des literarischen Kabaretts des 20. Jahrhunderts zeigt sich dieses als noch sehr lebendig und aktuell. Hinreißende Lieder und scharfzüngige Texte von Kurt Tucholsky, Georg Kreisler und vielen anderen werfen ein spöttisches, manchmal gruselig aktuelles Licht auf die Frauenfage, auf politische und soziale Brennpunkte, den Antisemitismus und, klassischerweise als letztem Punkt, den Tier- und Naturschutz. Kurz, es geht auch in diesem Programm wieder um den ganzen Sinn des Lebens, und der ist kein Schnee von gestern.

Aufführungen: Am 24 und 25.11.2017, 20.00 Uhr, in Münster-Nienberge, Kulturforum, Kirmstr.1; am 28.11.2017, 19.30 Uhr, in Dortmund-Huckarde, Rahmer Str. 124 (Evangelische freikirchliche Gemeinde), und am 1.12.2017 in Senden, Friedenskapelle, Grüner Grund 5.

Der Eintritt ist frei, Spenden kommen der Welthungerhilfe zugute

Texte aus früheren Programmen von RADIKALKU[ltu]R und weitere Satiren von Mechthild von Schoenebeck bietet ihr neuestes Buch: Berichte von der Vollpfostenfront. Satirische Texte zur aktuellen Lage. Verlag DeBehr, Radeberg 2017, 10,95 €

—| Pressemeldung RADIKALKU(ltu)R |—