Frankfurt, Oper Frankfurt, Jiddische Operettenlieder – Barry Kosky am Klavier, 04.02.2020

Januar 29, 2020  
Veröffentlicht unter Konzert, Oper Frankfurt, Premieren, Pressemeldung

logo_oper_ffm.gif

Oper Frankfurt

Oper Frankfurt inmitten des Finanzzentrums © IOCO

Oper Frankfurt inmitten des Finanzzentrums © IOCO

JIDDISCHE OPERETTENLIEDER  –  BARRIE KOSKY AM KLAVIER –

Der fünfte Liederabend der Spielzeit 2019/20 findet statt am Dienstag, 4. Februar 2020,  19.30 Uhr im Opernhaus.

Bestritten wird das Programm mit Jiddischen Operettenliedern von Alma Sadé (Sopran) und Helene Schneiderman (Mezzosopran), am Klavier begleitet von Barrie Kosky, Opernregisseur und Intendant der Komischen Oper Berlin.

Oper Frankfurt / Alma Sadé (Sopran) © jan windszus photography

Oper Frankfurt / Alma Sadé (Sopran) © jan windszus photography

Mit ihrem virtuosen Liederabend unter dem Motto „Farges mikh nit“„Vergiss mich nicht“ lassen die Künstler*innen die vergessene Gattung der Jiddischen Operette wiederauferstehen – geistreich, melancholisch, komisch und tief berührend. Die Lieder atmen die Geschichte ihrer Autor*innen und Komponisten, welche überwiegend im Zuge der großen Emigrationsströme seit den 1880er Jahren aus Osteuropa in die USA ausgewandert waren: Sie erzählen von Sehnsucht und Einsamkeit, von Heimat und Liebe, von Glück und Lebenslust. Vom jiddischen Broadway in der New Yorker 2nd Avenue aus fanden diese Stücke während ihrer Glanzzeit in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts nicht nur Eingang in den jüdischen Alltag, sondern beeinflussten auch das amerikanische Musical und die Filmmusik.

Oper Frankfurt / Helene Schneiderman (Mezzosopran) © jan windszus photography

Oper Frankfurt / Helene Schneiderman (Mezzosopran) © jan windszus photography

So erklingen während des Abends Kompositionen bzw. Texte von Julius Jaffe, Abraham Ellstein, Molly Picon, Joseph Rumshinsky, Sholom Secunda, Itzkhok Perlov, Isidore Lillian, Alexander Olshanetsky, Bella Meisel, David Meyerowitz, Jacob Jacobs, Itzik Manger, Oscar Strock, S. Korn-Teuer, Abraham Goldfaden und Aaron Lebedeff.
Eine Produktion der Komischen Oper Berlin

Oper Frankfurt / Barrie Kosky (Klavier) © jan windszus photography

Oper Frankfurt / Barrie Kosky (Klavier) © jan windszus photography

Karten zum Preis von € 15 bis 95 (12,5% Vorverkaufsgebühr nur im externen Vorverkauf) sind bei unseren üblichen Vorverkaufsstellen, online unter www.oper-frankfurt.de oder im telefonischen Vorverkauf 069 – 212 49 49 4 erhältlich.

Weitere Liederabende in dieser Saison 2020/21:

Florian Boesch, Bassbariton 25. Februar 2020
Gaëlle Arquez, Mezzosopran 31. März 2020
Peter Mattei, Bariton 12. Mai 2020
Joshua Guerrero, Tenor 23. Juni 2020

—| Pressemeldung Oper Frankfurt |—

Frankfurt, Oper Frankfurt, Tristan und Isolde – Richard Wagner, IOCO Kritik, 29.01.2020

