Leipzig, Oper Leipzig, Tobias Wolff – Neues Leitungsteam, IOCO Aktuell, 27.02.2021

Oper Leipzig

Oper Leipzig © Kirsten Nijhof

Oper Leipzig © Kirsten Nijhof

OPER LEIPZIG – Ab Spielzeit 2022 – Neues Leitungsteam

Zum 01. August 2022 wird Tobias Wolff die Intendanz der Oper Leipzig übernehmen. Der designierte Intendant hat jetzt sein neues künstlerisches Leitungsteam vorgestellt: Operndirektorin und stellvertretende Intendantin wird Dr. Cornelia Preissinger. Marlene Hahn kommt als neue Chefdramaturgin von der Oper Graz. Der bereits seit 2015/16 in Leipzig engagierte Kapellmeister Christoph Gedschold wird unter der neuen Intendanz zum Musikdirektor berufen.

Tobias Wolff ist  noch bis Ende Mai 2021 Geschäftsführender Intendant der Internationalen Händel-Festspiele Göttingen, 2022/23 ist seine erste Saison als Intendant der Leipziger Oper. Das Programm und die Ausrichtung der Leipziger Saison 22/23 für Oper, Musikalische Komödie und Leipziger Ballett bereitet er zusammen mit seinem Leitungsteam vor und gibt es voraussichtlich im ersten Quartal 2022 bekannt.

Oper Leipzig / hier das neue Leitungsteam ab Spielzeit 2022 - oben links Tobias Wolff, Dr. Cornelia Preissinger, darunter Marlene Hahn, Christoph Gedschold © Oper Leipzig

Oper Leipzig / hier das neue Leitungsteam ab Spielzeit 2022 – oben links Tobias Wolff, Dr. Cornelia Preissinger, darunter Marlene Hahn, Christoph Gedschold © Oper Leipzig

Tobias Wolff –  ab Spielzeit 2022/23  – Intendant Oper Leipzig

Ein Studium der Musikwissenschaft am Trinity College in Cambridge 1995 bis 1998 setzte Tobias Wolff bis 2002 mit einer musikalischen Ausbildung Viola an der Folkwang Universität der Künste Essen und der Robert-Schumann Hochschule Düsseldorf fort. Das Internationale Beethovenfest in Bonn und die Deutsche Oper Rhein waren seine ersten beruflichen Stationen. Seit 2002 lebt er in Leipzig, wo er zunächst freiberuflich als Musiker, Konzertvermittler und Musikjournalist tätig war, u. a. für die Leipziger Volkszeitung und MDR Kultur. 2006 begann Tobias Wolff als Chefdramaturg und Marketingleiter am Theater Altenburg-Gera. Zur Saison 2010/11 übernahm er als Verwaltungsdirektor und erfolgreicher Krisenmanager die Geschäftsführung des Fünfspartenhauses.  Parallel schloss er eine Managementausbildung an der Handelshochschule Leipzig 2011 mit dem internationalen MBA ab und wurde noch im selben Jahr zum Geschäftsführenden Intendanten der Internationalen Händel-Festspiele Göttingen berufen, einem der weltweit ältesten Festivals für Barockmusik.  Der Kulturmanager positionierte das Festival international neu, initiierte unkonventionelle Formate und förderte strategisch Nachwuchs und Musikvermittlung – u. a. belohnt mit gleich zwei Helpmann Awards, dem Förderpreis Musikvermittlung des Musiklandes Niedersachsen sowie mit einer EU-Förderung des von ihm mit-initiierten Stipendienprogramms eeemerging. Im Coronajahr 2020 engagierte Tobias Wolff sich kulturpolitisch als Mitbegründer und Sprecher des Forum Musik Festivals, einem Zusammenschluss von über 100 Festspielorganisationen deutschlandweit. Die Int. Händel-Festspiele Göttingen 2020 – mittlerweile verschoben auf September 2021 – feiern das 100jährige Bestehen des Festivals und sind auf Tobias Wolffs eigenen Wunsch die letzten in seiner Verantwortung.

