Hamburg, Laeiszhalle, Telemann-Festival: Miriways, IOCO Kritik,

Dezember 7, 2017  
Veröffentlicht unter Hervorheben, Kritiken, Laeiszhalle Hamburg, Oper

Hamburg Laeiszhalle / Telemann Festspiele © IOCO

Hamburg Laeiszhalle / Telemann Festival © IOCO

Laeiszhalle Hamburg

Miriways von Georg Philipp Telemann

 Telemann-Festival 11/2017 – Eröffnet mit Festoper Miriways

Von Guido Müller

Komponist Georg Philipp Telemann (1681 - 1767)

Komponist Georg Philipp Telemann (1681 – 1767)

Im Gegensatz zu den heutzutage landauf und landab auch an  Stadttheatern aufgeführten Händel-Opern gibt es außer bei den Magdeburger Telemann-Festtagen leider nur sehr selten die Gelegenheit, eine veritable große Oper von Georg Philipp Telemann an Opernhäusern ungekürzt zu erleben.

In Madgeburg war bereits 2012 Miriways von 1728, die Telemann-Oper mit aktuellen politischen Bezügen eines Krieges zwischen Afghanistan und Persien in einer optisch schönen Inszenierung von Jakob Peters-Messer zu sehen, Messer hat sich gerade in Oldenburg an die Oper Siroe des in Hamburg-Bergedorf  geborenen Johann Adolph Hasse gewagt, dessen Werke noch seltener als die von Telemann auf deutschen Bühnen zu sehen sind. Allerdings wird Hasses Oper Artaserse  zur Eröffnung des Markgräflichen Opernhauses in  Bayreuth im Frühjahr 2018 dort wieder zu sehen sein.

Das Theater  Hildesheim (TfN) macht gerade mit dem Telemannschen Orpheus einen gelungenen Versuch der szenischen Wiederbelebung durch die Spezialistin für barocke szenische  Aufführungspraxis  Sigrid T’Hooft.  Die Hamburger Staatsoper schließlich hat für den Juni 2018 die Inszenierung ebenfalls der Oper Miriways angekündigt – allerdings in einer stark zusammen gestrichenen Fassung. Da die Barockopern genau wie die Opern von Mozart und Wagner einer abgestimmten, austarierten und wechselreichen Musikdramaturgie folgen, verstümmeln Kürzungen der Arien, Ensembles und instrumentale Zwischenstücke diese Werke genauso wie bei einer Wagner-Oper oder Bizets Carmen.

So ist es um so erfreulicher, dass die Akademie für Alte Musik Berlin  unter dem kanadischen Dirigenten Bernard Labadie mit einem handverlesenen exquisiten Sängersensemble das Werk Miriways wenigstens konzertant fast ungestrichen aufführt. Jeder Dirigent muss sich zudem seine Aufführungsfassung selbst erstellen. Längst schon gehört ein Telemann-Festival in die Stadt, in der Telemann Jahrzehnte als bedeutendster Musikdirektor an der Gänsemarkt Oper wirkte wie er für offizielle Anlässe der reichen Hansestadt und in den Hauptkirchen tätig war.

Der NDR eröffnete in seiner Reihe NDR Das Alte Werk nun mit diesem Konzert ein Telemann-Festival aus Anlass des 250. Todestages des Komponisten. Dieses auch vom NDR live übertragene Konzert  verdeutlicht, wie Telemanns reicher kompositorischer Fundus immer viele Entdeckungen zu bieten und das angelockte, leider nicht allzu         zahlreiche Publikum mitzureißen vermag. Das Hamburger Publikum muss erst den enormen Reiz der Barockoper noch kennenlernen.

Während die Opern in Italien oder Frankreich und an denen diesen nacheifernden deutschen Höfen von Stuttgart bis Dresden meistens antike oder mythologische Stoffe benutzten, dürstete das Hamburger Publikum nach zeitaktuellen Stoffen und komischen Bestandteilen. Bereits Reinhard Keiser, der mitteldeutsche Vorgänger Telemanns bis     1718 an der Gänsemarkt Oper wusste das geschickt zu bedienen.

