Leipzig, Oper Leipzig, Die verkaufte Braut, Juni – November 2019

Juni 17, 2019  
Veröffentlicht unter Oper, Oper Leipzig, Premieren, Pressemeldung

Oper Leipzig

Oper Leipzig © Kirsten Nijhof

Oper Leipzig © Kirsten Nijhof

liebe hat ihren preis
Premiere von Bedrich Smetanas »Die verkaufte Braut«

Es ist ein tschechischer Sommernachtstraum, der in böhmische Dörfer führt, hinter deren Fassaden alte Traditionen und Bräuche Alltag und Leben der Menschen bestimmen. Nachdem Bedrich Smetana bei seinen Landsleuten als »Wagnerianer« verschrien war, wurde seine komische Oper „Die verkaufte Braut“ nach ihrer Uraufführung als tschechische Nationaloper gefeiert, die mit ihrer Musik der »böhmischen Volksseele« Ausdruck verschaffe. Sie wirkt als nostalgische Zeitreise, die viel mehr den menschlichen Mikrokosmos der dörflichen Welt als die große Nation in den Fokus nimmt. Gleichzeitig schuf der Komponist der »Moldau« mit diesem Werk eine klassische Spieloper, in der die Protagonisten nach vielen Verwicklungen und Intrigen schließlich zu einem glücklichen Ende finden.  Diese dramaturgisch entscheidenden Wendungen sind auch ein Grund, warum die Oper seit der deutschsprachigen Erstaufführung in Wien im Jahre 1893 im deutschsprachigen Raum traditionell in der deutschen Übersetzung auf die Bühne gebracht wird.

Oper Leipzig / Die verkaufte Braut © Kirsten Nijhof

Oper Leipzig / Die verkaufte Braut © Kirsten Nijhof

Marie (Magdalena Hinterdobler) soll mit Hilfe des Heiratsvermittlers Kezal (Sebastian Pilgrim) mit Wenzel (Sven Hjörleifsson), dem Sohn des Großgrundbesitzers Micha (Jean-Baptiste Mouret), verheiratet werden. Sie liebt jedoch Hans (Patrick Vogel), der sich vor Jahren aus der dörflichen Enge zurückgezogen hat, nun aber inkognito wieder in seine Heimat zurückgekehrt ist. Um Maries Verheiratung mit Wenzel zu verhindern, schlägt Hans dem Heiratsvermittler einen Deal vor. Er verzichtet für Geld auf seine Marie, unter der Bedingung, dass dieses nur einen Sohn Michas ehelichen dürfe. Denn auch Hans entpuppt sich als ein Sohn des Großgrundbesitzers.

Oper Leipzig / Die verkaufte Braut © Kirsten Nijhof

Oper Leipzig / Die verkaufte Braut © Kirsten Nijhof

Mit Magdalena Hinterdobler (Marie), die vor Kurzem am Haus ihr umjubeltes Debüt als Rusalka gab, Patrik Vogel (Hans), Sven Hjörleifsson (Wenzel) und Sebastian Pilgrim (Kezal) geben gleich vier junge Ensemblemitglieder der Oper Leipzig ihr Rollendebüt in der Neuproduktion von »Die verkaufte Braut«. Christian von Götz, der an der Oper Leipzig bereits in Carl Maria von Webers »Der Freischütz« Regie führte, inszeniert die Geschichte der verkauften Braut als eine Zeitreise an den Anfang des 20. Jahrhunderts und verortet sie in der Enge dörflicher Beschaulichkeit, die streng nach ihren eigenen Gesetzmäßigkeiten funktioniert, in der aber immer auch das Menschliche siegt. Für die die detailgetreuen, folkloristischen Kostüme, die Trachten modern interpretieren zeichnet Sarah Mittenbühler verantwortlich. Das Bühnenbild auf der Drehbühne stammt von Dieter Richter, der dem Leipziger Publikum durch seine Arbeiten für Dietrich W. Hilsdorf, u.a. »Die Entführung aus dem Serail« und «Nabucco«. Am Pult des Gewandhausorchesters steht der erste Kapellmeister Christoph Gedschold.

»Die verkaufte Braut« ist die letzte Opernpremiere der Spielzeit 2018/19 an der Oper Leipzig.

