Münster, GOP, FASHION – Mode, aber nicht von der Stange, IOCO Kritik, 13.09.2018

September 13, 2018  
Veröffentlicht unter GOP Variete Theater, Hervorheben, Kritiken, Musical

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GOP Variete Theater Münster

GOP Varieté-Theater Münster © GOP Münster

GOP Varieté-Theater Münster © GOP Münster

FASHION – Eine Mode-Show nicht von der Stange

Von Hanns Butterhof

Wenn sich der Vorhang für Fashion, die neue Show am GOP.-Varieté-Theater Münster, hebt, zieht eine Geigerin im roten Kleid die Blicke des Publikums auf sich. Sie tritt aus einem goldenen Spiegel-Rahmen heraus wie eine lebendig gewordene Schaufensterpuppe. Es ist die wunderbare Diana Daiub, die mit ihrem fetzigen Geigenspiel zusammen mit dem lustvoll in die Saiten seiner Gitarre greifenden Roman Kachkin dem außerordentlich dynamischen Fashion-Programm ihren Stempel aufdrückt.

GOP Variete - Theater Münster / FASHION - hier : Anton und Viktor Franke © GOP Münster

GOP Variete – Theater Münster / FASHION – hier : Anton und Viktor Franke © GOP Münster

Die Show, die im Circus-Theater Bingo in Kiew konzipiert wurde, ist locker um die Geschichte gestrickt, dass ein kleiner Schneider ein Kleid für eine große Modenschau entwerfen soll – der Countdown für die Fertigstellung läuft im Bühnenhintergrund. Anton Franke, der mit Vater Viktor mit hinreißend nonverbaler Komik für die Entschleunigung im rasenden Show-Betrieb zuständig ist, ist dieser Schneider. Nicht nur dass er das Kleid rechtzeitig fertigstellt, auch seine Jonglagen grenzen an Zauberei.

Die Artistinnen, die als Models oder Stylistinnen auftreten, sind nicht nur ausgesprochen schöne, sondern auch durchwegs starke Frauen. Die unglaubliche Yelizaveta Krutikova wirbelt, genau zur Musik choreographiert, über die Bühne, und hält sich nur mit dem Nacken oder gar den Fersen an ihrem achteckigen Luftring. Tetiana Bitkine, die im Glimmertrikot an den Strapaten mit ihrer Luftakrobatik glänzt, haut zum Ende ihres Auftritts sogar einen starken Mann um. Mit ihrer anspruchsvollen, sehr weiblichen Kombination von Hula Hoop und Akrobatik fesselt Irina Bielkina den ganzen Saal.

Auch die Artisten können sich sehen lassen wie der tarzanesk seine Löwenmähne schüttelnde Sergey Ivanov, der sich scheinbar ohne Anstrengung, auf einer Hand stehend, im Spagat drehen kann. Wenn Anton Shcherbyna auf seinen rollenden Rohren balanciert, hält das Publikum den Atem an wie bei Alexey Bitkines Kunststücken am Chinesischen Mast.

GOP Variete - Theater Münster / FASHION - hier : Alexander Shpyn und Yelyzaveta Vasylyha © GOP Münster

GOP Variete – Theater Münster / FASHION – hier : Alexander Shpyn und Yelyzaveta Vasylyha © GOP Münster

Auch die Paar-Akrobatik steht auf der Höhe der übrigen Show. Getragen von deren außerordentlichen Musikalität zeigen Yelyzaveta Vasylyha und Alexander Shpyn in ästhetisch beeindruckenden Figuren eine Liebesgeschichte. Eher auseinander streben dagegen Katerina Gurina und Daniil Zhydkov. Während sie am Vertikaltuch in höhere Sphären entschwebt, brilliert ihr Partner mit irrem Breakdance am Boden.

Als am Ende das Sondermodell rechtzeitig fertig und die großartige Geigerin darin eingekleidet war, gab es viel Beifall für das spritzige, in seiner Dynamik ausgesprochen einnehmende Fashion Ensemble und eine Show, die im Gegensatz zu ihrem Untertitel Ein artistisches Prêt-à- Porter nicht von der Stange ist.