Telemann Festival Hamburg / Miriways - Ensemble © Guido Müller

Telemann Festival Hamburg / Miriways – Ensemble © Guido Müller

So macht Miriways ein damals relativ aktuelles Geschehen zum Thema. Telemanns Librettist Johann Samuel Müller baute nach einem kleinen Zeitungsbericht über den afghanischen Stammesführer Mir Wais einen Opernplot von dynastischen Verwirrungen und Herzschmerz. Politischer Ausgangspunkt ist die Eroberung Persiens, die in der historischen Wirklichkeit allerdings seinem Sohn Mir Mahmud gelang. Darum baut sich ein abwechslungsreiches exotisch angehauchtes und entsprechend buntes Kaleidoskop aus Intrigen und Verwechslungen, Staatsräson und moralisierenden Ermahnungen, Liebesbeziehungen und einem Familien-Happy-End auf. Die wahre Liebe siegt am Ende mit viel Witz, Humor und Ironie schon im Geiste der Empfindsamkeit einer neuen Zeit gegen die Liebe aus Pflicht in der Ständegesellschaft des Ancien Regime.

In bester Laune bot uns die Akademie für Alte Musik unter ihrem Dirigenten Bernard Labadie mit den neun Solisten ein Feuerwerk an instrumentalen Finessen, exotischen Harmonien und sensationeller Spiellaune, die alle gegenseitig anfeuerte. Fast alle Instrumentalisten, darunter so bedeutende Solisten wie die Oboistin Xenia Löffler und der Flötist Bernhard Huntgeburth haben prominente solistische Aufgaben, in denen sie sich virtuos mit den Sängern messen.

Daher ist es besonders bedauerlich, dass die Mitglieder von AKAMUS nicht namentlich im Programm aufgeführt werden. Besondere  Herausforderungen haben beispielsweise die schon in der Ouvertüre  stark geforderten zwei Hornisten auf ihren Naturhörnern bravourös zu  meistern. Außerdem finden sich noch je zwei Fagotte und Oboen und         eine Flöte neben den Streichern im Orchester, das von dem vorzüglichen Konzertmeister Bernhard Forck angeführt wird, der auch das Händel Festspielorchester in Halle (Saale) leitet,

Hamburg Laieszhalle / Telemann Festival - Bernard Labadie © Daniel Dittus

Hamburg Laieszhalle / Telemann Festival – Bernard Labadie © Daniel Dittus

AKAMUS zeichnet einen satten, warmen, aber nie dickflüssig-ruppigen  sondern eher durchgängig eleganten und stets präzisen Ton aus. Schwungvolle Opulenz und dynamische Detailfreude, flinke und immer die emotional richtigen Tempi, die für Telemann typische Lautmalerei und melodischer Witz ebenso wie affektgeladene tiefe Gefühle vermittelt das Orchester in historischer Aufführungspraxis auf ideale und  mustergültige Weise. Dazu geben dem Spitzenensemble zudem zusätzlich Gelegenheit einige Zwischenmusiken und festliche Märsche, von denen einer stark an den späteren Trauermarsch aus Georg Friedrich Händels Oratorium Saul  erinnert

Der kanadische Dirigent Bernard Labadie hatte sichtlich mit AKAMUS  und mit seinen Gesangssolisten großen Spaß an der Umsetzung. Das reicht dann bis ins abwechslungsreiche Schlagwerk, in dem auch schon mal Kastagnetten oder eine leer getrunkene Weinflasche bei einer der für Telemann mit Augenzwinkern typischen Trunkenheitsarien gegen geizige Narren zum Einsatz kommen – Ähnlichkeiten mit Hamburger Pfeffersäcken wären rein zufällig – hier köstlich im Spiel und Gesang           Dominik Köninger in der kleinen Rolle des Scandor. Neben ihm verlieh Paul McNamara dem Gesandten schöne tenorale Würde. Das Continuo begleitete durchgängig äußerst vielfarbig, spritzig und abwechslungsreich.

