Hamburg, Philharmonisches Staatsorchester Hamburg, Rathausmarkt Open Air / Philharmonische Akademie 2018

 

 Elbphilharmonie Hamburg / Prominente Spielstätte _ Philharmonisches Staatsorchester Hamburg © Ralph Lehmann

Elbphilharmonie Hamburg / Prominente Spielstätte – Philharmonisches Staatsorchester Hamburg © Ralph Lehmann

Staatsorchester Hamburg

Open Air, im Rathaus und in der Laeiszhalle: Kent Nagano präsentiert die Philharmonische Akademie
Sechs Konzerte am 25.-27. August 2018 und 8. April 2019

Kent Nagano eröffnet die Philharmonische Konzertsaison 2018/19 mit einer Philharmonischen Akademie im Herzen Hamburgs: Am Samstag, 25. August 2018 um 20 Uhr, dirigiert Hamburgs Generalmusikdirektor sein erstes Open-Air-Konzert auf dem Rathausmarkt. „Dieses Konzert soll ein musikalisches Geschenk an die Menschen in unserer Stadt werden“, sagt Kent Nagano, „wir laden alle ein, gemeinsam mit uns den Rathausmarkt in einen Konzertsaal zu verwandeln.“ Der Eintritt zu diesem Konzert ist deshalb frei. Auf dem Programm stehen Werke wie die Ungarischen Tänze von Brahms und Rachmaninows „Rhapsodie über ein Thema von Paganini“. Als Solist ist der russische Pianist Nikolai Luganski zu erleben. Mit Auszügen aus den Musicals „West Side Story” und „Candide“ würdigt Nagano seinen Mentor Leonard Bernstein, der an diesem Tag seinen 100. Geburtstag gefeiert hätte.

Am folgenden Tag geht es im Großen Festsaal des Hamburger Rathauses weiter: Thematischer Mittelpunkt der vier Akademiekonzerte am 26. und 27. August 2018 ist Wien. Ausgehend von Werken Mozarts spannt sich der musikalische Bogen über Schönberg und die Neue Wiener Schule bis hin zu zeitgenössischer Musik von Friedrich Cerha, und sogar ein Abstecher ins Milieu der legendären urwienerischen „Schrammelmusik“ steht auf dem Programm. Neben Musikern des Philharmonischen Staatsorchesters sind Solisten wie Salome Kammer, Sharon Kam oder Dominique Horwitz sowie das Klangforum Wien zu erleben.
Am 8. April 2019 widmen sich Kent Nagano und eine Philharmonische Kammermusikformation im Kleinen Saal der Laeiszhalle noch einmal Symphonien und Solokonzerten Mozarts.

Karten für die vier Akademiekonzerte im Großen Festsaal des Rathauses sind zu einem Benefizpreis von 10 € erhältlich beim Kartenservice der Hamburgischen Staatsoper, unter 040 35 68 68 oder online unter www.staatsorchester-hamburg.de. Der Erlös aus diesen Konzerten kommt der professionellen Nachwuchsförderung junger Orchestermusiker im Philharmonischen Staatsorchester zugute. Karten für das Konzert in der Laeiszhalle kosten 12-35 €.

Hintergrund Kent Nagano hat die „Philharmonische Akademie“ zu Beginn seiner Amtszeit als Hamburgischer Generalmusikdirektor und Chefdirigent des Philharmonischen Staatsorchesters im Jahr 2015 begründet. Seitdem bilden diese Konzerte den Auftakt zur jeweils neuen Opern- und Konzertsaison. Nagano und seine Philharmoniker verstehen darunter ein „offenes“ Projekt, ebenso experimentell ausgerichtet wie immer auch bedeutenden Komponisten, wichtigen Themen und musikalisch-inhaltlichen Erkundungen gewidmet.
Rathausmarkt Open Air mit Kent Nagano

Samstag, 25. August 2018, Rathausmarkt, 20 Uhr
Gioachino Rossini: Ouvertüre zu „Guillaume Tell”
Sergei Rachmaninow: Rhapsodie über ein Thema von Paganini
Johannes Brahms: Ungarische Tänze 5 & 6
Leonard Bernstein: Ouvertüre zu „Candide“
Leonard Bernstein: „Balcony Scene” („Tonight”) & „I Feel Pretty” aus „West Side Story”
Maurice Ravel: Boléro
Kent Nagano, Dirigent
Nikolai Luganski, Klavier
Elbenita Kajtazi, Sopran
Oleksiy Palchykov, Tenor Philharmonisches Staatsorchester Hamburg
Eintritt frei


