Radebeul, Landesbühne Sachsen, HAIR – The American Tribal Love Rock-Musical, 04. und 08.06.2019

Landesbühnen Sachsen 

Landesbühne Sachsen / Hair - v.l. : Alexander Wulke, Benjamin Oeser, Holger Uwe Thews, Iris Stephanie Maier, Julia Rani, Chirstin Rettig, Anderson Pinheiro © Martin Reißmann

Landesbühne Sachsen / Hair – v.l. : Alexander Wulke, Benjamin Oeser, Holger Uwe Thews, Iris Stephanie Maier, Julia Rani, Chirstin Rettig, Anderson Pinheiro
© Martin Reißmann

HAIR – The American Tribal Love Rock-Musical

Buch und Liedtexte – Gerome Ragni / James Rado, Musik – Galt Macdermot

Premiere in den Landesbühnen Sachsen:  Sonnabend, 4.5.2019, 19.00 Uhr

Premiere  auf der  Felsenbühne Rathen: Sonnabend,  8.6.2019, 19.30 Uhr

Junge Leute um die Hippie-Truppe von George Berger suchen ein neues Lebensgefühl: eine Gesellschaft jenseits von Krieg, Rassentrennung und Autorität. Sie hoffen auf ein Zeitalter im Zeichen des Wassermanns, das geprägt ist durch Liebe, Gewaltlosigkeit und Frieden. Der bürgerliche Claude kommt neu dazu und fühlt sich sofort von dem charismatischen Berger und seinen Freunden angezogen. Doch er hat gerade seinen Einberufungsbefehl nach Vietnam erhalten. Soll er pflichtbewusst in einen unsinnigen Krieg ziehen?

Oder soll er seinen Dienst verweigern, und somit eine Gefängnisstrafe und gesellschaftliche Ächtung in Kauf nehmen?

Vor dem Hintergrund des Vietnamkrieges, des Protestes gegen autoritäre Gesellschaftsstrukturen und des Aufkommens der afroamerikanischen Bürgerrechtsbewegung schrieben die Schauspieler Gerome Ragni und James Rado, die sich als Schauspieler am Broadway kennengelernt hatten, HAIR als lyrischen Theater-Text. Galt MacDermot, ein ehemaliger Organist und Kirchenmusiker, komponierte die eingängige, bisweilen an gregorianische Gesänge erinnernde Musik. Der Regisseur der Uraufführung, Bertand Castelli, wurde als Anführer von Friedensmärschen mehrere Male verhaftet.

Michael Butler, der sogenannte „Hippie-Millionär“, brachte 1968 das Musical an den Broadway, wo es über 1800 Auffuhrungen erlebte. 1979 wurde es von Miloš Forman verfilmt. Das Musical ist nicht nur eine brillante Show aus Tanz und Musik, auch die Songs von Aquarius und Hair bis Hare Krishna und Let the Sunshine in gehen bis heute unter die Haut und vermitteln eine Vision, die jetzt ebenso aktuell ist wie zur Zeit der Entstehung: die einer besseren Welt.

Landesbühne Sachsen / Hair - v.l. : AJulia Rani, Alexander Wulke, Chirstin Rettig, Benjamin Oeser, Iris Stephanie Maier, Anderson Pinheiro, Holger Uwe Thews © Martin Reißmann

Landesbühne Sachsen / Hair – v.l. : AJulia Rani, Alexander Wulke, Chirstin Rettig, Benjamin Oeser, Iris Stephanie Maier, Anderson Pinheiro, Holger Uwe Thews
© Martin Reißmann

Inszenierung: Peter Dehler a.G.; Musikalische Leitung: Michael Fuchs a.G. / Uwe Zimmermann, Choreographie: Till Nau a. G.;  Ausstattung: Stefan Wiel

Besetzung: Claude – Holger Uwe Thews;  Berger – Benjamin Oeser a.G.; Sheila – Christin Rettig; Hud – Anderson Pinheiro a.G.; Ronny – Alexander Wulke; Chrissie- Julia Rani;
Dionne -Sandra Maria Huimann; Jeane – Luca Lehnert / N. N.; Woof – Grian Duesberg; Linda- Julia Vincze,  Tribe – Michael Berndt-Canana, Johannes Krobbach, Felix Lydike, Iris Stefanie Maier / N. N.; Studierende der Theaterakademie Sachsen: Lena Beltermann/ Philipp Trant/ Lisa- Marie Breithaupt/  Max Henel/  Natalie Bernhardt / Katharina Apitz/  Lea Göpel/  Teresa Laura Mann-Fimmel

