Düsseldorf, Deutsche Oper am Rhein, Juni 2018

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Deutsche Oper am Rhein

Deutsche Oper am Rhein / Oper am Rhein fuer alle Opernhaus © Hans Joerg Michel - www.foto-drama.de

Deutsche Oper am Rhein / Oper am Rhein fuer alle Opernhaus © Hans Joerg Michel – www.foto-drama.de


Oper und Ballett am Rhein im Juni 2018


Fr 01.06. – 18.00 Uhr

Opernhaus Düsseldorf
Ballettwerkstatt zur Premiere von b.36: „Schwanensee“

Gespräche und Probenausschnitte mit dem Ballett am Rhein zu Martin Schläpfers Uraufführung (Eintritt frei).


Fr 08.06. – 19.30 Uhr

Opernhaus Düsseldorf
PREMIERE: Ballett am Rhein – b.36: „Schwanensee“ (Uraufführung)

Choreographie: Martin Schläpfer

Musikalische Leitung: Axel Kober


So 10.06. – 11.00 Uhr

Opernhaus Düsseldorf
„Der Opernbaukasten – Folge 3“

Oper entdecken mit Malte Arkona: Der KiKA-Moderator („Die beste Klasse Deutschlands“) und Pate der Jungen Oper am Rhein steht im Mittelpunkt der unterhaltsamen Bühnenshow für Familien mit Kindern ab 6 Jahren.


Mi 13.06. – 19.30 Uhr

Theater Duisburg
Franz Lehárs Operette „Der Graf von Luxemburg“ wieder in Duisburg:

Die raffinierte Komödie über einen miesen Heiratstrick und die ganz große Liebe – mit himmlische Melodien voller Sentiment, Witz, Tempo und absurder Komik. Drei Vorstellungen mit Bo Skovhus als Graf von Luxemburg und Juliane Banse als Angèle.


Do 14.06. – 19.30 Uhr

Opernhaus Düsseldorf
„Der fliegende Holländer“ von Richard Wagner wieder in Düsseldorf:

Bildstark inszeniert von Adolf Dresen, musikalisch geleitet von Aziz Shokhakimov – die Wiederaufnahme im Opernhaus Düsseldorf mit Anooshah Golesorkhi (Holländer), Morenike Fadayomi (Senta), Raymond Very (Erik), Hans-Peter König (Daland), Cornel Frey (Steuermann) und Iryna Vakula (Mary).


Fr 15.06. & Di 19.06. – jeweils 19.30 Uhr

Opernhaus Düsseldorf
Zusatzvorstellungen wegen großer Nachfrage: „Die Zauberflöte“ am 15. & 19. Juni

Die weltweit erfolgreiche Inszenierung von Barrie Kosky und „1927“ präsentiert

Mozarts berühmte Oper als frappierende Mischung aus Stummfilm und Live-Musik.


So 24.06. – 18.30 Uhr

Opernhaus Düsseldorf
„Cavalleria rusticana / Pagliacci“ wieder in Düsseldorf

Mord aus Eifersucht: zwei spannende Opern mit dem Schmelz des großen italienischen Belcanto-Gesangs. Christof Loy hat sie inszeniert – das Ensemble und die Düsseldorfer Symphoniker spielen unter der Leitung von Antonino Fogliani.


Di 26.06. – 18.00 Uhr

Opernhaus Düsseldorf
SING TOGETHER: Gemeinsam singen im Opernhaus

Rund 450 Vokalisten aus neun Schulchören, der „Sing together“-Projektchor, der Opernchor und der Kinderchor am Rhein geben ein gemeinsames Konzert im Opernhaus Düsseldorf. Mit dabei sind die Sopranistin Heidi Elisabeth Meier und Malte Arkona: Er präsentiert das bunte Programm aus Popmusik und Opernliteratur, das von der René Lozynski Group musikalisch begleitet wird. Zum Mitsingen lädt der „Sing together“-Projektchor Jugendliche und Erwachsene am 7. Juni zur ersten Probe ein. Für Zuhörer gibt es Karten zu 12,– € (erm. 6,– €) unter www.operamrhein.de.


