Hannover, Staatsoper Hannover, Dialoge der Karmelitinnen – Francis Poulenc, IOCO Kritik, 02.07.2018

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Staatsoper Hannover

Staatsoper Hannover © Marek Kruszewski

Staatsoper Hannover © Marek Kruszewski

 DIALOGE DER KARMELITINNEN –  Francis Poulenc

Libretto Georges Bernanos, nach Die Letzte am Schafott von Gertrud von le Fort

von Karin Hasenstein

– Singend in den Tod –

Ein Ausflug in die niedersächsische Landeshauptstadt zur dortigen Staatsoper lohnt sich immer, so die Erfahrung der Rezensentin. Ein überaus engagiertes Ensemble, ein großartiger Chor und Extrachor sowie das Niedersächsische Staatsorchester Hannover machen den Opernbesuch dort zum Erlebnis. So fiel auch die Entscheidung zum Besuch einer Vorstellung der Dialoge der Karmelitinnen rasch und erwies sich einmal mehr als lohnend.

Die  Dialoge der Karmelitinnen wurden am 26. Januar 1957  im Teatro alla Scala, Milano uraufgeführt; an der Staatsoper Hannover ist diese Produktion von 2018 eine Erstaufführung. Die Vermutung der leitenden Dramaturgin, das Stück sei vielleicht „zu katholisch” gewesen, lässt die Besucher im protestantischen Hannover schmunzeln. In der Tat wirkten drei Katholiken an der Entstehung der Karmelitinnen mit. Der Komponist Francis Poulenc, der Autor des Dramas Georges Bernanos sowie die Dichterin der Novelle, Gertrud von le Fort waren alle gläubige Katholiken.

Staatsoper Hannover / Dialoge der Karmelitinnen - hier : Dorothea Maria Marx als Blanche und Ensemble © Thomas M. Jauk

Staatsoper Hannover / Dialoge der Karmelitinnen – hier : Dorothea Maria Marx als Blanche und Ensemble © Thomas M. Jauk

Die der Handlung zugrunde liegende Geschichte der 16 Nonnen von Compiègne, die ohne ordentliche Gerichtsverhandlung zum Tode durch die Guillotine verurteilt wurden, ist in der Tat historisch verbürgt – die Hauptfigur der Blanche de la Force aus der Novelle Die Letzte am Schafott jedoch entspringt der Phantasie der Dichterin.

Der große Topos der Oper ist Angst.

Die Angst Blanches vor ihrem Vater, der sie daran erinnert, dass ihre Mutter bei ihrer Geburt gestorben ist, Angst vor ihrem Bruder, der sich um seine Schwester sorgt, sich ihr aber wohl mehr als nur brüderlich nähert, Angst vor dem Leben an sich. Ihr Wunsch ist es, ins Kloster eintreten zu dürfen, weil sie sich dort sicher fühlt. Der Vater gewährt ihr diesen Wunsch.

Im Kloster Karmel von Compiègne bei Paris bittet Blanche um Aufnahme in die klösterliche Gemeinschaft. Auch die Warnung der gestrengen Priorin, das Leben als Nonne werde schwere Prüfungen für sie bereithalten, hält sie nicht von ihrem Vorhaben ab. In einer kleinen, aber berührenden Szene nimmt die Priorin Blanche ihr Stoff-Häschen ab, einzig ein Löffel bleibt ihr als persönlicher Gegenstand. Aus Blanche de la Force wird „Blanche von der Todesangst Christi”, und mit der Wahl ihres Ordensnamens manifestiert sie ihre Ängste, die sie doch im Kloster bezwingen wollte.

Der Zuschauer ahnt bereits angesichts der wuchtigen Häuserzeile, die sich hinter ihr schließt, dass dieser Weg nicht zu Seelenfrieden und Befreiung von der Angst führt. Aber nicht allein Blanche hat Angst. Die alte Priorin fürchtet ihren nahenden schweren Tod.

Einen Gegenpol zu all der Angst stellt die junge Novizin Constance dar, die ohne zu zögern ihr Leben für das der Priorin geben würde. Ihre Überzeugung ist, wenn das Leben fröhlich ist, muss doch auch der Tod ein fröhlicher sein. Erschreckender noch für Blanche: Constance glaubt fest daran, dass sie und Blanche jung und am selben Tag sterben werden. Sie wird Recht behalten.

