Mönchengladbach, Theater Krefeld Mönchengladbach, Nabucco – Giuseppe Verdi, IOCO Kritik, 26.06.2018

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Theater Krefeld Mönchengladbach

Theater Mönchengladbach © Matthias Stutte

Theater Mönchengladbach © Matthias Stutte

NABUCCO  –  Giuseppe Verdi

„All wars start at home

Von Viktor Jarosch

Mit der Uraufführung von Nabucco am 9. März 1842 am Teatro alla Scala in Mailand wurde Giuseppe Verdi über Nacht berühmt. Der Erfolg bedeutete auch das Ende einer tiefen Schaffenskrise und Depressionen, in welche Verdi zuvor gestürzt war: Zuvor waren seine Frau Margherita und seine zwei Kinder gestorben; seine die Oper Un giorno di regno war durchgefallen. So sagte Verdi später über sich selbst: „Nabucco ist die Oper, mit der in Wahrheit meine künstlerische Laufbahn beginnt“. Nabucco und der alttestamentarische Auszug der Hebräer aus babylonischer Gefangenschaft wird bis heute oft für die patriotische Gesinnung Verdis gesehen, als nationales Erweckungserlebnis der Italiener oder gar Ursprung der italienischen Einigung und rührt bis heute patriotisch gesinnte Italiener oft zu Tränen. Aufwendige, klassische Nabucco – Inszenierungen sind seither Privileg großer Bühnen, von Verona bis zur Bayerischen Staatsoper. Kleinere Theater zeigen Nabucco meist in modernen, zeitgemäßen Interpretationen; wie nun auch, in einer gelungenen Interpretation, das Theater Krefeld Mönchengladbach.

Theater Krefeld Mönchengladbach / Nabucco - hier : Nabucco, das Oberhaupt der Grossfamilie mit Abigaille und Fenena © Matthias Stutte

Theater Krefeld Mönchengladbach / Nabucco – hier : Nabucco, das Oberhaupt der Grossfamilie mit Abigaille und Fenena © Matthias Stutte

Regisseur Roman Hovenbitzer zeigt in seinem Mönchengladbacher Nabucco auch keinen biblischen Zwist von Babyloniern und Hebräern, keinen babylonischen König. Hovenbitzer interpretiert Nabucco stattdessen modern: „All wars start at home“: Seine Inszenierung transportiert die im heutigen, realen Alltag, auf der Strasse, zu Hause oft spürbare Aggressivität, Feindschaft. Nabucco im Theater Mönchengladbach zeigt eine sich, wie die Hebräer und Babylonier, bekämpfende, hassende moderne auseinander gebrochene Großfamilie.  Hovenbitzer transportiert die archaische Beziehung von Nabucco, Fenena und Abigaille in die heutige Zeit, der Verbindung eines Vaters zu seinen zwei Töchtern. Das Großformat der Oper von Babyloniern und Hebräern spiegelt Hovenbitzer in ein Alltagsformat zweier heutiger aufs Blut zerstrittener, rücksichtsloser Familien der Jetztzeit, worin der totale Machmensch, Nabucco, das Familienoberhaupt, in seinem überzogenem Machtanspruch verfällt und letztlich reift.

Zur Ouvertüre zeigt eine Rückblende die frühe Zeit der Großfamilie, welche, Nabucco und Zaccaria sind noch Kinder, die Saat für Streit, Geld- und Machtgier legt. Das Bühnenbild (Roy Spahn) zeigt zum ersten Bild einen großen hohen Versammlungsraum (der Salomonische Tempel) in welchem sich der eine Teil der Großfamilie (die Hebräer) in moderner Kleidung (Kostüme Magali Gerberon) trifft, berät, lebhaft diskutiert. Die Dramatik des Familienkonflikts wird sichtbar, als Zaccaria (Matthias Wippich) Nabuccos gefangene Tochter Fenena (Eva Maria Günschmann) gefesselt, den Kopf von einer Papiertüte verhüllt, hereinführt, die Tüte vom Kopf reißt, ihr ein Schild  „Feind“ umhängt. Mit seiner ersten großen Arie „Sperate, o figli! Iddio Del suo poter diè segno“ („Hofft, dass sich unser Trübsal ende“) setzt Matthias Wippich als Zaccaria dann mit gewaltiger und doch lyrisch timbrierter Stimme eine großartige Vorgabe für den Premierenabend.

