Immling, Immling Festival 2018, Orpheus und Eurydike – Christoph W. Gluck, IOCO Kritik, 07.08.2018

August 7, 2018  
Veröffentlicht unter Gut Immling, Hervorheben, Kritiken, Oper

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Gut Immling

Festspielhaus Gut Immling © Nicole Richter

Festspielhaus Gut Immling © Nicole Richter

Orpheus und Eurydike – Christoph W. Gluck

– Opernfestival auf Gut Immling –

Von Daniela Zimmermann

Christoph Willibald Gluck (1714 – 1787)  und Rainieri de Calzabigi (Libretto) entlehnten ihr Werk, Orpheus und Eurydike, der griechischen Mythologie. Der thrakische Sänger Orpheus möchte seine geliebte Eurydike durch betörenden Gesang der Unterwelt entreißen. 1762 in Wien mit dem Altkastraten Gaitano Guadagni als Orpheus uraufgeführt folgt Gluck in seiner Komposition dieser „Reformoper“ der Dramaturgie des Libretto. So gibt bereits die dreiteilige Arienszene im ersten Akt der Oper Stimmungen und Gefühle der Handlung für die damalige Zeit noch ungewohnt emotional und berührend wieder. Während bis dahin Rezitative weniger gefühlsstark meist nur vom Generalbass begleitet wurden, folgt in Orpheus und Eurydike den Rezitativen das ganze Orchester, mit all seinen Instrumenten den Aussagen des Librettos.

Ludwig Baumann versetzt als Regisseur seine Inszenierung das vorbarocke Stück in unsere jetzige Zeit; strukturiert es mit psychologisch analytischer Aura. 2017 war Premiere, 2018 Wiederaufnahme im Rahmen des IMMLING FESTIVAL.

Gut Immling / Orpheus und Eurydike © Kerssenbrock

Gut Immling / Orpheus und Eurydike © Kerssenbrock

Die Sopranistin Maryna Zubko ist nicht nur eine hinreissende Eurydike aber auch veritable Konzertpianistin; so wurde die Oper um eine persönliche Zugabe erweitert. Alles beginnt mit einem unerwarteten wie fröhlichen Hauskonzert: Eurydike (Maryna Zubko) am Klavier spielt Claire de lune;  Orpheus (Modestas Sedlevicius) singt lyrisch ergreifend Schubertsleise flehen meine Lieder“. Ein glückliches Paar, in ihrer geliebten Musik vereint. Doch dann hüstelt Eurydike und stirbt. Gluck bringt in seinem Werk den antiken Mythos der ewigen Liebe zum Ausdruckt. Orpheus und Eurydike gleichen so ihrem italienischen Pendant, Romeo und Julia.

Die Inszenierung auf Gut Immling verkörpert nicht mehr griechischen Mythos sondern Jetztzeit, das Heute. Mit der Beerdigung der geliebten Eurydike setzt Glucks Oper ein. Der Sarg wird auf die Bühne durch den Mittelgang getragen, begleitet von den Trauergästen gleich Chor: eindrucks- wie ausdrucksvoll. Der Chor unterlegt die Handlung  in gesanglichem wie darstellerischem Ausdruck. Eurydikes Bilder im Hintergrund verstärken die ergreifenden Empfindungen während der Trauerfeier.

Orpheus bleibt in tiefer Trauer zurück und fällt in Depressionen und Phantasien. Den Verlust der geliebten Eurydike will und kann er nicht akzeptieren. So begibt er sich zu psychotherapeutischer Behandlung in eine Geistesheilanstalt. Eine Zwangsjacke spiegelt Eingeengte wider, der Gedanken, des Wesens. Amor (Rachel Croach, Sopran) tritt als Psychoanalytiker auf und verleiht die Hoffnung auf ein Wiedersehen mit Eurydike. Er darf ins Schattenreich vordringen, um sich Eurydike zurückzuholen, allerdings mit Auflagen.

Gut Immling – Orpheus und Eurydike – youtube Trailer
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Diese Szenen spielen sich zumeist im Hörsaal der Psychatrie ab. Der Festvalchor unterlegt die Handlung stimmlich wie darstellerisch: in weiß als Mitkranke oder als tote Unterweltbewohner oder als aktives Personal der Klinik. Dazu interpretieren Zombies tanzend  den seelischen traurigen Zustand der Patienten. Choreographie Andrea, Robert und Tanja Honner.

