Mannheim, Musikalische Akademie, 8. Akademiekonzert – 22. Juni 2021, IOCO Aktuell, 18.06.2021

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Der Rosengarten von Mannheim, Spielstaette der Musikalischen Akademie © Ben van Skyhawk

Der Rosengarten von Mannheim, Spielstaette der Musikalischen Akademie © Ben van Skyhawk

Musikalische Akademie Mannheim

8. AKADEMIE-KONZERT – Musikalische Akademie – 22. Juni 2021

Das 8. Akademiekonzert 2020/21 der Musikalischen Akademie des Nationaltheater-Orchesters Mannheim e. V. findet als Hybrid-Veranstaltung statt: Nicht nur wird das Konzert am 22. Juni 2021 um 20 Uhr live aus dem Mannheimer Rosengarten übertragen; aufgrund sinkender Inzidenzzahlen darf die Akademie zusätzlich 250 Abonnentinnen und Abonnenten im Saal willkommen heißen. Zu Gast ist Weltklasse-Geiger Augustin Hadelich, der unter der Leitung von Generalmusikdirektor Alexander Soddy Sergej Prokofjews zweites Violinkonzert präsentieren wird. Zudem darf das Publikum vor Ort und Zuhause auf Strawinskys Dumbarton Oaks sowie Prokofjews erste Symphonie gespannt sein.

IOCO berichtete über das 7. Akademiekonzert – link HIER!

»Als Orchester freuen wir uns selbstverständlich sehr, dass die Ränge im nächsten Konzert nicht gänzlich leer bleiben müssen. So viele tolle Möglichkeiten das Digitale birgt: Die Energie des Publikums hat uns Musikerinnen und Musikern über die Schließzeit ungemein gefehlt«, kommentierte der Akademiepräsident Fritjof von Gagern. »Zugleich ist es sehr bedauernswert, dass bei der Personenbeschränkung in Innenbereichen nicht feiner differenziert wird die im Rosengarten durchgeführte Aerosolstudie hat bereits vor einigen Monaten eindrücklich dargestellt, dass eine Belegung von 50 % des Mozartsaals unter Einhaltung der gängigen Abstands- und Hygieneregeln als vollkommen sicher einzustufen ist. Die 250 verfügbaren Plätze für dieses Konzert haben wir nun unter unseren über 2.000 Abonnentinnen und Abonnenten ausgelost und hoffen, im Rahmen des nachgeholten 2. Akademiekonzerts Ende Juli allen Interessenten ein sanaloges Angebot: machen zu können.«

Musikalische Akademie Mannheim © Christian Kleiner

Musikalische Akademie Mannheim © Christian Kleiner

Der Livestream beginnt am Dienstag, 22. Juni 2021, 20 Uhr auf

www.musikalische-akademie.de/digital.

Die Liveaufnahme des Konzerts steht bis einschließlich Donnerstag, 24. Juni 2021 auf der Webseite der Musikalischen Akademie zur Verfügung. Einzeltickets für den Livestream können über die Musikalische Akademie für 15 erworben werden. Abonnentinnen und Abonnenten der Akademiekonzerte erhalten kostenlos Zugang. 0 zahlen Schüler und Schülerinnen, Studierende sowie Menschen mit geringem Einkommen nach erfolgter Anmeldung über die Musikalische Akademie.

Musikalische Akademie – Nationaltheater-Orchester Mannheim e. V.

Die in der Musikalischen Akademie organisierten Mitglieder des Nationaltheater-Orchesters Mannheim e. V. sind seit über 240 Jahren Veranstalter der Konzertreihe „Akademiekonzerte“. Unter den Theater- und Symphonieorchestern sind die demokratische Struktur der Akademie und ihre damit verbundene programmatische sowie finanzielle Eigenständigkeit einzigartig. Sie sind entscheidend für die künstlerische Identität und das Selbstbewusstsein der Musikerinnen und Musiker. In üblicherweise acht Doppelkonzerten pro Spielzeit präsentiert sich heute das Orchester, das sonst im Operngraben erklingt, im Mozartsaal des Mannheimer Rosengartens.

