Hamburg, Laeiszhalle, Brenda Roberts – Liederabend, IOCO Kritik, 16.01.2019

Januar 16, 2019  
Veröffentlicht unter Konzert, Laeiszhalle Hamburg, Personalie

Hamburg Laeiszhalle / Telemann Festspiele © IOCO

Hamburg Laeiszhalle / Telemann Festival © IOCO

Laeiszhalle Hamburg

BRENDA ROBERTS –  Liederabend

Francis Poulenc, Richard Wagner,  Richard Strauss

Von Rolf Brunckhorst

Um Brenda Roberts noch einmal zu hören, hatten ihre Fans keine Mühe gescheut, um am Abend des 11. Januar 2019 in der Kleinen Laeiszhalle in Hamburg zu erscheinen. Das Programm des Abends war geschickt zusammengestellt worden, zuerst die Hallenarie der Elisabeth aus Richard Wagners Tannhäuser, dann Wagners Wesendonck-Lieder, dann neun Lieder von Francis Poulenc, und schließlich Isoldes Liebestod aus Wagners Tristan und Isolde. Schon bei der emphatischen Hallenarie war sie wieder da, die unverwechselbare Stimme der Brenda Roberts, immer noch ungewöhnlich hell im Klang für einen hochdramatischen Sopran, dabei aber von einzigartiger Durchschlagskraft. Die Wesendonck-Lieder (teilweise eine musikalische Vorübung für den Tristan) gerieten am schönsten, wenn die Stimme im Mezzaforte leicht vor sich hinfließen konnte.

Laeiszhalle Hamburg  / Brenda Roberts - Liederabend © Patrik Klein

Laeiszhalle Hamburg / Brenda Roberts – Liederabend © Patrik Klein

Die Poulenc- Lieder stellten für einige Konzertbesucher eine Neuheit dar, paßten sich aber Brenda Roberts‘ Stimme trefflich an. Nach den Vorübungen in den Wesendonck-Liedern komplettierte zum Schuß Isoldes Liebestod, ruhig und verinnerlicht von der Sopranistin vorgetragen, die Anteile des Wagner-Programms. Einen großen Beitrag zum Gelingen dieses Abend leistete ihr Pianist Christian Schmitt-Engelstadt, der seine Sopranistin sorgfältigst beobachtete und bei sich anbahnenden Korrekturen sich als reaktionsschneller, flexibler und einfühlsamer Partner erwies. Fast scheint die Sängerin Glauben zu machen, daß die Marschallin in Richard Strauss‘ Der Rosenkavalier von einem kleinen Teil ihrer Philosophie abrücken muß, denn dieses „sonderbare Ding, die Zeit“, ist mit Brenda Roberts‘ Aussehen und Stimme doch sehr schonend und zurückhaltend umgegangen. Viele Fans fühlten sich daher in die Zeit zurück versetzt, als Brenda Roberts ihre weltweiten Triumphe, an der Hamburger Staatsoper, der New Yorker MET, der Wiener Staatsoper (unvergessen der Kommentar eines Wiener Philharmonikers: „Wenn Sie bei uns singen, können wir ordentlich laut spielen, Sie übertreffen jedes Orchester“), der Pariser Oper, dem Maggio Musicale Florenz, der Berliner Oper u.a. gefeiert hatte. So war es für alle Beteiligten der eingangs zitierte beglückende Abend, den Brenda Roberts und ihre Fans noch bei einem fröhlichen Beisammensein in einem gemütlichen Restaurant  ausklingen ließen.

Laeiszhalle Hamburg  / Brenda Roberts - Liederabend mit Pianist Christian Schmitt-Engelstadt, © Patrik Klein

Laeiszhalle Hamburg / Brenda Roberts – Liederabend mit Pianist Christian Schmitt-Engelstadt, © Patrik Klein

Wer mehr von Brenda Roberts erfahren oder hören möchte, sei auf die ersten drei Teile der bei IOCO erschienenen Brenda-Roberts-Discographie verwiesen, deren vierter und fünfter Teil bereits in Arbeit sind. Im vierten Teil wird es vor allem um Puccini-Aufnahmen gehen, während im fünften Teil ihre Medea-Gesamtaufnahme, ihre Ariadne und ihre Lady Billows im Mittelpunkt stehen werden.

