Karlsruhe, Badisches Staatstheater, Intendant Peter Spuhler fristlos abberufen, IOCO Aktuell, 09.07.2021

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Badisches Staatstheater Karlsruhe

 

Badisches Staatstheater Karlsruhe © Jochen Klenk

Badisches Staatstheater Karlsruhe © Jochen Klenk

 Intendant Peter Spuhler – Außerordentlich gekündigt

Der Verwaltungsrat des Badischen Staatstheaters Marlsruhe hat in einer Sondersitzung am 7. Juli  2021 in Karlsruhe Peter Spuhler mit sofortiger Wirkung aus seinem Amt als Generalintendant abberufen. Die Entscheidung des Gremiums erfolgte ohne Gegenstimme. Das Dienstverhältnis wurde außerordentlich gekündigt. Da es sich um eine Personalangelegenheit handelt, wurden weitere Informationen und Details zu der Massnahme nicht bekanntgegeben.

Dr. Ulrich Peters –  folgt  Peter Spuhler

Der Verwaltungsrat des Badisches Staatstheaters Karlsruhe hatte am 25. Juni 2021 in Karlsruhe den langjährigen Theaterleiter und Musiktheater-Regisseur Dr. Ulrich Peters zum neuen Intendanten berufen. Bereits im Mai 2021 hatte sich das Gremium einstimmig für Dr. Ulrich Peters, noch-Generalintendant des Theaters Münster als Nachfolger von Peter Spuhler ausgesprochen, IOCO berichtete, link Hier!.

Dr. Ulrich Peters leitete das Theater Münster seit August 2012. Zuvor hatte Peters (* 1955) als Intendant das Theater Augsburg (1999 – 2007) und das Münchener Gärtnerplatztheater (2007 – 2012) geleitet. Ulrich Peters wird das Badische Staatstheater – so wurde zu seiner Bestellung im Juni 2021 gemeldet – vom 1. September 2021 bis zum 31. August 2024 leiten.

—| IOCO Aktuell Badisches Staatstheater Karlsruhe |—


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Münster, GOP Varieté-Theater, „undressed“ – Varieté mit körperbetonter Erotik, IOCO Kritik, 06.07.2021

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GOP Variete Theater Münster

GOP Varieté-Theater Münster © GOP Münster

GOP Varieté-Theater Münster © GOP Münster

„undresssed“  – Wiederbelebender Varieté-Neustart am GOP Münster
Schöne Frauen, starke Männer und ein Clown, namens RIESLING

Von Hanns Butterhof

Nach achtmonatiger Corona-bedingter Pause gibt es wieder Varieté. Das GOP Münster beginnt mit der Uraufführung von „undressed“, der Show, die 2020 am Tag nach der Generalprobe in Essen dem Lockdown zum Opfer fiel. Die Freude am Neustart ist im Publikum von Beginn an am freigiebig gespendeten Applaus spürbar.

„undressed“ ist eine Co-Produktion des GOP mit dem Cirkus-Theater Bingo aus Kiew. Das elfköpfige Ensemble bietet eine Show voller Dynamik, getragen von kraftvollem Rock, dem zwei tolle Musikerinnen, Yuliia Korolova an der Gitarre und Ganna Kolpakova am Saxofon, das Gefühls-Sahnehäubchen aufsetzen.

undressed- GOP Münster
youtube Trailer des GOP Varieté-Theater
[ Mit erweitertem Datenschutz eingebettet ]

„undressed kommt mühelos ohne Dressing durch eine Moderation aus, liefert kurztaktig eine artistische Attraktion nach der anderen auf gleichermaßen hohem Niveau, so dass der Eindruck eines völlig homogenen Ensembles entsteht, bei dem Akrobatik, Tanz und Musik stimmig zusammenkommen; absolut begeisternd sind die passgenau zur Musik choreografierten Einzeldarbietungen.