1. Akademiekonzert
Sonntag, 26. August 2018, Rathaus, Großer Festsaal, 11 Uhr
„Triumph des Lebens“
Wolfgang Amadeus Mozart: Serenade Nr. 10 B-Dur KV 361 „Gran Partita“
Texte von Ingeborg Bachmann, Friedrich Nietzsche und anderen
Sevgi Özsever, Ralph van Daal, Oboe
Alexander Bachl, Christian Seibold, Kai Fischer, Matthias Albrecht, Klarinette
Olivia Comparot, Fabian Lachenmaier, Fagott
Pascal Deuber, Saskia van Baal, Isaak Seidenberg, Ralph Ficker, Horn
Stefan Schäfer, Kontrabass
Dieter Rexroth, Lesung
Benefizpreis € 10 (freie Platzwahl)


2. Akademiekonzert
Sonntag, 26. August 2018, Rathaus, Großer Festsaal, 16 Uhr
Schönberg & die Schrammelbrüder
Arnold Schönberg: Serenade op. 24 und „Pierrot Lunaire“ op. 21 (Auszüge)
Friedrich Cerha: Eine Art Chansons (Auszüge)
sowie Werke von Ferdinand Leicht, Anton Strohmayer, Carl Rieder, Johann Schrammel u.a.
Salome Kammer, Martin Winkler, Stimme
Klangforum Wien
Benefizpreis € 10 (freie Platzwahl)


3. Akademiekonzert
Sonntag, 26. August 2018, Rathaus, Großer Festsaal, 20 Uhr
Wolfgang Amadeus Mozart: Streichquintett Es-Dur KV 614
Alban Berg: 4 Stücke für Klarinette und Klavier op. 5
Wolfgang Amadeus Mozart: Klarinettenquintett A-Dur KV 581
Sharon Kam, Klarinette
Stephan Kiefer, Klavier
Solveigh Rose, Annette Schäfer, Violine
Naomi Seiler, Bettina Rühl, Viola
Thomas Tyllack, Violoncello
Benefizpreis € 10 (freie Platzwahl)


4. Akademiekonzert
Montag, 27. August 2018, Rathaus, Großer Festsaal, 20 Uhr
Igor Strawinsky: L‘histoire du soldat
Wolfgang Amadeus Mozart: Sinfonia Concertante für Bläser Es-Dur KV 297b
Kent Nagano, Dirigent Dominique Horwitz, Sprecher
Konradin Seitzer, Violine
Stefan Schäfer, Kontrabass Thomas Rohde, Oboe
Alexander Bachl, Klarinette
Olivia Comparot, Fagott
Bernd Künkele, Horn
Mario Schlumpberger, Trompete
Felix Eckert, Posaune
Fabian Otten, Schlagzeug
Kammerorchester des Philharmonischen Staatsorchesters Hamburg
Benefizpreis € 10 (freie Platzwahl)
Pressekontakt: Hannes Rathjen, Presse und Marketing Philharmonisches Staatsorchester Hamburg,


5. Akademiekonzert
Montag, 8. April 2019, Laeiszhalle, Kleiner Saal, 19.30 Uhr
Wolfgang Amadeus Mozart:
Symphonie Nr. 28 C-Dur KV 200
Klavierkonzert Nr. 12 A-Dur KV 414 (Fassung für Streichquartett)
Hornkonzert Nr. 4 Es-Dur KV 495
Symphonie Nr. 33 B-Dur KV 319
Kent Nagano, Dirigent
Pascal Deuber, Horn
N.N., Klavier
Kammerorchester des Philharmonischen Staatsorchesters Hamburg
Karten € 35 / 28 / 21 / 12

 

—| Pressemeldung Staatsorchester Hamburg |—

Hamburg, Elbphilharmonie, Philharmonisches Staatsorchester – Bruckner, IOCO Kritik, 28.04.2018

April 28, 2018  
Veröffentlicht unter Elbphilharmonie, Hervorheben, Konzert, Kritiken