 —| IOCO Kritik Laeiszhalle Hamburg |—

Hamburg, Laeiszhalle, The DUBLIN LEGENDS – Irish Folk, IOCO Kritik, 07.12.2019

Dezember 7, 2018  
Veröffentlicht unter Hervorheben, Konzert, Kritiken, Laeiszhalle Hamburg

 Hamburg Laeiszhalle © IOCO

Hamburg Laeiszhalle © IOCO

Laeiszhalle Hamburg

The DUBLIN LEGENDS – Concert

– Traditional Irish Folk Music – At its best –

Von Rolf Brunckhorst

Zuverlässig wie das erste Advents-Wochenende ist es auch Zeit für das alljährliche Konzert der Dublin Legends, von großer Fangemeinde in der ausverkauften Laeiszhalle wie jedes Jahr ungeduldig erwartet. Die Gruppe ist hervorgegangen aus der Stammformation The Dubliners, die 1962 im O’Donoghue’s Pub in Dublin (Foto) gegründet wurde.

O'Donoghue's Pub in Dublin - Geburtsstätte der Dublin Legends © Philipp Döhring

O’Donoghue’s Pub in Dublin – Geburtsstätte der Dublin Legends © Philipp Döhring

Nach einigen brillanten Single-Hits wie „Seven drunken Nights“ und „Black Velvet Band“ wurde die Gruppe auch über die Grenzen Irlands hinaus populär. Von ungefähr 1967 bis 1974 mussten die Dubliners auch als einflussreichste irische Folk-Group, wenn nicht sogar international als führende Gruppe der Folk-Musikszene gelten. Dann begannen die Wechsel in der Besetzung. Einige Bandmitglieder strebten Solokarrieren an (z.B. Luke Kelly), andere wurden durch ernsthafte Erkrankungen an der Weiterarbeit mit der Gruppe gehindert (z.B. Ronnie Dew). Nach dem Tode des letzten Gründungsmitgliedes Barney McKenna 2012 gab John Sheahan die Auflösung der Gruppe The Dubliners bekannt. Der 1983 zur Gruppe gestoßene Sean Cannon sammelte drei weitere Musiker um sich, die nun unter dem Namen The Dublin Legends die Tradition der alten Dubliners fortführen. Nach dem Tode von Eamonn Campbell (der seit 1988 Bandmitglied war) besteht die Gruppe heute aus Sean Cannon, Gerry O’Connor, Patsy Watchorn und Chris Kavanagh.

Das von IOCO Kultur im Netz erbetene Interview mit The Dublin Legends fand vor Konzertbeginn in der Kleinen Laeiszhalle mit Sean Cannon statt. Als Türöffner gratulierte das IOCO-Team Sean Cannon (er hatte an diesem Tag Geburtstag) mit dem   Klassiker der Geburtstagsständchen, „Happy birthday to you,…“

Interview IOCO mit The Dublin Legends - hier : IOCO Korrespondent Rolf Brunckhorst und Sean Cannon © Patrik Klein

Interview IOCO mit The Dublin Legends – hier : IOCO Korrespondent Rolf Brunckhorst und Sean Cannon © Patrik Klein

Das Gespräch IOCO mit Sean Cannon:

IOCO: Direkt vor einem Konzert drängt sich die Frage auf, wie bei einem Repertoire von mehreren hundert Liedern eine Auswahl für die Setlist getroffen wird.

Sean Cannon (SC): Das ist ganz einfach, wir treffen uns, und jeder sagt, was er gern spielen möchte. Das stellen wir dann zusammen, und letztendlich werden wir uns immer einig.

IOCO: Wenn ich in ein Konzert der Dublin Legends gehe, dann habe ich ca. 60 bis 70 Titel im Kopf, die ich gern hören würde. Darunter natürlich die frühen Klassiker. Gibt es Songs aus Eurem Repertoire, die Du zeitweilig nicht mehr hören und singen magst?“

SC: Nein, überhaupt nicht! Ich mag alle unsere Songs. Es ist inzwischen nur so, dass wir keine großen Monitore mit der Setlist mehr auf der Bühne haben. Dafür hat jetzt jeder einen Knopf im Ohr, der ihm mitteilt, welches der nächste Song ist. Daneben erfüllen wir aber auch persönliche Wünsche aus dem Publikum. Unsere Setlist ist vom Prinzip her jeden Abend dieselbe, kann sich aber auch plötzlich verändern.

IOCO: Was für Musik hörst Du in Deiner Freizeit und bei welcher Musik entspannst Du Dich am besten?

SC: Ich mag gern auch klassische Musik. Heutzutage kann sich jeder auf youtube selber darstellen, und ich hätte damals gern auch klassische Gesangsstunden genommen; wer weiß, was dann daraus geworden wäre. Ich gehe manchmal auch in die Oper, ich war in London an Covent Garden, ich war hier in Hamburg in der Oper und habe Benjamin Bittens Peter Grimes gesehen, ich war in Dresden in der Semper Oper, da gab es „La Boheme“, das war sehr emotional für mich und ich hoffe, dass niemand meine Tränen bemerkt hat. Ich höre zuhause gern Platten von Caruso. Mir gefällt die Oper Martha so gut, weil sie ein irisches Volkslied enthält, nämlich „Last Rose of Summer“ (Letzte Rose), und dann gibt es auch noch die schöne Tenor-Arie, „M’appari“ (Ach so fromm), die Caruso besonders schön singt (hier singt Sean die ersten Zeilen dieser Arie).

