München, Residenztheater, Don Juan oder Die Irrwege des Frank Castorf, IOCO Kritik, 20.07.2018

Residenztheater München

Residenztheater München © Matthias Horn

Residenztheater München © Matthias Horn

DON JUAN  –  Jean Baptiste Moliere

Die Irrwege des Frank Castorf

Von Hans-Günter Melchior

Es ist das gewohnte Castorf- bzw. Denic-Bild. Ein mehrstöckiges Holzhaus, im Parterre oder auf einer Art Balkon wuselt die Handlung – schwer erkennbar, ist aber über Videos auf herabhängenden Bildschirmen zu verfolgen. Dazu die Coca-Cola-Reklame, damit jeder weiß: das ist nicht das 17. Jahrhundert, in dem der in jeder Hinsicht heruntergekommene und von Don Juan repräsentierte Adel seine Vormachtstellung verspielt, das ist Neuzeit, und zwar krudeste Neuzeit im Spätkapitalismus, der das Wetterleuchten des Untergangs eines maroden Systems anzeigt. Wie dazumal, als sich der Adel die unerhörtesten Freiheiten herausnahm und moralisch wie gesamtgesellschaftlich abwirtschaftete.

Jean-Baptiste Molière - La Fontaine in Pere Lachaise © IOCO

Jean-Baptiste Molière – La Fontaine in Pere Lachaise © IOCO

Man tut gut daran, vor dem Theaterbesuch das Stück Don Juan von Moliere noch einmal gründlich zu lesen. Die Aufführung dauert zwar nicht weniger als 4 ½ Stunden, deutlicher wird dadurch aber nicht, was Moliere uns sagen wollte. Vielmehr schwimmen Handlungsinseln in einem Ozean aus Assoziationen, Anspielungen, Literaturbezügen (George Batailles ausschweifende Sexualphantasien, Zitate aus Werken von Heiner Müller und Alexander Puschkin) philosophischen Zitaten (Blaise Pascals berühmtes Diktum, das Unglück des Menschen rühre daher, dass er nicht allein im Zimmer sitzenbleiben könne) und musikalischen Untermalungen, ohne sich zu einem plausiblen Zusammenhang zu fügen. Sogar Tiere treten in Aktion, Ziegen zum Beispiel, die in einem Käfig, zum Teil auch frei über die Bühne laufen. In der Tat: es ist was los bei Castorf, Action ist angesagt, Action und immer wieder Action im Lärm.

Residenztheater München / Don Juan vom Moliere - hier : v.l. Marcel Heuperman als Pierrot, Aurel Manthei als Don Juan, Jürgen Stössinger als Don Louis, Franz Pätzold als Don Juan zwei © Matthias Horn

Residenztheater München / Don Juan vom Moliere – hier : v.l. Marcel Heuperman als Pierrot, Aurel Manthei als Don Juan, Jürgen Stössinger als Don Louis, Franz Pätzold als Don Juan zwei © Matthias Horn

Was richtig verstimmte ist der Umstand, dass sich der Regisseur im Vergleich mit dem Autor offenbar für den Besseren hält –, freilich, ohne ein eigenes Stück zu schreiben oder schreiben zu können, sondern das vorhandene, das ihm offenbar nicht deutlich genug ist, zu verhackstücken. Was dabei herauskommt, ist eine Melange aus Gedankensplittern und Montagen, die streckenweise – zugegeben: widerwillig wird es registriert – recht unterhaltsam sind, zum Teil aber schmerzlich langweilig. Man merkt die Absicht und ist verstimmt.

Und vor allem: es geht viel zu viel von Molieres Ironie verloren. Die Leichtigkeit dieses genialen Dichters. Castorf hat aus der scharfzüngigen Kritik Molieres an der Verworfenheit des Adels ein schwergewichtiges und plumpes Drama gemacht, das vor augenzwinkernden Bezugnahmen trieft und offenbar alle Welträtsel im Handumdrehen lösen soll.