Fashion im GOP-Varieté-Theater Münster: Bis zum 4.November 2018 immer Mittwoch bis Sonntag. Karten unter 0251- 4909090

—| IOCO Kritik GOP Variete Theater Münster |—

 

Münster, Theater Münster, Premiere MADAMA BUTTERFLY, 15.09.2018

August 15, 2018  
Veröffentlicht unter Oper, Premieren, Pressemeldung, Theater Münster

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Theater Münster

Theater Münster © Rüdiger Wölk

Theater Münster © Rüdiger Wölk

 

MADAMA BUTTERFLY
Premiere: Samstag, 15. September 2018, 19.30 Uhr

Großes Haus des Theaters Münster
Japanische Tragödie von Giacomo Puccini
in italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Nagasaki in »unserer Zeit«. Der amerikanische Marineleutnant Pinkerton geht während eines längeren Aufenthaltes die Ehe mit der Geisha Cio-Cio-San, genannt Butterfly, ein. Was für ihn kaum mehr als ein Zeitvertreib ist, bedeutet für sie die große Liebe. Drei Jahre wartet Butterfly, die ihm einen Sohn geboren hat, auf die Wiederkehr ihres Mannes. Als Kanonenschüsse die Rückkehr Pinkertons ankündigen, erkennt Butterfly den wahren Umstand seines Besuches: Er und seine Frau Kate sind gekommen, um ihr das Kind zu nehmen. Die Katastrophe nimmt ihren Lauf…

Giacomo Puccini (1858–1924) besuchte in London eine Vorstellung des Schauspiels MADAME BUTTERFLY von David Belasco. Das japanische Drama hatte ihn sofort in seinen Bann gezogen, so dass er diesen Stoff als Vorlage für seine neue Oper verwendete. Am 17. Februar 1904 fand die Uraufführung von Puccinis MADAMA BUTTERFLY im Teatro alla Scala in Mailand statt, mit der der Komponist sein einziges Fiasko erlebte. Puccini zog die Oper umgehend zurück, um sie umzuarbeiten. Dieser Tatsache verdankt die Nachwelt eine der genialsten Opernszenen, wenn Cio-Cio-San eine ganze Nacht lang auf Pinkerton wartet.

Musikalische Leitung: Golo Berg
Inszenierung: Hans Walter Richter
Bühne & Kostüme: Bernhard Niechotz
Choreinstudierung: Inna Batyuk
Dramaturgie: Ronny Scholz

Mitwirkende:
Cio-Cio-San (Kristi Anna Isene), Suzuki (Judith Gennrich/ Chrysanthi Spitadi), Pinkerton (Garrie Davislim), Sharpless (Filippo Bettoschi), Goro (Pascal Herington),

Yamadori (Youn-Seong Shim), Onkel Bonze (Christoph Stegemann), Kate Pinkerton (Christina Holzinger), Mutter Cio-Cio-Sans (Barbara Bräckelmann/ Simona Maestrini), Tante Cio-Cio-Sans (Ute Hopp/ Katarina Michaelli), Cousine (Katarzyna Grabosz/ Melanie Spitau), Yakusidé (Jin-Chul Jung), Standesbeamter (Jae Joon Pak), Kommissar (Kiyotaka Mizuno), Opernchor des Theaters Münster, Sinfonieorchester Münster

Matinée:
Sonntag, 2. September, 11.30 Uhr, Oberes Foyer
Öffentliche Probe (im Rahmen des Theaterfests):
Samstag, 8. September, 11.15 Uhr, Großes Haus

Weitere Vorstellungen im September:
Donnerstag, 20. September, 19.30 Uhr, Großes Haus
Dienstag, 25. September, 19.30 Uhr, Großes Haus
Sonntag, 30. September, 15.00 Uhr, Großes Haus

—| Pressemeldung Theater Münster |—

Münster, Theater Münster, Don Giovanni – Wolfgang A. Mozart, IOCO Kritik, 10.07.2018

Juli 10, 2018  
Veröffentlicht unter Hervorheben, Kritiken, Oper, Theater Münster

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Theater Münster

Theater Münster © Rüdiger Wölk

Theater Münster © Rüdiger Wölk

DON GIOVANNI – Wolfgang Amadeus Mozart

Münsteraner Puppenkiste

Von Hanns Butterhof

An Münsters Großem Haus hat Christian von Götz Mozarts als Dramma goicoso bezeichnete Oper Don Giovanni als barockes Puppenspiel nahe am Kasperletheater inszeniert. Er orientiert sich bei der Personenzeichnung, den Kostümen und der Spielweise an der italienischen Commedia dell‘ arte, wobei das singende Personal zwar glänzen, die orchestrale Seite der Oper sich aber erst spät zur Geltung bringen kann.

