Leipzig, Oper Leipzig, Paradiese – Uraufführung – Gerd Kühr, IOCO Kritik, 13.07.2021

Juli 12, 2021  
Veröffentlicht unter Hervorheben, Kritiken, Oper, Oper Leipzig

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Oper Leipzig

Oper Leipzig © Kirsten Nijhof

Oper Leipzig © Kirsten Nijhof

 Paradiese  –  Uraufführung – Gert Kühr, Hans Ulrich Treichel

– über das Berliner Studentenleben –  von den 1970er bis zu den 1990 Jahren –

von Thomas Thielemann

Mit der Konzeption der Welturaufführung der Oper Paradiese stellte sich dem Kollektiv der gebürtigen Pragerin Barbora Horáková Joly (geboren 1982) eine vergleichsweise einfache Aufgabe. Keine originellen Einfälle, die die Inszenierung von den unzähligen Arbeiten des gleichen Stückes abheben, waren von Nöten. Andererseits hat aber das fast orts- und zeitnahe Sujet die Tücken, dass noch viele Besucher die Umstände im Berlin der 1970er bis zu den 1990 Jahren näher erlebten, als es den Agierenden möglich gewesen wäre.

Anders ist die Situation des Texters der Oper Hans-Ulrich Treichel (Jahrgang 1952), der durch 13 Jahre Lehrtätigkeit am Deutschen Literaturinstitut mit Leipzig verbunden, auch in Berlin lebte und lebt. Eigentlich sind seine Themen Flucht und Vertreibung. Aber erst vor wenigen Tagen ist bei Suhrkamp seine groteske Beziehungskomödie, der Roman  „Schöner denn je“ erschienen, der ihn als Kenner des Westberlins der 80er-Jahre sowie der Psyche junger Menschen dieser Zeit ausweist.

Oper Leipzig / Paradiese - Uraufführung © Kirsten Nijhof

Oper Leipzig / Paradiese – Uraufführung © Kirsten Nijhof

In der Oper erlebten wir, wie sich der Student Albert (Mathias Hausmann) zunächst im eingemauerten Westberlin und später in der wiedervereinigten Stadt an vier jungen Frauen abarbeiten muss, um seine Sozialisierung  zu suchen. Letztlich bleibt es aber dem Betrachter überlassen, wo Albert seine „Paradiese“ finden könnte: sind es die Liebe der Frauen, materieller Wohlstand, Familienleben, ein Platz in der Gesellschaft, die Freiheit (welche auch immer) und und und.

Als der Abiturient Albert aus einer beschaulichen Bundesdeutschen Provinz zum Studium nach West-Berlin kommt, gerät er unmittelbar in die Studentenunruhen, die Auseinandersetzung linker Studentengruppen mit dem Hochschul-Establishment der 1968er Zeit. Dabei lernt er auch die Studentin der Politologie Lise (Alina Adamski) kennen, die ihn ohne große Umstände in die „Freie Liebe „ einführt. Die Kollision mit Alberts romantischen Vorstellungen von der Beziehung zwischen Mann und Frau kann nur der Psychiater einigermaßen durch die Konfrontation mit Kindheitserinnerungen kompensieren.

 Oper Leipzig / Paradiese - Uraufführung © Kirsten Nijhof

Oper Leipzig / Paradiese – Uraufführung © Kirsten Nijhof

Mit Stil und einer gewissen Anmut spielt und singt die polnische Sopranistin Alina Adamski die Studentin der Politologie Lise Mit ihrem hellen Sopran bezirzt sie nicht nur Albert sondern auch die Premierengäste.

Straffe Szenenwechsel dank intensiver Nutzung von Drehbühne und Videoinstallierung kennzeichneten diesen gelungenen Auftakt.

Im zweiten Akt wurde Albert von seiner aktuellen Freundin, der vor der Abschlussprüfung befindlichen Studentin der Zahnmedizin Friederike (Julia Sophie Wagner) überredet, sich ihr für eine Zahnwurzelbehandlung zur Verfügung zu stellen. Erotisches Geplänkel und der Rausch des Lachgases, vermutlich auch dank strafferer Mittelchen, schicken Albert in die Vision eines Schäferspiels auf der Pfaueninsel, denn in der Vision war Friederike als Braut des Fürsten der Havel-Insel mit Albert durchgebrannt. Mit einem grandios wandlungsfähigen Bühnenbild von Aida Leonor Guardia bot uns Barbora Horáková ein Intermezzo vom Feinsten, bis sich die Vision für das Paar zum Horrortrip einer Beinah-Flucht nach Ost-Berlin entwickelte. Besonders beeindruckten die fantasievollen Kostüme von Eva Butzkies, zumal sie für die übrigen Opernteile nur die OTTO-Kataloge der Zeit bemühen musste.