Elbphilharmonie Hamburg

Elbphilharmonie Hamburg / Lasershow zur Eröffnung © Ralph Lehmann

Elbphilharmonie Hamburg / Lasershow zur Eröffnung © Ralph Lehmann

 Philharmonisches Staatsorchester – Kent Nagano

Anton Bruckner – Fünfte Sinfonie 

Von Patrik Klein

2.100 gebannte Besucher der Elbphilharmonie Hamburg geraten an diesem sonnigen, wunderschönen Sonntagvormittag, dem 22.4.2018, aus dem Häuschen. Sie danken Maestro Kent Nagano und dem Philharmonischen Staatsorchester Hamburg mit großem Applaus für die Darbietung, welche sie soeben erlebten. Generalmusikdirektor Kent Nagano, immer noch konzentriert wirkend, legt den ihm überreichten Blumenstrauß voller Demut für den Komponisten Anton Bruckner auf sein Dirigentenpult und verschwindet andächtig im Bühnenhintergrund.

Elbphilharmonie Hamburg / Philharmonisches Staatsorchester Hamburg und Anton Bruckner © Patrik Klein

Elbphilharmonie Hamburg / Philharmonisches Staatsorchester Hamburg – Blumen für Anton Bruckner © Patrik Klein

Was Umzüge bewirken können!   Anton Bruckner, zunächst in Linz (Donau) beheimatet und als Komponist vorzugsweise auf geistliche Musik ausgerichtet, zog 1868 nach Wien. Als 1870 das Gebäude des Musikvereins mit dem »Goldenen Saal« eröffnete  wurde Bruckner die ganze Bedeutung der Gattung »Sinfonie« und deren gesellschaftliche Rolle bewusst.

Kontrapunktisches Meisterwerk im Kraftwerk edlen Klanges

Beethoven spielte dabei als Vorbild gewiss eine wichtige Rolle, doch vielleicht auch die für Bruckner neue Erfahrung vom Leben in einer sich rasant entwickelnden Weltstadt. Die religiöse Komponente seines musikalischen Denkens integrierte er und schuf einen bis dahin beispiellosen sinfonischen Monumentalismus – den Kent Nagano im achten Philharmonischen Konzert in der Elbphilharmonie Hamburg nun eindrucksvoll unter Beweis stellte.

„Wer hohe Türme bauen will, muss lange beim Fundament verweilen“, Anton Bruckner.    In der Einführung zu dem Konzert leitet Susanne Banhidai kurzweilig und anschaulich auf Wirkung und Strahlkraft der fünften Sinfonie von Anton Bruckner auf die Nachwelt bis heute.

In dem sehr bekannten Popsong der Gruppe Whitestripes  „Seven Nation Army“ wurden von dem Komponisten Jack White die sieben Töne des markanten, unverkennbaren Hauptthemas Bruckners verwendet und in dem benutzten Gitarrenriff mantraartig wiederholt. Bei der Fußballweltmeisterschaft 2006 benutzte die italienische Mannschaft das Thema als „Schlachtruf“ für ihr Team, welches bekanntlich Weltmeister wurde.

Anton Bruckner war ein einsamer Wolf, ein Einzelgänger mit wenig Beziehungen zu anderen Menschen. Als sehr frommer Katholik würde er wohl heute als eine Art „schrulliger Nerd“ bezeichnet. Er hinterließ Orgel- und Kirchenmusik und insgesamt zehn Sinfonien, die Nr. 9 blieb unvollendet. Seine Werke entsprachen nicht der Zeit. Das Publikum war damals wegen der Länge und der neuen Strukturen überfordert. Bruckner selbst war sehr selbstkritisch und schuf durch wiederholte Durchsichten immer wieder neue Fassungen (zwischen 1873 bis 1877). Mit der fünften Sinfonie gelang ihm ein einsames, persönliches, ein „katholisches“ Werk für die Nachwelt, das er selbst als „Die Phantastische“ bezeichnete. Mit Chorälen der Glaubenswelt, Fugen und Kontrapunktik wollte er sich auch nun stärker von Richard Wagner (Bruckners dritte Sinfonie ist stark an Wagners Werk angelehnt) lösen. Erst 60 Jahre nach der Uraufführung des geänderten Werkes am 9. April 1894, die er krankheitsbedingt nicht selbst erleben konnte, wurde die Urfassung gegeben, die auch heute gespielt wurde.