Wo bleibt zum Beispiel die herrlich devote Haltung des Dieners Sganarell, der am Gesicht seines Herrn Don Juan die Missbilligung abliest und sich mitten im kritischen Satz über den Lebenswandel des Adeligen um die eigene Achse dreht und das Gegenteil dessen sagt, was er eigentlich sagen will? Der Sganarell wurde völlig gestrichen. Seine Rolle spielt Pierrot (herrlich komödiantisch und sprachlich unbeholfen freilich Marcel Heupermann im Bericht über die Rettung der um ihr Leben Schwimmenden), der zugleich den Bräutigam des schönen Bauernmädchens Charlotte (Nora Buzalka) gab. Und warum geht Don Juans hohe Kunst des Abwimmelns (die Kunst eines Bilderbuchbetrügers)  des Gläubigers Dimanche, den er mit lauter Höflichkeiten einwickelt, bis dieser sein Anliegen vergisst oder vorzutragen versäumt, in einem beiläufig am Bühnenrand in französischer Sprache geführten Palaver unter?

Residenztheater München / Don Juan vom Moliere - hier : v.l. Nora Buzalka als Charlotte, Marcel Heuperman als Pierrot, Farah O’Bryant als Mathurine, Franz Pätzold als Don Juan, Bibiana Beglau als Elvira, Julien Feuillet als la Ramée © Matthias Horn

Residenztheater München / Don Juan vom Moliere – hier : v.l. Nora Buzalka als Charlotte, Marcel Heuperman als Pierrot, Farah O’Bryant als Mathurine, Franz Pätzold als Don Juan, Bibiana Beglau als Elvira, Julien Feuillet als la Ramée © Matthias Horn

Den Diener gibt es nur einmal, Don Juan hingegen zweimal (Aurel Manthei und Franz Pätzold). Warum? Eingesehen hat es der Rezensent nicht.

Schade also, dass sich das herrliche Stück träge viereinhalb Stunden lang über die Bühne wälzt. Wo doch so wunderbare Schauspieler (wie zum Beispiel Bibiana Beglau als Elvira, Julien Feuillet als La Ramée und Farah O´Bryant als Mathurine) für eine bittere, bitterböse Komödie zu Verfügung standen.

Nach der Pause war viel Platz im Theater

—| IOCO Kritik Residenztheater München |—

München, Staatstheater am Gärtnerplatz, Spielzeit-Premiere JESUS CHRIST SUPERSTAR, 19.07.2018

Staatstheater am Gärtnerplatz München

Staatstheater am Gärtnerplatz (Bartholomäus), Lars Schmidt (Jakobus der Jüngere), Michael B. Sattler (Andreas), Benjamin Oeser (Petrus), Bettina Mönch (Maria Magdalena), David Jakobs (Judas Ischariot), Jens Olsen (Johannes), Armin Kahl (Jesus von Nazareth), Carl van Wegberg (Thomas), Claus Opitz (Jakobus der Ältere), Peter Neustifter (Philippus), Alexander Moitzi (Matthäus), Nicola Gravante (Judas Thaddäus), Maximilian Mayer (Simon Zelotes) © Christian POGO Zach

Staatstheater am Gärtnerplatz (Bartholomäus), Lars Schmidt (Jakobus der Jüngere), Michael B. Sattler (Andreas), Benjamin Oeser (Petrus), Bettina Mönch (Maria Magdalena), David Jakobs (Judas Ischariot), Jens Olsen (Johannes), Armin Kahl (Jesus von Nazareth), Carl van Wegberg (Thomas), Claus Opitz (Jakobus der Ältere), Peter Neustifter (Philippus), Alexander Moitzi (Matthäus), Nicola Gravante (Judas Thaddäus), Maximilian Mayer (Simon Zelotes) © Christian POGO Zach

JESUS CHRIST SUPERSTAR

Rockoper
Gesangstexte von Tim Rice
Musik von Andrew Lloyd Webber

In englischer Sprache

Altersempfehlung ab 11 Jahren

Spielzeitpremiere am 19. Juli 2018
Weitere Vorstellungen
Juli 20 / 21 / 24 / 25 / 26 / 27

Andrew Lloyd Webbers legendäre Rockoper JESUS CHRIST SUPERSTAR feiert am 19. Juli Spielzeitpremiere im Gärtnerplatztheater.

