Münster, Theater Münster, Lillian Stillwell, Remsi Al Khalisi, Katharina Kost-Tolmein, IOCO Aktuell, 09.04.2021

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Theater Münster © Rüdiger Wölk

Theater Münster © Rüdiger Wölk

Theater Münster

2022/23  –  Neues Leitungsteam – Theater Münster

Lillian Stillwell, Remsi Al Khalisi, Katharina Kost-Tolmein

Theater Münster / designierte Generalintendantin Generalintendantin Dr. Katharina Kost-Tolmein © Tolmein

Theater Münster / designierte Generalintendantin Generalintendantin Dr. Katharina Kost-Tolmein © Tolmein

Am Theater Münster werden ab der Spielzeit 2022/23 Lillian Stillwell als neue Tanzdirektorin und Remsi Al Khalisi als neuer Schauspieldirektor zusammen mit der designierten Generalintendantin und künftigen Leiterin der Sparte Musiktheater Dr. Katharina Kost-Tolmein, Nachfolgerin des langjährigen Generalintendaten  Dr. Ulrich Peters, IOCO berichtete,  und dem amtierenden GMD Golo Berg die künstlerische Leitung des Fünfspartenhauses übernehmen.

 Theater Münster / designierter design. Schauspieldirektor Remsi Al Khalisi © Martin Kaufhold

Theater Münster / designierter design. Schauspieldirektor Remsi Al Khalisi © Martin Kaufhold

Remsi Al Khalisi hat als Chefdramaturg und stellvertretender Intendant am ETA Hoffmann Theater Bamberg in den vergangenen fünf Spielzeiten das Bamberger Theater in der deutschen Theaterlandschaft programmatisch neu positioniert und mit viel beachteten Uraufführungen und Regieentdeckungen überregional für große Aufmerksamkeit gesorgt. Dreimal wurde das Theater zu den Mülheimer Theatertagen eingeladen, außerdem zum Heidelberger Stückemarkt, zu den Autorentheatertagen nach Berlin und zu „radikal jung“ nach München; 2017 erhielt es den „Theaterpreis des Bundes“.

Remsi Al Khalisi wuchs in Berlin-Wedding auf. Nach dem Studium der Theaterwissenschaft und Romanistik an der FU und der Mitbegründung und Co-Leitung der freien Spielstätte Theaterdock in Berlin-Moabit führte ihn sein erstes Engagement in die Dramaturgie der Schaubühne. Es folgten Stationen als Dramaturg am Maxim Gorki Theater Berlin, am Theater Magdeburg und am Hans Otto Theater Potsdam. Als Regisseur arbeitete er in diversen freien Produktionen u.a. für das FFT Düsseldorf, das Neumarkt Theater Zürich und das WUK Wien. Er war Mitglied in mehreren Jurys, z.B. für den „Literaturpreis Text und Sprache 2018“ und den Fonds „Doppelpass“ der Kulturstiftung des Bundes. 2017 folgte er einer Einladung der Enquete-Kommission „Integration“ des Bayerischen Landtags zum Fachgespräch „Kultur und Medien“. 2020 absolvierte er die Weiterbildung „Theater- und Musikmanagement” der LMU München und der Theaterakademie August Everding.

 Theater Münster / designierte Leiterin Tanztheater Lillian Stillwill © Lucie Schrag

Theater Münster / designierte Leiterin Tanztheater Lillian Stillwill © Lucie Schrag

Lillian Stillwell choreographiert seit 2009 europaweit und in den USA interdisziplinäre, partizipative und immersive Produktionen, u.a. an der Royal Danish Opera, der Oper Graz, der Philharmonie Luxembourg, am Theater Basel, am Norwegian National Opera & Ballett sowie an zahlreichen Stadt- und Staatstheatern in Deutschland. Eine langjährige künstlerische Zusammenarbeit verbindet sie mit Dr. Katharina Kost-Tolmein, unter deren Operndirektion sie mehrmals am Theater Lübeck für Choreographien mit über 100 Mitwirkenden verantwortlich zeichnete. Zu ihren Arbeiten zählen auch die Oper L’ORFEO an der Royal Danish Opera; SILBERLICHT, ein von der Philharmonie Luxembourg beauftragtes Tanzstück mit Barock-Ensemble, und der Tanzabend AFTERLIFE mit live DJs, der im Rahmen des Residenz-Programms an der Dampf¬zentrale Bern und in Digitalen/Analogen Pop-ups bei „zur Wand“ in Basel zu erleben war.

