München, Gasteig Carl-Orff-Saal, Voice of the Violin – Ukrainische Wochen, IOCO Kritik, 17.10.2020

Voice of the Violin - Ukrainische Wochen in München © Natalia Spiech / Generalkonsulat der Ukraine München

Voice of the Violin – Ukrainische Wochen in München © Natalia Spiech / Generalkonsulat der Ukraine München

Voice of the Violin im Gasteig

Voice of the Violin  –  Ukrainische Wochen in Bayern

 von Dr. Adelina Yefimenko

Dr. Adelina Yefimenko ist Professorin für Historische Musikwissenschaft an der Ukrainischen Freien Universität München und der M. Lysenko-Nationale-Musikakademie – Lviv, Ukraine

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Die Ukrainischen Wochen in Bayern wurden am 9 Oktober 2020 unter dem Patronat des Generalkonsulats der Ukraine in München mit dem Konzert Voice of the Violin eröffnet. Dieses Konzert begeisterte 120 Gäste im Carl-Orff-Saal des Gasteig, München. Die Anzahl der Teilnehmer war coronabedingt reduziert.

Der Klang dreier Geigen entwickelte sich zu einer spannenden musikalischen Reise durch verschiedene Länder wie Deutschland, Frankreich, England und die Ukraine. Beflügelt durch diese musikalische Spannung zwischen West-und Osteuropa öffnete sich die Seele und entfaltete sich die Virtuosität der drei Geiger aus drei verschiedenen Ländern. Als Ergebnis vereinte sich deutsche Musikphilosophie, eleganter französischer Charme, moderne englische Musik und eine ukrainische Musik, die sowohl mit ihrer historischen als auch zeitgenössischen multikulturell-ethnischen Neuartigkeit immer noch in Westeuropa als Terra Incognita wahrgenommen wird.

Warum haben sich die drei Musiker – Natalia Raithel aus der Ukraine und Deutschland, Wahlheimat München, Ivan Dukhnych aus der Ukraine und der Schweiz und George Hlawiczka aus England – für den Klang der Geige entschieden?

Voice of the Violin - Die Musiker auf der Bühne © Natalia Spiech / Generalkonsulat Ukraine in München

Voice of the Violin – Die Musiker auf der Bühne © Natalia Spiech / Generalkonsulat Ukraine in München

In Voice of the Violin vereinten sich die Musiker in erhabener und transparenter Dreistimmigkeit, die die Wertschätzung jedes Komponisten in diesem Konzertprogramm unterstrich – unabhängig davon, ob der Künstler berühmt, weniger bekannt oder sein Name gar in Vergessenheit geraten ist. Der Mensch, seine Name und seine Taten leben solange, wie die Erinnerung daran bestehen bleibt. Der Komponist lebt solange, wie seine Werke von den Musikern zum Klang erweckt werden.

Es ist hinlänglich bekannt, dass die Streichinstrumente eine besondere Fähigkeit haben, den Klang der menschlichen Stimmen zu imitieren. In ihrem gesamten Wesen kommt die Violine dem Klang der Gesangstimme am nächsten. Neue Forschungsergebnisse stützen sogar die Hypothese, dass die ersten Geigenbauer den menschlichen Gesang zum Vorbild nahmen. Historisch also wurde die Violine zur Nachahmung des menschlichen Gesangs geschaffen und bis jetzt deckt sie nachweislich das größte Spektrum der menschlichen Gefühle ab, die nicht nur die Stimme der Menschen, sondern auch die Stimmung der ganzen Menschlichkeit ausstrahlen.