Theater Krefeld Mönchengladbach / Nabucco - hier : Zaccaria und Fenena, die Gefangene © Matthias Stutte

Theater Krefeld Mönchengladbach / Nabucco – hier : Zaccaria und Fenena, die Gefangene © Matthias Stutte

Doch die Inszenierung zeichnet nicht allein Hochmut und Fall Nabuccos in farbenreicher Choreographie. Zur glitzernden „Krönungsfeier“ der Abigaille als neuer Familienlenkerin („Der Thron ist mehr als der verlorene Vater…“) blinken Börsenkurse und vermitteln den  Untergang aller moralischen Werte. Ebenso expressiv choreographiert Hovenbitzer den berühmten Gefangenchor der Oper, eine der ergreifendsten Werke der Musikgeschichte: Bis 10 Meter in den Bühnenhimmel ragen Stockbetten; auf ihnen liegen, sitzen, stehen die Verlierer einer Gesellschaft, Arme, Kranke, Hilflose, sichtbar Leidende. In zarten Piani beginnend (Musikalische Leitung Diego Martin-Etxebarria und die Niederrheinischen Sinfoniker) erklingen Chor und Extrachor mit dem ergreifenden „Va‘, pensiero, sull’ali dorate. Va‘, ti posa sui clivi, sui coll …..“ (Flieg, Gedanke, getragen von Sehnsucht, lass’dich nieder in jenen Gefilden). Ergriffenheit und Spannung beim Publikum war ebenso spürbar wie beim Autor dieser Rezension.

Theater Krefeld Mönchengladbach / Nabucco - hier : die Krönungsfeier der Abigaille © Matthias Stutte

Theater Krefeld Mönchengladbach / Nabucco – hier : die Krönungsfeier der Abigaille © Matthias Stutte

Johannes Schwärsky als Nabucco, Oberhaupt der zerstrittenen Großfamilie, die tragende Partie der Komposition wie der Inszenierung. Seine Herrschaft bildet auch ein großes Gemälde ab, welches ihn, Nabucco, stolz auf einem Hengst zeigt. In langem braunem Ledermantel mit Pelzkragen entwickelt Schwärsky mit bleibend kraftvollen, schwerem Bassbariton die große Partie des Nabucco; auch darstellerisch stets präsent: Die Wandel vom aggressiven Machtmensch zum verwirrten menschlichen Wrack und letztlich zum verzeihenden, geläuterten Wesen. Doch auch die weiteren großen Partien der Premiere sind ansprechend besetzt: Kairschan Scholdybajew mit hellem Tenor als Ismaele und Lydia Easley mit dramatischem Sopran als Abigaille und Eva Maria Günschmann mit eher lyrischem Timbre als Fenena runden der Produktion mit wohlklingendem und farbenreichem Ausdruck ab.

Hovenbitzers moderne Interpretation zu Verdis Nabucco„All wars start at home“ – in ihren vielen choreographischen Facetten die Jetztzeit realistisch abbildend, besitzt großen Charme, ergriff das Publikum. Nostalgische Wehmut, Wünsche nach einer klassischen Interpretation war nicht zu hören. Diego Martin-Etxebarria, die Niederrheinischen Sinfoniker, Johannes Schwärsky als Nabucco und Matthias Wippich als Zaccaria und das starke Ensemble wurden vom Publikum lebhaft gefeiert. Kritische Befragungen des Publikums zur Inszenierung durch den Autor führten zu einem eindeutigen Ergebnis: Einhellige, begeisterte Zustimmung.