Fast extremes Selbstbewusstsein bekommt die angehende Zahnärztin Friederike von Julia Sophie Wagner verordnet. Mit von Bachs Oratorien kultiviertem leicht eingedunkelten Sopran meistert sie selbstbewusst die Tücken der Partitur.

Beim Studentenjob als Theatermaler kam Albert in Verbindung mit der eigenwilligen Schauspielerin Marie (Christiane Döcker), die für eine Premiere des düster-archaischen Drama des Euripides „Die Bakchen“ bevorzugt allein und des Nachts probte. In der unvermeidlichen Beischlafszene tritt, regelrecht mystisch, in Alberts Unterbewusstsein der Chor der Bacchantinnen auf, und fordert, frei nach Euripides, von der Mutter Agaue-Marie des Pentheus-Albert den Tod des Sohnes, weil er den Kult des Dionysos  verhöhnt habe. Was diese, nicht so blutig  wie im Original, aber doch vollzieht.

 Oper Leipzig / Paradiese - Uraufführung © Kirsten Nijhof

Oper Leipzig / Paradiese – Uraufführung © Kirsten Nijhof

Wieder bei Sinnen, schickt Marie ihren gehabten Liebhaber Albert wegen des Altersunterschieds weg. Mit ihrem sicher geführten, schöntimbrierten Mezzo konnte Christiane Döcker diese schwierige Aufgabe grandios erfüllen.

Sollte der vierte Akt als ein Beitrag zur Deutung der sich in der Gesellschaft noch immer verstärkenden Ostalgie gewesen sein, so halte ich ihn für absolut misslungen. Dass das Paradies des gesamtdeutschen Paares Anna (Magdalena Hinterdobler) und des nunmehrigen Doktoranten Albert in einer Hausfrauenidylle und intensiver Sexualität in einer spießigen Wohnküche am Berliner Prenzlauer Berg ist, mag es geben. Aber dass der Anna beim nostalgischen Umgang mit Artefakten ihrer Pioniervergangenheit Alpträume in Gestalt von Bacchantinnen-Schwärmen und demonstrierenden Studenten ist ein reines Produkt ost-fremder Fantasien. Da konnten auch Gespräche über Weimar, Hitler, DDR, Wiedervereinigung und ein Jenseits nach dem Tot wenig retten.

Mit der Erfahrung einer 19-jährigen Arbeitsemigration in Westdeutschland ist sich der Autor sicher, wie wenig sich die Wessis tatsächlich mit den Menschen Ostdeutschlands gedanklich beschäftigt haben. Dieser Aspekt der deutschen Geschichte ist künstlerisch nur von Menschen mit Familiengeschichte und wahrscheinlich erst in späteren Jahren zu gestalten.

Die Sopranistin Magdalena Hinterdobler verdient aber für ihren mit warmen, bewegenden Sopran und den massiven körperlichen Einsatz bei der Gestaltung der Anna volle Anerkennung. Mit dem Österreicher Mathias Hausmann war die männliche Hauptrolle nahezu ideal besetzt. Er sieht gut aus, hat Humor, Persönlichkeit und singt kraftvoll mit einem differenzierten Bariton.

Neben den tragenden Rollen waren noch neun recht gut besetzte Sängerdarsteller in 15 kleineren Rollen auf der Bühne tätig und ergänzten das turbulente Geschehen. Etwas herausragend empfand ich die Szene des Baritons Julian Dominique Clement mit dem Tenor Einar Dagur Jónsson im dritten Akt.

Dem Chor, sprich der Statisterie, gab die Regie ein recht ordentliches Aufgabenpensum. Den Auftritten war aber eher ein Agitprop-Charakter zugeordnet.