Mit »Jesus Christ Superstar« wagten sich der damals erst 22-jährige Andrew Lloyd Webber und sein Textdichter Tim Rice Anfang der 1970er-Jahre an ein geradezu revolutionäres Thema, dessen nachhaltiger Erfolg dem Duo schließlich zu seinem internationalen Durchbruch verhalf. Josef E. Köpplingers mitreißende Inszenierung kehrt auf den Spielplan des Gärtnerplatztheaters zurück.

Staatstheater am Gärtnerplatz / JESUS CHRIST SUPERSTAR -Previn Moore (Herodes), Ensemble © Christian POGO Zach

Staatstheater am Gärtnerplatz / JESUS CHRIST SUPERSTAR -Previn Moore (Herodes), Ensemble © Christian POGO Zach

Musikalische Leitung   Jeff Frohner
Regie  Josef E. Köpplinger
Choreografie   Ricarda Regina Ludigkeit
Bühne   Rainer Sinell
Kostüme   Anja Lichtenegger
Licht   Michael Heidinger
Video   Meike Ebert, Raphael Kurig
Choreinstudierung   Felix Meybier
Dramaturgie   Daniel C. Schindler

Staatstheater am Gärtnerplatz / JESUS CHRIST SUPERSTAR Bettina Mönch (Maria Magdalena), Armin Kahl (Jesus von Nazareth), David Jakobs (Judas Ischariot) © Christian POGO Zach

Staatstheater am Gärtnerplatz / JESUS CHRIST SUPERSTAR Bettina Mönch (Maria Magdalena), Armin Kahl (Jesus von Nazareth), David Jakobs (Judas Ischariot) © Christian POGO Zach

Jesus von Nazareth   Armin Kahl
Judas Ischariot   John Vooijs
Maria Magdalena   Dionne Wudu
Pontius Pilatus   Erwin Windegger
Herodes   Previn Moore
Kaiphas   Levente Páll / Holger Ohlmann
Annas   Juan Carlos Falcón
Simon Zelotes   Maximilian Mayer
Petrus   Benjamin Oeser
Johannes / Soldat   Paul Morris
Judas Thaddäus   Nicola Gravante
Jakobus der Jüngere   Samuel Tobias Klauser
Bartholomäus   Christian Schleinzer
Andreas   Joshua Edelsbacher
Matthäus   Alexander Moitzi
Jakobus der Ältere   Claus Opitz
Philippus   Peter Neustifter
Thomas   Connor Dowling
Erster Priester  Dirk Lüdemann
Zweiter Priester   Holger Ohlmann / Martin Hausberg
Dritter Priester   Frank Berg
Soul-Girls   Katie Monks, Joana Henrique, Susanne Seimel
Girls   Katharina Lochmann, Evita Komp, Leoni Kristin Oeffinger, Valerie Luksch, Stéphanie Signer, Lisandra Bardél
Ein Soldat   Maximilian Berling

Chor des Staatstheaters am Gärtnerplatz
Orchester des Staatstheaters am Gärtnerplatz

—| Pressemeldung Staatstheater am Gärtnerplatz |—

 

München, Gärtnerplatztheater, Choreografische Uraufführung LA STRADA, 12.07.2018


Staatstheater am Gärtnerplatz München

Gaertnerplatztheater München © Christian Pogo Zach

Gaertnerplatztheater München © Christian Pogo Zach

LA STRADA  –  Ballett von Marco Goecke

Nach dem gleichnamigen Film von Federico Fellini, Buch von Federico Fellini und Tullio Pinelli, Musik von Nino Rota

Musikalische Leitung   Michael Brandstätter, Choreografie   Marco Goecke, Bühne und Kostüme   Michaela Springer, Ballett des Staatstheaters am Gärtnerplatz, Orchester des Staatstheaters am Gärtnerplatz

Choreografische Uraufführung 12. Juli 2018 um 19.30 Uhr, Ballettsoiree 2. Juli 2018 um 18.00 Uhr, Weitere Vorstellungen  Juli 14 / 15 / 17 / 23

Staatstheater am Gärtnerplatz / Proben: - La Strada - Thomas Martino, Roberta Pisu © Marie-Laure Briane

Staatstheater am Gärtnerplatz / Proben: – La Strada – Thomas Martino, Roberta Pisu © Marie-Laure Briane