Nabucco im Theater  Mönchengladbach: 30.6.; 11.7.; 15.7.; 28.9.2018 und mehr

—| IOCO Kritik Theater Krefeld Mönchengladbach |—

Mönchengladbach, Theater Krefeld Mönchengladbach, Großer Erfolg beim internationalen Opernfestival in Estland, Juli 2017

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Theater Krefeld Mönchengladbach

Theater Krefeld Mönchengladbach / internationales Opernfestival in Estland © GLaak - Saaremaa, Estland

Theater Krefeld Mönchengladbach / internationales Opernfestival in Estland © GLaak – Saaremaa, Estland

Großer Erfolg beim internationalen Opernfestival in Estland

Das Musiktheaterensemble und die Niederrheinischen Sinfoniker haben im Juli in Saaremaa vor 8000 Zuschauern mehrere Opernproduktionen gezeigt. Krefeld und Mönchengladbach. Das bislang umfangreichste Gastspiel in der Geschichte des Gemeinschaftstheaters war ein riesiger Erfolg: 8000 Zuschauer haben die vier Opernproduktionen und eine Abschlussgala, an der das Musiktheaterensemble und die Niederrheinischen Sinfoniker (unter der Leitung von GMD Mihkel Kütson) ebenfalls mitgewirkt haben, im Juli beim internationalen Opernfestival in Estland besucht – und bejubelt.

Theater Krefeld Mönchengladbach / internationales Opernfestival in Estland © GLaak - Saaremaa, Estland

Theater Krefeld Mönchengladbach / internationales Opernfestival in Estland © GLaak – Saaremaa, Estland

250 Mitarbeiter des Theaters – neben den Opernsängern und den Orchestermusikern waren Mitarbeiter aus den Abteilungen Bühnentechnik, Beleuchtung, Maske, Kostüm und Requisite dabei – sind zu Beginn der Theaterferien in das kleine Ostseestädtchen Saaremaa gereist, um dort die Opernproduktionen „Lohengrin“, „Cavalleria rusticana / Gianni Schicchi“, „Carmina Burana“ und „Ein Maskenball“ auf die Bühne des Festivalzeltes zu bringen. Der aufwändigen Gastspielreise waren eine monatelange Planung, eine ausgefeilte Logistik und zuletzt auch sehr viel Improvisationsgeschick vorausgegangen.

Theater Krefeld Mönchengladbach / internationales Opernfestival in Estland © GLaak - Saaremaa, Estland

Theater Krefeld Mönchengladbach / internationales Opernfestival in Estland © GLaak – Saaremaa, Estland

Nicht nur in finanzieller Hinsicht sei die Festivalteilnahme ein voller Erfolg gewesen, sagt Operndirektor Andreas Wendholz: „Dieses internationale Gastspiel war eine große Leistungsshow unseres Theaters. Fünf verschiedene Vorstellungen in einer Woche komplett mit dem eignen Ensemble bestreiten zu können, sind eine großartige Leistung. Dass jede Aufführung das Publikum von den Stühlen riss und mit Standing Ovations bedacht wurde, spricht für die künstlerische Qualität unserer Produktionen.“

—| Pressemeldung Theater Krefeld Mönchengladbach |—

Mönchengladbach, Theater Krefeld MG, Premiere Der Konsul von Gian C. Menotti, 22.01.2017

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Theater Krefeld Mönchengladbach

Theater Mönchengladbach © Matthias-Stutte

Theater Mönchengladbach © Matthias-Stutte

Der Konsul von Gian Carlo Menotti 

Premiere 4.2.2017, weitere Vorstellungen 8.2.2017, 5.3.2017, 14.3.2017, 24.3.2017, 26.5.2017, 10.6.2017

Theater Mönchengladbach / Der Konsul - Regisseurin Katja Bening © Theater Krefeld Mönchengladbach