Sehr schön auch die Idee von Frau Banhidai den Soloposaunisten des Orchesters, Felix Eckert vorzustellen, der als 8-Jähriger bereits mit Trompete und Posaune konfrontiert wurde. Der Musiker erläutert das Grundprinzip des Instruments mit seiner 7 Töne beinhaltenden Naturtonreihe und gab ein paar bemerkenswerte Klangbeispiele. Die Frühaufsteher, die es zu dieser Einführung vor dem Konzert schafften waren nun also besten präpariert für das anschließende Konzert.

Elbphilharmonie Hamburg / Philharmonisches Staatsorchester Hamburg - Blumen für Kent Nagano © Patrik Klein

Elbphilharmonie Hamburg / Philharmonisches Staatsorchester Hamburg – Blumen für Kent Nagano © Patrik Klein

Die fünfte Sinfonie Bruckners – Eine Beschreibung

1. Satz: Introduktion  Adagio – Allegro

Als Einmaligkeit in seinem sinfonischen Gesamtschaffen stellt Bruckner dem Allegro eine langsame Introduktion voran, die den thematischen Grundstoff der gesamten Sinfonie festlegt. Nach anfänglichen Pizzicato-Takten der Kontrabässe setzt ein getragener Streicherchoral ein. Dieser hält kurz inne und schon setzt ein Unisono-Aufschwung ein, der in einen feierlichen Blechbläserchoral mündet und einen ersten Schlusspunkt findet. Nun folgend wird mittels einer fulminanten Steigerung der eindrucksvolle Höhepunkt der Introduktion erreicht.

Der Klangrausch bricht ab und das Hauptthema des Allegro-Teils wird vorgestellt. Nach der üblichen Wiederholung durch das gesamte Orchester kommt der Fluss des Themas zum Erliegen und dumpf bis zurückhaltend als Choralepisode in Pizzicato-Akkorden der Streicher setzt das 2. Thema ein.

Die Durchführung erlebt neben der breiten Verarbeitung des Hauptthemas in kunstvoller Kontrapunktik Erinnerungen an die Blechbläserfanfaren aus der Introduktion und mündet in großem Crescendo in die Reprise. Am Ende erscheint das Hauptthema im Fortissimo, Reminiszenz an die Introduktion als Hintergrund, schmetterndes Blech, Paukenwirbel und der Unisonoabschluss.

2. Satz: Adagio  Sehr langsam

Das Adagio wird durch eine einleitende Pizzicato-Linie in Triolen, die später im Scherzo von Bedeutung sein wird, eröffnet. Eine klagende Oboen-Melodie erhebt sich in duolischem Rhythmus über das triolische Fundament, bei der im weiteren Verlauf die Septsprünge eine auffallende Wirkung erzielen. Der Satz wird mit einem großen zweiten Thema in erlesener Schönheit fortgesetzt, das im zweiten Teil durch die zart getupften Begleitakkorde der Melodie eine nochmalige Steigerung erfährt.

3. Satz: Scherzo. Molto vivace (schnell) – Trio. Im gleichen Tempo

Das recht umfangreiche Scherzo knüpft in der Form an die Scherzi der vorangegangenen Sinfonien an. Die einleitende Melodielinie aus dem Adagio wird hier in raschem Tempo als Scherzobeginn genutzt. Es erklingt unmittelbar das Scherzohauptthema in den Holzbläsern und schon sehr bald setzt das zweite Thema ein. Im weiteren Verlauf mischt sich das erste Thema wieder ein, wobei das zweite aber niemals in Vergessenheit gerät. Das folgende Trio  trägt heiteren, marschähnlichen Charakter. Es ist kurz und führt schnell zur Wiederholung des ersten Scherzoteils.

4. Satz: Finale. Adagio – Allegro moderato

Das Finale bringt zunächst in etwas abgekürzter Form den Beginn der Introduktion aus dem ersten Satz, jedoch schon unter Oktaveinwürfen der Klarinette als Vorankündigung des kommenden Hauptthemas, das nach einer kurzen Pause allein von der Klarinette vorgetragen wird. Ziemlich ähnlich nach dem Vorbild der 9. Sinfonie von Beethoven erklingen danach die Satzanfänge des Allegroteils aus dem 1. Satz und des Adagios, bevor das Hauptthema nun die Dominanz erhält. Das darauf einsetzende zweite Thema, das in der Aufwärtsrichtung zu Beginn an das Scherzo erinnert, hat lieblichen Charakter, ist ausschweifend und führt mit einem Einschub des ersten Themas im weiteren Verlauf zum Blechbläserchoral des dritten Themas. Aus dem feierlichen Ausklang dieser dritten Gruppe heraus entwickelt sich die Doppelfuge (eine Fuge mit zwei Themen). Das Werk klingt aus in einer überaus glanzvollen Apotheose des Blechbläserchoralthemas, gefolgt vom Hauptthema aus dem Kopfsatz.