Januar 29, 2020  
Veröffentlicht unter Hervorheben, Kritiken, Oper, Oper Frankfurt

logo_oper_ffm.gif

Oper Frankfurt

Oper Frankfurt inmitten des Finanzzentrums © IOCO

Oper Frankfurt inmitten des Finanzzentrums © IOCO

 Tristan und Isolde – Richard Wagner

 Tristan – wenig erhaben, aber voll menschlicher Abgründe

von Ljerka Oreskovic Herrmann

Richard Wagner Bayreuth © IOCO

Richard Wagner Bayreuth © IOCO

Im Entwurf vom Juli 1870 findet sich im sogenannten Braunen Buch von Richard Wagner ein Entwurf für eine Beethoven-Schrift, in der dieser schreibt: „Die Wirkung des Schönen ist erst die Bedingung für den Eintritt der wahren Wirkung des Kunstwerkes, nämlich der erhabenen. In der Musik wird die erste Wirkung sofort und durchgehend durch ihre Form erreicht, eben weil sie reine Form ist. – Führt es nicht zur erhabenen Wirkung, so ist überhaupt das Schöne nur Spielerei.“ (Für schöne Spielerei waren weder Beethoven noch Wagner zu haben.) Geschrieben hat Wagner diese Gedanken anlässlich des 100. Geburtstags des von ihm verehrten Komponistenkollegen, dessen „Musik in Begriffe umgesetzt“ Philosophie ergäbe, und zwar die von Schopenhauer. Nun wird dieses Jahr erneut ein Ludwig van Beethoven-Jubiläum, inzwischen der 250. Geburtstag, gefeiert und so erklingt Wagners Tristan und Isolde an der Oper Frankfurt – und eignet sich vielleicht gerade deshalb gut, die „erhabene Wirkung“ von Kunst zu überprüfen, geht es doch um das größte aller Themen: das risikobeladene Wagnis der Liebe. Apropos Beethoven: Gibt es vielleicht Fidelio als Abschluss des Gedenkjahres? Um Liebe – allerdings erfüllte – geht es auch bei ihm.

Tristan und Isolde – Oper Frankfurt
youtube Trailer Oper Frankfurt
[ Mit erweitertem Datenschutz eingebettet ]

Wagner nennt seine Oper im Untertitel „Handlung in drei Aufzügen“ und nicht „Drama“. Nicht das äußere Geschehen bestimmt die Handelnden, sondern ihre inneren Empfindungen. Doch aus der Selbstbeschäftigung und Seelenausleuchtung kann pathetische Überhöhung, statt Erhabenheit, werden – in diese Falle wollte Katharina Thoma, die Regisseurin, nicht tappen, stattdessen arbeitet sie mit größtmöglicher Reduktion. Die Kostüme von Irina Bartels sind dunkel, schwarz, nur die beiden Frauen – Isolde im kupfer-golden Jumpsuit, Brangäne im Kleid-Mantel-Ensemble und Hut in Petrol früherer Stewardessen gleich, als Fliegen noch etwas Besonderes und ja „Erhabenes“ war – erhalten farbige Kleidung und dunkles Rot der Tristan-Verräter Melot. Das Bühnenbild von Johannes Leiacker lässt nur schwarz-weiß Kontraste, dagegen das Licht von Olaf Winter farbliche Gestaltung zu; eine – nicht nur farblich – ansprechende Szene, als Brangäne im zweiten Aufzug die Liebenden vor der Gefahr warnt: Wir hören sie, das Licht, grünlich wie ihre Kleidung, kündigt sie an, (von der Zinne kommt sie natürlich nicht mehr, sondern hinter dem schwarzen Rechteck hervor), doch erst nach einigen Takten wird sie zu sehen sein: Ihr „Habet acht“ kommt zu spät.

Im ersten Akt „schwebt“ Isolde auf einem schwarzen Rechteck herunter, in der ebenfalls schwarzen Barke neben ihr liegt Tristan. Später – wie um das Liebesglück zu unterstreichen – wird das Boot weiß sein und das aufgerichtete Rechteck in der Mitte stehen. Es teilt nicht nur die Bühne, sondern ist zugleich eine zeitliche Mauer: Zurück können die beiden Liebenden nicht mehr, und Melot, Tristans Freund, wird die beiden – trotz dieses Schutzwalls –  enttarnen.