Die Band; Keybords : Michael Fuchs a.G. / Uwe Zimmermann; Saxophon:  Friedemann Seidlitz / Anja Bachmann, Trompeten: Robert Wintzen, lngolf Barth / Stefan Leitner, Christian Rien, Posaune:  Joachim Gelsdorf! N.N.;  Gitarre:  Flonian Naegli / N. N.
Bass:  Tino Scholz / N.N.; Drumset:  Sascha Mock / Steffen Roth; Percussion:  Hendrik Gläßer / Stefan Köcher


Termine:
Sa   04.05.2019   19:00                             Landesbühnen Sachsen – Hauptbühne
So   05.05.2019   19:00                             Landesbühnen Sachsen – Hauptbühne
Di    07.05.2019   11:00                             Landesbühnen Sachsen – Hauptbühne
Sa   11.05.2019   19:30                             Landesbühnen Sachsen – Hauptbühne
So   12.05.2019   19:30                             Landesbühnen Sachsen – Hauptbühne
Sa   02.11.2019   19:30                             Landesbühnen Sachsen – Hauptbühne
Sa   23.11.2019   19:30                             Theater Meißen

Felsenbühne Rathen
Sa   08.06.2019   19:30                Prem    Hair                  Felsenbühne Rathen
Mo   10.06.2019   17:00                             Hair                  Felsenbühne Rathen
Fr    14.06.2019   19:30                             Hair                  Felsenbühne Rathen
Sa   15.06.2019   19:30                             Hair                  Felsenbühne Rathen
Sa   06.07.2019   19:30                             Hair                  Felsenbühne Rathen
So   07.07.2019   17:00                             Hair                  Felsenbühne Rathen
Fr    12.07.2019   19:30                             Hair                  Felsenbühne Rathen
Sa   13.07.2019   19:30                             Hair                  Felsenbühne Rathen
—| Pressemeldung Landesbühne Sachsen |—

Dresden, Sächsische Staatskapelle, Palmsonntagskonzert – Omer Meir Wellber, IOCO Kritik, 20.04.2019

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Sächsische Staatskapelle Dresden

Semperoper

Dresden / Semperoper im Sonnenschein © Matthias Creutziger

Dresden / Semperoper im Sonnenschein © Matthias Creutziger

 Palmsonntagskonzert der Staatskapelle Dresden 

1827 entstandene Konzert – Tradition lebt

von Thomas Thielemann

Im Frühjahr 1827 erging von der Intendanz der königlichen Hoftheater an den Hofkapellmeister Francesco Morlacchi der Befehl, künftig an Palmarum ein Konzert zu veranstalten, dessen Erlös den Witwen, Waisen sowie in Not geratenen ehemaligen Musikern zu Gute kommen sollte. Ob das soziale Engagement im Vordergrund stand oder ob sich die katholisch geprägte Hofkultur von dem protestantisch orientierten bürgerlichen Kulturleben abheben sollte, bleibt offen. Zumindest haben sich die „Palmsonntagskonzerte der Staatskapelle“ bis dato tradionell im Konzertkalender etabliert.

Nun ist Palmarum der letzte Sontag vor dem Osterfest und damit mitten in den seit 2013 von der Sächsischen Staatskapelle ausgerüsteten Salzburger Oster-Festspielen. Damit befindet sich der größte Teil des Orchesters zum Termin in der Festspielstadt, so dass sich die von Herbert Blomstedt favorisierten Aufführungen von Beethovens Neunter oder der Matthäus-Passion bzw. des Brahms Requiem verbieten und man vorwiegend auf die zur Bespielung der Opernaufführungen verbliebenen Musiker und möglichst vielen Gästen sowie auf ein geeignetes Repertoire angewiesen ist.

