Bielefeld, Theater Bielefeld, Premiere Hänsel und Gretel, 01.12.2018

November 9, 2018  
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Theater Bielefeld

Theater Bielefeld / Fassade © Theater Bielefeld

Theater Bielefeld / Fassade © Theater Bielefeld

PREMIERE Sa. 01.12.18, 18:00 Uhr, Stadttheater
HÄNSEL UND GRETEL
Engelbert Humperdinck

Märchenspiel in drei Bildern // Text von Adelheid Wette

Musikalische Leitung Alexander Kalajdzic Inszenierung Jan Eßinger Bühne und Kostüme Benita Roth Choreinstudierung Hagen Enke, Kamilla Matuszewska, Nike Schmitka Dramaturgie Jón Philipp von Linden Mit Ekaterina Aleksandrova, Yoshiaki Kimura / Frank Dolphin Wong, Sarah Kuffner, Hasti Molavian, Dorine Mortelmans, Nienke Otten, Katja Starke, JunOs, Damen des Extrachors, Bielefelder Philharmoniker.

Knusperhexe Rosina Leckermaul hat einen guten Tag: Zwei Kinder, die sich offenbar im Wald verirrt haben, sind in ihre Fänge geraten – wie schon Dutzende zuvor. Befriedigt sperrt sie den Jungen ein, verdonnert das Mädchen zur Hausarbeit und freut sich auf eine leckeren Hexenbraten. Doch Hänsel und Gretel, um die es sich dabei natürlich dreht, sind zum Glück schlauer als ihre zahllosen Vorgängerkinder und drehen den Spieß um.

Hänsel und Gretel ist nicht nur eines der bekanntesten Märchen überhaupt, sondern auch dankbarer Stoff für eine der schönsten romantischen Märchenopern, die je erklungen sind. Seit ihrer Uraufführung an Weihnachten 1893 ist Hänsel und Gretel aus den Spielplänen der Opernhäuser der Welt nicht wegzudenken, und das ist auch gut so: Melodien wie Ein Männlein steht im Walde, Brüderchen, komm, tanz‘ mit mir und Suse, liebe Suse mischen sich mit Natur- und Waldidylle, schaudernden Wolfsschlucht-Anklängen und heimelig-heiterer Konversationsoper bis hin zum großen Schlusschoral. Denn natürlich geht auch dieses Märchen gut aus, aber dass die beiden Titelhelden zwischendurch ganz schön ernsthafte Probleme haben, ist bei jeder Neuinszenierung einer näheren Betrachtung wert. Von der zornigen, weil heillos vom Leben gebeutelten Mutter ausgeschickt in den Wald, um »sinnlos« Erdbeeren zu suchen, finden sie den Rückweg nicht mehr und müssen nicht nur eine Nacht in dieser unheimlichen und kalten Umgebung überstehen, sondern auch den Verführungskünsten der Knusperhexe. Deren Hunger nach Kindern offenbar unstillbar ist …

In ihrer Bielefelder Neuinszenierung erzählen Jan Eßinger (Regie) und Benita Roth (Bühne, Kostüme) Hänsel und Gretel im Spannungsfeld zwischen der harten Realität des Lebens und den (Alb-)Träumen einer surrealen Märchenwelt, die das bekannte Geschehen in teils aufregend neue Bildkonstellationen taucht. Wie bei einem Roadmovie durchleben die Kinder Abenteuer, die sie unweigerlich reifen lassen und sie fit machen für ihre wichtigste Prüfung.

Weitere Vorstellungen 04.12., 07.12., 23.12., 25.12., 24.01., 01.02., 06.02., 16.02.
Karten 0521 51 54 54 // www.theater-bielefeld.de

MUSIKALISCHE LEITUNG
Geboren in Zagreb, Kroatien, begann Alexander Kalajdzic seine musikalische Ausbildung mit sechs Jahren und gab ab dem achten Lebensjahr regelmäßig Konzerte als Pianist. Er gewann mehrere Preise bei Bundeswettbewerben und setzte anschließend sein Studium an der Musikhochschule in Wien fort, wo er die Dirigierklasse von Karl Österreicher mit Auszeichnung absolvierte. Darüber hinaus studierte er Klavier, Viola und Korrepetition. Schon während des Studiums dirigierte er Symphoniekonzerte mit den Zagreber Philharmonikern sowie dem Orchester des Kroatischen Rundfunks.

Sein beruflicher Weg führte ihn nach Krefeld-Mönchengladbach, wo er als Korrepetitor mit Dirigierverpflichtung erste Theatererfahrungen sammelte. Danach war er als Kapellmeister in München, als erster Dirigent am Nationaltheater Weimar und von 2008 bis 2010 als 1. Kapellmeister am Nationaltheater Mannheim tätig, wo er sich ein großes Repertoire erarbeiten konnte. Er gastierte u. a. in den USA, Mexiko, Südafrika, Italien, Frankreich, in der Schweiz und in Tschechien. Seit Spielzeitbeginn 2010/11 leitet er als GMD die musikalischen Geschicke des Theaters Bielefeld und der Bielefelder Philharmoniker.

INSZENIERUNG
Jan Eßinger, geboren 1983 in Darmstadt, studierte Musiktheaterregie an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg. Während seines Studiums wurden seine Inszenierungen u. a. im Thalia Theater/Gaußstraße sowie bei der Münchner Biennale gezeigt, bevor er es mit Pfitzners Das Christ-Elflein abschloss. Regiemitarbeiten und Assistenzen führten Jan Eßinger u. a. an die Opernhäuser in Wien, Hamburg, Leipzig, Karlsruhe, Nizza und Genf, zu den Bayreuther Festspielen sowie zu den Wiener Festwochen und den Bregenzer Festspielen. Von 2010 bis 2013 war er Spielleiter an der Komischen Oper Berlin und anschließend in gleicher Funktion bis Sommer 2017 am Opernhaus Zürich engagiert. An diesen Häusern wurde er u. a. durch die Zusammenarbeit mit Regisseuren wie Barrie Kosky, Andreas Homoki, Sebastian Baumgarten, Calixto Bieito, Stefan Herheim, Herbert Fritsch, Dmitri Tcherniakov, Christof Loy und Willy Decker geprägt.