Oper Leipzig / Paradiese - Uraufführung © Kirsten Nijhof

Oper Leipzig / Paradiese – Uraufführung © Kirsten Nijhof

Mit seiner Musik bildet der aus Kärnten stammende Komponist Gerd Kühr (Jahrgang 1952) lebendig die Vielschichtigkeit des Lebens mit all seinen Reibereien ab. Bekannt ist Kühr vor allem mit seinem ausdrücklich minimalen Einsatz musikalischer Mittel. Mit seiner hier aber breiter angelegten Musik schafft er den unsicheren Stationen der Treichelschen Handlung eine sichere Kontinuität und eine gewisse Stabilität. Besonders reizvoll sind die Unschärfen, die Verschiebungen von Tonhöhen, Klängen und Tempi.

Barbora Horáková Joly sichert mit ihrer klaren Handschrift ein beeindruckendes Bild des verrückten, etwas mystischen Westberlins seiner späten Jahre, weniger des gesellschaftlichen Umbruchs der komplizierten Zeit einer vereinigten Hauptstadt.

Das Gewandhausorchester  mit dem Musikalischem Leiter Ulf Schirmer hielt das Bühnengeschehen mit der gewohnten Präzision  und Klanggewaltigkeit zusammen.

Dem aus Dresden kommenden Autor auffallend war die breit gestaffelte Altersstruktur der Premierenbesucher, was hoffen lässt.

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Leipzig, Oper Leipzig, Tobias Wolff – Neues Leitungsteam, IOCO Aktuell, 27.02.2021

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Oper Leipzig

Oper Leipzig © Kirsten Nijhof

Oper Leipzig © Kirsten Nijhof

OPER LEIPZIG – Ab Spielzeit 2022 – Neues Leitungsteam

Zum 01. August 2022 wird Tobias Wolff die Intendanz der Oper Leipzig übernehmen. Der designierte Intendant hat jetzt sein neues künstlerisches Leitungsteam vorgestellt: Operndirektorin und stellvertretende Intendantin wird Dr. Cornelia Preissinger. Marlene Hahn kommt als neue Chefdramaturgin von der Oper Graz. Der bereits seit 2015/16 in Leipzig engagierte Kapellmeister Christoph Gedschold wird unter der neuen Intendanz zum Musikdirektor berufen.

Tobias Wolff ist  noch bis Ende Mai 2021 Geschäftsführender Intendant der Internationalen Händel-Festspiele Göttingen, 2022/23 ist seine erste Saison als Intendant der Leipziger Oper. Das Programm und die Ausrichtung der Leipziger Saison 22/23 für Oper, Musikalische Komödie und Leipziger Ballett bereitet er zusammen mit seinem Leitungsteam vor und gibt es voraussichtlich im ersten Quartal 2022 bekannt.

Oper Leipzig / hier das neue Leitungsteam ab Spielzeit 2022 - oben links Tobias Wolff, Dr. Cornelia Preissinger, darunter Marlene Hahn, Christoph Gedschold © Oper Leipzig

Oper Leipzig / hier das neue Leitungsteam ab Spielzeit 2022 – oben links Tobias Wolff, Dr. Cornelia Preissinger, darunter Marlene Hahn, Christoph Gedschold © Oper Leipzig

Tobias Wolff –  ab Spielzeit 2022/23  – Intendant Oper Leipzig

Ein Studium der Musikwissenschaft am Trinity College in Cambridge 1995 bis 1998 setzte Tobias Wolff bis 2002 mit einer musikalischen Ausbildung Viola an der Folkwang Universität der Künste Essen und der Robert-Schumann Hochschule Düsseldorf fort. Das Internationale Beethovenfest in Bonn und die Deutsche Oper Rhein waren seine ersten beruflichen Stationen. Seit 2002 lebt er in Leipzig, wo er zunächst freiberuflich als Musiker, Konzertvermittler und Musikjournalist tätig war, u. a. für die Leipziger Volkszeitung und MDR Kultur. 2006 begann Tobias Wolff als Chefdramaturg und Marketingleiter am Theater Altenburg-Gera. Zur Saison 2010/11 übernahm er als Verwaltungsdirektor und erfolgreicher Krisenmanager die Geschäftsführung des Fünfspartenhauses.  Parallel schloss er eine Managementausbildung an der Handelshochschule Leipzig 2011 mit dem internationalen MBA ab und wurde noch im selben Jahr zum Geschäftsführenden Intendanten der Internationalen Händel-Festspiele Göttingen berufen, einem der weltweit ältesten Festivals für Barockmusik.  Der Kulturmanager positionierte das Festival international neu, initiierte unkonventionelle Formate und förderte strategisch Nachwuchs und Musikvermittlung – u. a. belohnt mit gleich zwei Helpmann Awards, dem Förderpreis Musikvermittlung des Musiklandes Niedersachsen sowie mit einer EU-Förderung des von ihm mit-initiierten Stipendienprogramms eeemerging. Im Coronajahr 2020 engagierte Tobias Wolff sich kulturpolitisch als Mitbegründer und Sprecher des Forum Musik Festivals, einem Zusammenschluss von über 100 Festspielorganisationen deutschlandweit. Die Int. Händel-Festspiele Göttingen 2020 – mittlerweile verschoben auf September 2021 – feiern das 100jährige Bestehen des Festivals und sind auf Tobias Wolffs eigenen Wunsch die letzten in seiner Verantwortung.