Mit der musikalischen Leitung des als 9. Symphoniekonzert der Staatskapelle ausgeschriebenen Konzerts war der 1. Gastdirigent der Semperoper Omer Meir Wellber betraut worden. Der 1981 in Israel geborene Shootingstar ist in Dresden ausgezeichnet vernetzt und hat auch hier eine feste Wohnung.

Saechsische Staatskapelle / Palmsonntagskonzert - Dirigent Omar Meir Wellber, Cellist Steven Isserlis © Oliver Killig

Saechsische Staatskapelle / Palmsonntagskonzert – Dirigent Omar Meir Wellber, Cellist Steven Isserlis © Oliver Killig

Zu seiner Unterstützung hatte er den britischen Star-Cellisten Steven Isserlis und vor allem den Dresdner Kammerchor eingeladen. Dieser Chor, 1985 von seinem Leiter Hans-Christoph Rademann als gemischtes Ensemble aus Musikstudenten, ausgebildeten Sängern und qualifizierten Laiensängern ist der Musikhochschule „Carl Maria von Weber“ partnerschaftlich verbunden und ermöglicht Gesangs- und Dirigierstudenten bereits während der Ausbildung chorpraktische Erfahrungen zu sammeln.

Mit dem „Amen für gemischten Chor a capella  op. 35“ des polnischen Komponisten Henryk Góretzki stellte der Kammerchor am Beginn des Konzertes bereits sein hohes Leistungsniveau unter Beweis. Da der Text des Werkes ein einziges Wort ist, bleibt als abstrakte Struktur der Darbietung eine Reihe von Atemzügen, nachhaltig, langsam strömend, wie eine Meditation vorgegeben. Nach einem Aufbau zu einem Höhepunkt wechselt die Musik zu Parallelbewegungen, wobei die unteren Stimmen die obere eine Oktave auseinander verdoppeln. Es folgt eine triumphale Passage bis die Klangfülle in modale Harmonie übergehend das 8-Minutenwerk abschließt. Góretzki schrieb das Werk zwischen 1972 und 1975 als eines von drei Stücken seiner Hommage an die Tradition des polnischen Kirchenliedes geschrieben.

Saechsische Staatskapelle / Palmsonntagskonzert - hier :  Dirigent Omar Meir Wellber © Oliver Killig

Saechsische Staatskapelle / Palmsonntagskonzert – hier : Dirigent Omar Meir Wellber © Oliver Killig

Für Darbietung Joseph Haydns  „Violoncello Konzert D-Dur“ hatte der britische Cellist mit russischen Wurzeln Steven Isserlis das ihm zur Verfügung gestellte Stradivari-Cello von 1726 Marquis de Corberon mit seinem berückend warmen und besonders sattem Bass  mitgebracht. Komponiert hat Haydn das Cellokonzert Nr. 2 im Jahre 1783. Haydn war 1781 mit Wolfgang Amadeus Mozart zusammen getroffen. Trotz der 24 Jahre Altersunterschied musizierten sie gemeinsam, tauschten Auffassungen aus und befreundeten sich. Man vermutet, dass der Ältere  die weiche, geschmeidige Melodik, das singende Allegro vom Jüngeren übernommen hat.

Steven Isserlis erweist sich immer wieder als hervorragender Musiker. Er ist Solist, Kammermusiker, Lehrer, Autor und Radiomoderator. Während seines Spiels kommuniziert er mit seinen Mitspielern: lächelt den Dirigenten an und scheint sich mit dem Konzertmeister zu verständigen. Dann schaut er wieder auf einen nur ihm bekannten fernen Punkt. Selbst bei den komplizierten Passagen schaut er nicht auf seine Finger. Seine Virtuosität ist unvergleichlich. Als Zugabe spielte er ein etwas schräges pizzicato-Stück: Chonguri von Sulkan Tsintsadze. Mit der Kraft seiner Technik und der Beherrschung seines Instruments führte uns Isserlis dabei vom Erhabensten zum Profansten, vom poetischsten zum  wildesten Ausdruck.

Strahlend und imposant, dabei auf fast kammermusikalische Weise interpretierte Omer Meir Wellber im zweiten Konzert-Teil mit dem souveränen Kammerchor und Musikern der Staatskapelle Haydns „Missa in Angustiis“– die Messe in Zeiten der Bedrängnis, die oft auch als „Nelson-Messe“ bezeichnet ist. Ihm zur Seite steht ein international erfahrenes Sängerquartett.