—| IOCO Kritik Musikalische Akademie Mannheim |—


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Mannheim, Musikalische Akademie, 7. Akademiekonzert – Berg, Haydn, Mahler, Schreker, IOCO Kritik, 08.06.2021

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Der Rosengarten von Mannheim, Spielstaette der Musikalischen Akademie © Ben van Skyhawk

Der Rosengarten von Mannheim, Spielstaette der Musikalischen Akademie © Ben van Skyhawk

Musikalische Akademie Mannheim

7. AKADEMIE-KONZERT  –  Musikalische  Akademie
des Nationaltheater Orchester Mannheim  –
31.5. – 2.6.2021 – livestream aus dem Mannheimer Rosengarten

von Uschi Reifenberg

Allmählich entspannt sich die Corona Situation im Land, erste Öffnungen von Theatern und kulturellen Einrichtungen mit Live Publikum zeigen endlich Licht am Ende des Tunnels.

Werke von  –  Alban Berg (1878-1935), Joseph Haydn (1732-1809)
Gustav Mahler (1860-1911), Franz Schreker (1878-1934)

Die Musikalische Akademie des Nationaltheater Orchesters Mannheim konnte auch in ihrem 7. Akademiekonzert wieder mit einem spannenden und klug zusammengestellten Konzertprogramm im Livestream-Format überzeugen, das rundum Freude bereitete.

Auf große Orchesterbesetzungen und entsprechende Literatur muss zur Zeit noch verzichtet werden, einzelne Orchestermusiker und Solisten aus den eigenen Reihen können wieder in Kammerbesetzungen ihre herausragende Qualität unter Beweis stellen.

Darüberhinaus kommt das Publikum in den Genuss, eher selten gespieltes Repertoire in besonderen Konstellationen kennenzulernen.

Gustav Mahler Gedenken vor der Hamburger Staatsoper © IOCO

Gustav Mahler Gedenken vor der Hamburger Staatsoper © IOCO

GMD Alexander Soddy hatte mit Joseph Haydn,  Gustav Mahler, Franz Schreker und Alban Berg Komponisten ausgewählt, die eine Klammer setzen von Haydn als Repräsentanten der ersten Wiener Schule bis zu Alban Berg, zur zweiten Wiener Schule im 20. Jahrhundert. Die Werke sind -bis auf Haydns Trompetenkonzert – alle in einem engen Zeitraum, von 1916 bis 1928 entstanden. Diese Komponisten verbindet nicht nur eine gemeinsame Tradition, sie standen auch in engem Kontakt zueinander, inspirierten sich gegenseitig und entwickelten ihre ästhetischen Konzepte weiter. Gleichzeitig verbindet sie Wien als Wirkungsstätte, das in dieser Zeit der Aufbruchsstimmung kulturelles Zentrum und einzigartiger künstlerischer Kristallisationspunkt von Musikern, Malern und Literaten war.

Musikalische Akademie Mannheim © Christian Kleiner

Musikalische Akademie Mannheim © Christian Kleiner

Als „kleines Denkmal einer großen Liebe“ bezeichnete Alban Bergs seine „Lyrische Suite“ für Streichquartett, von dem er 1928 drei Sätze für Streichorchester bearbeitete. Dieses Stück wurde  zu einem seiner Meisterwerke, voller geheimer Programmatik und opernhafter Bezüge, aufgrund der autobiografischen Verflechtungen, die Berg in dieses Stück hineinwebte. Berg thematisiert seine Liebe zur verheirateten Hannah Fuchs-Robettin, einer Schwester des Dichters Franz Werfels. Das Werk spiegelt die Zerrissenheit von Bergs Seelenzuständen und die Aussichtslosigkeit dieser Beziehung, das Tristan Zitat im letzten Satz des Streichquartetts verweist in tragischer Weise auf die Liebe-Tod Thematik.

Alban Berg verwendet hier die Zwölftontechnik Schönbergs zum ersten Mal und erzielte damit ein Maximum an Dichte und Expressivität. Es entstehen starke Spannungsmomente und  verblüffende, sinnliche Streicher- Klangfarben.

Soddy arbeitete die komplizierten Strukturen dieses atonalen Machwerks sorgfältig heraus,  verblieb jedoch nie im Abstrakten, sondern setzte den hochemotionalen Gehalt dieser Musik frei und erzeugte ein Höchstmaß an Ausdruck. Die rondohaft wiederkehrenden Themen im „Andante amoroso“ erklangen verhalten, mit äußerster Zartheit, die Soddy mit Hingabe zelebrierte.