IOCO: Du bist jetzt ca. 30 Jahre unentwegt auf Tour. Hast Du noch Lust auf die ganze Herumreiserei?

SC: Ja, es macht mir immer noch Spaß, obwohl es manchmal sehr anstrengend ist. Wir hatten z.B. ein Engagement in Rom bei einem Celtic Festival, und da ich jetzt in England lebe, musste ich einen Flug von Birmingham nehmen, während meine Bandkollegen von Dublin nach Rom flogen. Von Birmingham gab es keinen Direktflug nach Rom und ich musste über Barcelona fliegen. Mein Flug hatte Verspätung und ich verpasste den Anschlussflug von Barcelona nach Rom. Ich musste die Nacht im Flughafen verbringen, schlief auf dem Boden, musste noch extra 100,– € für meine Umbuchung bezahlen, landete endlich um 6:30 Uhr todmüde in Rom und der Soundcheck fand ohne mich statt. Immerhin hatte ich noch eine Stadtrundfahrt mitmachen können. So etwas ist ärgerlich und anstrengend, aber es passiert eben.

IOCO: Solange ich mich erinnern kann, habt ihr Eure Konzerte in Hamburg immer im November oder Dezember gegeben. Kennt ihr Hamburg eigentlich im Sommer?

SC: Nein, die Weihnachtszeit ist hier sehr schön mit den ganzen Weihnachtsmärkten und dem Glühwein, dem „Kinderpunsch“. Aber ich trinke seit dem letzten Silvester keinen Alkohol mehr. Wir hatten Auftritte in Coventry und ich wollte mit dem Auto zurück nach Hause fahren; da hatte ich mir vorgenommen, ein Jahr lang keinen Alkohol mehr zu trinken, 11 Monate sind jetzt schon herum. Während der Sommermonate treten wir häufig bei Festivals auf, z.B. wie geschildert bei Celtic Festival in Rom oder einem ähnlichen Festival in Frankreich. In Liverpool gibt es ein großes Open-Air-Festival direkt am Fluß Mersey, an dem wir im letzten Sommer teilnahmen.

IOCO: Als John Sheahan im Jahre 2012 das Ende der Dubliners verkündet hatte, durftet ihr nicht diesen Namen behalten?

SC: Ich kenne die ganze Geschichte nicht genau, aber unser jetziger Name Dublin Legends ist jetzt registriert.

IOCO: Gibt es andere Gruppen, die unter dem Namen spielen?

SC: Es gibt eine Gruppe mit dem Namen The Young Dubliners, aber deren Musik ist zum Teil schon elektronisch.

IOCO: Ich zeige Sean ein Photo von einem Pub in Dublin.

SC: Ja, diesen Pub kenne ich gut, es ist das O’Donoghue’s, wo ich damals viel Zeit verbracht habe, und wo 1963 die Original-Dubliners gegründet wurden. Es ist eine große Touristenattraktion. Viele andere Pubs in Dublin haben inzwischen renoviert und die ganze typische Atmosphäre ist verloren gegangen. Aber das O’Donoghue’s ist unverändert geblieben, sogar die „sub-standard toilets“ sind noch wie damals.“

SC gab dann einige Reisetips: Empfiehlt in Dublin das Guinness Store House, die Old Brewery, wo man nach der Führung herrliches Bier genießen kann. Auch das Writer’s Museum, die Botanischen Gärten und den Zoo   An dieser Stelle wurde unser Interview  von der freundlichen Mitarbeiterin abgebrochen; der Konzertbeginn stand unmittelbar bevor.

Sean Cannon von The Dublin Legends © Patrik Klein

Sean Cannon von The Dublin Legends © Patrik Klein

Konzerte der Dublin Legends laufen immer (zumindest in den Augen der Fans) nach   festem Ritual ab: Es gibt zu Beginn ein schnelles Instrumental, den die ersten Fans   schon mit Klatschen begleiten. Etwas ruhiger wird es bei den nächsten zwei Songs, dann folgt das erste Highlight mit „Black Velvet Band“, unnachahmlich von Sean Connor vorgetragen. Die Aufforderung, den Refrain mitzusingen, war unnötig. Denn die Fans summten und brummten den Refrain seit Jahren ab der ersten Note mit und  konnten ihre Textsicherheit beweisen.

