Dresden, Sächsische Staatskapelle, Beethoven-Zyklus – alle Symphonien, IOCO Kritik, 07.09.2021

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Sächsische Staatskapelle Dresden

Semperoper

Semperoper © Matthias Creutziger

Semperoper © Matthias Creutziger

Dresdner Beethovenzyklus – Abschluss im ersten Saisonkonzert 2021/22 

4.-5.9. –  Sächsische Staatskapelle beendet mit Christian Thielemann ihre beeindruckenden Beethoven-Symphonien

von Thomas Thielemann

Ludwig van Beethoven Bonn © IOCO

Ludwig van Beethoven Bonn © IOCO

Die ersten Konzerterlebnisse mit dem Gewandhausorchester während meines ersten Studiums in Leipzig führten mich bereits mit den Beethoven-Symphonien zusammen, damals mit Franz Konwitschny (1901-1962). Diese bis heute prägenden Erinnerungen werden auch von den Einspielungen der Beethoven-Kompositionen des Gewandhausorchesters mit Franz Konwitschny von 1959-1961 gestützt. Die Aufnahmen wurden in der als Studio genutzten Bethanien Kirche in Leipzig-Schleußig gemacht. Neben dem Rundfunkchor Leipzig sangen Ingeborg Wenglor, Ursula Zollenkopf, Theo Adam und Hans-Joachim Rotzsch.

Vergleiche ich die Hörerlebnisse von Beethovenskleiner F-Dur-Symphonie“  Nr. 8 op. 93″ der Franz-Konwitschny-Einspielung  vom 23. August 1961 des Gewandhausorchesters mit dem Konzerterlebnis des Saisoneröffnungskonzertes  2021/22 der Sächsischen Staatskapelle mit dem Dirigat von Christian Thielemann so fällt natürlich die unterschiedliche Klangfärbung beider Orchester auf.

Sächsische Staatskapelle / Beethoven Zyklus, hier: Christian Thielemann und Solisten © Matthias Creutziger

Sächsische Staatskapelle / Beethoven Zyklus, hier: Christian Thielemann und Solisten © Matthias Creutziger

Das Gewandhausorchester, damals noch vom gelegentlichen Strassenbahngeräusch in der Ersatzspielstätte Kongresshalle gestählt, klang auf der Einspielung bestimmter, dunkler und kompakter als die Staatskapelle im Semperbau. Bei der Staatskapelle begeistern immer wieder der dunkelglänzende Klang des satten Streichersounds, die warmen Holzbläsertöne, der volle Blechbläserdunst und die tollen Pauken, eben der „Dresdner Klang“. Erstaunlich gleichen sich die guten Übereinstimmungen der Tempi der Dirigate von Franz Konwitschny und Christian Thielemann. Das ist umso wohltuender, weil doch in den vergangenen fünfzig Jahren jeder Beethoven-Interpret seinen Individualismus gerade an den Tempi  ausleben musste, seit nachgewiesen scheint, dass die Metronom-Angaben des Komponisten auf einem Irrtum beruhen. Eine weitere Gemeinsamkeit war, dass mit peinlicher Gewissenhaftigkeit sämtliche Wiederholungen ausgeführt waren und man Orchesterstimmen zu hören bekam, die ansonsten im gesamten Klangbild untergehen.

Christian Thielemanns Annäherung an Beethoven war auch im letzten Konzert des Zyklus im besten Sinne die eines Dirigenten der alten Schule. Bei aller Spontanität begrenzte er Temporückungen auf Bereiche, wo diese auch angebracht waren. Bereits mit dem temperamentvollen ersten Satz wurde betont, dass es sich bei der Beethoven Achten durchaus nicht um die „kleine C-Dur-Symphonie“ handelt. Den zweiten Satz, allegro scherzando, dirigierte er betont langsam, vermied jede Härte und Schroffheit, so als ob er zum Tanz gesetzter Personen aufspiele.

Sächsische Staatskapelle / Beethoven Zyklus, hier: Christian Thielemann © Matthias Creutziger

Sächsische Staatskapelle / Beethoven Zyklus, hier: Christian Thielemann © Matthias Creutziger

Wunderbar weich und zart der Übergang zum dritten Satz, dem Menuett, so dass man das Fehlen eines langsamen Satzes in der Symphonie nicht vermissen musste. Mit dem vierten Satz führte Christian Thielemann das Orchester zu einem prunkvollen philharmonischen Finale. Prachtvoll wurden die harmonischen Anschlüsse und die Versetzung der Tonarten herausgearbeitet.