Maßstabsetzend waren aber nicht nur das Spitzenensemble sondern durchgängig auf allerhöchstem Niveau auch die fast ausnahmslos Telemann erprobten Gesangssolisten. Eine besondere Freude war zu beobachten wie die Kollegen, die gerade nicht im Einsatz waren, an der Seite mit ihren singenden und äußerst ausdrucksstark spielenden           Kollegen mitfieberten, im Geiste sangen und sich im Gelingen freuten.

Nach der festlichen dreiteiligen Ouvertüre im französischen Stil mitvirtuos konzertierenden Naturhörnern hat die ihren edlen Mezzosopran samtig verströmende Marie-Claude Chappius als zurück gelassene fürstliche Gattin Samischa des Heerführers Miriways ihren berührenden großen ersten Auftritt mit einer Schlafarie, die auch als Parodie auf diesen in italienischen Dramma in Musica meist zum Aktschluss üblichen                    Arientypus verstanden werden kann. So verfährt Telemann höchstvirtuos mit den Traditionen der europäischen Oper. Der Französin gelingt wie allen ihren Kollegen eine bewunderswürdige  Deutlichkeit des deutschen Textes, elegante lebendige Artikukation der  Rezitative und vorbildlicher vokaler Diktion. Damit machen sie die Übertitel fast überflüssig. Ebenso gelingen ihr aber auch die schon rokokohaften Neckereien in anderen Arien. Perlmuttgleich schillert ihre  Stimme, duftige Nachtigallentriller entströmen ihrer auch schon mal tief melancholisch angehauchten Stimme.

Ihr Ehemann Miriways wird in atemberaubender stimmlicher und spielerischer Präsenz und Sicherheit vom kurzfristigen Einspringer André Morsch von der Staatsoper Stuttgart dargestellt. Sein Talent für die von Telemann geforderte Stimm- und Darstellungskunst scheint unerschöpflich. Der trotz seiner jungen Jahre bereits besonders als Hugo Wolf und  Franz Schubert Liedsänger anerkannte Bariton zeigt nicht nur eine am  Lied geschulte perfekte Stimmtechnik sondern verströmt in allen Lagen  mit seiner kernigen Balsamstimme eine exemplarische Legatokultur. In  seiner großen Arie “Laß mein Sohn dir raten, nimm die Vernunft zum Führer an!”, einem Höhepunkt der Kompositionskunst des großen Aufklärers Telemann begleitet ihn Xenia Löffler auf der Oboe und beide  verschmelzen zu einer zutiefst berührenden Wirkung. André Morsch trifft sowohl stilsicher wie komödiantisch den galant-staatsmännischen Ton ebenso wie das heiß Aufbrausende des Vaters oder die metallisch glänzende Wut des Herrschers. Seine Verzierungstechnik ist höchst stilsicher und in perfekter gesanglicher Diktion. Er singt stets offen, äußerst deutlich artikulierend und bewunderungswürdig koloratursicher.

Hamburg Laieszhalle / Telemann Festival_ Ensemble © Daniel Dittus

Hamburg Laieszhalle / Telemann Festival_ Ensemble © Daniel Dittus

Seine verlorene geglaubte Tochter Bemira  singt Sophie Kartäuser zärtlich elegant und mit Feinheit und leidenschaftlicher Hingabe. Ihr restlos und schmerzlich verfallen ist der von Robin Johannsen mit der   ihr eigenen stimmlichen Perfektion gesungene Sophi. Verzweifelt als sich chancenlos glaubender Geliebter zieht sie alle Register ihrer                 kristallklaren und perfekt atmenden Stimmkunst gerade in den atemberaubend schwierigen Arien und läuft dann richtig zu Höchstform  auf.

Neben dem hohen aristokratischen Paar darf in der deutschen Barockoper immer ein halb ernstes, halb lustiges Paar nicht fehlen wie die Diener entsprechend der Dreistände-gesellschaft. Dies sind die persische Nisibis der Koloratursopranistin Lydia Teuscher und der Murzah des Baritons Michael Nagy. Wie kostbarste Perlen klingen Lydia Teuschers Koloraturen, höchst virtuos, in fein dynamischer Abstufung und zugleich mit sanften Krallen wie ein Kammerkätzchen. Um sie buhlt Michael Nagy mit allen stimmlichen Schönheiten und Ausdrucksmitteln seines stets tief berührenden, warmen und hellen kräftigen Baritons. Auch die Parodie auf die große italienische Virtuosenarie mit “Dieser Strahl soll”  gelingt ihm perfekt differenziert und mit leuchtendem koloratursicheren Heldenbariton.