Als danach die „Seven drunken Nights“ folgten geriet der Saal schon ins Wanken; die Fans schunkeln begeistert mit. So folgte Song auf Song, frenetisch bejubelt und beklatscht. Völlig egal, welchen Song die Dublin Legends nun anstimmen, jeder Fan fand für drei Minuten seinen „Lieblingssong“. Beim Schreiber dieser Zeilen sind dies zu Beginn die Songs „Leaving of Liverpool“ und „The rocky Road to Dublin“, dann war schon Pause.

 The Dublin Legends in der Laeiszhalle 2018 © Patrik Klein

The Dublin Legends in der Laeiszhalle 2018 © Patrik Klein

Aber Sean Cannon verspricht: „Wir kommen ja gleich wieder“. Und sie kommen wieder, und der erste Song nach der Pause ist „Fields of Athenry“. Da steigt das Wohlempfinden des Dubliner-Fans ins Unermessliche. Viel zu kurz darauf ertönt als warnendes Vorzeichen „Liverpool Lou“, dann verkündet Sean auch schon den Beginn des Zugabenteils. Nun weiß jeder im Saal, was passieren wird: Die freien Stehplätze in den Gängen werden von den Fans belagert, viele klettern ganz einfach auf die Stühle: Feder Fan sucht sich seinen eigenen Weg, gute Laune auszudrücken. Manche singen Songs von A bis Z mit, und das jeweilig tonangebende Bandmitglied muss nur noch den Einsatz geben. In den Gängen wird derweil getanzt und gewunken; in den mittleren Reihen wird geschunkelt: Es herrscht eine Volksfeststimmung. Dann kam was kommen musste: „Dirty old Town“, „Whiskey in the Jar“, „The Irish Rover“, und unabdingbar an letzter Stelle ertönt die kurze Ballade von „Molly Malone“, von den Fans gleich einem Kirchenlied andachtsvoll vorgetragen.

Das Konzert der Dublin Legends endet mit dem seit Jahren gelebten Versprechen auf ein Wiedersehen im nächsten Jahr: Der Kartenvorverkauf läuft bereits.

 Dubling Legends in Hamburg – We look forward to November 2019

—| IOCO Kritik Laeiszhalle Hamburg |—

Hamburg, Philharmonisches Staatsorchester Hamburg, Rathausmarkt Open Air / Philharmonische Akademie 2018

 Elbphilharmonie Hamburg / Prominente Spielstätte _ Philharmonisches Staatsorchester Hamburg © Ralph Lehmann

Elbphilharmonie Hamburg / Prominente Spielstätte – Philharmonisches Staatsorchester Hamburg © Ralph Lehmann

Staatsorchester Hamburg

Open Air – Im Rathaus und der Laeiszhalle:

Kent Nagano präsentiert die Philharmonische Akademie

Sechs Konzerte am 25.-27. August 2018 und 8. April 2019

Kent Nagano eröffnet die Philharmonische Konzertsaison 2018/19 mit einer Philharmonischen Akademie im Herzen Hamburgs: Am Samstag, 25. August 2018 um 20 Uhr, dirigiert Hamburgs Generalmusikdirektor sein erstes Open-Air-Konzert auf dem Rathausmarkt. „Dieses Konzert soll ein musikalisches Geschenk an die Menschen in unserer Stadt werden“, sagt Kent Nagano, „wir laden alle ein, gemeinsam mit uns den Rathausmarkt in einen Konzertsaal zu verwandeln.“ Der Eintritt zu diesem Konzert ist deshalb frei. Auf dem Programm stehen Werke wie die Ungarischen Tänze von Brahms und RachmaninowsRhapsodie über ein Thema von Paganini“. Als Solist ist der russische Pianist Nikolai Luganski zu erleben. Mit Auszügen aus den Musicals West Side Story und Candide würdigt Nagano seinen Mentor Leonard Bernstein, der an diesem Tag seinen 100. Geburtstag gefeiert hätte.

Am folgenden Tag geht es im Großen Festsaal des Hamburger Rathauses weiter: Thematischer Mittelpunkt der vier Akademiekonzerte am 26. und 27. August 2018 ist Wien. Ausgehend von Werken Mozarts spannt sich der musikalische Bogen über Schönberg und die Neue Wiener Schule bis hin zu zeitgenössischer Musik von Friedrich Cerha, und sogar ein Abstecher ins Milieu der legendären urwienerischen „Schrammelmusik“ steht auf dem Programm. Neben Musikern des Philharmonischen Staatsorchesters sind Solisten wie Salome Kammer, Sharon Kam oder Dominique Horwitz sowie das Klangforum Wien zu erleben.
Am 8. April 2019 widmen sich Kent Nagano und eine Philharmonische Kammermusikformation im Kleinen Saal der Laeiszhalle noch einmal Symphonien und Solokonzerten Mozarts.