Dazu muss man zusätzlich erwähnen: die exakte vokale Dreistimmigkeit gilt als eine der wichtigsten Quellen der professionellen ukrainischen Musik. Seit dem 17. Jahrhundert schöpfen das ukrainische geistliche Liedgut sowie die Gesangs-Lyrik aus dem Ursprung der Kompositionslehre der dreistimmigen Gattung Kant. Im 20.Jahrhundert wurde durch die herausragenden Konzertauftritte der drei ukrainischen Sängerinnen –Geschwister Bajko – diese wichtige musikalischen Tradition der Ukraine – nämlich, die Dreistimmigkeit – weltweit bekannt.Im Konzertprogramm Voice of the Violin präsentierten die Musiker die große Vielfalt und den Variantenreichtum dieser Dreistimmigkeit über das Spiel mit den drei Geigen. Eine breite Palette der Stilrichtungen vom Barock über Romantik, Biedermeier, Neofolklorismus bis zur Minimal Musik wurde in einem Klangzauber der verschiedenen Epochen und Länder inszeniert.

 Voice of the Violin - hier vl. George Hlawiczka Natalia Raithel, Adelina Yefimenko, Ivan Dukhnych © Natalia Spiech / Generalkonsulat Ukraine in München

Voice of the Violin – hier vl George Hlawiczka Natalia Raithel, Adelina Yefimenko, Ivan Dukhnych © Natalia Spiech / Generalkonsulat Ukraine in München

Einige der Werke, sowohl des Genius Johann Sebastian Bach (meditative Adagio aus Sonate für Violine Solo C-Dur) oder Franz Schubert-Ernst (dramatische Grand Caprice „Der Erlkönig“) als auch des ukrainischen Komponisten Oleksander Znosko-Borowski (herrliche „Improvisation und Melodie“ für 2 Violinen und Viola), wurden in der Bearbeitung der bekannten Geigerin Natalia Raithel für 3 Violinen neu arrangiert.

Die Romanze „Wohin ich auch ginge“ des ukrainischen Komponisten Stephan Spiech, der in München lebte und der ein Anhänger des Biedermeier-Stils sowie der ukrainischen Kirchenchormusik war, wurde für 3. Violinen in der Bearbeitung des zeitgenössischen ukrainischen Komponisten aus Lemberg Myroslaw Wolynskyj zum ersten Mal in diesem Konzert „Voice of the Violin“ präsentiert.

Auch der orchestrale „Tanz der Huzulen“ des berühmten ukrainischen Komponisten Myroslaw Skoryk, konzipiert für drei Violinen von dem Cellisten Sergej Drapkin, beeindruckte mit einem bemerkenswerten Klang, der die archaischen Quellen aus der huzulischen Folklore im Lichte eines originalen persönlichen Stils des Komponisten zeigte. Diesen Tanz vervollständigte Myroslaw Skoryk zu einem selbstständigen Werk nach dem großen Erfolg seiner Filmmusik zur Filmproduktion „Feuerpferde – Schatten vergessener Ahnen“ des Regisseurs Sergei Paradschanow.

Nur Wenige wissen, dass die Genialität von Skoryk und Paradschanow von weltbekannten Regisseuren wie Federico Fellini, Akira Kurosawa, Michelangelo Antonioni, Andrzej Wajda geschätzt wurde und dass dieser Film auf der Liste für die Bewerbung zu den Medien-Wissenschaften der Harvard Universität steht.
Andere Werke wie die des deutschen Komponisten Friedrich Hermann („Capriccio für 3 Violinen“ Op.2), des französischen Komponisten Charles Auguste de Beriot („Duo Concertante“ N3 für 2 Violinen) und des britischen Komponisten Paul Trapcus waren in der originalen Fassung zu hören.

Alle diese Kompositionen wurden nicht zufällig in einem Programm präsentiert. Jeder Komponist hat mit seinem Werk die Stimme seines Volkes und die vielfältige stilistische Innovationen seines Landes individuell reflektiert. Auch die Künstler, die zum Anlass dieses Konzert-Programms, trotz der Schwierigkeiten in der Zeit der Pandemie, endlich zusammen und live musizieren konnten, sind alle freie, bekannte Künstler ihres Landes. Jeder machte eine großartige Kariere, gewann internationale Wettbewerbe, gründete eigene Orchester, Ensembles sowie forschende und musikpädagogische Institutionen.

