Münster, GOP Varieté – Theater, Appartment – Zimmer frei / Show, IOCO Kritik, 01.04.2019

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GOP Variete Theater Münster

GOP Varieté-Theater Münster © GOP Münster

GOP Varieté-Theater Münster © GOP Münster

Appartment – Kein Zimmer frei im Varieté

Turbulente GOP-Show – Vergnügliche Unterhaltung für Jung und Alt

von Hanns Butterhof

Appartement – Zimmer frei ist die neue Show im GOP Münster. Wer sich allerdings auf Wohnungssuche befindet und sich Hoffnungen auf ein ruhiges WG-Zimmer machen sollte, würde  enttäuscht werden; schon während der laufenden Vorstellung ist das Zimmer vergeben, und ruhig wäre es schon gar nicht.

Regisseurin Sabine Rieck stellt mehr als das Appartement seine schrulligen Besitzer, die Mieter, deren Beziehungen untereinander und alle ihre erstaunlichen Fähigkeiten ins Zentrum der turbulenten Schau.

Appartment   –  GOP – Varieté-Show
youtube Trailer des GOP
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Reinhard Bichsel und Monika Danielsson-Bichsel haben auf die GOP-Bühne ein etwas angestaubtes Appartement gebaut, mit hoher Bücherwand und integriertem Röhrenradio vor einer schwer gemusterten Tapete. Besitzer sind das Comedien-Duo Les Deux de Pique, Philippe Trépanier und Tamara Bousquet. Man könnte sie beim ersten Auftritt für ein etwas schräges altertümliches Ehepaar halten, aber im Verhältnis zu ihren Mietern zeigen sie sich bald von einer anderen Seite. Zuerst verblüfft Madame mit ihrem erstaunlich innigen Verhältnis zu ihrem Personal Trainer James Holt. Der nimmt sie sogar zu einem waghalsigen Ausflug auf den hohen Chinesischen Mast mit, an dem er ihr so schwungvoll wie begeisternd vorturnt. Auch verfügt sie wie auch ihr Gatte über eine wahnsinnige Treffsicherheit darin, sich über die halbe Bühnendistanz hinweg gegenseitig Obststückchen in den Mund spucken oder mit dem Blasrohren Pfeile aufeinander zu schießen. Als Höhepunkt durchbohrt Tamara als weiblicher Wilhelm Tell den Apfel auf dem Kopf des Gatten – Riesenapplaus.

Auch Monsieur Philippe ist nicht ohne. Als die rothaarige Vita Radionova mit Aplomb in das letzte Zimmer einzieht, schwänzelt er ihr wie magnetisiert nach. Fast könnte man meinen, dass er versucht, die  Neue, die ihren schönen Körper im Glitzerkostüm durch staunenswertes Hula Hoop und elegante Verbiegungskünste schlank und ansehnlich hält, mit seinen fesselnden Diabolo-Nummern an sich zu binden.

GOP Münster / Appartment hier Ensemble © GOP/Alexander Dacos

GOP Münster / Appartment hier Ensemble © GOP/Alexander Dacos

Ein ganz anderer Typ als Vita ist die verbummelte Studentin Anne-Marie Poirier, die im obersten Fach des Bücherregals wohnt. Sie zeigt sich erst romantisch verträumt am Solo-Tuch und geht dann eine zarte Zweier-Beziehung zu  Jason Fergusson ein, dem sichtlich kräftigeren von zwei ungleichen Zwillingen. Der andere ist Coen Clarke, ein zarterer Brillenträger, der sich hoffnungslos in die Neue verguckt hat. Trotzdem landet er nach doppeltem Salto punktgenau auf dem schmalen Russischen Barren, mit dem ihn Jason und James Holt in die Höhe schleudern. Als Coen auch noch auf dem Barren balancierend eine Leiter erklettert, hält das Publikum den Atem an – danach kennt die Begeisterung im Saal keine Grenzen mehr.

Aus dem Keller taucht ab und zu der Austausstudent Thibault Theyssens auf, meistens im Bademantel, immer in Boxershorts, und lässt manchen neidischen Blick auf seinen absolut fettfreien Körper zu. Er hat eine etwas stoische Art, mit seinem Cyr umzugehen, wenn er kunstvoll seine makellose Herrschaft über das große Rad zeigt und mit einer Flanke über die Brüstung wieder in seinem Keller verschwindet.

