Erfurt, Theater Erfurt, Der fliegende Holländer von Richard Wagner, IOCO Kritik, 27.03.2018

März 29, 2018  
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Theater Erfurt

Theater Erfurt @ Lutz Edelhoff

Theater Erfurt @ Lutz Edelhoff

Der fliegende Holländer von Richard Wagner

– Senta spinnt auf dem Rad –

Von Hanns Butterhof

Während der Ouvertüre zu Richard Wagners früher Oper Der fliegende Holländer von 1843 öffnet sich kurz der rote Bühnenvorhang. Er gibt den Blick auf eine Menschengruppe frei, die, während sich der tosende Sturm im Orchester gelegt hat und ruhig das Holländer-Thema erklingt, stumm auf die Projektion eines wild bewegten Meeres blickt. Erst der Schluss, der die gleiche Szene wiederholt, löst das Rätsel, worauf die Menge geschaut hat: auf Sentas Erlösungstat, eine überraschende Pointe der konsequenten Regie, die den Holländer als pathologischen Fall inszeniert.

Guy Montavon inszeniert Wagners Holländer als pathologischen Fall

Theater Erfurt / Der fliegende Holländer - hier: die Menge schaut der verschwundenen Senta nach @ Lutz Edelhof

Theater Erfurt / Der fliegende Holländer – hier: die Menge schaut der verschwundenen Senta nach @ Lutz Edelhof

Die Bilder, die der inszenierende Hausherr Guy Montavon und sein Ausstatter Hank Irwin Kittel auf die Bühne des Theaters Erfurt zaubern, sind von grandioser Wucht. Gespielt wird auf einer nach hinten durch Kittels eindrucksvolle Meeres- Videos abgeschlossenen, sonst fast hermetischen Einheitsbühne. Sie könnte das entkernte Innere eines Schiffes sein, in das nur eine schmale Eisenleiter hineinführt. Wände und Boden sind von Senta mit Worten wie Satan oder Erlösung bekritzelt, Stimmen schallen aus kleinen Luken, die sich gleich wieder schließen. Ob die Menschen, die sich außer Senta hier befinden, real oder nur vorgestellt sind, bleibt so offen wie die Realität des riesigen roten Schiffsrumpfs, der sich hier hineinschiebt und sich schließlich wie ein liebendes Lebewesen über die erwartungsfroh hingebreitete Senta schiebt.

Theater Erfurt / Der fliegende Holländer - hier Kelly God als Senta @ Lutz Edelhof

Theater Erfurt / Der fliegende Holländer – hier Kelly God als Senta @ Lutz Edelhof

Senta ist in Wagners Holländer die zentrale, in Montavons Inszenierung die einzige Figur. Kelly God gibt sie mit reifem, bezaubernd variablen Sopran von schwärmerischer Versonnenheit bis zur schrillen Hysterie als eine der Realität ins pathologisch Versponnene ausweichende junge Frau. Alles Geschehen vollzieht sich in ihrer Fantasie, das Zusammentreffen ihres Vaters Daland (Kakhaber Shavidze) mit dem Holländer (Todd Thomas), deren Ankunft und Werbung um sie. Ihrem reinen Wahn entspringen auch die Spinnerinnen und das Fest, das sie mit den heimgekehrten Matrosen feiern.

Die Regie mutet ihr allerlei zu, um ihre ständige Anwesenheit auf der Bühne zu rechtfertigen. Oft muss sie in einem alten Folianten die Geschichte des Fliegenden Holländers lesen und das Buch innig an ihr Herz drücken. Lang auch muss sie sehnsüchtig auf das Meer schauen oder kindlich-naiv mit einem Ball spielen. Beim Lied des Steuermanns fällt sie in Schlaf, zu dem der Spinnerinnen kurvt sie auf einem Rad herum. Die anderen Figuren, alle nur Wahnbilder Sentas, bleiben zumeist im Schatten, weitgehend auch gesichtslos wie der kräftige, von Andreas Ketelhut einstudierte Chor. Selbst Daland, dem Kakhaber Shavidze eine kräftige Bass-Kontur gibt, sein Steuermann Richard Carlucci mit berührender Südwind-Sehnsucht sowie die mahnende Amme Mary (Katja Bildt) treten nicht ins Licht.Ausnahmen sind der Holländer, den Todd Thomas stimmlich beeindruckend, aber im Ausdruck wenig differenziert zeichnet, und der Jäger Erik. Eduard Martynyuk gibt ihn mit ausdrucksstarkem Tenor als fordernden, schließlich resignierenden Bewerber um Sentas Hand.