Nach seinem erfolgreichen Regiedebüt am Opernhaus Zürich mit Zweimal Alexander (Bohuslav Martin?) in der Spielzeit 2013/14 übernahm Jan Eßinger dort im darauffolgenden Herbst für den erkrankten Willy Decker die Regie für Benjamin Brittens The Turn of the Screw. 2015 inszenierte er die Schweizer Erstaufführung der Oper Slutchai – Fälle von Oscar Strasnoy mit dem Internationalen Opernstudio in Zürich. Im Mai 2017 feierte Jan Eßingers Ravel-Doppelabend L’Heure espagnole & L’Enfant et les sortilèges Premiere und wurde im Januar 2018 mit größtenteils neuer Besetzung am Opernhaus Zürich gezeigt. Seit August 2017 ist Jan Eßinger als freischaffender Regisseur tätig und inszenierte zuletzt Faust von C. Gounod, die Eröffnungspremiere der neuen Intendanz am Landestheater Detmold.

BÜHNE UND KOSTÜME
Nach einer Ausbildung zur Theatermalerin am Theater Aachen studierte Benita Roth Stage-Design am Royal Welsh College of Music and Drama in Cardiff in Wales und schloss ihr Studium 1996 mit zwei Jahresdesignpreisen ab. 1997 wurde sie Finalistin im britischen Nachwuchsbühnenbildwettbewerb, dem National Linburyprize. Bühnenbildassistenzen führten sie an die Komische Oper Berlin und die Opernhäuser von Dresden, Hamburg, Barcelona, Mailand, Paris und Brüssel. Seit 1997 entwirft sie Arbeiten für Opern- und Tanzproduktionen, u. a. an Häusern wie dem Staatstheater Mainz, dem Volkstheater Rostock, dem Landestheater Linz, den Theatern Erfurt, Regensburg und Osnabrück, der Berliner Kammeroper, für die Neue Oper Wien, die Neue Opernbühne Berlin, die Justizvollzugsanstalt für Frauen in Pankow Berlin, für das Tanztheater Nürnberg, das Ballett am Rhein in Düsseldorf und das Ballett des Staatstheaters Hannover. An der Komischen Oper Berlin entwarf sie die Bühnenbilder für Pinocchio und Des Kaisers neue Kleider. 2017 wurden ihre ersten beiden Kunstbilderbücher von dem E.A. Seemann Verlag, Leipzig veröffentlicht. Hänsel und Gretel ist ihre erste Produktion mit dem Regisseur Jan Eßinger.

BESETZUNG
Gretel Nienke Otten / Dorine Mortelmans
Hänsel Hasti Molavian
Gertrud (Mutter) Sarah Kuffner
Peter Besenbinder (Vater) Yoshiaki Kimura / Frank Dolphin Wong
Sandmännchen Ekaterina Aleksandrova
Taumännchen Dorine Mortelmans / N. N.
Rosina Leckermaul (Knusperhexe) Katja Starke

—| Pressemeldung Theater Bielefeld |—

Bielefeld, Theater Bielefeld, CHARLYS TANTE – Brandon Thomas, 09.11.2018

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Theater Bielefeld

Theater Bielefeld / Fassade © Theater Bielefeld

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CHARLYS TANTE  –  Brandon Thomas

Premiere Fr. 09.11.18, 20:00 Uhr, Theater am Alten Markt

Ein spanisches Urlaubsparadies mit Sonne, Strand und flirrender Hitze. Die Freunde Charly und Chris genießen das schöne Leben und sind in die Schwestern Eveline und Anita verliebt. Doch die Zeit drängt, die jungen Damen müssen schon bald zurückfliegen und auch ihr strenger, sie überbehütender Vater macht die Situation nicht einfacher. Da kündigt Charlys reiche, verwitwete Tante aus Texas ihren Besuch am Abend an. Der perfekte Anlass für eine Party! Der Hausangestellte Pedro soll sofort die Einladung an Eveline und Anita überbringen. Unterdessen taucht ebenso überraschend, dafür völlig verschuldet, Chris‘ Vater auf, der kurzerhand auf die millionenschwere Tante angesetzt wird. Damit scheint dem ungestörten Rendezvous der beiden jungen Paare nichts mehr im Wege zu stehen, denn mehr Gäste sind nicht geplant. Doch Charlys Tante lässt auf sich warten, während Evelines und Anitas Vater seinen Töchtern auf den Fersen ist. Da rettet Pedro die Situation und schlüpft mit High Heels und Perücke in die Rolle seines Lebens, die er zunehmend nach seinen eigenen Regeln spielt. Als dann auch noch die wirkliche Tante eintrifft, ist das Chaos perfekt und schon lange nicht mehr klar, wer wer ist und wer wen liebt.

Thomas Brandons furiose Verwechslungskomödie, die lustvoll Rollenmuster durcheinander wirbelt, hat seit ihrer Uraufführung 1892 in zahlreichen Adaptionen auf Leinwand und Bühne Kultstatus erlangt. Regisseurin Mareike Mikat verortet das Geschehen in den 50er Jahren, Songs aus der Zeit inklusive.

Inszenierung Mareike Mikat,  Bühne Jürgen Höth, Kostüme Anna Sörensen, Dramaturgie Katrin Enders Mit Oliver Baierl / Anica Happich / Alrun Hofert /, Vincent zu Linden / Nicole Lippold / Michael Schrodt / Alexander Stürmer / Thomas  Wolff

Die nächsten Vorstellungen  11.11., 27.11., 09.12., 10.12., 11.12., 31.12.18; Termine in 2019 folgen

INSZENIERUNG  –  Mareike Mikat, geboren 1978 in Frankfurt/Oder, studierte Regie an der »Ernst Busch« Hochschule für Schauspielkunst Berlin. Sie inszenierte u. a. am Thalia Theater Halle, am Staatstheater Kassel, am Theater unterm Dach in Berlin, an der Volksbühne Berlin, am Maxim Gorki Theater Berlin, am Staatstheater Stuttgart, am Volkstheater München, am Theater Heidelberg und am Badischen Staatstheater Karlsruhe. Von 2008 bis zum Sommer 2010 war sie Hausregisseurin am Centraltheater / Schauspiel Leipzig. An der dortigen Skala inszenierte sie u. a. die deutschsprachige Erstaufführung von Iwan Wyrypajews Juli und wurde damit 2009 zum Festival Radikal Jung eingeladen. Am Theater Bielefeld inszenierte sie bereits sehr erfolgreich Minna von Barnhelm oder Das Soldatenglück, das 2013 zum NRW Theatertreffen eingeladen wurde, sowie Der Besuch der alten Dame, Ein Volksfeind, Die Netzwelt und Molières Der Menschenfeind.