Elbphilharmonie Hamburg / Philharmonisches Staatsorchester Hamburg © Patrik Klein

Elbphilharmonie Hamburg / Philharmonisches Staatsorchester Hamburg © Patrik Klein

Interpretation der Musik durch Orchester und Dirigent

Das Philharmonische Staatsorchester Hamburg spielt unter Kent Nagano die Sinfonie in rund 75 Minuten, was ein recht zügiges Tempo darstellt, da es Aufnahmen gibt, die bis zu 90 Minuten dauern. Das Orchester ist groß besetzt mit 32 Violinen, 13 Violen, 11 Celli, 10 Kontrabässen, 2 Querflöten, 2 Oboen, 2 Klarinetten, 2 Fagotten, 4 Hörnern, 3 Trompeten, 3 Posaunen, einer Tuba und einer Pauke (Brian Barker erhält am Ende besonders großen Jubel für sein großartiges Spiel des Instrumentes ganz besonders im Scherzo).

Bruckners fünfte Sinfonie wird kraftvoll gespielt mit wunderschönen Streicherklängen, feinen Pizzicato-Linien, mal zart getragen und rhythmisch, mal ruhig und emotional besonders ergreifend durch schöne Dynamikveränderungen ganz besonders beim Adagio. Hier geraten die musikalischen Steigerungen besonders schön und sind feinster Stoff für verwöhnte, Spitzenklang liebende Ohren. Es herrscht höchste Konzentration beim Dirigenten und seinen Musikern, die fast alle auf der Stuhlkante sitzen, hier und da aber auch ein Lächeln im Gesicht tragen; man spürt, dass die Musik bewegt und hier die Spielfreude ganz ausgeprägt sein muss. Nagano braucht kaum übermäßig zu agieren oder zu korrigieren; alles wirkt intensiv geprobt und eingespielt. Die Klarinette im Finale klingt fast jazzartig und ganz besonders eindringlich und präzise, so wie die gesamte Fraktion der Bläser, die ja in dieser Sinfonie dauerbeschäftigt sind.

Nach Sekunden atemloser Stille lässt Kent Nagano den Taktstock fallen, die Anspannung in seinem Gesicht löst sich; das Publikum dankt intensiv mit anhaltendem, stürmischen Applaus.

—| IOCO Kritik Elbphilharmonie Hamburg |—

Hamburg, Philharmonisches Staatsorchester Hamburg, Spielzeit 2018/19 – Kontraste und Dialoge, IOCO Aktuell, 04.03.2018

Elbphilharmonie Hamburg

 Elbphilharmonie Hamburg / Prominente Spielstätte _ Philharmonisches Staatsorchester Hamburg © Ralph Lehmann

Elbphilharmonie Hamburg / Prominente Spielstätte _ Philharmonisches Staatsorchester Hamburg © Ralph Lehmann

 Philharmonisches Staatsorchester Hamburg 2018/19

Georges Delnon (Intendant), Kent Nagano (Generalmusikdirektor) und Stefan Schäfer (Kammerkonzertmusikmeister) präsentierten am 27.2.2018 in der Stifter Lounge der Staatsoper Hamburg  die im Herbst 2018  beginnende Spielzeit 28018/2019 des Philharmonischen Staatsorchesters Hamburg. Stolz verkündet Georges Delnon den anwesenden Journalisten und Musikfreunden eine Auslastung der Sinfoniekonzerte des Staatsorchesters der laufenden Saison von extremen 99,7%;  unter Berücksichtigung weiterer Spielstätten besteht eine Gesamtauslastung von genau 99%. Die Zahlen zeigen, dass nicht nur der Standort Elbphilharmonie zu dieser beeindruckenden Auslastung beiträgt. Mit Ausführungen zur Auslastung Hamburger Staatsoper ist Georges Delnon dagegen sehr zurückhaltend. IOCO / PK