Das Ballett LA STRADA von Marco Goecke feiert seine Choreografische Uraufführung am 12. Juli. Eine spannungsgeladene Dreiecksbeziehung bildet den dramatischen Mittelpunkt von Fellinis »Oscar«-prämiertem Filmklassiker »La Strada«. Der italienische Star-Regisseur arbeitete eng mit dem Komponisten Nino Rota zusammen, der die Filmmusik zu »La Strada« schuf. Rota arbeitete sie zu einer Ballettsuite für Orchester um, die das Gärtnerplatztheater als deutsche Erstaufführung präsentiert. Diese Fassung bildet für Choreograf Marco Goecke die Grundlage zu einem mitreißenden Ballettabend über den Widerstreit menschlicher Urtriebe wie Liebe, Hass und Eifersucht.

Vor der Premiere laden wir Sie am 2. Juli um 18.00 Uhr zur Ballettsoiree ein, einem exklusiven Probenbesuch, wo Sie unseren Tänzerinnen und Tänzern direkt bei der Erarbeitung des neuen Tanzstückes auf der großen Bühne zusehen können. In Gesprächen mit Dramaturg Daniel C. Schindler und beteiligten Künstlerinnen und Künstlern erhalten Sie zudem Einblicke in den Entstehungsprozess der Neuproduktion.

—| Pressemeldung Staatstheater am Gärtnerplatz |—

München, Residenztheater, Don Karlos – Friedrich Schiller, IOCO Kritik, 20.06.2018

Residenztheater München

Residenztheater München © Matthias Horn

Residenztheater München © Matthias Horn

DON KARLOS  –  Friedrich Schiller

– Schiller beim Wort genommen –

von Hans-Günter Melchior

Die Bühne liegt überwiegend im nachtschwarzen Dunkel. Nur ganz vorne, von einer großen Deckenleuchte herausgeschnitten ein helles Viereck, auf dem die Weltpolitik verhandelt wird. Rechts davon eine Art Fallgrube, in die einige unbekannte Personen hinunterfahren und von einem bösen Rauschen verschlungen werden; Liquidation im Unrechtsstaat. Später werden Prominente folgen. Die Eboli etwa und Don Karlos.  Aber bis es soweit ist, geschieht noch einiges.

Mystisches ereignet sich. Einige Handelnde stehen vorne im Viereck der Verhandlungen. Andere sind zunächst nicht sichtbar, man hört sie reden und es ist wie ein langsamer aufklimmender Gedanke, eine sich vollendende Rede, wenn sich schließlich ins Licht treten.

Residenztheater München / Don Karlos - hier : Nils Strunk als Don Karlos © Matthias Horn

Residenztheater München / Don Karlos – hier : Nils Strunk als Don Karlos © Matthias Horn

Das ist sehr schlüssig, entspricht genau dem Duktus des teils philosophisch verschlüsselten schillerschen Textes, dessen Jamben anmuten als kämen sie erst mit der Zeit zu sich selbst. Schwer verständlich, warum gerade dies, das Wachsen aus der Dunkelheit auf negative Kritik stieß. Die streng geheimen Gespräche sind einem anderen Raum zugeordnet: hermetische, ganz in blau gehaltene, relativ kleine Zimmer, aus deren Wänden Schallschutzpyramiden auf die Anwesenden einzudringen scheinen.

Alle Darsteller sind schwarz gekleidet -, bis auf Don Karlos (Nils Strunk, bewegt, engagiert, leidenschaftlich), der manchmal mit entblößtem Oberkörper erscheint: als wolle er sein Seelenleben offenbaren.  Die Sprache hält sich genau an die literarische Vorlage. Was für ein Genuss. Regisseur Martin Kusej kommt ganz ohne den Performance-Nonsens so manchen  sich kühn dünkenden Neueres aus. Man atmet dankbar auf. Hier vertraut jemand dem dichterischen Genie des Autors.

Nahezu völliger Verzicht auf Dekorationen, keine buntscheckigen Ablenkungen. Der Zuschauer den hochkomplexen Inhalt gezwungen. wird ganz in die rationale Pflicht genommen, zur Konzentration auf den hochkomplexen Inhalt gezwungen.  Kusej verlangt jedoch nicht mehr  als Schiller, er beherrscht dieses schwierige Werk in jeder Hinsicht, arbeitet souverän mit den sparsamsten Mitteln.