Ab der Spielzeit 2022/2023 wird Tobias Wolff neuer Intendant und Erster Betriebsleiter der Oper Leipzig. Die Entscheidung der Auswahlkommission bestätigte die Ratsversammlung der Stadt Leipzig in ihrer Sitzung am 4. September 2019. Tobias Wolff wird die Position ab dem 1. August 2022 besetzen und damit die reguläre Nachfolge von Prof. Ulf Schirmer antreten.

Johann Sebastian Bach in Leipzig © IOCO - H Gallée

Johann Sebastian Bach in Leipzig © IOCO – H Gallée

 Cornelia Preissinger – 2022/23  – Operndirektorin / stellvertretende Intendantin

Cornelia Preissinger studierte Musikwissenschaft, Theaterwissenschaft und Neuere Deutsche Literatur in München. Bereits für ihre Magisterarbeit an der LMU erhielt sie von der Richard-Strauss-Gesellschaft München 1989 den Förderpreis für NachwuchswissenschaftlerInnen. 1993 promovierte sie über Johannes Brahms’ vokale und instrumentale Gestaltungsprinzipien in „Vier ernste Gesänge“ Opus 121 – gefördert von der Studienstiftung des Deutschen Volkes und dem Freistaat Bayern.

Ihr beruflicher Werdegang umfasste seitdem Positionen als Operndirektorin, Disponentin und Dramaturgin in Opernhäusern wie der Deutschen Oper am Rhein, dem Landestheater Linz, dem Staatstheater Kassel und bis 2019 die Position als stellvertretende Intendantin an der Staatsoper Hannover. Als Dramaturgin verantwortete sie zahlreiche Neuproduktionen und Uraufführungen, begleitete Kammermusikreihen und initiierte neue Projekte der Musikvermittlung für Kinder und Erwachsene. Cornelia Preissinger ist in der Musikwelt auch bekannt als Autorin diverser Fachartikel und durch ihre Vorträge zu musikwissenschaftlichen und musikhistorischen Themen. Ehrenamtlich engagierte sie sich in Jury und Leitung des Wettbewerbs „Komponistinnen nach Frankfurt“, initiierte eine Konzertreihe der internationalen Forschungsstätte „Archiv Frau und Musik“ und war zudem Mitglied des Kuratoriums für die Freie Szene in Düsseldorf.

Marlene Hahn – 2022/23 – Chefdramaturgin

2022/23 wechselt Marlene Hahn als Chefdramaturgin an die Oper Leipzig und gehört zum Leitungsteam des neuen Intendanten Tobias Wolff.

Marlene Hahn absolvierte an der Universität Augsburg neben dem interdisziplinären Elitestudiengang Ethik der Textkulturen das Studium der Germanistik und Kunstgeschichte. Zuvor arbeitete sie bereits für ein Jahr in New York City im Bereich Marketing und Sales Management. Während ihres Doppelstudiums arbeitete sie für das jährliche Augsburger Brechtfestival und das Mozartfest und betreute als Regieassistentin verschiedene Opernproduktionen. Ein Jahr vor ihrem zweifachen Studienabschluss erhielt sie im Herbst 2010 eine Festanstellung als Dramaturgin im Bereich Musiktheater und Konzert am Staatstheater Augsburg und wurde 2015 mit dem Augsburger Theaterpreis ausgezeichnet. Darüber hinaus war sie von 2012 bis 2016 Künstlerische Leiterin des Augsburger Opernballs.

Seit 2015 ist Marlene Hahn als Dramaturgin im Bereich Musiktheater und Ballett an der Oper Graz engagiert, schreibt zudem eigene Stücke und führt Regie. Beispielsweise inszenierte sie 2017 die Operncollage „Hotel Elefant“ zur Grazer Kulturgeschichte und 2021 folgt Harrison Birtwistles zeitgenössische Oper The Corridor. Des Weiteren konzipierte sie Komponistenporträts für Kinderkonzerte, die sie in Augsburg, Graz und zum Beethoven-Jubiläumsjahr 2020 auch in Bonn erfolgreich auf die Bühne brachte. 2017 wurde sie vom Wagner Forum Graz zur Richard-Wagner-Stipendiatin ernannt. Zusätzlich ist Marlene Hahn Initiatorin und Moderatorin der Videoreihe „Klappe auf!“ der Oper Graz und Künstlerische Leiterin der Mitternachtsshow der Grazer Opernredoute.