Zur pathologischen Aufarbeitung muss Orpheus seine Eurydike wiedersehen: Sie wird aus einem Todesschlaf gerissen; der lebenden Welt schon entrückt muss sie sich wieder mit den Gefühlen des Lebens auseinander setzen. Ihre Wiedersehensfreude mit Orpheus ist überschwänglich. Orpheus´ Schmerz gegenüber seinen bestehenden Auflagen, die sie nicht kennt, sind letztlich so groß, dass Orpheus dem nicht mehr gewachsen ist und versagt. Eurydike stirbt ein zweites Mal.

„Niemals sind wir ungeschützter gegen das Leiden  als wenn wir lieben, niemals hilfloser, als unglücklich, als wenn wir das geliebte Objekt oder seine Liebe verloren haben.“ Sigmund Freud.

Gut Immling / Orpheus und Eurydike hier Orpheus © Axel Effner

Gut Immling / Orpheus und Eurydike hier Orpheus © Axel Effner

Amor schreitet als Psychotherapeutin nun ein. Orpheus verkraftet einen weiteren Tod seiner Eurydike nicht und versucht sich das Leben zu nehmen, um im Tod mit ihr vereint zu sein. Diese absolute Treue Orpheus´ belohnt Amor, denn Trauer und Verzweiflung sind nun pathologisch aufgearbeitet: Orpheus darf Eurydike in die Arme fallen und verlässt die Psychiatrie als geheilt verlassen.

Es gehört zum Charisma von Gut Immling, junge Sänger zu fördern, zu protegieren und ihnen eine künstlerische Plattform zu geben. Alle drei Solisten (Orpheus, Eurydike, Amor) sind Gewinner des Lions Gesangswettbewerb. Der helle, warme Bariton von Modestas Sedlevicius als Orpheus gab Gefühle, Leidenschaft und Verzweiflung ergreifend wieder. Doch ebenfalls überzeugend sicher und voller Emotionen waren auch Maryna Zubko als Euridyke und  Rachel Croach als Amor.

Evan Alexis Christ  leitete das kleine Festivalorchester Immling sensibel, filigran. Die Basis bildet ein Kammerorchester aus Tiflis, ergänzt durch internationale Instrumentalisten. Musikalisch einfach stark und spannend.

Gut Immling mit seinen Opernproduktionen, seinen Konzerte ist etwas besondere: Hier vereinigen sich Natur und Musik. Es ist eine besondere Atmosphäre; geprägt von der herrlichen Landschaft des Chiemgaus, einem naturverbundenen Festspielhaus und  künstlerisch hohem Niveau. Das Immling Festival  wurde so inzwischen zum populären „Geheimtipp“, um anspruchsvolle Kultur in unverbrochener Natur zu erleben und zu genießen.

—| IOCO Kritik Gut Immling |—

Halfing, Festival Gut Immling, Die Zauberflöte in alter Reithalle: Sympathisch – Bewegend, IOCO Kritik, 09.08.2016

August 10, 2016  
Veröffentlicht unter Gut Immling, Hervorheben, Kritiken

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Gut Immling

Festival Gut Immling © Nicole Richter

Festival Gut Immling © Nicole Richter

20 Jahre Festival Gut Immling: Die Zauberflöte

Ludwig Baumann, Initiator und Chef des hochsommerlichen Festspiele auf Gut Immling  im Chiemgau hat den Papageno in Mozarts Zauberflöte gefühlte 365 Mal gesungen, bevor ein Bühnenunfall seine Karriere beendete.

Gut Immling / Sonnenuntergang © Stefanie Möslein

Gut Immling / Sonnenuntergang © Stefanie Möslein

Doch dann entschied Baumann mit seiner ungebrochenen Liebe zur Musik weiterzumachen; auf dem Gut Immling im schönen Chiemgau, nahe dem Örtchen Bad Endorf. Mit jungen Talenten wurde  eine Zauberflöte als Freilichtaufführung erarbeitet, die ehemals schnell wegen plötzlichen Regens in eine Reithalle verlagert wurde. Dies war der Beginn eines ständig wachsenden und sehr erfolgreichen Sommerfestivals. Die alte Reithalle gibt es heute noch, doch ausgebaut: Als „Opernhaus“ mit bequemen Sesseln  und sehr guter Akustik.