Das Philharmonische Staatsorchester ist Hamburgs größtes und ältestes Orchester und blickt zurück auf einen langen musikalischen Werdegang. Als 1934 das „Philharmonische Orchester“ und das „Orchester des Hamburgischen Stadttheaters“ fusionierten, trafen zwei traditionsreiche Klangkörper aufeinander. Bereits seit 1828 wurden Philharmonische Konzerte in Hamburg gespielt, Künstler wie Clara Schumann, Franz Liszt und Johannes Brahms waren regelmäßige Gäste der Philharmonischen Gesellschaft. Die Historie der Oper reicht noch weiter zurück: seit 1678 gibt es in Hamburg Musiktheater, wenngleich sich ein festes Opern- bzw. Theaterorchester erst später konstituierte. Bis heute prägt das Philharmonische Staatsorchester den Klang der Hansestadt, ist sowohl Konzert- als auch Opernorchester in einem. PhStOHH

Philharmonische Orchester Hambrug / Georges Delnon, Orchesterintendant, und Chefdirigent Kent Nagano präsentierten Spielzeit 18/19 © Bertold Fabricius

Philharmonische Orchester Hambrug / Georges Delnon, Orchesterintendant, und Chefdirigent Kent Nagano präsentierten Spielzeit 18/19 © Bertold Fabricius

Philharmonisches Spielzeitprogramm 2018/19

Vorgestellt von  Kent Nagano und Georges Delnon

Mehr als 30 Konzerte in der Elbphilharmonie. Einzelkarten-Verkauf startet am 21.6.2018

Die Konzertsaison 2018/19 steht programmatisch ganz im Zeichen von Kontrasten und Dialogen. Standen in der laufenden Saison 2017/18 Komponistenporträts im Vordergrund, werden nun klassische Meisterwerke mit modernen und zeitgenössischen Werken konfrontiert. So spielt gleich das erste Philharmonische Konzert mit Christian Zacharias als Dirigent und Klaviersolist mit der Gegenüberstellung der Werke von Haydn und Mozart mit Schönberg. Im 2. Philharmonischen Konzert dirigiert Kent Nagano neben Beethovens Violinkonzert auch die 4. Symphonie von Charles Ives. Mit Werken wie La Noche de los Mayas des Mexikaners Silvestre Revueltas stehen auch Komponisten auf dem Programm, die hierzulande noch auf ihre Entdeckung warten, während sie in ihren Heimatländern längst Klassiker sind. Mehr als 30 Konzerte veranstaltet das Philharmonische Staatsorchester in der Elbphilharmonie, hinzu kommen weitere Konzerte in verschiedenen Stadtteilen. Ende Februar unternimmt das Orchester außerdem eine zweiwöchige Tournee durch Spanien.

Chefdirigent Kent Nagano dirigiert in der neuen Spielzeit fünf Philharmonische Konzerte sowie das Silvesterkonzert und das Sonderkonzert zum Internationalen Musikfest Hamburg. Zu hören sind Klassiker wie Mozart, Beethoven oder Brahms. Daneben wird Hamburgs Generalmusiker aber auch moderne Werke aufführen, wie Ligetis Requiem und Atmosphères oder Widmanns Con brio.
Gastdirigenten der Philharmonischen Konzerte sind Christian Zacharias, Alondra de la Parra, Bertrand de Billy, Paolo Carignani und Dennis Russell Davies. Als Solisten werden unter anderem die Pianisten Lucas Debargue und Herbert Schuch sowie die Violinistin Viktoria Mullova in der Elbphilharmonie zu hören sein. Ein Wiedersehen gibt es mit der jungen Cellistin Camille Thomas, ECHO Klassik Preisträgerin 2017, die bereits im Rahmen der ECHO-Gala mit dem Philharmonischen Staatsorchester aufgetreten ist. Philharmoniker-Konzertmeister Konradin Seitzer wird als Solist mit Mendelssohns Violinkonzert zu hören sein. Zu Gast sind auch der MDR Rundfunkchor, die Audi Jugendchorakademie, der Harvestehuder Kammerchor, das ChorWerk Ruhr sowie der Arnold Schoenberg Chor Wien und der Staatschor Latvija.