Oper Frankfurt / Tristan und Isolde - hier :  oben Rachel Nicholls als Isolde, Vincent Wolfsteiner als Tristan © Barbara Aumüller

Oper Frankfurt / Tristan und Isolde – hier : oben Rachel Nicholls als Isolde, Vincent Wolfsteiner als Tristan © Barbara Aumüller

Thomas Ansatz, das „Erhabene“ dieser aufwühlenden und letztendlich zum Scheitern verurteilten Liebe auf ein menschliches Maß zurückzuführen, gräbt den (menschlichen) Abgrund aller aber umso tiefer. Und der Wagnersche Text verlangt umso mehr nach umsetzbarer Darstellung. Tristan ist ein unbeholfener Mann, abweisend bis schroff, der die Liebe nicht sucht und Isoldes Wüten über seinen Verrat, erst ihren Verlobten getötet zu haben, um sie anschließend als Brautwerber zu König Marke zu führen, gar nicht begreift. Begreifen bedeutet ein grundsätzliches Problem für diesen Helden, doch nicht nur für ihn. Zu verstrickt ist er in seine eigene Lebensgeschichte, eine Todessehnsucht peinigt ihn, in den Tod will und wird ihm Isolde jedoch nicht folgen – trotz Liebestrank und anfänglichem Wunsch.

Das schwarze Rechteck, die Schiffsplanken, berühren den Boden nicht, es schwebt immer über ihm, wie auch das Verhältnis von Tristan und Isolde; nur langsam kommen sie sich näher, als der Liebestrank endlich wirkt und sie für das Publikum etwas verborgen, dem ersten Liebesüberschwang erleben. Brangäne hat die mitgeführten Zauber-Getränke vertauscht und etwas ist gekippt, das Rechteck ragt nun steil nach oben. Thoma beweist sicheres Feingespür für die kleinen Momente, es gelingt ihr die musikalische Zartheit in berührender Weise in Szene zu setzen: Ganz vorsichtig sind Hände oben auf dem Rechteck zu erkennen, tastend suchen sie nach der Hand des bzw. der Anderen – Tristan und Isolde haben sich gefunden, doch sie halten einander nicht, stattdessen werden sie zu Schiffbrüchigen, die sich verzweifelt an die Planken klammern.

 Oper Frankfurt / Tristan und Isolde - hier :  Rachel Nicholls als Isolde, Claudia Mahnke als Brangäne; über sie gebeugt © Barbara Aumüller

Oper Frankfurt / Tristan und Isolde – hier : Rachel Nicholls als Isolde, Claudia Mahnke als Brangäne; über sie gebeugt © Barbara Aumüller

Das heimliche Liebesrauschen ist jedoch immer bedroht, die Aufdeckung nah, das inzwischen weiß gestrichene Boot – im dritten Aufzug ist es wieder schwarz –, Unschuld suggerierend, wird daran nichts ändern. Isolde hüpft im zart-rosa Jungmädchenkleid beglückt umher, Tristan hat währenddessen seine schwarze Lederjacke zugunsten einer Weste, weißem Hemd und Hose getauscht, seine ganze Haltung bedeutet mehr Selbstgewissheit – eine trügerische Heiterkeit strahlen sie aus. Vielleicht auch, weil sie uns heutigen Menschen darin gleichen, immer irgendwie aneinander vorbeireden bzw. singen. Was der eine anstrebt, wird die andere nicht fassen, die einzige Lösung wird und kann nur der Tod sein. Und Melot, der Vertraute Tristans, wird die vage Ahnung und zugleich reale Befürchtung Brangänes erfüllen, den Verrat aufdecken und sühnen.

Eine weitere fesselnde Szene ist mit dem Auftritt von König Marke verbunden. Als eine distinguierte Erscheinung in Mantel und Hut, tritt er an Tristan heran, dann sitzend, ihm gegenüber, um seine Enttäuschung Aug in Aug kundzutun, während dieser sich windet und alle anderen wie eingefroren verharren. Man hält den Atem an und spürt förmlich die Verletzung Markes, der sich selbst auf ein Wagnis mit der Ehe einließ, auch für ihn wird nichts mehr so sein wie zuvor –  alles ist ein einziger seelischer Scherbenhaufen, später kommt der echte hinzu.

Oper Frankfurt / Tristan und Isolde - hier : Andreas Bauer Kanabas als König Marke, Vincent Wolfsteiner als Tristan © Barbara Aumüller

Oper Frankfurt / Tristan und Isolde – hier : Andreas Bauer Kanabas als König Marke, Vincent Wolfsteiner als Tristan © Barbara Aumüller

König Marke – so hat ihn die Regisseurin als Figur angelegt – ist der Gegenentwurf zu Tristan. Andreas Bauer Kanabas spielt ihn beeindruckend, einnehmend, gepaart mit einem eindringlichen und schönen Bass, „sein“ Marke wird zur überragenden Gestalt.