BÜHNE  –  Der in Hamburg lebende Jürgen Höth ist seit 1993 freischaffend tätig, u. a. am Thalia Theater Hamburg, Volksbühne Berlin, Schauspiel Leipzig und an Theatern in Braunschweig, Oldenburg, Köln, Basel, Freiburg, Kiel, Konstanz und Heilbronn. Am Theater Bielefeld war Höth unter anderem für die Bühnenbilder von Der Raub der Sabinerinnen / Frau Director Striese (UA) und Der Menschenfeind (Regie: C. Schlüter) sowie für Die fetten Jahre sind vorbei (Regie: J. Zimmermann), Ein seltsames Paar (Regie: W.-D. Sprenger) und zuletzt für Othello (Regie: D. Yazdkhasti), Katze im Sack, Schlangenbrut (beides Regie: C. Schlüter), Sissy Murnau (Regie Folge 1 und 2: H. Kallmeyer, Regie Folge 3 und 4: C. Schlüter) und Weißes Gold (R. C. Schlüter) verantwortlich. Er entwarf zudem viele Bühnenbilder der TAMZWEI-Produktionen. Von 1989-93 war Höth am Thalia Theater Hamburg als Bühnenbildassistent engagiert. In dieser Zeit entstanden bereits seine ersten eigenen Arbeiten, u. a. Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui und Endspiel. In Hamburg kam es auch mit dem Bühnenbild zu Eroberung des Südpols zur ersten Zusammenarbeit mit Michael Heicks. Weitere Regisseure, mit denen Jürgen Höth zusammenarbeitete, waren u. a. Hiltrud Kissel, Robert Hungerbühler, Barbara Neureiter und Ulrike Grote. Der gebürtige Kölner studierte in seiner Heimatstadt Bühnenbild bei Prof. R. Glittenberg.

KOSTÜME
Anna Sörensen wurde 1982 in Hamburg geboren. 2001 begann sie ein Architekturstudium, das sie mit dem Studium der Medialen Raumgestaltung bei Prof. Colin Walker ergänzte. Sie arbeitete als Assistentin unter anderem am Thalia Theater Hamburg, am Theater Basel und am Deutschen Theater in Berlin. 2006 war sie für die Konzeption und Durchführung der Ausstellung »HALF MILE Hanover« verantwortlich und schuf im gleichen Jahr das Bühnenbild für die Opernproduktion La Finta semplice. 2007 entwarf sie das Filmset für Regenbogenengel, Preisträger auf dem OpenEyes Filmfest 2009. Von der Spielzeit 2008/09 bis 2010/11 war sie als Bühnenbildassistentin am Schauspiel Hannover engagiert. Für das Schauspiel Hannover gestaltete sie Bühne und Kostüm für die Produktion Mickybo und ich, die Bühne für Coraline (Regie: Hanna Müller) sowie für Troilus und Cressida (Regie: Thomas Dannemann). Am Theater Bielefeld zeichnete sie bereits für Bühne und Kostüme für Das Interview, Der Hals der Giraffe und Die Durstigen sowie für das Kostümbild bei Die Orchesterprobe, Alle 16 Jahre im Sommer und Der Menschenfeind verantwortlich.

BESETZUNG  Wolfgang Hartwig, Industrieller Thomas Wolff, Eveline, seine Tochter Anica Happich, Anita, seine Tochter Alrun Hofert, Charly Müller, junger Ingenieur Vincent zur Linden, Chris Kreysler, sein Freund Alexander Stürmer, August Kreysler, sein Vater Oliver Baierl, Mrs. Whitbaker, Charlys Tante Nicole Lippold, Pedro, spanischer Hausverwalter Michael Schrodt

—| Pressemeldung Theater Bielefeld |—

Bielefeld, Theater Bielefeld, LA TRAVIATA – Giuseppe Verdi, 06.10.2018

September 19, 2018  
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Theater Bielefeld

Theater Bielefeld / Fassade © Theater Bielefeld

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LA TRAVIATA  –  GIUSEPPE VERDI

Text von Francesco Maria Piave nach Alexandre DumasLa Dame aux Camélias

Premiere Sa. 06.10.2018, 19:30 Uhr, Stadttheater, weitere Vorstellungen 10.10., 24.10., 28.10., 02.11., 11.11., 17.11., 06.12., 11.12., 29.12.2018; weitere Termin in 2019

Von Vergnügen zu Vergnügen jagen, immer im Mittelpunkt des pulsierenden Lebens – Violetta Valéry gönnt sich keine Ruhe, nachdem sie nach längerer Krankheit endlich wieder auf den Beinen steht. Dabei spürt sie es ganz genau: Dieses Mal mag sie dem Tod noch einmal von der Schippe gesprungen sein, aber letztendlich wurde ihr nur wenig zusätzliche Zeit geschenkt. Die Todesnähe verleiht ihr den Mut, ihr bisheriges Leben zu hinterfragen. Könnte die verehrungsvolle Liebe des jungen Alfredo Germont einen Ausweg bieten aus dem umschwärmten, aber gleichzeitig einsamen Leben als begehrteste Kurtisane von Paris? Es lockt die Verheißung auf die lang ersehnte, wahre Liebe. Alfredo kann über ihre Vergangenheit hinwegsehen, doch reicht das aus für einen radikalen Neuanfang? Der gesellschaftlichen Haltung und der Todesahnung zum Trotz wagt Violetta den Aufbruch ins Ungewisse.

