Dresden, Semperoper, Premiere Die verkaufte Braut – The Bartered Bride, 08.03.2019

Februar 19, 2019  
Veröffentlicht unter Operette, Premieren, Pressemeldung, SemperOper

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Semperoper

Dresden / Semperoper im Sonnenschein © Matthias Creutziger

Dresden / Semperoper im Sonnenschein © Matthias Creutziger

Die verkaufte Braut  –  Bedrich Smetana

– Frauenpower in böhmischen Dörfern –

Mariame Clément hat für die Semperoper Dresden Bedrich Smetanas Oper Die verkaufte Braut kräftig ausgelüftet. In ihrer scharfsinnigen Neuinszenierung, mit der die französische Regisseurin auf Einladung des Intendanten Peter Theiler ihr Dresdner Regiedebüt gibt, krempelt sie die idyllische niedliche Dorfkulisse um und befreit die vielschichtigen Charaktere mit frischem Esprit vom Folklorestaub.

Premiere mit Starbesetzung am Freitag, 8. März 2019 

An der Semperoper interpretiert Hrachuhí Bassénz die als Ware im männlichen Ränkespiel gehandelte Braut, deren Herz einem anderen gehört. In der Partie der Marie ist die armenische Sopranistin nach ihrem Dresdner Hausdebüt in 2017 erstmalig in der laufenden Spielzeit als neues Ensemblemitglied auf der Bühne der Semperoper zu erleben. Maries verschollen geglaubte Jugendliebe Hans interpretiert der slowakische Tenor Pavol Breslik in seiner ersten Neuproduktion in Dresden. Im Dezember 2018  begeisterte der Sänger bereits  in derselben Partie in David Böschs Neuinszenierung an der Bayerischen Staatsoper. Am Pult der Sächsischen Staatskapelle Dresden steht der tschechische Dirigent Tomáš Netopil. Der Generalmusikdirektor des Aalto-Theaters und der Essener Philharmoniker ist seit über einem Jahrzehnt der Semperoper Dresden eng verbunden, wo er zahlreiche Neuproduktionen dirigierte.

Der radikaldemokratische Journalist und Dichter Karel Sabina schuf das Libretto zu der von Bedrich Smetana als komisches Singspiel konzipierten nationalen Historienoper, deren Handlung in das rückständige Böhmen der zweiten Hälfte des 19.Jahrhunderts führt. Dort, in dem von Traditionen geprägten Mikrokosmos an der Peripherie des habsburgischen Vielvölkerstaats, gärt es im patriarchalischen Gesellschaftsgefüge. Mit Mariame Cléments dekuvrierender Neuinterpretation von Smetanas vermeintlicher Opernidylle folgt die Semperoper konsequent ihrem Spielzeitleitfaden 2018/19, gesellschaftliche Umbrüche und Transformationsprozesse neu zu thematisieren und den Kern scheinbar tradierter Werke zeitgemäß zu hinterfragen.

Premiere 8. März 2019 19 Uhr,  Semperoper Dresden, weitere Vorstellungen am 13., 16., 22. und 25. März , 25. und 28. April 2019 sowie 2. Mai 2019, Werkeinführung jeweils 45 Minuten vor Vorstellungsbeginn.

Karten für die Vorstellungen sind an der Schinkelwache am Theaterplatz (T +49 (0)351 4911 705) und online erhältlich. Weitere Informationen unter semperoper.de

—| Pressemeldung Semperoper Dresden |—

Dresden, Sächsische Staatskapelle, „Lady Inchiquin“ mit Bruckner und Mendelssohn, IOCO Kritik, 31.01.2019

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Sächsische Staatskapelle Dresden

Dresden / Semperoper im Sonnenschein © Matthias Creutziger

Dresden / Semperoper im Sonnenschein © Matthias Creutziger

  „Lady Inchiquin“  – Eine berühmte Stradivari und die Dresdner

 Frank Peter Zimmermann und die Sächsische Staatskapelle Dresden

von Thomas Thielemann

Der Hobby-Geigenbauer und damalige Violinist der Berliner Philharmoniker Walter Scholefield entdeckte 1978 bei den Geigenhändlern Bein & Fushi in Chicago eine Violine mit einem außergewöhnlich gestalteten Korpus, die 1711 in der Werkstatt Antonio Stradivari gebaut worden war. Ob jahrzehntelanger Vernachlässigung waren dem Instrument nur mit extremer Anstrengung Töne zu entlocken. Es war eigentlich akustisch „tot“.