In der Inszenierung von Dietrich W. Hilsdorf findet die Französische Revolution auf der Seitenbühne statt. Keine Jakobiner, keine Sansculotten, keine Barrikaden. Nur 16 Nonnen. Diese tragen auch keinen Habit, sondern Alltagskleidung, um ihre Individualität und Identität zu unterstreichen und die Personenregie sichtbar zu machen (Bühne: Dieter Richter, Kostüme: Renate Schmitzer). Die Kostüme passen mit ihrer 50er-Jahre-Mode (des 20. Jahrhunderts) in die Zeit, in der die Musik entstanden ist.

Ein Einheitsraum stellt sowohl das Haus der Familie de la Force dar als auch das Kloster und schließlich das Gefängnis, in dem die Nonnen auf ihre Hinrichtung warten. Zunächst hängt über der Tür das Porträt Voltaires, im Kloster ersetzt durch ein Kruzifix. Der Sessel von Blanches Vater wird zum Sessel der Priorin; alles Edle jedoch, die kunstvoll geprägte Tapete, die dunkle Holzvertäfelung, wird grün-grau übermalt.

Als Poulenc von Ricordi den Kompositionsauftrag erhielt, soll er gezögert haben, diesen anzunehmen. Eine Oper ohne Liebeshandlung, viele und lange Dialoge, keine Ensembles, zahlreiche Rezitative – konnte das funktionieren? Anderseits verstanden sie in Italien doch so viel von der Oper, dass er im Vertrauen darauf, es werde schon funktionieren, den Auftrag annahm.

Staatsoper Hannover / Dialoge der Karmelitinnen - hier : Kelly God als Madame Lidoine und Ensemble © Thomas M. Jauk

Staatsoper Hannover / Dialoge der Karmelitinnen – hier : Kelly God als Madame Lidoine und Ensemble © Thomas M. Jauk

In der Tat sind die Karmelitinnen ausgesprochen textlastig, was es stellenweise etwas anstrengend macht, dem Verlauf zu folgen, insbesondere, wenn man des Französischen nicht auf muttersprachlichem Niveau mächtig ist. Das Mitlesen der sehr gut gelungenen und passgenau eingespielten Übertitel lenkt dann leider doch etwas vom Bühnengeschehen ab, andererseits ist es wichtig, will man dem Inhalt der Dialoge folgen.  An eigentlicher Handlung passiert nicht viel, jedoch sind es die kleinen aber mitunter sehr feinen Gesten der Nonnen, die jeder einzelnen ihre persönlichen Charakterzüge verleihen und die Beziehungen der Schwestern untereinander verdeutlichen.

Das Instrumentarium weist mit 10-8-6-6-4 einen mittelgroßen Streicherapparat auf. Zwei Harfen, in der Mitte des Orchestergrabens platziert, drei Flöten, drei Oboen, drei Klarinetten, drei Fagotte, vier Hörner, drei Trompeten, drei Posaunen, Tuba und Schlagwerk sorgen für einen satten symphonischen Klang, ergänzt von Klavier bzw. Celesta. Die Musik ist sehr französisch, stark impressionistisch, bleibt aber immer noch tonal.

Im Finale hat Poulenc das Fallen des Beils als naturalistisches Geräusch in die Partitur hineingeschrieben. Die Zeitpunkte der 16 Hinrichtungen sind exakt – dennoch auf unterschiedlich betonten Zählzeiten – vermerkt. Der Komponist hatte sich dafür eine „ghigliottina“ gewünscht, und mancher Zuschauer fragte sich gespannt, wie die Staatsoper diese Vorgabe wohl umsetzen mochte.

Auch die Enthauptungen werden auf der Bühne nicht inszeniert. Hilsdorf benötigt keine rollenden Köpfe oder andere Ekel-Effekte, um zu beeindrucken oder Spannung zu erzeugen. Nachdem die neue Priorin das Angebot der Polizei, auf die Verfassung zu schwören und damit dem Tode zu entgehen, ablehnt, werden die Nonnen gefangen genommen und warten auf ihr Ende.

Der Legende nach sollen die Nonnen singend zum Schafott gegangen sein. Als die Zeit gekommen ist, stimmen sie ein Salve Regina an, welches immer gesungen wird, wenn eine Schwester zu Grabe getragen wird. Der 16-stimmige Gesang wird mit jedem Fallen des Beils immer weiter ausgedünnt, wodurch sich eine beklemmende Stimmung vermittelt.