Beethovens neunte Symphonie ist eigentlich das Werk des musikalischen Kosmos, welches die Werte des Humanismus, der Freiheit und Brüderlichkeit prägnant verinnerlicht. Andererseits sind nur wenige Kompositionen für allerlei Zwecke missbraucht worden: von der Motivation japanischer Kamikazeflieger, der Europa-Hymne, der Begleitung fragwürdiger Veranstaltungen bis zur Manifestation einer bürgerlichen Kultur und Selbstbeweihräucherung Mächtiger oder sogenannter Kreativer.

Als Richard Wagner im März 1849, wenige Wochen vor Ausbruch der Barrikadenkämpfe in Dresden die Symphonie einstudierte, befand sich der russische Anarchist Michael Bakunin unter den Zuhörern der Generalprobe. Begeistert von der Interpretation trat er zum Schluss an das Podium und forderte, wenn beim nahen Weltenbrand alle Musik verloren gänge, solle jeder für den Erhalt dieser Musik sein Leben wagen.

Haben Franz Konwitschny bei der Einspielung seines Zyklus noch 73 Stimmen des Rundfunkchores für den Schlusschor gereicht, so sind im Laufe der Jahre für die Events der Jahreswechselkonzerte des Gewandhauses zuletzt 150 Sänger aufgeboten gewesen. Der Verein Sinfonietta Mainz e.V. hatte für eine Aufführung der Symphonie in der dortigen Christuskirche im Dezember 2019 sogar 200 Chorsänger herangezogen.

Christian Thielemann führte das Orchester mit dem unerbittlichen, etwas ruppigen Kopfsatz zunächst von den freudvolleren, angenehmeren Tönen weg. Die Streicher ließ er aggressiver, fahler daherkommen, während die Bläser streng im Zeitmaß gehalten wurden. Das war Abkehr von jedem Wohlklang und Hinweis, dass der Finalsatz der Symphonie erarbeitet, verdient werden möchte. Folglich bietet der konsequent disponierte erste Satz mit seinen geheimnisvollen Depressionen und Explosionen kaum einen Anklang des euphorischen Schlusssatzes sondern deutet eher den Beginn eines längeren Weges.

Mit den vielen rasanten Stimmen des Scherzos ließ der Chefdirigent sein Orchester, keck und nicht ohne Raffinessen, Anklänge einer wohlklingenden und temperamentvollen Entwicklung des Symphoniegeschehens, herausarbeiten. Mit dem dritten langsamen Satz schlug Christian Thielemann, nach einer ordentlichen Anlaufzeit, einen schier unendlich langen mit zahlreichen Details und Facetten sowie einigen Neuentdeckungen ausgestatteten Brückenbogen zum leuchtenden Finalsatz, den er, nach Art eines klassischen Kapellmeisters, mit einer ordentlichen Anlaufzeit eher bescheidener einleitete.

 Sächsische Staatskapelle / Beethoven Zyklus, hier: in der Semperoper - Christian Thielemann und Solisten © Matthias Creutziger

Sächsische Staatskapelle / Beethoven Zyklus, hier: in der Semperoper – Christian Thielemann und Solisten © Matthias Creutziger

Das Solistenquartett dürfte in der gegenwärtigen Zeit seinesgleichen suchen. Hanna-Elisabeth Müller mit leuchtendem Sopran und phantastischem Durchsetzungsvermögen traf auf die ihr ebenbürtige Elisabeth Kulman. Diese Begegnung war uns eine besondere Freude, da Elisabeth Kulman für das Jahresende auch den Abschluss ihrer Laufbahn angekündigt hat. Der Einsatz von Piotr Beczala war der pure Luxus und Georg Zeppenfeld war, wie eigentlich immer, einfach großartig.

Die von Andé Kellinghaus hervorragend vorbereiteten zweiundsiebzig Sängerinnen und Sänger des Sächsischen Staatsopernchores profitierten vom differenziert geführten Orchesterspiel.

Letztlich wurde ein beeindruckender, sich steigernder, aber nie überbordender Schluss-Satz der Neunten Symphonie geboten, welcher der Lebensphilosophie des Menschen Ludwig van Beethoven entsprochen haben dürfte.