Möglicherweise über Fritz Kreisler war das Instrument gegen Ende des 19. Jahrhunderts nach England in eine Familie Foster gelangt. Deren Tochter Jane heiratete 1900 in eine gälische Familie königlichen Blutes, wurde damit zur Baronin von Inchiquin und somit zur Namensgeberin der berühmten Geige; welche seither „Lady Inchiquin“ heißt. Nach ihrem Tode im Jahre 1940 wurde die Stradivari zunächst in die Schweiz versteigert, gelangte bis in die späten 1960er Jahre in die berühmten Sammlung Cho-Ming Sin nach Hongkong, bis sie dann nach Chicago im Gegenzug für ein anderes Instrument regelrecht getauscht worden ist.

Semperoper Dresden / Frank Peter Zimmermann und Lady Inchiquin © Harald Hoffmann

Semperoper Dresden / Frank Peter Zimmermann und Lady Inchiquin © Harald Hoffmann

Für $210.000  erworben, hat Scholefield mit einem professionellen Geigenbauer zweieinhalb Jahre an der Restaurierung seines Kaufs gearbeitet, bis die Geige nach Jahren geduldigen Arbeitens und Abwartens vor allem mit der Rekonstruktion des Holzes des Geigengrundkörpers endlich den perfekten Zustand, den dunklen Klang einer Guarani und den hellen einer Stradivari, erreicht hatte. Nach Scholefield Pensionierung kaufte 2001 die Düsseldorfer Bank WestLB AG die Geige und stellte sie Frank Peter Zimmermann zur Verfügung.

Nach einigen Wirrnissen gehört die „Lady Inchiquin“ inzwischen den NRW-Kunstsammlungen „Kunst im Landesbesitz“, so dass Frank Peter Zimmermann die Geige mit ihrem wundervollen Klang im 6. Symphoniekonzert mit Felix Mendelssohn Bartholdys Violinkonzert e-Moll vorstellen konnte.

Der Solist setzte unmittelbar im zweiten Takt mit dem Hauptthema ein. Alles war einem starken Ausdruckswillen unterworfen. Die Lady Inchiquin klang im Semper-Bau klar, schön und souverän; ein ästhetisches Erlebnis. Zimmermann spielte frisch mit Virtuosität wo nötig und mit Zurückhaltung, wo angebracht. Alles war einem starken Ausdruckswillen unterworfen, eine Interpretation, wie selbstverständlich.

Christian Thielemann ging bei alledem voll mit; ein Spiel wie aus einem Guss. Orchester und Solist erwiesen sich als Verbündete. Tempowechsel der Sologeige wurden vom Orchester sofort aufgenommen. Da waren Künstler am Werk, die das Expressive voll auskosteten und bis ins Letzte darboten.

Dem stürmischen Beifall folgte eine Bach-Zugabe Zimmermanns, eine faszinierende Verbindung von Sensibilität und emotionaler Intensität, sowie eine eindrucksvolle Demonstration der klanglichen Möglichkeiten der Lady.