Staatsoper Hannover / Dialoge der Karmelitinnen - hier : Ensemble © Thomas M. Jauk

Staatsoper Hannover / Dialoge der Karmelitinnen – hier : Ensemble © Thomas M. Jauk

Der Chor ist nicht auf der Bühne, aus dem ersten Rang klingt eine Revolutionshymne herüber, während die Nonnen, eine nach der anderen, zu der am hinteren Ende der Bühne gelegenen Ausgangstür je nach Persönlichkeit erhaben schreiten oder rennen. Die Tür öffnet sich, die Delinquentin tritt über die Schwelle in gleißendes Licht und mit einem markerschütternden Knall fliegt die Tür des Lebens zu. Es braucht keine Guillotine, auch so verursacht diese Lautmalerei beim Publikum gesträubte Nackenhaare und bei Einzelnen ist das Entsetzen offenbar so groß, dass sie an dieser Stelle höchster Spannung und Dramatik tatsächlich den Zuschauerraum verlassen.

Die Dramaturgin hatte in der Einführung angekündigt, gleich wie viele Fassungen dieser Oper der Zuschauer gesehen hätte – an das Ende würde man sich stets erinnern; sie sollte Recht behalten. Das Schicksal der Nonnen, die lieber ihr Leben lassen, als ihr Gelübde zu brechen, mag uns in der heutigen Zeit vielleicht etwas fremd anmuten. Obwohl sich Märtyer-Tode ja in Zeiten des religiösen Fundamentalismus  durchaus einer gewissen Beliebtheit erfreuen. An dieser Stelle gilt der besondere Dank der Rezensentin Regisseur Hilsdorf dafür, dass die Handlung nicht in ein Ausbildungslager des IS verlegt wurde und statt Nonnen schwarzgekleidete Selbstmordattentäter in den Tod geschickt hat.

Der Stolz, mit dem die Frauen nacheinander singend zum Schafott gehen, muss hingegen berühren, erst recht wenn diese Szene so eindringlich dargestellt wird, wie bei Hilsdorf. Diese Bilder werden Maßstab jeder weiteren Inszenierung sein, die die Rezensentin besuchen wird.

Eindruck hat jedoch nicht nur die Inszenierung der Schlussszene hinterlassen. Die Karmelitinnen sind eine „Frauenoper“. Die fünf großen Frauenpartien sind allesamt beeindruckend und rollengerecht besetzt. In der Rolle der Blanche konnte Dorothea Maria Marx mit großer Gestaltungskraft und beeindruckender darstellerischer Leistung überzeugen. Die in Trier geborene Sopranistin gehört seit der Spielzeit 2006/07 zum Ensemble der Staatsoper Hannover und war dort bereits u.a. als Lucia di Lammermoor, Gilda, Gretel, Mimì, Sophie, Agathe und in vielen großen Mozart-Partien wie Blondchen, Konstanze, Pamina, Königin der Nacht, Fiordiligi, Donna Anna und Vitellia zu erleben. Darüber hinaus wirkte sie als 1. Tochter in der Uraufführung Lot mit.

Der Blanche verleiht sie mit ihrem warmen farbenreichen Timbre immer neue Facetten zwischen Todesangst und unerschütterlichem Glauben an das abgelegte Gelübde. Sie überzeugt nicht nur stimmlich sondern auch darstellerisch absolut in der Rolle der Gequälten, von ihren Angststörungen Getriebenen. Ihre Stimme weist in der tiefen Lage eine große mezzohafte Wärme auf und ist in der Höhe stets sicher geführt und von großer Strahlkraft.

Staatsoper Hannover / Dialoge der Karmelitinnen - hier : Dorothea Maria Marx als Blanch Simon Bode, Stefan Adam © Thomas M. Jauk

Staatsoper Hannover / Dialoge der Karmelitinnen – hier : Dorothea Maria Marx als Blanch Simon Bode, Stefan Adam © Thomas M. Jauk

Mère Marie wurde von Almuth Herbst gesungen, die sehr kurzfristig für die erkrankte Monika Walerowicz eingesprungen war. Eine große Leistung, sich so kurzfristig nicht nur in die Rolle, sondern auch die Inszenierung hineinzuversetzen. Die Mezzosopranistin kommt vom Musiktheater im Revier Gelsenkirchen und wäre keine Ansage gekommen, niemand hätte gemerkt, dass sie kein ständiges Mitglied der Besetzung ist.