In einer der komischsten der an komischen Nummern reichen Schau erheitert David Louch mit einer besondere Jonglage.  In irrem Kontrast zu und in genauem Rhythmus mit Mozarts Kleiner Nachtmusik schleudert er Pömpel, auch „Klempners Freund“ genannt, präzise durch die Luft oder ploppt sie sich zur allgemeinen Erheiterung auf Bauch oder Brust.

Doch das vielleicht nicht spektakulärste, aber sicher schönste Bild bietet das Appartement, als sich fast das ganze Ensemble an einer Jonglage beteiligt, die den ganzen Bühnenraum einnimmt und so genau choreographiert ist, dass der Austauschstudent durchlaufen kann, ohne von einer der herumwirbelnden Keulen getroffen zu werden.

In seiner Mischung aus nicht immer hundertprozentig geschmacksicheren Clownerien und toller Artistik ist das 2-stündige Appartement eine vergnügliche Schau für Jung und Alt.

Showtime für Appartement im GOP Varieté-Theater Münster ist bis zum 5. Mai 2019 immer Mittwoch bis Sonntag.

—| IOCO Kritik GOP Variete Theater Münster |—

Münster, Theater Münster, SUGAR – MANCHE MÖGENS’S HEISS, IOCO Kritik, 15.03.2019

März 15, 2019  
Veröffentlicht unter Hervorheben, Kritiken, Musical, Theater Münster

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Theater Münster

Theater Münster © Rüdiger Wölk

Theater Münster © Rüdiger Wölk

SUGAR – MANCHE MÖGENS’S HEISS

Buch Peter Stone – Musik Jule Styne – Gesang Bob Merrill

von Hanns Butterhof

Ein Mann kann die rechte Frau für einen Mann sein. Eine Frau kann der rechte Mann für einen Mann sein. Und vielleicht ist auch ein Saxofonist der rechte Mann für eine liebebedürftige Sängerin. Denn keiner ist perfekt – so die Schluss-Pointe der Musical-Komödie Sugar – Manche mögen’s heiß, die am Großen Haus des Theaters Münster eine umjubelte Premiere feiern konnte.

Dreimal Lieben – Skurriles Spiel mit Geschlechterrollen

Der rechte Mann für Mr. Bienstock (Gunter Sonneson) ist Sweet Sue (Suzanne McLeod), die sehr dominante Chefin eines Damenorchesters, das 1929 aus dem kalten Chicago zu einem Engagement im warmen Florida aufbricht. In Frauenkleidern und Perücke sind der Saxophonist Joe (Florian Soyka) als Josephine und der Kontrabassist Jerry (Christoph Rinke) als Daphne mit dabei; sie sind auf der Flucht vor dem Gangsterboss Gamasche (Jason Franklin), der sie als Zeugen eines seiner Morde beseitigen möchte.

Theater Münster / SUGAR – MANCHE MÖGEN’S HEISS © Oliver Berg

Theater Münster / SUGAR – MANCHE MÖGEN’S HEISS © Oliver Berg

Star des Orchesters ist die sehr blonde Sängerin Sugar (Ulrike Knobloch), die ein erhebliches Problem mit Alkohol und mit Saxophon spielenden Hallodris hat. Sie sehnt sich nach sozialem Aufstieg als Ehefrau eines Millionärs, der mindesten eine Yacht besitzen sollte. Am Ende ist es Joe, der sie mit Saxophon und ohne Yacht herumkriegt.

Jerry erliegt schließlich als „Prachtweib“ dem unerschütterlichen Werben des Milliardärs und Yachtbesitzers Sir Osgood Fielding (Gerhard Mohr), für den Jerrys Männlichkeit nur ein kleiner Mangel ist; nobody is perfect.

In Münster wird das Auge verwöhnt von Götz Lanzelot Fischers aufwendigen 20er-Jahre-Kostümen und der sehr bunten, schnelle Szenenwechsel ermöglichenden Bühne Andreas Beckers. Sie zeigt alle  Stationen der Handlung von der Garage, in der Gamasche seine Konkurrenten spektakulär aus dem Off niederknallt, über den Schlafwagen, wo Sweet Sue zu Mr. Bienstock schleicht und die Mädels des Orchesters in Jerrys Koje eine nächtliche Party feiern bis zu Osgoods Yacht, mit der die Paare schließlich ins Glück tuckern.