Das „Allegro misterioso“ geht unter die Haut mit seinen aufregenden Streicher-Spieltechniken, flirrenden, rastlosen  Sechzehntelbewegungen, die eine unterschwellige brodelnde Unruhe transportieren, fast durchweg im piano gehalten. Tragik vermittelt Soddy im „Adagio appassionato“, das als tönendes Abbild eines leidenschaftlichen Liebesdialogs gedacht ist. Schwermütiges Melos in den tiefen Streicherlagen, jähe Aufschwünge, dazwischen einsame Zitate der Solobratsche und -violine. Der Schluss verhaucht ins Leere…

Mit Joseph Haydns Trompetenkonzert in Es-Dur setzte Lukas Zeilinger, Solotrompeter im Nationaltheater Orchester, einen ersten strahlenden Höhepunkt.

Dieses Instrumentalkonzert, das als eines der Standardwerke für Trompete gilt, schrieb Haydn 1786 für die von Anton Weidinger neu erfundene Klappentrompete, welche die frühere Naturtrompete ablöste, mit der man nur die Naturtöne, nicht aber chromatische Töne blasen konnte.

Musikalische Akademie / Solotrompeter Lukas Zeilinger © Zeilinger

Musikalische Akademie / Solotrompeter Lukas Zeilinger © Zeilinger

Lukas Zeilinger brillierte mit einem schwebenden und warmen Trompetenklang, idealer Technik und viel stilsicherem Feingefühl. Unprätentiös und mit innerer Freude gestaltete er das Thema des ersten Satzes mit seinen Verzierungen und feinen dynamische Abstufungen. Stets spürte er sensibel und mit elastischer Tongebung dem Haydn‘schen Melos nach, in der Kadenz erfreute er mit seinem glasklaren, leichten Ansatz, mühelosen Koloraturen, und strahlenden Spitzentönen. Das NTO und Lukas Zeilinger befanden sich in bestem Dialog, Alexander Soddy sorgte jederzeit für die perfekte klangliche Balance.

Dem  wiegenden Charakter des Andante Themas gab er weichen Schmelz, ließ die Kantilenen schön aufblühen und beeindruckte mit seiner ausgereiften Phrasierungskunst.

Den Rondo- Satz ging er leichtfüßig und tänzerisch an, schwungvolle Läufe, Intervallsprünge und schmetternde Fanfaren setzten im Finalsatz einen virtuosen Schlusspunkt.

In der längeren Umbaupause interviewte die Harfenistin des NTO, Nora von Marschall, den Solisten Lukas Zeilinger und GMD Alexander Soddy, was sich im Online- Format als eine hervorragende Gelegenheit erweist, die Künstler hautnah im Anschluss an ihre Auftritte zu erleben. Das Publikum lernt auf diese Weise „seine“ Musiker näher kennen und erfährt beispielsweise manch interessantes Detail über deren Werdegang oder zukünftige Pläne.      Eine wunderbare Bereicherung der Programmgestaltung.

Gustav MahlersLieder eines fahrenden Gesellen“ in der reduzierten Bearbeitung von Arnold Schönberg von 1920 für Streichquartett, Flöte, Klarinette, Klavier, Harmonium und Schlagwerk, fügt sich perfekt in die Dramaturgie des Konzertabends ein.

Mahler verarbeitet in diesen vier Liedern eine eigene unerfüllte Liebe und schrieb selbst den Text, der an die Sammlung „Des Knaben Wunderhorn“ angelehnt ist. In diesen autobiografisch aufgeladenen Liedern sublimiert Mahler nicht nur seine unbewältigten Erfahrungen, sie sind auch eine Huldigung an die Natur, die hier als Gegenwelt und Sehnsuchtsort erscheint. Das Thema des 2. Liedes „Ging heut morgen übers Feld“ verwendete Mahler in seiner 1. Sinfonie, die wenig später entstand. Er überschrieb sie mit „Wie ein Naturlaut“. Die intime Instrumentierung intensiviert die Innenschau des zwischen Hoffnung und Aussichtslosigkeit, Realität und Traum getriebenen Gesellen und wirft ein eher indirektes Licht auf die einzelnen Stationen.