Fr 29.06. – 19.30 Uhr

Opernhaus Düsseldorf
„Peter Grimes“ von Benjamin Britten wieder in Düsseldorf

Ein Gerücht wird zum Verdacht und schlägt um in unverhohlenen Hass: Drei Vorstellungen von „Peter Grimes“ in der packenden Inszenierung von Immo Karaman, musikalisch geleitet von Wen-Pin Chien.


Sa 30.06. – 19.30 Uhr

Theater Duisburg
PREMIERE: Young Moves 2017/18

Die Plattform Choreographie des Balletts am Rhein präsentiert Kreationen von vier Tänzerinnen und Tänzern des eigenen Ensembles

—| Pressemeldung Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf |—

Düsseldorf / düsseldorf festival !, Highlights düsseldorf festival! 12.9.-01.10.2018

Düsseldorf Festival / Kreation Thomas Rempen © Thomas Rempen

Düsseldorf Festival / Kreation Thomas Rempen © Thomas Rempen

düsseldorf festival

 

Highlights düsseldorf festival! 12.9.-1.10.2018

Vom 12. September bis 1. Oktober heißt es beim düsseldorf festival! wieder: Musik, Tanz, Theater und Neuer Zirkus. Auch in diesem Jahr zeigt das Festival Produktionen, die Grenzlinien zwischen den Kunstformen überschreiten und neue Mixturen kreieren. Viele der Gäste des Festivals sind international gefeierte Künstler, die hierzulande zum ersten Mal zu erleben sind. Unter den elf Glanzlichtern des Programms finden sich sechs NRW-Premieren und zwei Deutschlandpremieren.

Kiss & Cry
Compagnie Michèle Anne De Mey
Wie von Zauberhand
NRW-Premiere
Eine Frau wartet auf den Zug, allein auf einem schneebedeckten Bahnsteig. Sie denkt an all die Menschen, die aus ihrem Leben verschwunden sind. Und an die, die noch nicht da sind, von denen sie träumt, die sie erwartet und die nicht kommen werden … All das erleben wir in einer Welt im Format einer Modelleisenbahn, belebt und bewegt durch einen berührenden und zärtlichen Tanz der Hände. Wir sehen das live auf der Bühne, schauen zu beim Making-of – und sind gleichzeitig Zeugen des gefilmten Resultats, das sich buchstäblich wie von Zauberhand auf einer großen Leinwand vor uns abspielt. Kaum zu glauben? Ja, tatsächlich, man muss es sehen.
Mi 12.09. – Fr 14.09., 20 Uhr, Theaterzelt, Burgplatz


Machine de Cirque
Schöne neue Maschinenwelt
NRW-Premiere
Die Akrobaten, Musiker und Komödianten der kanadischen Artistengruppe Machine de Cirque nehmen uns mit auf eine surreale Reise durch die Zeit. Szenario ist die Welt nach der Apokalypse. Die fünf überlebenden Männer machen sich in einer fantastischen Maschine auf die Suche nach anderen Lebewesen. Es herrscht Untergangsstimmung – aber wundersamerweise entzünden sich, angetrieben von einem musikalischen Feuerwerk, an eben dieser Tristesse Szenen von hinreißender Komik. Dabei wird die abenteuerliche Apparatur je nach Bedarf zum Turngerät, zum Hochseildraht, zum Sprungbrett oder zum Fahrradparcours – jedenfalls immer zur Bühne für ein tollkühnes Spektakel voller Charme und Nostalgie.
Sa 15.09., 20 Uhr, So 16.09., 16 & 20 Uhr, Theaterzelt, Burgplatz


Liniker & Os Caramelows
Unerhört und umwerfend
NRW-Premiere
Kleid, Lippenstift und Schnurrbart, Mann oder Frau? Liniker legt sich nicht fest. Das Spiel mit Rollen und Klischees prägt den Auftritt des charismatischen Sängers aus São Paulo. Damit stellt er das Konzept einer Welt, die sich in weiblich und männlich spaltet, gründlich auf den Kopf. Körperpolitik? Ja, aber eine, die vom Stuhl reißt. Mit seiner Band Os Caramelows zählt Liniker zu den neuen heißen Acts der Megametropole – dank seiner unverwechselbaren Stimme, die zwischen Tenor und Bariton oszilliert, und einem irrwitzigen Mix aus 70er-Jahre-Funk, Fusion, Samba, R’n’B und Música Popular Brasileira. Das ist unerhört und auch in kühleren Breitengraden umwerfend.
Sa 15.09., 20 Uhr, zakk Düsseldorf