Semperoper Dresden / Christian Thielemann und Sächsische Staatskapelle © Matthias Creutziger

Semperoper Dresden / Christian Thielemann und Sächsische Staatskapelle © Matthias Creutziger

Als Abrundung seines Bruckner-Zyklus mit den Dresdnern hatte Christian Thielemann die 1877er-Fassung der 2. Symphonie der neuen Edition des William Carragan gewählt. Der Bruckner-Spezialist Carragan (geboren 1937) hatte Bruckners gründliche Überarbeitung von 1877 (in der Überlieferung des Kopisten Franz Hlawaczek) mit Aspekten des Erstdrucks der Partitur von 1892 (incl. Bruckners handschriftlicher Anmerkungen) verglichen. Dabei wurden insbesondere Wiederholungen und Zusatznoten eliminiert, fragwürdige Änderungen in Phrasierung und Dynamik korrigiert, sowie Änderungen von Instrumentierungen auf Bruckner zurückgesetzt. Erstmalig 1997 aufgeführt, wurde die Partitur 2007 in die Bruckner-Gesamtausgabe aufgenommen.

Mit seiner Interpretation der c-Moll-Symphonie gelang Christian Thielemann ein abschließender Höhepunkt seines Bruckner-Zyklus mit der Sächsischen Staatskapelle.

Felix Mendelssohn Bartholdy © IOCO

Felix Mendelssohn Bartholdy © IOCO

Die opulente Streicherbesetzung machte das vom ersten Einsatz deutlich. Neben dem Ideal des gedeckten, dunklen aber immer durchsichtigen Klangbildes der Dresdner erreichte das Gebotene eine prachtvolle Durchsichtigkeit und Klarheit. Die Blechbläser waren hervorragend im Klangbild eingebunden und akzeptierten in jeder Phase die anderen Instrumenten -Gruppen. Im Andante war der lyrisch-hochromantische Charakter der Bruckner-Arbeit besonders betont und bot eine Rückbesinnung auf Mendelssohn. Im Scherzo trieb der Dirigent seine Musiker unter Hockdruck nach vorn und formte damit ein höchst dramatisches Geschehen. Das Finale, flott angegangen, wurde dann geradezu sanft und lieblich, bis nach der großen Drei-Takt- Generalpause der Sturm massiv losbrach. Besonders in den langen Generalpausen lagen die spannungsintensivsten Eindrücke der Darbietung.

Letztlich setzte Christian Thielemann Anton Bruckners Wille auf eine Performance voller Nuancen, voller Kraft und Eloquenz auf eindrucksvolle Weise um.

Fast überflüssig, den gewaltigen Beifall zum Abschluss des Bruckner-Zyklus der Staatskapelle zu erwähnen.

Nach den Dresdner Konzerten gehen das Orchester unter der Leitung Christian Thielemanns sowie seinem Capell-Virtuos Frank Peter Zimmermann mit dem Programm auf eine Tournee nach Wien, in den Musikverein, nach Baden – Baden ins Festspielhaus, nach Frankfurt in die Alte Oper und Hamburg, in die Elbphilharmonie.

—| IOCO Kritik Sächsische Staatskapelle Dresden |—

Dresden, Semperoper, Der fliegende Holländer – Richard Wagner, IOCO Kritik, 19.01.2019

Januar 18, 2019  
Veröffentlicht unter Hervorheben, Kritiken, Oper, SemperOper

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Semperoper

Dresden / Semperoper im Sonnenschein © Matthias Creutziger

Dresden / Semperoper im Sonnenschein © Matthias Creutziger

Der fliegende Holländer   –   Richard Wagner

 – Durch den Holländer überlebt Senta ihr Trauma –

Von Thomas Thielemann

Als  Florentine Klepper im Juni 2013 ihre Inszenierung des Fliegenden Holländers anlässlich des 200. Geburtstags Richard Wagner  am Ort der Uraufführung vorstellte, wurde ihre Arbeit von der Kritik und der Mehrheit der Besucher regelrecht zerrissen. Nahezu sechs Jahre nach der Konzeption dieser Inszenierung haben wir spätestens nach dem Castorf-Ring fast akzeptiert, dass auch die Arbeiten des Meisters zerteilt werden dürfen und entlang seiner Partituren beliebig wieder komplettiert werden können.

