Bielefeld, Theater Bielefeld, Premiere ORLANDO PALADINO, 27.04.2018

April 3, 2018  
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Theater Bielefeld

Theater Bielefeld / Fassade © Theater Bielefeld

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ORLANDO PALADINO –  JOSEPH HAYDN

PREMIERE : 27.04.2018 – 20:00 Uhr,  weitere Vorstellungen 04.05., 15.05., 27.05., 13.06., 21.06., 29.06., 05.07.2018

„Ja, hat denn die ganze Welt den Verstand verloren?!“

Das wird sich Alcina wohl fragen, als in ihrem Zauberreich mehr und mehr abgehetzte Menschen eintreffen, die vor jemandem weg- oder jemandem hinterherlaufen. Zum Beispiel Angelica, die eigentlich nur romantische Zweisamkeit mit ihrem Medoro genießen will. Aber da auch Orlando sie – im wahrsten Sinne des Wortes – bis zum Wahnsinn liebt, lebt sie immer fluchtbereit in Angst um ihren zarten Liebsten. Daran kann auch das Schutzversprechen des cholerischen Rodomonte nichts ändern, dessen größter Lebenstraum durch ein Duell mit dem rasenden Orlando in Erfüllung ginge. Wenn der nicht bloß immer schon weg wäre, wenn Rodomonte glaubt, ihn endlich gestellt zu haben! Das findet auch Orlandos Diener Pasquale nervig, der lieber einem gebratenen Hühnchen oder der schönen Eurilla hinterherlaufen würde statt seinem liebestollen Herrn. In diesem Emotionschaos muss Alcina zu drastischen Mitteln greifen, damit endlich wieder Ruhe in ihr Reich einkehrt. Mehrmals unterzieht sie Orlando einer Schocktherapie, doch erst das totale Auslöschen seiner Erinnerung durch das Wasser des Letheflusses bringen seine tiefen Gefühle zum Verstummen.

Theater Bielefeld / Orlando Paladino hier Cornelie Isenbuerger, welche Angelica darstellen wird © Philipp Ottendoerfer

Theater Bielefeld / Orlando Paladino hier Cornelie Isenbuerger, welche Angelica sein wird © Philipp Ottendoerfer

Für Haydns Publikum 1782 war die Oper ein Wiedersehen mit alten Bekannten, basiert Orlando Paladino doch auf der Mutter aller Fantasy- Romane, dem vielrezipierten Ritterepos Orlando Furioso des Renaissance-Dichters Ludovico Ariost. Sämtliche Einheiten von Raum, Zeit und Handlung sprengend, erzählte Ariost hier von äußerlich zwar unverletzlichen, innerlich aber zerrissenen Superhelden, liebenden, aber durchaus gleichberechtigt kampfbereiten Frauen, Monstern, Fabelwesen und Außerirdischen, Zauberern mit den neuesten technischen Errungenschaften, Überschallgeschwindigkeit erreichenden Fortbewegungsmitteln und sogar von einer Reise zum Mond. Nichts ist unvorstellbar in diesem gleichermaßen ernsten wie komischen Epos, das damit eine ideale Fundgrube bildete für Haydns auf Schloss Esterházy entwickelter Vision einer Oper, die heitere und ernste, heroische und pastorale Elemente in sich vereinen sollte. Immer wieder drängen sich – in Hinblick auf die Figuren wie auch die Musiksprache – Vergleiche mit Mozarts Zauberflöte oder Don Giovanni auf, die wohlgemerkt beide nach Haydns Orlando Paladino entstanden. Mehrere Figuren in emotionalen Extremzuständen entnahm der Librettist Nunziato Porta dem Epos, versetzte sie aber in eine neue Grundkonstellation und alle gemeinsam in das Reich der Zauberin Alcina. Der von allen als wahnsinnig geschmähte und in seiner verzweifelten Raserei gefürchtete Orlando wirkt hier lediglich wie ein Primus inter Pares. Während Orlandos verlorener Verstand bei Ariost auf dem Mond wiedergefunden und somit wiederhergestellt wird, müssen seine tiefen Gefühle in der Oper vollständig ausgelöscht
werden, da sie – im Gegensatz zu denen der anderen – unstillbar und damit nicht mit irdischen Mitteln »heilbar« sind. Wie diese ihren Empfindungen unmittelbar ausgelieferten Menschen durch Alcinas Eingreifen nach und nach zu einem kontrollierten und damit gesellschaftskonformen Gefühlshaushalt gebracht werden, stellt das Team um Regisseurin Felicitas Brucker in den Mittelpunkt ihrer Deutung, bei der gleichermaßen die komischen wie auch die ernsthaften Seiten von Haydns Dramma eroicomico beleuchtet werden.

Auch wenn eine friedliche Koexistenz zwischen gleichgeschalteten und gleichmütigen Wesen sicherlich leichter zu erreichen ist als zwischen radikal subjektiven und unbeherrschten Individuen – würde der Welt nicht etwas fehlen? Unter der musikalischen Leitung von Merijn van Driesten steht Daniel Pataky als liebeskranker Orlando auf der Bühne. Cornelie Isenbürger leiht seinem Objekt der Begierde, Angelica, ihren koloratursicheren Sopran. Aufopferungsbereit und doch ein wenig hasenfüßig steht Medoro, gesungen von Lianghua Gong, Angelica zur Seite. Voll baritonalem Testosteron sucht Rodomonte, alias Caio Monteiro, den Kampf mit dem rasenden Orlando. Lieber als den Befehlen seines Herrn folgt Lorin Wey als Orlandos Diener Pasquale den Verlockungen der süßen Eurilla, dargestellt von Nienke Otten. Gemeinsam mit Yoshiaki Kimura als Licone/Charon versucht Alcina, gesungen von Hasti Molavian, die Emotionen der Beteiligten unter Kontrolle zu bringen. Es spielen die Bielefelder Philharmoniker.