Daara J Family
Faada Freddy & NDongo D
Explosive Rap-Mischung
NRW-Premiere
2015 hat Faada Freddy das Theaterzelt zum Kochen gebracht, jetzt kommt er mit NDongo D – zusammen wird das Duo aus dem Senegal das Zelt erbeben lassen. Mit einer explosiven Mischung aus den traditionellen Gesängen ihrer Heimat, James Browns Funk, Bob Marleys Reggae, psychedelischen Sounds à la Pink Floyd und dem Stil der Hip-Hop-Ikonen Public Enemy machen die beiden Vollblutmusiker international Furore. Auch ihr gesellschaftliches Anliegen verbindet Daara J, zu Deutsch „Schule des Lebens“, mit den Polit-Rappern aus den USA. Ihre Texte handeln von Gefahren, die der
Umwelt drohen, von der Hoffnung auf eine bessere Welt für unsere Kinder, von Globalisierung und afrikanischer Identität.
Mo 17.09., 20 Uhr, Theaterzelt, Burgplatz


Sing Joyfully
VOCES8
Lebensfreude A-cappella
Byrds Aufforderung, Lebensfreude durch Gesang zum Klingen zu bringen, wird von VOCES8 meisterhaft erfüllt. Mit „Sing Joyfully“ nimmt uns das Londoner Vokaloktett, das sich mit erfrischenden Auftritten, ausgefeilten Programmen und einzigartigem Klang an die Spitze der A-cappella-Welt gesungen hat, mit auf eine musikalische Reise durch Stile und Epochen. Ob Rachmaninoffs Sakralmusik oder Nat „King“ Coles Jazz, Spiritual oder Traditional, Glaubensbekenntnis oder Liebesschwur – immer ist es die Musik, die den innersten Gefühlen entscheidend Ausdruck verleiht. Vor allem wenn uns himmlische Stimmen durch ätherische Höhen und wohligste Tiefen führen, um uns am Ende beglückt zurückzulassen.
Di 18.09., 20 Uhr, Johanneskirche


SHOW
Hofesh Shechter – Shechter II
Vision einer verkehrten Welt
NRW-Premiere
Zum ersten Mal in Düsseldorf: eine Arbeit des international gefeierten Choreografen Hofesh Shechter. Das Stück, kreiert für Shechter II, die Junior Company mit ihren weltweit aus über 1000 Bewerbern gecasteten jungen Tänzern, heißt SHOW. Und ist es auch! In einer provokativen Choreografie zwischen Tanz und Theater entwerfen anarchische Performer die bissig-komische Vision einer verkehrten Welt voll mörderischer Gewalt und rasender Begierde, in der Narren Könige und Könige Narren sein können. Begleitet von perkussiven Beats, von Shechter selbst komponiert, verwandeln sich die Darsteller in einen menschlichen Tornado. Das ist kühn und aufregend, da schlägt das Herz bis zum Hals.
Mi 19.09. & Do 20.09., 20 Uhr, Theaterzelt, Burgplatz


Danser Casa
Kader Attou & Mourad Merzouki
Hip-Hop-Trip durch Marokko
Deutschlandpremiere
Gemeinsam sind sie unschlagbar: In ihrer ersten Zusammenarbeit nach über 20 Jahren werfen Kader Attou, Drahtzieher der französischen Hip-Hop-Szene, und Mourad Merzouki, Direktor der Compagnie Käfig, ein Schlaglicht auf die marokkanische Tanzszene. Inspiriert vom schöpferischen Fieber der Stadt Casablanca ist ihr bahnbrechendes Stück ein Trip durch die Epochen, Stilmittel und Techniken des Hip- Hop und seiner Codes. Acht grandiose Tänzer repräsentieren jeweils mit einem ganz speziellen Talent und einer ganz besonderen Energie die Vielfalt der Ausdrucksmöglichkeiten des Hip-Hop – von Akrobatik und Zirkus über Parkour, New Style und House bis hin zu Formen des zeitgenössischen Tanzes.
Fr 21.09. & Sa 22.09., 20 Uhr, Theaterzelt, Burgplatz