Der Texter, selbst wenn es der Meister selbst war, steht dann  wie ein Depp daneben, wenn es der Regie nur gelingt, ein gesellschaftliches Anliegen der unsterblichen Musik unterzuschieben. Und so sehen wir 2019 die Arbeit der Florentine Klepper deutlich aufgeschlossener, zumal einige ihrer Anliegen in der Gesellschaft noch immer relevant sind.

Der fliegende Holländer   –  Richard Wagner
Youtube Trailer der Semperoper Dresden
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Dabei löst sich die Regie von der märchenhaften Geschichte des verdammten Seefahrers, seiner an die Treue einer Frau gebundenen Erlösung und konzentriert sich auf die Psyche der Senta, ihrer Entwicklung von einer traumatisierten zu einer emanzipierten Frau. Dieses Anliegen erfordert folglich einen völlig abweichenden Handlungsfaden: Zur Beerdigung  ihres Vaters nach Hause gerufen, durchlebt eine traumatisierte Senta noch einmal die Gründe ihrer Flucht aus dem Elternhaus: Den offensichtlichen Missbrauch als Kind, die bigotten Zwänge des scheinbar wohlbehüteten Lebens als Tochter eines wohlhabenden Schiffseigners und der Zukunft in einer fragilen Ehe mit möglichst vielen Kindern und einem versoffenen Ehemann.

Senta schafft sich mit der Vision des Holländer ihren Ausweg aus ihrer  Situation, der Enge des Daseins.  Ihre Sehnsucht gilt dem Verfluchten,  den sie mit ihrer Befreiung auch von seinem Fluch befreien möchte. Im Finale darf der Besucher dann erkennen, dass Senta sich nicht geopfert, sondern die Holländer-Fiktion genutzt hat, ihre traumatische Situation zu bewältigen und selbstbewusst die Szene verlässt. Die kindliche Senta springt befreit von der Bühne.

Diese  Konfrontation mit dem scheinbar Überwundenen und das Phantasiegebilde des rastlosen Seemanns hat Florentine Klepper in bewegende Bilder umgesetzt. Über weite Strecken handwerklich gut gemacht, wird es aber dem arglosen Opernfreund nicht leicht gemacht, die verworrenen Handlungsfäden auch zu verfolgen.

Semperoper Dresden / Der fliegende Holländer - hier : Albert Dohmen als Hollaender, Anja Kampe als Senta © Klaus Gigga

Semperoper Dresden / Der fliegende Holländer – hier : Albert Dohmen als Hollaender, Anja Kampe als Senta © Klaus Gigga

Die zum Kreißsaal umfunktionierte Spinnstube symbolisiert die vermeintliche Reduktion der Rolle der Frauen auf den Kindersegen  doch recht unglücklich. Aber was soll eine hilflose Regie machen. Die Partitur Wagners beinhaltet nun mal das fröhliche „Summ und brumm, du gutes Rädchen“ und muss irgendwie in den Handlungsfaden eingepresst werden. Auch den Matrosenchor von einer reichlich alkoholisierten Totenwache singen zu lassen, was dann folgerichtig ausartet, war schon schräg.

Aber letztlich war das Geschehen eigentlich eine Fiktion der Senta. Und da sind schon irrationale Abläufe erlaubt. Nur sollten sie für den Opernbesucher nachvollziehbar bleiben.Trotz mehrfachen Ansehens der Inszenierung bleiben mir noch immer offene Deutungen. Da half dann letztlich nur, sich der phantastischen musikalischen Umsetzung hinzugeben.

Das Dirigat von Christian Thielemann und die großartig aufspielende Staatskapelle entwickelte das gesamte Potential der Partitur Richard Wagners. Die Momente von Natur, Mystik, Hoffnung und Verzweiflung hochdifferenziert geboten, gaben den Sängern ein stabiles Grundgerüst für ihre durchweg hervorragenden Leistungen.