Vincent Wolfsteiner verkörpert den auf sich selbst zurückgeworfenen Tristan und steigert sich im Laufe des Abends immer mehr. Seine Verzweiflung ob der viel zu früh verlorenen Eltern – schwarz und mit Masken treten sie stumm und wie Gespenster im dritten Aufzug auf –, seine Unfähigkeit überhaupt Beziehungen aufzubauen und zu pflegen, tritt hier anschaulich zutage. Das Rechteck liegt wie ein Trümmerhaufen unter ihm – wahrlich kein guter Ort zum Sterben, doch der äußere Ausdruck seiner Schwermut und Aussichtslosigkeit. Einzig die Musiker verbreiten etwas Trost, dafür hat Thoma zwei auf der Bühne auftreten lassen: Romain Curt, der gekleidet wie ein Klezmer-Musiker die traurige Weise anstimmt und Tristans Trümmerberg umkreist, und Matthias Kowalczyk nicht minder berührend die Holztrompete ertönen lässt.

Die beiden Baritone Christoph Pohl und Iain MacNeil überzeugen stimmlich wie darstellerisch. Pohl besitzt eine klare und deutliche Diktion, und ist als Tristans treuer Freund Kurwenal eine hervorragende Besetzung. Auch MacNeils forscher Melot hinterlässt einen bleibenden Eindruck. Claudia Mahnke als Brangäne erntet (nicht zu Unrecht) zusammen mit Andreas Bauer Kanabas den größten Applaus; ihr zuvor schon erwähnter Wächterruf geht unter die Haut, ihre Bühnenpräsenz ist immer ein Ereignis. Rachel Nicholls als Isolde überzeugt vor allem darstellerisch: Wie sie einsam – der tote Tristan entschwindet mitsamt seinem schwarzen Trümmerberg in das Dunkel der Hinterbühne – auf der leeren und hell erleuchteten Bühne singt, zeitlos in weißer Hose und Pulli, könnte sie auch als Filmdiva durchgehen. Nur in den Tod folgt sie Tristan nicht.

Die kleineren Nebenrollen waren ebenso gut besetzt; dazu gehören Michael Porter mit seinem schönen Tenor (ein junger Seemann zu Beginn), ebenso Tianji Lin (als Hirte im dritten Aufzug) und Liviu Holender (ein Steuermann). Für den satten Klang des  Männerchors war zuverlässig Chordirektor Tilman Michael verantwortlich. Nicht unerwähnt bleiben sollen die Musiker und Musikerinnen, die unter der Leitung von Lukas Rommelspacher für die Bühnenmusik zuständig waren. Es spielen Trompete: Friederike Huy, Michael Schmeißer und Peter Hársaniy (Gäste); Posaune: Christian Künkel und Andreas Weil (Gäste) sowie Rainer Hoffmann (Orchestermitglied); Horn: Pedro Rodriguez (Gast), Stef van Herten, Silke Schurack und Claude Tremuth (Orchestermitglieder) sowie Martin Walz (Gast).

Das Frankfurter Opern- und Museumsorchester – selbstverständlich steht GMD Sebastian Weigle am Pult – erwies sich als kongenialer Begleiter der Szenerie; zurückgenommen, jedoch ohne Klangverlust, nie flach werdend, keinem aufgeladenen und überbordenden musikalischen Rauschzustand sich hingebend, der ohnehin nicht zu dieser zurückgenommenen Inszenierung gepasst hätte. Auch bei Wagner kann der simple Spruch „weniger ist mehr“ zur Wahrheit werden. Weigle holte alle Orchestermitglieder auf die Bühne – nicht nur an diesem Abend haben sie es verdient, oben zu stehen und aus dem Zuschauerraum mit großem Applaus belohnt zu werden. Ihrer Leistung ist es ebenfalls zu verdanken, dass es ein durchaus gelungener und interessanter Premierenabend wurde – auch wenn in anderer Hinsicht die Meinung des Publikums geteilt war.