Theater Mönchengladbach / Der Konsul – Regisseurin Katja Bening © Theater Krefeld Mönchengladbach

Irgendwo im heutigen Europa: Der Patriot John Sorel kämpft im Untergrund gegen das polizeistaatliche Regime seines Landes. Nachdem er im Anschluss an eine heimliche Versammlung beinahe von der Polizei erwischt wird, beschließt er, das Land zu verlassen. Seine Frau Magda soll auf dem Konsulat des Landes, in dem sie Zuflucht suchen wollen, Pässe für sich selbst, ihr gemein sames Kind und seine Mutter beantragen. John selbst will in der Nähe der Grenze untertauchen, bis die Pässe ausgestellt sind.
Auf dem Konsulat warten viele Menschen darauf, den Konsul in ihrer lebenswichtigen, dringenden Angelegenheit zu sprechen. Doch eine kühle Sekretärin wimmelt die eindringlichen Gesuche unaufhörlich ab und (er)findet immer wieder neue bürokratische Hürden. Magdas Kraft schwindet mehr und mehr, bis sie schließlich resigniert und den aussichtslosen Kampf gegen die Bürokratie aufgibt.

Theater Mönchengladbach / Der Konsul - Dirigent Diego Martin-Etxebarria © Theater Krefeld Mönchengladbach

Theater Mönchengladbach / Der Konsul – Dirigent Diego Martin-Etxebarria © Theater Krefeld Mönchengladbach

Mit der Uraufführung von Der Konsul (The Consul) gelang dem US-amerikanischen Komponisten Gian Carlo Menotti 1950 in Philadelphia ein sensationeller Überraschungserfolg. Vordergründiger Anlass für das Libretto, das Menotti selbst verfasste, war eine Zeitungsnotiz, in der von einer polnischen Emigrantin berichtet wurde, die sich in den USA um eine Aufenthaltsgenehmigung bemühte hatte und die Selbstmord beging, als ihr Gesuch erfolglos blieb.
Damit einher ging die Beschäftigung Menottis mit dem Schicksal seiner jüdischen Freunde während der Zeit des Nationalsozialismus.

Menottis musikalisches Drama ist erfrischend direkt und zielt auf ein breites Publikum ab: Gesprochene Dialoge, Melodramen, aber ebenso lyrische Arien und Ensembles im Stil Puccinis, eine Schallplatteneinspielung, Telefonklingeln, das rhythmische Klappern von Schreibmaschinen – Der Konsul ist eine gelungene Mischung aus Hörspiel,
Filmmusik und Theater. Kriminologische Spannung und die Schilderung der Ängste und Sehnsüchte der Protagonisten machen aus dieser Oper ein packendes Seelendrama, das besonders durch seine Aktualität besticht.

Inszenierung Katja Bening, Bühne und Kostüme Udo Hesse, Musikalische Leitung Diego Martin-Etxebarria, John Sorrel  Andrew Nolen, Magda Sorel Izabela Matula

Der Konsul von Gian C. Menotti: Premiere 4.2.2017, weitere Vorstellungen 8.2.2017, 5.3.2017, 14.3.2017, 24.3.2017, 26.5.2017, 10.6.2017

—| Pressemeldung Theater Krefeld Mönchengladbach |—

Krefeld, Theater Krefeld – Mönchengladbach, Frau Luna – Schlösser, die im Monde liegen, IOCO Kritik, 30.11.2016

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Theater Krefeld Mönchengladbach

