Düsseldorf, Robert Schumann Saal, Konzert Marlene Dietrich bis Fritz Kreisler, 28.10.2018

robert_schumann_saal.png

Robert Schumann Saal   

Robert Schumann Saal im MPK Düsseldorf © Christoph Schuknecht

Robert Schumann Saal im MPK Düsseldorf © Christoph Schuknecht

Marlene Dietrich bis Fritz Kreisler
So, 28.10.2018, 17 Uhr
Robert-Schumann-Saal im Museum Kunstpalast, Düsseldorf
Konzertreihe erstKlassik! mit Moderation

Vladimir Korneev Gesang | Ensemble des Niederrhein Musikfestivals
Denn das ist meine Welt
Lieder und Instrumentalwerke aus der Glanzzeit des deutschen Chansons
von Marlene Dietrich bis Fritz Kreisler

Museum Kunstpalast / Robert Schumann Saal - Vladimir Korneev © C.N. Baumgartl

Museum Kunstpalast / Robert Schumann Saal – Vladimir Korneev © C.N. Baumgartl

Ein Ausflug in die Blütezeit des deutschen Chansons. In dieser kreativen Epoche zwischen den Weltkriegen schrieb etwa Friedrich Hollaender Marlene Dietrich das unsterbliche „Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt“ auf den Leib. Auch ließen sich Komponisten der „ernsten“ Musik in Deutschland und Österreich ganz unvoreingenommen von Film, Kabarett, Tanzmusik, Jazz und Chansons inspirieren. Mit Liedern von Richard Heymann oder Theo Mackeben und Instrumentalwerken von Erich Wolfgang Korngold, Fritz Kreisler und Erwin Schulhoff führt uns das Programm geradewegs in diese funkensprühende Musikepoche.

Ensemble: Anette Maiburg, Flöte/Leitung | Stefan Malzew, Arr./Klarinette/Vibraphon |
Karina Buschinger und Isabelle Engels, Violine | Junichiro Murakami, Viola | Guido Schiefen, Violoncello

Karten: 32/28/22/12 € (Schüler/Studenten 12 €) zzgl. Servicegebühren, erhältlich
an vielen Vvk-Stellen, unter T 0211-274000, im Museum Kunstpalast, über
www.robert-schumann-saal.de oder an der Abendkasse.
Wahlabo: Bis zu 20 % Rabatt, Details unter www.robert-schumann-saal.de.

Veranstalter: Stiftung Museum Kunstpalast, Robert-Schumann-Saal in Kooperation mit
dem Niederrhein Musikfestival


In der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen beschäftigten sich Komponisten in Deutschland und Österreich unvoreingenommen mit Unterhaltungsmusik und ließen sich bereitwillig von Film, Kabarett, Tanzmusik, Jazz und Chansons inspirieren. Der Chansonund Kammermusikabend „Denn das ist meine Welt“ lässt sich von der funkensprühenden Vitalität dieser kreativen Musikepoche inspirieren und führt das Publikum geradewegs in die Zeit, als Friedrich Hollaender Marlene Dietrich das Lied „Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt“ auf den Leib schrieb. Werner Richard Heymann arbeitete als einer der bedeutendsten Musiker der Weimarer Republik unter anderem für Max Reinhardts Kabarett „Schall und Rauch“. Theo Mackeben, der die Uraufführung der Dreigroschenoper leitete, komponierte mit „Nur nicht aus Liebe weinen“ und „Das Lied vom einsamen Mädchen“, Evergreens, die bis heute Bekanntheit genießen. Während Mackeben unter den Nazis weiter arbeiten konnte, wurden viele andere Komponisten, die in der Weimarer Republik Erfolg gehabt hatten, aufgrund ihrer jüdischen Abstammung verfolgt. Erich Wolfgang Korngold, der wegen seiner Opern von Komponisten wie Strauss und Mahler bewundert wurde, verließ Europa 1934 rechtzeitig in Richtung USA. In Hollywood drückte er mit seiner avancierten sinfonischen Musiksprache der sich gerade entwickelnden Filmmusik seinen Stempel auf. Korngolds Quartett Nr. 2 entstand kurz bevor er seine Heimat verließ. Es ist eine Liebeserklärung an die österreichischen Landschaften, die er mit Wienerischer Sinnlichkeit beschreibt. Untrennbar mit dem musikalischen Wien verbunden sind auch die Charakterstücke Fritz Kreislers. In seinen Alt-Wiener Tanzweisen „Liebesfreud“ und „Liebesleid“ blickt Kreisler mit unnachahmlicher Eleganz
und Wiener Schmäh auf musikalische Vorbilder aus Barock und Klassik zurück. Erwin Schulhoff gehörte zu den Komponisten, die sich in ihrer Musik mit Einflüssen aus Unterhaltungsmusik und Jazz auseinandersetzten. Seine Jazzetüden erschließen die Energie und Leidenschaft des Jazz mit klassischem Klangsinn. Damit passen sie hervorragend in den Kontext des Niederrhein Musikfestivals, in dem es darum geht Musik anders zu hören und auf überraschende Weise in neue Zusammenhänge zu setzen.
Text: Michael Vogt