Tristan und Isolde an der Oper Frankfurt; die weiteren Termine 1.2.; 9.2.; 14.2.; 23.2.; 29.2.; 12.6.; 20.6.; 28.6.; 2.7.2020

—| IOCO Kritik Oper Frankfurt |—

Frankfurt, Oper Frankfurt, Premiere TRISTAN UND ISOLDE, 19.01.2020

Dezember 19, 2019  
Veröffentlicht unter Oper, Oper Frankfurt, Premieren, Pressemeldung

logo_oper_ffm.gif

Oper Frankfurt

Oper Frankfurt inmitten des Finanzzentrums © IOCO

Oper Frankfurt inmitten des Finanzzentrums © IOCO

Premiere
TRISTAN UND ISOLDE
Handlung in drei Aufzügen von Richard Wagner
Text vom Komponisten

nach dem Versroman Tristan (um 1210) von Gottfried von Straßburg
In deutscher Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln

Musikalische Leitung: Sebastian Weigle
Regie: Katharina Thoma
Bühnenbild: Johannes Leiacker
Kostüme: Irina Bartels
Licht: Olaf Winter
Herrenchor: Tilman Michael
Dramaturgie: Mareike Wink
Tristan: Vincent Wolfsteiner
Isolde: Rachel Nicholls
König Marke: Andreas Bauer Kanabas / Falk Struckmann (Juni, Juli 2020)
Brangäne: Claudia Mahnke / Tanja Ariane Baumgartner (Juni, Juli 2020)
Kurwenal: Christoph Pohl / Simon Bailey (Juni, Juli 2020)
Melot: Iain MacNeil
Ein Hirte: Tianji Lin
Ein Steuermann: Liviu Holender

Stimme eines jungen Seemanns: Michael Porter / Michael Petruccelli (14., 23. Februar 2020)
Herrenchor der Oper Frankfurt; Frankfurter Opern- und Museumsorchester

Oper Frankfurt /  Nicholls Rachel © David Shoukry

Oper Frankfurt / Nicholls Rachel © David Shoukry

Tristan und Isolde gilt als einer der Höhepunkte im Schaffen von Richard Wagner (1813-1883) und als gewaltiger Schritt in die musikalische Moderne. Etwas wie der „Tristan-Akkord“, der erst am Ende während Isoldes „Liebestod“ seine harmonische Auflösung erfährt, schien bis dahin unmöglich. Der Komponist war sich der Schwierigkeiten bewusst, die eine Realisierung seiner anspruchsvollen Handlung in drei Akten mit sich bringen würde: „Nur mittelmäßige Aufführungen können mich retten“, so schrieb er an Mathilde Wesendonck. Die Uraufführung am 10. Juni 1865 am Münchner Nationaltheater auf Befehl von König Ludwig II. wurde gleichwohl begeistert aufgenommen. Die letzte Frankfurter Inszenierung des Tristan feierte 2003 in der Regie von Christof Nel Premiere.

Oper Frankfurt /  Vincent Wolfsteiner © Barbara Aumüller

Oper Frankfurt / Vincent Wolfsteiner © Barbara Aumüller

Zum Inhalt: Obwohl Tristan den Verlobten Isoldes im Kampf getötet hat, pflegt die irische Prinzessin den verletzten Ritter gesund, unfähig, ihre Rache zu vollziehen. Später treffen beide auf dem Schiff, das Isolde ihrem neuen Gemahl, Cornwalls König Marke, zuführen soll, erneut aufeinander. Dort lädt Isolde den Brautwerber zum Sühnetrunk, doch ihre Dienerin Brangäne vertauscht den Todes- mit einem Liebestrank, so dass beide in tiefer Leidenschaft zueinander entbrennen. In Cornwall werden sie bei einem nächtlichen Treffen von König Marke ertappt, woraufhin Tristan von einem der Männer Markes schwer verwundet wird. In seiner Burg Kareol wartet der fiebernde Tristan auf die Geliebte und stirbt noch vor ihrer Ankunft. Isolde sinkt neben seiner Leiche zusammen.