Die Sopranistin Kelly God ist seit der Spielzeit 2006/07 Ensemblemitglied der Staatsoper Hannover. Sie war dort bereits als Feldmarschallin in Der Rosenkavalier, Elisabeth in „Tannhäuser“, Freia im „Rheingold“ oder Sieglinde in der „Walküre“ zu erleben. Ihr jugendlich-dramatischer Sopran passte hervorragend zur Rolle der Madame Lidoine, die nach dem Tode von Madame de Croissy die neue Priorin wird. Sie verlieh dieser Rolle den nötigen Respekt, aber auch viel Wärme und liebevolle Fürsorge. Sehr berührend, als sie den Schwestern nach der ersten überstandenen Nacht im Gefängnis erneut das Opfergelübde abnimmt und bedauert, dass sie die Schwestern nicht retten konnte. So ermahnt sie sie zur Pflicht zum Gehorsam. Sie sorgt sich um Blanche, die in den Wirren der Revolution das Kloster verlassen und Zuflucht im Hause des mittlerweile hingerichteten Vaters gesucht hat, sich dann jedoch weigert, in Sicherheit gebracht zu werden. Constance glaubt fest daran, dass Blanche noch zurückkommen wird.

Ania Vegry, ebenfalls Ensemblemitglied der Staatsoper Hannover, verleiht der Constance mit ihrem lyrischen Sopran jugendliche Frische und vermittelt glaubhaft die Zuversicht bis zuletzt. Sie hat im Traum gesehen, dass Blanche in die Gemeinschaft zurückkehren wird. Als sie als letzte der Schwestern übrig geblieben ist, entdeckt sie Blanche, welche ihren Gesang fortsetzt.

Sie geht zum Tisch und betrachtet ihren Löffel, den sie einst bei ihrem Eintritt ins Kloster mitgebracht hat. Dieser Löffel steht zum einen für das Band zu ihrem früheren Leben, ist aber auch der einzige weltliche Besitz. Er zeigt, dass sie Teil der Klostergemeinschaft ist und von dieser ernährt wird. Der Löffel steht aber ganz generell für die lebensnotwendige Tätigkeit des Essens und war der individuelle und kostbare Besitz eines Menschen. Derjenige, der den Löffel abgibt oder weglegt, schließt sich aus der Tischgemeinschaft aus. Das Ende des Lebens wird somit als das Ende der Nahrungsaufnahme beschrieben. Blanche ist in die klösterliche Gemeinschaft zurückgekehrt, ihre Lebens- und Tischgemeinschaft besteht jedoch nicht mehr. Mithin benötig sie auch ihren Löffel nicht mehr.

Sie legt den Löffel nieder, dreht sich um, löst im Gehen ihr Haar und folgt Constance durch die Tür in den Tod. Ein 16. Mal schlägt die Tür des Lebens zu. Dem Knall folgen noch einige kleine Terzen in den Streichern, ein letztes Pizzicato im Pianissimo – dann herrscht Stille.  Stille im Orchestergraben und im Zuschauerraum, bis sich die Spannung löst und die Zuschauer sich wieder zu atmen trauen.

Staatsoper Hannover / Dialoge der Karmelitinnen - hier : Kelly God als Madame Lidoine und Ensemble © Thomas M. Jauk

Staatsoper Hannover / Dialoge der Karmelitinnen – hier : Kelly God als Madame Lidoine und Ensemble © Thomas M. Jauk

Fast möchte man wie nach einem Requiem nur still aufstehen, um die Leistung von Ensemble und Orchester anzuerkennen, jedoch muss sich die angestaute auch körperliche Anspannung irgendwie entladen und das geschieht in lang anhaltendem Applaus und vereinzelten Bravi für die Hauptrollen.

Besondere Erwähnung verdient an dieser Stelle Renate Behle als alte Priorin, Madame de Croissy. Die Kammersängerin kann auf eine vier Jahrzehnte währende Karriere zurückblicken, die sie 1982 an die Staatsoper Hannover führte, welcher sie trotz zunehmender internationaler Bekanntheit 15 Jahre als Ensemblemitglied treu blieb. Behle sang als dramatischer bis hochdramatischer Sopran alle bedeutenden Rollen ihres Fachs an zahlreichen großen Opernhäusern in Europa und den USA, unter anderem an der Metropolitan Opera New York. 2007 zog sie sich von diesem Repertoire zurück und singt mittlerweile vorwiegend Partien für dramatischen Mezzosopran.  Mit großer Souveränität verlieh sie der Priorin strenge aber stets mütterliche Züge, ihre warme farbenreiche Stimme und ihr zutiefst berührendes intensives Spiel machten diese Aufführung der „Karmelitinnen“ zu einem ganz besonderen Erlebnis.