Lillian Stillwell stammt aus Minneapolis, USA, erhielt ihre klassische Ausbildung am Ballett Arts Minnesota und dem Milwaukee Ballett und erwarb den Bachelor of Arts in Tanz an der University of Minnesota, Twin Cities. Ihre Tanzkarriere führte sie 2007 aus New York City nach Deutschland mit Johannes Wieland an das Staatstheater Kassel. Dort tanzte sie bis 2012 und choreographierte in allen Sparten. Aktuell wohnt sie in Basel, wo sie SNOW productions mit Tom Ryser gründete.

—| IOCO Aktuell Theater Münster |—

Münster, Museum Pablo Picasso, Picasso / Miró – Eine Künstlerfreundschaft – Ausstellung, IOCO Aktuell, 20.03.2021

Kunstmuseum Pablo Picasso Muenster © Kunstmuseum Pablo Picasso

Kunstmuseum Pablo Picasso Muenster © Kunstmuseum Pablo Picasso

Kunstmuseum Münster-Pablo Picasso

 Picasso-Museum Münster –  „Picasso / Miró – Eine Künstlerfreundschaft

– Der Titan und der Gärtner –

von Hanns Butterhof

Das Kunstmuseum Pablo Picasso Münster ist wieder für Besucher geöffnet. Die aktuelle Ausstellung „Picasso / Miró – Eine Künstlerfreundschaft“ wird bis zum 25. April 2021 verlängert. Mit über 100 Gemälden, Skulpturen, Grafiken, Zeichnungen und Keramiken zeigt die Ausstellung auf zwei Etagen des Museums aufschlussreich den unterschiedlichen Umgang der beiden befreundeten katalanischen Künstler Pablo Picasso und Joan Miró mit der Wirklichkeit.

 La Colombe von Pablo Picasso © Hanns Butterhof

La Colombe von Pablo Picasso © Hanns Butterhof

Die einzelnen Räume der Ausstellung sind mit sinnvollen Übertiteln versehen. So weist der erste mit „Bestiarium“ auf Bilder mit Tiermotiven hin. An ihnen werden schon die Gemeinsamkeiten wie auch die Unterschiede der beiden Malerfreunde deutlich. Während Pablo Picassos Friedenstaube „La Colombe“ (Foto oben) nahezu altmeisterlich realistisch das luftig-leichte Gefieder der Taubenfigur aus dunklem Grund herausarbeitet, geht er schon beim nächsten Bild, „Le Crapaud“, von einer noch offenen Form durch realistische Zutaten wie die charakteristischen Glubschaugen der Kröte zur gegenständlichen Bestimmung über. Dabei bleibt er nicht stehen, sondern treibt im nächsten Bild, „Tête de Taureau“,  das Motiv des Stierkopfes bis zur Grenze der Abstraktion weiter.

Bei den gegenüber hängenden Mirós ist soweit von Realismus kaum eine Spur. Joan Miró arbeitet aus einem farbigen, nur durch die Stimmung charakterisierten Grund oft durch breite schwarze Pinselstriche oder Flächen die Möglichkeit heraus, sie mit Gegenständlichem zu verbinden. So bringt er auf der hellen, farbenfrohen Radierung „Village d’oiseaux“, die zwanglos viele Assoziationsmöglichkeiten bietet, am blauen oberen Bildrand zwei unscheinbare Vögelchen an, die den Wirklichkeitsbezug herstellen. Erst der Titel macht aus dem mächtigen schwarzen Fleck auf der Aquatinta „Rat des sables“ eine Sandratte und hebt das Bild so über das rein Dekorative hinaus.