Musikalische Leitung :  Merijn van Driesten, Inszenierung : Felicitas Brucker, Bühne : Marlene Lockemann, Dramaturgie : Anne Christine Oppermann
Mit Lianghua Gong // Cornelie Isenbürger // Yoshiaki Kimura // Hasti Molavian // Caio Monteiro // Nienke Otten // Daniel Pataky // Lorin Wey // Bielefelder Philharmoniker


INSZENIERUNG
Felicitas Brucker wurde 1974 in Stuttgart geboren und absolvierte von 1995 bis 2001 ein Studium der Theaterwissenschaften, Kommunikationswissenschaften und der Neueren Deutsche Literatur an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Im Anschluss studierte sie Regie am Goldsmith College der University of London via DAAD Postgraduiertenstipendium.

Während des Aufenthaltes in London bis 2003 entstanden erste eigene Projekte. Bisher inszenierte sie u. a. an den Münchner Kammerspielen, am Theater Freiburg, am Schauspiel Hannover, am Maxim Gorki Theater Berlin und am Thalia Theater Hamburg. Von 2009 bis 2014 war sie Hausregisseurin am Schauspielhaus Wien, wo sie u. a. für die Uraufführungen von Ewald Palmetshofers hamlet ist tot. keine schwerkraft (2007), faust hat hunger und verschluckt sich an einer grete (2009) sowie die österreichischen Erstaufführungen von tier. man wird doch bitte unterschicht (2011) und Körpergewicht. 17% (2011) verantwortlich war. Am Schauspielhaus Wien inszenierte sie zudem Kassandra oder die Welt als Ende der Vorstellung von Kevin Rittberger (UA 2010), Karaoke-Box von Iwan Wyrypajew (UA 2010 im Rahmen der Serie Die X Gebote), Der Garten von Anja Hilling (UA 2011), Gier von Sarah Kane und Illusionen von Iwan Wyrypajew (ÖEA 2013) sowie Aller Tage Abend nach dem Roman von Jenny Erpenbeck (UA 2014, Dramatisierung für das Schauspielhaus Wien von Andreas Jungwirth in Zusammenarbeit mit Felicitas Brucker). Gemeinsam mit Anne Habermehl war sie als Projektleiterin für die Theaterserie Die Welt von gestern nach Stefan Zweig verantwortlich.

In der Spielzeit 2015/16 inszenierte sie am Theater Freiburg ihre Antiken-Bearbeitung Ödipus (nach Sophokles, Euripides und Aischylos) und stellte sich mit Wolfgang Amadeus Mozarts Così fan tutte erstmals als Opernregisseurin vor. Zuletzt inszenierte sie am Theater Basel die Uraufführung von Darja Stockers Stück Nirgends in Friede. Antigone, (eingeladen zu den Autorentheatertagen 2016) sowie die Schweizer Erstaufführung von Ewald Palmetshofer die unverheiratete (2017) und die Uraufführung von Dominik Buschs Das Recht des Stärkeren (2018).


MUSIKALISCHE LEITUNG
Merijn van Driesten ist Kapellmeister und Studienleiter am Theater Bielefeld. Der gebürtige Niederländer studierte zunächst Klavier in Utrecht und Amsterdam sowie bei E. Koroliov in Hamburg. Nach einer freischaffenden Tätigkeit als Kammermusiker, Liedbegleiter und Dozent am Musikseminar Hamburg studierte er Dirigieren bei Prof. Christoph Prick an der Hamburger Musikhochschule. Seit 2007 arbeitet Merijn van Driesten an verschiedenen Theatern als Kapellmeister und Repetitor, wo er ein großes Repertoire an Bühnenwerken und Konzertliteratur spielte und dirigierte. Sein besonderes Interesse gilt dabei der Aufführungspraxis barocker und klassischer Musik, die er oft am Cembalo begleitet. Am Theater Bielefeld leitete er neben vielen Vorstellungen (z. B. Così fan tutte, Die Fledermaus, Tosca, Madama Butterfly und Die Zauberflöte) viele Kinderkonzerte und Opernproduktionen, darunter Händels Xerxes, die Wiederaufnahme von Tannhäuser, Monteverdis Die Krönung der Poppea und 2016 die erfolgreiche europäische Erstaufführung von Dog Days des amerikanischen Komponisten David T. Little. Außerdem leitet er seit 2011 das Sinfonieorchester Paderborn.


BÜHNE
Marlene Lockemann wurde 1989 in Berlin geboren. Von 2012 – 2017 studierte sie Bühnenraum und freie Kunst an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg bei Professor Raimund Bauer. Vor und während ihres Studiums assistierte sie bei Bühnen- und Kostümbildarbeiten u. a. am Ballhaus Naunynstraße in Berlin und am Thalia Theater in Hamburg. Marlene Lockemann entwickelte Bühnenräume u. a. für Inszenierungen im Deutschen Schauspielhaus, in der Staatsoper und auf Kampnagel inHamburg. Für ihren Bühnenraum für Katzelmacher, 2016 im Münchner Volkstheater in der Regie von Abdullah Kenan Karaca, wurde sie im Rahmen der Kritikerumfrage des Magazins Theater heute als beste Nachwuchsbühnenbildnerin des Jahres 2016 nominiert. Weiterhin verwirklichte sie Rauminstallationen und Performances wie den OXO Inkubator in Zusammenarbeit mit Lea Burkhalter auf dem internationalen Sommerfestival auf Kampnagel 2014 oder die Perfor mance round150 auf dem Brutkastenfestival 2015 der Hochschule für Musik und Theater Hamburg. Sie beteiligte sich an Ausstellungen wie Der hellste Tag 2015 im Elektrohaus Hamburg oder B1 im Rahmen der Lessingtage 2016 im Thalia Theater in Hamburg. Für die performative Installation IM FALL, in Zusammenarbeit mit Lea Burkhalter wurde sie 2017 mit dem Karl H. Ditze-Preis für die beste Abschlussarbeit der Hochschule für Bildende Künste Hamburg ausgezeichnet.