Sein von der Mezzosopranistin Anett Fritsch mit herzerfrischendem Spielwitz und größter Präsenz dargestellter persischer Nebenbuhler Zemir hat einige der ausdrucksstärksten Arien der Oper. Anett  Fritsch vermag jede ihrer ausdrucksstarken Arien zu einem smaragdig dunkel  und kräftig leuchtenden Schmuckstück zu gestalten.

Das Spitzenensemble erhält nach über drei Stunden verdienten  anhaltenden Riesenbeifall und zahlreiche Bravorufe des begeisterten Publikums. Wir hoffen auf mehr Telemann-Oper und Opern vom  Gänsemarkt in Hamburg und eine Neuauflage des Telemann-Festivals!

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Hamburg, Laeiszhalle, The Dubliners – Irish Folk im Original, IOCO Kritik, 04.11.2017

Elbphilharmonie Hamburg

Laeiszhalle in Hamburg © IOCO

Laeiszhalle in Hamburg © IOCO

THE  DUBLIN  LEGENDS

Irish Folk pur – Black Velvet Band, Liverpool Loo, Molly Malone

Von Rolf Brunckhorst

The Dubliners waren seit ihrer Gründung in 1962 eine der populärsten Bands des Irish Folk. 2012 starb Barney McKenna, das letzte der vier Gründungsmitglieder. John Sheahan erklärte kurz darauf, dass sich die Dubliners auflösen. So hätte die Geschichte enden können, doch wie das mit Legenden so ist: Sie werden nicht vergessen, sie lösen sich nicht auf, sie gehen nicht verloren. Im Fall der Dubliners benennen sie sich um: The Dublin Legends nennt sich die Band seit 2013 und beginnt die Welt des Irish Folk unter neuem Namen erneut zu erobern. Am 31. Oktober 2017 im Kleinen Saal der  Laeiszhalle.

The Dublin Legends in Hamburg © Rob Jacquet

The Dublin Legends in Hamburg © Rob Jacquet

In den Geschäften tauchen die ersten Weihnachtsartikel auf, draußen wird es stürmisch und ungemütlich, kurzum, es ist November und damit Zeit für das alljährliche Konzert der Dublin Legends (früher The Dubliners). Als am 31.10. um Punkt 20:00 Uhr der fast vollbesetzte Saal gut gelaunt seine Helden begrüßte, gab es sofort eine Ernüchterung; zwar standen Sean Cannon, Gerry O’Connor und Paul Watchorn auf der Bühne, aber Eamonn Campbell fehlte und war offenkundig durch einen jüngeren Musikanten ersetzt worden.

Ohne jeden Kommentar begann die Gruppe ihr gewohntes Repertoire zu spielen, als fünftes Stück dann das berühmte Black Velvet Band, nicht nur das Lieblingsstück des Rezensenten. Dabei merkte man, daß der neue Dubliner noch arge Textschwierigkeiten hatte, und daß die Gruppe stillschweigend eine Strophe länger spielte, damit der junge Mann noch einmal den vergessenen Text nachliefern konnte. Dann war es Zeit für die befürchtete Ansage: Shean verkündete die Nachricht vom Tode Eamonn Campbells am 18. Oktober und stellte mit nuschelndem Akzent den vorläufigen Nachfolger vor, dessen Name nicht nur dem Rezensenten ein Rätsel blieb. Zu Eamonns Ehren gab es ein Lieblingsstück, Seven drunken Nights, danach konnten die Legends wieder Fahrt aufnehmen.