Oper Leipzig / Die verkaufte Braut © Kirsten Nijhof

Oper Leipzig / Die verkaufte Braut © Kirsten Nijhof


Premiere: Samstag, 15. Juni 2019, 19 Uhr
Weitere Aufführungen: 23. & 30. Juni / 25. August / 01. & 28. September / 06. Oktober / 16. November 2019 (alle Vorstellungen mit Einführung 45 Min. vor Vorstellungsbeginn)
Bedrich Smetana
Die verkaufte Braut
Komisches Singspiel in drei Akten | Text von Karel Sabina | Deutsch von Max Kalbeck (1893) | In deutscher Sprache mit Übertiteln
Leitung:
Musikalische Leitung Christoph Gedschold
Inszenierung Christian von Götz
Bühne Dieter Richter
Kostüme Sarah Mittenbühler
Licht Raoul Brosch
Choreinstudierung Alexander Stessin
Dramaturgie Christian Geltinger

Besetzung:

Marie Magdalena Hinterdobler | Hans Patrick Vogel | Wenzel Sven Hjörleifsson | Kezal Sebastian Pilgrim | Micha Jean-Baptiste Mouret | Kathinka Sandra Maxheimer | Agnes Sandra Janke | Esmeralda Bianca Tognocchi | Kruschina Franz Xaver Schlecht | Zirkusdirektor Springer Martin Petzold | Muff Jakob Kunath

—| Pressemeldung Oper Leipzig |—

Leipzig, Oper Leipzig, Spielplan Juni 2019

Mai 6, 2019  
Veröffentlicht unter Oper Leipzig, Pressemeldung, Spielpläne

Oper Leipzig

Oper Leipzig © Kirsten Nijhof

Oper Leipzig © Kirsten Nijhof


Spielplan der Oper Leipzig Spielzeit 2018/19
Juni 2019


01 SA
19:00 Madame Pompadour – PREMIERE Fall | Musikalische Komödie
19:00 Schwanensee (Ballett) Schröder/Tschaikowski | Opernhaus


02 SO
11:00 Schneewittchen Lange | Opernhaus
14:00 Oper zum Mitmachen »Das klinget so herrlich« | Probebühne Opernhaus
15:00 Madame Pompadour Fall | Musikalische Komödie


05 MI
20:00 Nachhall | Museum der bildenden Künste Leipzig


06 DO
18:00 Oper Leipzig Werkstatt zu »Die verkaufte Braut« Smetana | Opernhaus
19:30 Sorry – Not Sorry Präsentation des Musikalischen Jugendtheaterclubs |
Musikalische Komödie


07 FR
19:30 La Traviata Verdi | Opernhaus
19:30 Madame Pompadour Fall | Musikalische Komödie


08 SA
14:00 Hausführung | Opernhaus
19:00 Madame Pompadour Fall | Musikalische Komödie
19:00 Schwanensee (Ballett) Schröder/Tschaikowski | Opernhaus


09 SO
18:00 Die Zauberflöte Mozart | Opernhaus
20:30 Abschlusskonzert Stadtfest Ensembles der Musikalischen Komödie | Augustusplatz


10 MO
17:00 Der fliegende Holländer Wagner | Opernhaus


11 DI
19:30 Madame Pompadour Fall | Musikalische Komödie


13 DO
10:00 Peter und der Wolf Prokofjew | Venussaal Musikalische Komödie


14 FR
19:30 Magnificat (Ballett) Schröder/Bach | Opernhaus


15 SA
15:00 Musikalischer Salon Trio Notturno | Konzertfoyer Opernhaus
19:00 Die verkaufte Braut Smetana – PREMIERE | Opernhaus
19:00 Im weissen Rössl Benatzky | Musikalische Komödie


16 SA
15:00 Im weissen Rössl Benatzky | Musikalische Komödie
18:00 Magnificat (Ballett) Schröder/Bach | Opernhaus


18 DI
19:30 Dracula Wildhorn/Black/Hampton | Musikalische Komödie


19 MI
19:30 Dracula Wildhorn/Black/Hampton | Musikalische Komödie


20 DO
19:30 Schwanensee (Ballett) Schröder/Tschaikowski | Opernhaus


21 FR
19:30 Das Feuerwerk Burkhard | Musikalische Komödie
19:30 Rusalka Dvorák | Opernhaus


22 SA
19:00 Boléro (Walking Mad) / Le sacre du printemps (Ballett) Inger/Schröder | Opernhaus
19:00 Madame Pompadour Fall | Musikalische Komödie