Eine Deutung der Nelsons-Zuordnung  kolportiert, dass Haydn während  der Komposition des Benedictus im August 1798 die Nachricht des Sieges der Flotte Nelsons über Napoleon  in der Seeschlacht vor Abukir erhielt und umgehend kompositorisch seine düstere Kriegsstimmung in Trompetenfanfaren und in den jubilierenden Abschluss der Messe umsetzte. Andere behaupten, der Kriegs- und Frauenheld sei 1800 beim Fürsten Esterházy zu Besuch gewesen und man habe ihm zu Ehren eine  Aufführung eben dieser Messe gegeben.

Bedeutungsvoller für den Charakter der Komposition war aber, dass der Fürst die Holzbläser seines Orchesters entlassen hatte und Haydn für eine umgehend anstehende Aufführung drei zusätzliche Trompeten in die Besetzung aufnehmen musste. Erst später wurden die Holzbläser und die Hörner der Komposition zugefügt, so dass die erlebte etwas ungewöhnliche Orchester-Besetzung entstanden ist.

Als  Gesamteindruck überzeugte Wellbers Interpretation mit ihrer Lebendigkeit. Er dirigierte mit weit ausholenden Armbewegungen extrem akzentuiert, spielte aber auch einige Passagen auf dem Cembalo selbst. Dem hervorragend vorbereiteten Chor gelang eine plastisch wirkende Gestaltung einer Landschaft in der sich lyrische Passagen mit solchen von expressiver Prägung wie Berge und Täler verbanden.

Die außergewöhnlich ausladenden Solopartien wurden engagiert dargeboten. Die Stimme der schwedischen Sopranistin Camilla Tilling klang klar, frisch und jugendlich. Ihre Interpretation war die einer reifen Künstlerin. Die ebenfalls aus Schweden stammende Katija Dragojevic bot uns die wunderbare Wärme ihres anschmiegsamen, wasserklaren wie berührenden Mezzosopran.

Saechsische Staatskapelle / Palmsonntagskonzert © Oliver Killig

Saechsische Staatskapelle / Palmsonntagskonzert © Oliver Killig

Bei dieser weiblichen Stimmpracht hatte es der noch junge portugiesische Tenor Luis Gomez schwer, ein männliches Pendant aufzubieten. Dem aus der Schweiz stammenden Bassbariton Milan Siljanov gelang das schon eher, zumal er von dem Ensemble Lamaraviglia reiche Erfahrungen mit der Interpretation von Kammermusik der Renaissance und des Barocks mitbrachte.

Mit den Musikern der Staatskapelle und dem Organisten Johannes Wulff-Woesten hielt Omer Meir Wellber die Mitwikenden sorgsam austariert zusammen und erreichte so eine strahlende und imposante Aufführung.

Zwei Anmerkungen:

– Aus Proben wird eigentlich nicht berichtet. Aber man hatte ob des Salzburger Orchestereinsatzes dem noch jungen Dirigenten nicht einmal einen Assistenten im Stammhaus belassen, so dass er während seiner Generalprobe mehrfach den Dirigentenplatz verlassen musste, um im Zuhörerbereich die Klangverteilung und Ausgewogenheit von Chor und Orchester zu überprüfen. Sein lockeres Erklimmen des Konzertpodiums erregte dabei ordentliche Bewunderung.

– Das wunderbare, von Steven Isserlis vorgestellte  Cello Nr. 40655 wurde 1726 in der Werkstatt Antonio Stradivari in Cremona gefertigt und gehörte bis 1789 dem jeweiligen Marquis de Corberon. Die Familie teilte aber nicht das Glück des Cellos und starb 1789 in den Wirren der Französischen Revolution. Das Instrument gelang in die Hände des Pariser Cellisten Loeb und später nach England zu Elizabeth Chapman und Audrey Melville. Letztere übergab das Instrument 1960 der Royal Academy of Music London. Es wurde seit dem bis 2002 von der legendären kanadischen Cellistin Zara Nelsova (1918-2002) gespielt, so dass es oft mit dem Zusatz „Nelsova“ bezeichnet ist. Der britische Instrumentenbauer Roger Hansell hat vom Cello einen Nachbau mit einem so guten Ergebnis versucht, dass der russische Musiker Mstislaw Rostropowitsch (1927-2007) begeistert verlangte: „Ich will dieses Cello“.