KOSTÜME
Viva Schudt, geboren in Konstanz, studierte von 1994 bis 2000 Freie Kunst, Fachbereich Bühnenbild an der Kunstakademie Düsseldorf. Seit 1999 arbeitet sie als Bühnen- und Kostümbildnerin in den Sparten Schauspiel, Oper und Tanz und an Projekten mit Laien und Experten im öffentlichen Raum, im Gefängnis, in Hörsälen oder im Altersheim. Sie arbeitete u. a. am Luzerner Theater, Schauspielhaus Zürich, Theater Basel, Jungen Theater Basel, Berner Theater, Theater am Neumarkt in Zürich, Schauspielhaus Hamburg, Staatstheater Hannover, Staatstheater Stuttgart, an den Kammerspielen München, am Schauspielhaus Wien, Volkstheater Wien, Schauspiel Köln sowie am Theater Freiburg. Dort übernahm sie von 2006 bis 2007 die Ausstattungsleitung unter der Intendanz von Barbara Mundel. Sie gestaltete mehrere Raumbühnenbilder in Luzern und konzeptionierte 2012 die Ausweichspielstätte des Schauspielhauses Hamburg während des Umbaus des Bühnenhauses. 2016 gründetet sie mit Daniel Wahl U.G.L.E (urban guerilla life entertainment) zur Erforschung von Theater im öffentlichen Raum. Seit 2012 verbindet sie eine regelmäßige Zusammenarbeit mit der Regisseurin Felicitas Brucker, Haydns Orlando Paladino ist ihre zehnte gemeinsame Arbeit und ihre erste am Theater Bielefeld. PMThBi

BESETZUNG
Angelica – Cornelie Isenbürger, Rodomonte – Caio Monteiro, Orlando Daniel Pataky
Medoro Lianghua Gong, Licone Yoshiaki Kimura, Eurilla Nienke Otten. Pasquale Lorin Wey
Alcina Hasti Molavian, Charon Yoshiaki Kimura

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Bielefeld, Theater Bielefeld, Premiere DAS RHEINGOLD von Richard Wagner 03.03.2018

Februar 8, 2018  
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Theater Bielefeld / Fassade © Theater Bielefeld

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DAS RHEINGOLD –  RICHARD WAGNER

PREMIERE 03.03.18, 19:30 Uhr, Stadttheater,  Die weiteren Vorstellungen: 10.03., 22.03., 01.04., 11.04., 06.05., 20.05., 10.07.18

Göttervater Wotan hat zwei Riesen beauftragt, einen repräsentativen Amtssitz zu errichten. Die Frage der notwendigen Finanzierung hat er dabei großzügig bagatellisiert, doch nun ist der Bau fertig und die Baumeister fordern ihren verabredeten Lohn – die Göttin Freia. Die ist nun gerade besonders unentbehrlich in der Götterclique, weil nur sie allein für die geeignete göttliche Nahrung sorgen kann. Die Not ist groß, das Vertrauen in Wotans Souveränität schwindet, doch er verlässt sich eisern auf seinen Berater Loge. Und dessen Lösungsvorschlag ist beachtlich: Er berichtet, dass der Nibelung Alberich soeben widerrechtlich das Rheingold aus der Obhut der Rheintöchter
entwendet hat. Was aber einmal gestohlen wurde, kann problemlos noch einmal gestohlen werden. Gesagt, getan. Alberich wird überlistet, entführt und seines Schatzes beraubt, die Riesen bekommen statt Freia das Gold, die Götter ihre Burg. Soweit ließe sich der Vorgang vielleicht vertuschen, wäre da nicht die wundersame Eigenschaft des Rheingolds, als Ring gefasst die Weltherrschaft zu sichern. Dies lässt sich Alberich nicht ohne weiteres entreißen: Er belegt den von ihm geschmiedeten Ring mit einem furchterregenden Fluch, dessen Macht sich umgehend erweist, als die Geschichte ihr erstes Todesopfer fordert.

Richard Wagner hatte mit Der fliegende Holländer, Tannhäuser und Lohengrin die Idee seiner Opernreform zur Reife gebracht, als ihm um 1850 der Nibelungenstoff als Parabel auf die Welt seiner Zeit in den Sinn kam. Bis heute ist Der Ring des Nibelungen das gewaltigste Musiktheaterprojekt, das im gängigen Repertoire einen ungemein populären Platz eingenommen hat, da sich musikalische Wirkung und politische Relevanz seit den Uraufführungen der vier Abende die Waage halten. Ursprünglich mit Jung-Siegfried und Siegfrieds Tod begonnen, begriff Wagner rasch, dass er den Bogen weiter fassen und viel früher ansetzen müsse. Mit Rheingold schuf er eine Art Gründungsmythos, der notwendigerweise zugleich die Keimzelle allen Übels enthält und damit eine Vielzahl von Handlungssträngen auslöst. Auch wenn im Rheingold-Kosmos noch keine Menschen auftreten, sondern nur Götter, Riesen, Nibelungen und Rheintöchter, stellte Wagner, der auch sein eigener Librettist war, seine Figuren mit klaren menschlichen Eigenschaften dar. Die kurdisch-deutsche Regisseurin Mizgin Bilmen, die in der vergangenen Spielzeit mit ihrem Team Charlotte Salomon auf die Bühne des Stadttheaters gebracht hat, nimmt dies zum Anlass, Rheingold zwar in optischer Zeitlosigkeit, aber auch mit einem klaren Blick auf die Schieflage unserer heutigen Welt zu erzählen.

MUSIKALISCHE LEITUNG
Geboren in Zagreb, Kroatien, begann Alexander Kalajdzic seine musikalische Ausbildung mit sechs Jahren und gab ab dem achten Lebensjahr regelmäßig Konzerte als Pianist. Er gewann mehrere Preise bei Bundeswettbewerben und setzte anschließend sein Studium an der Musikhochschule in Wien fort, wo er die Dirigierklasse von Karl Österreicher mit Auszeichnung absolvierte. Darüber hinaus studierte er Klavier, Viola und Korrepetition. Schon während des Studiums dirigierte er Symphoniekonzerte mit den Zagreber Philharmonikern sowie dem Orchester des Kroatischen Rundfunks. Sein beruflicher Weg führte ihn nach Krefeld-Mönchengladbach, wo er als Korrepetitor mit Dirigierverpflichtung erste Theatererfahrungen sammelte. Danach war er als Kapellmeister in München, als erster Dirigent am Nationaltheater Weimar und von 2008 bis 2010 als 1. Kapellmeister am Nationaltheater Mannheim tätig, wo er sich ein großes Repertoire erarbeiten konnte. Er gastierte u. a. in den USA, Mexiko, Südafrika, Italien, Frankreich, in der Schweiz und in
Tschechien. Seit Spielzeitbeginn 2010/11 leitet er als GMD die musikalischen Geschicke des Theaters Bielefeld und der Bielefelder Philharmoniker.