23 SO
11:00 Mehrgenerationenprojekt | Konzertfoyer Opernhaus
15:00 Madame Pompadour Fall | Musikalische Komödie
18:00 Die verkaufte Braut (im Anschluss: Kantinengespräch) Smetana | Opernhaus


25 DI
19:30 Madame Pompadour Fall | Musikalische Komödie


26 MI
11:00 Das Geheimnis der schwarzen Spinne Weir | Schaubühne Lindenfels
19:00 Das Geheimnis der schwarzen Spinne Weir | Schaubühne Lindenfels
19:00 Wie klingt Heimat? Preisträgerkonzert Kompositionswettbewerb | Konzertfoyer Opernhaus


27 DO
11:00 Das Geheimnis der schwarzen Spinne Weir | Schaubühne Lindenfels
19:30 Im weissen Rössl Benatzky | Musikalische Komödie
19:30 Rusalka Dvorák | Opernhaus


28 FR
10:00 Babykonzert | Konzertfoyer Opernhaus
19:30 Intershop // Lofft (Ballett) – PREMIERE | Lofft – Das Theater
19:30 Im weissen Rössl Benatzky | Musikalische Komödie


29 SA
10:00 Babykonzert | Konzertfoyer Opernhaus
14:00 Hausführung | Opernhaus
19:00 Intershop // Lofft (Ballett) | Lofft – Das Theater
19:00 Das Geheimnis der schwarzen Spinne Weir | Schaubühne Lindenfels


30 SO
10:00 Tag der offenen Tür | Musikalische Komödie
18:00 Intershop // Lofft (Ballett) | Lofft – Das Theater
18:00 Die verkaufte Braut Smetana | Opernhaus
19:00 Das Geheimnis der schwarzen Spinne Weir | Schaubühne Lindenfels


Änderungen vorbehalten!

—| Pressemeldung Oper Leipzig |—

Leipzig, Oper Leipzig, Der fliegende Holländer – Richard Wagner, IOCO Kritik, 02.04.2019

April 1, 2019  
Veröffentlicht unter Hervorheben, Kritiken, Oper, Oper Leipzig, Premieren

Oper Leipzig

Oper Leipzig © Kirsten Nijhof

Oper Leipzig © Kirsten Nijhof

Der fliegende Holländer – Richard Wagner

Auf den Spuren von Heines „Memoiren des Herrn von Schnabelewopski“

von Thomas Thielemann

Einer Vielzahl der Leipziger Opernfreunde dürfte noch das Debakel der Holländer- Inszenierung im Jahre 2008 des damals 29-jährigen Michael von zur Mühlen im Gedächtnis sein. Nach den Tumulten in und den verheerenden Reaktionen nach der Premiere vom 11. Oktober 2008 konnte sich die Leitung des Hauses nur in eine „Rücksetzung der Inszenierung auf den Stand der Generalprobe“ retten, um den Aufwand der Vorbereitungsarbeiten zu rechtfertigen.

Die Diskussionen um eine Verletzung der Urheberrechte erübrigten sich, weil von zur Mühlen seiner vorgestellten Arbeit ohne Absprache zur Premiere verstörende subtile Video-Einblendungen zugefügt hatte. Blieben die „Verletzungen seiner künstlerischen Freiheit“, die aber gegen die Schadensersatzansprüche des Hauses wegen der geplatzten zweiten Aufführung und der Umbesetzung der Titelpartie aufgewogen werden konnten.

Oper Leipzig / Der fliegende Holländer 2019 © Tom Schulze

Oper Leipzig / Der fliegende Holländer 2019 © Tom Schulze

Angenehmere Erinnerungen an Leipziger Holländer-Produktionen reichen vor allem auf das Jahr 1964 zurück, als Joachim Herz mit dem Leipziger Ensemble eine gelungene Opern-Verfilmung vorlegte. Damals nahezu revolutionär, hatte sich der Felsenstein-Jünger von Wagners Grundgedanken des Zusammenstoßes von Menschenwelt und Geisterwelt gelöst und seiner Interpretation eine realistische Idee hinterlegt. Senta durfte dem im Nebel verschwindenden Geisterschiff hinterher blicken. Um Richard Wagners für Leipzig unverzichtbare romantische Oper Der fliegende Holländer wieder würdig im Spielplan implantieren zu können, hatte man den holländischen Regisseur und Bühnenbildner Michiel Dijkema für diese Neuinszenierung gewonnen. Er hat an der Oper Leipzig schon mehrfach gearbeitet; 2013 lieferte er im Hessischen Staatstheater Wiesbaden eine hochgelobte Holländer – Inszenierung ab. Für die Oper Leipzig gestaltetete er nun seinen Holländer an der Oper Leipzig; die elfte Inszenierung in Leipzig seit ihrer Uraufführung in Dresden 1843.