Es war nahezu verwunderlich, zu welch frenetisch stehenden Ovationen das ausgedünnte Auditorium fähig war. Fast ging die Verabschiedung des langjährigen Solo-Bratschers der Kapelle Michael Neuhaus dabei unter.

Mit diesen Konzerten der Sächsischen Staatskapelle wurde ein Beethovenzyklus von seltener Geschlossenheit beendet, der in Erinnerung bleiben wird.

—| IOCO Kritik Sächsische Staatskapelle Dresden |—


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Dresden, Sächsische Staatskapelle, Staatskapelle – Konzertsaison 2021/22, IOCO Aktuell, 08.07.2021

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Sächsische Staatskapelle Dresden

Semperoper

Semperoper © Matthias Creutziger

Semperoper © Matthias Creutziger

Sächsische Staatskapelle  –  Konzertsaison 2021/2022

– Aufbruch ins Unbekannte: letzte Werke, neue Aspekte – 

Zum Ende einer pandemiebedingt größtenteils unterbrochenen Spielzeit veröffentlicht die Sächsische Staatskapelle Dresden ihre Programme und Vorhaben für die Saison 2021/2022. Nach der Zäsur der vergangenen Monate reflektieren letzte Werke großer Komponisten über Ende und Neuanfang. Chefdirigent Christian Thielemann dirigiert trotz seines Sabbaticals u. a. die Neunten von Beethoven und Bruckner. Neben Konzerten mit dem Ersten Gastdirigenten Myung-Whun Chung und Ehrendirigent Herbert Blomstedt wird Antoine Tamestit als neuer Capell-Virtuos des 473 Jahre alten Klangkörpers mehrfach in Dresden zu erleben sein. Neuer Capell-Compositeur ist der deutsche Komponist und Dirigent Matthias Pintscher.

Sächsische Staatskapelle Dresden mit Chor unter Daniel Harding in der Semperoper © Matthias Creutziger

Sächsische Staatskapelle Dresden mit Chor unter Daniel Harding in der Semperoper © Matthias Creutziger

Christian Thielemann vollendet Beethoven-Zyklus

Mit Beginn der Saison schließen Christian Thielemann und die Sächsische Staatskapelle ihren vor zwei Jahren begonnenen Zyklus sämtlicher Symphonien Ludwig van Beethovens ab. Im 1. Symphoniekonzert erklingen die gegenüber seinen anderen Symphonien oft vernachlässigte Achte und die bisherige Gattungsgrenzen sprengende Neunte des großen Klassikers. »Für mich ist es rückblickend fast ein kleines Wunder, dass wir trotz aller Absagen und Spielplanänderungen unseren Beethoven-Zyklus wie geplant durch die Pandemie gebracht haben«, so Thielemann. »Insbesondere in den beiden letzten Symphonien erkennt man den gereiften Komponisten: Beethovens Achte hat eine gewisse Doppelbödigkeit, die uns als Zuhörer etwas ratlos zurücklässt. Und bei der monumentalen Neunten vergessen wir oft, wie radikal sie dem damaligen Publikum vorgekommen sein muss. Zurecht haben wir uns für die Erarbeitung aller Symphonien fast zwei Jahre Zeit gelassen – so entstand eine Durchdringung und ein wirkliches Verstehen dieser einmaligen Meisterwerke der Konzertliteratur.«

In den Konzerten zum Gedenken an die Zerstörung Dresdens am 13. Februar 1945 setzt Christian Thielemann einen Fokus auf Anton Bruckner. Dessen letzte Symphonie, in vielerlei Hinsicht die radikalste des Komponisten, blieb unvollendet. An die Stelle des fehlenden Finalsatzes stellt er Bruckners Te Deum – ein Werk, das den Komponisten mit Stolz erfüllte und mit dem er zu Lebzeiten einen seiner größten Erfolge feierte.

Anlässlich des 150. Geburtstags von Alexander Zemlinsky im Oktober 2021 dirigiert Thielemann im Mai dessen Lyrische Symphonie für Sopran, Bariton und Orchester.