INSZENIERUNG
Mizgin Bilmen wurde 1983 in Duisburg geboren. Sie absolvierte eine Hospitanz bei Roberto Ciulli am Theater an der Ruhr in Mülheim und studierte anschließend Schauspielregie an der Folkwang Universität der Künste in Essen, gefördert von der Studienstiftung des Deutschen Volkes. Im Rahmen ihres Studiums veröffentlichte sie insgesamt neun eigene Regiearbeiten. Unmittelbar nach ihrer Diplominszenierung autopsie danton – nach Georg Büchners Dantons Tod – begann Mizgin Bilmen im September 2013 als Regieassistentin am Maxim Gorki Theater Berlin zu arbeiten. Im Mai 2014 erhielt sie für autopsie danton eine Einladung zum Körber Studio Junge Regie in Hamburg. Im Maxim Gorki Theater übernahm sie einige kleine szenische Einrichtungen und nahm dort an einem Improvisationsformat teil. 2014/15 erhielt sie ein einjähriges Engagement am Schauspiel Frankfurt und legte drei Inszenierungen vor, EXIT:LULU, Der Auftrag und Helden. Zuletzt arbeitete sie als freie Regisseurin an den Theatern in Bamberg, Bern und Karlsruhe. Am Theater Bielefeld inszenierte sie bereits in der Spielzeit 2016/17 Charlotte Salomon. Für diese Arbeit wurde sie 2017 mit dem Götz- Friedrich-Preis ausgezeichnet.

BÜHNENBILD
Cleo Niemeyer legte 2011 ihr Bühnen- und Kostümbild-Diplom an der Hochschule für Bildende Künste Dresden ab. Anschließend war sie von 2011 bis 2013 Meisterschülerin von Barbara Ehnes. Bereits während des Studiums führten sie Assistenzen und eigene Arbeiten an verschiedene Theaterhäuser, sie assistierte u. a. am Staatsschauspiel Dresden und an der Sächsischen Staatsoper Dresden. Als freie Bühnen- und Kostümbildnerin zeichnet sie sich für verschiedene Schauspiel-, Opern- und Tanzproduktionen u. a. am Festspielhaus Hellerau, am Kleinen Haus des Staatsschauspiels Dresden und am Schauspiel Chemnitz verantwortlich. 2013 arbeitete sie zudem an der Ausstattung für das Schauspielhaus Wien im Rahmen der Wiener Festwochen mit. Von 2013 bis 2015 war Cleo Niemeyer am Maxim Gorki Theater Berlin als Bühnenbildassistentin engagiert. Dort realisierte sie in dieser Zeit auch eigene Bühnen- und Kostümbilder, u. a. für Produktionen von Marc Sinan, Ron Rosenberg, Michael Ronen und Hakan Savas Mican. 2015 arbeitete sie mit der Regisseurin Alexandra Wilke am Staatstheater Cottbus zusammen und entwickelte für das Projekt Germans are different von Matthias Matschke am Schauspiel Leipzig den Raum und die Kostüme. Am Theater Bielefeld kreierte sie bereits in der Spielzeit 2016/17 das Bühnenbild für Charlotte Salomon.

KOSTÜME
Geboren 1990 in Venezuela, studierte Alexander Djurkov Hotter von 2009 bis 2010 Architektur an der Technischen Universität Berlin und beschloss während des Studiums sich in Richtung Textildesign zu orientieren. Nach Praktika bei diversen Modedesignern begann er 2011 eine Maßschneiderlehre im renommierten Kostüm-Atelier »das Gewand« in Düsseldorf. Dort trat er in Kontakt mit einigen der einflussreichsten Kostümbildner der Welt und sammelte erste Theaterund Kostümbilderfahrungen. Nach seinem Abschluss als Jahrgangsbester hospitierte er zunächst am Maxim Gorki Theater in Berlin. Es folgten Assistenzen am Schauspielhaus Frankfurt, den Salzburger Festspielen, der Deutschen Oper am Rhein in Düsseldorf, der Staatsoper Unter den Linden Berlin und der Norske Opera in Oslo bei Produktionen der Regisseure Jorinde Dröse, Henry Mason, Calixto Bieito und Dieter Dorn, bei denen er u. a. den Kostümbildnern Hildegard Bechtler, Ingo Krügler und Moidele Bickel zur Seite stand. In der Spielzeit 2014/15 gestaltete er das Kostümbild für die Uraufführung Exit:Lulu in einer Inszenierung von Mizgin Bilmen am Schauspiel Frankfurt. Am Theater Bielefeld schuf er bereits in der Spielzeit 2016/17 die Kostüme für Charlotte Salomon.