Diwan of Beauty and Odd
Dhafer Youssef
Weltbürger mit arabischen Wurzeln
Er ist ein Weltbürger, auch musikalisch. Von Kind an dem Jazz verfallen, ist der Sänger und Oud-Spieler Dhafer Youssef von den Soundvorstellungen skandinavischer Musiker ebenso geprägt wie von den Klangwelten Indiens. Doch obwohl er seinen Heimatort Teboulba früh verließ, um in Wien, Barcelona, Berlin, New York, Dakar und Paris künstlerische Verwirklichung zu finden, hallt in seiner Musik und seinem Gesang auch die Vergangenheit nach. Ihr gewährt er heute mehr Einfluss denn je: In seinem
aktuellen Programm versöhnen er und seine Mitspieler Orient und Okzident auf eine schöne und verrückte Weise – eben „Beauty and Odd“.
So 23.09., 20 Uhr, Theaterzelt, Burgplatz


Epifónima
Cirkus Cirkör
Inspiriert von starken Frauen
Deutschlandpremiere
Atemberaubend die Zirkuseinlagen, verführerisch die Bilderwelten, aufregend anders die Musik. Der Cirkus Cirkör, schwedischer Stammgast im Festival, verblüfft und verzaubert mit seiner Körperkunst in ihrer eigenwilligen Mischung aus Akrobatik, Magie, Poesie und Theater. Dabei erzählen die Artisten tiefgründige Geschichten, nehmen es immer wieder mit den Herausforderungen der Welt auf. Die neue Produktion, deren Titel „Ausruf“ bedeutet, ist ein Statement für weibliche Stärken und Rechte. Sie befragt starke Frauenfiguren, um herauszufinden, was geschieht, wenn traditionelle Hierarchien
aufgebrochen werden und eher im Kreis als im rechten Winkel gedacht wird.
Di 25.09. – Do 27.9., 20 Uhr, Theaterzelt, Burgplatz


Jojo Mayer & Nerve
Drum’n’Bass akustisch
NRW-Premiere
Jojo Mayer ist ein Star am Schlagzeug. Und er ist ein Pionier. Vom Jazz kommend, wandte sich der Wahl-New Yorker als einer der ersten Drummer elektronischer Tanzmusik zu. Er vertiefte sich in die akustisch scheinbar unmöglich zu erzeugenden Rhythmen des Drum’n’Bass, jenes hochbeschleunigten Breakbeat-Sounds aus dem England der frühen 90er-Jahre und übersetzte sie live auf sein Instrument. So wurde er in kurzer Zeit zum Szeneliebling. Zusammen mit der Live-Electronic-Band Nerve erzeugt Mayer einen Groove, wie ihn keine Maschine hinbekommt. Das ist schillernd, visionär und hochkomplex – und die Leute tanzen dazu und machen Party.
Fr 28.09., 20 Uhr, Theaterzelt, Burgplatz


Sutra
Sidi Larbi Cherkaoui / Sadler’s Wells
Mönche des Shaolin-Tempels Henan
Kampfkunst und Körperbeherrschung
Sidi Larbi Cherkaoui ist ein Star der internationalen Tanzszene – ein Visionär mit unkonventionellen Ideen. In einer Jubiläumswiederaufnahme zeigen wir in diesem Jahr noch einmal sein Stück „Sutra“, inspiriert von der Kampfkunst und der Körperbeherrschung der Shaolin-Mönche. Im 1500 Jahre alten Tempel der chinesischen Provinz Henan ist mit 19 zen-buddhistischen Mönchen eine Arbeit entstanden, die Gegensätze vereint: Die Kraft, die Schönheit und die Präzision des Kung-Fu verschmelzen mit der schlichten wandelbaren Bühne des britischen Turner-Preisträgers Antony Gormley und der live gespielten futuristischen Musik des polnischen Komponisten Szymon Brzóska zu einem eindrucksvollen Gesamtkunstwerk.
Sa 29.09., 20 Uhr, So 30.09., 16 & 20 Uhr, Mo 01.10., 20 Uhr, Theaterzelt, Burgplatz


—| Pressemeldung düsseldorf festival |—

Düsseldorf, Deutsche Oper am Rhein, Der Ring des Nibelungen – Siegfried, IOCO Kritik, 01.05.2018

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Deutsche Oper am Rhein

Deutsche Oper am Rhein / Oper am Rhein fuer alle Opernhaus © Hans Joerg Michel - www.foto-drama.de