Erneut zeichnet der Chefdirigent der Staatskapelle musikalisch für das vom ZDF übertragene Silvesterkonzert verantwortlich. Nach der Absage im vergangenen Jahr werden Teile des Programms mit Highlights aus Schlager, Filmmusik und Operette der 1920er-Jahre in diesem Jahr erklingen; als Solisten treten die Sopranistin Hanna-Elisabeth Müller, der Tenor Saimir Pirgu und der Pianist Igor Levit auf. Tourneen führen Thielemann mit der Staatskapelle u. a. nach Hamburg, Zürich, Budapest, Graz, Wien und Paris.

Myung-Whun Chung und Herbert Blomstedt

Zweimal in der nächsten Saison ist Myung-Whun Chung, Erster Gastdirigent des Orchesters, am Pult der Staatskapelle zu erleben: im Juni 2022 mit Schumanns Cello­konzert, gemeinsam mit Sol Gabetta, und Tschaikowskys Pathétique sowie zuvor im 2. Symphoniekonzert in der Doppelfunktion als Dirigent und Klaviersolist in Beethovens »Tripelkonzert«, gemeinsam mit den Konzertmeistern der Staatskapelle, Matthias Wollong und Norbert Anger.

Auch Ehrendirigent Herbert Blomstedt kehrt nach Dresden zurück: Im Sonderkonzert am 473. Gründungstag der Sächsischen Staatskapelle Dresden stellt der 93-Jährige Schuberts »Unvollendete« Symphonie Bruckners »Romantischer« gegenüber.

Capell-Virtuos: Antoine Tamestit

Sächsische Staatskapelle Dresden / hier Bratscher Antoine Tamesit © Julien Mignot

Sächsische Staatskapelle Dresden / hier Bratscher Antoine Tamestit © Julien Mignot

Der Bratscher Antoine Tamestit gilt als einer der wichtigsten Botschafter seines Instru­ments. Bei der Staatskapelle war er – auf Einladung von Frank Peter Zimmermann, dem damaligen Capell-Virtuosen – vor zwei Jahren erstmals zu Gast. Als neuer Capell-Virtuos wird der weltweit gefeierte Konzertsolist, Kammermusiker und Hochschullehrer in der Saison 2021/2022 mehrfach gemeinsam mit der Staatskapelle auftreten.

Seine Residenz eröffnet der Franzose im November mit Bartóks Violakonzert, dem letz­ten, in Skizzen überlieferten Werk des ungarischen Komponisten – das Konzert wird er unter der Lei­tung von Christian Thielemann im April 2022 auch bei den Osterfestspielen in Salzburg interpretieren. Unter der Leitung von Daniel Harding kehrt Tamestit außerdem im Januar mit William Waltons Bratschenkonzert nach Dresden zurück. Das Programm prä­sentieren beide Künstler gemeinsam mit der Staatskapelle anschließend bei Gastspielen im Concertgebouw Amsterdam und im Wiener Konzerthaus. Zum Finale seiner Dresd­ner Residenz zeigt Tamestit im Mai nochmals alle musikalischen Facetten der Viola im traditionellen Rezital des Capell-Virtuosen, das den Bogen von Bach über Brahms und Fauré bis hin zur britischen Komponistin und Bratschistin Rebecca Clarke schlägt.

Capell-Compositeur: Matthias Pintscher

1998 erregte der im nordrhein-westfälischen Marl geborene Komponist Matthias Pintscher mit der Uraufführung der Oper »Thomas Chatterton« an der Semp­eroper internationales Aufsehen. Nach über 20 Jahren kehrt Pintscher nun als Capell-Compositeur der Saison 2021/2022 wieder nach Dresden zurück. In seinem Sonderkon­zert im Februar wird er in der Doppelrolle als Dirigent und Komponist zu erleben sein; dabei erklingt sein im Frühjahr 2020 entstandenes Orchesterwerk »Neharot« als Deut­sche Erstaufführung. Pintschers Konzert »Chute d’Étoiles« für zwei Trompeten und Orchester, inspiriert von der Ausstellung »Sternenfall« des deutschen Malers und Bild­hauers Anselm Kiefer, steht im 7. Symphoniekonzert unter der Leitung von Vladimir Jurowski auf dem Programm.

Fokus Schostakowitsch

Von Anfang an engagiert sich die Sächsische Staatskapelle Dresden bei den Internationalen Schostakowitsch Tagen Gohrisch, hier die Besprechung von Thomas Thielemann, seit 2016 veranstaltet sie zudem ein Dresdner Sonderkonzert am Vorabend des beliebten Kammermusikfestivals in der Sächsischen Schweiz. In dieser Saison kombiniert Omer Meir Wellber, Erster Gastdiri­gent der Semperoper, Dmitri Schostakowitschs Symphonien Nr. 1 und Nr. 9 mit Sofia Gubaidulinas Violinkonzert »Offertorium« mit Vadim Gluzman als Solisten.