Karten für die vier Akademiekonzerte im Großen Festsaal des Rathauses sind zu einem Benefizpreis von 10 € erhältlich beim Kartenservice der Hamburgischen Staatsoper, unter 040 35 68 68 oder online unter www.staatsorchester-hamburg.de. Der Erlös aus diesen Konzerten kommt der professionellen Nachwuchsförderung junger Orchestermusiker im Philharmonischen Staatsorchester zugute. Karten für das Konzert in der Laeiszhalle kosten 12-35 €.

Hintergrund Kent Nagano hat die „Philharmonische Akademie“ zu Beginn seiner Amtszeit als Hamburgischer Generalmusikdirektor und Chefdirigent des Philharmonischen Staatsorchesters im Jahr 2015 begründet. Seitdem bilden diese Konzerte den Auftakt zur jeweils neuen Opern- und Konzertsaison. Nagano und seine Philharmoniker verstehen darunter ein „offenes“ Projekt, ebenso experimentell ausgerichtet wie immer auch bedeutenden Komponisten, wichtigen Themen und musikalisch-inhaltlichen Erkundungen gewidmet.
Rathausmarkt Open Air mit Kent Nagano

Samstag, 25. August 2018, Rathausmarkt, 20 Uhr
Gioachino Rossini: Ouvertüre zu „Guillaume Tell”
Sergei Rachmaninow: Rhapsodie über ein Thema von Paganini
Johannes Brahms: Ungarische Tänze 5 & 6
Leonard Bernstein: Ouvertüre zu „Candide“
Leonard Bernstein: „Balcony Scene” („Tonight”) & „I Feel Pretty” aus „West Side Story”
Maurice Ravel: Boléro
Kent Nagano, Dirigent
Nikolai Luganski, Klavier
Elbenita Kajtazi, Sopran
Oleksiy Palchykov, Tenor Philharmonisches Staatsorchester Hamburg
Eintritt frei


1. Akademiekonzert
Sonntag, 26. August 2018, Rathaus, Großer Festsaal, 11 Uhr
„Triumph des Lebens“
Wolfgang Amadeus Mozart: Serenade Nr. 10 B-Dur KV 361 „Gran Partita“
Texte von Ingeborg Bachmann, Friedrich Nietzsche und anderen
Sevgi Özsever, Ralph van Daal, Oboe
Alexander Bachl, Christian Seibold, Kai Fischer, Matthias Albrecht, Klarinette
Olivia Comparot, Fabian Lachenmaier, Fagott
Pascal Deuber, Saskia van Baal, Isaak Seidenberg, Ralph Ficker, Horn
Stefan Schäfer, Kontrabass
Dieter Rexroth, Lesung
Benefizpreis € 10 (freie Platzwahl)


2. Akademiekonzert
Sonntag, 26. August 2018, Rathaus, Großer Festsaal, 16 Uhr
Schönberg & die Schrammelbrüder
Arnold Schönberg: Serenade op. 24 und „Pierrot Lunaire“ op. 21 (Auszüge)
Friedrich Cerha: Eine Art Chansons (Auszüge)
sowie Werke von Ferdinand Leicht, Anton Strohmayer, Carl Rieder, Johann Schrammel u.a.
Salome Kammer, Martin Winkler, Stimme
Klangforum Wien
Benefizpreis € 10 (freie Platzwahl)


3. Akademiekonzert
Sonntag, 26. August 2018, Rathaus, Großer Festsaal, 20 Uhr
Wolfgang Amadeus Mozart: Streichquintett Es-Dur KV 614
Alban Berg: 4 Stücke für Klarinette und Klavier op. 5
Wolfgang Amadeus Mozart: Klarinettenquintett A-Dur KV 581
Sharon Kam, Klarinette
Stephan Kiefer, Klavier
Solveigh Rose, Annette Schäfer, Violine
Naomi Seiler, Bettina Rühl, Viola
Thomas Tyllack, Violoncello
Benefizpreis € 10 (freie Platzwahl)


4. Akademiekonzert
Montag, 27. August 2018, Rathaus, Großer Festsaal, 20 Uhr
Igor Strawinsky: L‘histoire du soldat
Wolfgang Amadeus Mozart: Sinfonia Concertante für Bläser Es-Dur KV 297b
Kent Nagano, Dirigent Dominique Horwitz, Sprecher
Konradin Seitzer, Violine
Stefan Schäfer, Kontrabass Thomas Rohde, Oboe
Alexander Bachl, Klarinette
Olivia Comparot, Fagott
Bernd Künkele, Horn
Mario Schlumpberger, Trompete
Felix Eckert, Posaune
Fabian Otten, Schlagzeug
Kammerorchester des Philharmonischen Staatsorchesters Hamburg
Benefizpreis € 10 (freie Platzwahl)
Pressekontakt: Hannes Rathjen, Presse und Marketing Philharmonisches Staatsorchester Hamburg,