Vor jedem Besuch von Konzert- und Opernaufführungen beschäftige ich mich mit den Hintergründen der Werke. So war vor der Leipziger Neuinszenierung des Holländers der Griff in den zweiten Band der Heinrich-Heine-Gesamtausgabe das Naheliegende: denn im Kapitel VII des Romanfragments Memoiren des Herrn von Schnabelewopski  findet sich, wenn man von einer erotischen Abweichung absieht, das komplette Vorbild für Wagners Libretto.

Der fliegende Holländer – Richard Wagner
youtube Trailer der Oper Leipzig
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Deshalb war ich auch nicht überrascht, als während Ulf Schirmer mit der Gewandhauskapelle die Ouvertüre der Oper intonierte auf der Bühne eine Zitatenreihe aus dem Heine-Fragment auf eine Bildwand projiziert wurde, die sich ausgerechnet auf das erotische Abenteuer des Herrn von Schabelewopski bezogen. Die Annäherung an Heines Beschreibung einer Theateraufführung im Amsterdam des Jahres 1831 behielt dann die Regie über den Abend konsequent bei, wenn man von einigen Anleihen an die Erzählungen der Großmuhme des Protagonisten absieht.

Somit war logischerweise für den zum Teil aufwendigen Bühnenaufbau von Michiel Dijkema und die opulenten Kostüme von Jula Reindell der historische Zeitbezug vorgegeben. So spielte der erste Akt auf dem Ufer, an dem nicht nur die Schiffe gestrandet, sondern auch verendete Wale angespült waren. Ein Kunstgriff der Regie hatte eines der Wal-Kadaver zum Schatz-Lager des Holländers gemacht, aufgelockert durch Kupferstiche vom Zuschauerraum eines zeitgenössischen Theaters.

Oper Leipzig / Der fliegende Holländer © Tom Schulze

Oper Leipzig / Der fliegende Holländer © Tom Schulze

Die konsequente Orientierung an Zeit und Ort ermöglichte auch eine schlüssige Gestaltung des Zweiten Aktes, denn das holländische Leiden war zu dieser Zeit ein Zentrum der europäischen Textilindustrie, so dass Dijkema die Spinnstuben –Szene in eine Werkhalle einer Spinnerei verorten konnte. Oben rotierten die Spinnrocken und der mit Wolle be- und verarbeitender singender Mädchenchor verhinderte die in anderen Holländer-Inszenierungen oft peinlichen Notlösungen der Montage von Tischlüftern, der Umgestaltung zum Kreißsaal oder der Formierung einer Fußboden-Wischerinnengruppe.
Die bei den meisten Holländer-Inszenierungen gestrichenen Akt-Schlüsse hatte der Regisseur be-wusst beibehalten, so dass es nach dem zweiten Akt zu einer Pause kam. Eine eigentlich problematische Entscheidung, die vor allem der Hausgastronomie zu Gute gekommen war.

Auch akzeptierte Michiel Dijkema für seine Arbeit die für uns heute schwer vorstellbare Gepflogenheit, dass die Väter im Norwegen der früheren Zeiten die Töchter nach dem Umfang der gebotenen Mitgift dem Höchstbietenden verheirateten und die Mädchen das auch akzeptierten. Nachdem Senta und der Holländer aus einem gemeinsamen Lager aufgestanden und Erik seinen letzten Versuch, Senta zurück zu gewinnen abgebrochen hatte, schien die Bühnenhandlung mit der vergeblichen Einbeziehung der Holländermannschaft in das Dorfleben abzuflachen. Aus der Verspottung der „untoten Matrosen“ entwickelte sich ob deren Wut eine spontane Bewegung ihres Schiffes. Auf der Bühne erschien das massiv aus Holz und Stahl erbaute Holländerschiff mit seinen blutroten Segeln. Ein Monstrum von 20 Metern Länge, sechs Meter Breite und 12 Metern Höhe schob sich über den Bühnenrand mit seiner Galion-Spitze bis über den Zuschauerbereich der siebten Reihe und schwenkte über die Köpfe der begeisterten Besucher.