BESETZUNG
Wotan Frank Dolphin Wong, Donner Evgueniy Alexiev / Olaf Haye, Froh Lianghua Gong
Loge Alexander Kaimbacher, Alberich Yoshiaki Kimura, Mime Lorin Wey, Fasolt Moon Soo Park, Fafner Sebastian Pilgrim, Fricka Sarah Kuffner, Freia Melanie Kreuter, Erda Katja Starke, Woglinde Nienke Otten, Wellgunde Hasti Molavian, Floßhilde Nohad Becker; PMThBi

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Bielefeld, Theater Bielefeld, Musical JOHN & JEN, 23.02.2018

Februar 7, 2018  
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Theater Bielefeld / Fassade © Theater Bielefeld

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JOHN & JEN   von ANDREW LIPPA / TOM GREENWALD

DEUTSCHSPRACHIGE ERSTAUFFÜHRUNG
MUSIK VON ANDREW LIPPA // GESANGSTEXTE VON TOM GREENWALD // BUCH VON TOM GREENWALD UND ANDREW LIPPA // DEUTSCH VON TIMOTHY ROLLER

PREMIERE 23.02.2018, 20:00 Uhr, TAMDREI, Die nächsten Vorstellungen 26.02., 09.03., 15.03., 16.03; weitere Termine folgen

Jeder, der Geschwister hat, kennt das vermutlich: Nach außen hält man zusammen wie Pech und Schwefel, aber manchmal entsteht auch der brennende Wunsch, dem Bruder oder der Schwester den Hals umzudrehen. Möglichst langsam und schmerzhaft! Und dies ist keine Frage des Alters. Im Laufe des Lebens verändert sich die Beziehung zwischen Geschwistern zwar, aber immer bleibt es eine der prägendsten Verbindungen – egal, ob man sich weiterhin freundschaftlich nah bleibt oder tief verletzt den Kontakt abbricht: Die gemeinsame Kindheit hat den einzelnen Erwachsenen geformt. Das Kammermusical John & Jen nimmt diese familiäre Beziehung unter die Lupe und spiegelt dabei aus privater Perspektive auch das sich wandelnde Amerika von den 50er bis 90er Jahren.

1952 bekommt die sechs Jahre alte Jen einen kleinen Bruder, John. Schwierige Familienverhältnisse schweißen die beiden zusammen, für immer möchte Jen ihren Bruder beschützen. Obwohl so ein langsam frech werdendes »Anhängsel« auch ganz schön nerven kann, wenn man sich selbst mit den Veränderungen der Pubertät auseinandersetzen muss. Ihren Studienbeginn nutzt Jen, um aus der familiären Enge nach New York zu entfliehen. Unversehens verfliegen die Jahre und als sich die Geschwister nach ihrem Abschluss wiedersehen, bemerken sie, wie sehr sie sich auseinandergelebt haben: Während Jen im College das Hippieleben und den »Summer of Love« genossen hat, meldete John sich den Wünschen seines Vaters folgend freiwillig zur Armee. Unvereinbar erscheinen ihre politischen Ansichten, das langersehnte Wiedersehen endet im Streit. Eine Chance zur Versöhnung gibt es nicht: John fällt in Vietnam.

Als Jen einen Sohn bekommt, nennt sie ihn nach ihrem Bruder, und schwört sich, dieses Mal alles richtig zu machen. Ein liebevolles Umfeld will sie ihm schaffen, all seine Träume sollen sich erfüllen. Doch was sind wirklich seine Träume – und was nur ihre? Nur zwei Darsteller benötigen Andrew Lippa (The Addams Family, Big Fish, The Wild Party) und Tom Greenwald (Charlie Joe Jackson), um eine Fülle menschlicher Emotionen zu erkunden, schließlich war die Familie schon immer Schauplatz bedingungsloser Zuneigung wie auch der gnadenlosesten Auseinandersetzungen. Dabei gelingt es dem Musical stets, die Balance zwischen urkomischen und tieftraurigen Momenten zu bewahren. Und bei aller Fokussierung auf das Private verliert es auch nie völlig die politisch-historischen Entwicklungen aus dem Blick. Aber immer bleibt es eine intime Geschichte über eineSchwester und einen Bruder sowie über eine Mutter und ihren Sohn.

Ganz in dem Sinne, dass das Leben die besten Geschichten schreibt. John & Jen ist damit ein Star Vehicle für zwei starke Darsteller, die ihre Rollen im wahrsten Sinne des Wortes von der Wiege bis zur Bahre durch sämtliche Entwicklungen des Lebens begleiten. Die beiden in Bielefeld wohlbekannten Sänger, Michaela Duhme und Benedikt Ivo, werden unterstützt von einer kleinen Instrumentalbesetzung, bestehend aus Piano, Violoncello und Drums. Bielefelds Musicalspezialisten William Ward Murta, der die musikalische Leitung innehat, fasziniert an John & Jen besonders, wie die Musik mit den typischen harmonischen und melodischen Mitteln des Genre Musicals die Handlung stets unterstützt, ohne dabei zu dominant und gefühlsbeladen zu werden. Es
bleibt immer eine eindringliche Geschichte, die gerade in ihrer unmittelbar nachvollziehbaren Alltäglichkeit von allumfassender Wichtigkeit ist. Egal, ob Schwester, Bruder, Einzelkind, Mutter, Vater oder Kind: Jeder dürfte sich und seine Beziehung zu einem Angehörigen in einigen Situationen von John & Jen in der Inszenierung von Nick Westbrock wiedererkennen. Die Welt mag sich ändern, in Familien wird immer geliebt und gestritten werden – in Nähe und Freiheit.


MUSIKALISCHE LEITUNG
William Ward Murta, geboren in Fort Smith/Arkansas und aufgewachsen in Oklahoma, ist seit 1984 Musical-Kapellmeister am Theater Bielefeld. Er übernahm die musikalische Leitung vieler Produktionen wie Cabaret, Evita, Chicago, La Cage aux Folles, Piaf, Die Comedian Harmonists, der Uraufführung von James Lyons Für mich soll’s rote Rosen regnen, Franz Wittenbrinks Männer – Tore, Tränen und Triumphe, Sekretärinnen und Mütter, außerdem She Loves Me, Jekyll & Hyde, Me and My Girl, Crazy For You, The Scarlet Pimpernel, Chess, Company, The Birds of Alfred Hitchcock, City of Angels, Die Hexen von Eastwick, Bonnie & Clyde, Sunset Boulevard, A Little Night Music und Hochzeit mit Hindernissen. Murta ist in Musikerkreisen ein gefragter Arrangeur; zahlreiche seiner Arrangements gehören zu den Standards von Musical- und Gala- Aufführungen im In- und Ausland. Darüber hinaus komponiert Murta eigene Musicals. In der Spielzeit 2016/17 wurde mit Das Molekül bereits sein drittes großes Musical (nach Starry Messenger und The Birds of Alfred Hitchcock) in Bielefeld uraufgeführt.