   – Don Giovanni als barockes Puppenspiel –

Schon zur Ouvertüre scheint es von Götz darum zu gehen, dass erst einmal viel für das Auge und das Spaßbedürfnis geboten wird. In den überbordend phantasievollen Kostümen Sarah Mittenbühlers nehmen die Sängerinnen und Sänger auf einem Laufsteg vor dem Orchestergraben Platz. Sie plaudern und winken ihren Bekannten im Publikum zu, während das Bühnenbild Giorgiones „Schlummernde Venus“ zitiert (Bühne: Lukas Noll), die sich weder von dem hinter ihr aufziehenden, videogestützten Gewitter mit Blitz und Starkregen noch von der dicken Spinne beunruhigen lässt, die über sie hinwegkriecht. Schon hier in der auf ein Naturereignis heruntergedimmten Ouvertüre kommt das Orchester unter Golo Bergs flottem Dirigat gegen die optische Überwältigung kaum zur Geltung.

Theater Münster / Don Giovanni - hier : Versammelt in und vor der Puppenkiste Anna, Ottavio, Don Giovanni und Elvira mit Nina Koufochristou, Youn-Seong Shim, Filippo Bettoschi, Kristi Anna Isene © Jörg Landsberg

Theater Münster / Don Giovanni – hier : Versammelt in und vor der Puppenkiste Anna, Ottavio, Don Giovanni und Elvira mit Nina Koufochristou, Youn-Seong Shim, Filippo Bettoschi, Kristi Anna Isene © Jörg Landsberg

Das geht auch über lange Strecken der im Stil eines Puppenspiels erzählten Geschichte vom wüsten Wirken des Womanizers Don Giovanni so weiter. Die Figuren sind ironisch gebrochen und kokettieren beständig mit dem Publikum. Don Giovanni (Filippo Bettoschi) ist mit elegantem Bariton ein dauerlächelnder Luftikus, der die Damen schon mit einem Handkuss in Ohnmacht fallen lässt. Mitunter betritt er sportlich am Seil schwingend die Szene oder flüchtet von ihr. Ihn verfolgt die von ihm verlassene Donna Elvira (Kristi Anna Isene). Rachedurstig mit einem Gewehr ausgestattet tritt sie mit ihrer Zerrissenheit zwischen Enttäuschung und Hoffnung mit perlenden Koloraturen zunehmend ins Zentrum. Die riesige rote Schleife, aus der Donna Elviras wohl aus dem Stoff des Venus-Kopfkissens genähtes Kleid besteht, offenbart als Geschenkverpackung überdeutlich, dass ihr tiefes Rachebedürfnis von ihrer tieferen Hingabewilligkeit an Giovanni locker überspielt wird. Sie ist so blind vor Liebe, dass sie nicht einmal bemerkt, dass Don Giovanni sie, allerdings mit seiner wunderbar ehrlich klingenden verlogenen Arie Elvira, idole mio! erst ans Fenster lockt, und sie dann seinem Diener Leporello (Gregor Dalal) an seiner Statt unterjubelt. Auch kann sie ihre wie aus der Klimbim-Familie stammende kleine Zofe (Verena Hierholzer) nicht davor schützen, zu Don Giovannis Beute zu werden.

Auch Donna Anna (Nina Koufochristou) ist hinter Don Giovanni her, vorgeblich um ihren von diesem versehentlich getöteten Vater (Stephan Klemm) zu rächen. Aber zu lange hatte sie mit Giovanni in einer Kiste mit der Aufschrift Finger weg! gesteckt, zu theatralisch beweint und streichelt sie den aus eben dieser Kiste herausragenden Fuß des toten Komturs – der kurz darauf mit dem Schild „tot“ aus der Kiste herauskrabbelt – ,  als dass ihre Erzählung von der vereitelten Verführung glaubhaft wäre. Immerhin gelingt ihr, ihren Verlobten Don Ottavio (Youn-Song Shim) mit spitzem Racheruf und virtuoser Leidensgeste zu bewegen, die Suche nach dem Verführer aufzunehmen. Für seine Folgsamkeit belohnt sie ihn mit selbstgestrickten gelben Kniestrümpfen mit rotem Herzchen-Muster.