Blieben nur noch die Zweifel des Holländers an Sentas Treue und ihr Treuebeweis: Senta fuhr in den Himmel und ihre Leiche fand sich auf dem Bühnenboden. Allerdings ließ die musikalische Ausführung einige Wünsche offen. Senta wurde von Christiane Libor mit farbenreicher, forcierter Stimme und einfühlsamen Tongebung gesungen. Besonders mit der Ballade erreicht sie eine phantastische Wirkung, wenn sie von Strophe zu Strophe an Intensität zulegte. Frau Libor war die den Abend bestimmende Sängerin. Auch mit ihrer Darstellung zeigte sie ihre hervorragende Bühnenpräsenz.

Oper Leipzig / Der fliegende Holländer - hier : Senta und die Spinnerinnen © Tom Schulze

Oper Leipzig / Der fliegende Holländer – hier : Senta und die Spinnerinnen © Tom Schulze

Iain Paterson singt mit wohltemperierter etwas nasaler Stimme einen teilweise wohlklingenden Holländer mit guter Ausdrucksweise und Textverständlichkeit. Plastisch gestaltet er den großen Monolog „Die Frist ist um“ und den Beginn des Duetts „Wie aus der Ferne längst vergangener Zeit“. Einen kernigen überzeugenden Daland mit überzeugenden musikalischen Momenten bringt mit körperbetontem Bass Randall Jakobsh auf die Bühne. Für den satten Mezzosopran der Karin Lovelius als die Vorarbeiterin Mary sind in der Partitur leider nur wenige Möglichkeiten vorgesehen. Von ihr hätten wir gern noch mehr gehört. Selbstbewusster als in vielen anderen Inszenierungen beeindruckte der Erik, von Ladislav Elgr, der mit furchtlosem Gesang gefiel.

Für das Lied des Steuermannes bietet Dan Karlström eine helle lyrische Stimme, aber ohne rechte Wirkung. Damit blieb eigentlich einer der Ohrwürmer der Oper auf der Strecke.

Mit Ulf Schirmer stand ein profilierter Wagner-Dirigent vor den kraftvoll aufspielenden Musikern des Gewandhausorchesters, der weitestgehend auf eine transparente Sängerbegleitung achtete, aber auch die Partitur mit wechselvollen Farben füllte. Eins greift ins andere und beweist, dass es Schirmer gelungen ist, das Orchester der Heimatstadt des Komponisten wieder zu einem sehr guten Wagner-Klangkörper zu erziehen. Der fabelhafte Chor, die Sängerdarsteller sowie das Gewandhausorchester und vor allem die Ausstattung könnten dafür sorgen, dass die Oper Leipzig mit der seit 1862 elften Inszenierung des Fliegenden Holländers ein weiteres Zugpferd im Spielplan erhält.

Der fliegende Holländer an der Oper Leipzig; die Folgevorstellungen: 22. April; 12., 17., 30. Mai; 10. Juni; 17. Oktober; 2. Und 24. November 2019

—| IOCO Kritik Oper Leipzig |—

Leipzig, Oper Leipzig, Der fliegende Holländer – Richard Wagner, 30.03.2019

März 27, 2019  
Veröffentlicht unter Oper, Oper Leipzig, Premieren, Pressemeldung

Oper Leipzig

Oper Leipzig © Kirsten Nijhof

Oper Leipzig © Kirsten Nijhof

 Der fliegende Holländer – Richard Wagner

– Hisst die Segel auf! –

Premiere Freitag, 30. März 2019, 19 Uhr

»Traft ihr das Schiff im Meer an, blutrot die Segel, schwarz der Mast?« – Die Neuinszenierung von Richard Wagners Der fliegende Holländer feiert am 30. März 2019 an der Oper Leipzig Premiere. Sie markiert einen weiteren Meilenstein in Vorbereitung auf die Opernfesttage Wagner 22 der Musikstadt Leipzig im Sommer 2022. Die Oper verfolgt unter der Leitung von Intendant und Generalmusikdirektor Prof. Ulf Schirmer das ehrgeizige Ziel, bis dahin alle Opern Richard Wagners – inklusive seiner Frühwerke – im Repertoire zu führen und sie im Juni/Juli desselbigen Jahres in der Reihenfolge ihrer Entstehung innerhalb von dreieinhalb Wochen zur Aufführung zu bringen.