Philharmonisches Staatsorchester Hamburg © Patrik Klein

Philharmonisches Staatsorchester Hamburg © Patrik Klein

Auch in den Philharmonischen Kammerkonzerten stehen spannende Gäste auf der Bühne in der Elbphilharmonie: Erstmals wird Jan Philipp Reemtsma als Rezitator in den Philharmonischen Kammerkonzerten in Erscheinung treten. In einem Sonderkammerkonzert wird der Tenor Klaus Florian Vogt mit der Schönen Müllerin einen der wichtigsten Liederzyklen der Romantik zur Aufführung bringen. Der ehemalige Hornist des Orchesters wird dabei eine neue Bearbeitung des renommierten Arrangeurs Andreas N. Tarkmann singen, bei der das Klavier durch eine von Franz Schubert selbst kreierte Oktett-Besetzung ersetzt wird.

In der Reihe Musik und Wissenschaft steht im Mai 2019 das Thema „Europa – Idee und Realität“ im Mittelpunkt. In drei Themenkonzerten werden Kammermusik-Programme mit rund 30-minütigen Vorträgen aus unterschiedlichen Disziplinen kombiniert. Der musikalische Bogen reicht vom Barock bis in die Gegenwart. Wissenschaftler der Max-Planck-Gesellschaft stellen ihre Forschung aus den Bereichen der Rechts- und Sozialwissenschaften, aber auch der archäogenetischen Forschung vor. Dabei geht es um den Euro, das Demokratieverständnis in Osteuropa, die sozialen Auswirkungen der Finanzkrise oder auch die Besiedelung Europas in der frühen Menschheitsgeschichte. Die interdisziplinäre Reihe Musik und Wissenschaft wurde 2016 in Kooperation mit der Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V. gegründet.

Die Spielzeit wird wie in den Vorjahren eröffnet durch eine Philharmonische Akademie. In diesem Jahr wird der Schwerpunkt der Akademiekonzerte auf der Musik Mozarts liegen. Die Termine werden im Sommer 2018 bekannt gegeben.

jung – das Kinder- und Jugendprogramm:  Ein Familienkonzert in der Elbphilharmonie: Zum ersten Mal veranstaltet das Staatsorchester ein Konzert für Jung und Alt im Kleinen Saal der Elbphilharmonie (Sa, 23. Februar 2019). Aufgeführt wird Die drei kleinen Schweinchen, ein Orchestermärchen für Sprecher und Kammerorchester mit Musik von Andreas N. Tarkmann. Anschließend geht das Stück auf eine Kleine Tour durch Hamburg und ist unter anderem am 27. Februar 2019 im Haus im Park in Bergedorf zu erleben. Darüber hinaus bietet das Philharmonische Staatsorchester wieder Kinderprogramme parallel zu ausgesuchten Philharmonischen Konzerten in der Elbphilharmonie an und ist kammermusikalisch in den jung-Reihen „Tonangeber“ und „Spielplatz Musik“ in der Hamburgischen Staatsoper zu erleben. Alle Angebote gibt es unter www.jung-staatsorchester.de.

Ticketverkauf und Abonnements: Der Einzelkarten-Vorverkauf für die Konzerte des Philharmonischen Staatsorchesters der Saison 2018/19 beginnt am 21. Juni 2018. Pro Person können bis zu vier Karten für ein Konzert und insgesamt bis zu 10 Karten erworben werden. Abonnements können in der Zeit vom 28. März 2018 bis zum 19. April 2018 bestellt werden. Erstmals können neben Einzelkarten auch die Abonnements im Internet unter www.staatsorchester-hamburg.de bestellt werden. Gehen bis zum 19. April mehr Abonnementsanfragen ein, als Plätze verfügbar sind, entscheidet das Los.

Neben den klassischen Konzertabonnements gibt es auch eine Reihe von Kombi-Angeboten mit Veranstaltungen der Hamburgischen Staatsoper. In der Saison 2018/19 wird es ein neues Familien-Abo geben: Es enthält fünf ausgewählte Veranstaltungen, darunter zwei Philharmonische Konzerte in der Elbphilharmonie sowie eine Oper und ein Ballett in der Staatsoper. Mit dem Jugend-Abo kommen junge Menschen bis 30 Jahre für einmalig 40 Euro in insgesamt sechs Philharmonische Konzerte in der Elbphilharmonie.

