Berlin, English Theatre, BETTE DAVIS…“FASTEN YOUR SEATBELTS!”, IOCO Kritik, 09.02.2018

ENGLISH THEATRE BERLIN

 BETTE DAVIS…“FASTEN YOUR SEATBELTS! © Barbara Braun/MuTphoto

BETTE DAVIS…“FASTEN YOUR SEATBELTS! © Barbara Braun/MuTphoto

BETTE DAVIS…“FASTEN YOUR SEATBELTS!”

Eine Bühnenreise durch die glorreichen Höhen und die abgründigen Tiefen eines Hollywood-Lebens geschrieben und gespielt von Bettina Lohmeyer

Von Kerstin Schweiger

Im Februar 2018, während in Berlin das internationale Filmfestival BERLINALE läuft, zeigt das English Theatre in Berlin eine Aufführungsserie eines neuen Schauspiels über die amerikanische Hollywood-Legende Bette Davis. Geschrieben und in New York uraufgeführt hat es die Berliner TV- und Bühnenschauspielerin Bettina Lohmeyer. Für eine deutsche Schauspielerin ist das ein ungewöhnliches Abenteuer. Welcher Traum dahinter steht, verrät Bettina Lohmeyer   IOCO im Exklusiv-Interview.

Mit ihrem biografischen Bühnensolo Bette Davis … „Fasten Your Seatbelts“ zeigt Bettina Lohmeyer den Mythos Bette Davis: knallhart, schlagfertig, kompromisslos – aber auch verletzlich und voller Humor. In sechs Szenen wirft dieser Solo-Abend in englischer Sprache Schlaglichter auf ein Leben voller triumphaler Erfolge, Liebe, Tragödien und Auseinandersetzungen. Bettina Lohmeyer nimmt den Zuschauer mit zum Duell in Jack Warners Büro, dann auf den Friedhof in Maine, weiter in ein einsames Zuhause, zurück ans Set zu Dreharbeiten in Los Angeles, zur Oscar-Verleihung bis hin zum letzten Kapitel in Bette Davis´ Leben…

 BETTE DAVIS…“FASTEN YOUR SEATBELTS! © Barbara Braun/MuTphoto

BETTE DAVIS…“FASTEN YOUR SEATBELTS! © Barbara Braun/MuTphoto

Bette Davis (1908-1989) war einer der größten Filmstars in Hollywood: Sie spielte in mehr als 100 Filmen, bekam zwei Mal den Oscar und wurde mit vielen anderen Preisen ausgezeichnet. Bette Davis war kompromisslos, kämpfte für bessere Drehbücher, hatte keine Bedenken, antagonistische Charaktere zu spielen und wollte immer wahrhaftig sein. “Hollywood wanted her to be nice – she wanted it real.” Ihre Karriere währte sechs Jahrzehnte, und sie brannte nur für eines – für ihre Arbeit. Sie war der lebende Beweis dafür, dass man eine Karriere haben und sich treu bleiben kann – wenn man bereit ist, dafür den Preis der Einsamkeit zu bezahlen. Ein filmreifes Leben!

Auf Einladung der berühmten amerikanischen Produzentin und Coachin Susan Batson zog Bettina Lohmeyer nach New York, entwickelte dort ihr Konzept für ein Theaterprojekt über Bette Davis und schrieb schließlich “Bette Davis…“Fasten Your Seatbelts!”. Seit 2013 hat sie die Inszenierung in bislang 4 Vorstellungsserien am New Yorker Studiotheater von Susan Batson gespielt.

Gemeinsam mit der Regisseurin Sabine Carbon und dem Sender Arte entwickelte Bettina Lohmeyer 2016 daraus eine Dokumentation über Bette Davis (Arte: “Bette Davis – Der dunkle Blick” ausgestrahlt am 18.12.2017 | 6.1.2018). Bettina Lohmeyer wird sich 2018 mit einem weiteren Theaterstück erneut der Schauspiel-Ikone widmen: Liz Fuller, bei der Bette Davis 1985 einen Monat gewohnt hat, möchte sie für das Theaterstück “Me and Jezebel” als Bette Davis casten.

Bettina Lohmeyer ist Absolventin der Hochschule der Künste (heute UdK) Berlin, war sechs Jahre im Ensemble des Maxim Gorki Theaters in Berlin und spielte außerdem am Schauspielhaus Hannover, am Staatstheater Mainz und am Schauspielhaus Graz. Sie war in zahlreichen Film- und Fernsehproduktionen wie „Der letzte Zeuge“, „SOKO Leipzig“, „Der Baader Meinhof Komplex“ und mit einer durchgehenden Serienhauptrolle in „Hinter Gittern“ zu sehen. Bettina Lohmeyer ist außerdem als Schauspielcoach für nationale und internationale Film-Produktionen tätig.
www.bettina-lohmeyer.de

 BETTE DAVIS - Bettina Lohmeyer © Jeanne Degraa

BETTE DAVIS – Bettina Lohmeyer © Jeanne Degraa

Bettina Lohmeyer im Interview mit Kerstin Schweiger,  IOCO

IOCO: Warum hat Sie Bette Davis, „der wohlwollende Vulkan“ wie es im Titel eines TV-Porträts aus den 1980er Jahren heißt, inspiriert, ein Theaterstück über die Schauspielerin zu schreiben und selbst zu spielen?

