Essen, Aalto-Theater, Cosi fan tutte – Wolfgang A. Mozart, IOCO Kritik, 19.06.2019

Juni 20, 2019  
Veröffentlicht unter Aalto Theater Essen, Hervorheben, Kritiken, Oper

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Aalto Theater Essen

Aalto-Theater-Essen © IOCO

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Cosi fan tutte – Wolfgang A. Mozart

– Allgegenwärtiges Lügen  wird  Zur Lehrstunde  des Lebens –

von Viktor Jarosch

Wolfgang Amadeus Mozart und Antonio Salieri (1750-1825) kannten einander sehr gut; begegneten sich in Wien wie in ihren Werken immer wieder. Lorenzo da Ponte (1749 – 1838), von Salieri aus Venedig nach Wien vermittelt, wiederum schrieb Libretti für Mozart und Salieri: 1788 das Libretto zu Antonio Salieris tragisch-komischer Oper Axur, re d’Ormus und 1786, 1787, und 1789 die Libretti zu Mozarts Opern Figaros Hochzeit, Don Giovanni und Cosi fan tutte. Erste Texte von da Ponte, gedacht für Antonio Salieris Werk La scuola degli amanti (Die Schule der Liebenden), „landeten“ so bei Wolfgang Amadeus Mozart, der die Komposition Cosi fan tutte (So machen´s alle) benannte; seiner Oper Le Nozze di Figaro entlehnt, wo Don Basilio den vermeintlichen Betrug der Susanna mit den Worten „So machen´s alle (Frauen)“ beschreibt.

Das Sujet der Oper Cosi fan tutte, weibliche Untreue, fasziniert denn seit Ovids Metamorphosen Werke und Gedanken zahlloser männlicher Schriftsteller. Männliche Untreue fasziniert SchriftstellerInnen weniger; wohl weil diese so alltäglich ist. Die Dramaturgin des Aalto-Theater meinte denn auch zur Einführung der Premiere, Cosi fan tutte sollte eher Cosi fan tutti (Männer und Frauen einschließend) heißen.

Cosi fan tutte –  Wolfgang A. Mozart
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Mozart komponierte Cosi fan tutte 1787, von Geldnöte geplagt; seine letzte Uraufführung, Don Giovanni, lag bereits etwas zurück. Angeblich, unbelegt, hat Kaiser Joseph II Mozart zu der Komposition beauftragt. Mit Lorenzo da Ponte eng verbunden entstand die Oper in kurzer Zeit, im Herbst 1789. Im Januar 1790 wurde sie im Burgtheater uraufgeführt; seither wird sie auf allen Bühnen der Welt regelmäßig gespielt: Mozarts lebendig komplexe Komposition belebt, beschwingt schon auf dem Weg zur Vorstellung. Das von männlichen Träumen beschwerte oft überzeichnetes Verwirrspiel dagegen nötigt zur Gelassenheit,es  ist eine musikalische Komödie; geschrieben zu einer Zeit, in welcher die beginnende Französische Revolution verunsicherte.

Die Handlung: In Cosi fan tutte will „Dunkelmann“ Don Alfonso, den aufrechten, leicht beeinflussbaren   Ferrando und Guglielmo, beweisen, dass die Treue ihrer Liebsten, der Schwestern Dorabella und Fiordiligi unbeständig ist; „dass Lieb ein unstet Ding ist“. Ferrando und Guglielmo lassen sich von Alfonso verführen und ein schräges Spiel von Verwandlung, Täuschung, Verwirrung läuft ab: Die Männer gaukeln vor, in einen Krieg zu ziehen; kehren als Albaner verkleidet zu ihren Liebsten zurück; drohen, sich das Herze zu durchbohren und zu vergiften, wenn Dorabella und Fiordiligi  ihre Liebe nicht erwidern.