Christoph Gedschold – 2022/23 – Musikdirektor

An der Oper Leipzig ist Christoph Gedschold seit der Spielzeit 2015/16 Kapellmeister und wird im Leitungsteam des neuen Intendanten Tobias Wolff 2022/23 die Position des Musikdirektors übernehmen.

Bereits während seines Klavier- und Dirigierstudiums in Leipzig und Hamburg korrepetierte der Pianist und Dirigent Christoph Gedschold im Rahmen des Internationalen Opernstudios am Opernhaus Zürich. 2002 wurde er Kapellmeister und Korrepetitor am Theater Luzern und arbeitete beim Lucerne Festival u. a. für Claudio Abbado, Mariss Janssons und Pierre Boulez. 2005 assistierte er Ulf Schirmer bei den Bregenzer Festspielen und wechselte an das Staatstheater Nürnberg. 2009 wurde er als Erster Kapellmeister an das Staatstheater Karlsruhe berufen. An der Oper Leipzig ist Christoph Gedschold seit der Spielzeit 2015/16 als Kapellmeister engagiert und dirigierte die Premieren von „Freischütz“, „Herzog Blaubarts Burg“, „Rusalka“, „Die verkaufte Braut“, „Pagliacci“ u. v. a.. Außerdem dirigiert er seit 2015 regelmäßig an weiteren großen Opernhäusern in Deutschland: Er leitete Premieren wie „Die Passagierin“ von Mieczysaw Weinberg an der Semperoper und an der Oper Frankfurt, in Köln die Premieren von „Rusalka“ und „Die Zauberflöte“. An der Opera de Oviedo, Spanien, dirigierte er die Premiere der „Götterdämmerung“. Hinzu kommen Repertoirestücke wie „Simon Boccanegra“, „La Traviata“, „Katja Kabanova“, „Manon Lescaut“ und „Die tote Stadt“ an der Staatsoper Hamburg, „Ariadne auf Naxos“ in Frankfurt, „Turandot“ in Köln sowie Dirigate an der Semperoper in Dresden.

Neben der regelmäßigen Zusammenarbeit mit dem Gewandhausorchester dirigierte Christoph Gedschold u. a. die Staatskapelle Dresden, die Hamburger Philharmoniker, das MDR-Sinfonieorchester, die Deutsche Radio Philharmonie Saarbrücken und das Gürzenich-Orchester Köln. Gastspiele führten ihn u. a. zum Orchestre symphonique de Montréal, Sinfonieorchester Basel und nach Tokio zum New Japan Philharmonic. Auf CD präsentierte das Münchner Rundfunkorchester unter seiner Leitung die „Preis-Symphonie“ von Georg Schumann in Kooperation mit BR Klassik.

—| IOCO Aktuell Oper Leipzig |—

Leipzig, Gewandhaus, Herbert Blomstedt ehrt Vaclav Neumann, IOCO Kritik, 22.09.2020

September 22, 2020  
Veröffentlicht unter Das Gewandhausorchester, Hervorheben, Konzert, Kritiken