Musikalische Akademie / Bariton Thomas Berau © Desirèe Schmitt

Musikalische Akademie / Bariton Thomas Berau © Desirèe Schmitt

Der Bariton Thomas Berau, ebenfalls ein renommierter hauseigener Solist, nahm sich den Liedern des unglücklich liebenden Wanderers an und wurde dessen wechselvollen Seelenzuständen mit seiner suggestiven Gestaltungskraft in höchstem Maße gerecht. Mit klarer Diktion und vorbildlicher  Textausdeutung füllte er jede Phrase mit Leben, sein Bariton überzeugt sowohl in den lyrischen Naturbetrachtungen als auch in den heldischen, opernhaften Aufschwüngen.

Beklemmend gerieten im 3. Lied „Ich hab ein glühend Messer in meiner Brust“ die „Oh weh!“ Rufe, hochexpressiv und mit ausladender Gebärde. Stärker könnte der Kontrast nicht sein beim Wechsel von der ersten zur zweiten Strophe „Wenn ich in den Himmel seh“. Hier verleiht Thomas Berau  seiner Stimme zarten Schmelz und Innigkeit, wird die Phrase in matten Klang getaucht, schmerzerfüllt und anrührend.

Die  selten aufgeführte Kammersinfonie von Franz Schreker ist eine wahre Entdeckung. Der österreichische Komponist war vor allem bekannt geworden durch seine Oper „Der ferne Klang“, von 1912. Seine Kammersinfonie für 23 Musiker schrieb er mitten im Ersten Weltkrieg 1916, ein spätromantisch anmutendes Werk voller Farbenreichtum und Klangsinnlichkeit. Schreker war neben Richard Strauss wohl einer der wichtigsten und außergewöhnlichsten Opernkomponisten, zu Beginn des 20. Jahrhunderts, der die Linie von Gustav Mahler fortführte und zwischen Moderne und Tradition vermittelte. Die Nazis verhinderten 1934 seinen weiteren beruflichen Aufstieg, woran er kurze Zeit später zerbrach. Noch 1938 wurde er auf die Liste der verfemten Komponisten gesetzt.

Franz Schreker ist ohne Zweifel ein Meister der Instrumentierung. Alexander Soddy und das Nationaltheater Orchester tauchten in die erotisch aufgeladene Musik Schrekers ein, die mit ihrem umarmenden Klang betörende Stimmungen evozierte.

Soddy kontrollierte mit idealer Balance die verführerischen Klangbilder und ließ magische Momente entstehen. Die Orchestermusiker setzten solistische Glanzpunkte, wunderbare Flöten- und Oboensoli kontrastierten mit süffigen Streicherwogen, die fast hypnotische Wirkung entfalteten. Hinreißend die Farbwerte von Klavier, Harfe, Celesta und Harmonium.

Ein hochemotionales Hörerlebnis aus dem Rosengarten von Mannheim!

—| IOCO Kritik Musikalische Akademie Mannheim |—


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Mannheim, Nationaltheater Mannheim, Alexander Soddy – verlässt 2022 das NTM, 27.05.2021

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Nationaltheater Mannheim

Nationaltheater Mannheim

NTM Nationaltheater Mannheim © Christian Kleiner

NTM Nationaltheater Mannheim © Christian Kleiner

Alexander Soddy verlässt das NTM Ende 2022

Alexander Soddy, Generalmusikdirektor am Nationaltheater Mannheim, verlässt das Haus zum Ende der Spielzeit 2021/2022, um sich national und international neuen künstlerischen Herausforderungen zu stellen. Die Findungskommission, die mit seiner Nachfolge betraut ist, musste aufgrund der Pandemie ihre Arbeit aussetzen und hat diese vor Kurzem wieder aufnehmen können, sodass zur Spielzeit 2023/2024 ein*e Nachfolger*in gefunden sein wird.