„undressed“ lockt aber auch damit, dass vor allem die schönen Körper der Frauen meist in fleischfarbenen Trikots nahezu unbekleidet wirken, manchmal auch so, als trügen sie filigrane Reizwäsche. Die Männer dagegen prunken gern mit nacktem Oberkörper; für ihre Kostüme wurde weit weniger Aufwand getrieben.

So kennzeichnet „undressed“ eine deutliche Spur von körperbetonter Erotik, die man als Ausdruck unkomplizierter russischer Lebensfreude erleben kann, ohne dass je die Grenze der Familienfreundlichkeit überschritten wird. Schon in der mitreißenden Eröffnungs-Szene räkelt sich Anastasia Shymanska reizend auf einem roten, als Kussmund gestylten Sofa. Dazu entledigen sich einige Tänzerinnen einer Art Nachthemd, ohne das sie dem „undressed“ ziemlich nahekommen.

Bei alldem steht jedoch die Akrobatik im Vordergrund, die in raschem Takt Kunststück an Kunststück reiht. Anastasia Shymanska verbiegt sich schlangengleich, Oleksii Kolomiiets zaubert einen wunderbaren Derwischtanz an den Strapaten und Myroslava Rozhko beeindruckt mit variantenreichem Hula Hoop. Die starken Auftritte von Andrii Nikolaienko und Oleksii Filippov kontrastieren mit der von sanfter Gefälligkeit geprägte Partnerinnen-Akrobatik des Trio Sunrise.Und die Tanznummern von Tetiana Nikolaienko und Oleksandr Sadlivskyi sind von zupackender Erotik.

GOP Münster / Varieté "undressed" :-hier:  vl Ganna Kolpakova, Yuliia Korolova © GOP

GOP Münster / Varieté „undressed“ :-hier: vl Ganna Kolpakova, Yuliia Korolova © GOP

Aber was wäre das alles ohne Herrn Riesling, dessen Geschichte „undressed“ einrahmt. Am Anfang misslingt dem verstrubbelten Clown in dem verrutschten beigefarbenen Anzug sein Rendezvous mit einer der Schönen, die „undressed“ in Überfülle bietet. Am Schluss jedoch gewinnt er sie, zu Recht, wie er auch das Publikum mit seinen kleinen, meist nur durch zaghaftes „Hilfe“-Rufen begleiteten Geschichten gewonnen hat. Sie sind die Ruhepunkte zwischen den artistischen Darbietungen und lösen das Staunen durch Lachen ab; sein Kampf mit dem gasgefüllten Luftballon ist umwerfend komisch.

„undressed“ bietet alles, was ein Varieté-Abend für die ganze Familie bieten soll, und wurde vom Publikum nach neunzig Minuten, die coronabedingt ohne Pause durchgespielt wurden, entsprechend lange begeistert gefeiert.

Showtime für „undressed“ im GOP-Varieté-Theater Münster, link HIER!
8.7. 2021 bis 22.8 2021 – von Donnerstag bis Sonntag
Kartentelefon: 0251 4909090 – im Internet unter variete.de

—| IOCO Kritik GOP Variete Theater Münster |—


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Karlsruhe, Badisches Staatstheater, Dr. Ulrich Peters – Neuer Intendant, IOCO Aktuell, 26.06.2021

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Badisches Staatstheater Karlsruhe

 

Badisches Staatstheater Karlsruhe © Jochen Klenk

Badisches Staatstheater Karlsruhe © Jochen Klenk

 Dr. Ulrich Peters – Neuer Intendant ab 1.9.2021

Startschuss für Bau und Sanierung des neuen Staatstheaters

IOCO meldete im April 2021 zum Theater Münster: Neue Generalintendantin wird ab der Spielzeit 2022/23 Dr. Katharina Kost-Tolmein. Der Rat der Stadt Münster hatte am 24. Juni 2020 erstmals eine Frau zur neuen Chefin des Theaters gewählt. Katharina Kost-Tolmein, link HIER!, folgt 2021 auf General-intendant  Dr. Ulrich Peters. Dr. Ulrich Peters leitete das Theater Münster seit August 2012. Zuvor hatte Peters (* 1955) als Intendant das Theater Augsburg (1999 – 2007) und das Münchener Gärtnerplatztheater (2007 – 2012) geleitet.