INSZENIERUNG
Nick Westbrock, 1992 in Gießen geboren, begann seine Theaterlaufbahn als Praktikant in seiner Heimatstadt. Als Mitarbeiter im Kinder- und Jugendtheater sowie als Regieassistent für Schauspiel und Musiktheater arbeitete er u. a. mit Thomas Goritzki, Astrid Jakob und Christian Lugerth zusammen. Er leitete Workshops und erarbeitete mit
dem Theaterjugendclub Survival of the Fittest (Mai 2013), Homo Absurdus (Mai 2014) und Organisierte Schallereignisse – Der Rhythmus, der dich bewegt! (Juni 2015). Im Kulturzentrum Waggonhalle in Marburg führte er regelmäßige Musicalproduktionen im Sommer ein und inszenierte: Kit Kat Klub – Eine Hommage an John Kander und Fred Ebb (August 2014) und Sweeney Todd (August 2015). Seit 2015 ist Nick Westbrock am Theater Bielefeld als Regieassistent und Abendspielleiter im Musiktheater engagiert.

Im November inszenierte er das mobile Theaterstück Es kommt der Tag von Carmen Priego. Im April 2017 folgte die Inszenierung des selbst geschriebenen Stücks Swing Mr. Jurman – Briefe an Veronika, welches sich mit dem Leben des Komponisten Walter Jurmann befasst. 2017/18 wurde ihm die Regie des spielzeiteröffnenden Musicals Avenue Q auf der Hauptbühne des Theaters Bielefeld anvertraut, welches die komplette Spielzeit 2017/18 zu sehen sein wird.

BÜHNE UND KOSTÜME
Mareen Biermann, geboren 1984 in Verl, studierte Szenografie und Kostümbild an der Fachhochschule Hannover und assistierte bereits drei Jahre fest am Bremer Theater, bevor sie ihr Masterstudium in Dortmund beendete. Bühnenbild-Mitarbeiten und freie Ausstattungsassistenzen führten sie an die Theater in Bonn, Hannover und Bielefeld. Zu ihren eigenen Arbeiten zählen die Lichtkunst-Installation Phantom (2013) für das Zentrum für Internationale Lichtkunst Unna in Kooperation mit Urbane Künste Ruhr und der Audiowalk Emily who? (2014) in Zusammenarbeit mit Pia Bogolowski im Ludwigsturm am Duisburger Hafen sowie Ausstattungen u. a. zu folgenden Produktionen: Drei Sekunden am Theater Bremen (2011, Regie: Nino Haratischwili), Dracula – A Tribute to Blutdurst (2012, Regie: Sebastian Martin) sowie Der Auftrag am Theater Bielefeld (2016, Text und Regie: Konrad Kästner). Beim Opernwettbewerb Ring-Award in Graz gehörte sie 2011 zu den Semifinalisten. Seit 2015 ist sie am Theater Bielefeld engagiert.

BESETZUNG
Jen Michael Duhme
John Benedikt Ivo
Michaela Duhme spielte bereits während ihrer Studienzeit im Musical URINTOWN am Emma-Theater Osnabrück die Rolle des Grundschlechten Gretchens. Es folgten Engagements in den Ensembles von Crazy For You, Anything Goes und Chess am Theater Bielefeld. Nachdem sie die Rolle der Jenny in Sondheims Musical Company am Theater Bielefeld und am Nationaltheater Mannheim verkörpert hatte, war sie in der Europa-Uraufführung von Bonnie & Clyde zu sehen. In der Stepptanz-Show All That Tap tanzte Michaela Duhme als Solistin im Schlosspark-Theater in Berlin. Als Kit Kat Girl war sie im Sommer 2015 bei den Luisenburgfestspielen Wunsiedel in Cabaret beteiligt, außerdem spielte sie Mary in Sunset Boulevard – nun wieder am Theater Bielefeld.

Im Herbst 2015 und Frühjahr 2016 war Michaela Duhme mit dem Musical Burnout in Deutschland und Österreich auf Tournee. Im Sommer 2016 entwickelte sie mit ihrem Kollegen Alexander von Hugo die Stepptanz-Revue Wenn wir über Schatten tanzen, die in Kooperation mit der Landesbühne Oberfranken u. a. am Staatstheater Cottbus gezeigt wurde. Aktuell ist sie am Theater Bielefeld in Wenn wir über Schatten tanzen, Avenue Q sowie John und Jen zu sehen. Benedikt Ivo wurde 1988 in Marburg geboren. Mit 15 machte er eine Ausbildung zum Chorleiter und lernte Orgel- und Harmoniumbau. Er studierte an der Joop van den Ende Academy in Hamburg und begann seine Profi-Karriere bei den Clingenburg-Festspielen, wo er in Aida als Soldat und Beamter, Mein Freund Wickie als Wickie und in Der eingebildete Kranke als Thomas Diaforius zu sehen war. Er spielte in Blue Jeans als Cover Tom, Pfarrer und Ensemble am Alten Schauspielhaus in Stuttgart und stand als Jean-Michel in La cage aux folles am Volkstheater Frankfurt sowie am Landestheater Coburg auf der Bühne.

Am Staatstheater Darmstadt spielte er die Titelrolle in Xavier Naidoos Timm Thaler und bei den Brüder-Grimm-Festspielen in Hanau Prinz Benedikt im Musical Aschenputtel. Es folgte Titanic (Funker Harold Bride) auf der Walensee-Bühne und Beatclub – die Show als Freddy, sowie Spamalot (Die Ritter der Kokosnuss) als Prinz Herbert am Fritz
Theater Bremen. Außerdem ist er mit The Addams Family als Lucas Beineke, LUTHER – Das Pop-Oratorium als Solisten-Swing und Bibi & Tina – die große Show als Alexander von Falkenstein auf Tour. Am Theater Bielefeld alternierte Benedikt als Clyde Barrow in der deutschsprachigen Erstaufführung von Bonnie & Clyde. Aktuell ist er als Nicky und Trekkie Monster in Avenue Q und ab Mai 2018 als Melchior Gabor in Spring Awakening zu sehen.