Das Niedersächsische Staatsorchester unter der Leitung von Cameron Burns ist den Solisten stets eine sichere Basis. Es ist sowohl behutsame Untermalung der zahlreichen langen Dialoge als auch lautmalerische Gestaltung der Hinrichtungsszenen. Doch auch in den kurzen Intermezzi vermittelt sich die Dramatik von Poulencs Musik. Von den zarten Flötensoli bis zu den großen Ausbrüchen im Blech zeigt sich die ganze Bandbreite an Dynamik und Klangfarbe, die manches Mal an Filmmusik erinnert, ohne jedoch jemals banal zu werden.

Ein Abend, der lange nachwirken wird

—| IOCO Kritik Staatsoper Hannover |—

Hannover, Staatsoper Hannover, Spielplan SEPTEMBER 2018

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Staatsoper Hannover 

Staatsoper Hannover © Marek Kruszewski

Staatsoper Hannover © Marek Kruszewski

Staatsoper Hannover –  SEPTEMBER 2018

Die weltweit gefeierte Sopranistin Catherine Foster ist Stargast beim Konzert zugunsten der Stiftung Staatsoper Hannover, das die neue Spielzeit am 1. September eröffnet. Einen Tag später gibt das Sängerensemble beim Eröffnungskonzert einen Ausblick auf das Programm der neuen Saison.

Erste Premiere der Spielzeit ist Richard Wagners Tristan und Isolde, eines der Gipfelwerke der Opernliteratur (16.9.). Es inszeniert der international gefragte Regisseur Philip Langridge, Generalmusikdirektor Ivan Repuši? steht am Pult.

Drei Wiederaufnahmen ermöglichen eine neuerliche Begegnung mit beliebten Inszenierungen. Das Ballett Marilyn macht am 15.9. den Anfang, am 20.9. folgt Mozarts Zauberflöte, und mit My Fair Lady kehrt das neben der West Side Story berühmteste Musical zurück auf den Spielplan (28.9.).

Werke von Ravel, Saint-Saëns, Respighi und Richard Strauss stehen auf dem Programm des 1. Sinfoniekonzerts des Niedersächsischen Staatsorchesters Hannover am 23. und 24.9. Generalmusikdirektor Ivan Repušic dirigiert, Solist im berühmten 2. Klavierkonzert von Saint-Saëns ist der junge Pianist Dejan Lazic.

Viel Spaß für die ganze Familie gibt es beim Ballhoffest der Jungen Oper am 8.9.


PREMIERE OPER

TRISTAN UND ISOLDE  –  RICHARD WAGNER (1856 / 57 – 59)
TEXT VOM KOMPONISTEN – NACH DEM VERSROMAN TRISTAN  DES GOTTFRIED VON STRASSBURG

EINFÜHRUNGSSOIREE: FR, 07.09.18, 18:30 UHR, LAVES-FOYER
PREMIERE SO, 16.09.18, 17:00 UHR

»Tristan du, / ich Isolde, / nicht mehr Tristan! / Du Isolde, Tristan ich, nicht mehr Isolde!« Der Utopie des absoluten Verschmelzens geben sich der kornische Ritter Tristan und die irische Prinzessin Isolde hin. Doch nie wird ihre Liebe sich erfüllen – schon allein aus dem profanen Grunde, dass Isolde dem König Cornwalls versprochen ist und Tristan seinen Herrn nie hintergehen würde. So bleiben Tristan und Isolde Getriebene des Traumes von einer Existenz jenseits der unüberwindbaren Trennungen unserer Welt wie Mann und Frau, Feuer und Wasser, Tag und Nacht.

Richard Wagners Musik folgt mit ihrer bahnbrechenden Harmonik den Gedanken dieses tragischen Liebespaars in die geheimsten Winkel. So reißt sie den Zuschauer in nie zuvor dagewesener Weise in den Strom unaussprechlicher Sehnsüchte der Liebenden: in den Widerstreit von Liebesverlangen und Pflichterfüllung, von Liebessehnsucht und Liebesqual, und in die Flucht vor dem Licht des Lebens in das erlösende Dunkel des Todes.