Deutsche Oper am Rhein / Oper am Rhein für Alle –  Opernhaus © Hans Jörg Michel – www.foto-drama.de

Bühnenfestspiel – Der Ring des Nibelungen – Siegfried 

– Picknick mit dem Göttervater –

Von Hanns Butterhof

In der Walküre hatte Wotan noch auf einem opulent gedeckten Tisch getanzt. Im Siegfried, dem Folgeabend in Richard Wagners Bühnenfestspiel Ring des Nibelungen, nimmt er mit kargen Picknicks Abschied von seiner Welt. Unspektakulär sieht er seinen Enkel Siegfried in der musikalisch wie szenisch fesselnden Aufführung zu seiner Bestimmung aufwachsen.

In der vorhergehenden Walküre hatte Regisseur Dietrich W. Hilsdorf erkennen lassen, dass Wotan weit in die Zukunft schaut. Seinen Sohn Siegmund hatte er geopfert, um seinen Plan der Weltrettung durch dessen Sohn Siegfried verwirklichen zu können. Im Siegfried beobachtet er nun scheinbar rein passiv, wie seine Vorausschau Wirklichkeit wird.

Deutsche Oper am Rhein / Siegfried - hier: Michael Weinius als Siegfried; das Schmieden des Schwerts gelingt; Cornel Frey als Mime jubiliert © Hans Jörg Michel

Deutsche Oper am Rhein / Siegfried – hier: Michael Weinius als Siegfried; das Schmieden des Schwerts gelingt; Cornel Frey als Mime jubiliert © Hans Jörg Michel

Als Wanderer (Simon Neal) kommt er mit seinem Fahrrad wie zufällig in der bunkerartigen Wohn-Schmiede Mimes (Bühne: Dieter Richter) vorbei. Mime (Cornel Frey) hat ohne das Doping des Rings seine Schmiedekunst verloren und hält mit Videos, auf denen die argen Demütigungen durch seinen Bruder Alberich im Rheingold zu sehen sind, seine Wut wie seine Gier nach dem Nibelungenhort am Kochen. In seiner aberwitzigen Vorfreude auf den Gewinn des Rings und seine Weltherrschaft zappelt er in einem hinreißend rumpelstilzlichen Tanz durch seine Werkstatt.

Cornel Frey ist darstellerisch wie gesanglich eine Idealbesetzung, ein ständig unruhiger, sich überschätzender Charakter, ein Tenor mit geschärfter Deklamation und schneidenden Spitzentönen. Er ist als langhaariger, dünner Pfuscher in der alternativen Szene eine treffliche Karikatur des Aussteigers. Ihm misslingt alles, besonders der Plan, dass ihm Siegfried (Michael Weinius) aus Dankbarkeit dafür, dass er ihn aufgezogen hat, den Nibelungenhort verschafft. Doch der schmäht und drangsaliert ihn, wo er nur kann, bricht seine Schwerter wie Tand entzwei, tötet ihn schließlich ohne weitere Gewissensbisse und hängt ihn am Fleischerhaken vor der Drachenhöhle auf.

Deutsche Oper am Rhein / Siegfried - hier: Wotan (Simon Neal) dransaliert Mime (Cornel Frey) © Hans Jörg Michel

Deutsche Oper am Rhein / Siegfried – hier: Wotan (Simon Neal) dransaliert Mime (Cornel Frey) © Hans Jörg Michel

Der Siegfried Michael Weinius’ kommt wie ein gestandenes bayrisches Mannsbild daher, bärtig und mit kräftiger Figur – das Programmheft rechnet ihm 33 Jahre zu. Ihm gelingt nicht nur das Kunststück, das an Wotans Speer zerbrochene Schwert Nothung neu zu schmieden. Er schafft es auch ohne Peinlichkeit, das Aussehen und die Stärke eines Erwachsenen mit der bodenlos schwachen Weltkenntnis eines Pubertierenden zu vereinen. Der rabiate Egomane stemmt mit beeindruckend tenoraler Strahlkraft die anstrengende Partie, ist aber auch natur- und weltoffen zu zarten Lyrismen fähig.