 Dr. Ulrich Peters – Neuer Intendant des Badischen Staatstheater Karlsruhe

Dr. Ulrich Peters, Intendant des Theater Münster © Oliver Berg

Dr. Ulrich Peters, Intendant des Theater Münster © Oliver Berg

Der Verwaltungsrat des Badisches Staatstheaters Karlsruhe hat am Freitag (25. Juni 2021) in Karlsruhe den langjährigen Theaterleiter und Musiktheater-Regisseur Dr. Ulrich Peters zum neuen Intendanten berufen. Bereits im Mai hatte sich das Gremium einstimmig für den bisherigen Generalintendanten des Theaters Münster als Nachfolger von Peter Spuhler ausgesprochen. Ulrich Peters wird das Badische Staatstheater vom 1. September 2021 bis zum 31. August 2024 leiten.

Zugleich beschloss der Verwaltungsrat für die Interimsphase bis zum 31.8.2024 ein Übergangsstatut, in dem die Verantwortlichkeiten und Aufgaben der neuen Theaterleitung geregelt ist. Zur Theaterleitung gehören für die dreijährige Übergangszeit neben Ulrich Peters der Geschäftsführende Direktor Johannes Graf-Hauber und die Künstlerische Betriebsdirektorin Uta-Christine Deppermann.

Kunstministerin Theresia Bauer: „Jetzt kommt es darauf an, dass alle Beteiligten in Zukunft konstruktiv zusammenarbeiten“,  Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup: „Mit seiner mutigen Entscheidung hat der Gemeinderat die Tür weit aufgestoßen zu einer neuen Theater-Ära“

Kunstministerin Theresia Bauer sagte: „Jetzt kommt es darauf an, dass alle Beteiligten in Zukunft in diesem Rahmen konstruktiv zusammenarbeiten. Meine Erfahrung ist, dass Leitungsstrukturen und das Betriebsklima auch immer stark von verantwortlichen Personen abhängt. Ich setze auf die Persönlichkeiten im Theater, dass sie die Chance auf einem kollegialen und respektvollen Umgang nutzen und wertvolle Erfahrungen für die Zukunft gemacht werden.“

Das Übergangsstatut regelt das Verhältnis zwischen dem Intendanten, dem Geschäftsführenden Direktor und der Künstlerischen Betriebsdirektorin. Vorgesehen ist, dass die Theaterleitung sich selbst eine Geschäftsordnung gibt, die einvernehmlich beschlossen werden muss. Dies ermöglicht einen weiten Spielraum, Zuständigkeiten, Aufgaben, Abläufe zu definieren und die „offenen Begriffe“ im Statut mit Leben zu erfüllen. Das Übergangsstatut greift jedoch einer vom Verwaltungsrat noch zu beschließenden Leitungsstruktur ab Herbst 2024 nicht vor.

Die Strukturkommission wird im Herbst ihre Arbeit fortsetzen und dem Verwaltungsrat einen Vorschlag unterbreiten, wie die Leitungsstruktur des Badisches Staatstheater ab der Spielzeit 2024/25 aussehen kann.

Bau und Sanierung des Badischen Staatstheaters

Der Verwaltungsrat wurde außerdem über den aktuellen Stand der Vorwegmaßnahmen und der weiteren Planungen zum Bau und zur Sanierung des Badischen Staatstheaters sowie über den aktuellen Beschluss des Gemeinderates der Stadt Karlsruhe vom 22. Juni 2021 informiert, der eine Fortführung des Projektes unter zwischenzeitlich geänderten Voraussetzungen ermöglicht.