Das Gewandhaus Leipzig @ Jens Gerber / Gewandhaus

Das Gewandhaus Leipzig @ Jens Gerber / Gewandhaus

Das Gewandhausorchester

Herbert Blomstedt und das Gewandhausorchester

ehren den 17. Gewandhauskapellmeister Václav Neumann

von Thomas Thielemann

Im frühen 18. Jahrhundert besiedelten eine Reihe wackerer böhmischer Musiker die Musikmetropolen Europas. Einer der profiliertesten Vertreter dieser Emigres war Jan Václav Vorišek. 1791 in der ostböhmischen Kleinstadt Vamberg als Sohn eines Lehrers und Organisten geboren, erhielt er seit seinem dritten Lebensjahr strengen Klavierunterricht. Als Zehnjähriger begann er zu komponieren und vertrat bereits mit sieben Jahren einige Monate einen erkrankten, ihm verwandten Kirchen-Organisten. Mit dem Vater unternahm Jan Vaclav meist zu Fuß kleinere Musikreisen durch Böhmen bis nach Prag. Die verwitwete Gräfin Kolowrat-Liebsteinský erkannte, dass die von Spitzen-Manufakturen geprägte Kleinstadt kein Nährboden für die Entwicklung eines musikalischen Wunderkindes sei. Sie nahm das junge Talent mit nach Prag, verschaffte ihm ein Stipendium für das Prager Jesuiten Gymnasium und ein anschließendes Jura-Studium. Daneben erhielt er 1804 bis 1805 Unterricht bei Václav Tomášek (1774-1850), dem „musikalischem Papst Prags“ seiner Zeit.

Gewandhausorchester Leipzig / Herbert Blomstedt und das Gewandhausorchester © Marianne Thielemann

Gewandhausorchester Leipzig / Herbert Blomstedt und das Gewandhausorchester © Marianne Thielemann

Bereits 1809 komponierte er als erste größere Arbeit, ein leider verschollenes Requiem. Wahrscheinlich über Tomášeks Vermittlung als Musiklehrer der Familie Lobkowitz, kam Vorišek als 22-Jähriger nach Wien, nannte sich Jan Hugo Worzischek, und entwickelte sich unter Anleitung von Johann Nepomuk Hummel (1778-1837) bald zu einem brillanten Phänomen der Wiener Musikszene. Bei der Gesellschaft der Musikfreunde war er unmittelbar nach deren Gründung ab1814 als Korrepetitor, Organist sowie Dirigent tätig, mischte die Salons auf und lernte auch Beethoven kennen. Vorišek vergötterte Beethoven und versuchte ihn nachzuahmen. In Wien komponierte er als erfolgreicher Virtuose vor allem Klaviermusik sowie Werke für Klavier und Orchester. Für die Wiener Gesellschaft der Musikfreunde schuf er 1822 bis 1823 seine einzige Sinfonie als Opus 23 und eine „Missa solemnis“ in B-Dur. Nach Abschluss des Jurastudiums und einem Jahr Dienst als Beamter im Hofkriegsrat wurde er 1822 zunächst zum zweiten Hoforganisten berufen. Zwei Jahre später erhielt er noch die Ernennung zum ersten Hoforganisten. Aber bereits im November 1825 verstarb Jan Václav Vorišek an den Folgen einer Tuberkulose-Erkrankung.

Die recht selten gespielte D-Dur-Sinfonie Vorišeks war Bestandteil des Konzertexamens des späteren 17. Gewandhauskapellmeisters Václav Neumann (1920-1995) im Jahre 1945 in Prag.

Neumann war 1964, zwei Jahre nach dem Tode Franz Konwitschnys sowie einem Interregnum, zum Gewandhauskapellmeister und, was in der Historie des Leipziger Musiklebens selten ist, in Personalunion auch zum Generalmusikdirektor der Oper Leipzig berufen worden.

 Gewandhausorchester Leipzig / Herbert Blomstedt und das Gewandhausorchester © Jens Gerber

Gewandhausorchester Leipzig / Herbert Blomstedt und das Gewandhausorchester © Jens Gerber

Nach meinen Erinnerungen hatte mich die Gewandhauskapellmeister-Tätigkeit von Václav Neumann nicht außergewöhnlich beeindruckt. Ich stand in seiner kurzen Amtszeit noch immer unter den Eindrücken der Konzerte von Franz Konwitschny, dem ich letztlich meine Bindung an die klassische Musik verdanke. Seine ETERNA-Einspielung der Beethoven-Sinfonien aus den Jahren 1959 bis 1961 hat noch immer einen Ehrenplatz in unserer Sammlung. Etwas irritierend war nach meinen Erinnerungen, dass der Chef des Orchesters in der Stadt eine Wohnung zur Verfügung hatte, aber häufig nach Prag pendelte. Dem Vernehmen nach, soll er weniger mit dem Orchester gearbeitet haben. Mit den Interpretationen der Musik seiner Landsleute und seinen Mahler-Versuchen fand er allerdings beim Leipziger Publikum hohe Anerkennung.