Nationaltheater Mannhein / Alexander Soddy © Miina Jung

Nationaltheater Mannhein / Alexander Soddy © Miina Jung

Durch die Besonderheit, dass das Nationaltheater Mannheim seine*n Generalmusikdirektor*in traditionell der Musikalischen Akademie zur Verfügung stellt, gilt es in der Spielzeit 2022/2023 diese Lücke zu schließen, um eine exzellente und kontinuierliche Arbeit zu gewährleisten. Daher haben der Akademievorstand gemeinsam mit der Opernintendanz die Idee entwickelt, Alexander Soddy zu bitten, in der genannten Saison als »Chefdirigent der Akademiekonzerte« zu fungieren. Kulturbürgermeister Michael Grötsch: »Es freut mich, dass es dem Nationaltheater gelungen ist, Alexander Soddy für eine weitere Spielzeit als Chefdirigent zu verpflichten. So bleibt der Stadt Mannheim für zwei weitere Jahre ein hervorragender Musiker und Dirigent erhalten, der in den letzten Jahren den Klang des Orchesters entscheidend mitgeprägt hat. Zudem erhält Soddy durch das Angebot nicht nur künstlerisch eine große Wertschätzung, sondern es zeigt auch, wie eng er mit dem Haus und seinem Ensemble verbunden ist.«

NTM – 2016 Generalmusikdirektor Alexander Soddy – stellt sich vor
youtube Trailer Nationaltheater Mannheim
[ Mit erweitertem Datenschutz eingebettet ]

Alexander Soddy, Generalmusikdirektor am Nationaltheater Mannheim: »Ich kann bereits heute sagen, dass für mich die Jahre in Mannheim ein ganz entscheidender, wenn nicht der entscheidende Moment in meinem künstlerischen Werdegang sind. Die gemeinsame Arbeit mit diesem hochmotivierten engagierten Orchester war eine einzigartige Gelegenheit für uns alle, uns weiterzuentwickeln und an den großen Aufgaben des Repertoires zu wachsen. Richard Wagner sagt in seinem Rheingold „Wandel und Wechsel liebt, wer lebt“. Das gilt im Grunde für jeden, der künstlerisch tätig ist, für ein Orchester ebenso wie für den musikalischen Leiter. Die Entwicklung des letzten Jahres hat noch deutlicher gezeigt, dass wir die gemeinsame Arbeit zu einem Moment beenden, wo es am Schönsten ist. Sicher ist vieles Stückwerk geblieben, sicher konnte so manches schön Geplante nicht umgesetzt werden. Umso schöner ist es nun, dass wir im Konzertbereich die gemeinsame Arbeit noch ein weiteres Jahr fortsetzen können und vielleicht einiges abgerundet werden kann, was wir uns zu Beginn der Zusammenarbeit vorgenommen haben.«

Fritjof von Gagern, Akademiepräsident und Solocellist im Orchester betont: »Dass Alexander Soddy der Musikalischen Akademie nach Auslaufen seines Vertrags 2021/22 eine weitere Saison als Chefdirigent verbunden bleibt, könnte uns nicht glücklicher stimmen. Er ist ein kluger und empathischer Dirigent mit vortrefflichen Instinkten: Gemeinsam konnten wir einen Orchesterklang gestalten, der unseren Idealvorstellungen als Klangkörper voll und ganz entspricht.«    Auch Albrecht Puhlmann, Opernintendant, schließt sich dem an und ergänzt: »Ich schätze Alexander Soddy und seine Arbeit sehr, daher freue ich mich besonders darüber, dass wir ihn für eine weitere Saison als Chefdirigenten der Akademiekonzerte gewinnen konnten. So bleibt er auch uns in der Oper als wichtiger künstlerischer Gesprächspartner erhalten.«

Alexander Soddy –  Biografie

Der britische Dirigent Alexander Soddy, *1982 in Oxford, ist seit der Spielzeit 2016/17 Generalmusikdirektor des Nationaltheaters Mannheim. Dessen programmatischen Schwerpunkt im klassischen deutschen und italienischen Opernrepertoire (Die Meistersinger von Nürnberg, Aida, Die Frau ohne Schatten u. v. a.) erweiterte er konsequent. Beispielhaft seien die überregional gefeierten Neuinszenierungen von Pelléas et Mélisande und Peter Grimes genannt. Sein Mannheimer Engagement führt er über seine Zeit als Generalmusikdirektor als Chefdirigent der Akademiekonzerte bis 2022/23 fort. Des Weiteren nimmt er zahlreiche Konzertverpflichtungen in Deutschland, Asien, der UK, der USA sowie der Schweiz wahr. Sein Debüt am Covent Garden ist geplant.