 Theater Krefeld / Frau Luna - Frau Pusebach in Berlin Neukölln © Stutte

Theater Krefeld / Frau Luna – Frau Pusebach in Berlin Neukölln © Stutte

Frau Luna:  Berliner Luft im Theater Krefeld

  „Schlösser, die im Monde liegen“

Von Viktor Jarosch

Die Uraufführung der aus dem Stand erfolgreichen Operette Frau Luna von Paul Lincke (1866 – 1946) fand an einem wahrlich bemerkenswertem Tag statt: Am 31. Dezember 1899, Silvester, zur Jahrhundertwende. Lincke war schon populär in Berlin: Zahllose Lieder und Couplets mit witzig-frivolem wie markigen Refrains wie  revueartige Einakter waren zum Alltag in Berliner Salons und Theater geworden. Mit Frau Luna gab Paul Lincke der von Strauss, Millöcker und Zeller geprägten Goldene Operettenära und ihrer Walzer- und Polka-Seligkeit  neue Richtung: Das Berliner Milieu abbildendes Revueschmankerl Frau Luna zeichnet in zahlreichen Walzern, Märschen und Liedern irdische Alltagsängste und soziale Realität des Durchschnittsmenschen Fritz Steppke, satirisch überhöht durch die lunare Parallelwelt bei Frau Luna. In Wien beschrieb man Lincke aufgrund seines großen Frau Luna – Erfolgs, leicht mißgünstig, als „Berliner Offenbach“. Paul Lincke gab mit seiner Frau Luna, ihrem Berliner Flair und Sozialsatire der Gattung Operette neue Richtung.

Theater Krefeld / Frau Luna und die Mondelfen © Stutte

Theater Krefeld / Frau Luna und die Mondelfen © Stutte

Regisseur Ansgar Weigner zeichnet mit Jürgen Kirner (Bühnenbild) in seiner Inszenierung irdisches Arbeiter-Milieu im tiefsten Berliner Kiez: Einfache Hochhaus-Hinterhöfe mit zahllosen Satellitenschüsseln und Wäscheleinen im Bühnenhintergrund; in der Bühnenmitte die kleinbürgerliche Eckkneipe „Im Spree-Athen“: Darin berlinert Fritz Steppke (Markus Heinrich) mit seinen Kumpanen Lämmermeier (Rafael Bruck) als freigestelltem Lehrer im Krankenstand und Pannecke (Hayk Deinyan) hämisch über die Vermieterin Frau Pusebach (Kerstin Brix) als von Mutter Theresa von Neukölln. Bei einer süß-komischen Tanzeinlage gründen sie ein Aktionsbündnis gegen Politiker, „die doch alle hinterm Mond leben„. Derweil klagt Frau Pusebach, „Es war an einem schönen Frühlingsabend“, über den treulosen Theophil, der sie einst im Stich ließ während ihre Nichte Marie (Susanne Seefing) ihren Verlobten Steppke mit dem lyrisch romantisch gesungenem Walzer „Schlösser, die im Monde liegen bringen Kummer lieber Schatz“ von allzu hochfliegenden Träumen abhalten möchte. Über irdischen Kummer fällt Steppke in einen schweren Traum, welcher ihn mit seinen Kumpanen auf den Mond trägt.

Theater Krefeld / Frau Puesebach kommt auf dem Mond an © Stutte

Theater Krefeld / Frau Puesebach kommt auf dem Mond an © Stutte

So realistisch das Berliner Bühnenbild auf Erden, so esoterisch verklärt zeichnet es die Mondbewohner: Eine Mondelfen-Putzkolonne entsteigt tanzend (wunderbare Choreographie Luches Huddleston jr) in phantasiereichen Hüllen aus weißem Tüll (Marlis Knoblauch) und weißen Staubwedeln einer Wolke. Der blaue Planet Erde kreist derweil sanft im Bühnen-Hintergrund, beständig sichtbar. Mondabteilungsleiter Theophil treibt seine Mondelfen Allegro-hektisch wie Walzerselig an „Schnell, putzet fein“ und erzählt von einem irdischen Rendezvous mit Frau Pusebach, während seine Herzdame Stella (Gabriela Kuhn) von Eifersucht geplagt wird („Schenk mir doch ein kleines bißchen Liebe“) und der Mondgroom (Sabine Sanz) mit Lupe nach verbliebenem Staub sucht.