Der stellvertretende Vorsitzende des Verwaltungsrates, Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup, freute sich über den Rückhalt aus dem Gemeinderat für die Fortführung des Jahrhundertprojekts am Ettlinger Tor: „Mit seiner mutigen Entscheidung hat der Gemeinderat die Tür weit aufgestoßen zu einer neuen Theater-Ära. Was jetzt entsteht, ist ein offenes Haus für alle Bürgerinnen und Bürger, ein städtebaulicher Akzent und Treffpunkt im Herzen der Stadt.“

Theresia Bauer sagte: „Das klare Votum des Gemeinderats eröffnet dem Badischen Staatstheater und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die erforderliche Zukunftsperspektive mit adäquate Arbeitsbedingungen und effektiven Produktionsmöglichkeiten. Ich freue mich aber auch mit dem Karlsruher Publikum und der Stadtgesellschaft auf ein modernes, offenes und attraktives Haus mit hoher künstlerischer Qualität.“

—| IOCO Aktuell Badisches Staatstheater Karlsruhe |—


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Münster, Theater Münster, Die Möve – Anton Tschechow, IOCO Kritik, 26.06.2021

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Theater Münster © Rüdiger Wölk

Theater Münster © Rüdiger Wölk

Theater Münster

Die Möve  –  Anton Tschechow

– Spaßgesellschaft der verfehlten Leben –

von Hanns Butterhof

In Anton Tschechows eher tragödienlastiger Komödie „Die Möwe“ aus dem Jahr 1896 geht es vor allem um das Unglück des verfehlten, ungelebten Lebens. Zeit- und ortlos hat Schauspieldirektor Frank Behnke es am Großen Haus des Theater Münster als Parabel auf die Verweigerung verantwortlichen Verhaltens einer Boheme-Spaßgesellschaft inszeniert.

Frank Behnkes programmatische Abschiedsinszenierung in Münster

Auf der sonst kulissenlos leeren Bühne (Ralf Zenger) steht auf drei metallenen Stelzen eine zweite Bühne, auf die wie in einem Auto-Kino auch ein Video projiziert werden kann. Davor bahnt sich gleich zu Beginn des Stücks das erste Unglück an: Mascha (Rose Lohmann), die ganz in Schwarz gekleidete Tochter des Gutsverwalters (Kostüme: Luisa Wandschneider), lässt den sehr blassen Lehrer Semjon (Paul Maximilian Schulze) freundlich, aber entschieden abblitzen. Sie ist hoffnungslos in den angehenden Dichter Kosta Treplew ( Julian Karl Kluge) verliebt. Der liebt jedoch Nina (Marlene Goksch), die Tochter eines nachbarlichen Gutsbesitzers. Ihr hat er die einzige Rolle als Weltgeist in seinem Erstlingsdrama übertragen, das auf der erhöhten Bühne aufgeführt werden soll.

Einführung von Frank Behnke – Die Möve von Anton Tschechow
youtube Trailer Theater Müsnter
[ Mit erweitertem Datenschutz eingebettet ]

Das Publikum besteht aus der Mutter Kostas, der Schauspielerin Irina (Birte Leest), ihrem hinfälligen Bruder Pjotr (Chistoph Rinke), ihrem Liebhaber und Erfolgsschriftsteller Trigorin (Joachim Foerster) sowie dem Arzt Dorn (in Vertretung von Chistian Bo Salle: Gerhard Mohr), dem Gutsverwalter Schamrajew (Ilja Harjes) und seiner unglücklichen Frau (Regine Andratschke) nebst Mascha und Semjon.

Mit der Aufführung von KostasWeltgeist“, einem Weltuntergangs-Stück mit Nina live und im Video (Inszenierung: Julian Karl Kluge), bahnt sich das Desaster unaufhaltsam an: Nina verliebt sich in Trigorin und folgt ihm nach Moskau. Mascha betäubt mit Alkohol, dass sie den ungeliebten Semjon heiratet, und der Arzt, der ein sexuelles Verhältnis mit der Frau des Gutsverwalters unterhalten hatte, weist sie schnöde zurück, als sie vor ihrem gewalttätigen Mann zu ihm fliehen möchte.