Wie Christian Thielemann die Tempi modelliert, wie er unter einem Holzbläsermotiv  die leisen Streicher wuchtig hochziehen lässt, ist schon eine Klasse für sich. Eine phantastische Wirkung entfalteten auch die leisen Stellen, wenn sie  noch ein Quäntchen langsamer gespielt wurden, als gewohnt.

Die Senta von Anja Kampe war eine Interpretation mit der seltenen Intensität einer starken Mittellage, ausgezeichnet verankert in der Tiefe und akzeptabel in den Höhen. Beim Holländer von Albert Dohmen war deutlich, dass hier ein Sänger seine inzwischen begrenzten stimmlichen Möglichkeiten dank  seiner Erfahrung zu einer prachtvollen Gesangsleistung richtig in der Tiefe und gut in den Höhen führen konnte. Es hat schon seine Gründe, warum er immer wieder von Christian Thielemann zu seinen Opernaufführungen herangezogen wird.

Semperoper Dresden / Der fliegende Holländer - hier : Albert Dohmen als Holländer, Georg Zeppenfeld als Daland  © Klaus Gigga

Semperoper Dresden / Der fliegende Holländer – hier : Albert Dohmen als Holländer, Georg Zeppenfeld als Daland  © Klaus Gigga

Georg Zeppenfelds Bass verfügt über einen Farbenreichtum, den er auch einsetzte und  scheinbar spielend die Partie des Daland unanfechtbar über den Abend trug. Es ist immer wieder faszinierend, wie jugendlich anmutend diese Stimme noch immer strahlend über die Bühne geht. Christa Mayer sang und spielte mit ihren kurzen Auftritten eine energiegeladene präsente Mary.

Mit einem klangschönen und in der Höhe kraftvollen Gesang und differenzierter schauspielerischer Leistung war Tomislav Mužek ein berührender Erik. Gegen die Fiktion des Holländers hat er allerdings keine Chancen.

Auch Tansel  Akzeybek fügte sich mit seiner derzeitigen Stimmentwicklung ordentlich  in die Gesamtwirkung ein. Klar und die melodische Phrase aushaltend, sang er das Lied des Steuermannes an die ferne Freundin. Einen nachhaltigen Eindruck hinterließen  auch die von Jörn Hinnerk Andresen bestens vorbereiteten Chorszenen, selbst wenn die schaurigen Verse des Gespensterchores  von der Seitenbühne kaum durchdrangen.

Mit  frenetischem Schluss-Beifall dankte das Auditorium für die musikalische Umsetzung der Wagnerschen Partitur. So tobend erlebt man ein Publikum im Semperbau nicht alle Tage

Der fliegende Holländer an der Semperoper: Die nächste Vorstellung 22.2.2019, 1.3.2019

 

—| IOCO Kritik Semperoper Dresden |—

Dresden, Semperoper, Premiere Carmen – Ballett, 25.01.2019

Januar 16, 2019  
Veröffentlicht unter Ballett, Premieren, Pressemeldung, SemperOper

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Semperoper

Dresden / Semperoper im Sonnenschein © Matthias Creutziger

Dresden / Semperoper im Sonnenschein © Matthias Creutziger

  Carmen – Ballett von Johan Inger

– Grausamkeit und Unschuld –

Deutschlandpremiere am 25. Januar 2019

Mit Johan Ingers 2016 mit dem Prix du Benois de la Danse ausgezeichneten Ballett Carmen gibt die Company des Semperoper Ballett am 25. Januar ihre zweite Premiere in der Spielzeit 2018/19. Nach der Madrider Uraufführung in 2015 durch die Compañía Nacional de Danza und einem Gastspiel im schweizerischen Basel im November 2018 findet damit die Deutschlandpremiere von Ingers erstem abendfüllenden Handlungsballett in Dresden statt.