In vergangenen Saisons hatte Alexander Soddy regelmäßig Dirigate an der Bayerischen Staatsoper München (Die Zauberflöte, La Bohème) und der Staatsoper Unter den Linden, Berlin (Die Zauberflöte, La Bohème, Der Freischütz). Nach seinem erfolgreichen Debüt (»l Barbiere di Siviglia) dirigierte er diese Saison die Wiener Staatsoper mit Elektra, Salome und kehrt im Juni mit Carmen zurück. An der Metropolitan Opera konnte er 2017 mit La Bohème große Erfolge feiern. In der nächsten Saison präsentiert er ebenda Madama Butterfly. Weitere Gastengagements führten ihn an die Royal Swedish Opera Stockholm (La Bohème, Madama Butterfly), die Semperoper Dresden (Der Freischütz) und an die English National Opera in London (A Midsummer Night’s Dream). 2014/15 erfolgte sein Debüt an der Oper Frankfurt und Oper Köln. Mit Werken von Schönberg und Martin kehrt er im Herbst 2021 an die Oper Frankfurt zurück und mit Fidelio an die Staatsoper Berlin.

Alexander Soddy wurde in im Dezember 1982 Oxford geboren und erhielt seine Ausbildung an der Royal Academy of Music sowie der Cambridge University. Nach seinem Abschluss 2004 wurde er Repetitor und Kapellmeister am National Opera Studio in London. Von 2010 bis 2012 war er als Kapellmeister an der Hamburgischen Staatsoper engagiert; von 2013 bis 2016 war er Chefdirigent am Stadttheater Klagenfurt. Er erhielt zahlreiche Auszeichnungen.

—| Pressemeldung Nationaltheater Mannheim |—


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Mannheim, Musikalische Akademie, 6. Akademiekonzert – Mozart, Ibert, Mendelssohn, IOCO Kritik, 20.04.2021

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Nationaltheater Mannheim

Nationaltheater Mannheim

NTM Nationaltheater Mannheim © Christian Kleiner

NTM Nationaltheater Mannheim © Christian Kleiner

 Nationaltheater Orchester Mannheim – 6. Akademiekonzert

Aus dem Mannheimer Rosengarten –  Mozart, Ibert, Mendelssohn

von Uschi Reifenberg

Die ursprünglich geplante 5. Sinfonie von Anton Bruckner, die im Rahmen des Bruckner Zyklus im 6. Akademiekonzert aufgeführt werden sollte, musste aktuell leider der geforderten Orchester-Besetzungsgrösse geopfert werden. Stattdessen präsentierte die Musikalische Akademie des Nationaltheater Orchester am 12. April 2021 im Mannheimer Rosengarten nun Werke von Wolfgang Amadeus Mozart (1756 – 1791), Jaques Ibert (1890 – 1962) und Felix Mendelssohn Bartholdy (1809 -1847).

NTM Nationaltheater - Orchester / Musikalische Akademie © Minna Jung

NTM Nationaltheater – Orchester / Musikalische Akademie © Minna Jung

 Ausgelassenheit und Lebensfreude kämpfen gegen Tristesse

Antonello Manacorda konnte aufgrund situationsbedingter Terminverschiebungen die Leitung des Konzertes nicht übernehmen, für ihn dirigierte nun der italienische Shooting Star Jader Bignanini das exzellent ausgewählte Programm mit Mozarts 29. Sinfonie, Iberts Divertissement und Mendelssohns  4. Sinfonie, die Italienische.

Die drei Meisterwerke aus drei Jahrhunderten verbindet nicht nur der Ausdruck von purer Lebensfreude und Optimismus. Sie setzen mit ihrer Unbeschwertheit auch ein Zeichen der Hoffnung in einer als lähmend und trostlos erlebten Gegenwart, in der Kunst und Musik ihren essentiellen Platz verloren haben und Kulturschaffende sich immer mehr in ihrer Existenz bedroht sehen.

Allen Beteiligten gebührt größte Anerkennung und Respekt für die Durchführung dieses Konzerts  im gespenstisch leeren Mozartsaal mit seinen 2.500 Plätzen im Mannheimer Rosengarten.  Dirigent Jader Bignanini und das Nationaltheater Orchester (NTO) musizierten dennoch voller Inspiration und Spielfreude, so dass der Funke auch im Live Stream mühelos übersprang.