Alphonsine Plessis, die Kameliendame der Traviata; hier ihre Grabstätte Montmarte © IOCO

Alphonsine Plessis, die Kameliendame der Traviata; hier ihre Grabstätte Montmarte © IOCO

Amore e morte – Liebe und Tod – wollte Giuseppe Verdi zunächst seine Oper nach dem Roman Die Kameliendame von Alexandre Dumas d. J. nennen. Ein Titel, der in seiner Unbestimmtheit zwar für einen Großteil des Opernrepertoires gelten könnte, aber selten so passend erscheint wie für die Geschichte der Violetta Valéry, die sich in den Spannungsfeldern zwischen wahrer und käuflicher Liebe, Todessehnsucht und Todesangst entfaltet. Von den ersten Klängen der Ouvertüre an konzentriert sich Verdis Musik auf das innere Erleben der Protagonistin, deren ständiger Begleiter der Tod ist und die dennoch voller Kraft und Lebensfreude aufbegehrt. So vereint auch Verdis Partitur, die er selbst für eine seiner besten Arbeiten hielt, extrem unterschiedliche Emotionen: Vom schwungvollen Trinklied Brindisi über das impulsive Sempre libera bis hin zum tieftraurigen Lebensabschied Addio, del passato.

Nach dem desaströsen Misserfolg der Uraufführung 1853 entwickelte sich La Traviata zu einer der beliebtesten Opern der Musikgeschichte. Verdi hatte beides vorausgeahnt: Ein »totales Fiasko« hatte er der Theaterleitung angekündigt, sofern die Titelrolle nicht umbesetzt würde. Anschließend lehnte er über ein Jahr lang alle Angebote einer Wiederaufnahme ab, bis er sicher war, die geeignete Besetzung zu bekommen. Am 6. Mai 1854 war es so weit und La Traviata startete ihren Triumphzug um die Welt – quasi mit einjähriger Verspätung. Es ist kaum verwunderlich, dass der Komponist so vehement um ein Mitspracherecht bei der Besetzung kämpfte: In keiner anderen Oper Verdis steht die weibliche Hauptrolle so sehr im Zentrum des Geschehens. Von Anfang an trägt Violetta Valéry ihren Tod in sich; kein Krieg, keine höfische Intrige oder althergebrachte Familienfehde determiniert ihr Schicksal. Nur ihr privates Glück und Unglück, ihr innerstes Erleben bilden die Handlung der Oper. Sogar der Titel der Oper entstammt ihrer Selbstwahrnehmung, als Traviata, also »eine vom Weg Abgekommene«, bezeichnet sie sich in einer Arie selbst. Diesen Fokus auf Violettas Sichtweise behält das Team um Hausregisseurin Nadja Loschky bei. Der Raum von Katrin Connan und die Kostüme von Katharina Schlipf entführen in Violettas Perspektive: Wie nimmt eine junge Frau, der der Tod sehr nah ist, ihre Umwelt wahr? Welche Distanz zu anderen Menschen verschafft das Wissen um das eigene Sterben, welche Phantasien löst die Todesnähe aus?

Alexandre Dumas Montmarte © IOCO

Alexandre Dumas Montmarte © IOCO

Aufrichtigkeit, Gefühl und starke Ausdruckskraft verlangte Verdi von den Sängerinnen seiner Traviata. Dass Irina Simmes diesen Ansprüchen gewachsen ist, beweisen die großen Erfolge, die sie bereits als Violetta Valéry feierte. Nun stellt sich die junge Opernsängerin, die seit der Saison 2018/19 festes Mitglied am Theater Dortmund ist, erstmals in Bielefeld vor. Alternierend ab Januar 2019 singt Sophia Brommer die Violetta Valéry. Violetta zur Seite steht die geheimnisvolle Figur des M., verkörpert durch den Choreografen und Tänzer Thomas Wilhelm. Alfredo Germont, gesungen von Daniel Pataky, versucht ihr ein Leben in zärtlicher Zweisamkeit schmackhaft zu machen, was sein Vater, in Gestalt von Evgueniy Alexiev und alternierend Frank Dolphin Wong, nicht gutheißen kann. Kaum ein Mann kann sich Violettas Charme entziehen, so auch nicht der Baron Douphol, gesungen von Caio Monteiro, Gaston (Lianghua Gong / Lorin Wey), der Marquis d’Obigny (Yoshiaki Kimura) oder Doktor Grenvil (Moon Soo Park). Bei all der Verehrung, die Violetta entgegenschlägt, ist es kein Wunder, dass sich in Flora Bervoix’ (Hasti Molavian) Freundschaft auch etwas Konkurrenzdenken mischt. Annika Brönstrup als Annina bleibt Violetta hingegen in allen Umständen treu verbunden.

Es singen und spielen der Bielefelder Opernchor, der Extrachor des Theaters Bielefeld sowie die Bielefelder Philharmoniker unter der Leitung von GMD Alexander Kalajdzic;  Inszenierung Nadja Loschky Bühne Katrin Connan Kostüme Katharina Schlipf

Weitere Vorstellungen 10.10., 24.10., 28.10., 02.11., 11.11., 17.11., 06.12., 11.12.,
29.12.; weitere Termin in 2019

MUSIKALISCHE LEITUNG  –  Geboren in Zagreb, Kroatien, begann Alexander Kalajdzic seine musikalische Ausbildung mit sechs Jahren und gab ab dem achten Lebensjahr regelmäßig Konzerte als Pianist. Er gewann mehrere Preise bei Bundeswettbewerben und setzte anschließend sein Studium an der Musikhochschule in Wien fort, wo er die Dirigierklasse von Karl Österreicher mit Auszeichnung absolvierte. Darüber hinaus studierte er Klavier, Viola und Korrepetition. Schon während des Studiums dirigierte er Symphoniekonzerte mit den Zagreber Philharmonikern sowie dem Orchester des Kroatischen Rundfunks. Sein beruflicher Weg führte ihn nach Krefeld-Mönchengladbach, wo er als Korrepetitor mit Dirigierverpflichtung erste Theatererfahrungen sammelte. Danach war er als Kapellmeister in München, als erster Dirigent am Nationaltheater Weimar und von 2008 bis 2010 als 1. Kapellmeister am Nationaltheater Mannheim tätig, wo er sich ein großes Repertoire erarbeiten konnte. Er gastierte u. a. in den USA, Mexiko, Südafrika, Italien, Frankreich, in der Schweiz und in Tschechien. Seit Spielzeitbeginn 2010/11 leitet er als GMD die musikalischen Geschicke des Theaters Bielefeld und der Bielefelder Philharmoniker.