Am 1. September 1968 dirigierte er noch in der Oper Leipzig die Premiere einer Jenufa-Neuinszenierung, kündigte aber dann dem Leipziger Oberbürgermeister seine Verträge mit der Begründung, er wäre aus politischen Gründen nicht mehr in der Lage, ein Leipziger Podium zu betreten und verließ die Stadt. Bei der Auflösung seiner Verträge bezog er sich auf den Einmarsch von militärischen Einheiten einiger Staaten des Warschauer Paktes der UdSSR am 21. August 1968, wobei aus guten Gründen, Truppen der Nationalen Volksarmee der DDR gar nicht einbezogen waren. Bereits am 1. Oktober 1968 ließ sich Václav Neumann zum Chefdirigenten der Tschechischen Philharmonie wählen.

Deutlich prägender für das Konzertleben der Stadt waren die 26 Jahre Kapellmeistertätigkeit von Kurt Masur; vor allem das Wirken Herbert Blomstedts als Künstler und Mensch.

Anlässlich des hundertsten Geburtstags von Václav Neumann dirigierte der wohl profilierteste Nachfolger Neumanns, der 19. Gewandhauskapellmeister Herbert Blomstedt, in einem Gedenkkonzert die D-Dur-Sinfonie von Jan Václav Vorišek.

Ich habe das Werk über viele Jahrzehnte nicht mehr im Konzertsaal hören können und war nicht sonderlich begeistert von der Komposition, aber doch sehr angetan von Blomstedts Bemühungen um das Werk. Die Beethoven-Verehrung Vorišeks ist mit der thematischen und rhythmischen Gestaltung der Sinfonie unverkennbar. Auch wenn sie lediglich mit der mittleren Schaffensperiode des Vorbilds vergleichbar ist, denn Beethoven arbeitete 1823 bereits an seiner 9. Sinfonie.

Gewandhausorchester Leipzig / Herbert Blomstedt, von 1998 bis 2005 Kapellmeister des Gewandhausorchester © Jens Gerber

Gewandhausorchester Leipzig / Herbert Blomstedt, von 1998 bis 2005 Kapellmeister des Gewandhausorchester © Jens Gerber

Die beiden kraftvoll-feierlichen Ecksätze der Vorišek-Komposition umschließen ein romantisch-bewegendes Andante sowie ein sprudelnd-federndes Scherzo und weisen auf einen Versuch des Komponisten, etwas Originelles zu schaffen.

Für mich ist faszinierend, wie nach den vielen mit dem Maestro erlebten Konzerten die Persönlichkeit von Herbert Blomstedt auf dem Podium immer wieder beeindruckt. Das ist nicht nur die Wirkung seiner Dirigate mit ihren sparsamen Bewegungen und der tiefen Durchdringung der gespielten Werke. Auch sein unterschiedlicher Umgang mit den Orchestern, sei es das Gustav-Mahler-Jugendorchester, ein Profi-Orchester der Mittelklasse beim Kissinger Sommer oder eines unserer sächsischen Spitzenorchester sowie bei erlebter Probenarbeit zeugen immer wieder von seiner beeindruckenden Menschlichkeit. Auch ist seine disziplinierte Lebensweise bekannt, seine Anspruchslosigkeit an materiellen Dingen und seine Bescheidenheit.

Für den zweiten Teil des Konzertes hatte Herbert Blomstedt Mozarts 38. Sinfonie in D-Dur, die Prager, ausgewählt und damit das Konzert auf das Wirkungsvollste abgerundet. Besonders imponierte, wie der Dirigent und das ausgedünnte Orchester mit den Corona-bedingten Abständen zurechtkamen. Das Klangbild der Mozart-Sinfonie unterschied sich zwar von früher gehörten Aufführungen der Prager, erwies sich aber als durchaus stimmig.