Joan Miro _ Die Sandratte © Bild-Kunst Bonn

Joan Miro _ Die Sandratte © Bild-Kunst Bonn

Im Durchlaufen der Ausstellung bestätigt sich der Eindruck aus dem „Bestiarium“, dass es bei Picasso weniger um eine Entwicklung als um das unbekümmert titanische Arbeiten mit verschiedenen Optionen geht. Bei Miró hingegen bleibt das Verfahren konservativ das eines pflegsamen Gärtners, der mehr oder weniger leichthändig Wirklichkeit an einen ungegenständlichen Grund bindet.

Interessant sind dabei einige Ausnahmen, nahezu Umkehrungen von Mirós Verfahren. Im großen Saal des ersten Obergeschosses mit dem Titel „Picasso, Miró und der Surrealismus“ zeigt Mirós Lithographie „La demoiselle du téléphone“ auf fotorealistischem Grund das ältere Modell eines Wandtelefons. Dass die kräftigen abstrakten Pinselstriche davor das Telefonfräulein vor Augen rufen, ist wieder fast nur die Leistung des Titels. Bei Picasso bleiben solche Überraschungen aus, da er grundsätzlich alle Anregungen undogmatisch als Optionen wahrnimmt. Das zeigt sich wieder deutlich in seriellen Variationen wie der „Femme au fauteuil“, die in allen Gestaltungen immer ein vollendeter Picasso sind. Als Motiv einer Frau im Lehnstuhl jedoch ist es für Picasso nie vollendet gemäß seinem Ausspruch, „ein Bild zu vollenden, heißt es zu töten.“

Im zweiten Obergeschoss reizen vor allem die bei aller Phantasie realitätsprallen Lithographien Picassos zu den Themen Atelier und Bühne neben  Mirós Radierungen zur Commedia del Arte mit kaum figurativen Bildern, in denen das Schwarz dominiert. Es sind Gegensätze, wie sie sich etwa auch bei den Illustrationen Picassos zum Gedichtzyklus „Der Gesang der Toten“ von Pierre Reverdy und den Illustrationen Mirós zu „Parler seul“ von Tristan Tzara zeigen. Während sich Picasso völlig vom Text löst und nur seine Zeilenstruktur mit kräftigem roten Pinselstrich begleitet, setzt Miró zeichenhaft verkürzte Vögel, Gestirne und Figuren in Beziehung zum Text.

 Pablo Picasso _ Fussball 1961 © Bild-Kunst Bonn

Pablo Picasso _ Fußball 1961 © Bild-Kunst Bonn

Die lebenslange Freundschaft zwischen Picasso (1881 – 1973) und dem zwölf Jahre jüngeren Miró (1893 – 1983) begann 1920, als Miró, so wird erzählt, dem katalanischen Landsmann einen Kuchen von der Frau Mama nach Paris mitbrachte. Dass diese Freundschaft über die Jahre hielt, ist neben ihren gemeinsamen heimatlichen Wurzeln wohl vor allem dem Umstand zu danken, dass sie sich künstlerisch nicht ins Gehege kamen. Auch wenn Picasso in recht seltenen Fällen stilistisch an Miró erinnert, so bedient er sich auch hierbei souverän einer der ihm verfügbaren Optionen diesseits der Grenze zum Abstrakten, die beide Künstler nicht überschritten haben. So atmet Picassos farbenfrohe Lithographie „Football“ (Fußball – Foto oben) Miró-Stimmung, ist aber bei aller reduzierten Realität so unmiróisch präzise, dass man erkennt, dass es sich bei den Silhouetten der Sportler um Rugby-Spieler und nicht um Fußballer handelt, wie der deutsche Titel „Fußball“ nahelegt.