—| IOCO Kritik Sächsische Staatskapelle Dresden |—

Dresden, Semperoper Ballett, COW – Alexander Ekman, IOCO Kritik, 13.04.2019

April 13, 2019  
Veröffentlicht unter Ballett, Hervorheben, Kritiken, SemperOper

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Semperoper

Dresden / Semperoper im Sonnenschein © Matthias Creutziger

Dresden / Semperoper im Sonnenschein © Matthias Creutziger

COW –  Ballett von Alexander Ekman

– Wenn ihr nicht werdet wie die Kühe… –

von Thomas Thielemann

Eine Kuh, die stundenlang genussvoll das im Magen fermentierte Raufutter wiederkäut und wie nebenbei ihre sonstigen Grundbedürfnisse befriedigt, ist ein Symbol der inneren Ruhe. Zudem wird dabei eiweißarmes Futter in hochwertiges Fleisch und fettreiche Milch umgewandelt.

Mit der Intensivtierhaltung, unabhängig ob zur Mast oder zur Milcherzeugung, verweigert der Mensch den Rindern diese Grundbedürfnisse. Damit die Tiere nicht die Einstreu fressen, werden sie auf Gummimatten gehalten. Mit Hochenergie-Futter wird den Tieren sogar das Wiederkäuen zunehmend abgewöhnt.

 COW – Ballett von Alexander Ekman
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Diese Dramatik einer Nutztiergattung ist der eigentliche Hintergrund des Ballettabends COW in der Semperoper. Vier Kreative, an der Spitze der schwedische Choreograf Alexander Ekman hatten mit elf Szenen den Charakter dieser Lebewesen, wie „ein Symbol des Seins12.März 2016 auf die Bühne  der Semperoper gebracht. Für diese Choreographie wurde Alexander Ekman 2016 mit dem deutschen Theaterpreis „Faust“  ausgezeichnet.

Der Komponist Mikael Karlsson steuerte eine Musik bei, die vom Bundes- Jugendorchester  eingespielt, elektronisch verfremdet und neu gemischt wurde. Eine mehrere Minuten dauernde Abfolge  von „Kuh-Mooings“ erzeugt dabei eine Atmosphäre, die den Tänzern ihre Einsätze und welche Rhythmen sie halten sollen vorgeben. Die Tänzer ergänzen die Musik, indem sie sprechen, schreien und Skyler Maxey-Wert, begleitet von Caroline Beach, am Ende sogar ein Lied „Nothing Moves a Cow“ zu Gehör bringt.

Die Kostüme hat der skandinavische Modedesigner Henrik Vibskov von bizarr bis elegant den Szenen angepasst. Da sind hautfarbene enge Kostüme, schwarze Anzüge und weite weiße Röcke ergänzt durch verrückte Hüte bunt gemischt.

Ekmans dritter Partner war der amerikanische Multimedia-Experte T.M. Rives. Er dokumentierte zunächst die Entstehung des Balletts, wie die Protagonisten auf Weiden sowie in Kuhställen Milieustudien machten und sich der Tänzer Christian Bauch auf allen Vieren mit scheinbar stumpfsinnigen Gesichtsausdruck durch Betriebsräume des Semperbaus oder  Bereiche der Dresdner Innenstadt bewegt.

Semperoper Dresden / COW - Ballett von Alexander Ekmann - hier : Alice Mariani, Gareth Haw, Johannes Schmidt © T.M. Rives

Semperoper Dresden / COW – Ballett von Alexander Ekmann – hier : Alice Mariani, Gareth Haw, Johannes Schmidt © T.M. Rives

Der Einsatz von lebenden Kühen auf der Bühne war Ekman abgelehnt worden, da die Gefahr unkontrollierten Laufens und die Absonderung von Kuhpasteten höchst wahrscheinlich geworden wären, so dass lebendgroße Plastikkühe zum Einsatz kamen.