 Herbert Blomstedt  wurde mit stehenden Ovationen vom Publikum und dem Orchester langanhaltend gefeiert

—| IOCO Kritik Gewandhausorchester Leipzig |—

Leipzig, Gewandhaus, Das Gewandhaus – Traditionen und Gegenwart, IOCO Aktuell, 29.05.2020

Das Gewandhaus Leipzig @ Jens Gerber / Gewandhaus

Das Gewandhaus Leipzig @ Jens Gerber / Gewandhaus

Das Gewandhausorchester

Das Gewandhaus – Traditionen und Gegenwart
Geschlossen vom 18. 05. –  11.09.2020

von Thomas Thielemann

Das Gewandhaus Leipzig ist vom 18. Mai bis 11. September 2020 zur Erneuerung des Konzertpodiums und der Bühnenbeleuchtung im Großen Saal geschlossen; Details am Ende. Die Schließung ist Anregung, einige Aspekte der früheren Spielstätten des großen Leipziger Traditionsorchesters zu betrachten.

Die 16 musik-beflissenen Leipziger Kaufleute, die 1743 den Konzertverein Großes Concert gründeten, warben zunächst 16 Musiker für ihre Veranstaltungen im Gasthaus  Drey Schwanen am Brühl an. Wegen des großen Zuspruchs ließ die Stadt 1780-1781 in der zweiten Etage des im 1498 in der Altstadt erbauten Zeughauses einen Konzertsaal für zunächst 500 Zuhörer einbauen. Wegen der Nutzung des ersten Stockwerks als Messehaus der Tuch- und Wollwarenhändler war das Gebäude im Sprachgebrauch als Gewandhaus benannt worden. In der ehemaligen größeren Tuchhalle erbauten „Schuhschachtel“ befand sich an der Schmalseite ein 63 Quadratmeter großes Podium. Längs zum Podium waren die gegenüberliegenden Sitzreihen und quer an der Rückwand die Galerie mit den Stehplätzen angeordnet. Die nahezu ausschließliche Verwendung von Holz und die Konstruktion auf Holzstützen ließen einen Resonanzraum von lediglich 1800 m³-Raumvolumen mit einer ausgezeichneten Akustik mit recht kurzem Nachhall, man schätzt 1,2 Sekunden, entstehen, „so dass man die zartesten Töne der Musiker in der weitersten Entfernung des Saales vernehmen konnte“.</p

Das Gewandhaus Leipzig / hier der Große Saal mit 1900 Plätzen @ Jens Gerber / Gewandhaus

Das Gewandhaus Leipzig / hier der Große Saal mit 1900 Plätzen @ Jens Gerber / Gewandhaus

Nach einer Erweiterung 1842 konnte der Saal 1.000 Zuhörer aufnehmen. Mit einem qualifizierterem und auf 33 Musiker vergrößerten Orchester wurden in diesem Raum zahlreiche Werke, die heute zum Standartrepertoire gehören, unter anderem auch vom Gewandhauskapellmeister Felix Mendelssohn Bartholdy uraufgeführt.

Der Nachlass des unverheiratet verstorbenen Kaufmanns und Leipziger Originals Franz Dominic Grassi (1801-1880) machte 1882 den Neubau des zweiten Gewandhauses am Rande der Innenstadt, dem späteren Musikerviertel, mit einem großen Saal für 1700 Plätzen möglich, das am 11. Dezember 1884 eröffnet wurde. Trotz des erheblich größeren Raumvolumens von 10.600 m³ wurden die Proportionen des langgestreckten Rechtecks mit abgerundeten Ecken übernommen. Auch wurde der Raum mit einer Konzert-Orgel der Firma Walcker ergänzt. Trotzdem blieb die Nachhallzeit mit durchschnittlich 1,6 Sekunden begrenzt. Der im Neubau zusätzlich untergebrachte Kammermusiksaal für 500 Besucher war dann sogar ein nahezu exakter Nachbau des Saales aus dem Jahre 1781 mit vergleichbarer Klangentfaltung.

Bei Luftangriffen im Dezember 1943 und im Februar 1944 wurde das zweite Gewandhaus schwer beschädigt. Bautechnisch gesichert und mit einem Notdach versehen, war zunächst ein Wiederaufbau vorgesehen.