Musikalische Leitung : William Ward Murta, Inszenierung : Nick Westbrock, Bühne und Kostüme : Mareen Biermann, Dramaturgie : Anne Christine Oppermann

Mit Michaela Duhme, Ben Ivo, William Ward Murta (Piano), Sigurd Müller (Violoncello), Arndt Hesse (Drums)

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Bielefeld, Theater Bielefeld, Premiere WERTHER von Jules Massenet, 02.12.2017

November 8, 2017  
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Theater Bielefeld / Fassade © Theater Bielefeld

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WERTHER  von Jules Massenet

PREMIERE 02.12.17, 1 9:30 Uhr, weitere  Vorstellungen 08.12., 15.12., 29.12.17; 23.01., 27.01., 01.02., 18.03.18

Lyrisches Drama in vier Akten nach Johann Wolfgang von Goethe // Dichtung von Édouard Blau, Paul Milliet und Georges Hartmann // In französischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Der junge Dichter Werther ist hingerissen von Charlotte. Als ein Bild vollkommener Weiblichkeit erscheint ihm die Halbwaise, die – selbst kaum dem Kindesalter entwachsen – die Rolle ihrer verstorbenen Mutter einnahm und sich fürsorglich um ihre jüngeren Geschwister kümmert. Leidenschaftlich steigert Werther sich in seine Emotion hinein – zu seinem und ihrem Unglück. Denn nur kurz währt Werthers Hoffnung auf eine gemeinsame Zukunft: Schon in der Nacht ihres Kennenlernens, als er Charlotte von einem Ball nach Hause begleitet, gesteht sie ihm, nicht mehr frei zu sein. Ihre sterbende Mutter nahm ihr das Versprechen ab, den erfolgreichen Geschäftsmann Albert zu heiraten. Ein Versprechen, an das Charlotte sich, ihrer aufkeimenden Gefühle für Werther zum Trotz, gebunden fühlt. Werthers geradezu selbstzerstörerisches Verlangen, in platonischer Freundschaft weiterhin die Nähe der Frischverheirateten zu suchen, entpuppt sich als reiner Selbstbetrug; und auch Alberts Versuch, Werthers Interesse an Charlottes jünger Schwester Sophie zu wecken, ist zum Scheitern verurteilt. Verzweifelt fordert Charlotte den liebeskranken Dichter auf, Abstand zu suchen. Doch ausgerechnet zum Weihnachtsfest erlaubt sie ihm zurückzukehren.

Johann Wolfgang von Goethe © IOCO

Johann Wolfgang von Goethe © IOCO

Eine Liebe – oder zumindest die Vorstellung einer Liebe – so groß, dass sie unweigerlich scheitern muss. Nach eigener Aussage verarbeitete Johann Wolfgang von Goethe seine selbst erduldeten Liebesqualen in dem Briefroman Die Leiden des jungen Werther, um sich selbst kein Leid antun zu müssen. Werther musste stellvertretend für seinen noch jungen Schöpfer Selbstmord begehen, damit dieser den Schmerz bewältigen und weiterleben konnte. Der 1774 erschienene Roman machte seinen 25-jährigen Autor quasi über Nacht zu einer Berühmtheit und Galionsfigur des Sturm und Drang. Der Roman löste bei vielen jungen Lesern das sogenannte Werther-Fieber aus: Nicht nur kleidete man sich ebenso wie er mit blauem Tuchfrack, gelber Weste, Kniehosen aus gelbem Leder und Stulpenstiefeln, sondern man orientierte sich auch emotional an Werther. Plötzlich galt es als akzeptabel, Gefühle zu zeigen und sogar in der Öffentlichkeit zu weinen. Bei einigen reichte die Identifizierung aber bis zum nachahmenden Suizid, so dass der Roman in mehreren Regionen verboten wurde und Goethe sich gezwungen sah, der zweiten Auflage Motto-Verse hinzuzufügen, die mit der Aufforderung endeten: »Sei ein Mann und folge mir nicht nach.«

Die damals wie heute überwältigende Gewalt der absolut gesetzten Gefühle faszinierte auch den französischen Komponisten Jules Massenet. Während in Deutschland die geradezu sakrale Verehrung des Dichterfürsten Goethe Adaptionen seiner Werke beinahe unmöglich machte, konnte man in Frankreich ungenierter zur Tat schreiten. Auf einer Deutschlandreise verschlang Massenet gebannt Goethes Briefroman: »Ich konnte mich nicht von der Lektüre jener brennenden Briefe losreißen, in denen sich die Gefühle der größten Leidenschaft widerspiegelten. Was für aufwühlende Szenen, was für fesselnde Bilder muss das ergeben!«

Massenet gab den tiefen Seelenregungen Werthers eine sinnlich-kantable Tonsprache, deren poetischem Zauber sich, wie Charlotte, auch kaum ein Zuhörer zu entziehen vermag. Nach der Uraufführung in Wien 1892 eroberte das lyrische Drama die deutschsprachigen Bühnen im Flug und blieb die bis heute erfolgreichste seiner Opern in deutschen Musiktheatern.

Die Notwendigkeit, unkontrollierbar überwältigende Gefühle durch Kunst zu sublimieren, wie Goethe es durch das Verfassen des Romans tat, stellen Regisseur Alexander Charim und sein Team in den Mittelpunkt ihrer Interpretation. Um die verlorene Kontrolle über sein Leben zurückzugewinnen, evoziert Werther seine Geschichte. Doch stets droht die Gefahr, sich in der Achterbahn der Gefühle abermals zu verlieren. Vielleicht gibt es nur einen Ausweg: Der Werther der Vergangenheit muss sterben, damit der andere eine Zukunft hat.