INSZENIERUNG  –  Nadja Loschky, Jahrgang 1983, studierte Musiktheaterregie an der Hochschule für Musik »Hanns Eisler« in Berlin. Bereits während ihres Studiums assistierte sie Hans Neuenfels und arbeitete als freie Regisseurin an den Städtischen Bühnen Osnabrück. An diesem Theater entstanden in den folgenden Jahren unter ihrer Regie auch erste Inszenierungen im Bereich Kinder- und Jugendtheater. 2006 wurde ihre Interpretation von Frieds Monooper Das Tagebuch der Anne Frank zum Theatertreffen der Jugend nach Berlin eingeladen. Es folgten weitere Engagements, unter anderem am Staatstheater Kassel. Im Anschluss an ihre praktische Diplomprüfung 2009 inszenierte Nadja Loschky Verdis La Traviata und Rossinis Der Barbier von Sevilla an den Städtischen Bühnen Osnabrück sowie Faust von Charles Gounod am Staatstheater Kassel. 2011 debütierte sie mit der Uraufführung der Familienoper Mikropolis von Christian Jost an der Komischen Oper Berlin. Im Jahr 2012 entstanden Inszenierungen von Brittens A Midsummer Night’s Dream am Staatstheater Kassel, Mozarts Entführung aus dem Serail am Theater Heidelberg sowie der Familienoper Die Schatzinsel (Frank Schwemmer) am Opernhaus Zürich, denen Verdis Simon Boccanegra am Theater Aachen und Händels Alcina am Luzerner Theater folgten. 2014 führte sie Mozarts Così fan tutte erneut ans Theater Heidelberg und mit Madama Butterfly inszenierte sie am Theater Bielefeld ihre erste Puccini-Oper. Für diese Produktion wurde sie 2015 mit dem Götz-Friedrich-Preis ausgezeichnet. Im selben Jahr erarbeitete sie eine weitere Uraufführung, Christian Josts Rote Laterne am Opernhaus Zürich, sowie eine Inszenierung von Boieldieus selten gespielter Oper La dame blanche am Oldenburgischen Staatstheater und Mozarts Le nozze di Figaro am Theater Heidelberg. 2016 inszenierte die Regisseurin erneut am Luzerner Theater, diesmal Bellinis Oper Norma. Für ihre im gleichen Jahr entstandene Produktion Death in Venice von Benjamin Britten am Theater Bielefeld erhielt sie im Jahresheft der Fachzeitschrift Opernwelt eine Nominierung in der Kategorie »Beste Regisseurin«. Zu Beginn der Spielzeit 2016/17 inszenierte sie Verdis Macbeth am Oldenburgischen Staatstheater, dem Zingarellis Giulietta e Romeo am Barocktheater Schwetzingen folgte. Mit Monteverdis L’incoronazione di Poppea kam es im Frühjahr 2017 zu einer weiteren Arbeit am Theater Bielefeld, 2018 gab sie ihr Regiedebüt an der Oper Graz mit Ariane et Barbe-Bleue von Paul Dukas. Seit der Spielzeit 2017/18 ist Nadja Loschky Hausregisseurin am Theater Bielefeld und inszenierte dort Rihms Jakob Lenz. In der aktuellen Spielzeit wird sie neben Verdis La Traviata auch Offenbachs Orpheus in der Unterwelt auf die Bühne bringen. Weitere Engagements führen die junge Regisseurin an die Oper Köln und erneut an die Oper Graz. Nadja Loschky ist neben ihrer Regietätigkeit projektbezogen auch als Dozentin an der HfM »Hanns Eisler« sowie der UDK Berlin tätig.


BÜHNE  –  Katrin Connan studierte Freie Kunst und Bühnenraum u. a. bei Raimund Bauer an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg, assistierte am Grand Théâtre de Genève Bühnenbild und Regie, absolvierte ihr Diplom mit Auszeichnung. Sie arbeitet regelmäßig mit dem Regisseur Johannes Erath. Zu ihren gemeinsamen Arbeiten gehören What Next? von Elliott Carter an der Neuen Oper Wien, Eugen Onegin am Staatstheater Mainz, Lulu sowie Elektra an der Oper Graz, Das schlaue Füchslein an der Hamburgischen Staatsoper, Le nozze di Figaro an der Semperoper Dresden und den Savonlinna-Opernfestspielen, Make no noise sowie Beatrice Cenci bei den Bregenzer Festspielen, als nächstes Caruso in Cuba in Amsterdam. Weitere Arbeiten entstanden mit der Regisseurin Anna-Sophie Mahler (Die Sache Makropulos und Blick der Tosca am Theater Bremen, bald Die 7 Todsünden in Stuttgart) und mit Hans Neuenfels (South Pole an der Bayerischen Staatsoper, Antigone am Residenztheater München und Orest am Opernhaus Zürich). La Traviata ist ihre erste Zusammenarbeit mit Nadja Loschky.