Das Konzert beschließt damit eine Auseinandersetzung mit dem Werk des russischen Komponisten, die die gesamte Spielzeit durchzieht: Mit der »Leningrader« gibt Tugan Sokhiev im Dezember sein Debüt am Pult der Staatskapelle; für das 7. Symphonie­konzert wählt Vladimir Jurowski seine 15. und letzte Symphonie. Auch der Saisonbe­ginn steht im Zeichen Schostakowitschs: Im inzwischen zur guten Tradition gewordenen Auftaktkonzert des Gustav Mahler Jugendorchesters, seit 2012 Partnerorchester der Staatskapelle, dirigiert Manfred Honeck Schostakowitschs Zehnte Symphonie.

Sächsische Staatskapelle Dresden / hier Chefdirigent Christina Thielemann © Thomas Creutziger

Sächsische Staatskapelle Dresden / hier Chefdirigent Christina Thielemann © Thomas Creutziger

Weitere Konzerte, Tourneen – Osterfestspiele Salzburg

Anlässlich des 175. Geburtstags des langjährigen Generalmusikdirektors Ernst von Schuch, dem Begründer der großen Dresdner Strauss-Tradition, leitet Franz Welser-Möst Richard Strauss’ Tondichtung Don Quixote in einem Sonderkonzert im Kulturpalast. Auch Ton Koopman holt sein im vergangenen Jahr ausgefallenes Barock-Programm mit Werken von Bach, Haydn, Vivaldi und Händel nach. Lorenzo Viotti rahmt im 3. Symphoniekonzert Bartóks Bratschenkonzert mit Musik von Kodály, Poulenc und Ravels zweiter Daphnis et Chloé-Suite. Im Palmsonntagskonzert legt Manfred Honeck mit Werken aus dem Jahr 1791 den Fokus auf das letzte Lebensjahr Wolfgang Amadeus Mozarts. Zum Abschluss der Konzertsaison dirigiert Daniele Gatti Gustav Mahlers letzte vollendete Symphonie, die Neunte.

Das Adventskonzert in der Frauenkirche leitet erstmals Petr Popelka, ehemals stellvertretender Solokontrabassist der Sächsischen Staatskapelle. Mit Kapelle für Kids und Projekten wie Ohne Frack auf Tour führt das Orchester sein Engagement für jüngste Zuhörer und neue Besuchergruppen fort. Die kapelleigene Kammermusik, die aus dem 1854 gegründeten Tonkünstler-Verein hervorging, widmet anlässlich des Festjahres 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland, hier eine Produktion aus Köln, den 2. Kammerabend der Saison jüdischen Komponisten, die vom NS-Regime verfolgt und ermordet wurden.

Als weltweit gefragter Klangkörper ist die Staatskapelle – soweit es das Pandemiegeschehen zulässt – wieder in den musikalischen Metropolen Europas zu Gast. Erstmals laden Christian Thielemann und die Staatskapelle in einer Saison zweifach an die Salzach ein: Zu den Osterfestspielen im Herbst (als Ersatz für die ausgefallenen Festivaltage im Frühjahr) und im April 2022 zu den ersten regulären Osterfestspielen Salzburg seit 2019 als krönenden Abschluss einer erfolgreichen Partnerschaft.

Das vollständige Programm der Spielzeit 2021/2022 sowie hochaufgelöste Pressefotos finden Sie unter www.staatskapelle-dresden.de. Die Saisonvorschau der Staatskapelle wird Anfang August 2021 gedruckt vorliegen und ist bereits online auch hier einsehbar

: » zum Konzertplan 2021/2022.

Der Kartenvorverkauf für die Vorstellungen im August & September 2021 beginnt am 13. Juli 2021 um 10 Uhr.

Der Kartenverkauf für den Monat Oktober startet voraussichtlich Mitte September 2021, für die Monate November und Dezember vorrausichtlich Anfang Oktober 2021.