Als Interim-Spielstätte der Gewandhauskonzerte diente von 1946 bis 1981 die im Jahre 1900 als Gesellschaftshaus des Leipziger Zoos eingeweihte Kongreßhalle, nach dem dort extra eine Jehmlich-Orgel eingebaut worden war. Obwohl die Akustik des Raumes etwas staubig, die Klangentfaltung recht distanziert war und die Geräusche der Straßenbahn die Veranstaltungen auflockerte, verdanke ich den Konzerten mit Franz Konwitschny und Yehudi Menuhin sowie David Oistrach meine frühen intensiven Musikerlebnisse.

Bei der Konzeption des Gewandhausneubaus gab es zunächst unterschiedliche Auffassungen. Während die Akustiker in Anlehnung an das zweite Gewandhaus einen „Schuhkarton“ anstrebten, wünschte Kurt Masur eine weitgehende Anlehnung an den Weinberg der Berliner Philharmonie, die in den 1970er Jahren noch als akustisch unausgereift galt. Als Kompromiss wurde dann die vom Amphitheater abgeleitete terrassenartige Form mit den hinter den Orchester-Emporen schräg angeordneten Wänden, die mit variablen Schallreflektoren (Foto oben) bestückt wurden, ausgeführt. Das Raumvolumen für die 1900 Sitzplätze ist mit 21.000 m³ bemessen.

Um die Akustik-Bedingungen des Raumes mit Publikum zu optimieren, war der Saal mehrfach mit NVA-Soldaten besetzt worden, die sich stundenlang das rosa-rote-Rauschen anhören durften.

Gewandhaus Leipzig/ hier der Concerthaus Saal in 1886 © Stadtgeschichtliches Museum / Gewandhaus

Gewandhaus Leipzig/ hier der Concerthaus Saal in 1886 © Stadtgeschichtliches Museum / Gewandhaus

Im Ergebnis ist aber ein Saal entstanden, der leicht trocken, aber über Nachhallzeiten, die wenig von den Frequenzen zwischen 1,9 und 2,0 Sekunden abhängig sind, verfügt. Dabei ist der Saal für Musik eines breiten Stilspektrums geeignet.

Im Zusammenhang mit den Neubau-Maßnahmen 2019 und 2020 werden akustisch vor allem Optimierungen vorgenommen, dass die Musiker beim Konzert sich gegenseitig besser hören können. Ansonsten werden vor allem die inzwischen veralteten, seit der Hauseröffnung in Betrieb befindlichen, Hubbühnen im hinteren Podest Bereich erneuert, der vordere Teil der Bühne neu mit Hubpodien ausgestattet und mit zwölfzusätzlichen „Ausgleichspodien“ ergänzt. Damit lässt sich das Konzertpodium bei Bedarf um 15 m² vergrößern.

Außerdem wird die seit vierzig Jahren genutzte, mit Halogenstrahlern ausgestattete, Beleuchtungsanlage durch eine Ausrüstung mit dimmbaren LED-Leuchtmitteln ersetzt und damit auch das für die Besucher störende Streulicht ausgeschlossen.

Das Haus legt auf die Aussage wert, dass die Maßnahmen ausschließlich der Verbesserung des Konzertbetriebes dienen und nicht an Erfordernissen von Mieter-Veranstaltungen orientiert sind.

—| IOCO Aktuell Gewandhausorchester Leipzig |—

Leipzig, Oper Leipzig, Premiere Dornröschen – Ballett, 29.11.2019

November 28, 2019  
Veröffentlicht unter Ballett - Tanz, Oper Leipzig, Pressemeldung

Oper Leipzig

Oper Leipzig © Kirsten Nijhof

Oper Leipzig © Kirsten Nijhof

Premiere von »Dornröschen – Once Upon a Dream« des Leipziger Balletts

es war einmal im Traum

Mit der Premiere von »Dornröschen – Once Upon a Dream« in einer Choreografie des Belgiers Jeroen Verbruggen komplettiert das Leipziger Ballett nach »Der Nussknacker« (Jean-Philippe Dury) und »Schwanensee« (Mario Schröder) seine märchenhafte Trilogie zur Musik von Peter Tschaikowski und hat nun alle drei großen Handlungsballette des russischen Komponisten in drei unterschiedlichen choreografischen Handschriften im Repertoire.