Der schwedische Choreograf orientiert sich in seiner Interpretation der Geschichte von erotischer Leidenschaft, atavistischem Freiheitsdrang und tödlicher Eifersucht weitaus enger an der 1847 erschienenen literarischen Originalvorlage Prosper Mérimées, als es die weltberühmte Oper von Georges Bizet tut. Die der ursprünglichen Novelle immanente Grausamkeit rückt Johan Inger in das Zentrum seiner Choreografie und kreiert eine düstere, psychologisierende Atmosphäre, ohne dabei auf die ekstatisch temperamentvollen Momente von Bizets Musik zu verzichten. Zusätzlich zu den bekannten Opernmotiven ergänzen Themen von Rodion K. Schtschedrin sowie eine eigens in Auftrag gegebene Komposition des Spaniers Marc Álvarez die Vertonung.

Schon früh inspirierte der kraftvoll rhythmische Esprit sowohl der literarischen wie musikalischen Vorlage bedeutsame Choreografen dazu, die Erzählung in reine Bewegung umzusetzen. Nachdem bereits Marius Petipa dreißig Jahre nach Erscheinen der Novelle das Ballett Carmen et son toréro in Madrid herausbrachte, deuteten Künstler wie Roland Petit, John Cranko, Antonio Gades, Mats Ek und Carlos Acosta Carmen immer wieder aufs Neue.

Der Blick Ingers konzentriert sich wie Mérimées Novelle auf den emotionalen Kampf des Protagonisten Don José. Allerdings modernisiert Inger das Drama und verleiht ihm durch seine Transkription in den zeitgenössischen Tanz seine ganz individuelle Lesart. Die von ihm eingefügte Knabenfigur bezeugt die in Leidenschaft und Gewalt eskalierende Handlung mit eigenen Augen und schafft die Verbindung zum Rezipienten: »Diesen Charakter umgibt ein gewisses Geheimnis. Es könnte irgendein Kind oder Don José als Junge sein, es könnte ebenso die junge Michaela oder Carmen oder Don Josés ungeborenes Kind sein. Es könnten auch wir selber sein, deren ursprüngliches Gutsein durch ein grausames Erlebnis verletzt wurde, dass wie eine tiefe Trauer unser Leben und unsere Fähigkeit mit andern zu interagieren für immer negativ beeinflusst hat.« Inger stellt sich mit seiner Interpretation des Stoffes der ungeheuren Aufgabe, mit tänzerischen Mitteln eine Entwicklung beim Zuschauer zu initiieren und über den kindlichen Augenzeugen einen Reflexionsprozess in Gang zu setzen, der über die erzählerische Intention hinauszielt: »Am Ende stellt sich die Frage, ob das Kind die erlebten Muster wiederholt oder sich weiterentwickelt und verändert.«

Mit Carmen stellt Ballettdirektor Aaron S. Watkin mit seiner Company nach den Einaktern Walking Mad und Empty House eine dritte Arbeit des internationalen Shootingstars Johan Inger in Dresden vor. Im März folgt das Semperoper Ballett im Rahmen seiner ersten Australien- und Singapur-Tournee der Einladung des weltbekannten Adelaide Festivals of Arts, wo die Company am 8., 9. und 10. März mit »Carmen« im Adelaide Festival Theatre zu erleben sein wird.

Carmen,  Ballett in zwei Akten von Johan Inger, interpretiert vom Semperoper Ballett mit Musik von Georges Bizet, Rodion Schtschedrin und Marc Álvarez, gespielt von der Sächsischen Staatskapelle Dresden (und vom Tonträger) unter der Musikalischen Leitung von Manuel Coves.

Mit freundlicher Unterstützung der Stiftung Semperoper – Förderstiftung

Premiere am 25. Januar 2019,  Weitere Vorstellungen am 27. Januar und 10., 16., 24. Februar 2019

Werkeinführung jeweils 45 Minuten vor Vorstellungsbeginn.

—| Pressemeldung Semperoper Dresden |—

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