Es folgte eines der besten Konzerte, das die Dublin Legends in Hamburg abgeliefert hatten, ein aufgefrischtes Repertoire mit Klassikern wie Liverpool Loo, Dirty Old Town und The Leaving of Liverpool animierten das Publikum dazu mitzuschaukeln, mitzuklatschen und mitzusingen. Am Schluß dann endgültig Jubel-Trubel-Heiterkeit, als während des ausgiebigen Zugabenteils die Fans ihren Lieblingen nochmals auf den Pelz rückten und nun erst richtig loslegten, denn es gab zum Mitklopfen Whiskey in the Jar und zum Mitträumen die Geschichte von Molly Malone. Fazit: Der nach wie vor unbekannte Mitspieler hatte seine Sache wirklich gut gemacht, sowohl in der Begleitung als auch in seinen Soli mit seiner „Reibeisen“-Stimme. Die anderen hielten wie gewohnt ihr hohes musikalisches Niveau, so daß man hoffen kann, daß diese Besetzung wieder ein paar Jahre hält. Fast alle Konzertbesucher dürften im Herbst 2018 wieder ihren Irischen Lieblingen huldigen – same procedure as every year.

Hamburg, Laeiszhalle, Symphoniker Hamburg – Englische Kunst, IOCO Kritik, 1.02.2017

Februar 2, 2017  
Veröffentlicht unter Konzert, Kritiken, Laeiszhalle Hamburg

Laieszhalle Hamburg / Symphoniker Hamburg - Sir Jeffrey Tate © Maxim Schulz

Laieszhalle Hamburg / Symphoniker Hamburg – Sir Jeffrey Tate © Maxim Schulz

 Symphoniker Hamburg – Sir Jeffrey Tate – Jennifer Johnston

Englische Kunst  –  Schönster Eskapismus

Von Sebastian Koik

Wie zuletzt bei den Wiener Philharmonikern in der Elbphilharmonie steht am 29.1.2017 bei den Symphonikern Hamburg Musik aus dem 20. Jahrhundert auf dem Programm. Doch ganz anders als dort geht es nicht um düstere Themen, Schmerz, menschliche Gewalt und Katastrophen, sondern um fast gänzlich unbeschwerte Reisen ins Weltall, ans Meer und nach London. Auch klingen die Stücke aus der Frühmoderne zum Großteil eher wie aus der Spätromantik und sind sehr zugängliche Musik, die unkompliziert das Herz erobert.

Bis auf das Hamburger Orchester sind alle Protagonisten des Konzertes Engländer: Der Dirigent Sir Jeffrey Tate, die Komponisten Constant Lambert, Edgar Elgar, Ralph Vaughan Williams und die Mezzosopranistin Jennifer Johnston.

Das erste Stück, Constant Lamberts Suite zum Ballett Horoscope, legt mit jazzig-swingenden Klängen los und ist dem Sternzeichen Löwe sowie dem jungen Leo gewidmet. Von Beginn an wird der Zuhörer auf eine Reise mitgenommen, raus aus der Alltagszeit hinein in die Gegenwart der Musik. Und welch‘ schöne Musik!

Der zweite Satz deutlich langsamer und in ganz anderer Stimmung. Extrem zärtlich, sanft, feminin. Es wird sofort klar, dass dieses Stück neben dem Sternzeichen Jungfrau die weibliche Protagonistin Virgo vorstellt. Es sind unglaublich friedliche Klänge. Entspannung. Stress wird aufgelöst. Urlaub für Seele und Geist.

Genauso wie der dritte, ein herrlich tanzender Satz, in dem Leo und Virgo zusammenfinden. Dieser Walzer ist von wunderbarer Fröhlichkeit, Leichtigkeit und faszinierender Unbeschwertheit. Es herrscht die Schwerelosigkeit des Weltalls. Ein herrlich beschwingter und schwelgender Traum. Man fühlt sich befreit. Und anders als im ersten Satz, wo ich mir streckenweise wünschte, dass das Orchester mit ein klein wenig mehr Zug, eine Spur knackiger spielte, werden der zweite und dritte Satz perfekt von Dirigent und Orchester umgesetzt. Das macht Spaß!