Theater Münster / SUGAR – MANCHE MÖGEN’S HEISS © Oliver Berg

Theater Münster / SUGAR – MANCHE MÖGEN’S HEISS © Oliver Berg

Die stets auf den nächsten Gag zusteuernde Handlung kommt nicht recht in Schwung. Permanent wird sie durch Songs und die von Jason Franklin choreographierten Ballett-Einlagen ausgebremst, die als echte Glanzpunkte der Aufführung mit Stepptanz, fliegenden Röcken und Beinen die gute alte Operettenseligkeit heraufbeschwören.

Der Gesang kann sich  mit Opernchor (Einstudierung: Joseph Feigl), der Mezzosopranistin Suzanne McLeod und dem Musical-erfahrenen Florian Soyka durchwegs hören lassen. Ulrike Knobloch als eine sehr heutige Sugar kann mit eher kühler, vom Microport noch angeschärfter Stimme nicht ergreifen. Gesanglich hat der mit kräftigem Zug ins Tuntige spielende Christoph Rinke noch Luft nach oben.

Operettenroutinier Ulrich Peters setzt keine besonderen Akzente und verlässt sich auf den gefällige Broadway-Sound, den Thorsten Schmid-Kapfenburg und das Sinfonieorchester Münster aus dem Orchestergraben ertönen lassen, die oft nah am Herrenwitz angesiedelten Gags und den wohl unausrottbaren Reiz von Männern in Frauenkleidern.

Unter Jubel klatschte das Premierenpublikum stehend lange Beifall.

SUGAR – MANCHE MÖGENS’S HEISS am Theater Münster, die nächsten Termine: 30.3.; 14.4.; 20.4.; 28.5.; 6.6.2019

—| IOCO Kritik Theater Münster |—

 

Münster, Theater Münster, Street Scene – Kurt Weill, IOCO Kritik, 11.03.2019

März 11, 2019  
Veröffentlicht unter Hervorheben, Kritiken, Musical, Theater Münster

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Theater Münster

Theater Münster © Rüdiger Wölk

Theater Münster © Rüdiger Wölk

Street Scene – Amerikanische Oper von Kurt Weill

– Kein richtiges Lieben existiert im Falschen –

von Hanns Butterhof

In Kurt Weills selten gespielter Amerikanischen Oper Street Scene von 1947 läuft alles auf ein Happy End zu. Die beiden jungen Leute gestehen sich ihre Liebe, da packt die Frau ihre Koffer und geht allein fort. Bleiben wäre für sie die falsche Lösung, solange lieben noch besitzen bedeutet. Ob die Zukunft, in die sie aufbricht, heute schon Wirklichkeit ist, ist die hochaktuelle Frage, die Weills Oper offen lässt.

Street Scene – Kurt Weill
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Eine Vielzahl skurriler Typen mit verschiedensten Migrations-Hintergründen, viele Loser und ausgesprochen böse Jungs bevölkern die Bühne im Großen Haus des Theaters Münster. Die hat Rifail Ajdarpasic als Front eines mehrgeschossige Mietshauses mit hohen Fenstern platt auf den Bühnenboden gebaut. Ein riesiger Spiegel lässt die Fassade illusionär senkrecht stehen. Wenn sich die Akteure auf den Boden legen, lässt sie der Spiegel auf den Fensterbrettern sitzen, abstürzen oder wie Fassadenkletterer an der Wand hängen – eine erst spektakuläre, dann aber doch recht aufwendige Art, Auskunft über die innere Situation der Akteure zu geben.

Im Zentrum des bösartigen Klatsches der Hausbewohner steht Anna Maurrant (Kristi Anna Isene), der ein Verhältnis zum Sixpack-Adonis Sankkey (Jörn Dummann) nachgesag wird. Dabei träumt sie bestenfalls von dessen Liebe, während sie tatsächlich ihr langes, freudloses Eheleben erduldet. Als ihr ständig betrunkener, konservativ verbohrter Ehemann Frank (Brian Davis für den erkrankten Gregor Dalal) sie tötet, vollzieht er nur körperlich, was er ihr in allen Ehejahren seelisch angetan hat.

Ihre selbstbewusste Tochter Rose (Kathrin Filip) duldet nicht und geht auch nicht auf schmierige, sozialen Aufstieg versprechende Angebote ein. Wenn sie ihren Geliebten Sam Kaplan (Garrie Davislim) verlässt und voller Hoffnung in eine Zukunft ohne eheliches Besitzverhältnis aufbricht, lässt sie das Schicksal ihrer Mutter und das aller vom Ehebund gefesselter Frauen hinter sich.