Es ist der aufschlussreiche Ausstellung „Picasso / Miró – Eine Künstlerfreundschaft“ zu wünschen, dass sie die sinnvollen Lockerungen des Lockdowns bis zum 25. April nutzen kann und für das Publikum geöffnet bleibt. Über den hier folgenden Online-Ticketshop der Webseite des Museums Pablo Picasso können vorab Zeitfenstertickets für den Ausstellungsbesuch erworben werden.

 www.kunstmusem-picasso-muenster.de

 

—| IOCO Ausstellungen |—

Münster, Theater Münster, Das Tagebuch der Anne Frank – Grigori Frid, IOCO Kritik, 30.11.2020

November 28, 2020  
Veröffentlicht unter Hervorheben, Kritiken, Oper, Theater Münster

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Theater Münster © Rüdiger Wölk

Theater Münster © Rüdiger Wölk

Theater Münster

Das Tagebuch der Anne Frank – Monooper von Grigori Frid

Angst und Lebenshunger in der Isolation
Kathrin Filip ist Anne Frank

>von Hanns Butterhof

Mit der Monooper Das Tagebuch der Anne Frank ist dem russischen Komponisten Grigori Frid (1915 – 2012) gelungen, was kaum vorstellbar ist. Er hat zu einer Handvoll Seiten aus dem Tagebuch des jüdischen, im KZ Bergen-Belsen gestorbenen Mädchens eine unerwartet menschliche Oper geschaffen. In der puristischen Klavierfassung beeindruckt Kathrin Filip tief am Kleinen Haus des Theater Münster.

Das Tagebuch der Anne Frank – Monooper von Grigori Frid
youtube Trailer Theater Müsnter
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Aus einem Seiteneingang wie von draußen kommt Kathrin Filip in den Zuschauerraum. Sie kommt in ihrem offenen Mantel und den weißen Schnürschuhen mit dem Rucksack (Bühne und Kostüme: Melanie Walter) wie aus der Schule. Auf der grau verhangenen Bühne stimmt sie wortlos das Publikum zum Mitsummen ein: „Viel Glück und viel Segen…“, denn sie hat als Anne Frank 13. Geburtstag. Zu diesem Anlass hat sie das Tagebuch von ihren Eltern bekommen, das sie bis zu ihrer Deportation im August 1944 führen wird.

Es ist ein besonderes Merkmal der Regie von Jan Holtappels, dass er Anne Frank nicht als heldenhaftes Idol oder mahnendes Opfer inszeniert. Er führt sie kammerspielartig nah an das Publikum, zeigt sie als ein heranwachsendes Mädchen in ihrer langwierigen Isolation mit ihren Ängsten, ihrer Kraft und ihrem Lebenshunger.

Dass dies gelingt ist fast ein Wunder, denn die Musik Grigori Frids ist sperrig. Fabian Liesenfeld am Klavier biedert sich nicht an mit den Klang-Clustern und wuchtig angeschlagenen Einzeltönen auf tiefen Akkorden. Sie halten das Gefühl für die Isolation Anne Franks und ihr schreckliches Ende durchgängig aufrecht. Selten sind Klangmalereien vernehmlich wie der Glockenschlag des Westerturms, den Anne in ihrem Versteck hört, oder der Marschtritt der alliierten Soldaten bei der Invasion Italiens, von der sie aus den BBC-Nachrichten erfährt. Nur bei ihrer Erinnerung an die Zeit der Freiheit klingt ganz kurz Melodisches auf, und wenn sie einfach nur ein heranwachsendes Mädchen ist, das auch Liebes- und Glücksgefühle kennt, dann swingt die Musik, jazzt der Pianist ausgelassen, und Anne tanzt dazu.

Theater Münster / Das Tagebuch der Anne Frank - hier: Kathrin Filip als Anne Frank sieht ihr Ende voraus © Oliver Berg

Theater Münster / Das Tagebuch der Anne Frank – hier: Kathrin Filip als Anne Frank sieht ihr Ende voraus © Oliver Berg

Das Tagebuch, aus dem Frid fast wortgetreu das Libretto verfasst hat, fordert zwingend viel Sprechgesang. Kathrin Filip gestaltet ihn in durchgängig hoher Sopranlage beeindruckend variabel. Sie nimmt das Publikum mit in ihre Ängste und Träume, in ihr Alleinsein trotz der Anwesenheit ihrer Eltern und der Familie Daans, deren Dialoge sie überschäumend in einem Sketch parodiert. Im von vielen schwach glimmenden Lämpchen kaum erhellten Dachboden träumt sie von Liebe, vom Frau-Werden einen ergreifend konservativen Traum von Ausschließlichkeit und lebenslanger Treue. Doch am Ende sieht sie sich selber (Lucia Hasenburg mit Anne Frank – Maske), wie sie ihr Tagebuch liest und Asche aus Eimern auf den Boden schüttet – eine ergreifend vorahnende Geste der Hoffnungslosigkeit.