Mozarts 29. Sinfonie KV 201 aus dem Jahr 1774 weist nicht nur in der Tonart A-Dur Parallelen zu Mendelssohns Italienischer Sinfonie auf, konnten doch beide Komponisten auf bereichernde Erfahrungen einer vorangegangenen Italienreise zurückblicken, die in ihren Werken nachhaltige Spuren hinterließ.

Wolfgang Amadeus Mozart © IOCO

Wolfgang Amadeus Mozart © IOCO

Der 18-jährige Mozart erweitert in diesem Sturm-und Drang Werk seine Ausdruckspalette, er ergänzt die Sinfonie um einen vierten Satz, die Einzelsätze wiederum sind thematisch aufeinander bezogen. Dramatik, Kontrapunktik und Freiheit in der individuellen Themenbehandlung lassen dieses geistreiche Werk zu einem Höhepunkt in Mozarts frühem sinfonischem Schaffen werden. Einflüsse der berühmten „Mannheimer Schule“, die wesentliche Impulse zur Weiterentwicklung der Sinfonie im 19. Jahrhundert beisteuerte, sind im letzten Satz mehrfach zu hören wie die „Mannheimer Rakete“, eine schnelle aufsteigende Tonfolge mit deutlichem Crescendo.

Jader Bignanini, der mit Atemschutzmaske dirigierte, und das NTO boten einen in zarten Farben leuchtenden Mozart, elegant, präzise und inspiriert. Er setzt mit kammermusikalischer Sensibilität und stets weicher Phrasierung ganz auf einen abgerundeten und eher kontrastarmen Mozartklang. Verhalten beginnt er das Hauptthema mit seinem charakteristischen, rhythmisch markanten Oktavsprung, das sich kanonartig zu einem ersten Höhepunkt steigert. Der zweite Andante-Satz atmet die typische mozartsche Gefühlstiefe, die Streicher entfalten gedämpft-gelassene Heiterkeit, seelenvolle Bläsereinsätze fügen sich ins homogene Klangbild und machen Mozarts genialen melodischen Einfallsreichtum beglückend erfahrbar.

Das Menuett mit seinen punktierten Rhythmen und fast schon „ruppigen“ Akzenten blieb eher leichtgewichtig. Mit Spritzigkeit und pulsierender Energie ging Bignanini den letzten Satz an, der mit  temperamentvoll vorwärtsdrängendem Gestus, seiner Dramatik und den „Mannheimer Raketen“ fast schon an Rossini erinnerte.

Hoang Nguyen, Cellist des NTO, erläuterte zur Pause das nächste Stück: Jaques Iberts Divertissement, ein musikalisches Unterhaltungsstück, auf höchstem Niveau komponiert. Neben der kleinen Orchesterbesetzung  sind Klavier, Celesta, Tamburin und sogar eine Trillerpfeife vorgesehen.

Vorgestellt: Die Musikalische Akademie im Mannheimer Rosengarten
youtube mcon Mannheim
[ Mit erweitertem Datenschutz eingebettet ]

Ibert komponierte 1930 die Bühnenmusik zu einer Komödie von Eugène Labiche und extrahierte daraus sechs Sätze, die in einer ausgelassenen „Vergnügungstour“ ein funkelndes Kaleidoskop der 1920er Jahre vorbeirauschen lassen.

Da sprudelt es nur so von Zitaten, Parodien und vielfältigsten Verweisen. Jeder einzelne der achtzehn Musiker gestaltet seinen Part hochvirtuos und mit spürbarem Vergnügen an diesem „respektlosen Divertissement“, das von humorvollen Einfällen und schroffen Wechseln nur so strotzt.

Dirigent Jader Bignanini ist in diesem Stilmix bestens zu Haus, jedem der sechs Sätze gibt er die jeweilige   Charakteristik und wechselt souverän und mit Augenzwinkern zwischen Ironie und Tiefgang. Wähnt man sich im ersten Satz noch in einer Opéra comique, so findet man sich später in einem Stummfilmkino, dann wieder in einem französischen Salon wieder. Im 2. Satz, der „Cortège“ hört man neben jazzigen Elementen Mendelssohns Hochzeitsmarsch“ parodistisch aufblitzen.