Laieszhalle Hamburg / Jeffrey Tate © J. Konrad Schmidt

Laieszhalle Hamburg / Jeffrey Tate © J. Konrad Schmidt

Der zweite der drei englischen Komponisten des Abends ist Edward Elgar mit seinem Liederzyklus „Sea Pictures“. Der Zyklus beginnt ebenso traumhaft schön, wie das letzte Stück endete. Und das Orchester spielt es ganz wunderbar, mit einem derart weichen Klang, dass man darin versinken möchte. Gesungen werden die fünf Lieder von der englischen Mezzosopranistin Jennifer Johnston. Und wie sie singt! Mit einer Stimme, die zu einem spricht, die einen angeht, einer etwas ätherischen, doch strahlkräftigen Stimme, die sich mit Leichtigkeit gegen den mächtigen Orchesterklang behauptet und darüber schwebt. Johnston begeistert, ohne Schwächen und mit schier endlosem Atem. Die Musik wird von ihr und dem Orchester extrem packend gesungen und gespielt. Die Sea Pictures sind wunderschöne Musik und sind unter anderem wegen der umwerfenden Jennifer Johnston das Highlight des Abends. Im ersten Lied wird der Ozean noch sanft, mit gemächlich wogenden Wellen gemalt: „Die Welt ruht ohne Pein, sanft klingt des Meeres Schlummersang.“ „Wiege dich, mein Kind, dass Ruh‘ Dein Herz gewinnt!“ und beschreibt damit auch die Wirkung, die die Musik auf die Herzen des Publikums hat. „Wie zarter Geige Klang beschwichtigt Seegesang, er lullet ein, was bös‘ und bang in Deine Seele drang“.

Das zweite Lied singt von der ewigen Liebe: „Liebe nur hält Stand.“ Im dritten Lied geht es um göttliche Liebe: „Mich tröstet Gottes Geist.“ Es wird dramatischer, das Orchester und die starke Stimme reißen mit. Es ist enorm beeindruckend.

Im vierten Lied geht es weiter mit wundervollem Gesang, einerseits schwerelos wirkend, andererseits mit wahnsinnig viel Gefühl. Die vermeintlich sichere und beständige Liebe gerät in Gefahr. Eine jetzt schmerzerfüllte Schönheit. Der Gesang ist nicht besser vorstellbar. Jennifer Johnston als Idealbesetzung.

Im fünften Lied malt das Orchester das Bild einer stürmischen See. Einsam schwimmt und treibt darin die Solostimme. Der Gesang wird markerschütternd. Johnstons Stimme eine Urgewalt wie das wilde, unzähmbare Meer, das um sie herum tost, ganz fantastisch dargestellt von Dirigent und Orchester. In den letzten Zeilen des letzten Liedes heißt es: „Reiten möcht‘ ich wie kein Mann geritten, rings von euren Wirbeln weich umglitten, bis ich das Land meines Traums erstritten, wo Liebe thronet in sel’gem Raum. Dort, wo Liebe thront in sel’gem Raum.“ Ganz große Leidenschaft. Anders als im ersten Stück, gibt es in der Welt der Sea Pictures nicht nur unbeschwerte Leichtigkeit. Es gibt Gefahren, Wind und Wellen können wild und gewaltig sein, doch sind es nur Naturkräfte und keine Bedrohungen wie Krieg, Unterdrückung und andere von Menschen gemachte Gewalt. Wie der erste Ausflug ins Weltall, so tut auch dieser Trip ans Meer mit der Selbstverständlichkeit der Natur der Seele gut. Die Zeit in diesen friedlichen Welten vergeht wie im Fluge. Beglückt geht das Publikum in die Pause.

Laieszhalle Hamburg © Maxim Schulz

Laieszhalle Hamburg © Maxim Schulz

Als drittes Stück wird Ralph Vaughan Willliams‘ Symphonie Nr. 2 – „A London Symphony“ gespielt. Vom ersten Ton an wird mit großer Spannung und packend eine friedliche Morgenstimmung erzeugt. Mit dem Einsatz der Blechbläser wird es plötzlich wild und laut, das komplexe Gebilde einer Großstadt entsteht. London. Wunderschöne, unglaublich sanfte und zärtliche Streicher erklingen. Im ersten und zweiten Satz wechseln sich langsam-leise mit  schnelleren frivol-spielerischen oder majestätischen Passagen ab.