Die Entstehungsgeschichte der musikalischen Freundschaft dieser drei Musiker ist sehr spannend. Natalia Raithel, Ivan Dukhnych und George Hlawiczka kamen nach Indien als Solisten und Mitwirkende der Mumbai-Philharmonie (NCPA-Philharmonie Orchester). Dabei entstand die Idee, in Europa ein eigenes Konzept für 3. Violinen zu gestalten. Und so entstand als erstes der Leitgedanke dieses Programms – Voice of the Violin. Der erste Auftritt fand vor einem Jahr in Lemberg auf dem Podium des Mirror-Saals der Nationalen Lviv-Oper statt. Und dies Jahr erklang Voice of the Violin in der Schweiz (Basel) und in Deutschland (München).

Unbedingt muss erwähnt werden, dass das Konzert Voice of the Violin ein originales und einzigartiges Genre im Repertoire der Streichinstrumente zum Ausdruck bringt, da es sich von den üblichen Streicher-Besetzungen eindrucksvoll unterscheidet. Es gibt zahlreiche bekannte Duette, Quartette oder Quintette, doch diese aufgespürten Stücke für drei Violinen sind eine wunderbare Entdeckung in diesem Konzert.

Bestimmt gibt es noch viele weitere wunderbare und immer noch nicht bekannte Perlen im Violine-Repertoire zu entdecken, die uns auf eine neue spannende Reise zusammen mit Voice of the Violin führen wird. Das Konzertprogramm Voice of the Violin auf der Bühne des Carl-Orff-Saal des Gasteig wurde zum großen Erfolg und zu einer erfreulichen Erkenntnis: die Musik; es lebt in aller Zeit, ist ewig und bleibt für neue Herausforderungen offen und kreativ. Lassen wir uns von neuen Entdeckungsreisen der Musiker in der Post-Pandemie-Welt überraschen! Das Violintrio bereitet das Projekt Voice of the Violin aktuell für eine CD Aufnahme vor.

Informationen über die Musiker:

Natalija Raithel ist Gewinnerin internationalen Wettbewerben, eine weltweit erfolgreiche Kammermusikerin und Spielpartnerin von Giora Feidman, die auch sehr erfolgreich als Pädagogin tätig ist. Natalija Raithel spielt die Violine von Johannes Baptista Zanoli (alte italienische Schule).
George Glawiczka tritt weltweit als Sologeiger und Dirigent auf. Er war Konzertmeister an der Philharmonie Orchester Mumbai und leitet sein eigenes Orchester I Maestri mit Hauptsitz in London. George Hlawiczka spielt die Violine von Antonio Vinaccia (Gagliano school).
Ivan Dukhnych studierte in der Schweiz und Deutschland als Geiger und Organist. Er ist seit 2015 Leiter der Haliciana Schola (Institut für historische Aufführungspraxis) in Lemberg. Seit 2017 unterrichtet Ivan Dukhnych an der Nationalen Musik-Akademie in Lemberg/ Lviv Violine und Orgel. Ivan Dukhnych spielt die neue, vor einem Monat gebaute Violine von Orest Putsentela (der zeitgenössische ukrainische Geigenbauer).
Das Konzert organisierte die ukrainische Familie Spiech aus München.