Neujahr 2012, früh um halb fünf, am Ende eines Workshops in Berlin, sagte Susan Batson zu mir: “Bettina, maybe you want to think about coming to New York, and maybe you want to stay a little bit longer, and maybe you want to work on Bette Davis – and maybe we can put you into a show.” Zwei Stunden später saß ich zuhause am Computer, fing an zu recherchieren und konnte vor Aufregung nicht mehr ins Bett gehen. Ich war begeistert. Ich hatte ein paar ihrer Filme gesehen, aber mich nie mit ihrer Biografie beschäftigt: Ein Leben das genauso dramatisch war, wie ihre Rollen.

IOCO: Es ist eine große Herausforderung in mehrfacher Hinsicht, als deutsche bzw. deutschsprachige Schauspielerin in New York ein Stück in englischer Sprache zu schreiben und aufzuführen. Wie haben Sie das umgesetzt?

Ich habe tagsüber im Lincoln Center in der library of performing arts recherchiert und in Nachtklassen am Studio Momente aus dem Leben von Bette Davis exploriert, das Feedback mitgeschrieben, die Situationen verdichtet, 6 Szenen entworfen, dann eine erste Text-Fassung geschrieben und habe diese dann fortlaufend überarbeitet. In der Endphase bin ich tagsüber kreuz und quer durch NYC von Harlem nach Brooklyn, nach Midtown und zurück gehetzt, um Requisiten zu kaufen, Kleider reparieren zu lassen…

IOCO: Wer waren Ihre Mitstreiter in New York?
Susan Batson
und alle Kolleg/innen am Susan Batson Studio.

IOCO: Warum entstand „Bette Davis“ in New York?

Ich bekam von Susan Batson die Einladung, das Stück an ihrem Studio in New York zu entwickeln. Das war perfekt: Hier hat Bette Davis die Anderson Schauspielschule besucht, hier hatte sie ihr Broadway Debut, wurde von einem Talent-Scout entdeckt und nach L.A. geschickt… Die New Yorker lieben Theater. Diese Stadt ist schnell, kreativ und lebendig; sie hat für mich eine ähnlich hohe Energie wie Bette Davis und atmet zugleich an jeder ihrer wundervoll maroden Ecken unendlich viel Vergangenheit.

IOCO: Wie kam die Auswahl der im Stück gezeigten Lebensstationen zusammen?

Ich habe versucht, die konfliktreichsten, fragilsten und auch komischen Momente, die mich an ihrem Leben berührt und begeistert haben, in einen Szenenbogen zu fassen, um darin Bette Davis von 1936 bis 1985 zu zeigen: als öffentliche Person und auch sehr privat.

IOCO: Welches ist die Schlüsselszene, auf der das Stück beruht?

Die Abwesenheit des Vaters (zunächst emotional, dann physisch) war sicher der Schlüssel zu vielem in Bette Davis Leben: zu ihrer Power und ihrer Einsamkeit. Deshalb: Die zweite Szene, in der Bette Davis das Grab ihres Vaters besucht.

IOCO: Warum spielen Sie auch in Deutschland das Stück auf Englisch? Und wird es eine deutschsprachige Fassung geben?

Schon in New York hat sich gezeigt, dass auch ein deutsches Publikum keine Mühe hatte, dem Stück zu folgen. Die Szenen sind sehr situativ. Zudem hatte Bette Davis eine sehr akzentuierte Aussprache. Ihre Stimme und ihre Art zu sprechen waren sehr markant und sind Teil ihres Charakters; dieser Sprachduktus lässt sich nicht ohne weiteres ins Deutsche übertragen. Trotzdem werde ich mein Stück in diesem Jahr übersetzen. Zwei Theater haben nach der deutschen Version gefragt.

IOCO: 2017 haben Sie als Co-Autorin für Arte eine TV-Dokumentation über Bette Davis produziert, die erste deutschsprachige überhaupt. Was waren die Herausforderungen?

Das waren einige… An Interviewpartner in Hollywood heranzukommen, wie Gena Rowlands, Greg Gorman, Larry Cohen. Außerdem Zugang zum Privatmaterial zu bekommen, zum Bette Davis Archiv in Boston inklusive der Genehmigung zur Veröffentlichung.