Aalto Theater Essen / Così fan tutte © Matthias Jung

Aalto Theater Essen / Così fan tutte © Matthias Jung

Regisseur Stephen Lawless und Bühnenbildner Philipp Schlößmann stellen in ihrer ästhetisch klassizistischen Aalto-Inszenierung Mozarts Komposition, das Ensemble mit seiner Spielfreude in den Vordergrund. Die in der Handlung allgegenwärtige Lüge soll im Aalto-Theater zu einer sichtbaren „Lehrstunde des Lebens“ werden; in zeitlosem Klassizismus auf die Bühne gebracht: Ein hoher, heller, hellenistischer Saal mit antiken Statuen am vorderen Bühnenrand, im Hintergrund italienische Landschaften und der Vesuv: Dieser Raum ist bleibender Schauplatz; und sendet dabei beständig sensible Chiffren an das Publikum, wenn sich Decken und Wände des Saales zur Handlung lösen, brechen, wieder verfestigen; wenn Statuen sich wandeln; wenn im Hintergrund inmitten einer italienischen Landschaft der Vesuv raucht; wenn Fiordiligi, Dorabella ihre Kleider tauschen. Diesen Chiffren, Andeutungen ist oft nur schwer zu folgen, sodaß man sich gerne der Komposition wie Stimmen und Spielfreude des starken Ensembles zuwendet.

Die Akteure agieren meist in gepflegten Kostümen: Don Alfonso, Intriganten-gerecht in barockem dunklem Wams oder in dunkler priesterlicher Soutane mit großem Kreuz auf der Brust; Fiordiligi, Dorabella, Ferrando, Guglielmo stets in dezent gepflegten Rokoko-Kostümen. Despina dagegen treibt die Handlung aktiv: mal als brave Kammerzofe, mal als schriller Quacksalber, mal als trüber Notar. Sie ist die Kupplerin in  einem doppelbödigem Verwirrspiel; polarisiert die Herren-Intrige mit Primadonnen-Theater.

Aalto Theater Essen / Così fan tutte - hier : Martijn Cornet als Guglielmo, Dmitry Ivanchey als Ferrando © Matthias Jung

Aalto Theater Essen / Così fan tutte – hier : Martijn Cornet als Guglielmo, Dmitry Ivanchey als Ferrando © Matthias Jung

Das Theater, so zeigt auch Cosi fan tutte, hat alle Rechte gegen die Wahrscheinlichkeit, denn Dorabella und Fiodiligi fühlen eiskalte Stirnen und den schwachen Puls röchelnder Männer; sie klagen „Poverini! La lor morte, mi farebbe lagrimar.“ (Die Armen! Ihr Tod machte mich weinen)“; und konspiriert weiter: „Weil die Unglücklichen bald sterben müssen, bemüht euch wenigstens, ihnen Mitleid zu bezeigen“, so Despina zu Fiordiligi und Dorabella. Doch als Wunderheiler kuriert Despina die leidenden Ferrando und Guglielmo schnell mit falschem Latein und neumodischem Magnetismus-Apparat (Anspielung auf den zu Mozarts Zeit populären Arzt Anton Meßmer), um anschließend als Notar die schnell gesundeten Ferrando und Guglielmo mit Dorabella und Fiordiligi zu vermählen. Verwicklungen, welche nur komödiantisch, aber nie ernsthaft hinterfragt werden dürfen.

Der Besucher im Aalto-Theater wird zum wahren Genießer, wenn er das Aalto-Ensemble mit seinen wohl timbrierten wie  lyrischen Stimmen, das Aalto-Orchester und  Mozarts Komposition zu seinem Fokus macht; dabei den Sinn der vielen Chiffren des Bühnenbildes „hintanstellt“. Baurzhan Anderzhanow treibt als sympathisch eleganter Don Alfonso die Handlung, die Wette, nimmt den Besucher mit fest timbriertem Bariton wohltuend ein; er ist kein praller Bösewicht, kein dunkler Verschwörer, Don Alfonso im Aalto  vertreibt sich seine Zeit mit einer Wette, welcher die anderen eben folgen.