Dann verstummt die Musik und das Licht verlöscht. Nach fünfundsiebzig Minuten des in aller Schmerzlichkeit bewegenden Opernabends und einer außerordentlich langen Pause der Betroffenheit langer Beifall für eine fesselnde Kathrin Filip und ihren beeindruckenden Begleiter am Klavier, Fabian Liesenfeld.

Ds Tagebuch der Anne Frank im Theater Münster: angekündigt nächster Termin nach dem November-Lockdown war 13.12.2020; doch auch dieser Termin ist inzwischen nicht mehr aktuell. Bitte informieren Sie sich zu aktuellen Terminen direkt:  Theater Münster


Amsterdam / Das Haus der Anne Frank - Amsterdam Prinsengracht 263  © IOCO

Amsterdam / Das Haus der Anne Frank – Amsterdam Prinsengracht 263  © IOCO

Das Anne-Frank-Haus heute – Amsterdam – Prinsengracht 263

Im Vorderhaus dieses Gebäudes hatten damals mehrere Firmen ihren Sitz; auch Anne Franks Vater, Otto Frank, als Unternehmer. Anne Frank zog mit ihrer Familie und Angestellten in dieses Gebäude, Prinsengracht 263. Das Hinterhaus dieses Gebäudes war von der Strasse her nicht einsichtig; es wurde für mehrere jüdische Personen, so von Vater Otto Frank, Mutter Frau Edith Frank-Holländer und deren Kinder Margot und Anne (Annelies Marie „Anne“ Frank, * 12. Juni 1929 in Frankfurt)  zum „Schutzraum“. Am 4. August 1944 wurden die Otto Frank, Edith Frank-Holländer, Margot, Anne und andere Bewohner verraten,  von der Gestapo verhaftet und zunächst nach Auschwitz deportiert. Anne und Margot starben vermutlich im KZ Bergen-Belsen im Februar 1945. Otto Frank überlebte als einziger der Familie die Grauen der NAZI-Diktatur; er starb 1980. Das Tagebuch der Anne Frank retteten Mitbewohner der Prinsengracht vor Räumung des Gebäudes.

—| IOCO Kritik Theater Münster |—

Münster, LWL Museum Kunst und Kultur, Passion und Leidenschaft – Ausstellung, IOCO Ausstellungen, 08.10.2020

 Landesmuseum Münster mit Lichtplastik von Otto Piene. © Hanns Butterhof

Landesmuseum Münster mit Lichtplastik von Otto Piene © Hanns Butterhof

Landesmuseum Münster

  Passion und Leidenschaft : Im Bann der großen Gefühle

Landesmuseum Museum Münster prunkt mit Passion und Leidenschaft in der abendländischen Kunst

von Hanns Butterhof

Münster Kunstmuseum / Ausstellung Passion und Leidenschaft - hier: Laokoon empfängt die Besucher © Hanns Butterhof

Münster Kunstmuseum / Ausstellung Passion und Leidenschaft – hier: Laokoon empfängt die Besucher © Hanns Butterhof

Das LWL – Museum für Kunst und Kultur in Münster widmet sich in seiner neuen Ausstellung Passion Leidenschaft mit zweihundert Exponaten in sechs Sälen umfassend den großen Gefühlen von Liebe und Hass bis Entsetzen und Verzweiflung.

Schon beim Betreten des ersten Saals ist der Besucher überwältigend mit einer Nachbildung der prominenten Laokoon-Gruppe konfrontiert, die in Gestalt und Mimik pure Emotion ist. Allerdings stellt sich auch sofort die Frage, ob der Titel der Ausstellung wohl passt; von Leidenschaft kann bei dem angestrengt und hoffnungslos um sein und das Leben seiner Söhne ringenden Mann nur schwer die Rede sein.