5. Akademiekonzert
Montag, 8. April 2019, Laeiszhalle, Kleiner Saal, 19.30 Uhr
Wolfgang Amadeus Mozart:
Symphonie Nr. 28 C-Dur KV 200
Klavierkonzert Nr. 12 A-Dur KV 414 (Fassung für Streichquartett)
Hornkonzert Nr. 4 Es-Dur KV 495
Symphonie Nr. 33 B-Dur KV 319
Kent Nagano, Dirigent
Pascal Deuber, Horn
N.N., Klavier
Kammerorchester des Philharmonischen Staatsorchesters Hamburg
Karten € 35 / 28 / 21 / 12

 

—| Pressemeldung Staatsorchester Hamburg |—

Hamburg, Laeiszhalle, Telemann-Festival: Miriways, IOCO Kritik,

Dezember 7, 2017  
Veröffentlicht unter Hervorheben, Kritiken, Laeiszhalle Hamburg, Oper

Hamburg Laeiszhalle / Telemann Festspiele © IOCO

Hamburg Laeiszhalle / Telemann Festival © IOCO

Laeiszhalle Hamburg

Miriways von Georg Philipp Telemann

 Telemann-Festival 11/2017 – Eröffnet mit Festoper Miriways

Von Guido Müller

Komponist Georg Philipp Telemann (1681 - 1767)

Komponist Georg Philipp Telemann (1681 – 1767)

Im Gegensatz zu den heutzutage landauf und landab auch an  Stadttheatern aufgeführten Händel-Opern gibt es außer bei den Magdeburger Telemann-Festtagen leider nur sehr selten die Gelegenheit, eine veritable große Oper von Georg Philipp Telemann an Opernhäusern ungekürzt zu erleben.

In Madgeburg war bereits 2012 Miriways von 1728, die Telemann-Oper mit aktuellen politischen Bezügen eines Krieges zwischen Afghanistan und Persien in einer optisch schönen Inszenierung von Jakob Peters-Messer zu sehen, Messer hat sich gerade in Oldenburg an die Oper Siroe des in Hamburg-Bergedorf  geborenen Johann Adolph Hasse gewagt, dessen Werke noch seltener als die von Telemann auf deutschen Bühnen zu sehen sind. Allerdings wird Hasses Oper Artaserse  zur Eröffnung des Markgräflichen Opernhauses in  Bayreuth im Frühjahr 2018 dort wieder zu sehen sein.

Das Theater  Hildesheim (TfN) macht gerade mit dem Telemannschen Orpheus einen gelungenen Versuch der szenischen Wiederbelebung durch die Spezialistin für barocke szenische  Aufführungspraxis  Sigrid T’Hooft.  Die Hamburger Staatsoper schließlich hat für den Juni 2018 die Inszenierung ebenfalls der Oper Miriways angekündigt – allerdings in einer stark zusammen gestrichenen Fassung. Da die Barockopern genau wie die Opern von Mozart und Wagner einer abgestimmten, austarierten und wechselreichen Musikdramaturgie folgen, verstümmeln Kürzungen der Arien, Ensembles und instrumentale Zwischenstücke diese Werke genauso wie bei einer Wagner-Oper oder Bizets Carmen.

So ist es um so erfreulicher, dass die Akademie für Alte Musik Berlin  unter dem kanadischen Dirigenten Bernard Labadie mit einem handverlesenen exquisiten Sängersensemble das Werk Miriways wenigstens konzertant fast ungestrichen aufführt. Jeder Dirigent muss sich zudem seine Aufführungsfassung selbst erstellen. Längst schon gehört ein Telemann-Festival in die Stadt, in der Telemann Jahrzehnte als bedeutendster Musikdirektor an der Gänsemarkt Oper wirkte wie er für offizielle Anlässe der reichen Hansestadt und in den Hauptkirchen tätig war.

Der NDR eröffnete in seiner Reihe NDR Das Alte Werk nun mit diesem Konzert ein Telemann-Festival aus Anlass des 250. Todestages des Komponisten. Dieses auch vom NDR live übertragene Konzert  verdeutlicht, wie Telemanns reicher kompositorischer Fundus immer viele Entdeckungen zu bieten und das angelockte, leider nicht allzu         zahlreiche Publikum mitzureißen vermag. Das Hamburger Publikum muss erst den enormen Reiz der Barockoper noch kennenlernen.

Während die Opern in Italien oder Frankreich und an denen diesen nacheifernden deutschen Höfen von Stuttgart bis Dresden meistens antike oder mythologische Stoffe benutzten, dürstete das Hamburger Publikum nach zeitaktuellen Stoffen und komischen Bestandteilen. Bereits Reinhard Keiser, der mitteldeutsche Vorgänger Telemanns bis     1718 an der Gänsemarkt Oper wusste das geschickt zu bedienen.