Bei Mime packt der Wanderer erst gemütlich sein Picknick mit Rotwein und Baguette aus. Dann nötigt er dem Schmied die tödliche Wissenswette in einer nicht nur äußerst komischen, sondern auch ausdrucksstarken Szene auf. Da pumpt sich Mime auf einem alten Friseur-Sessel in ihm nicht zukommende Höhen hinauf, von wo ihn Wotan humorlos auf normal Null heruntersausen lässt. Hier bestätigt sich erstmals Wotans Vorwissen um Siegfried; er prophezeit Mime, dass ihn der töten wird, der das Fürchten nicht gelernt hat. Ein solcher aber, so war sein Versprechen gegenüber Brünnhilde, werde sie einmal zur Frau nehmen.

Deutsche Oper am Rhein / Siegfried - hier : Alberich (Jürgen Linn) bein Picknik mit Wotan (Simoan Neal) © Hans Jörg Michel

Deutsche Oper am Rhein / Siegfried – hier : Alberich (Jürgen Linn) bein Picknik mit Wotan (Simoan Neal) © Hans Jörg Michel

Simon Neals Wanderer, dessen Offiziersmantel und Stiefel seit der Walküre stark gelitten haben (Kostüme: Renate Schmitzer), ist alles andere als resignativ. Er hat seine bösartige Freude daran, Mime vergeblich hoffen zu lassen, dass er mit dem Leben davonkommt. Der kraftvoll-herrische Bariton lässt auch bei seinem zweiten Picknick vor der Drachenhöhle keinen Zweifel aufkommen, wer Herr im Ring ist. In einem nahezu freundschaftlichen Plausch mit Alberich (Jürgen Linn), der durchaus Wotans Schliche kennt, spielt er sadistisch mit dessen Hoffnungen. Der profunde Bass hofft hier noch chancenlos darauf, wieder in den Besitz des Rings zu geraten, der die Weltherrschaft verbürgt, und legt auf der gleichen aussichtslosen Basis wie sein Bruder Mime eine irre Kopie von dessen Vor-Freudentanz hin.

Denn Siegfried tötet den Hüter des Nibelungenhortes, Fafner (Thorsten Grümbel), und nimmt Tarnhelm und Ring an sich. Fafner hat sich nicht in einen Drachen verwandelt, sondern kommt in einem riesigen, urtümlichen Lokomotiven-Modell auf Schienen aus seinem Hangar gerollt. Als Siegfried sein Schwert in den Kesselraum stößt, fällt der zu Tode getroffene Insasse heraus. Thorsten Grümbel gibt ihn mit einnehmendem Bass als noch im Sterben freundlicher Herr, der vergessen lässt, dass er im Rheingold aus Gier nach dem Gold ohne Hemmungen seinen Bruder erschlagen hat. Die Sympathie der Regie verschafft ihm vielleicht die wenig zwingende Vorstellung, dass er die Lokomotive des Fortschritts in seinem Hangar ohne Gewinn-Erwartung nur geparkt hat,

Dem letztem Picknick des Wanderers fehlt es an zynischer Überlegenheit. Vor dem Eisernen Vorhang, vor dem er endlich auch der Erda (Christa Meyer mit warmem, vollem Mezzo) ihre schon im Rheingold entwendete Perücke zurückerstattetet hat, trifft er mit Siegfried zusammen. Der war in Richtung Brünnhilde und dem Feuerfelsen dem schönen Sopran des Waldvögeleins (Elena Sancho Pereg) gefolgt. Als der Wanderer diesem kühl das Genick gebrochen hat, muss Siegfried nun ihn nach dem Weg fragen. Als Wotan ihn ungemütlich reizt und schließlich den Weg versperren will, schlägt Siegfried, die Machtverhältnisse in der Walküre umkehrend, mit Nothung den Speer entzwei und den Wanderer respektlos zu Boden. Mit seiner eignen Niederlage triumphiert Wotans Plan: Siegfried erweist sich selbst dem Göttervater gegenüber als furchtlos; er kann Brünnhilde erwecken, eine neue Weltordnung begründen und Wotans Erbe antreten.