Ab der Spielzeit 2022/2023 wird Tobias Wolff neuer Intendant und Erster Betriebsleiter der Oper Leipzig. Die Entscheidung der Auswahlkommission bestätigte die Ratsversammlung der Stadt Leipzig in ihrer Sitzung am 4. September 2019. Tobias Wolff wird die Position ab dem 1. August 2022 besetzen und damit die reguläre Nachfolge von Prof. Ulf Schirmer antreten.

Johann Sebastian Bach in Leipzig © IOCO - H Gallée

Johann Sebastian Bach in Leipzig © IOCO – H Gallée

 Cornelia Preissinger – 2022/23  – Operndirektorin / stellvertretende Intendantin

Cornelia Preissinger studierte Musikwissenschaft, Theaterwissenschaft und Neuere Deutsche Literatur in München. Bereits für ihre Magisterarbeit an der LMU erhielt sie von der Richard-Strauss-Gesellschaft München 1989 den Förderpreis für NachwuchswissenschaftlerInnen. 1993 promovierte sie über Johannes Brahms’ vokale und instrumentale Gestaltungsprinzipien in „Vier ernste Gesänge“ Opus 121 – gefördert von der Studienstiftung des Deutschen Volkes und dem Freistaat Bayern.

Ihr beruflicher Werdegang umfasste seitdem Positionen als Operndirektorin, Disponentin und Dramaturgin in Opernhäusern wie der Deutschen Oper am Rhein, dem Landestheater Linz, dem Staatstheater Kassel und bis 2019 die Position als stellvertretende Intendantin an der Staatsoper Hannover. Als Dramaturgin verantwortete sie zahlreiche Neuproduktionen und Uraufführungen, begleitete Kammermusikreihen und initiierte neue Projekte der Musikvermittlung für Kinder und Erwachsene. Cornelia Preissinger ist in der Musikwelt auch bekannt als Autorin diverser Fachartikel und durch ihre Vorträge zu musikwissenschaftlichen und musikhistorischen Themen. Ehrenamtlich engagierte sie sich in Jury und Leitung des Wettbewerbs „Komponistinnen nach Frankfurt“, initiierte eine Konzertreihe der internationalen Forschungsstätte „Archiv Frau und Musik“ und war zudem Mitglied des Kuratoriums für die Freie Szene in Düsseldorf.

Marlene Hahn – 2022/23 – Chefdramaturgin

2022/23 wechselt Marlene Hahn als Chefdramaturgin an die Oper Leipzig und gehört zum Leitungsteam des neuen Intendanten Tobias Wolff.

Marlene Hahn absolvierte an der Universität Augsburg neben dem interdisziplinären Elitestudiengang Ethik der Textkulturen das Studium der Germanistik und Kunstgeschichte. Zuvor arbeitete sie bereits für ein Jahr in New York City im Bereich Marketing und Sales Management. Während ihres Doppelstudiums arbeitete sie für das jährliche Augsburger Brechtfestival und das Mozartfest und betreute als Regieassistentin verschiedene Opernproduktionen. Ein Jahr vor ihrem zweifachen Studienabschluss erhielt sie im Herbst 2010 eine Festanstellung als Dramaturgin im Bereich Musiktheater und Konzert am Staatstheater Augsburg und wurde 2015 mit dem Augsburger Theaterpreis ausgezeichnet. Darüber hinaus war sie von 2012 bis 2016 Künstlerische Leiterin des Augsburger Opernballs.