—| IOCO Aktuell Sächsische Staatskapelle Dresden |—


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Dresden, Semperoper, NORA SCHMID – Intendantin ab Herbst 2024, IOCO Aktuell, 10.06.2021

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Semperoper in Dresden © Matthias Creutziger

Semperoper in Dresden © Matthias Creutziger

Semperoper Dresden

Nora Schmid  –  2024/2025 neue Intendantin Sächsische Staatsoper

Nachfolgerin von Peter Theiler

Die Sächsische Staatsregierung hat am 8. Juni 2021 im Kabinett zugestimmt, dass Nora Schmid (42 Jahre) ab der Spielzeit 2024/25 Intendantin der Semperoper Dresden wird. Der Vertrag mit ihr läuft bis 2030. Sie tritt die Nachfolge von Peter Theiler an, dessen Vertrag zur Spielzeit 2023/24 endet.

Nora Schmid studierte in ihrer Heimatstadt Bern und in Rom Musikwissenschaft und Betriebswirtschaft. Sie widmete sich zusätzlich dem klassischen Gesang, sammelte Bühnenerfahrung am Stadttheater Bern und war darüber hinaus Assistentin bei Prof. Dr. Anselm Gerhard am Institut für Musikwissenschaft der Universität Bern. Nach Stationen im Bereich Orchestermanagement bei der basel sinfonietta und im Marketing an der Staatsoper Unter den Linden in Berlin, ging sie 2005 als Musiktheaterdramaturgin an das Theater Biel Solothurn, das älteste Barocktheater der Schweiz. 2007 wechselte sie als Dramaturgin für Oper und Konzert an das traditionsreiche Theater an der Wien in der österreichischen Hauptstadt.

Wenn Nora Schmid ihre Dresdner Intendanz vorbereitet und sie 2024 antritt, dann ist das eine Rückkehr an die Semperoper: Ab der Saison 2010/11 wirkte sie an der Sächsischen Staatsoper als Chefdramaturgin und ab 2012 zusätzlich als Persönliche Referentin der Intendantin Dr. Ulrike Hessler. Ab Juli 2012 gehörte sie zur geschäftsführenden Interims-Intendanz.

Semperoper Dresden / Kommende Intendantin Nora Schmid, l., und Staatsministerin Barbara Klepsch © Sächsisches Staatsministerium für Wissenschaft, Kultur und Tourismus / Daniel Koch

Semperoper Dresden / Kommende Intendantin Nora Schmid, l., und Staatsministerin Barbara Klepsch © Sächsisches Staatsministerium für Wissenschaft, Kultur und Tourismus / Daniel Koch

Mit der Saison 2015/16 wurde Nora Schmid Geschäftsführende Intendantin der Oper Graz, des zweitgrößten Opernhauses Österreichs. Bereits in ihrer zweiten Spielzeit wurde die Oper Graz als bestes Opernhaus für die International Opera Awards nominiert, mehrere Musiktheaterproduktionen und CD-Einspielungen wurden mit Preisen ausgezeichnet. Neben ihrer Jurytätigkeit für verschiedene internationale Gesangswettbewerbe und den Ring Award wurde Nora Schmid 2018 in das Board of Directors von Opera Europa gewählt.

Nora Schmid wurde vom Sächsischen Kulturministerium angesprochen und präsentierte sich einer Findungskommission, die der Verwaltungsrat eingesetzt hatte. Findungskommission und Verwaltungsrat sprachen sich einstimmig für sie aus. Der Verwaltungsrat hat zudem seine Zustimmung zur Verlängerung des Vertrags des Kaufmännischen Geschäftsführers der Sächsischen Staatstheater, Wolfgang Rothe, erteilt. Er wird auch in den Jahren 2024 bis 2028 in dieser Funktion für die Semperoper wirken und mit Nora Schmid zusammenarbeiten.