—| IOCO Kritik Philharmonie im Gasteig |—

München, Gasteig, Das Jalisco Philharmonic Orchester – Mexiko, IOCO Kritik, 23.05.2017

Mai 23, 2017  
Veröffentlicht unter Konzert, Kritiken, Philharmonie im Gasteig

München / Jalisco Philharmonic Orchestra © Marco Ayala

München / Jalisco Philharmonic Orchestra © Marco Ayala

Philharmonie im Gasteig

Das Jalisco Philharmonic Orchester  in München

Von Daniela Zimmermann

Zur Feier des deutsch-mexikanischen Jahres 2017 gastierte das als lebendigste und bedeutendste Orchester Lateinamerikas im Münchner Gasteig. Das 120 Musiker umfassende Jalisco Philharmonic Orchester feierte 2015 sein 100 jähriges Bestehen; das Orchester ist bedeutendes Kulturgut im Westen Mexikos, des am Pazifik gelegenen Bundesstaates Jalisco mit der Hauptstadt Guadalajara. Mehrfach wurde das Jalisco Philharmonic Orchester für den Grammy nominiert. Marco Parisotto, Chefdirigent des Jalisco Philharmonic Orchester hatte für das Münchner Publikum den Schwerpunkt des Abends auf große Kompositionen Mexikos gelegt.

Muenchen / Marco Parisotto © Marco Ayala

Muenchen / Marco Parisotto © Marco Ayala

In Berlin, am Konzerthaus am Gendarmenmarkt, war auf einem großen Plakat zu lesen: „Es ist ein Privileg des Dirigenten, die Musik wach zu küssen.“ Dirigent Marco Parisotto und seinem Jalisco Philharmonic Orchester ist dies wunderbar gelungen. Es war ein besonderes und hinreißendes Konzert. Bedauerlich, dass es nicht entsprechend besucht war. Ein dem Münchner Publikum weitgehend unbekanntes Orchester hat es eben sehr schwer, sich inmitten des großen Münchner Kulturangebots „Gehör zu verschaffen“.

Der europäischen Welt gewidmet, eröffnete zwar die ernst, tragische 1. Sinfonie in C-Moll von Johannes Brahms den Abend, doch gefolgt von bekannten, lebensfrohen  Werken mexikanischer Komponisten des 20 Jahrhunderts: Silvestre Revuelta (1899 – 1940) mit Redes Suite und Arturo Marquez (*1950) mit Danzon Nr. 2. In Marquez´ Komposition Danzon werden kubanischen Rhythmen und spanischen Tanzformen mit europäischem Orchesterklang verbunden. Arturo Marquez gelangte durch seine Danzon Kompositionen  zu Weltruhm.

Weiterer Höhepunkt des Abends war das Spiel des weltweit erfolgreichen mexikanischen Percussion Quartett Tambuco. Sie glänzten mit der Erstaufführung von Javier Alvarez, „Metal de Treboles“ für Schlagzeugquartett und Orchester. Javier Alvarez ist einer der bekanntesten mexikanischen Komponisten der Gegenwart; bekannt dafür, neueartige, von lateinamerikanischen Klängen beeinflusste Musik zu komponieren..

Das Publikum war begeistert von dem lateinamerikanischen Flair des Abends. Packende Zugaben mitreißend temperamentvoller mexikanischer Musik lösten im Saal Begeisterung wie Frohsinn aus. Marco Parisotto und das Jalisco Philharmonic Orchester wurden entsprechend gefeiert.

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München, Münchner Philharmoniker, Lorin Maazel gestorben: Maestro mit Distanz, IOCO Aktuell, 13.07.2014

Philharmonie Im Gasteig © Gasteig München GmbH / Matthias Schönhofer

Philharmonie Im Gasteig © Gasteig München GmbH / Matthias Schönhofer

Philharmonie im Gasteig

Lorin Maazel, 84, von der Bühne des Lebens abgetreten

Seit Jahrzehnten als Maestro und Komponist auf den großen Bühnen der ganzen Welt geschätzt, unterschied sich Lorin Maazel von vielen seiner Kollegen am Pult durch eine oft unbeteiligt wirkende Noblesse. Maazel mied immer optische Ablenkung durch Gestik und Mimik, auch wenn dies gelegentlich stur, arrogant wirkte. Doch Maazel verzauberte durch das Wesen seiner Musik, welche immer intensiv drängte, flutete und über Jahrzehnte Millionen Hörer bannte.