So erscheinen die „Vier armen Reisende aus Berlin“, Steppke, Panneke, Lämmermeier, und Frau Pusebach auf dem Mond: Begrüßt mit der Frage „Was wollen Sie hier?“, der berlinernden Antwort „Kieken, wat sonst!“ und dem rythmischen Klatsch-Marsch der Theaterbesucher zu dem Lied „Das macht die Berliner Luft“ geht das Märchen um Frau Luna in die höchst beschwingte Pause.

Theater Krefeld / Frau Luna kokettiert mit Steppke © Stutte

Theater Krefeld / Frau Luna kokettiert mit Steppke © Stutte

So sprudelt Operettenflair voller schräg inter-lunarer Konflikten hin und her: Frau Luna (Debra Hays) hält auf der Konferenz der „Interstellaren Union“ in goldenem Kostüm auf großer Freitreppe eine flammende Neujahrsansprache, „Laßt den Kopf nicht hängen..“, welche ihr Verehrer Prinz Sternschnuppe (Michael Simon) für Annäherungen nutzen möchte, „Bis die Sonne schlafen geht, will ich nicht mehr warten“. Doch Frau Luna möchte lieber „Wenn die Sonne schlafen geht“ Steppke für sich gewinnen, welcher zu Frau Lunas Avancen sinniert „So stellt man sich das Zentrum der Macht nicht vor“. Doch dann verlieren sich die Mondbewohner, Frau Luna, eine heiß gekleidete Venus (Margriet Schlössels,Ich bin Madame Venus“), ein rundlicher Mars (Yasuyuki Toki), mit Weltkugeln oder in Badekostümen tanzende Mondelfen in einer wilden Mond-Party.

Darüber erwacht Steppke in seiner Berlin Kneipe und unter seinen Kumpanen aus dem lunaren Traum. Mit der Erkenntnis: „Unser Kiez ist unsere Welt“, verabredet sich mit seinen Kumpane zu einem Skatabend; alle wollen in die Politik. Steppke fragt: „Riecht ihr denn wirklich nichts? Die echte Berliner Luft!

Theater Krefeld / Frau Luna - Prinz Sternschnuppe und Mondelfen feiern © Stutte

Theater Krefeld / Frau Luna – Prinz Sternschnuppe und Mondelfen feiern © Stutte

Frau Luna im ausverkauften Theater Krefeld macht Ansgar Weigner mit seinem spielfreudigen Ensemble zu einer liebe- wie humorvollen Operette über irdisch realer Alltagskonflikte über Politik, Lebensängste oder zwischenmenschliche Beziehungen. Linckes Komposition berauscht dabei den Besucher von der Ouvertüre bis zum Finale im Stil in einer populären Schlagerrevue. Alexander Steinitz und seine Niederrheinischen Sinfoniker, leider mit kleiner Besetzung, beherrschen Instrumental-passagen wie Tempiwechsel in Harmonie mit dem schräg wechselnden Geschehen auf der Bühne: Von der immer wiederkehrenden Berliner Luft  über menschlich zackige  Takte der Mondgesellschaft hin zum sentimentalen langsamen Walzer „Schlösser, die im Monde liegen“ der Marie und den Arien des Theophil:  Frau Luna im Theater Krefeld ist eine irdisch-lunare Revue, eine bunte Berliner Operette: 850 Besucher im ausverkauften Theater feierten kurzweilige Ohrwürmer, Märsche und Walzer in mitreißender Choreographie mit großem Beifall. IOCO / Viktor Jarosch / 30.11.2016

Frau Luna im Theater Krefeld, weitere Vorstellungen: 31.12.2016, 19.01.2017, 25.02.2017, 23.03.2017, 28.05.2017, 18.06.2017, 20.06.2017.

—| IOCO Kritik Theater Krefeld Mönchengladbach |—

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