Der Detail-Reichtum der Szenen zieht viel Aufmerksamkeit auf sich. So kommt die bäuerliche Hochzeitsgesellschaft sackhüpfend auf die Bühne. Die Braut Zerlina (Kathrin Filip) wirft sich ziemlich umstandslos Don Giovanni an den Hals, nachdem er sie auf sein Schloss eingeladen hat, und der tumbe Bräutigam Masetto (Christoph Stegemann) ist für seine Strafexpedition gegen Don Giovanni neben einer Kalaschnikow auch noch mit Panzerfäusten, Schwert und einem Sparschäler bewaffnet.

 Theater Münster / Don Giovanni - hier : Filippo Bettoschi als Don Giovanni und Kathrin Filip © Jörg Landsberg

Theater Münster / Don Giovanni – hier : Filippo Bettoschi als Don Giovanni und Kathrin Filip © Jörg Landsberg

Erst gegen das ruhiger inszenierte Ende, wenn Youn-Song Shim mit allem tenoralen Schmelz seine Arie Il mio tesoro auf einem Podestchen wie in der Londoner Speakers Corner singt, kommt die tragische Seite der Oper zur Geltung. Da wird deutlich, dass die barocken Figuren tatsächlich den Charakter von Puppen haben, nicht Herr und nicht Frau ihrer blind verfolgten Handlungsmuster sind. Sie können daran leiden, aber nichts dagegen tun, wie es exemplarisch bei Donna Elvira der Fall ist. Wo sie dagegen aufbegehren, nicht mehr das sein wollen, was sie sind, scheitern sie komisch; nicht ohne Grund ist Leporello, der mit warmem Bariton äußerst einnehmende Gregor Dalal, der Harlekin. Wer gar nicht anders will, als er muss, wie Don Giovanni, fährt nicht als Strafe in die Hölle; konsequent hat von Götz die  finale Genugtuung über die gerechte Bestrafung des Bösewichts gestrichen. Zerlina und Masetto droht unweigerlich die Ehe-Hölle.

Gesanglich ist dieser Don Giovanni auf allen Positionen richtig gut besetzt, auch der von Inna Batyuk einstudierte Chor singt und spielt im Sinne der Regie engagiert.

Theater Münster / Don Giovanni - hier : Ensemble in Spielfreude © Jörg Landsberg

Theater Münster / Don Giovanni – hier : Ensemble in Spielfreude © Jörg Landsberg

Spät, zu spät kann sich das Orchester in Übereinstimmung mit der Bühne zur Geltung bringen. Was bislang an differenziert kommentierendem Ausdruck verloren ging, lässt Golo Berg im Sinfonieorchester Münster nun vernehmlich aufleuchten. Der Farbenreichtum der Partitur, der Ernst und die Tragik werden hörbar, die auch den Menschen zukommen, die den Ausgang aus der vielleicht gar nicht selbst verschuldeten Unmündigkeit nicht finden.

Man kann an der Richtigkeit des optimistisch auf mündiger Selbstbestimmung bauenden Menschenbildes der Aufklärung durchaus seine Zweifel haben. Ob es ein Gewinn ist, diesen Zweifel im Don Giovanni barock zu inszenieren, darf mit einem großen Fragezeichen versehen werden. Das Publikum spendete großen, aber nicht ungeteilten Beifall für alle Beteiligten nach gut drei Stunden italienisch gesungener, in der Felsenstein-Übersetzung übertitelter Arien und deutscher, von Boris Cepeda am Hammerklavier virtuos begleiteter Rezitative.

Don Giovanni am Theater Münster; der nächste Termin: 13.7. 2018 um 19.30 Uhr.

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Münster, Theater Münster, True Romance – Hans Henning Paar, IOCO Kritik, 30.06.2018

Juni 29, 2018  
Veröffentlicht unter Ballett, Hervorheben, Kritiken, Theater Münster

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Theater Münster

Theater Münster © Rüdiger Wölk

Theater Münster © Rüdiger Wölk

  TRUE ROMANCE – Tanz von H.H. Paar

– Tanz als wiedergefundenes Paradies –

Von Hanns Butterhof

Eine tiefere Verbeugung vor den Ikonen des kollektiven Romantik-Bewußtseins scheint kaum denkbar. Hans Henning Paar und Daniel Souliés zitieren zu Beginn ihres Tanzabends True Romance im Kleinen Haus des Theaters Münster zum einen den Musiker Frederic Chopin mit einem Nocturno und den Maler Caspar David Friedrich mit dem Bild vom „Wanderer über dem Nebelmeer“.