Biografien:


VLADIMIR KORNEEV – STIMME
Der gebürtige Georgier kam als Kriegsflüchtling im Alter von 7 Jahren mit seinen Eltern
nach Deutschland. Nach einer zwölfjährigen Ausbildung zum Pianisten und seinem Abitur in Augsburg absolvierte er sein Schauspiel- und Gesangsstudium an der Bayerischen Theaterakademie August Everding in München. 2012 erhielt er sein Diplom mit Auszeichnung.

Korneev dreht für Film und Fernsehen. 2014 hatte er sein Fernsehdebüt an der S eite von Matthias Brandt und Sandra Hüller im Polizeiruf 110 „MORGENGRAUEN“, der für den Grimme-Preis nominiert wurde. Seither drehte er u.a. mit Tom Schilling „AUF KURZE DISTANZ“ und Ronald Zehrfeld „DENGLER“. In dem ARD Spielfilm „EINE SOMMERLIEBE ZU DRITT“ gab Vladimir die Hauptrolle. Dieses Jahr hatte Vladimir seine erste Kinofilmpremiere mit „KUNDSCHAFTER DES FRIEDENS“ neben Henry Hübchen, Michael Gwisdek und Thomas Thieme, spielte im schweizer TATORT „KRIEGSSPLITTER“ und drehte u.a. als Episodenhauptrolle für STRALSUND „KEIN WEG ZURÜCK“.
Zu seinem Schaffen als Schauspieler ist Vladimir Korneev Chansonsänger. Er ist dreifacher Preisträger in Folge beim Bundeswettbewerb Gesang Berlin Chanson und Gewinner des internationalen Andrej-Popov- Chansonwettbewerbs „THE SINGING MASK“ in St. Petersburg. Seine Liederabende erzählen mit Intensität und Feingefühl in Klang und Wort von der Sehnsucht nach Liebe. Seit Jahren wird Vladimir von dem Konzertpianisten und Dirigenten Liviu Petcu begleitet.

Im Mai 2014 brachte Vladimir sein Chanson Debüt Studioalbum „WEITERGEHN“ mit BR KLASSIK im Deutschen Theater München heraus. Mit seinem französisch-russischen Programm „LIEDÉR“ feierte Korneev 2016 sein Berliner Debüt in der BAR JEDER VERNUNFT und brachte dieses Live Konzert als sein zweites Album „RÉCITAL“ 2016 auf den Markt. Sein drittes Album „ROMÁNCE“ nahm Korneev 2017 als seine erste Orchester CD mit dem WDR Funkhausorchester auf. Liviu Petcu schrieb die Arrangements und dirigierte die Aufnahmen. Seit Sommersemester 2015 ist Vladimir Korneev Dozent an der Bayerischen Theaterakademie August Everding in den Fächern Gesang und Chanson.