Theater Münster / Street Scene -  Sam - hier :  Garrie Davislim_ bleibt in der alten Straße  © Oliver Berg

Theater Münster / Street Scene – Sam – hier : Garrie Davislim_ bleibt in der alten Straße  © Oliver Berg

Die Regie Hendrik Müllers zeigt provokativ wenig Zuversicht in das Gelingen von Roses Befreiung, die für Weill auch für die Befreiung aus den Zwängen der Bürgerlichen Gesellschaft steht: Am Ende wiederholt sich das erste Bild, alles geht weiter wie vorher, und auch für Rose wie für heute gibt es kein richtiges Lieben im falschen gesellschaftlichen Zusammenhang. Das Happy End steht noch aus.

Die Stimmen, die man lieber ohne distanzierende Microports hören möchte, sind durchweg überzeugend besetzt. Kristi Anna Isene ist eine mit dramatischem Sopran ihr verfehltes Leben beklagende Anna, Kathrin Filip träumt als Rose mit weichem Sopran von einer besseren Welt und rührt in ihren Liebes-Duetten mit dem lyrisch tenoralen Garrie Davislim als Sam. Brian Davis verkörpert mit kräftigem Bariton Frank Maurrants Unbeweglichkeit.

Stefan Veselka führt das Sinfonieorchester Münster souverän durch den weiten musikalischen Kosmos vom Broadway bis zur italienischen Oper  und erntet nach gut zweieinhalb deutsch gesprochenen und meist auch deutsch gesungenen Stunden mit allen Beteiligten den begeisterten Applaus des Publikums.

Street Scene am Theater Münster; Die nächsten Termine:13. und 16.3.2019, jeweils 19.30 Uhr

—| IOCO Kritik Theater Münster |—

 

Münster, Theater Münster, Fünftes Sinfoniekonzert, 26.02.2019

Februar 26, 2019  
Veröffentlicht unter Pressemeldung, Theater Münster

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Theater Münster

Theater Münster © Rüdiger Wölk

Theater Münster © Rüdiger Wölk

Fünftes Sinfoniekonzert
Camille Saint-Saëns, Sergei Rachmaninow, Hector Berlioz

Im Mittelpunkt des 5. Sinfoniekonzerts am Dienstag, 26. Februar um 19.30 Uhr im Großen Haus stehen Werke von Camille Saint-Saëns, Sergei Rachmaninow und Hector Berlioz. Als Solist am Klavier ist der junge Shooting-Star Frank Dupree (Bild) zu erleben; es dirigiert der 1. Kapellmeister Stefan Veselka.

Mit dem Danse Macabre schuf Camille Saint-Saëns eine seiner bekanntesten und beliebtesten Kompositionen, die bis heute immer wieder in unterschiedlichen Kontexten adaptiert wird. Ein dämonischer Spielmann intoniert nach den zwölf Schlägen zur Mitternacht mit einer absichtlich verstimmten Geige den Totentanz der klappernden Gebeine, der sich immer mehr steigert. Dazu ist zum ersten Mal überhaupt das Xylophon eingesetzt. Am Schluss kündigt der Hahn den Morgen an und der Spuk ist vorbei.

Theater Münster / Frank Dupree © Sebastian Heck

Theater Münster / Frank Dupree © Sebastian Heck

Die berühmteste der 24 Capricen des »Teufelsgeigers« Niccoló Paganini inspirierte Sergei Rachmaninow zu einer hochvirtuosen und ausdrucksvollen Rhapsodie für Klavier und Orchester. In diesem Abschluss seines konzertanten Schaffens zieht Rachmaninow nochmals alle Register seines Könnens. Der ganze Farbreichtum des Instruments, aber auch des Orchesters kommt zur Geltung.

Mit dem Geniestreich der Symphonie Fantastique revolutionierte Hector Berlioz das Verständnis der Instrumentalmusik, indem er die Grenzen von Sinfonie, Literatur und Drama auflöste. Damit schuf er die erste Programmmusik nach heutigem Verständnis, wofür er ein großes Orchester verlangte, das zu seiner Zeit alle Dimensionen sprengte. Die Geschichte stellt sein eigenes rauschhaftes Liebesleben dar – drastisch, lustvoll und exzessiv.

Weitere Konzertaufführungen finden am Mittwoch, 27. Februar 2019 19.30 Uhr und am Sonntag, 3. März 18.00 Uhr statt. Eine Stunde vor jedem Konzert findet eine Einführung im Theatertreff statt. Karten sind an der Theaterkasse (Tel.: 5909-100) erhältlich.

—| Pressemeldung Theater Münster |—

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