Seit 2015 ist Marlene Hahn als Dramaturgin im Bereich Musiktheater und Ballett an der Oper Graz engagiert, schreibt zudem eigene Stücke und führt Regie. Beispielsweise inszenierte sie 2017 die Operncollage „Hotel Elefant“ zur Grazer Kulturgeschichte und 2021 folgt Harrison Birtwistles zeitgenössische Oper The Corridor. Des Weiteren konzipierte sie Komponistenporträts für Kinderkonzerte, die sie in Augsburg, Graz und zum Beethoven-Jubiläumsjahr 2020 auch in Bonn erfolgreich auf die Bühne brachte. 2017 wurde sie vom Wagner Forum Graz zur Richard-Wagner-Stipendiatin ernannt. Zusätzlich ist Marlene Hahn Initiatorin und Moderatorin der Videoreihe „Klappe auf!“ der Oper Graz und Künstlerische Leiterin der Mitternachtsshow der Grazer Opernredoute.

Christoph Gedschold – 2022/23 – Musikdirektor

An der Oper Leipzig ist Christoph Gedschold seit der Spielzeit 2015/16 Kapellmeister und wird im Leitungsteam des neuen Intendanten Tobias Wolff 2022/23 die Position des Musikdirektors übernehmen.

Bereits während seines Klavier- und Dirigierstudiums in Leipzig und Hamburg korrepetierte der Pianist und Dirigent Christoph Gedschold im Rahmen des Internationalen Opernstudios am Opernhaus Zürich. 2002 wurde er Kapellmeister und Korrepetitor am Theater Luzern und arbeitete beim Lucerne Festival u. a. für Claudio Abbado, Mariss Janssons und Pierre Boulez. 2005 assistierte er Ulf Schirmer bei den Bregenzer Festspielen und wechselte an das Staatstheater Nürnberg. 2009 wurde er als Erster Kapellmeister an das Staatstheater Karlsruhe berufen. An der Oper Leipzig ist Christoph Gedschold seit der Spielzeit 2015/16 als Kapellmeister engagiert und dirigierte die Premieren von „Freischütz“, „Herzog Blaubarts Burg“, „Rusalka“, „Die verkaufte Braut“, „Pagliacci“ u. v. a.. Außerdem dirigiert er seit 2015 regelmäßig an weiteren großen Opernhäusern in Deutschland: Er leitete Premieren wie „Die Passagierin“ von Mieczysaw Weinberg an der Semperoper und an der Oper Frankfurt, in Köln die Premieren von „Rusalka“ und „Die Zauberflöte“. An der Opera de Oviedo, Spanien, dirigierte er die Premiere der „Götterdämmerung“. Hinzu kommen Repertoirestücke wie „Simon Boccanegra“, „La Traviata“, „Katja Kabanova“, „Manon Lescaut“ und „Die tote Stadt“ an der Staatsoper Hamburg, „Ariadne auf Naxos“ in Frankfurt, „Turandot“ in Köln sowie Dirigate an der Semperoper in Dresden.

Neben der regelmäßigen Zusammenarbeit mit dem Gewandhausorchester dirigierte Christoph Gedschold u. a. die Staatskapelle Dresden, die Hamburger Philharmoniker, das MDR-Sinfonieorchester, die Deutsche Radio Philharmonie Saarbrücken und das Gürzenich-Orchester Köln. Gastspiele führten ihn u. a. zum Orchestre symphonique de Montréal, Sinfonieorchester Basel und nach Tokio zum New Japan Philharmonic. Auf CD präsentierte das Münchner Rundfunkorchester unter seiner Leitung die „Preis-Symphonie“ von Georg Schumann in Kooperation mit BR Klassik.

—| IOCO Aktuell Oper Leipzig |—


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Leipzig, Oper Leipzig, Premiere Dornröschen – Ballett, 29.11.2019

November 28, 2019  
Veröffentlicht unter Ballett - Tanz, Oper Leipzig, Pressemeldung

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Oper Leipzig

Oper Leipzig © Kirsten Nijhof

Oper Leipzig © Kirsten Nijhof

Premiere von »Dornröschen – Once Upon a Dream« des Leipziger Balletts

es war einmal im Traum

Mit der Premiere von »Dornröschen – Once Upon a Dream« in einer Choreografie des Belgiers Jeroen Verbruggen komplettiert das Leipziger Ballett nach »Der Nussknacker« (Jean-Philippe Dury) und »Schwanensee« (Mario Schröder) seine märchenhafte Trilogie zur Musik von Peter Tschaikowski und hat nun alle drei großen Handlungsballette des russischen Komponisten in drei unterschiedlichen choreografischen Handschriften im Repertoire.