Am Theater Bielefeld erklingt eine auf die vier Hauptpersonen konzentrierte Fassung. Daniel Pataky umschwärmt als ekstatischemotionaler Werther seine angebetete Charlotte, dargestellt von Nohad Becker. Als ihr Verlobter und späterer Ehemann Albert versucht Frank Dolphin Wong sich des Nebenbuhlers zu erwehren. Cornelie Isenbürger
singt Charlottes jüngere Schwester Sophie, die in diesem Beziehungsdreieck zu einer gleichermaßen übersehenen wie ausgenutzten jungen Frau zu werden droht. Schauspieler Orlando Klaus verkörpert den anderen Werther, der sich noch einmal seiner Vergangenheit stellt. Die Bielefelder Philharmoniker spielen unter der Leitung von GMD Alexander Kalajdzic.

MUSIKALISCHE LEITUNG
Geboren in Zagreb, Kroatien, begann Alexander Kalajdzic seine musikalische Ausbildung mit sechs Jahren und gab ab dem achten Lebensjahr regelmäßig Konzerte als Pianist. Er gewann mehrere Preise bei Bundeswettbewerben und setzte anschließend sein Studium an der Musikhochschule in Wien fort, wo er die Dirigierklasse von Karl Österreicher mit Auszeichnung absolvierte. Darüber hinaus studierte er Klavier, Viola und Korrepetition. Schon während des Studiums dirigierte er Symphoniekonzerte mit den Zagreber Philharmonikern sowie dem Orchester des Kroatischen Rundfunks. Sein beruflicher Weg führte ihn nach Krefeld-Mönchengladbach, wo er als Korrepetitor mit Dirigierverpflichtung erste Theatererfahrungen sammelte. Danach war er als Kapellmeister in München, als erster Dirigent am Nationaltheater Weimar und von 2008 bis 2010 als 1. Kapellmeister am Nationaltheater Mannheim tätig, wo er sich ein großes Repertoire erarbeiten konnte. Er gastierte u. a. in den USA, Mexiko, Südafrika, Italien, Frankreich, in der Schweiz und inTschechien. Seit Spielzeitbeginn 2010/11 leitet er als GMD die
musikalischen Geschicke des Theaters Bielefeld und der Bielefelder
Philharmoniker.

INSZENIERUNG
Alexander Charim studierte Germanistik und Geschichte in seiner Heimatstadt Wien. Als Regieassistent am Burgtheater Wien und an der Wiener Staatsoper arbeitete er unter anderem mit Luc Bondy und Peter Zadek. Von 2003 bis 2007 studierte er Schauspielregie an der Hochschule für Schauspielkunst »Ernst Busch« Berlin. Er inszenierte unter anderem an der Staatsoper Hannover, dem Schauspielhaus Wien, der Deutschen Oper Berlin, dem Theater Basel, dem Theater St. Pölten, der Oper Frankfurt, dem Staatstheater Karlsruhe, dem Theater Aachen, dem Theater Osnabrück, den Kunstfestspielen Hannover, dem Radialsystem Berlin, dem Theater Chur, den Operadagen Rotterdam und dem Theater Trier. Zu seinen letzten Arbeiten gehörten Castor et Pollux von Rameau an der Staatsoper Hannover, Carousel von Rodgers/Hammerstein am Theater Basel, Dantons Tod von Georg Büchner am Theater Osnabrück und Prinz Friedrich von Homburg von Heinrich von Kleist am Hans-Otto- Theater Potsdam. Alexander Charim war Stipendiat der Akademie Musiktheater Heute bei der Deutschen Bank Stiftung und wurde 2015 für seine Inszenierung von Franz Grillparzers Weh dem, der lügt! am Theater St. Pölten für den Nestroy-Preis nominiert. 2016 erhielt er den Dr.-Otto-Kasten-Preis der Intendantengruppe des Deutschen Bühnenvereins. Für seine Inszenierung von Kaurismäkis Lichter der Vorstadt am Landestheater Niederösterreich hat er den Wiener Theaterpreis Nestroy 2016 in der Kategorie Beste Bundesländer Aufführung erhalten.

BÜHNE UND KOSTÜME
Ivan Bazak, geboren 1980 in Kolomyja/Ukraine, ist Maler, Videograf, Fotograf, Objektkünstler und Bühnenbildner. Er studierte von 1997 bis 2003 an der Nationalen Akademie der Bildenden Künste und Architektur in Kiew und von 2001 bis 2006 an der Kunstakademie Düsseldorf, darunter 2005/06 als Meisterschüler bei Prof. Karl Kneidl. Er war Artist in Residence bei Kultur-Kontakt Austria in Österreich, bei der Stiftung BINZ39 in Zürich, beim NRW Kultursekretariat in Nordrhein-Westfalen und Nantes sowie Stipendiat des Goethe-Instituts in St. Petersburg. Einzelausstellungen führten ihn u. a. ins Zentrum für Zeitgenössische Kunst Kiew, in die Artothek Köln, ins Museum
am Ostwall in Dortmund, zur Lodz Biennale, in die Galeria Arsenal in Bialystok, die Kunsthalle Wien und den Kunstverein Ulm. In Bielefeld realisierte er bereits 2014/15 gemeinsam mit dem Komponisten Gordon Kampe und der Dramaturgin Katharina Ortmann das multimediale Kunstprojekt Plätze. Dächer. Leute. Wege. Die Stadt als utopische Bühne. 2015 wurde er für seine Ausstattung der Inszenierung Johnny Breitwieser (Wiener Schauspielhaus) mit dem Nestroy-Preis ausgezeichnet. Mit dem Regisseur Alexander Charim arbeitete er bereits 2010 als Bühnenbildner bei Orfeo – love will tear us apart und 2012 bei Geometrie der Liebe für die KunstFestSpiele Herrenhausen zusammen.

Musikalische Leitung: Alexander Kalajdzic, Inszenierung :Alexander Charim
Bühne und Kostüme :Ivan Bazak, Dramaturgie :Anne Christine Oppermann

BESETZUNG:  Werther Daniel Pataky, Albert Frank Dolphin Wong, Charlotte Nohad Becker, Sophie Cornelie Isenbürger, Schauspieler Orlando Klaus, PMThBi

Werther am Theater Bielefeld: 02.12.17, 1 9:30 Uhr, weitere  Vorstellungen 08.12., 15.12., 29.12.2017; 23.01., 27.01., 01.02., 18.03.2018

Theater Bielefeld –  Karten Hier:
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