MUSIKALISCHE LEITUNG Ivan Repuši? INSZENIERUNG Stephen Langridge BÜHNE UND KOSTÜME Conor Murphy LICHT Susanne Reinhardt CHOREINSTUDIERUNG Lorenzo Da Rio DRAMATURGIE Christopher Baumann

TRISTAN Robert Künzli KÖNIG MARKE Shavleg Armasi / Tobias Schabel ISOLDE Kelly God KURWENAL Stefan Adam MELOT / STEUERMANN Byung Kweon Jun / Gihoon Kim BRANGÄNE Khatuna Mikaberidze EIN HIRT Uwe Gottswinter / Edward Mout EIN JUNGER SEEMANN Simon Bode / Pawel Brozek BUTOH-TÄNZER Nora Otte, Tadashi Endo

Herrenchor der Staatsoper Hannover, Niedersächsisches Staatsorchester Hannover


KONZERT ZUGUNSTEN DER STIFTUNG STAATSOPER HANNOVER
SA, 01.09.18, 19:30 UHR

Stargast beim Konzert zugunsten der Stiftung Staatsoper Hannover zu Beginn der Spielzeit 2018 /19 ist Catherine Foster, die zu den gefragtesten Interpretinnen im dramatischen Fach gehört und weltweit in den Opern von Wagner und Strauss, aber auch in der Titelrolle von Puccinis Turandot große Erfolge feiert. Gemeinsam mit Mitgliedern des Opernensembles präsentiert Catherine Foster ein Gala-Programm zur neuen Spielzeit. Sie selbst wird mit Ausschnitten aus Tristan und Isolde und Turandot zu erleben sein. Auf dem Programm stehen außerdem Szenen und Arien aus Benjamin Brittens Ein Sommernachtstraum, Hector Berlioz‘ Fausts Verdammnis und Jacques Offenbachs König Karotte. Das Niedersächsische Staatsorchester Hannover spielt unter der Leitung von GMD Ivan Repuši?, Mark Rohde, Valtteri Rauhalammi und Cameron Burns. Es moderiert Chefdramaturg Klaus Angermann.


ERÖFFNUNGSKONZERT DER SPIELZEIT 2018 / 19
SO, 02.09.18, 18:30 UHR

Ein musikalischer Ausblick, der Lust machen möchte auf die neue Opernsaison – mit Ausschnitten aus Wagners Tristan und Isolde, Berlioz‘ Fausts Verdammnis, Brittens Ein Sommernachtstraum, Schrekers Die Gezeichneten und Offenbachs König Karotte.

MIT Carmen Fuggiss, Kelly God, Khatuna Mikaberidze, Mareike Morr, Stella Motina, Ylva Stenberg, Monika Walerowicz, Pawel Brozek, Daniel Eggert, Uwe Gottswinter, Byung Kweon Jun, Eric Laporte, Sung-Keun Park, Tobias Schabel, Frank Schneiders

DIRIGENTEN Ivan Repušic´, Mark Rohde, Valtteri Rauhalammi, Cameron Burns

MODERATION Klaus Angermann


REPERTOIRE OPER UND BALLETT


MARILYN

Sexsymbol par excellence und Ikone des 20. Jahrhunderts: Marilyn Monroe genießt ihre minutiös kreierte Rolle als Medienstar – und zerbricht daran. Ein Phänomen, das Jörg Mannes fasziniert. Er betrachtet es aus unserer Zeit heraus, wo in einem Universum voller Selfies ein erbitterter Kampf um das Wahrgenommen-Werden geführt wird. Schlaglichtartig fällt Mannes’ Blick auf Marilyn, deren perfektes Image ihr eigentliches Selbst zum Verschwinden brachte. Das Ballett entführt in die Welt des schönen Scheins und entfaltet ein Wechselspiel von heute mit dem Flair der 1950er Jahre. »Die Personenregie fällt durchweg einleuchtend aus, clever die Dramaturgie und eindrucksvoll die Leistung des Ensembles, das bis in die winzigsten Handlungsfältchen hinein mitreißend aufspielt und -tanzt.« tanz

WIEDERAUFNAHME SA, 15.09.18, WEITERE VORSTELLUNG AM FR, 21.09.18


MY FAIR LADY

Der antike Mythos des Künstlers Pygmalion, der sich die ideale Frau aus Stein formt und zum Leben erweckt, stand Pate für George Bernard Shaws Stück Pygmalion, das wiederum als Vorlage für das 1956 entstandene Musical My Fair Lady von Frederick Loewe diente. Sprachforscher Professor Higgins bildet das Blumenmädchen Eliza Doolittle zur High-Society-Lady aus und will nicht wahrhaben, dass auch Eliza ein Mensch mit Gefühlen ist … In dieser Spielzeit laufen die letzten Vorstellungen der Erfolgsinszenierung von Bernd Mottl, die seit 2009 auf dem Spielplan steht. »Die Inszenierung strotzt geradezu vor guter Laune und blitzenden Einfällen.« Cellesche Zeitung »Diese Produktion ist hoch professionell – und vor allem: höchst amüsant.« HAZ