Gut Immling / Die Zauberflöte - Königin der Nacht - Maria Kublashvili © Nicole Richter

Gut Immling / Die Zauberflöte – Königin der Nacht – Maria Kublashvili © Nicole Richter

Gut Immling wurde so zur Talentschmiede für junge Sänger und bietet diesen eine große  Bühne. Mittlerweile existiert dieses ganz besondere Opernfestival mitten auf bayerischen Landen, seit 20 Jahren. Hier singen Stars ebenso wie vielversprechende Nachwuchssänger, die in aller Welt entdeckt werden. Unter der Leitung von Cornelia von Kerssenbrock spielen die Münchner Symphoniker sowie ein internationales eigenes Festivalorchester. Der Festivalchor Immling sowie der Kinder- und Jugendchor sind fester Bestandteil der Festspiele. Nachwuchstalente werden insbesondere anlässlich der Kinder-Kultur-Wochen, der Kinderopern, der Immlinger Akademie, der Weihnachtsveranstaltungen sowie anlässlich des weltweit anerkannten “Internationalen Lions Gesangswettbewerb Immling” und dem “Internationalen Immling Gesangswettbewerb in Peking” gefördert.

Gut Immling besitzt eine persönlich intime  Atmosphäre, welche zu erleben sich immer wieder lohnt. Der malerische Sonnenuntergang dort im Chiemgau bleibt unvergesslich. Etwas Besonderes ist auch das große Festzelt, indem es sich erstklassig Speisen lässt und Sänger für dortige Gästen gerne auch einmal  singen.

Gut Immling / Zauberflöte - Die Drei Damen © Festspiele-Gut Immling

Gut Immling / Zauberflöte – Die Drei Damen © Festspiele-Gut Immling

2016, dem 20. Jubiläumsjahr des Festival Gut Immling, durfte Mozarts Zauberflöte nicht fehlen, inszeniert von  Verena von Kerssenbrock, Schwester der Musikalischen Leiterin Cormelia von Kerssenbrock. Die Zauberflöte, ein musikalisches Märchen um Weisheit, Liebe und Macht, ist die meistgespielte Oper der Welt. In Immling erlebten wir herrliches Ambiente, eine sängerisch und darstellerisch gelungene Produktion allerdings mit nicht ganz geglückten Kostümen (Corinna Gassauer). So würde die Prinzessin Pamina im Kleid einfach besser gefallen als im schlichten Overall; gewöhnungsbedürftig  so auch die  Erstklässler / Vögel in den Heiligen Hallen des Sarastro.

Gut Immling / Zauberflöte - Pamina und die drei Knaben © Nicole Richter

Gut Immling / Zauberflöte – Pamina und die drei Knaben © Nicole Richter

Cornelia von Kerssenbrock, Zauberflöte-erfahren, dirigierte mit viel Einfühlungs-vermögen. Mit dem Festspiel Prinzipal verheiratet ist sie mit der Programmgestaltung der Festspiele Immling bestens vertraut. Gespielt haben die von mir sehr geschätzten  Münchner Symphoniker. Der große Festivalchor, mittlerweile aus 110 meist ortsansässigen musikbegeisterten Chiemgauern bestehend, war für die Auftritte auf Gut Immling nach monatelangem Probenaufwand bestens eingestellt!

Maria Kublashvilli, in der anspruchsvollen Partie als Königin der Nacht, meistert Ihre große Arie „Der Hölle Rache kocht in meinem Herzen“ bravourös; mit sicheren Koloraturen gewinnt sie Tamino, Chuanliang Wang, ihre Tochter aus den Fängen des Fürsten Sarastros zu befreien. Chuanliang bringt den Tamino besonders in seiner Arie „Dies Bildnis ist bezaubernd schön“ mit weicher klaren Tenorstimme und  darstellerischer Präsenz zur Geltung; auffällig seine gute Verständlichkeit. Auch Michael Krummen überzeugt als Papageno mit lyrischem Bariton. Die Königin der Nacht kämpft gegen Sarastro (Giorgi Kirov), den Herrscher über den Sonnenkreis. Tijana Grujic stellt Pamina mit  lyrischen Sopran feinfühlig dar. Sie erkennt in Tamino den Prinzen ihres Herzens; beide erhalten nach bestandenen Prüfungen die  Weihen Sarastros, sie werden aufgenommen in den Tempel der Weisheit und der Eingeweihten.

Auch Papageno findet seine Papagena (Siglind Buchmayer); beide sind mit volkstümlicher Komik mit Komik und Darstellung auch in Immling ein Höhepunkte der Zauberflöte, in welcher das Ensemble zum Ende faszinierten Besuchern kündet: „Es siegte die Stärke und krönet zum Lohn – die Schönheit und Weisheit mit ewiger Kron“. Und keiner der begeisterten  Besucher konnte oder wollte an diesem Abend den auf Gut Immling so reizvoll gesungenen Dingen widersprechen.