Nachdem sie hier bereits 2016/17 Flotows Martha gemeinsam herausgebracht haben, finden Frankfurts GMD Sebastian Weigle und die Regisseurin Katharina Thoma, ehemals Regieassistentin am Haus, für die Neuproduktion von Tristan und Isolde erneut zusammen. Während er auf den renommierten Opernbühnen vor allem als ausgewiesener Spezialist für die Werke Strauss’ und Wagners gilt, führten sie ihre Arbeiten neben Barbers Vanessa in Stockholm und Frankfurt u.a. nach Glyndebourne. Die Engländerin Rachel Nicholls (Isolde) gibt ihr Frankfurt-Debüt, nachdem sie die Partie zuletzt in Rom und Turin mit großem Erfolg verkörpert hat. Vincent Wolfsteiner (Tristan) zählt seit 2014/15 zum Frankfurter Ensemble, wo er u.a. als Lohengrin sowie als Siegfried im Ring des Nibelungen und Erik in Der fliegende Holländer erfolgreich war. Andreas Bauer Kanabas (König Marke) stieß 2013/14 zum Sängerstamm Frankfurts, wo er u.a. als Daland (Fliegender Holländer) und Heinrich der Vogler (Lohengrin), aber auch als Philipp II. in Verdis Don Carlo zu erleben war. Die zuletzt genannte Partie verkörpert er gerade in der aktuellen Wiederaufnahme des Werks erneut. Claudia Mahnke (Brangäne), seit 2006/07 fest in Frankfurt engagiert, sang hier u.a. Fricka und Waltraute im Ring. Regelmäßig gastiert sie in Bayreuth. Seit 2005 ist Christoph Pohl (Kurwenal) Ensemblemitglied an der Dresdner Semperoper. Dort sang er neben Wolfram im Tannhäuser u.a. auch Danilo in Lehárs Die lustige Witwe, als der er 2018/19 auch erstmals in Frankfurt gastierte. Alle weiteren Partien – auch die Alternativbesetzungen – übernehmen Angehörige des Frankfurter Ensembles und Opernstudios sowie wenige Gäste.

Premiere: Sonntag, 19. Januar 2020, um 17.00 Uhr im Opernhaus

Weitere Vorstellungen: 25. Januar, 1., 9. (15.30 Uhr), 14., 23. (15.30 Uhr), 29. Februar,
12., 20., 28. (15.30 Uhr) Juni, 2. Juli 2020

Falls nicht anders angegeben, beginnen diese Vorstellungen um 17.00 Uhr
Preise: € 15 bis 165 (12,5% Vorverkaufsgebühr nur im externen Vorverkauf)
Karten sind bei unseren üblichen Vorverkaufsstellen, online unter www.oper-frankfurt.de oder im telefonischen Vorverkauf 069 – 212 49 49 4 erhältlich.

—| Pressemeldung Oper Frankfurt |—

Frankfurt, Oper Frankfurt, Martha – Don Carlo – Radamisto, Dezember 2019

Dezember 10, 2019  
Veröffentlicht unter Oper, Oper Frankfurt, Pressemeldung

logo_oper_ffm.gif

Oper Frankfurt

Oper Frankfurt inmitten des Finanzzentrums © IOCO

Oper Frankfurt inmitten des Finanzzentrums © IOCO

„SZENEN EINER EHE“
WEIHNACHTEN UND JAHRESWECHSEL –  OPER FRANKFURT

Amüsante, tragische und kriegerische „Szenen einer Ehe“ finden sich auf dem Spielplan der Oper Frankfurt an den Feiertagen und „zwischen den Jahren“: In Flotows romantisch-komischer Oper Martha begibt sich ein von der Hofgesellschaft gelangweiltes Adelsfräulein mitsamt Zofe auf amouröse Seitenwege und trifft auf zwei wackere Landwirte. Nach reichlich zwischenmenschlicher Verwirrung folgt ein genre-typisches Happy End, das späteren Familienanschluss nicht ausgeschlossen erscheinen lässt. Sehr viel ernster spiegelt sich das Thema in Verdis Don Carlo, wo die Ehe zwischen dem spanischen König Philipp II. und der französischen Prinzessin Elisabeth aus Gründen der Staatsraison geschlossen wird, sehr zum Verdruss von Philipps Sohn Don Carlo, der sich nämlich zuvor inkognito im Wald von Fontainebleau in Elisabeth verliebt hat. In Händels Radamisto hingegen ist das, was bei Verdi durch die Ehe verhindert werden soll – nämlich der Krieg –, bereits kurz nach Beginn der Aufführung in vollem Gange, und zwar zwischen dem armenischen König Tiridate und dem thrakischen Prinzen Radamisto. Dabei vermischen sich in bewährter Barockopern-Manier Kämpfe und Liebeshändel zwischen den Herren und den dazugehörigen Ehefrauen in fast unentwirrbarer Weise…