Oper Leipzig / Dornröschen - Once Upon a Dream ©  Ida Zenna

Oper Leipzig / Dornröschen – Once Upon a Dream © Ida Zenna

Es war einmal eine Prinzessin (Madoka Ishikawa), die in einen hundertjährigen Schlaf verfiel, bis sie von einem Prinzen (Lou Thabart) wachgeküsst wurde. Das Märchen von »Dornröschen« ist wohlbekannt und zählt zu den berühmtesten überhaupt.  Peter Tschaikowski fand darin 1890 den geeigneten Stoff für eine Ballettmusik, die er selbst für seine beste hielt. Obwohl in Deutschland die Version der Brüder Grimm berühmt wurde, hat das Märchen seinen Ursprung in Frankreich. Für seine choreografische Uraufführung lässt sich Jeroen Verbruggen von Charles Perraults Fassung aus dem späten 17. Jahrhundert »La Belle au bois dormant (Die schlafende Schöne im Wald)« inspirieren. Gemeinsam mit seiner Bühnenbildnerin Chiara Stephenson und Charlie Le Mindu, der die Kostüme entwarf, gelingt es ihm, den fantastischen Zauber des Märchens in eine moderne und surreal anmutende Bildsprache zu übersetzen. Eine zentrale Rolle spielt dabei der hundertjährige Schlaf: »Once Upon a Dream«. Die Choreografie taucht ein in Dornröschens Traumwelt, in der die Grenzen zwischen Fantasie und Realität mehr und mehr verschwimmen.  Immer tiefer geht es hinab in die Psyche eines jungen Mädchens, das an der Schwelle zum Erwachsenwerden steht. Dabei entdeckt es die bedrohlichen, aber auch die schönen Seiten von Liebe und Sexualität und ficht den Konflikt mit der von Eifersucht und Missgunst getriebenen Mutter aus.

Oper Leipzig / Dornröschen - Once Upon a Dream ©  Ida Zenna

Oper Leipzig / Dornröschen – Once Upon a Dream © Ida Zenna

Verbruggen bricht in seiner Interpretation mit den Geschlechtsstereotypen des Märchens und erzählt ein zeitgemäßes Coming-of-Age-Drama. Zugunsten einer inhaltlichen Schärfung und zeitlichen Straffung wurden bei der Musik einige Striche vorgenommen. Am Pult des Gewandhausorchesters steht Felix Bender.

Karten (23 – 85 Euro) gibt es an der Kasse im Opernhaus, unter Tel: 0341 – 12 61 261 (Mo – Sa 10.00 – 19.00 Uhr), per E-Mail: service@oper-leipzig.de oder im Internet unter www.oper-leipzig.de. Für weitere Informationen und Anfragen stehe ich Ihnen jederzeit zur Verfügung.

Oper Leipzig / Dornröschen - Once Upon a Dream ©  Ida Zenna

Oper Leipzig / Dornröschen – Once Upon a Dream © Ida Zenna


Premiere: Freitag, 29. November, 19:30 Uhr

Weitere Aufführungen: 01., 04., 05., 15. & 19. Dezember 2019 / 24. Januar / 27. & 28. März / 11. April / 01. & 03. Mai 2020 (alle Vorstellungen mit Einführung 45 Min. vor Vorstellungsbeginn; Publikumsgespräche nach Abendvorstellungen, außer zur Premiere)

Dornröschen – Once Upon a Dream
Ballett von Jeroen Verbruggen | Musik von Peter Tschaikowski
Leitung
Dirigent Felix Bender
Choreografie Jeroen Verbruggen
Bühne Chiara Stephenson
Kostüme Charlie Le Mindu
Video Tina Alloncle
Licht Fabiana Piccioli

Besetzung : Prinzessin Madoka Ishikawa | Prinz Lou Thabart | Fee Laura Costa Chaud | Fee Vivian Wang | Fee Yun Kyeong Lee | Königin Fang Yi Liu | König Oliver Preiß | Wolf Alpha Carl van Godtsenhoven

Leipziger Ballett
Gewandhausorchester

—| Pressemeldung Oper Leipzig |—


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Leipzig, Oper Leipzig, Tristan und Isolde – Richard Wagner, IOCO Kritik, 07.10.2019

Oktober 7, 2019  
Veröffentlicht unter Hervorheben, Kritiken, Oper, Oper Leipzig

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Oper Leipzig

Oper Leipzig © Kirsten Nijhof

Oper Leipzig © Kirsten Nijhof

 Tristan und Isolde  – Richard Wagner

Enrico Lübbe, Chef des Schauspiel Leipzig, inszeniert Oper

von Thomas Thielemann

Warum fahren Wagner-Verrückte und Christian Tielemann-Verehrer aus Dresden zu Ulf Schirmers Tristan-Premiere zur Oper Leipzig?