WIEDERAUFNAHME FR, 28.09.18


DIE ZAUBERFLÖTE

Was könnte die Bedeutung der »Oper aller Opern« besser veranschaulichen als die Tatsache, dass die NASA 1977 eine Sonde mit der Arie der Königin der Nacht in die Weiten des Alls schickte, als Symbol für die hochentwickelte Kultur unseres Planeten? Auch die Erdbewohner in und um Hannover kommen nun wieder in den Genuss von Mozarts ebenso beliebtem wie rätselhaftem Meisterwerk, das zwischen ganz unterschiedlichen musikalischen Stilen und Handlungsebenen pendelt und vor allem eins ist: ein großes musikalisch-szenisches Abenteuer. »Eine Aufführung, die eine Menge Fragen hinterlässt und genau deswegen sehenswert ist.« nmz

WIEDERAUFNAHME DO, 20.09.18., WEITERE VORSTELLUNGEN AM SA, 22.09. UND SA, 29.09.18


OPER EXTRA


PUBLIKUMSCHOR »LIEBESLEID«

Singen Sie mit und klagen Sie auf musikalisch schönste Weise ihr »Liebesleid «. Wenige Tage nach der Premiere von Tristan und Isolde singt Bariton Stefan Adam alias Kurwenal mit 70 sangeswütigen Hannoveranern Stücke quer durch alle Genres und natürlich aus Richard Wagners Werk.

MI, 19.09.2018, 19:00 UHR, LAVES-FOYER


BALLHOFFEST
FEST DER JUNGEN OPER ZUR ERÖFFNUNG DER SPIELZEIT
SA, 08.09.18, AB 15:00 UHR IM UND UM DEN BALLHOF

Es wird wieder bunt im Herzen der Altstadt Hannovers – es ist Ballhoffest! Zu ihrer Spielzeiteröffnung lädt die Junge Oper ein zu einem spannenden Programm für alle ab 4 Jahren auf den Bühnen von Ballhof Eins und Zwei, in den Foyers und auf dem Ballhofplatz. Hören, Sehen und Mitmachen ist das Motto: Mit dabei ist Heini, der kleine Vampir, der in Starke Stimmen mit den jungen Künstler des Ensembles die Welt des Gesangs erkundet. Außerdem zu erleben ist die 100. Vorstellung der Volks- und Kinderliederreise Bi-Ba-Butzemann!, eine interaktive Musik-Märchenzeit mit Hans Christian Andersens Des Kaisers neue Kleider und eine musikalische Abenteuerreise für Kinder in das schöne Panama!

Nicht fehlen dürfen natürlich Bastelaktionen und Clown Lakis mit seinen Späßen; mit Musikern des Niedersächsischen Staatsorchesters können Kinder Instrumente ausprobieren oder sich beim Kinderschminken verwandeln lassen. Wer zwischendurch verschnaufen will, kann das bei Eltern-Kind-Yogakursen der Ada und Theodor Lessing Volkshochschule tun – oder bei Leckereien des Operncaterers Da Capo! Catering.

Der Eintritt ist frei, kostenlose Zählkarten für die Bühnenprogramme sind

ab dem 6. August an den Theaterkassen erhältlich.


1. SINFONIEKONZERT
MAURICE RAVEL
Rapsodie espagnole (1907 / 08)
CAMILLE SAINT-SAËNS
Konzert für Klavier und Orchester Nr. 2 g-Moll op. 22 (1868)
OTTORINO RESPIGHI
Fontane di Roma (RömischeBrunnen, 1916)
RICHARD STRAUSS
Don Juan. Tondichtung für großes Orchester op. 20 (1887 / 89)
Wie wird aus fremden Stoffen und Klängen etwas Eigenes? Die Anverwandlung fällt je nach Komponist sehr unterschiedlich aus! Eine Liebe aus der Distanz verband den französischen Basken Ravel mit der spanischen Heimat seiner Mutter. Seine Rapsodie espagnole zeichnet ein idealisiertes Spanien, in einem geheimnisvollen, vor leidenschaftlicher Energie taumelnden Klangbild. Wesentlich konkreter skizzierte der Bologneser Respighi seine Wahlheimat Rom. Die sinfonische Dichtung Fontane di Roma beschreibt vier römische Brunnen zu verschiedenen Tageszeiten, von der Morgendämmerung bis zum Übergang in die Nacht. Viele fremde Stoffe hat sich Richard Strauss zu eigen gemacht. Seine Tondichtung über den großen, so maß- wie rastlos Liebenden Don Juan bedeutete die Initialzündung für seinen eigenen Tonfall und den Durchbruch im Konzertsaal. »Der Klang war wundervoll, von einer riesigen Glut und Üppigkeit«, schrieb der 24-jährige Komponist an seine Eltern.