Aalto Theater Essen / Così fan tutte - hier : Despina als Notar vermählt © Matthias Jung

Aalto Theater Essen / Così fan tutte – hier : Despina als Notar vermählt © Matthias Jung

Dmitri Ivantchey, mit lyrischem Tenor, und Martijn Cornet, als Ferrando, Guglielmo wie als Albaner haben durch das bemühte Libretto ihrer Partie einen schweren Stand gegen eine starke Frauenriege: die Portugiesin Liliana de Sousa überzeugt als vielseitige Despina („Eine Frau kann ohne Liebe leben, aber nicht ohne Liebhaber…“), als Alfonsos leibhaftiges konspiratives Alter Ego, welches sich optisch und darstellerisch beständig wandelt: von einer Zofe in schwarzem Mieder zum Quacksalber zum Notar. Tamara Banjesevic als Fiordiligi und Karin Strobos als Dorabella ergänzen sich in ihren großen Partien als vermeintlich „verführte Frauen“ stimmlich wie darstellerisch, dominieren die Vorstellung. Der seitlich der Bühne positionierte  Aalto-Chor (Einstudierung Patrick Jaskolka) unterlegt das Fest von Stimmen und Klängen. Tomas Netopil leitete dazu die Essener Philharmoniker sängerfreundlich, mit wunderbaren Legatos und  sensibel gefestigtem Klangvolumen.

Das Premierenpublikum im gut gefüllten Aalto-Theater feierte  ihre neue Cosi fan tutte, die Lehrstunde des Lebens, ihr Ensemble, Chor und Orchester mit großem Beifall

Cosi fan tutte im Aalto-Theater; die nächsten Vorstellungen 22.06.; 27.06.; 4.07.; 13.07.2019

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Essen, Aalto Theater, Luisa Miller – Giuseppe Verdi – Letzte Vorstellung, 05.05.2019

April 25, 2019  
Veröffentlicht unter Aalto Theater Essen, Operette, Pressemeldung

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Aalto Theater / Luisa Miller © Matthias Jung

Aalto Theater / Luisa Miller © Matthias Jung

 Luisa Miller – Verdi – Abschied für immer

 Hilsdorf-Inszenierung letztmalig – Sonntag, 5. Mai um 18 Uhr

Noch ein letztes Mal haben Opernfreunde die Gelegenheit, Giuseppe Verdis Luisa Miller am Aalto-Theater zu erleben: Am Sonntag, 5. Mai, um 18 Uhr steht die finale Vorstellung auf dem Programm, womit sich diese Produktion endgültig von der Bühne verabschiedet. Eine Kutsche mit echten Pferden, eine opulente Bühnenausstattung und Dietrich W. Hilsdorfs markante Regie: Seit nunmehr 18 Jahren bietet Luisa Miller dem Publikum ein ganz besonderes Erlebnis. Unter der Leitung von Marco Cormin garantieren nicht nur die Essener Philharmoniker, sondern auch ein ausgezeichnetes Sängerensemble einen berauschenden Verdi-Abend. Die Gesangspartien übernehmen Jessica Muirhead (Luisa), Carlos Cardoso (Rodolfo), Gerard Quinn (Miller), Dario Russo (Graf von Walter), Bettina Ranch (Federica), Tadas Girininkas (Wurm), Marie-Helen Joël (Laura) und René Aguilar (Höfling).

Vorlage für Giuseppe Verdis 1849 uraufgeführte Oper ist Friedrich Schillers Trauerspiel Kabale und Liebe. Dabei dringt er mit seiner Adaption in die bürgerliche Sphäre des kritischen Gesellschaftsdramas vor. In seiner dritten Vertonung eines Sujets nach Schiller rückt erstmals ein kleinbürgerliches Familienmilieu ins Zentrum.

Eine halbe Stunde vor der Vorstellung findet ein Einführungsvortrag im Foyer statt.

Karten (€ 11,00 – 49,00) unter T 02 01 81 22-200 oder www.theater-essen.de.