Da steht Elizabeth Towles mit dem Rücken zum Publikum auf einer kleinen, abgeschrägten Rampe und schaut lange in die verführerisch glitzernde Ferne der Bühne, die Bernhard Niechotz mit wenigen segelartigen Elementen und Videoprojektionen umwerfend schön gestaltet hat. Mehrmals von der Rampe abrutschend greift Towles mit weit ausgestreckten Armen immer wieder auf etwas weit weg Befindliches zu, das doch unerreichbar scheint. Wenn sie sich dann umdreht und dem Publikum zuwendet, lächelt sie mit geschlossenen Augen – als habe sie das Gesuchte als ihren inneren Besitz gefunden.

Theater Münster / True Romance - Tanzstück, Romantische Liebe zu zweit - Elizabeth Towles und Jason Franklin © Oliver Berg

Theater Münster / True Romance – Tanzstück, Romantische Liebe zu zweit – Elizabeth Towles und Jason Franklin © Oliver Berg

Das könnte schon die finale Aussage des Tanzabends sein, in dem Paar und Souliés nicht alte Romantik-Vorstellungen nachbilden, sondern in neun Szenen nach ihrer heutigen Bedeutung befragen.

Solo-, Paar- und Gruppenszenen wechseln sich ab. In einer Szene verschlingen sich Elizabeth Towles und Jason Franklin unter Küssen und Bissen entsprechend dem medial weit verbreiteten Stereotyp der von konventionellem Zwang entfesselten, leidenschaftlichen Liebe. Doch wenn sie ihn dann abfragt, welche ihrer einzelnen Körperregionen er liebt und er zu allen gleich ja sagt, ist auch alle Romantik dahin.

In einer anderen Szene wächst zu Disco-Musik ein Duett über mehrere Stufen zum ansehnlichen Ensemble-Tanz. Doch selbst wenn dann alle die gleichen Bewegungen ausführen, kommt es kaum zu Beziehungen. Zwar suchen Einzelne entschlossen nach Partnern, doch nur kurzfristig finden sich Paare, die sich, manchmal sogar mit einem Fußtritt, rasch wieder trennen.

Theater Münster / True Romance - Tanzstück, Romantische Liebe zu zweit hier : Jungmädchen-Traum von romantischer Liebe - Matteo Mersi, Tarah Malaika Pfeiffer, Jason Franklin © Oliver Berg

Theater Münster / True Romance – Tanzstück, Romantische Liebe zu zweit hier : Jungmädchen-Traum von romantischer Liebe – Matteo Mersi, Tarah Malaika Pfeiffer, Jason Franklin © Oliver Berg

Das Gegenstück ist ein jungmädchenhaftes Liebes-Traumbild. Fünf Verehrer, Keelan Whitmore, Matteo Mersi, Adrián Plá Cerdán, Jason Franklin und Adam Dembczynski küssen der in ein unschuldig weißes Kleid gewandeten Tarah Malaika Pfeiffer Hände und Arme, umfassen sie scheu, um sie dann wie auf Händen durchs Leben zu tragen.

Zuletzt macht True Romance doch eine noch tiefere Verbeugung vor dem Tanz als vor der Musik und Malerei der Romantik. Ganz unbeschwert gelingt es dem Gasttänzer Saeed Hani, leichtfüßig im orientalischen Tanzstil ein Lebensgefühl von glücklicher Gelöstheit auf die Bühne zu zaubern. Da bezeichnet Romantik nicht eine ferne Epoche oder einen inneren Besitz, sondern wird als Einheit von Tradition und Gegenwart im Tanz wie in einem wiedergefundenen Paradies wirklich.

Nach achtzig ohne Pause durchgetanzten Minuten viel Beifall für das fesselnd tanzende Ensemble.

True Romance am Theater Münster; Die nächsten Termine: 6., 10. und 12.7.2018 jeweils 19.30 Uhr.

—| IOCO Kritik Theater Münster |—

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