 

ENSEMBLE DES NIEDERRHEIN MUSIKFESTIVAL


ANETTE MAIBURG – künstlerische Leitung/FLÖTE
Die ECHO-Klassik-Preisträgerin Anette Maiburg ist eine Flötistin mit vielen Facetten. Jenseits ihrer fundierten klassischen Ausbildung, ihrer Tätigkeit als gefragte Solistin, Orchester- und Kammermusikerin ist Anette Maiburg als feinsinnige Musikforscherin immer auf der Suche nach neuen musikalischen Wegen. Als weltoffene Musikerin lässt sie sich von den Musiktraditionen verschiedenster Kulturen inspirieren und entwickelt eigene Projekte. So entstehen in Zusammenarbeit mit internationalen Spitzenmusikern unterschiedlicher Genres faszinierende Dialoge zwischen klassischer Musik und anderen Musikwelten. Als Künstlerische Leiterin des Niederrhein Musikfestivals hat sie mit der „Classica“ CD- und Konzertreihe die Musik Kubas, Argentiniens, Venezuelas, Spaniens, Frankreichs und Brasiliens mit klassischem Klangsinn neu interpretiert. Maiburg entwickelt überraschende Konzertprogramme mit renommierten Chansonniers, Tänzern, Malern und Schauspielern. Darüber hinaus inspiriert sie zeitgenössische Komponisten dazu, das Flötenrepertoire mit anspruchsvollen neuen Werken zu bereichern, die sich als Ersteinspielungen in ihrer umfangreichen Diskographie wiederfinden. Nachdem sie an den Hochschulen Köln und Lübeck als Dozentin tätig war, ist es ihr heute ein zentrales Anliegen, ihre Erfahrungen in Meisterkursen an den künstlerischen Nachwuchs weiterzugeben. In Projekten wie „Ein Klang – Klassische Musik & Graffiti Art“ verbindet sie live Musik mit bildender Kunst und begeistert damit Jugendliche für die Klassik. STEFAN MALZEW – KLARINETTE, VIBRAPHON studierte Dirigieren, Komposition, Klavier und Klarinette in Ost-Berlin. 2001–2015 Chefdirigent der Neubrandenburger Philharmonie, davor Chefdirigent am Theater Gießen bzw. Kapellmeister am Schweriner Theater. Gründer des Internationalen Jugendorchestertreffens Neubrandenburg (NBJot), Moderator von Rundfunksendungen
bei DRadio Kultur und NDR. Sein youtube-Projekt zur Musikvermittlung „Stefans- Musikworkshop“ erhielt den Deutschen Webvideopreis den junge-ohren-preis und eine
Grimme-Online-Award Nominierung. In Vorbereitung ist sein Online-Portal „Einfach-Musik“. Die CD seiner Arrangements für Ute Lemper bekam eine Grammy-Nominierung. Als Dirigent und Instrumentalist ist er international aktiv.

KARINA BUSCHINGER – VIOLINE
begann im Alter von sechs Jahren mit dem Geigenspiel bei ihrer Mutter. Dann Studium bei Prof. Rainer Kussmaul in Freiburg. Meisterkurse bei Prof. Igor Ozim, Herrmann Krebbers, Miriam Fried und Dmitri Sitkovetsky folgten. 2003 war sie Finalistin des Int. Kulenkampff Wettbewerbs, des ARD-Wettbewerbs München sowie des Deutschen Musikwettbewerbs. Sie war zu Gast bei zahlreichen Festivals: Beethovenfest Bonn, Schloss Elmau, Schleswig-Holstein Musikfestival und Schwetzinger Festspiele. Im Mai 2006 musizierte sie beim Kammermusikfestival „Chamber Music Connects the World“ der Kronberg Academy gemeinsam mit Gidon Kremer, Yuri Bashmet und Frans Helmerson. Sie ist Dozentin der Villa Musica in Mainz und Mitglied des Ensemble Gagliano mit Julian Steckel und Aline Saniter.

ISABELLE ENGELS – VIOLINE
studierte Violine bei Mihaela Martin an der Kölner Musikhochschule, bei Donald Weilerstein am New England Conservatory in Boston und bei Gerhard Schulz in Wien. Künstlerisch beeinflusst wurde sie durch Meisterkurse mit Edward Dusinberre, Stefan Gheorghiu, Miriam Fried, Igor Ozim, Itzhak Perlman und Stefan Picard. Isabelle Engels ist Preisträgerin des internationalen Louis Spohr Wettbewerbs sowie mehrfache Bundespreisträgerin. Sie ist Empfängerin des Gerd Bucerius Stipendiums der Zeit Stiftung sowie Stipendiatin der Studienstiftung des Deutschen Volkes, des DAAD, der
Sinfonima Stiftung Mannheim und der Kunststiftung NRW. Als Solistin spielte sie mit der Staatskapelle Weimar und den Bochumer Symphonikern beim „Marler Debüt“. Konzertreisen führten sie durch ganz Europa, in die USA und nach Asien.