Oper Frankfurt / MARTHA © Barbara Aumueller

Oper Frankfurt / MARTHA © Barbara Aumueller

Martha von Friedrich von Flotow (1812-1883) steht am Montag, dem 23. Dezember 2019, um 19.30 Uhr und am 1. Weihnachtsfeiertag (Mittwoch, 25. Dezember 2019) um 18.00 Uhr sowie zum letzten Mal in dieser Spielzeit an Silvester (Dienstag, 31. Dezember 2019) um 19.30 Uhr auf dem Programm. Die musikalische Leitung der Inszenierung von Katharina Thoma aus dem Jahre 2016 liegt bei Generalmusikdirektor Sebastian Weigle, und nahezu alle Partien sind mit Mitgliedern des Ensembles besetzt, darunter Juanita Lascarro in der Titelpartie sowie Katharina Magiera (Nancy), Barnaby Rea (Lord Tristan), AJ Glueckert (Lyonel), Gordon Bintner (Plumkett) und Franz Mayer (Richter von Richmond). Die Silvestervorstellung und die anschließende Feier sind bereits ausverkauft. Für die Aufführungen am 23. und 25. Dezember 2019 sind noch Tickets erhältlich.

Oper Frankfurt / Don Carlo © Barbara Aumueller

Oper Frankfurt / Don Carlo © Barbara Aumueller

Seit der Premiere 2007 zählt David McVicars Inszenierung des Don Carlo von Giuseppe Verdi (1813-1901) zu den Publikumsmagneten des Hauses und ist am 2. Weihnachtsfeiertag (Donnerstag, 26. Dezember 2019) um 18.00 Uhr sowie am Samstag, dem 28. Dezember 2019, um 18.30 Uhr und zum vorletzten Mal in dieser Saison an Neujahr (Mittwoch, 1. Januar 2020) um 18.00 Uhr zu erleben. Am Pult des Frankfurter Opern- und Museumsorchesters steht mit Stefan Soltesz ein gern gesehener Frankfurter Gast. In der Titelpartie ist mit Alfred Kim ein ehemaliges Ensemblemitglied zu erleben. Ihm zur Seite stehen als Elisabeth Tamara Wilson im Wechsel mit Olesya Golovneva und als Philipp II. Simon Lim. Als Carlos Jugendfreund Rodrigo gibt Bogdan Baciu sein Hausdebüt, ebenso wie Carmen Topciu, die sich als intrigante Prinzessin Eboli mit Ensemblemitglied Tanja Ariane Baumgartner abwechselt. Auch Bianca Andrew (Tebaldo) und Magnús Baldvinsson (Der Großinquisitor) gehören zum festen Frankfurter Sängerstamm.

Oper Frankfurt / Radamisto © Barbara Aumueller

Oper Frankfurt / Radamisto © Barbara Aumueller

Radamisto von Georg Friedrich Händel (1685-1759) feierte 2016 in der Regie von Tilmann Köhler Premiere im Bockenheimer Depot. Nun steht die Produktion am Sonntag, dem 29. Dezember 2019, um 18.00 Uhr unter erneuter musikalischer Leitung von Kapellmeister Simone Di Felice auf dem Spielplan, diesmal jedoch im Opernhaus. Die Besetzung vereint – mit Ausnahme des gastierenden Countertenors Dmitry Egorov in der Titelpartie – aktuelle sowie ehemalige Frankfurter Ensemblemitglieder wie Kihwan Sim (Tiridate), Zanda Svede (Zenobia) und Jenny Carlstedt (Polissena).

Oper Frankfurt / Radamisto © Barbara Aumueller

Oper Frankfurt / Radamisto © Barbara Aumueller

—| Pressemeldung Oper Frankfurt |—

Nächste Seite »