Nach zwei Jahren kehrt die enttäuschte Nina, der Trigorin ein Kind gemacht und sie dann sitzen gelassen hat, weil er in seiner Schwachheit nicht von Irina loskommt, an den Ort allen Anfangs zurück. Als sie dort wieder auf Kosta trifft, der inzwischen auch zu einigem schriftstellerischen Erfolg gelangt ist, scheint kurz ein happy end auf, um dann mit Kostas Selbsttötung alle je gehegte Hoffnung zu begraben.

Theater Münster / Die Möve- hier: rechts Marlene Goksch ist die Möwe" © Oliver Berg

Theater Münster / Die Möve- hier: rechts Marlene Goksch ist die Möwe“ © Oliver Berg

So gesehen ist Die Möwe eine giftige Studie Tschechows der abgehobenen Boheme im ausgehenden zaristischen Russland mit reichlich Gelegenheit zu darstellerischem Glanz, an dem es auch in Münster nicht mangelt.

Frank Behnkes Regie fragt jedoch darüber hinaus nach dem auch heute noch aktuellen Grund für das rettungslos unglückliche Ende. Er findet ihn im umfassenden, facettenreichen Geiz dieser um sich selbst kreisenden Gesellschaft. Sie tritt ausdrücklich bei der zentralen Schauspielerin und Mutter Irina zutage. Birte Leest zeigt sie als Diva, die vampirhaft vom Beifall und erpresster Bewunderung selbst ihres Liebhabers zehrt. Sie gibt nichts von sich her, nicht einmal mütterlich-fürsorgliche Gefühle für ihren Sohn; als sie nach einem Selbstmordversuch Kostas dessen Wunde verbinden soll, weicht sie lachend in die spielerische Darstellung von Fürsorge aus.

Auch die meisten anderen Figuren erwarten alles von anderen, statt etwas zu geben. Der ausgebrannte Erfolgsschriftsteller Trigorin, von Joachim Foerster treffend kernlos, wie ohne Bodenhaftung gespielt, erhofft sich von der jungen, begeisterungsfähigen Nina,dass sie seine papieren gewordenen Gefühle in Flammen setzt. In einer hoffnungsvollen Szene wirft er zusammen mit ihr übermütig die Stühle über den Haufen, von denen aus alle die ganze Welt wie Theater anschauen – beide einmal kurz ganz nah am richtigen Leben, das aus den Nähten platzt.

Theater Münster / Die Möve - hier : vl. Birte Leest und Julian Karl Kluge © Oliver Berg

Theater Münster / Die Möve – hier : vl. Birte Leest und Julian Karl Kluge © Oliver Berg

Marlene Goksch ist eine bezaubernde Nina, eine schlanke junge Frau, die mit erwartungsvoll geöffneten Lippen an der Seite Trigorins das große Glück nur naiv erhofft, ohne schon Substanz dafür beisteuern zu können. In ihrer Jugendlichkeit ist sie das tragische Opfer des Geiz-Kartells.

Wenn am Ende auch Kosta tot ist und Irina die Parole ausgibt, „Wir haben kein Problem, wir spielen weiter“, ist die Inszenierung ganz im Heute, im verantwortungslosen Verhältnis der saturierten Spaßgesellschaft zum Rest der Welt, punktgenau angekommen.

Über diese politische Pointierung von Tschechows Die Möwe hinaus legt Behnke, indem er im Stück dem Kunst-Diskurs und dem Boheme-Milieu viel Platz einräumt, seine programmatische Auffassung von der Verantwortung des Theaters dar. Wie Kosta fordert er, substanzielles, nicht nur unterhaltsames Theater zu machen. Es wäre ein Theater, das nicht mit Problemen geizt, nicht von den Vorerwartungen des Publikums zehrt, sondern sich ganz gibt.

Für solches Theater wünscht IOCO Frank Behnke gutes Gelingen auch an seiner künftigen Wirkungsstätte, am  Meininger Staatstheater.

—| IOCO Kritik Theater Münster |—


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