Der Ballettabend COW besteht aus elf Szenen in denen Solos, Pas de Deux und Gruppentänze abwechseln oder auch nur bewegte Tücher. Dabei werden menschliche Verhaltensformen in vielfältiger Weise tänzerisch dargestellt und von Plastik-Kühen, eine hängt ständig über der Szene, oder dem Christian Bauch, auf allen Vieren kommentiert. Da ist viel Gesellschaftskritik im Spiel, wenn Gruppenzwang, Gruppeninstinkt, das Verhalten gegenüber Individualisten und Außenseitern, das Helfen bei individuellen Schwächen sowie das Aufgehen von Paarbeziehungen in der Gruppe kommentiert werden. In der Szene „Stampede“ wird das Verhalten von Menschen  unter den Bedingungen einer Kuhstall-Unterbringung thematisiert.  Die Szene „Hufe“, bei der den Tänzern Holzklötze unter den Schuhen zur Erzeugung von Knallgeräuschen angebracht sind, glaube ich als Militär-Persiflage erkannt zu haben.

 COW – Ballett von Alexander Ekman
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Die beiden Eckszenen haben einen gewissen Schlüsselcharakter, wenn am Beginn als „Regel“ die gesellschaftliche Tretmühle im Broterwerb, den Familienbeziehungen, den alltäglichen Abläufen bis fortlaufendes Anrennen an eine Wand dargestellt und nahtlos in eine Gruppe weidender Kühe überführt wird. Mit der abschließenden Szene „Räume“ wird mit der Aufteilung der Bühnenfläche in Parzellen und deren Ausgestaltung  mit Hausrat, Gartengerät und Picknick in spießige Bereiche gesellschaftliches Umfeld persifliert.

Der zunächst als „Kuh“ das Geschehen beobachtende Christian Bauch richtet sich auf und verlässt aufrecht die Bühne. Getanzt wird auf hohem Niveau.

Wir haben seit dem Premierenabend am 12.März 2016 den immer weiter entwickelten Ballett-Abend zum dritten Mal erlebt; dabei immer neue Details entdeckt und immer wieder neu fasziniert.

Das Anliegen des Ballettabends  ist einfach zu erfassen, aber ob die Folgerung, “so wir nicht umkehren und werden wie die Kühe, so kommen wir nicht in das Himmelreich“ wird beim Publikum kaum durchschlagen. Da ist wohl eher die Parallele zur Massentierhaltung wahrscheinlich.

Begeisterter Jubel der überwiegend jungen Besucher im fast ausverkauften Semperbau.

COW – Ballett an der Semperoper, die folgende Vorstellung dieser Spielzeit: 17. April 2019

—| IOCO Kritik Sächsische Semperoper Dresden |—

Dresden, Semperoper, Platée – Jean Philippe Rameau, IOCO Kritik, 10.04.2019

April 10, 2019  
Veröffentlicht unter Hervorheben, Kritiken, Oper, SemperOper

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Semperoper

Dresden / Semperoper im Sonnenschein © Matthias Creutziger

Dresden / Semperoper im Sonnenschein © Matthias Creutziger

Platée – Jean Philippe Rameau – Premiere

– Höllenfahrt eines Transvestiten –

von Thomas Thielemann

Gäbe es eine Repertoire-Gerechtigkeit, so müsste der Jean Philippe Rameau (1683-1764) in den Statistiken ähnlich häufig aufgelistet sein, wie die beiden anderen Komponisten-Giganten die in den 1680er Jahren geborenen: Johann Sebastian Bach (1685-1750) und Georg Friedrich Händel (1685-1759). Dabei hat er neben Motetten, Kantaten, viel Instrumentalmusik und Opern auch als Musiktheoretiker erhebliches geleistet. Mit seiner Treatise of Harmony  ist er der Erfinder der Harmonie-Lehre.

Rolando Villazón inszeniert Platée an der Semperoper

Platée – The Making of … Rolando Villazon
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Zögerlich werden seine Opern erst im letzten Jahrzehnt wieder in Deutschland in die Spielpläne aufgenommen. Die Semperoper engagierte nun den Rolando Villazón, um die wahrscheinlich gelungenste Komposition RameausPlatée- Ballet bouffon in einem Prolog und drei Akten von Adrien-Joseph Le Valois d´Orville“ zu inszenieren. Wegen der „Ballett-Oper“, in der Gesang und Tanz fast gleichberechtigt nebeneinander stehen, brachte Villazón den französischen Choreographen Philippe Giraudeau und zur Komplettierung der Opulenz den Lichtdesigner Davy Cunningham mit nach Dresden.