Oper Leipzig / Der fliegende Holländer © Tom Schulze

Oper Leipzig / Der fliegende Holländer © Tom Schulze

Zahlreiche Legenden ranken sich um die Gestalt des bleichen Seemanns: Bis in alle Ewigkeit ist der fliegende Holländer – gesungen von Iain Paterson, der in der vergangenen Saison u.a. als Wotan im Leipziger »Ring« auf der Bühne stand –  dazu verdammt, auf seinem Geisterschiff die Weltmeere zu durchsegeln, ohne Rast, ohne Ziel. Nur einmal alle sieben Jahre darf er an Land, um dort Erlösung zu suchen: in einem »Weib, das bis in den Tod getreu ihm auf Erden«. Die Kapitänstochter Senta – interpretiert von Christiane Libor, gefeierte Wagner-Interpretin und häufiger Gast der Oper Leipzig – glaubt sich auserkoren, diesen Fluch zu brechen. Als ihr Vater Daland (Randall Jakobsh) mit einem geheimnisvollen Fremden an seiner Seite von See zurückkehrt, erkennt sie sofort den Verdammten aus jener düsteren Seemannsballade, die ihr schon die Amme Mary (Karin Lovelius) vorsang, und bricht auch die letzten Brücken zum vorgezeichneten Leben mit ihrem Verehrer Erik (Ladislav Elgr) ab.

Oper Leipzig / Der fliegende Holländer © Tom Schulze

Oper Leipzig / Der fliegende Holländer © Tom Schulze

Mit dem Einbruch des Übersinnlichen und der dämonischen Naturgewalten in die Realität knüpfte Richard Wagner in seinem 1843 uraufgeführten Der fliegende Holländer an die Tradition der schauerromantischen Oper an und beschritt mit dem Erlösungsmotiv einen Weg, der für seine folgenden Musikdramen bestimmend werden sollte. Das stürmische Wogen des Meeres, wilde Seemannschöre und die zentrale Ballade Sentas verdichtet Wagner zu einem atmosphärischen Thriller, der vom ersten Ton an in Bann zieht. Regisseur Michiel Dijkema, der bereits mit seinen bewegenden Arbeiten an Tosca, Faust und Rusalka das Leipziger Publikum begeisterte, erzählt in seiner Inszenierung der romantischen Oper von zwei Außenstehenden, von der Suche nach Heimat, aber auch von der drängenden Sehnsucht nach dem Anderen, die selbst den Tod nicht scheut. Wagner wurde in Heinrich Heines Memoiren des Herren von Schnabelewopski zum ersten Mal 1837/38 auf die Sage vom »Fiegenden Holländer aufmerksam. Dijkema integriert Auszüge dieses Werks in seine Regie und erzählt seinen Holländer als ausstattungsgewaltige Geschichte in einem imposanten Bühnenbild, das sichtbar vor dem offenen Bühnenhintergrund installiert ist. Die Kostüme, die sowohl Entstehungszeit der Oper widerspiegeln, als auch der Geisterwelt eindrucksvoll Kontur verleihen, stammen von Jula Reindell. Am Pult des Gewandhausorchesters steht Intendant und Generalmusikdirektor Prof. Ulf Schirmer.

Oper Leipzig / Der fliegende Holländer © Tom Schulze

Oper Leipzig / Der fliegende Holländer © Tom Schulze


Premiere: Freitag, 30. März 2019, 19 Uhr,  weitere Aufführungen: 22. April / 12., 17. & 30. Mai / 10. Juni 2019 (alle Vorstellungen mit Einführung 45 Min. vor Vorstellungsbeginn)

Richard Wagner – Der fliegende Holländer
Romantische Oper in drei Aufzügen | Text vom Komponisten | In deutscher Sprache mit Übertiteln

Leitung:   Musikalische Leitung Ulf Schirmer, Inszenierung, Bühne Michiel Dijkema, Kostüme Jula Reindell, Licht Michael Fischer, Choreinstudierung Thomas Eitler-de Lint, Dramaturgie Elisabeth Kühne

Besetzung:  Senta Christiane Libor | Der Holländer Iain Paterson | Mary Karin Lovelius | Daland Randall Jakobsh | Erik Ladislav Elgr | Der Steuermann Dan Karlström

Chor der Oper Leipzig | Zusatzchor | Gewandhausorchester | Komparserie

—| Pressemeldung Oper Leipzig |—

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