Residenztheater München / Don Karlos - hier : v.l. Thomas Loibl als Philipp II und Thomas Gräßle als Lerma © Matthias Horn

Residenztheater München / Don Karlos – hier : v.l. Thomas Loibl als Philipp II und Thomas Gräßle als Lerma © Matthias Horn

Unerbittlich werden die handelnden Personen vorgeführt.  Die Macht- und politische Vernunftmaschine Philipp II (hervorragend Thomas Loibl, alle Nuancen  des Stücks perfekt beherrschend, mal zynisch, mal elegant-ironisch, mal souverän, mal verunsichert und gefühlig) steht stur und altersstarr in den Positionen des absolutistischen Herrschaftsdenkens verharrend gegen den Idealismus der Jugend, die von Don Karlos und seinem Freund , dem Marquis von Posa (überzeugend Franz Pätzold) repräsentiert wird. Freiheit für die Niederland im Namen einer neuen Humanität ist deren Parole. Posa hat für deren Verwirklichung Don Karlos  ausersehen. Er soll für die Niederländer kämpfen. Aber der König verweigert ihm das Kommando über die spanischen Truppen. Der Boden für die Intrige und den internen Machtkampf ist bereitet. Alte Machtvernunft gegen die neue Vernunft einer historischen Erneuerung.

Und allen, mögen sie sich noch so überzeugt auf die Vernunft und die Wahrheit berufen, redet das Gefühl hinein. Das Stück ist auch als ein Familiendrama zu verstehen Der Sohn kommt nicht darüber hinweg, dass der Vater ihm die Geliebte und Verlobte genommen hat, indem er aus machtpolitischem Kalkül Elisabeth von Valois (Lilith Häble, kühl, souverän, kantisches Pflichtgefühl verkörpernd) heiratete. Und der Reinste von allen, der Idealist und Freiheitskämpfe Posa kann sich seine Freundes Don Karlos nicht sicher sein, er verrät ihn aus taktischen Gründen, der eigentliche Kopf der Freiheitsbewegung.

Eindrucksvoll die Niederschlagung des Aufstands in Madrid: Leichen über Leichen in Plastiksäcke eingewickelt überfüllen die Bühne. Befriedigt verkünden die Herrschenden, dass Ruhe in der Stadt herrscht.

Gefühle, Verwirrungen, Grausamkeiten, Gewalt. Selbst der König, der unentwegt auf die eheliche Treue pocht, will eine außereheliche Beziehung zur Hofdame Prinzessin Eboli (sehr verführerisch Meike Droste) einfädeln. Briefe und abermals Briefe gehen hin und her…

Residenztheater München / Don Karlos von Friedrich Schiller © Matthias Horn

Residenztheater München / Don Karlos von Friedrich Schiller © Matthias Horn

„Kein Sein ohne Seiendes“ (Adorno Negative Dialektik) – das ist die Lehre. Das Menschlich-Allzumenschliche durchkreuzt allenthalben die rationalen Pläne, die Visionen der Vernunft.  Allenfalls der Beichtvaters  des Königs , der mit allen Wassern gewaschene Intrigant Domingo (Thomas Gräble) und Herzog Alba (Marcel Heuperman als eiskalter Feldherr und Machtpolitiker, der buchstäblich über Leichen zu gehen entschlossen ist). Auf der Seite der Aufrichtigen, der liebevoll Gezeichnete: Lerma  (Thomas Gräble)

Am Ende siegt der Zynismus der Kirche die alles unter dem Verdikt göttlicher Allmacht unter sich begräbt. Sie reklamiert Don Karlos für sich und der König fügt sich. Unter dem Bannblick des Großinquisitors (Manfred Zapatka) richtet sich der Königssohn Selbst, bevor er gerichtet wird. Er springt in die Grube…

Eine höchst gelungene und durchdachte Aufführung. Langer Beifall

Don Karlos am Residenztheater München; weitere Vorstellungen: 1.7.; 9.7.; 12.7.2018

 

—| IOCO Kritik Residenztheater München |—

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