KOSTÜME  –  Katharina Schlipf studierte Bühnen- und Kostümbild bei Prof. Martin Zehetgruber und Werner Pick an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart. Dort schloss sie 2010 mit dem Projekt Danton zu Georg Büchners Dantons Tod ihr Diplom mit Auszeichnung ab. Seit der Gestaltung des Bühnenbilds für das Händeloratorium Saul am Staatstheater Oldenburg 2011 arbeitet Katharina Schlipf mit der Regisseurin Lydia Steier zusammen. In folgenden Kooperationen entwarf sie u. a. die Bühnenbilder für Franz von Suppés Fatinitza am Staatstheater Mainz, die Ariadne auf Naxos für das Konzerttheater Bern, Albert Herring am Oldenburgischen Staatstheater und Guilio Cesare an der Komischen Oper Berlin. Für die Produktion The Fairy Queen am Theater Regensburg entwarf sie die Kostüme. Zuletzt erarbeitete sie 2018 das Bühnenbild für Mozarts Die Zauberflöte, die in diesem Jahr als Eröffnungspremiere der Salzburger Festspiele aufgeführt wurde. Regelmäßig arbeitet Katharina Schlipf auch mit dem Choreografen Demis Volpi. Die Zusammenarbeit begann 2010 mit dem Ballett Karneval der Tiere für die John Cranko Schule in Stuttgart, für die Katharina Schlipf die Kostüme und das Bühnenbild schuf. Es folgten Bühnen- und Kostümausstattungen für Capricen am Ballett Karlsruhe, Little Monsters, choreografiert für den Erik-Bruhn-Preis 2011 in Kanada, und Private Light für das American Ballett Theatre New York. Außerdem zeigte sie sich für die Ausstattungen für das Handlungsballett Der Nussknacker am Königlichen Ballett Flandern sowie für Volpis erste Opernregie Fetonte bei den Winterfestspielen in Schwetzingen verantwortlich. Eng verbunden sind Katharina Schlipf und Demis Volpi auch dem Staatstheater Stuttgart. Dort erarbeiteten sie seit 2010 die Produktionen Aftermath, Die Geschichte vom Soldaten von Igor Stravinsky, das Handlungsballett Salome nach Oscar Wilde und das Handlungsballett Krabat nach Ottfried Preußler. Ihre bisher letzte Produktion für die Oper Stuttgart in Kooperation mit dem Stuttgarter Ballett war die Produktion Tod in Venedig von Benjamin Britten, für die Katharina Schlipf Bühne und Kostüme schuf. Diese Arbeit wurde von den International Opera Awards zur besten Neuproduktion des Jahres 2018 nominiert. Katharina Schlipf ist neben ihrer Ausstattungstätigkeit projektbezogen auch als Dozentin für die Universität Stuttgart und die Musikhochschule Trossingen tätig. 2015 wurde Katharina Schlipf mit dem Rotary-Kunst-Preis ihrer Heimatstadt Rottweil ausgezeichnet. La Traviata ist die erste Zusammenarbeit mit Regisseurin Nadja Loschky und Bühnenbildnerin Katrin Connan.

BESETZUNG  –  Violetta Valéry Irina Simmes / Sophia Brommer,  Flora Bervoix Hasti Molavian,  Annina Annika Brönstrup,  Alfredo Germont Daniel Pataky,  Giorgio Germont Evgueniy Alexiev / Frank Dolphin Wong,  Gaston Lianghua Gong / Lorin Wey,  Baron Douphol Caio Monteiro
Marquis d’Obigny Yoshiaki Kimura,  Doktor Grenvil Moon Soo Park,  Giuseppe, Violettas Diener In-Kwon Choi / Krzysztof Gornowicz,  Ein Diener Floras Yun-Geun Choi / Ramon Riemarzik,  Ein Bote Tae-Woon Jung / Paata Tsivtsivadze,  M. Thomas Wilhelm

Die Sopranistin Irina Simmes ist ab der Saison 2018/19 festes Mitglied am Theater Dortmund, wo sie diese Spielzeit als Lisa (Land des Lächelns) debütiert. Mit der Walküre wird sie diese Spielzeit auch an die Oper Frankfurt zurückkehren, wo sie 2017 mit der Rolle der Konstanze (Entführung aus dem Serail) in Christof Loys Inszenierung unter der Leitung von Sebastian Weigle zu hören war. Seit 2012 war sie am Theater Heidelberg unter anderem in Mozart-Partien wie Konstanze (Entführung aus dem Serail), Pamina (Die Zauberflöte), Gräfin Almaviva (Le nozze di Figaro), Fiordiligi (Così fan tutte) und Donna Anna (Don Giovanni) zu hören. 2017 gab die Sängerin ihr Hausdebüt als Isolde (Avner Dormans Wahnfried) am Badischen Staatstheater in Karlsruhe, wohin sie in der Spielzeit 2017/18 in einer Neuproduktion von Mozarts Lucio Silla in Kooperation mit dem Théâtre la Monnaie Brüssel zurückkehrte. Neben Partien wie Laura (Korngolds Der Ring des Polykrates), Musetta (La Bohème), Rosalinde (Die Fledermaus) und Micaëla (Carmen) fand ihre Interpretation der Violetta (La Traviata) große Aufmerksamkeit. 2015 widmete ihr die Fachzeitschrift Die Deutsche Bühne in der Februar-Ausgabe einen Coverartikel.

Irina Simmes’ Repertoire umfasst sowohl Raritäten des Barock (u. a. Pilade in Traettas Ifigenia in Tauride) sowie Werke des zeitgenössischen Musiktheaters (u. a. Adela in Josts Rumor und die Titelpartie in der Uraufführung von Harneits Abends am Fluss). Irina Simmes absolvierte ihre Gesangsausbildung an der Folkwang Universität der Künste Essen und war in der Spielzeit 2011/12 Mitglied des Opernstudios am Musiktheater im Revier Gelsenkirchen.

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Bielefeld, Theater Bielefeld, Premiere MY FAIR LADY, 21.08.2018

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Theater Bielefeld

Theater Bielefeld / Fassade © Theater Bielefeld

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MY FAIR LADY
FREDERICK LOEWE / ALAN JAY LERNER

Musical nach Bernard Shaws Pygmalion und dem Film von Gabriel Pascal. Buch von Alan Jay Lerner, Musik von Frederick Loewe, Deutsch von Robert Gilbert.