IOCO / D.  Zimmermann / 08.08.2016

—| IOCO Kritik Gut Immling|—

Halfing, Gut Immling, Zauberhafte Alcina mit experimentellen, elektronischen Aspekten, 08.08.2013

August 7, 2013  
Veröffentlicht unter Gut Immling, Pressemeldung

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Gut Immling

Festival Gut Immling © Nicole Richter

Festival Gut Immling © Nicole Richter

Zauberhafte Alcina mit experimentellen, elektronischen Aspekten

 
Die Münchner Abendzeitung lobt nach der Premiere der Barock-Oper Alcina die „fulminante, witzige und ergreifende Aufführung, die verdient stark bejubelt wurde“.
Das Konzept der Regisseurin Christine Cyris und der musikalischen Leiterin Cornelia von Kerssenbrock geht auf: Händels Barockmusik und elektronische Beats des Klangkünstlers David Baumann mischen sich zu sphärischen Klängen, die die Zauberwelt der verführerischen Alcina perfekt vertonen.
Hauptdarstellerin Sarah Zhai-Strauss zieht mit ihrem ausdrucksstarken Sopran und einer beeindruckenden Bühnenpräsenz nicht nur die Herren auf der Bühne in ihren Bann.
 
Die rockige, erotische Oper Alcina wird am 8. August um 19.30 Uhr noch einmal in Immling aufgeführt. 
 
—| Pressemeldung Gut Immling |—
 
 
 
 
 
 
 

Halfing, Gut Immling, Festival-Premiern Der fliegende Holländer 25.6.2010 / Carmen 3.7.2010 / Gärtnern aus Liebe 18.7.2010

Juni 23, 2010  
Veröffentlicht unter Gut Immling, Premieren, Pressemeldung

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Gut Immling

Festival Gut Immling © Nicole Richter

Festival Gut Immling © Nicole Richter

Festival-Premiern

„Der fliegende Holländer“

Freitag, 25. Juni 2010, um 19.30 Uhr
Premiere der ersten Wagner-Oper auf Gut Immling, „Der fliegende Holländer“ am Freitag, 25. Juni, um 19.30 Uhr. Damit macht das „14. Opernfestival GUT IMMLING. Chiemgau“ erstmals seinem Beinamen „Bayerns zweiter grüner Hügel“ alle Ehre.
Die Musikalische Leiterin des Festivals, Cornelia von Kerssenbrock, dirigiert die Münchner Symphoniker, die Inszenierung besorgt Verena von Kerssenbrock im Bühnenbild von Claus Hipp und in den Kostümen von Gretl Kautzsch.
Es singen: Dimitri Kharitonov (Holländer), Inga Balabanova (Senta), Marek Gasztecki (Daland), Ralf Willershäuser (Erik), Giorgio Valenta (Steuermann).

Carmen

Die zweite Premiere „Carmen“ von Georges Bizet am Samstag, 3. Juli, um 20 Uhr.
Inszenierung und Bühnenbild: Tassilo Tesche; Kostüme: Wiebke Horn
Es spielen die Münchner Symphoniker unter Cornelia von Kerssenbrock.
Es singen: Karine Ohanyan (Carmen), Gustavo Casanova (Don José), Michael Bachtadze (Escamillo), Sieglinde Zehetbauer (Micaela), Melanie Arnhold (Mercedes), Xerach Alonso (Frasquita), Kapsung Ahn (Morales, Dancairo), Alik Ibrahimov (Remendado).

Die Gärtnerin aus Liebe

Und alle guten Dinge sind drei: Als Koproduktion mit der Berliner Staatsoper unter den Linden hat Mozarts „Die Gärtnerin aus Liebe“ als Produktion der Akademie Gut Immling am Sonntag, 18. Juli, um 19.30 Uhr Premiere.

Regie: Isabel Ostermann, Bühnenbild und Kostüme: Ludwig Baumann
Es spielt das Immling Chamber Orchestra unter Cornelia von Kerssenbrock.
Es singen: Jianeng Lu (Don Anchise), Jennifer Riedel (Marchesa/Sandrina), Ulrike Malotta, Alexandra Schulz (Cavaliere Ramiro), Xerach Alonso, Katharina Preuß (Serpetta), Maria José Rodriguez (Arminda), Kapsung Ahn (Roberto/Nardo).

—| Pressemeldung Gut Immling |—

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