Am 6. März 1930 wurde Lorin Maazel in der Nähe von Paris als Sohn russisch-stämmiger US-amerikanischer Eltern geboren. In seinem ereignisreichen Leben  dirigierte er über 150 Orchester, nahm 300 Klassikeinspielungen vor, schrieb viele eigene Kompositionen. Erst am 12. Juni 2014 hatte Lorin Maazel sein Amt als Chefdirigent der Münchner Philharmoniker plötzlich niedergelegt, sein Gesundheitszustand war schlecht. Nur einen Monat später, auf seinem Wohnsitz in Castleton, Virginia, USA, starb Lorin Maazel am 13. Juli 2014, mit 84 Jahren.

Philharmonie im Gasteig / Münchner-Philharmoniker und Lorin Maazel © wildundleise.de

Philharmonie im Gasteig / Münchner-Philharmoniker und Lorin Maazel © wildundleise.de

Als „Wunderkind“ früh entdeckt leitete Lorin Maazel bereits mit 10 Jahren große Orchester in den USA. Dies hinderte ihn jedoch nicht, in den folgenden Jahren noch Mathematik und Philosophie zu studieren. Doch sein musikalischer Weg war bereits vorgezeichnet. Mit 34 Jahren übernahm er erstmals die verantwortliche Leitung eines großen Orchesters. Das Radio Symphonie Orchester, Berlin, wurde ab 1964 zu seiner ersten großen musikalischen Heimat, welcher bald viele weitere folgen sollten: 1965 wurde Lorin Maazel zusätzlich Chefdirigent der Deutschen Oper Berlin.  Musikdirektor des Cleveland Orchestra, 1972–1982, Direktor der Wiener Staatsoper, 1982–1984, Musikdirektor des Pittsburgh Symphony Orchestra, 1988–1996, Chefdirigent des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks, 1993–2002, Musikdirektor der Oper Valencia, 2002 bis 2009, Music Director der New Yorker Philharmoniker sind weitere Stationen einer glänzenden Musikerkarriere. Elf Mal leitete Maazel das populäre Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker. In Bayreuth dirigierte er 1960 als erster amerikanischer Dirigent.

Lorin Maazel war dreimal verheiratet: Mit Miriam Sandbank, Israela Margalit und, seit 1986, mit der deutschen Schauspielerin Dietlinde Turban.

IOCO / Viktor Jarosch/ 16.07.2014

—| IOCO Aktuell Münchner Philharmoniker |—

 

München, Münchner Philharmoniker, Lorin Maazel tritt zurück, IOCO Aktuell, 12.06.2014

Gasteig Philharmonie / Hauptspielstätte der Münchner Philharmoniker © Gasteig

Gasteig Philharmonie / Hauptspielstätte der Münchner Philharmoniker © Gasteig

Philharmonie im Gasteig

Lorin Maazel tritt zurück
Unruhige Zeiten für die Münchner Philharmoniker

Maestro Lorin Maazel, 84, wird aus gesundheitlichen Gründen sein Amt als Chefdirigent der Münchner Philharmoniker mit sofortiger Wirkung niederlegen, teilte die Stadt München heute mit. Aufgrund seiner Krankheit kann Lorin Maazel seinen Verpflichtungen offensichtlich nicht mehr nachkommen. Sollte es seine Gesundheit erlauben, wird Maazel einzelne Konzerte mit den Münchner Philharmonikern dirigieren.