PREMIERE Fr. 21.09.18, 19:30 Uhr, Stadttheater

Die nächsten Vorstellungen 23.09., 29.09., 07.10., 11.10., 21.10., 03.11., 20.11.;
weitere Termine folgen

Musikalische Leitung – William Ward Murta
Inszenierung – Thomas Winter
Bühne, Kostüme – Ulv Jakobsen
Choreografie – Thomas Klotz

Mit
Michaela Ataalla/Elena Schneider / Dirk Audehm / Annika Brönstrup/Sofio Masxarashvili // Nikolaj Alexander Brucker /Alexander Franzen // Christin Enke-Mollnar // Vera Freese // Krzysztof Gornowicz // Kai Hufnagel // Melanie Kreuter // Lutz Laible // Vladimir Lortkipanidze // Monika Mayer // Carlos H. Rivas // Theresa Weber // Lorin Wey // Bielefelder Opernchor // Bielefelder Philharmoniker

Ich hätt’ getanzt heut’ Nacht, Es grünt so grün, Bringt mich pünktlich zum Altar – wer kennt sie nicht, Frederick Loewes unsterbliche Ohrwürmer aus My Fair Lady? Professor Higgins, unverbesserlicher Junggeselle und genialischer Dialektforscher, wettet mit Oberst Pickering, dass es ihm gelingt, aus der eher umgangssprachlich orientierten und aus bildungsfernen Schichten stammenden Eliza Doolittle eine Dame von feinster Redensart zu machen. Und sie – wir sind in London! – in die feine Gesellschaft einzuführen. Gesagt, getan. Eliza wird einbestellt, erhält wochenlangen Sprach- und Manierenunterricht nebst freier Kost und Logis und erfüllt Higgins‘ kühne Hoffnungen. Immerhin schon im zweiten Anlauf bezaubert sie die Upper Class, doch nach diesem an sich erfreulichen Zwischenergebnis wird sie von den beiden Herren schlichtweg im Stich gelassen. Wohin nun mit ihrer neuen Identität? Entrüstet haut Eliza ihrem Möchtegern-Schöpfer seine Selbstherrlichkeit um die Ohren …

My Fair Lady basiert auf der 1913 verfassten »Romanze« Pygmalion von George Bernard Shaw, der für seine messerscharfe Beobachtungsgabe genauso berüchtigt war wie für seine pointierte Sprache. Rund vierzig Jahre war das Stück bereits alt, als es Frederick Loewe unter die Finger bekam. Als Sohn Wiener Eltern in Berlin sozialisiert, verbrachte Loewe den größten Teil seines Lebens in New York, wo er als Pianist und Boxer hauptsächlich am Nachtleben teilnahm und davon mehr schlecht als recht lebte. 1942 traf er den Songtexter Alan Jay Lerner, mit dem er zunächst Brigadoon als ersten gemeinsamen Erfolg am Broadway herausbrachte, um dann 1956 mit My Fair Lady einen Welterfolg zu landen, der bis heute seinesgleichen sucht. Am Theater Bielefeld liegt die Neuproduktion von My Fair Lady bei William Ward Murta (Musikalische Leitung), Thomas Winter (Regie), Ulv Jakobsen (Bühne und Kostüme) sowie Thomas Klotz (Choreografie) in bewährten Händen. Behutsam verschlankt, erzählt sich die Geschichte »Eliza vs. Prof. Higgins« im optischen Rahmen des Jahres 1912. Neu am Haus ist die noch junge Musicaldarstellerin Theresa Christahl in der Hauptrolle der Eliza; ebenso wie Nikolaj Alexander Brucker, der sich als Prof. Higgins mit Alexander Franzen abwechseln wird. Kai Hufnagel (Pickering) und Dirk Audehm (Doolittle) vervollständigen das Solistenquartett, zu dem sich spielfreudige Ensemblemitglieder wie Melanie Kreuter und Lorin Wey sowie die Mitglieder des Bielefelder Opernchores gesellen. Ein Wiedersehen gibt es mit Monika Mayer als Mrs. Higgins, ebenfalls neu sind die Mitglieder der Bewegungsgruppe E-Motion, die das Bühnengeschehen äußerst lebendig bereichern. Was selbstredend auch für die Bielefelder Philharmoniker gilt, die Loewes Melodien zum Blühen bringen.

MUSIKALISCHE LEITUNG
William Ward Murta, geboren in Fort Smith/Arkansas und aufgewachsen in Oklahoma, ist seit 1984 Musical-Kapellmeister am Theater Bielefeld. Er übernahm die musikalische Leitung vieler Produktionen wie Cabaret, Evita, Chicago, La Cage aux Folles, Piaf, Die Comedian Harmonists, der Uraufführung von James Lyons Für mich soll’s rote Rosen regnen, Franz Wittenbrinks Männer – Tore, Tränen und Triumphe, Sekretärinnen und Mütter, außerdem She Loves Me, Jekyll & Hyde, Me and My Girl, Crazy For You, The Scarlet Pimpernel, Chess, Company, The Birds of Alfred Hitchcock, City of Angels, Die Hexen von Eastwick, Bonnie & Clyde, Sunset Boulevard, A Little Night Music, Hochzeit mit Hindernissen, Avenue Q und Frühlings Erwachen (Spring Awakening). Murta ist in Musikerkreisen ein gefragter Arrangeur; zahlreiche seiner Arrangements gehören zu den Standards von Musical- und Gala- Aufführungen im In- und Ausland. Darüber hinaus komponiert Murta eigene Musicals: 1987 M … wie Marilyn und sein Werk über das Leben von Galileo Galilei, Starry Messenger (Sternenbote), das 2004 sehr erfolgreich am Theater Bielefeld uraufgeführt wurde. Zu Beginn der Spielzeit 2010/11 folgte ebenso erfolgreich die Uraufführung von The Birds of Alfred Hitchcock und in der Spielzeit 2016/17 die Uraufführung von Das Molekül.