Da wäre zunächst der Regisseur Enrico Lübbe, ansonsten Intendant des Theaters  Schauspiel Leipzig und damit Nachfolger des „Skandal -Regisseurs“ Sebastian Hartmann, meines Großneffen. Und es  war natürlich interessant,  wie uns die Tristan-Dirigate Ulf Schirmers nach zwei Bayreuth-Erlebnissen angreifen werden. Und außerdem waren wir gespannt, wie Daniel Kirch, dessen Siegfried uns in Chemnitz extrem begeistert hatte, den Tristan an der Oper Leipzig bewältigt.

Wäre ich unvorbereitet in die Premiere gekommen, so wäre ich sicher gewesen, dass als Regisseur ein Filmschaffender die Inszenierung zu verantworten habe. Aber, dank der Partnerschaft mit dem hochkreativen österreich-schweizerischen „Bühnenbildner“ Etienne Pluss und dem Co-Regisseur Torsten Buß, war ein faszinierendes Bühnenereignis entstanden. Ein simpler Lichtrahmen übernimmt als wesentlichstes Element die Aufgabe in der eigentlich klassischen Inszenierung, eine Abgrenzung der Protagonisten von der realen Welt vorzunehmen.

Tristan und Isolde – The making of ….
youtube Trailer de Oper Leipzig
[ Mit erweitertem Datenschutz eingebettet ]

Die Bühne fesselte vom ersten Augenblick. Mit faszinierend wechselnden  Bildern einer Videoinstallation, der Drehbühne und den handelnden Personen wurde der Betrachter über einen grauen Schiffsfriedhof geführt, bis der Bilderlauf in der Kabine eines Seglers zur Ruhe kam. Für die erste  Szene der Isolde mit Brangäne, fast etwas ablenkend, um vom Vorspiel und dem Lied des jungen Seemanns nahtlos in die Handlung zu kommen. Die Video-Drehbühnenkombination erlaubt der Regie, die Besucher auf beliebige Plätze des Schiffes zu führen.

Mit dem zweiten Akt gelang Enrico Lübbe im schier  endlosen Liebesduett  jenen Rausch Richard Wagners am freien Flug seinem exzessiven Ausnahmezustand gerecht zu werden. Seine wechselnden Befindlichkeiten, das psychologisch eigentlich Unerklärbare, den Tag zur Ursache allen Übels zu erklären und die Nacht, den Tod als ultimatives Lebensziel zu beschwören, wurde mit raffinierter Bühnentechnik, dem Einsatz eines Double-Paares und einer partiell schwarzen Umgebung bewältigt, so dass die Wandlungen der Gefühlswelten mit dem Wechsel von Körpernähe und  -ferne auch bildhaft wurden.

Oper Leipzig / Tristan und Isolde - hier : Daniel Kirch als Tristan und Meagan Miller als Isolde © Tom Schulze

Oper Leipzig / Tristan und Isolde – hier : Daniel Kirch als Tristan und Meagan Miller als Isolde © Tom Schulze

Für den dritten Akt hatte Lübbe das Wrack eines verlassenen Schiffes gewählt und überließ einer Vielzahl Isolde- Statistinnen Tristans Fieberphantasien bildlich werden zulassen. Gefangen in der unerfüllten Todessehnsucht leben Isolde und Tristan weiter mit ihrem Wunsch im Tode vereint zu sein. Die Lichtgestaltung und die Videoinstallationen waren beeindruckend im Konzept umgesetzt. Die Kostüme der Linda Redlin waren als einzige Komponente der Arbeit Lübbes zeitübergreifend gestaltet.