Oper Leipzig / Dornröschen - Once Upon a Dream ©  Ida Zenna

Oper Leipzig / Dornröschen – Once Upon a Dream © Ida Zenna

Es war einmal eine Prinzessin (Madoka Ishikawa), die in einen hundertjährigen Schlaf verfiel, bis sie von einem Prinzen (Lou Thabart) wachgeküsst wurde. Das Märchen von »Dornröschen« ist wohlbekannt und zählt zu den berühmtesten überhaupt.  Peter Tschaikowski fand darin 1890 den geeigneten Stoff für eine Ballettmusik, die er selbst für seine beste hielt. Obwohl in Deutschland die Version der Brüder Grimm berühmt wurde, hat das Märchen seinen Ursprung in Frankreich. Für seine choreografische Uraufführung lässt sich Jeroen Verbruggen von Charles Perraults Fassung aus dem späten 17. Jahrhundert »La Belle au bois dormant (Die schlafende Schöne im Wald)« inspirieren. Gemeinsam mit seiner Bühnenbildnerin Chiara Stephenson und Charlie Le Mindu, der die Kostüme entwarf, gelingt es ihm, den fantastischen Zauber des Märchens in eine moderne und surreal anmutende Bildsprache zu übersetzen. Eine zentrale Rolle spielt dabei der hundertjährige Schlaf: »Once Upon a Dream«. Die Choreografie taucht ein in Dornröschens Traumwelt, in der die Grenzen zwischen Fantasie und Realität mehr und mehr verschwimmen.  Immer tiefer geht es hinab in die Psyche eines jungen Mädchens, das an der Schwelle zum Erwachsenwerden steht. Dabei entdeckt es die bedrohlichen, aber auch die schönen Seiten von Liebe und Sexualität und ficht den Konflikt mit der von Eifersucht und Missgunst getriebenen Mutter aus.

Oper Leipzig / Dornröschen - Once Upon a Dream ©  Ida Zenna

Oper Leipzig / Dornröschen – Once Upon a Dream © Ida Zenna

Verbruggen bricht in seiner Interpretation mit den Geschlechtsstereotypen des Märchens und erzählt ein zeitgemäßes Coming-of-Age-Drama. Zugunsten einer inhaltlichen Schärfung und zeitlichen Straffung wurden bei der Musik einige Striche vorgenommen. Am Pult des Gewandhausorchesters steht Felix Bender.

Karten (23 – 85 Euro) gibt es an der Kasse im Opernhaus, unter Tel: 0341 – 12 61 261 (Mo – Sa 10.00 – 19.00 Uhr), per E-Mail: service@oper-leipzig.de oder im Internet unter www.oper-leipzig.de. Für weitere Informationen und Anfragen stehe ich Ihnen jederzeit zur Verfügung.

Oper Leipzig / Dornröschen - Once Upon a Dream ©  Ida Zenna

Oper Leipzig / Dornröschen – Once Upon a Dream © Ida Zenna


Premiere: Freitag, 29. November, 19:30 Uhr

Weitere Aufführungen: 01., 04., 05., 15. & 19. Dezember 2019 / 24. Januar / 27. & 28. März / 11. April / 01. & 03. Mai 2020 (alle Vorstellungen mit Einführung 45 Min. vor Vorstellungsbeginn; Publikumsgespräche nach Abendvorstellungen, außer zur Premiere)

Dornröschen – Once Upon a Dream
Ballett von Jeroen Verbruggen | Musik von Peter Tschaikowski
Leitung
Dirigent Felix Bender
Choreografie Jeroen Verbruggen
Bühne Chiara Stephenson
Kostüme Charlie Le Mindu
Video Tina Alloncle
Licht Fabiana Piccioli

Besetzung : Prinzessin Madoka Ishikawa | Prinz Lou Thabart | Fee Laura Costa Chaud | Fee Vivian Wang | Fee Yun Kyeong Lee | Königin Fang Yi Liu | König Oliver Preiß | Wolf Alpha Carl van Godtsenhoven

Leipziger Ballett
Gewandhausorchester

—| Pressemeldung Oper Leipzig |—

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