—| IOCO Aktuell Elbphilharmonie Hamburg |—

Hamburg, Elbphilharmonie, Jonas Kaufmann – Diana Damrau, IOCO Kritik, 12.02.2018

Februar 13, 2018  
Veröffentlicht unter Elbphilharmonie, Konzert, Kritiken

Elbphilharmonie Hamburg

Elbphilharmonie Hamburg / Lasershow zur Eröffnung © Ralph Lehmann

Elbphilharmonie Hamburg / Lasershow zur Eröffnung © Ralph Lehmann

  Italienisches Lieberbuch  –  Hugo Wolf

Diana Damrau und Jonas Kaufmann

Von SebastianSiercke

„Auch die kleinen Dinge können uns entzücken“, dieser Titel des ersten Liedes des Italienischen Liederbuches könnte an diesem Abend in der Hamburger Elbphilharmonie auch als Motto des Konzertes stehen. Der zweite Abend der Reihe „Große Stimmen“ wurde am 8.2.2018 von Diana Damrau und Jonas Kaufmann mit dem nur selten komplett aufgeführten Italienischen Liederbuch von Hugo Wolf gegeben.

46 kleine Lieder, von Hugo Wolf in zwei Büchern 1890-91 und 1896 nach volkstümlichen italienischen Liebesgedichten, in der Übersetzung des Literatur-Nobelpreisträgers Paul Heyse komponiert. Die Lieder wurden in anderer Reihenfolge als üblich gesungen, was dem Ganzen den Charme eines Rede- und Antwortspiel eines verliebte jungen Paares gab. Liebe, Streit, Trauer, Hoffen und Sehnen, Zorn und Spott abwechselnd von Sopran und Tenor gesungen, ergaben einen sehr spannenden Abend.

Mit Diana Damrau und Jonas Kaufmann standen nicht nur die wohl international bedeutendsten deutschen Opernstars zusammen auf der Bühne, sondern eben auch zwei anerkannte Liedersänger. Zart gehauchte Liebesgedichte, auftrumpfende Spottverse, beide Sänger können mit ihren Stimmen spielen und ausdrücken, was auch immer gerade gefordert wird. Jonas Kaufmann mit heldentenoralen Einwürfen, dann einen Moment später in feinstes Pianissimo wechselnd, wenn die Stimmung des Liedes dies verlangt.

Damrau und Kaufmann sind hervorragende Bühnendarsteller; sie machten sie aus diesem Wechselgesang durch Gestik und Mimik ein wahrhaft bühnenreifes Zwei-Personen-Stück, weit entfernt von der sonst gelegentlich etwas akademisch wirkenden Stimmung eines Liederabends.Ein phantastischer Abend zweier Weltstars, begleitet von dem großartigen Pianisten Helmut Deutsch. Die Zugabe zweier  Duette rundete den Abend harmonisch ab.

Für etliche der Besucher war allerdings der wohl größte Star des Abends die Elbphilharmonie selber.  Man wünschte sich zwar für einen solchen Liederabend eher einen intimeren, stimmungsvolleren Rahmen, als den des Großen Saals.  Das dieser aber komplett ausgebucht war, spricht sowohl für den Magneten Elbphilharmonie, als auch für die zwei unvergleichliche Weltstars.

 Optik und Akustik im Großen Saal – Nicht Optimal ! 

Der Große Saal hält allerdings Wermutstropfen vor, da die Anordnung des Publikums Teile der Darbietung unsichtbar macht. Wenn man zu weit seitlich oder gar hinter der Bühne sitzt, bleibt von den Sängern nur eine Rückenansicht, die auch noch vom geöffneten Flügel verdeckt wird. Von der Schauspielkunst und Darstellung der Künstler ist dann nicht mehr viel zu sehen und die Stimmen bekommen einen gelegentlich etwas bleiernen Klang. Die Laeiszhalle Hamburg wäre für solche Konzerte vermutlich geeigneter.

Trotz der kleinen Schwächen der großartigen Elbphilharmonie ist dieser Abend mit dem Italienischen Tagebuch von Hugo Wolf, mit wunderbarer Gesangskunst von Diana Damrau und Jonas Kaufmann vorgetragen, bereichernd und belebend für das Musikleben Hamburgs.

—| IOCO Kritik Elbphilharmonie Hamburg |—

 

 

 

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