JUNICHIRO MURAKAMI– VIOLA
schloss 2000 sein Studium an der TOHO Musikhochschule in Tokyo bei Prof. Mazumi Tanamura ab. Seit 1999 konzertierte er als Gast-Solobratschist in renommierten Orchestern und Kammermusikensembles wie dem Tokyo Philharmonic Orchestra, Osaka Symphony Orchestra, Sendai Philharmonic Orchestra, Tokyo Ensemble u. v. a.

Ab 2004 studierte er als japanischer Regierungsstipendiat am Conservatorio Luigi Cherubini in Florenz bei Prof. Augusto Vismara. Er gewann erste Preise bei der Tokyo Chamber Music Competition (1998), beim Premio Trio di Trieste (2005) sowie beim Premio Vittorio Gui Florenz (2008). Als erster Preisträger wurden ihm Auftritte in 60 Konzerten in ganz Europa ermöglicht. Seit 2011 ist er Solobratschist beim WDR Sinfonieorchester Köln.

GUIDO SCHIEFEN – VIOLONCELLO
studierte in Köln bei Alwin Bauer und in Kursen bei Maurice Gendron und Siegfried Palm. Er ist Preisträger des Internationalen Tschaikowsky-Wettbewerbs in Moskau und erhielt den Kunstförderpreis von NRW. Heute konzertiert der weltweit renommierte Cellist in Europa, Nord- und Südamerika, Japan und Nahost. Als Solist wurde er z.B. vom WDR Köln, den Berliner Symphonikern sowie den Bamberger Symphonikern eingeladen. Seit seinem äußerst erfolgreichen Debüt mit den sechs Solosuiten von J. S. Bach bei der Bachwoche Ansbach hat er sich einen hervorragenden Ruf als Interpret dieser Werke erworben, 1996 hat er als jüngster Cellist eine Gesamteinspielung für BMG/Arte Nova vorgenommen. Im Jahr 2008 wurde er als Professor an die Musikhochschule Luzern berufen.

 

—| Pressemeldung Robert Schumann Saal Düsseldorf |—

Düsseldorf, Museum Kunstpalast, Klavierfestival Ruhr 2014 – Beethoven-Gipfel II – Andras Schiff, IOCO Kritik, 16.06.2014

klavierfestival.jpg

Klavier-Festival Ruhr 2014

Museum Kunstpalast

Robert Schumann-Saal

Beethoven-Gipfel II mit András Schiff 

Klavierfestival Ruhr 2010 / Andras Schiff © Mohn

Klavierfestival Ruhr 2010 / Andras Schiff © Mohn

Großes Verständnis für die Fussball-Freaks hatten die Verantwortlichen im Kunstpalast Düsseldorf. Man hatte im Konzert-Foyer des Robert Schumann-Saales einen Monitor installiert. Somit konnten die Interessierten den frühen Sieg der deutschen Mannschaft gegen Portugal erleben, um sich dann, völlig entspannt, dem Konzertgenuss hinzugeben.

Das diesjährige Klavier-Festival hat einige Themen-Reihen. Unter anderem die drei letzten Klaviersonaten, der 32 Sonaten Beethovens, von drei verschiedenen Pianisten in drei Konzerten präsentieren zu lassen. Nach Krystian Zimmerman am 3. Juni in Wuppertal, spielte nun hier in Düsseldorf András Schiff die drei Stücke. Es folgt noch Igor Levit am 30. Juni in Mülheim.

András Schiff ist einer der ganz großen Klavierspieler unserer Tage. Einen breiten Raum in seinem Repertoire nimmt dabei das Klavierwerk Beethovens ein. Insbesondere liegen ihm die 32 Klaviersonaten am Herzen.