Dieser Überschwang war Camille Saint-Saëns fremd: »Kunst kann sehr gut ohne Emotion auskommen «, meinte er, »und tatsächlich ist sie besser dran, wenn sie es tut.« Sein 2. Klavierkonzert lässt Einflüsse von Bach wie Mendelssohn anklingen und prägt mit Wärme, Eleganz und Virtuosität doch einen ganz eigenen Stil.

Niedersächsisches Staatsorchester Hannover
SOLIST Dejan Lazi? (Klavier)
DIRIGENT Ivan Repuši?
SO, 23.09.18, 17:00 UHR
MO, 24.09.18, 19:30 UHR
Kurzeinführung mit Ivan Repuši?
jeweils 45 Minuten vor dem Konzert
—| Pressemeldung Staatsoper Hannover |—

Hannover, Staatsoper Hannover, Der Freischütz – Letzte Vorstellung 2018, 01.05.2018

April 30, 2018  
Veröffentlicht unter Oper, Pressemeldung, StaatsOper Hannover

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Staatsoper Hannover 

Staatsoper Hannover / Der Freischütz © Thomas M. Jauk

Staatsoper Hannover / Der Freischütz © Thomas M. Jauk

  Der Freischütz – Carl Maria von Weber

Dienstag, 1. Mai, 18.30 Uhr, Opernhaus

Er gilt schon heute als legendär: Der Freischütz in der Inszenierung des Dortmunder Schauspielintendanten Kay Voges. Am Dienstag, 1. Mai 2018, 18.30 Uhr, steht Carl Maria von Webers Oper, die in dieser Inszenierung bundesweit für Aufsehen sorgte, zum letzten Mal auf dem Spielplan der Staatsoper Hannover. Neben Schauspielerin Eva Verena Müller in der deutlich aufgewerteten Rolle des „Kreators“ Samiel wirken mit: Eric Laporte (Max), Kelly God (Agathe), Ania Vegry (Ännchen), Tobias Schabel (Kaspar), Matthias Winckhler (Ottokar), Michael Dries (Kuno), Yannick Spanier (Ein Eremit) und Uwe Gottswinter (Kilian).

Staatsoper Hannover / Der Freischütz © Thomas M. Jauk

Staatsoper Hannover / Der Freischütz © Thomas M. Jauk

Valtteri Rauhalammi dirigiert den Chor und den Extrachor der Staatsoper Hannover und das Niedersächsische Staatsorchester Hannover.

—| Pressemeldung Staatsoper Hannover |—

 

Hannover, Staatsoper Hannover, Kinderoper – Ein sanfter Riese, 09.02.2018

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Staatsoper Hannover 

Staatsoper Hannover © Marek Kruszewski

Staatsoper Hannover © Marek Kruszewski

Ein sanfter Riese von Stephen McNeff

Libretto von Mike Kenny nach dem Kinderbuch von Michael Morpurgo
Deutschsprachige Erstaufführung,

Für alle ab 6 Jahren:  Premiere am 9. Februar 2018, 11 Uhr, Ballhof Zwei

Tag für Tag fahren die Fischer hinaus auf den See, kommen jedoch mit leeren Netzen zurück. Nicht mehr lange, und das Dorf wird ernsthaft in seiner Existenz bedroht sein. Warum die Fische ausbleiben, weiß niemand so recht – doch gibt es ein Gerücht: Eine seltsames Wesen lebt auf einer Insel im See, zusammen mit seinen Tieren. Vielleicht hat es etwas mit dem Verschwinden der Fische zu tun, vielleicht vertreibt es sie. Doch als Miranda diesem »Biest« eines Tages begegnet, stellt sie fest, dass dieses ganz anders ist, als alle glauben.

Im Jahr 2006 wurde Stephen McNeffs Kinderoper am Royal Opera House Covent Garden in London uraufgeführt und begeisterte in mehreren Spielzeiten Kinder und Erwachsene. Verspielt und zugleich behutsam erzählt Stephen McNeffs Kinderoper eine Geschichte über Achtsamkeit und Toleranz, Respekt vor der Natur und ihren Lebewesen.

—| Pressemeldung Staatsoper Hannover |—

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