 IOCO: Es scheint, als sei  Bette Davis auch Jahre nach ihrem Tod in den USA eine nationale Ikone, nicht zuletzt wegen Ihrer Rolle als Vorreiterin einer fairen Bezahlung von Schauspielerinnen und sonstiger sozialer Errungenschaften für die Beschäftigten im Filmbusiness. Wie ist das Bild der Darstellerin im deutschsprachigen Raum?

Gena Rowlands sagt im Interview über Bette Davis: “My heroine”; Bette Davis ist in Amerika für viele immer noch ein großer Star, eine Heldin, Vorbild. In Deutschland ist Bette Davis als eine große Schauspielerin bekannt, die Filmgeschichte geschrieben hat. Weniger bekannt ist, was Bette Davis politisch bewegt hat, z.B. dass sie im Alter von 29 Jahren gegen das gesamte Warner Brothers Studio vor Gericht gezogen ist, um für einen gerechten Vertrag zu kämpfen – nicht nur finanziell, sondern auch künstlerisch. Es ging ihr immer um die Arbeit, nicht um den Glamour, den Ruhm. Für mich ist sie eine Schauspielerin mit enormer Integrität.

IOCO: Sind aus der Arbeit mit und um Bette Davis neue persönliche Kontakte entstanden?

Greg Gorman, der Bette Davis in den 80er Jahren fotografiert hat, ist so etwas wie ein Freund geworden. Letztes Jahr zur Oscar-Verleihung hat er mich zu einer privaten Dinnerparty in sein Haus in L.A. eingeladen, wir haben uns im Mai 2017 in Zingst wiedergesehen, wo er einen Fotografenworkshop gegeben hat, und die Flasche Rum, die nicht mehr in sein Gepäck passte, bringe ich ihm im Frühjahr in die USA mit. Ken Waissman, der in den 70er Jahren “Grease” am Broadway produziert hat, war zweimal in meiner Vorstellung und ist darüber hinaus mit mir in Verbindung geblieben, Joe Franklin, der erste amerikanische TV Host, der auch Bette Davis in seiner Talkshow hatte, schneite ebenfalls in meine Vorstellung und bat mich dann um regelmäßige Berichterstattung, wie die Vorstellungen laufen. Er ist leider inzwischen verstorben.

IOCO: Wie begleitet Sie Bette Davis künftig in Ihrer Arbeit?

Sie ist und bleibt für mich eine Inspiration als Künstlerin und Mensch. Und es bahnen sich schon neue Projekte an: Liz Fuller, die ein Theaterstück über die Zeit, in der Bette Davis bei ihr 1985 zu Gast war, geschrieben hat, fragte mich kurz vor Weihnachten, ob ich mir vorstellen könnte, auch in ihrem Stück Bette Davis zu spielen. Wir treffen uns jetzt im März zur Vorbesprechung in eben dem Haus in Connecticut, wo Bette Davis einen Monat lang bei Liz Fuller gelebt hat. Ich kann sagen: Bette Davis öffnet mir auf wundersame Weise immer wieder neue Türen.

Stimmen zu den New Yorker Aufführungsserien:

“I am pleased that she (my mother) has inspired and touched you.”, Michael Merrill, Bette Davis‘ Sohn, in einem Brief an Bettina Lohmeyer

“Bettina Lohmeyer as Bette Davis in `Fasten Your Seatbelts´ ignites into originality and pure entertainment. An evening of blazing theatrical fireworks. Brilliant – it soars!”, Joe Franklin, Bloomberg Radio, New York City, 2014

“Insightful and compelling! In the film, ‘Whatever Happened to Baby Jane’, Bette Davis’ character sings ‘I’m Writing a Letter to Daddy.’ FASTEN YOUR SEATBELTS is that letter!”, Ken Waissman, Tony Award Winning Broadway Producer, 2015

“Lohmeyer does an excellent job mixing fiction with facts of the time (…). Lohmeyer’s acting is quite impressive, proven by her ability to switch from a rambunctious Davis, to an elderly, fragile version of Davis in the last scene. (…) She is able to create a dialogue with absolutely no one but the audience in attendance (…)”, Courtney Michelle, Theaterkritikerin offoffonline.com, New York City, 2014

Aufführungen im English Theatre Berlin, Fidicinstrasse 40, 10965 Berlin, Das ETB | IPAC wird unterstützt durch die Berliner Senatsverwaltung für Kultur und Europa.

“Bette Davis… “Fasten Your Seatbelts!” wird im Mai und im Herbst 2018 erneut in Berlin zu sehen sein.

Trailer: http://www.bettina-lohmeyer.de/de/bette-davis-trailer.html

—| Pressemeldung English Theatre Berlin |—