Die Regie Guy Montavons lässt keinen Zweifel, dass er die Holländer-Phantasien Sentas für pathologisch hält. Legt er so die in sich konsequente, allerdings nicht ohne szenische Mühen durchgeführte Interpretation des „Holländers“ fest, so lässt er dem Publikum doch die Frage offen, was es mit Sentas Weltflucht auf sich hat. Ist es die dringliche Forderung Eriks, die ihre Furcht vor den ehelichen Pflichten und ihre Verweigerung hervorruft? Auch die gleichmachende Gesichtslosigkeit der Männer, die Ununterscheidbarkeit der Matrosen Dalands und der toten Seeleute des Geisterschiffs spricht für die Abwehr aller Männlichkeit. Ihre Erlösungsphantasie, auf den Holländer projiziert, ist auch ein Schrei nach einer bedeutenderen Frauenrolle, als es die der fleißigen, die Heimkunft ihrer Männer und deren Mitbringsel erwartenden Spinnerinnen ist. Gegen deren trauriges Los mag das Radfahren als Geste der Selbständigkeit gerichtet sein, auf dem Rad spinnt sie dagegen an. Am Ende, und das ist ein schöner Regie-Clou, erlöst sie nur sich selber von ihren Ängsten.

Theater Erfurt / Der fliegende Holländer - hier Todd Thomas als Holländer, Kelly God als Senta @ Lutz Edelhof

Theater Erfurt / Der fliegende Holländer – hier Todd Thomas als Holländer, Kelly God als Senta @ Lutz Edelhof

Allerdings hat das Regiekonzept auch seinen Preis. So rationalistisch es ist, so quer steht es zu Wagners Intention und der Erwartung des Publikums. Kelly God berührt mit ihrer Stimme, Eduard Martynyuks Erik bewegt, da er aus Fleisch und Blut ist. Ansonsten wird dem Gefühl wenig geboten. Selbst bei den toten Seeleuten kommt kein Grauen auf, dem Holländer fehlt alles Unheimliche.

Zudem ordnet Dirigent Xu Zhong, Direktor des „Shanghai Grand Theatre“ und Wagner-Debütant, Wagner offenbar den stürmisch drängenden, rebellischen Jungdeutschen statt den Romantikern zu. Entsprechend kräftig ist sein Zugriff auf die Partitur, aufwühlend bei der Schilderung von dramatischen Meeres- und Seelenzuständen, aber nicht für alle Gemütslagen und Szenen angemessen; das Duett Sentas mit dem Holländer deckt er mit dem furios aufspielenden Philharmonischen Orchester zu.
Nach zweieinhalb Stunden spannender, optisch überwältigender Aufführung gab es langanhaltenden Beifall des Publikums für alle Beteiligten, der für Kelly God, Todd Thomas, den Chor und das Philharmonische Orchester Erfurt unter Xu Zhong besonders kräftig ausfiel.

Der fliegende Holländer am Theater Erfurt; die nächsten Termine: 8.4., 18.00 Uhr, 14.4., 9. und 11. 5.2018 um 19.30 Uhr

—| IOCO Kritik Theater Erfurt |—

Erfurt, Theater Erfurt, Wagners Ring kompakt, 07.02.2013

Februar 7, 2013  
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Theater Erfurt

Wagners Ring kompakt

Der Ring des Nibelungen (an einem Abend)

 
von Richard Wagner
Die Tetralogie mit Sängern, Puppen und Kammerorchester
Instrumentation von Juri Lebedev, Koproduktion mit dem Theater Waidspeicher, Puppenbau: Udo Schneeweiß, Kathrin Sellin
 
Die bösartige Intrige am Hof der Burgunder, die im mittelhochdeutschen Nibelungenlied zum Tod des unschuldigen Helden führt, erregte Richard Wagners Theaterinstinkt, und er entwarf im Jahr 1848 das Drama Siegfrieds Tod. Bei der Ausarbeitung wuchs das Werk zu einem vierteiligen Opernzyklus. Die Handlung setzt mit dem Raub des Rheingolds durch Alberich ein und führt über die Begegnung der Geschwister Siegmund und Sieglinde, den Werdegang des jungen Siegfried und den Machtverlust Wotans bis zum finalen Weltenbrand.
 