Der Stoff der Handlung basiert auf einer spätantiken Überlieferung des Pausanias aus der Zeit um 170 n. Chr. und beschreibt einen Spaß, den sich die olympischen Götter mit der liebesverrückten Nymphe Platea gemacht haben sollen. Diese hässliche Kröte hält sich für unwiderstehlich und will sich in eine Liaison mit dem „Allerhöchsten“ einlassen, der aber nicht als Stier oder Schwan sondern als Einhorn bzw. Eule erscheint. Aus dieser Überlieferung entwarf der Maler, Dramatiker und Schauspieler Jaques Bureau (1657-1745) einen Operntext und verkaufte ihn aus Gründen der Geldnot an Rameau. Der ließ den Entwurf vom Amateur-Librettisten Le Valois d´Orville komplettieren. Rameau schuf eine Opernmusik, die von abgrundtiefer Tragik bis zu ausgelassener Albernheit einen Spannungsbogen der Darstellung menschlicher Gemütszustände auslotet.

Semperoper Dresden / Platée - hier : Iulia Maria Dan (Thalie /Clarine), Philippe Talbot als Platée © Ludwig Olah

Semperoper Dresden / Platée – hier : Iulia Maria Dan (Thalie /Clarine), Philippe Talbot als Platée © Ludwig Olah

Einsame Solokantilenen, prächtige Ensemble- und Chorszenen sind durch zahlreiche Ballette verbunden. Dabei entlockt er dem barocken Orchester immer neue Klangfarben und Tänze von überwältigender rhythmischer Vielfalt: Um des Jupiters Gattin von ihrer Eifersucht zu kurieren wird ihr vorgegaukelt, dass Jupiter beabsichtige, die im sumpfigen Reich der Frösche beheimatete hässliche Wassernymphe Platée zu heiraten. Nun hält sich die Nixe für unwiderstehlich, träumt von einer Zukunft als Göttergattin, wird aber letztlich verspottet und gedemütigt.

Für die Hochzeit des Dauphins mit der spanischen Infantin gedacht, fand der Stoff bei einer Aufführung vor einem Teil der Hofgesellschaft nur begrenzte Gegenliebe, schon weil die Prinzessin absolut keine Schönheit war und Imitationen der Stimmen von Kuckuck und Esel kaum für eine Huldigung am Versailler Hof Ludwig XV. geeignet waren. Eine öffentliche Aufführung erfolgte am 9. Februar 1649 an der Pariser Opera.

Semperoper Dresden / Platée - hier : Andreas Wolf als Jupiter, Philippe Talbot als Platée © Ludwig Olah

Semperoper Dresden / Platée – hier : Andreas Wolf als Jupiter, Philippe Talbot als Platée © Ludwig Olah

Rolando Villazóns Inszenierung ist so, wie wir ihn kennen: locker, schräg und ordentlich durchgedreht. Dazu eignete sich der Handlungsbereich in der Welt der Götter und der Nymphen. Die Handlung, von Haus aus verfremdet, bedient so ziemlich jedes Vorurteil und charakterisiert so menschliches Verhalten, ohne erhobenen Zeigefinger. Es gelingt so der Regie, das schwierige Thema des Mobbings locker auf die Bühne zu bringen. Denn letztlich ist Platée eine als Komödie verkleidete Tragödie. Und so vermischt Villazón auch die antagonistischen Götter, Amour als Gott der Liebe mit dem Gott der Satire Momus.

Die Tänze, in der französischen Oper eigentlich Einlagen, sind gut in die Handlung verknüpft, so als Fantasie-Gebilde der Titelrolle, während Platée mit Puppen spielt. Sie bringen das Geschehen voran, schaffen einen Fluss von Gesang und Tanz.