Treffender ist der Untertitel der Ausstellung, die umfassend das Versprechen einlöst, Die Kunst großer Gefühle zu zeigen, etwa Ekstase, Verzückung, Liebe, Begierde, Scham und Trauer.

Münster Kunstmuseum / Ausstellung Passion und Leidenschaft - hier : Der Schmerzensmann des Meisters IPS erzeugt Mitgefühl © Hanns Butterhof

Münster Kunstmuseum / Ausstellung Passion und Leidenschaft – hier : Der Schmerzensmann des Meisters IPS erzeugt Mitgefühl © Hanns Butterhof

Die sechs Säle repräsentieren mit internationalen Leihgaben einen zweitausendjährigen künstlerischen Umgang mit den menschlichen Gefühlen und ihrem gestischen und mimischen Ausdruck. Erstrecken sich die Zeugnisse von der Antike bis zur Gegenwart, so liegt die Keimzelle der Ausstellung im Mittelalter, bei der Passion, den Leiden Christi. In einem violett gehaltenen Saal zielen die Darstellungen des Schmerzensmannes und seiner trauernden Mutter unmittelbar auf das Mitfühlen mit den Leidenden. Nirgends sonst in der Ausstellung ist die Verbindung von Leidenschaft und Leiden so eng und wird die Anmutung an das Publikum so deutlich, selber die großen Gefühle zu empfinden.

Viel aus dem mittelalterlichen Ausdrucksrepertoire hat sich, aus dem christlichen Zusammenhang gelöst, bis in die Kunst der Gegenwart erhalten wie der hoffnungsfroh zum Himmel gerichteten Blick oder der geschundene Mensch. Portraits von blutenden und nach Schlägen verschwollenen Frauen rufen noch immer unmittelbar fraglos das Mitgefühl herauf.

Münster Kunstmuseum / Ausstellung Passion und Leidenschaft - hier : Pauwels Franck zeigt Varianten der Liebe © Hanns Butterhof

Münster Kunstmuseum / Ausstellung Passion und Leidenschaft – hier : Pauwels Franck zeigt Varianten der Liebe © Hanns Butterhof

Als Herzstück der Ausstellung beleuchtet ein rosa-rot gehaltener Saal die weiten Gefilde der Liebe, die nach heutigem Sprachgefühl am engsten mit Leidenschaft verbunden ist. Von Lust und Begehren, von Adam und Eva spannt sich der Bogen in ausdrucksstarken Bildern bis hin zu Eifersucht und Lustmord. Doch auch die entgegengesetzten Emotionen wie Verachtung und Hass, die sich in Krieg und Kampf durch die ganze Menschheits- und Kulturgeschichte bis ins Heute ziehen, finden ihren Platz. Es sind in einem blau gehaltenen Saal eindringliche und verstörende Bilder bis hin zu einem von Donald Trump, das ihn des schamlosen Missbrauchs des Gefühls anklagt.

Am Ende der Ausstellung kann sich das Publikum von einem Gesichts-Erkennungs-Apparat Alter, Geschlecht und Gefühlslage bestimmen lassen, dessen Programmierung vielleicht auf zweitausend Jahre Erforschung der großen Gefühle und ihres Ausdrucks in der abendländischen Kunst zurückgeht.

 Ausstellungsdauer  Passion und Leidenschaft  –  9.10.2020 bis 14.2.2021

Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 10.00 bis 18.00 Uhr, am 2. Freitag im Monat bis 24.00 Uhr. – Information unter: lwl-museum-kunst-kultur.de

Eintritt: 13,00 €, ermäßigt 6,50 €. Am Eröffnungstag 9.10. von 10.00 bis 24.00 und am zweiten Freitag im Monat ab 18.00 Uhr Eintritt frei.

Im Deutscher Kunstverlag ist ein über 300 Seiten starker, reich bebilderter Katalog zur Ausstellung für 29,00 € erschienen.

—| IOCO Ausstellungen |—

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