Telemann Festival Hamburg / Miriways - Ensemble © Guido Müller

Telemann Festival Hamburg / Miriways – Ensemble © Guido Müller

So macht Miriways ein damals relativ aktuelles Geschehen zum Thema. Telemanns Librettist Johann Samuel Müller baute nach einem kleinen Zeitungsbericht über den afghanischen Stammesführer Mir Wais einen Opernplot von dynastischen Verwirrungen und Herzschmerz. Politischer Ausgangspunkt ist die Eroberung Persiens, die in der historischen Wirklichkeit allerdings seinem Sohn Mir Mahmud gelang. Darum baut sich ein abwechslungsreiches exotisch angehauchtes und entsprechend buntes Kaleidoskop aus Intrigen und Verwechslungen, Staatsräson und moralisierenden Ermahnungen, Liebesbeziehungen und einem Familien-Happy-End auf. Die wahre Liebe siegt am Ende mit viel Witz, Humor und Ironie schon im Geiste der Empfindsamkeit einer neuen Zeit gegen die Liebe aus Pflicht in der Ständegesellschaft des Ancien Regime.

In bester Laune bot uns die Akademie für Alte Musik unter ihrem Dirigenten Bernard Labadie mit den neun Solisten ein Feuerwerk an instrumentalen Finessen, exotischen Harmonien und sensationeller Spiellaune, die alle gegenseitig anfeuerte. Fast alle Instrumentalisten, darunter so bedeutende Solisten wie die Oboistin Xenia Löffler und der Flötist Bernhard Huntgeburth haben prominente solistische Aufgaben, in denen sie sich virtuos mit den Sängern messen.

Daher ist es besonders bedauerlich, dass die Mitglieder von AKAMUS nicht namentlich im Programm aufgeführt werden. Besondere  Herausforderungen haben beispielsweise die schon in der Ouvertüre  stark geforderten zwei Hornisten auf ihren Naturhörnern bravourös zu  meistern. Außerdem finden sich noch je zwei Fagotte und Oboen und         eine Flöte neben den Streichern im Orchester, das von dem vorzüglichen Konzertmeister Bernhard Forck angeführt wird, der auch das Händel Festspielorchester in Halle (Saale) leitet,

Hamburg Laieszhalle / Telemann Festival - Bernard Labadie © Daniel Dittus

Hamburg Laieszhalle / Telemann Festival – Bernard Labadie © Daniel Dittus

AKAMUS zeichnet einen satten, warmen, aber nie dickflüssig-ruppigen  sondern eher durchgängig eleganten und stets präzisen Ton aus. Schwungvolle Opulenz und dynamische Detailfreude, flinke und immer die emotional richtigen Tempi, die für Telemann typische Lautmalerei und melodischer Witz ebenso wie affektgeladene tiefe Gefühle vermittelt das Orchester in historischer Aufführungspraxis auf ideale und  mustergültige Weise. Dazu geben dem Spitzenensemble zudem zusätzlich Gelegenheit einige Zwischenmusiken und festliche Märsche, von denen einer stark an den späteren Trauermarsch aus Georg Friedrich Händels Oratorium Saul  erinnert

Der kanadische Dirigent Bernard Labadie hatte sichtlich mit AKAMUS  und mit seinen Gesangssolisten großen Spaß an der Umsetzung. Das reicht dann bis ins abwechslungsreiche Schlagwerk, in dem auch schon mal Kastagnetten oder eine leer getrunkene Weinflasche bei einer der für Telemann mit Augenzwinkern typischen Trunkenheitsarien gegen geizige Narren zum Einsatz kommen – Ähnlichkeiten mit Hamburger Pfeffersäcken wären rein zufällig – hier köstlich im Spiel und Gesang           Dominik Köninger in der kleinen Rolle des Scandor. Neben ihm verlieh Paul McNamara dem Gesandten schöne tenorale Würde. Das Continuo begleitete durchgängig äußerst vielfarbig, spritzig und abwechslungsreich.

Maßstabsetzend waren aber nicht nur das Spitzenensemble sondern durchgängig auf allerhöchstem Niveau auch die fast ausnahmslos Telemann erprobten Gesangssolisten. Eine besondere Freude war zu beobachten wie die Kollegen, die gerade nicht im Einsatz waren, an der Seite mit ihren singenden und äußerst ausdrucksstark spielenden           Kollegen mitfieberten, im Geiste sangen und sich im Gelingen freuten.