Platée – The Making of … Dirigent Paul Agnew
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Die weibliche Titelrolle hatte der Komponist einem hohen Tenor zugeschrieben. Das entsprach durchaus der üblichen Opernpraxis der Zeit. Villazón zeichnet Platée konsequent ohne Wenn und Aber als Transvestiten. Er zeigt seine Verwandlung vom Mann zu einer selbstbewussten Frau, die eben nur im Körper eines Mannes versteckt ist. Ihre Fähigkeit zur Fantasie ermöglicht das zu akzeptieren, was aber ihre Mitwelt nicht so anzunehmen bereit ist. Die Regie überlässt dem Zuschauer die Entscheidung, ist Platée verrückt weil sie Frau im Körper eines Mannes ist? Oder ist die Gesellschaft verrückt, weil sie damit ein Problem hat?  Die Lockerheit und das Komische der Inszenierung verleitet zum Lachen über Platée, aber es ist ein grausames Lachen.

Die Bühne, hervorragend zweckmäßig von Harald Thor entworfen, ist ständig voller Menschen: Zwischen den Sängern, den Ballett-Tänzern und den Hauptfiguren kann sich der Zuschauer kaum langweilen. Dazu passten die wunderbar schrägen Kostüme von Susanne Hubrich Die musikalische Leitung war dem Spezialisten für die französische Barockmusik Paul Agnew übertragen worden, der selbst mehrfach als Platée auf der Bühne gestanden hat.

Den Musikern der Staatskapelle gelingt, obwohl die Barockmusik nicht zur Kernkompetenz des Orchesters gehört, eine Wiedergabe auf höchstem Niveau. Das Orchester hat Rameau im Jahre 1769 zum letzten Mal gespielt. Aber den Profis werden dem tänzerischen Ungestüm der Musik und dem barocken Klangbild in jedem Moment gerecht.

Die weibliche Titelrolle hatte der bereits als Platée erfahrene Philippe Talbot (Foto) übernommen. Seine Stimme war nicht ausgesprochen farbenreich, aber seine schauspielerischen Leistungen ließen seinen begrenzten Gesang vergessen. Neben ihm mit gesunder Kompaktheit und unverstellter Direktheit als König der Götter Jupiter der Bass-Bariton Andreas Wolf (Foto). Dazu seine Gattin Juno lyrisch mit leuchtendem Sopran Ute Selbig. Die Muse der Komödie Thalie und die Magd der Platée bot die rumänische Sopranistin Iulia Maria Dan (Foto) mit wunderschöner samtiger Stimme ungewöhnlich durchsetzungsfähig.

Semperoper Dresden / Platée - hier : Ensemble © Ludwig Olah

Semperoper Dresden / Platée – hier : Ensemble © Ludwig Olah

Im Prolog agierte als Erfinder der Komödie Thespis und im Spiel als Bote-Gott Mercure mit skurriler Liebenswürdigkeit, umwerfendem Charme, sängerisch und schauspielerisch glanzvoll der englische Tenor Mark Milhofer. Einen fast magisch-hemmungslosen Auftritt als Gott der Satire Momus schafft mit dem Wenigen, was er zu singen hat, der Ensemble-Bassbariton Sebastian Wartig.

Mit immens spielerischem Einsatz und einem fast protzenden prächtigen Bariton verkörperte Giorgio Caoduro den König der Berge Cithéron und im Vorspiel einen Satyr, neben ihm mit gesunder Kompaktheit und unverstellter Direktheit der König der Götter Jupiter, der Bass-Bariton Andreas Wolf. Einen zauberhaften Amor konnten wir von der Sopranistin des Jungen Ensembles Tania Lorenzo erleben.

Die erfahrene Interpretin des Barockrepertoires Inga Kalna beherrschte als die lebenslustige La Folie mit überwältigender Stimme und lasziver Darstellung die Bühne. Zudem war der allgegenwärtige Staatsopernchor, fantastisch geleitet von Cornelius Volke, egal ob als ein Chor von Fröschen oder kontrapunktisch, immer beeindruckend.

In der Pause sah man einige ratlose Gesichter; es blieben im zweiten und dritten Akt einige Plätze frei. Zum Schluss gab es einhelligen Jubel für Regieteam, Sänger-Darsteller und Tänzer/innen.

Platée an der Semperoper; die folgenden Termine dieser Spielzeit 11.4.; 16.4.; 23.4.; 29.4.2019

—| IOCO Kritik Sächsische Semperoper Dresden |—

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