Die Sächsische Staatsministerin für Kultur und Tourismus Barbara Klepsch: »Ich freue mich sehr, dass Nora Schmid nach Dresden zurückkommt und wir sie für unsere Staatsoper als Intendantin einer neuen Generation gewinnen konnten. Nora Schmid überzeugte uns mit ihrem inneren Bezug und Bekenntnis zur Semperoper, deren herausgehobene Stellung und Tradition sie in eine vielversprechende Zukunft führen wird. Ihre Motivation zur künstlerischen Exzellenz, ihre Begeisterung für die Oper als gesellschaftlich relevanten Ort sowie ihre kommunikative Stärke und ihr zeitgemäßer Führungsanspruch machen sie zu einer profilierten, überzeugenden und gefragten Intendantin. Ich danke ihr, dass sie sich für Dresden entschieden hat und wir übergeben ihr ab 2024 gern die Verantwortung für die Semperoper Dresden, der Heimat der Sächsischen Staatskapelle, des Semperoper Ballett und Staatsopernchores sowie des Ensembles und vieler internationaler Gäste. Ich danke Herrn Theiler für seine Loyalität zum Haus und zu uns als Träger und dass er für eine gute Zusammenarbeit und dann einen guten Übergang zur Verfügung steht. Wir freuen uns darauf, seine Spielzeiten in einer hoffentlich nie mehr geschlossenen Semperoper zu erleben.«

 Semperoper Dresden / Kommende Intendantin Nora Schmid ,r,und Staatsministerin Barbara Klepsch ,l, © Sächsisches Staatsministerium für Wissenschaft, Kultur und Tourismus / Daniel Koch

Semperoper Dresden / Kommende Intendantin Nora Schmid ,r,und Staatsministerin Barbara Klepsch ,l, © Sächsisches Staatsministerium für Wissenschaft, Kultur und Tourismus / Daniel Koch

Nora Schmid: »An die Semperoper zurückzukehren ist für mich eine große Freude. Musik und Theater sind dialogische Kunstformen und ich wünsche mir, dass das in der Semperoper Erlebte zum Thema wird zwischen den Menschen. Und so möchte ich für die kommenden Jahre eine Programmatik entwickeln, die zum einen die so spannende und wechselhafte Geschichte Dresdens und des hiesigen Opernhauses reflektiert und fortführt und zum anderen das Publikum mit Neuem, Vergessenem, selten Gespieltem konfrontiert, sich aber auch nicht vor Bekanntem und Populärem scheut. Kenntnis und Pflege der Tradition sind Voraussetzung, um auch Neues zu wagen. Dabei gehen intellektuelle Durchdringung, differenzierte Perspektiven, theatraler Zauber und Überwältigung Hand in Hand. Im Zentrum meiner Arbeit steht für mich immer die Musik – und auch das Miteinander all derer, die Tag für Tag dazu beitragen, die Semperoper zum Klingen und Strahlen zu bringen.

Das Fundament dieser künstlerischen Strahlkraft sind der hervorragende Sächsische Staatsopernchor, das sowohl hier als auch on tour erfolgreiche Semperoper Ballett, ein leistungsstarkes Solistinnen- und Solistenensemble, charismatische Gastkünstlerinnen und -künstler und natürlich die Sächsische Staatskapelle Dresden. Es ist ein großes Glück, Abend für Abend ein solches Spitzenorchester erleben zu können, bei den Opern- und Ballettaufführungen genauso wie bei den zahlreichen Konzerten in der Semperoper oder als Kulturbotschafterin Sachsens auf internationalen Gastspielreisen. Mit all diesen Künstlerinnen und Künstlern der Semperoper ein Profil zu verleihen, das die unterschiedlichsten Menschen vor Ort anspricht und Opernfans aus aller Welt fasziniert, ist eine wunderschöne und dabei auch komplexe Aufgabe, auf die ich mich sehr freue!«  PMSL7.6.2021

—| Pressemeldung Semperoper Dresden |—

 

 


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Dresden, Semperoper, Daniel Harding und Sächsische Staatskapelle, IOCO Kritik, 25.04.2021

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Sächsische Staatskapelle Dresden

Semperoper

Semperoper © Matthias Creutziger

Semperoper © Matthias Creutziger

 

Daniel Harding und die Sächsische Staatskapelle  – MDR Konzert

 Gustav Mahler –  Fünfte Symphonie

von Thomas Thielemann

Am 13. Februar 2020 wollte sich Daniel Harding im Festkonzert der Sächsischen Staatskapelle eigentlich mit Gustav Mahlers Zehnter Symphonie von den Dresdner Musikern zu einem Sabbatjahr verabschieden.

Der mehrfach und gern erlebte Gastdirigent Daniel Harding hatte keine Konzertverpflichtungen in der Saison 2020/21 übernommen und wollte sich einen Kindheitstraum erfüllen. Nachdem er eine Lizenz als Verkehrspilot erworben und bereits Erfahrungen als Co-Pilot gesammelt hatte, wollte er ein Jahr bei der Air France neue Erfahrungen und Eindrücke sammeln.