 Isolde war die stimmstarke amerikanische Sopranistin Meagan Miller mit ihrem Sinn für dramatische Situationen. Ihre volle kräftige Stimme mit ihrer hervorragenden Höhe findet aber auch mezzopiano Stimmfarbeben, durchaus auch zynisch und selbstironisch. Sie weiß sich auf der Bühne zu bewegen und vermag die Ideen des Schauspiel-Spezialisten umsetzen.die

Oper Leipzig / Tristan und Isolde - hier : Barbara Kozelj als Brangäne und Meagan Miller als Isolde © Tom Schulze

Oper Leipzig / Tristan und Isolde – hier : Barbara Kozelj als Brangäne und Meagan Miller als Isolde © Tom Schulze

Der Tristan von Daniel Kirch enttäuschte die Erwartungen nicht; aber ein „großer“ Tristan ist er noch nicht. Da benötigt seine leicht brüchige Tenorstimme noch etwas Entwicklung, wenn ihn der durchsetzungsfähige Sopran der Amerikanerin  gelegentlich überstrahlt. Die Mezzosopranistin Barbara Kozelj aus Slowenien war als die Stimme der Vernunft als Brangäne eine  ideale Partnerin der Isolde auf Augenhöhe. Stimmlich mit Meagan Miller gut abgestimmt, bietet sie dank ihrer starken Präsenz ein echtes Erlebnis.

Der König Marke, mit dem Ensemble-Mitglied Sebastian Pilgrim bestens  besetzt, war von der Regie von vornherein als schwacher Herrscher und wenig sympathisch angelegt. Mit profundem sicher geführtem Bass bewältigte er seine Aufgabe, in die Psyche von Isolde und Tristan einzugreifen. Das Ensemblemitglied Matthias Stier, trifft als Melot  geifernd mit seiner schneidenden Charakterstudie genau den richtigen Ton des Verräters.

Jukka Rasilainen als Kurwenal, erst im letzten Moment in die Inszenierung einbezogen, verfügt aber über ausreichend Erfahrung, um den Vertrauten Tristans wacker gesanglich und spielerisch prägnant darzustellen. Auch die „kleineren Rollen“ waren leistungsfähigen Sängern anvertraut. Der Steuermann von Franz Xaver Schlecht mit seinem elegant-dunklem Bariton und der Hirte des erfahrenen Oratorien-Tenors Martin Vogel waren schon beeindruckend. Der  junge Seemann   von dem  lyrisch geprägten Tenor Alvaro Zambrano gesungen, war fast eine Luxusbesetzung.

 Oper Leipzig / Tristan und Isolde © Tom Schulze

Oper Leipzig / Tristan und Isolde © Tom Schulze

Die Oboistin des Gewandhausorchesters  Gundel Jannemann-Fischer bot mit ihren in der Szene integrierten Bassklarinetten-Soli eine berückende Besonderheit der Inszenierung. Der Chor präsentierte sich kräftig und transparent, aber nicht unbedingt klangschön.

Zum Orchester möchte ich mich nicht unbedingt äußern, weil ich doch dem Dresdner Klang zu stark verhaftet bin. Das bedeutet aber keinesfalls eine Einschränkung der Orchesterqualität, denn es wurde hervorragend musiziert. Die Klangentfaltung in der Oper Leipzig ermöglicht allerdings keinen extrem emotionsgeladenen Tönerausch.

Ulf Schirmer leitete die Aufführung straff, facettenreich aber nicht immer freundlich unterstützend den Sängern gegenüber. Ich empfand, dass er mit seinem Dirigat  einen  etwas kühleren  Eindruck vermittelte. Das mag an der Premieren-Nervosität  gelegen haben, denn an der Darbietung der Musik Richard Wagners gab das keine Einschränkung. Schwieriger war da schon der Eventcharakter der bilderbetonten Regie, der gelegentlich ablenkte. Aber das mag meine persönliche Auffassung zur Arbeit Lübbes sein und sich aus dem Eindruck halbszenischer Wagner-Aufführungen bei den Budapester Wagnertagen speisen.

Von den Freunden der Musik des in Leipzig geborenen Meisters wurde die Leistung der Künstler um Enrico Lübbe und Ulf Schirmer stürmisch bejubelt und mit stehenden Ovationen bedacht, an denen ich mich mit viel Überzeugung beteiligte.

Tristan und Isolde an der Oper Leipzig, weitere Aufführungen: 12. Oktober / 10.11. 2019 / 14. März / 01. Juni 2020 ( mit Einführung 45 Min. vor Vorstellungsbeginn)

—| IOCO Kritik Oper Leipzig |—


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