Klavierfestival Ruhr 2009 / Andras Schiff © Mark Wohlrab

Klavierfestival Ruhr 2009 / Andras Schiff © Mark Wohlrab

Schiff ist nun schon zum 13. Mal Gast des Klavierfestivals, also ein lieber “Bekannter“, mit dem man immer wieder gern zusammentrifft. So auch am Montag. Immer wieder fasziniert sein schlichtes, auf Anhieb überrumpelndes Auftreten, sowie seine hohe Musikalität. Er versteht sein Handwerk. Es ist das Fundament, mit dem er uns zur Freude mitteilt, dass er die Musik liebt, die er spielt. Das ist seine Aussage, Musik vermitteln und kein oberflächiges Virtuosentum.

Schiff kam 1953 in Budapest zur Welt. Schon als Kind begann seine Ausbildung. Sein Studium absolvierte er an der Franz Liszt-Akademie in Budapest, unter anderem bei György Kurtág und später bei George Malcolm in London. Er gehört heute zu den ganz Großen und ist international mit Preisen und Ehrungen überhäuft worden.

Seit 2004 hat Schiff in 20 Städten den kompletten Zyklus sämtlicher Klaviersonaten Ludwig van Beethovens in chronologischer Reihenfolge aufgeführt. Er spielte hier am Montag die drei letzten Sonaten des Komponisten ohne Pause hintereinander. Das machte Sinn. Keine Störung, nicht einmal ein Husten unterbrach seine Konzentration und die der Zuhörer.

Beethoven-Haus in Wien © IOCO

Beethoven-Haus in Wien © IOCO

Diese drei letzten Sonaten Beethovens haben es in sich, was Spieltechnik und Tempo (es existieren kaum Metronomangaben) anbelangt und geben vielfach Rätsel auf. Schiffs Tempo gab auf jeden Fall keine Rätsel auf. Es strömte alles in einer makellosen Balance des Spiels. Es gab da keine Äußerlichkeiten und aufgesetzte Effekte in Klang und Diktion.

Das Publikum zeigte sich begeistert nach diesem ungefähr einstündigen Konzert und spendete lang anhaltenden Beifall und lautstarke Bravi. Schiff bedankte sich mit dem “Präludium und Fuge in C-Dur“ aus dem “Wohltemperierten Klavier“ von Bach und mit einem zauberhaften Impromptu von Franz Schubert.    

IOCO / UGK / 16.06.2014

—| IOCO Kritik Klavierfestival Ruhr |—

Düsseldorf, Kunstpalast – Klavierfestival Ruhr, Gerhard Oppitz & Richard Strauss, IOCO Kritik, 14.05.2014

klavierfestival.jpg

 Klavier-Festival Ruhr 2014

Museum Kunstpalast

Klavierabend mit Gerhard Oppitz
Raritäten von Richard Strauss zum 150. Geburtstag

Klavierfestival Ruhr 2014 /Zum Auftakt des Strauss-Schwerpunkts des diesjährigen Klavier-Festivals Ruhr spielte Gerhard Oppitz gestern in Düsseldorf © KFR/Frank Mohn

Klavierfestival Ruhr 2014 /Zum Auftakt des Strauss-Schwerpunkts des diesjährigen Klavier-Festivals Ruhr spielte Gerhard Oppitz gestern in Düsseldorf © KFR/Frank Mohn

Es war ein Abend mit Repertoire-Raritäten, alle aus der Feder von Richard Strauss (1864 – 1949), dem man 2014 zum 150. Geburtstag huldigt. Es wäre schön gewesen, wenn ein größeres Publikumsinteresse für dieses Konzert vorhanden gewesen wäre. Es waren viele Plätze frei und das bei der ohnehin nicht sehr großen Platzkapazität des Robert Schumann-Saales im Kunstpalast. Schade!

Das Liedschaffen von Richard Strauss ist sehr umfangreich. Viele Preziosen sind darunter. Fünf seiner schönsten Lieder (Heimkehr – Ständchen – Freundliche Vision – Ständchen – Winterweihe) arrangierte der große Pianist und Komponist Walter Gieseking für Klavier Solo. Er spielte sie bei seinen Konzertabenden als Zugaben. Diese Transkriptionen wurden erst nach Giesekings Tod entdeckt.