INSZENIERUNG
Thomas Winter war Sänger der Kölner Soulfunk Band Upstairs bevor er von 1995 bis 1999 an der Folkwang Hochschule Essen Schauspiel, Gesang und Tanz studierte. 1997 gewann er den 1. Preis beim Bundeswettbewerb Gesang (Musical, Chanson, Song). Von 1999 bis 2001 war er fest als Schauspieler am Theater Heilbronn und von 2001 bis 2005 am Staatstheater Oldenburg engagiert. Seit 2005 arbeitet er als freier Schauspieler, war in Film- und Fernsehproduktionen wie Das Duo, SOKO München oder Der Baader-Meinhof Komplex zu sehen und spielte unter anderem am Theater Bielefeld, im Winterhuder Fährhaus in Hamburg, am Theater Münster, in der Bar jeder Vernunft in Berlin, an der Deutschen Oper am Rhein und am Nationaltheater Mannheim. Darüber hinaus ist er als Regisseur tätig und inszeniert u. a. an der Oper Chemnitz, am Volkstheater Rostock, am Theater Konstanz und am Theater Bielefeld, wo er auch seit 2011 die Spielstätte Loft künstlerisch betreut. Am Bielefelder Theater inszenierte er u. a. mit großem Erfolg City of Angels, Sunset Boulevard, Cyrano, Hochzeit mit Hindernissen und Das Molekül.

BÜHNE UND KOSTÜME
Ulv Jakobsen wurde 1962 in Berlin-Pankow geboren. Er absolvierte sein Design- und Bühnenbildstudium an der Kunsthochschule Berlin- Weißensee und machte 1993 sein Diplom. 1992 war er Assistent bei Robert Wilson. Jakobsen war an über 80 Produktionen als Bühnen- und Kostümbildner an verschiedenen Theatern beteiligt. Darunter das Nationaltheater Lubljana (Slowenien), das Deutsche Theater Berlin, das Staatstheater Schwerin und das Theatret Vårt in Norwegen. Darüber hinaus arbeitete Jakobsen als Theater- und Filmautor in Schwerin, Bremerhaven und für den Kinofilm Die Datsche (2003). Seine Theaterplakate wurden mehrfach ausgezeichnet und fanden Aufnahme in staatliche und private Sammlungen.

Am Theater Bielefeld war Ulv Jakobsen an den Musicalproduktionen City of Angels, Sunset Boulevard, Cyrano und Das Molekül als Bühnenund Kostümbildner beteiligt.

CHOREOGRAFIE
Thomas Klotz konnte schon während seines Studiums an der Folkwang Hochschule Essen sein Können im Musical Cabaret in Düsseldorf und bei den Sommerfestspielen Bad Hersfeld in Evita unter Beweis stellen. Nach seinem Studium spielte er ab 2001 in Stuttgart bei Der Tanz der Vampire u. a. den Alfred. Danach zog es ihn nach Hamburg, wo er 2003 als Sky und Eddie in Mamma Mia! im Operettenhaus engagiert war. Ebenfalls in Hamburg war er Teil der Europa-Premieren-besetzung des Musicals Dirty Dancing, wo er ab 2006 zunächst in den Rollen Billy, Neil Kellerman und Solosänger zu sehen war. Ab 2007 wurde er die Erstbesetzung des Neil Kellermann. Im Sommer 2007 zog es ihn noch einmal zu Der Tanz der Vampire, diesmal als Erstbesetzung des Alfred. Es folgte ein Engagement bei den Freilichtspielen in Tecklenburg, wo er 2008 als Ren McCormack in Footloose glänzte. Danach konnte man Thomas Klotz für die Weltpremiere des Musicals Der Schuh des Manitu im Berliner Theater des Westens gewinnen, wo er den Falschen Hasen, aber auch den Winnetouch spielte. 2010 ging er mit Grease auf Deutschlandtournee, wobei er die Rolle des Roger verkörperte. 2011 wirkte er an der Produktion Songs for a New World im Loft des Theaters Bielefeld mit, um danach noch einmal auf Tournee zu gehen, diesmal als der EiSkimbleshanks in dem Musical Cats. 2013 spielte Thomas erneut in Bielefeld, diesmal im Musical City of Angels (Jimmy Powers), wo er auch für die Choreografie verantwortlich war. Außerdem spielte er im Loft des Theaters Bielefeld das zwei Personen Musical Die letzten fünf Jahre. Er war 2014 Teil der Europapremiere des Musicals Bonnie und Clyde, wo er den Ted Hinton verkörperte. Im Sommer 2015 spielte er bei den Sommerfestspielen in Klingenberg den Jonathan Harker in Wildhorns Musical Dracula. Ebenfalls 2015 war er in der Welturaufführung des Musical Burnout in der Hauptrolle Ben zu sehen. 2016 spielte er den Joe Gillis in dem Musical Sunset Boulevard bei den Schlossfestspielen Ettlingen. 2016/17 konnte man Thomas als Armand St. Just im Theater Chemnitz bei Scarlet Pimpernel sehen. Thomas gewann außerdem 2016 den Deutschen Musical Theater Preis als Bester Hauptdarsteller in einem Musical (Ben – Burnout). Das Bielefelder Publikum erlebte in zuletzt als Craig Venter/Linus Pauling in der Musical- Uraufführung Das Molekül sowie als Princeton und Rod in Avenue Q.

BESETZUNG
Professor Henry Higgins Nikolaj Alexander Brucker/
Alexander Franzen
Oberst Hugh Pickering Kai Hufnagel
Eliza Doolittle Theresa Christahl
Alfred P. Doolittle, ihr Vater Dirk Audehm
Freddy Eynsford-Hill Lorin Wey
Mrs. Pearce, Higgins‘ Hausdame Melanie Kreuter
Mrs. Higgins Monika Mayer
Mrs. Eynsford-Hill Christin Enke-Mollnar
Jamie Vladimir Lortkipanidze
Harry Carlos Horacio Rivas
1. Dienstmädchen Michaela Ataalla/Elena Schneider
2. Dienstmädchen Annika Brönstrup/
Sofio Masxarashvili
Zwei Dienstboten bei Higgins Tae-Woon Jung/Seung-Koo Lim/
Dumitru-Bogdan Sandu/Paata
Tsivtsivadze
Lady Boxington Vera Freese
Lord Boxington Lutz Laible
Vier Obsthändler In-Kwon Choi/Krzysztof
Gornowicz/Young Sung Im/Tae-
Woon Jung/Lutz Laible/Ramon
Riemarzik/Dumitru-Bogdan
Sandu/Paata Tsivtsivadze
Wirt Mark Coles
Mann aus Hoxton Krzysztof Gornowicz
Mann aus Sesley Ramon Riemarzik

—| Pressemeldung Theater Bielefeld |—

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