Wagner konzipierte das Werk nicht als überlanges Märchen, mit seinem Rückgriff auf den Mythos wollte der ehemals steckbrieflich gesuchte Revolutionär eine Parabel gestalten, die einer zukünftigen Gesellschaft zur Grunderzählung taugt. Es ist das Gleichnishafte und Mythische dieses Stoffs, das dem Puppentheater besonders liegt. Eine märchenhafte Welt voller Zwerge, Drachen und wandelnder Götter nutzt die Stärken der Gattung, und das Spiel der Puppen vermag die Zeichenhaftigkeit zu vermitteln, die jede Figur als Hinweis auf größere Zusammenhänge begreift. In diesem Sinne ist die erneute Kooperation zwischen Theater Erfurt und Theater Waidspeicher ein Bekenntnis zu der erzählerischen Wucht, die das Hauptwerk Richard Wagners auch im Jahr seines 200. Geburtstages noch entfaltet.
Die reduzierte Fassung bietet – anders als bei den Aufführungen des gewaltigen, 16 Stunden dauernden Zyklus‘ – die Möglichkeit eines unverstellten Blicks auf den Ring, mit herausfordernden Einsichten für Kenner und einladender Prägnanz für Einsteiger.
 
Einen speziellen Blick hinter die Kulissen bietet der Blog ring-erfurt.com
 
Premiere Do, 7. Februar 2013, 19.30 Uhr, Studio, Weitere Aufführungen Di, 26.02. l Do, 21.03. l So, 21.04. l Di, 14.05.2013, Aufführungsdauer 3´15 h
 
Speziell für Schüler wird es den ersten Teil des Rings, Das Rheingold, als einstündige, in sich abgeschlossene Kurzversion der Inszenierung geben.
 
Aufführungen Di, 12.03. und Mi, 08.05.2013
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Erfurt, Theater Erfurt, 2. Philharmonisches Kammerkonzert, 18.11.2012

November 14, 2012  
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Theater Erfurt

10 Jahre Mantu-Duo
2. Philharmonisches Kammerkonzert

Zehn Jahre erfolgreiches gemeinsames Konzertieren feiern Gundula Mantu, Vorspielerin der 1. Violinen in der Jenaer Philharmonie, und Eugen Mantu, Solocellist des Philharmonischen Orchesters Erfurt, mit einer Sonntagsmatinee im Rathaus-Festsaal. Das Programm mit Kompositionen von Johan Halvorsen, Johann Sebastian Bach, Wolfgang Amadeus Mozart, Maurice Ravel und Erwin Schulhoff gibt einen Einblick in das große Repertoire des Musikerpaares.

Termin:So, 18. November 2012, 11 Uhr, Rathaus-Festsaal

 

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Erfurt, Theater Erfurt, 3. Sinfoniekonzert, 15./16.11.2012

November 13, 2012  
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Theater Erfurt

Klangwelten
3. Sinfoniekonzert

Größer können die Kontraste in einem Programm kaum sein! In den kammermusikalisch besetzten Stücken op. 10 treibt Anton Webern die Aphoristik ins Extrem. Das längste Stück dauert 80, das kürzeste 25 Sekunden. Klangfarben sind das tragende Element der sich durchweg am Rande des Hörbaren bewegenden Musik. Anton Bruckners Achte ist ein monumentales Werk, faszinierend in der Klangpracht des riesig besetzten Orchesters und der einzigartigen emotionalen Kraft.

Termin: Do, 15.11. | Fr, 16.11.2012, 20 Uhr, Großes Haus (19.30 Uhr Einführung)

Mittagskonzert: Do, 15. November 2012, 12.30 Uhr, Großes Haus (freier Eintritt)

 

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