Nach der festlichen dreiteiligen Ouvertüre im französischen Stil mitvirtuos konzertierenden Naturhörnern hat die ihren edlen Mezzosopran samtig verströmende Marie-Claude Chappius als zurück gelassene fürstliche Gattin Samischa des Heerführers Miriways ihren berührenden großen ersten Auftritt mit einer Schlafarie, die auch als Parodie auf diesen in italienischen Dramma in Musica meist zum Aktschluss üblichen                    Arientypus verstanden werden kann. So verfährt Telemann höchstvirtuos mit den Traditionen der europäischen Oper. Der Französin gelingt wie allen ihren Kollegen eine bewunderswürdige  Deutlichkeit des deutschen Textes, elegante lebendige Artikukation der  Rezitative und vorbildlicher vokaler Diktion. Damit machen sie die Übertitel fast überflüssig. Ebenso gelingen ihr aber auch die schon rokokohaften Neckereien in anderen Arien. Perlmuttgleich schillert ihre  Stimme, duftige Nachtigallentriller entströmen ihrer auch schon mal tief melancholisch angehauchten Stimme.

Ihr Ehemann Miriways wird in atemberaubender stimmlicher und spielerischer Präsenz und Sicherheit vom kurzfristigen Einspringer André Morsch von der Staatsoper Stuttgart dargestellt. Sein Talent für die von Telemann geforderte Stimm- und Darstellungskunst scheint unerschöpflich. Der trotz seiner jungen Jahre bereits besonders als Hugo Wolf und  Franz Schubert Liedsänger anerkannte Bariton zeigt nicht nur eine am  Lied geschulte perfekte Stimmtechnik sondern verströmt in allen Lagen  mit seiner kernigen Balsamstimme eine exemplarische Legatokultur. In  seiner großen Arie „Laß mein Sohn dir raten, nimm die Vernunft zum Führer an!“, einem Höhepunkt der Kompositionskunst des großen Aufklärers Telemann begleitet ihn Xenia Löffler auf der Oboe und beide  verschmelzen zu einer zutiefst berührenden Wirkung. André Morsch trifft sowohl stilsicher wie komödiantisch den galant-staatsmännischen Ton ebenso wie das heiß Aufbrausende des Vaters oder die metallisch glänzende Wut des Herrschers. Seine Verzierungstechnik ist höchst stilsicher und in perfekter gesanglicher Diktion. Er singt stets offen, äußerst deutlich artikulierend und bewunderungswürdig koloratursicher.

Hamburg Laieszhalle / Telemann Festival_ Ensemble © Daniel Dittus

Hamburg Laieszhalle / Telemann Festival_ Ensemble © Daniel Dittus

Seine verlorene geglaubte Tochter Bemira  singt Sophie Kartäuser zärtlich elegant und mit Feinheit und leidenschaftlicher Hingabe. Ihr restlos und schmerzlich verfallen ist der von Robin Johannsen mit der   ihr eigenen stimmlichen Perfektion gesungene Sophi. Verzweifelt als sich chancenlos glaubender Geliebter zieht sie alle Register ihrer                 kristallklaren und perfekt atmenden Stimmkunst gerade in den atemberaubend schwierigen Arien und läuft dann richtig zu Höchstform  auf.

Neben dem hohen aristokratischen Paar darf in der deutschen Barockoper immer ein halb ernstes, halb lustiges Paar nicht fehlen wie die Diener entsprechend der Dreistände-gesellschaft. Dies sind die persische Nisibis der Koloratursopranistin Lydia Teuscher und der Murzah des Baritons Michael Nagy. Wie kostbarste Perlen klingen Lydia Teuschers Koloraturen, höchst virtuos, in fein dynamischer Abstufung und zugleich mit sanften Krallen wie ein Kammerkätzchen. Um sie buhlt Michael Nagy mit allen stimmlichen Schönheiten und Ausdrucksmitteln seines stets tief berührenden, warmen und hellen kräftigen Baritons. Auch die Parodie auf die große italienische Virtuosenarie mit „Dieser Strahl soll“  gelingt ihm perfekt differenziert und mit leuchtendem koloratursicheren Heldenbariton.

Sein von der Mezzosopranistin Anett Fritsch mit herzerfrischendem Spielwitz und größter Präsenz dargestellter persischer Nebenbuhler Zemir hat einige der ausdrucksstärksten Arien der Oper. Anett  Fritsch vermag jede ihrer ausdrucksstarken Arien zu einem smaragdig dunkel  und kräftig leuchtenden Schmuckstück zu gestalten.

Das Spitzenensemble erhält nach über drei Stunden verdienten  anhaltenden Riesenbeifall und zahlreiche Bravorufe des begeisterten Publikums. Wir hoffen auf mehr Telemann-Oper und Opern vom  Gänsemarkt in Hamburg und eine Neuauflage des Telemann-Festivals!

—| IOCO Kritik Laeiszhalle Hamburg |—

Nächste Seite »