Deutsche Oper am Rhein / Siegfried - hier: Fafner (Torsten Grümbel) - von Siegfried (Michael Weinius) tödlich getrofffen © Hans Jörg Michel

Deutsche Oper am Rhein / Siegfried – hier: Fafner (Torsten Grümbel) – von Siegfried (Michael Weinius) tödlich getrofffen © Hans Jörg Michel

Aber so frei Siegfried bisher das in Wotans Sinn Notwendige getan hat, so frei wird er nach dessen Abdankung dagegen verfahren. Zwar durchschreitet er noch furchtlos die Flammen, die hinter dem Eisernen Vorhang flackern. Er erweckt Brünnhilde (Linda Watson) in ihrer Panzerung, die aus dem aus der Walküre bekannten ausgebrannten Hubschrauber besteht. Er lernt auch angesichts des Neuen, der Frau, das Fürchten. Aber dass er das Lieben lernt, gar auf den ersten Blick, wird in der Szene leider nicht glaubhaft. Zu steif birgt sich Siegfried hinter dem Wrack, zu beziehungslos strebt Brünnhilde, von Linda Watson statuarisch mit großvolumigem Sopran gegeben, von ihm fort. Als beide am Ende eines langen, motiv- und gedankenschweren Duetts überraschend doch zusammenfinden, feiern sie statt des glücklichen Lebens in einer neuen, harmonischen Welt, wie sie Wotan im Sinn hatte, den lachenden Tod.

Es ist das Orchester, das hier in einem gewaltigen Hymnus verbürgt, was die Szene nicht einlöst. Axel Kober dirigiert die brillant aufspielenden Düsseldorfer Symphoniker mit gediegenen Tempi. Ihr Farbenreichtum, starke Spannungsbögen und Wechsel in der Dynamik fesseln die Aufmerksamkeit, wobei es die Sänger bei manch krachend lauter Passage nicht immer leicht haben, gegenzuhalten.

Dem musikalisch rundum gelungenen Siegfried entspricht die klare Regie Dietrich W. Hilsdorfs, der nahezu schnörkellos die in der Walküre angelegte Entwicklung konsequent zu Ende erzählt. An der Düsseldorfer Oper am Rhein vergehen die viereinhalb Stunden der Aufführung des Siegfried wie im Flug und wirken noch lange, lange nach.

Der Beifall des Publikums für alle Beteiligten war überschwenglich, selbst für die Regie, der bei der Premiere noch einige Unmutsäußerungen gegolten hatten. Ovationen ernteten Axel Kober mit den Düsseldorfer Symphonikern und der phantastische Mime Cornel Frey.

Siegfried an der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf;  die nächsten Termine: 6. und 10. Mai 2018

—| IOCO Kritik Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf |—

Düsseldorf, Deutsche Oper am Rhein, Premiere  Schwanensee – Martin Schläpfer 08.05.2018

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Deutsche Oper am Rhein

Deutsche Oper am Rhein / Oper am Rhein fuer alle Opernhaus © Hans Joerg Michel - www.foto-drama.de

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Ballett Schwanensee – Premiere – Uraufführung

8. Juni 2018 – 19.30 Uhr

Seit seiner Uraufführung 1877 am Moskauer Bolschoi-Theater hat Schwanensee, das berühmte Ballett zur Musik von Pjotr Iljitsch Tschaikowski, zahlreiche Deutungen erfahren. Mit den charakterstarken Tänzerpersönlichkeiten des Balletts am Rhein zeigt Martin Schläpfer nun seine Lesart des Klassikers. In seiner hochexpressiven Tanzsprache erzählt er eine märchenhafte Geschichte über das Erwachsenwerden und entführt in eine Welt, „in der Geister und Unerklärbares noch nicht als Hirngespinste gelten“. Musikalisch begleiten die Düsseldorfer Symphoniker unter Leitung von Generalmusikdirektor Axel Kober die Compagnie. Florian Etti hat die Bühne und die Kostüme gestaltet, Stefan Bolliger ist für das Lichtdesign verantwortlich.

In den Hauptrollen sind bei der Premiere Marcos Menha als Siegfried, Marlúcia do Amaral als Odette, Camille Andriot als Odile, Monique Janotta als Siegfrieds Mutter, Chidozie Nzerem als Zeremonienmeister, Alexandre Simões als Benno, Young Soon Hue als Stiefmutter, Sonny Locsin als Rotbart und Boris Randzio als Großvater zu erleben. Weitere Informationen zur Besetzung  und sämtliche Aufführungstermine finden Sie auf der DOR Website.

Die Vorstellungen von Schwanensee am 11.7. und am 12.7. werden von WDR/arte aufgezeichnet.

—| Pressemeldung Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf |—

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