An diesem Abend im Düsseldorfer Robert Schumann-Saal spielte sie Gerhard Oppitz kompetent und in einer großen Ausgewogenheit. Die Melodie der Singstimme in den Liedern war immer erkennbar und wurde nicht durch umrankende “dazukomponierte“ Musik zugedeckt. Die Stücke klangen sehr gut und Oppitz spielte sie mit sichtbarer Freude.

Ein erstaunlich großartiges Stück ist die H-Moll Sonate des jungen Richard Strauss. Der damals erst 16-jährige komponierte sie 1880. Es ist legitim, von einem meisterlichen Werk zu sprechen. Dieses rasante Opus lässt den späteren Strauss schon ahnen, seine Meisterschaft des Instrumentierens und die Opulenz der unerschöpflichen musikalischen Einfälle.

Gerhard Oppitz spielte das Werk mit markantem Zugriff, präzise in den Läufen und der musikalischen Gestaltung. Oppitz gelang es auch sehr gut, den dramatischen Impuls, der sich durch das ganze Stück zieht, herauszuheben.

Nach der Pause erfreute die Begegnung mit einer weiteren Rarität aus dem Schaffen von Richard Strauss. Das Melodrama Enoch Arden, op.38 entstand 1897. Es ist sozusagen ein Dankeschön an Erich von Possart, den neuen Intendanten des Münchner Hoftheaters. Er hatte Strauss wieder an das Haus gebunden, das dieser nach Querelen mit der vorherigen Direktion verlassen hatte.

Das Melodram für Klavier und einen Rezitator ist auf eine Ballade des Engländers Lord Alfred Tennyson komponiert. Ort der Handlung ist ein englisches Hafenstädtchen.

Klavierfestival Ruhr 2014 / Das Melodram "Enoch Arden" führten Gerhard Oppitz und Friedrich von Thun gestern im Robert-Schumann-Saal auf © KFR/Frank Mohn

Klavierfestival Ruhr 2014 / Das Melodram „Enoch Arden“ führten Gerhard Oppitz und Friedrich von Thun gestern im Robert-Schumann-Saal auf © KFR/Frank Mohn

Der Fischer Enoch Arden geht mit seinem Boot auf Fahrt. Seine Frau Annie und die Kinder bleiben zurück. Enoch hofft durch Erlöse dieser Handelsfahrt die Familie besser ernähren zu können. Doch es kommt anders. Enoch erleidet Schiffbruch und rettet sich auf eine verlassene Insel. Nach langen Jahren wird er zu Hause für tot erklärt. Noch zögerlich heiratet Annie den besten Freund Enochs, der sie immer schon verehrte. Aber die Zeit des Glücks ist nur kurz für Annie und ihre Familie. Enoch wird gerettet und kommt nach langen Jahren zurück in die Heimat. Er sieht das neue Glück seiner Frau von weitem, verzichtet auf sie, die er immer noch liebt und stirbt an gebrochenem Herzen.

Klavierfestival Ruhr 2014 / Gerhard Oppitz und Friedrich von Thun gestern beim Klavier-Festival Ruhr © KFR/Frank Mohn

Klavierfestival Ruhr 2014 / Gerhard Oppitz und Friedrich von Thun gestern beim Klavier-Festival Ruhr © KFR/Frank Mohn

Diese melodramatische Ballade schreit geradezu nach musikalischer Untermalung. Strauss erkannte die Möglichkeiten der Dichtung und ging zu Werke. Doch er hält sich in der Untermalung sehr zurück und gibt der Sprache den Vortritt. Die Uraufführung war 1897 mit Strauss am Klavier und Possart als Rezitator.

Auch Gerhard Oppitz hielt sich an diesem Abend in Düsseldorf sehr zurück. Der Rezitator Friedrich von Thun sprach die Texte sehr präzise, aber seine leicht verhangene, weiche Stimme war nicht immer gut zu verstehen. Eine Spur Überschwang hätte seiner sonst tadellosen Deklamation zuträglich gewesen.

Freundlich war der Beifall, insbesondere für Thun, der durch seine mediale Präsenz einem breiten Publikum bekannt ist.

IOCO / UGK / 14.05.2014

—| IOCO Kritik Klavierfestival Ruhr |—