Auch die Schattenseiten der so genannten „Belle Époque“ finden Einlass in dieses surreal anmutende Spektakel, namentlich die Gräuel des 1.Weltkriegs, die Ibert selbst hautnah miterleben musste. Im „Nocturne“ mit seiner düsteren Einleitung schlägt das Spiel plötzlich in Ernst um, der aber nicht lange währt. Im 4. Satz, dem „Valse“ wirbeln diverse Spielarten des Tanzes vorüber, mal wienerisch, mal krass verfremdet. Militärparaden ziehen vorbei, das Klavier persifliert in wilden Clustern die Avantgarde und deren Atonalität, bis die Trillerpfeife dem immer überschwänglicheren Treiben ein Ende setzt. Ein hinreißender musikalischer Spaß!

Der Geiger Arne Roßbach erläuterte in der zweiten Umbaupause die Entstehung von Felix Mendelssohns Bartholdys wohl populärster Sinfonie, der Italienischen.

Felix Mendelssohn Bartholdy © IOCO

Felix Mendelssohn Bartholdy © IOCO

Der junge Mendelssohn begab sich 1830 auf Kultur- und Bildungsreise in die wichtigsten europäischen Städte, um seinen Horizont zu erweitern und neue Eindrücke für seine künstlerische Arbeit zu gewinnen.

In Weimar traf er Goethe, in London wurde er zu seiner Schottischen inspiriert, während seines Italienaufenthaltes zwischen Rom und Neapel begann er dann mit der Komposition der Italienischen. Die Uraufführung fand 1833 unter Mendelssohns Leitung in London mit großem Erfolg statt. Insgesamt arbeitete er acht Jahre an seiner 4. Sinfonie, mehrere Fassungen entstanden, die letzte setzte sich in der Konzertpraxis durch, die auch an diesem Abend gespielt wurde.

Die Städte Italiens, die historische Architektur, vor allem Rom machen großen Eindruck auf den jungen Mann. Mendelssohn ist begeistert von der italienischen Landschaft und Lebensart, in einem Brief schreibt er: „Die italienische Symphonie macht gute Fortschritte, sie wird das lustigste Stück, das ich je gemacht habe“.

Diese „unbeschwerte Leichtigkeit des Seins“ kommt vor allem in den Ecksätzen zum Ausdruck, der 2. und 3. Satz sind von leichter Melancholie überzogen, die an die deutsche Romantik im Stile Schuberts oder Webers erinnert.

Bignanini zelebriert das berühmte Hauptthema des 1.Satzes, dessen jubilierende Violinen sich  über den pulsierenden Holzbläser-Repetitionen emporschwingen. Das ist präzise, lebendig und durchsichtig musiziert und weckt zahlreiche Assoziationen an südliches Flair, aber auch die Sehnsucht wie sie Goethe vor seiner ersten Italienreise empfunden haben musste, als er aufbrach, das „Land mit der Seele zu suchen“.

Der 2. Satz erinnert mit seinem Hauptthema an das Lied „Der König in Thule“, von Goethe gedichtet, von Zelter vertont. Das Zitat könnte auch als doppelte Referenz an die beiden Meister verstanden werden, zum einen an Goethe, mit dem Mendelssohn freundschaftlich verbunden war und an Karl Zelter, seinen 1832 verstorbener Kompositionslehrer.

Weich geschwungene, schön phrasierte Holzbläserkantilenen unterstrichen mit sattem pastosen  Klangspektrum die untergründig fahle Stimmung, dazu erzeugte der rhythmisch strenge Streicher- Kontrapunkt große Spannungsmomente.

Im 4.Satz, dem „Saltarello“, einer typischen Italienischen Tanzweise, hält der neapolitanische Karneval Einzug mit ausgelassenem Treiben und leidenschaftlicher Vehemenz.

Dennoch steht der Finalsatz in a-Moll, nicht in der Ausgangstonart A-Dur, was in der damaligen Zeit als äußerst ungewöhnlich galt. Bignanini mobilisiert in dieser „Tarantella“ alle Reserven des  kraftvoll und begeistert aufspielenden Orchesters. Mit einem glanzvollen Eröffnungsakkord  beginnt der Presto Satz, wie entfesselt stürzen sich die Musiker in die federnden Tanzrhythmen, dennoch immer fein artikuliert und durchsichtigdie stetig anschwellenden Streicherphrasen mit überschäumender Energie in ein strahlendes Finale überleiten.

—| IOCO Kritik Musikalische Akademie |—


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