Sächsische Staatskapelle / Daniel Harding und die Staatskapelle mit Gustav Mahler 10. Symphonie © Matthias Creutziger

Sächsische Staatskapelle / Daniel Harding und die Staatskapelle mit Gustav Mahler 10. Symphonie © Matthias Creutziger

Wie so Viele, hat Corona aber auch Harding zur Notlandung gezwungen und ihn im Frühjahr 2021 zu seiner nächsten Mahler-Interpretation mit den Dresdner Musikern der Sächsischen Staatskapelle geführt. Hatte Daniel Harding, vor der Zehnten, im 4.Symphoniekonzert der Saison 2017/18 in Dresden bereits die 4. Symphonie Gustav Mahlers interpretiert, so dirigierte er im 9. Symphoniekonzert der Saison 2020/21 die MDR-Rundfunkproduktion Mahlers Fünfte.

Sächsische Staatskapelle / Daniel Harding und die Staatskapelle © Matthias Creutziger

Sächsische Staatskapelle / Daniel Harding und die Staatskapelle © Matthias Creutziger

Die Komposition der 5. Symphonie Gustav Mahlers ist in den Urlaubs-Sommermonaten der Jahre 1901 und 1902 mit ihrem polyphonen Reichtum und innigen Wendungen entstanden. Die Flut an Ideen erforderte in den Folgejahren Schritte der Reduzierung. Noch wenige Monate vor seinem Tode habe Mahler Instrumentierungen  der Fünften geändert.

Für uns war es eine Freude, im Rahmen des MDR-Konzerts vom 23. April die Sächsische Staatskapelle endlich wieder „unkonserviert“ in der Semperoper zu hören, auch wenn das Klangbild wegen der breiteren Staffelung der Musiker etwas zerfasert erschien.

Den Kopfsatz dirigierte Harding betont lyrisch, klagend, fast schleppend und brillierte dabei mit gekonnter Präzision. Damit erlaubt er dem Hörer, detailliert die Schönheit des Orchesterspiels zu verfolgen. Harding und das Orchester erfassten in der Folge die Details mit faszinierender Klarheit: das dramatische Blech des zweiten Satzes, die entzückenden Pizzicato und Fagott-Stellen im zentralen Scherzo. Das Solo-Horn spielte großartig und das Scherzo profitierte von Hardings Fähigkeit, wunderbare Streicher-Texturen zu gestalten.

Sächsische Staatskapelle / Daniel Harding und die Staatskapelle © Matthias Creutziger

Sächsische Staatskapelle / Daniel Harding und die Staatskapelle © Matthias Creutziger

Dem Adagietto des Konzertes kam die besondere Bedeutung einer Erinnerung an den 20. Todestag von Giuseppe Sinopoli. Der Italiener war von 1992 bis zum Jahre 2001 Chefdirigent der Sächsischen Staatskapelle gewesen. Auch wollte das Orchester mit einem besonders lichten und warmen Adagietto den Verstorbenen der Corona-Pandemie gedenken. Damit entwickelte sich der vierte Satz der Symphonie zu einer zurückhaltenden vom Inneren nach außen transparenter Darbietung.

Sächsische Staatskapelle / Daniel Harding und die Staatskapelle © Matthias Creutziger

Sächsische Staatskapelle / Daniel Harding und die Staatskapelle © Matthias Creutziger

Der Finalsatz war lebendiger, rhythmischer und auf das Wunderbarste zu herrlichem Höhepunkt geführt. Möglicherweise war das dem ungewöhnlichen Umstand geschuldet, dass Harding für die Rundfunkproduktion den Schluss-Satz zu Beginn der Aufzeichnung in der Semperoper   ließ.

Das Konzert wurde am Freitag, den 23. April 2021 ab 20.05 Uhr von MDR-Kultur und MDR-Klassik gesendet und kann in den Mediatheken von MDR-Kultur und MDR-Klassik abgerufen werden.

Den ferngehaltenen Konzertfreunden:geben die hier gezeigten Bilder auch einen optischen Eindruck des MDR – Konzerts.

Sächsische Staatskapelle / Daniel Harding und die Staatskapelle © Matthias Creutziger

Sächsische Staatskapelle / Daniel Harding und die Staatskapelle © Matthias Creutziger

 

—| IOCO Kritik Semperoper Dresden |—


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