Der dritte Satz ist dann durchgängig schneller, frivol, keck, beschwingt und extrem gut gelaunt, erst am Ende wieder ruhig und mit wohlig-warmen Tönen. Der vierte Satz beginnt dramatischer und bleibt es über weite Strecken, bis am Ende die Harfe das Glockenthema von Big Ben zupft und die Musik wegdimmt und die musikalische Reise beendet ist.

Bis auf wenige Sekunden, in denen ein Tick mehr Zug, Knackigkeit oder Übersicht vorstellbar sind, wird das Stück extrem klangschön, spannungsreich und stark vom Orchester gespielt. Verdient der lang anhaltende Applaus, der Jubel, die Bravo-Rufe und die stehenden Ovationen. Zurück aus der Gegenwart der Musik in die Realität des Alltags. Von Sebastian Koik

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Köln, Philharmonie Köln, ANNA NETREBKO & YUSIF EYVAZOV, 01.09.2016

 

Kölner Philharmonie / Anna Netrebko und Yusif Eyvazov © Vladimir Shirkov / handwerker promotion e.gmbh

Kölner Philharmonie / Anna Netrebko und Yusif Eyvazov © Vladimir Shirkov / handwerker promotion e.gmbh

Kölner Philharmonie

DEAG in Zusammenarbeit mit  Handwerker Promotion

ANNA NETREBKO & YUSIF EYVAZOV
01.09.2016  20Uhr – Kölner Philharmonie

Anna Netrebko & Yusif Eyvazov für zwei exklusive Konzerte in Deutschland! Die schönsten Arien & Duette der italienischen Oper live erleben – jetzt erste Details zum Programm veröffentlicht!

Superstar Anna Netrebko ist gemeinsam mit Yusif Eyvazov bei zwei exklusiven Konzerten in Köln und Hamburg zu erleben. Die Zuschauer dürfen sich freuen auf die leidenschaftlichsten und romantischsten Auszüge aus Opern des italienischen Verismo, von Komponisten wie Giacomo Puccini, Umberto Giordano oder Francesco Cilea. Sichern Sie sich jetzt noch die letzten Tickets für das einzigartige Klassikerlebnis!

Neben weltbekannten Arien und Duetten aus Puccinis Madama Butterfly, Tosca oder Manon Lescaut, stehen auserlesene Szenen aus Cileas Adriana Lecouvreur und Giordanos Andrea Chenier auf dem Programm. Dabei werden Anna Netrebko und Yusif Eyvazov von dem Czech National Symphony Orchestra, unter der Leitung des italienischen Dirigenten Jader Bignamini begleitet. Bignamini dirigierte bereits auf der ersten großen Asien-Konzerttour von Anna Netrebko und Yusif Eyvazov im März dieses Jahres. Seit seiner Gründung 1993 erspielte sich das Czech National Symphony Orchestra mit seiner Vielseitigkeit einen weltbekannten Ruf und zählt zweifelsohne zu den herausragenden Orchestern Europas.

Eine Ausnahmekünstlerin wie Anna Netrebko erscheint im Musikkosmos „once in a lifetime“, wie die New York Times schreibt. Seit ihrem sensationellen Debüt bei den Salzburger Festspielen 2002 schritt der Siegeszug von Anna Netrebko unaufhörlich fort und spätestens seit ihrer Wahl zu den 100 einflussreichsten Menschen weltweit durch das TIME Magazine 2007 ist sie auch außerhalb der Klassikwelt eine der bekanntesten Persönlichkeiten der Welt. Ihr Duettpartner bei diesen exklusiven Konzerten ist Yusif Eyvazov, einer der führenden Tenöre seines Fachs. Eyvazov wird an allen großen Opernhäusern wie der Mailänder Scala, der Wiener Staatsoper, dem Bolschoi Theater, der Opera National de Paris, der Staatsoper Berlin und der Metropolitan Opera New York gefeiert. Die beiden Künstler gemeinsam auf einer Bühne zu erleben, verspricht ein unvergessliches Konzerterlebnis zu werden. Jetzt die letzten Tickets sichern!

KONZERTTERMINE 2016:  28.08.2016    Hamburg, Laeiszhalle
01.09.2016          Kölner Philharmonie

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Pressemeldung Handwerker Promotion

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