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Essen, Aalto Theater, Tosca – Giacomo Puccini, ab 13.04.2019

April 3, 2019  
Veröffentlicht unter Aalto Theater Essen, Oper, Pressemeldung

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Aalto-Theater-Essen © IOCO

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 Tosca – Giacomo Puccini

 Wiederuafnahme 13. April, 19. Mai, 23. Juni, 14. Juli 2019

„E lucevan le stelle“ – es leuchteten die Sterne: Nicht nur wegen dieser weltbekannten Tenor-Arie ist Giacomo Puccinis Tosca eine der populärsten Opern. Ab Samstag, 13. April 2019, um 19 Uhr ist das italienische Meisterwerk wieder auf der Bühne des Aalto-Theaters zu sehen. Weitere Vorstellungen folgen am 19. Mai, 23. Juni und 14. Juli. In der Titelpartie ist mit Aalto-Sopranistin Gabrielle Mouhlen eine Sängerin zu erleben, die bereits international mit zahlreichen Puccini-Rollen auf sich aufmerksam gemacht hat, darunter Manon Lescaut, Turandot und auch Tosca. Am Aalto-Theater singt sie zurzeit die Desdemona in Verdis Otello. Sein Debüt am Essener Opernhaus feiert als Cavaradossi der Tenor Leonardo Caimi, der schon an großen Häusern wie der Mailänder Scala, der Deutschen Oper Berlin, der Semperoper Dresden sowie bei den Salzburger Festspielen zu Gast war. Aalto-Bariton Nikoloz Lagvilava, der die Partie des Scarpia übernimmt, brilliert zurzeit als Jago in Verdis Otello. Am Pult der Essener Philharmoniker steht Robert Jindra, Erster Kapellmeister am Aalto-Theater.

Aalto Theater / Tosca © Hamza Saad

Aalto Theater / Tosca © Hamza Saad

Die Handlung von Puccinis 1900 uraufgeführter Tosca spielt vor dem Hintergrund der politischen Ereignisse in Italien zur Zeit Napoleons: ein atemberaubender Opernkrimi und eine fesselnde Dreiecksgeschichte zugleich. Die Musik schildert einerseits mit drastischen Mitteln Verfolgung, Gier und Folter, zeichnet andererseits ein einfühlsames Charakterbild der Titelheldin. Die Regisseurin Christine Mielitz deutet Puccinis düster-glutvolle Oper als Kommentar zur Konfrontation von Politik, Privatleben und der Rolle des Künstlers. Dabei legt sie das aggressive Potenzial der wuchtigen, geradezu filmischen Musik in beklemmenden Bildern frei.

—| Pressemeldung Aalto Theater Essen |—

Essen, Aalto Theater, Der Ring an einem Abend – Konzertant, April – Juli 2019

März 21, 2019  
Veröffentlicht unter Aalto Theater Essen, Konzert, Oper, Pressemeldung

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Der Ring an einem Abend  – Konzertant

Aalto-Musiktheater entspricht dem Wunsch des Studios Loriot

Das Aalto-Musiktheater wird alle folgenden Vorstellungen von Der Ring an einem Abend als konzertante Aufführung auf die Bühne bringen. Auf Wunsch des Studios Loriot, das über die Aufführungsrechte des Formates Der Ring an einem Abend verfügt, wird die bislang präsentierte und beim Publikum sehr erfolgreiche szenische Einrichtung in dieser Form nicht mehr gezeigt. Orientieren wird sich das Aalto-Theater zukünftig am ursprünglichen Aufführungskonzept, wie es das Nationaltheater Mannheim 1992 erstmals umgesetzt hat.

Freuen darf man sich in der Essener Aufführung daher auch weiterhin auf ein großes Vergnügen mit echtem Humor à la Loriot: Jens Winterstein führt als Sprecher mit Loriots Texten durch das dreieinhalbstündige Wagner-Abenteuer, das den Opern-Giganten Der Ring des Nibelungen mit ungeahnten Erkenntnissen und einem Augenzwinkern näherbringt. Und natürlich werden auch in musikalischer Hinsicht alle Wünsche erfüllt: Unter der Leitung von Robert Jindra sorgen die Essener Philharmoniker in großer Besetzung gemeinsam mit den hervorragenden Solistinnen und Solisten für eine hochkarätige Wagner-Interpretation direkt auf der Bühne.

In dieser Spielzeit folgen noch Vorstellungen am 14. April, 26. Mai, 8. Juni, 5. Juli 2019. Auch in der kommenden Spielzeit wird es ein Wiedersehen mit Wotan, Brünnhilde und Co. geben (Wiederaufnahme am 30. Mai 2020).

—| Pressemeldung Aalto Theater Essen |—

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