Die Münchner Philharmoniker sind damit gezwungen, die Spielzeit 2014/15 ohne einen Chefdirigenten umzusetzen. Der international bekannte aber nicht unumstrittene Valery Gergiev (59), Karajanpreisträger und Temirkanovschüler, sollte Lorin Maazel ab Herbst 2015 bei den Münchner Philharmoniker ablösen. Der Münchner ex-OB Christian Uhde und Gergiev hatten Anfang  2013 einen von 2015 bis 2020 laufenden Vertrag unterzeichnet. Nur 30 Konzerte pro Jahr wird Valery Gergiev als Chef der Münchner Philharmoniker dirigieren. Die dröhnende Nähe des umtriebigen Valery Gergiev zu Wladimir Putin und zur russischen Nomenklatura, seine Äußerungen zur Homosexualität sorgten bereits im Vorfeld seiner „Arbeitsaufnahme“ in München für erhebliche Unruhe.

Dabei gehören die Münchner Philharmoniker seit Jahrzehnten zu den international   führenden Konzert-Orchestern. Sergiu Celibidache, James Levine, Christian Thielemann und andere prominente Namen formten diese Reputation. Doch bereits 2009 strapazierte der lautstarke Wechsel Christian Thielemanns diesen Ruf, so dass sich selbst innerhalb Münchens Stadtgrenzen ebenbürtige Konkurrenz entwickeln konnte. Der Russe Valery Gergiev muss als Chefdirigent der Münchner Philharmoniker die Turbulenzen ab 2015 dauerhaft richten. Ob er für diese Aufgabe heute noch noch der richtige Kandidat ist, wird inzwischen von vielen bezweifelt.
Philharmonie im Gasteig / Münchner-Philharmoniker und Lorin Maazel © wildundleise.de

Philharmonie im Gasteig / Münchner-Philharmoniker und Lorin Maazel © wildundleise.de

Dass die Zusammenarbeit zwischen Maazel und dem   Philharmonikern in der Spielzeit 2014/2015 nun nicht wie geplant vertieft werden kann, bedauern alle Beteiligten außerordentlich.
In Konzerten mit Lorin Maazel hat unser Publikum Sternstunden der Klassik erleben dürfen. Das Orchester war höchst motiviert, in der kommenden Saison weitere herausragende Konzerterlebnisse mit ihm zu gestalten. Wir bedauern es sehr, dass es ihm nicht möglich sein wird, die fordernde Aufgabe als Chefdirigent weiter auszuüben. Und wir danken ihm gleichzeitig für sein bisheriges Wirken. Wir wünschen ihm eine baldige Genesung, damit er rasch wieder die Energie hat, die ihn als Künstler und Persönlichkeit besonders auszeichnet“, so Dr. Hans-Georg Küppers, Kulturreferent der Landeshauptstadt München.

Die Nachricht, dass Lorin Maazel in der nächsten Spielzeit nicht wie geplant mit uns
weiterarbeiten kann, hat uns sehr getroffen. Wir haben jedoch großes Verständnis für diese Entscheidung und wünschen ihm das Beste. Es stellt uns vor große Herausforderungen, die Saison 2014/2015 zu disponieren. Das Orchester hat aber in den letzten Wochen gezeigt, dass es mit solchen Ausnahmesituationen professionell umzugehen weiß – hervorragende Konzertkritiken haben das bestätigt. Ich bin zuversichtlich, dass wir weiterhin ein attraktives Programm für unser Publikum anbieten können und danke bereits jetzt für das Verständnis und entgegengebrachte Vertrauen“, so Intendant Paul Müller.

„Für die Münchner Philharmoniker war und ist Lorin Maazel ein Glücksfall. Von seinem
musikalischen Verständnis, seiner schlagtechnischen Präzision und seinem Umgang mit dem Orchester werden wir noch lange profitieren. Wir wünschen uns sehr, dass er wieder
vollständig gesund wird und freuen uns jederzeit auf ein Wiedersehen“, so Orchestervorstand Stephan Haack.
Wie die Münchner Philharmoniker in einer Presseerklärung bekanntgeben, wird man  versuchen, für die bis Jahresende von Maazel abgesagten Konzerte angemessene Lösungen zu finden. Über personelle und programmatische Änderungen werden  Presse und Publikum laufend informiert

IOCO / VJ / 12.06.2014

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