Die Entnazifizierung Richard Wagners – Udo Bermbach, IOCO Buchrezension, 01.11.2020

November 2, 2020  
Veröffentlicht unter Bayreuther Festspiele, Buchbesprechung, Hervorheben, Portraits

 

Die Entnazifizierung Richard Wagners - Buch von Udo Bermbach - J. B. Metzler Verlag

Die Entnazifizierung Richard Wagners – Buch von Udo Bermbach – J. B. Metzler Verlag

Die Entnazifizierung Richard Wagners – Udo Bermbach

Die Programmhefte der Bayreuther Festspiele 1951-1976

von Julian Führer

Richard Wagner Bayreuth © IOCO

Richard Wagner Bayreuth © IOCO

Udo Bermbach ist seit vielen Jahren ein sehr produktiver Forscher, der sich vielfach zum Werk Richard Wagners geäußert hat und in verschiedener Weise auch den Bayreuther Festspielen seit geraumer Zeit verbunden ist. Sein jüngstes Werk analysiert ein oft noch nicht hinreichend beachtetes Textgenre, nämlich die Programmhefte der Bayreuther Festspiele zwischen 1951, dem Jahr der Wiedereröffnung nach dem Zweiten Weltkrieg, und 1976, dem Jahr der Neuinszenierung des Ring des Nibelungen in der Regie von Patrice Chéreau.

 

Die Entnazifizierung Richard Wagners – Udo Bermbach
J. B. Metzler Verlag, Berlin  2020. 300 S., ISBN 978-3-476-05118-9, €39,99

Dass es nach dem Zweiten Weltkrieg mit ‚Bayreuth‘ überhaupt weitergehen würde, war anfangs nicht klar. Die bisherige Leiterin, Winifred Wagner, war als Duzfreundin Adolf Hitlers untragbar geworden und übertrug die Leitung der Festspiele ihren Söhnen Wieland und Wolfgang (ebenfalls Duzfreunde Hitlers), die einen Neubeginn anstrebten. Dazu gehörte ab 1951 auch die Publikation von Programmheften zu den einzelnen gezeigten Produktionen, eine Neuerung gegenüber der Vorkriegszeit, als nur Festspielführer für die gesamte Saison publiziert wurden.

Das Verdienst des Buches Die Entnazifizierung Richard Wagners ist nun, die Programmhefte und die in ihnen enthaltenen Beiträge in den Kontext der Geschichte der Bayreuther Festspiele, aber auch in jenen der Geistesgeschichte der jungen Bundesrepublik Deutschland einzubetten. In Bayreuth herrschte wie auch anderswo nach 1945 in vielem Kontinuität. In den Bayreuther Programmheften schrieben mit Zdenko von Kraft, Otto Strobel, Hans Grunsky und Curt von Westernhagen Autoren, die bereits vor der kriegsbedingten Schließung bei den Festspielen tätig gewesen waren und sich politisch in unterschiedlich ausgeprägter Weise hervorgetan hatten. Curt von Westernhagen etwa hatte 1935 über Richard Wagners Kampf gegen seelische Fremdherrschaft publiziert, 1954 verteidigte er Wielands Inszenierungsstil, und bis 1976 sollte er weiter in den Programmheften Beiträge veröffentlichen.

Richard Wagner Denkmal in Berlin © IOCO / Rainer Maass

Richard Wagner Denkmal in Berlin © IOCO / Rainer Maass

Kontinuitäten und die Weiterentwicklung von Traditionen werden nuanciert dargestellt;  das erste Kapitel ist weitgehend unverändert aus Bermbachs Buch Richard Wagner in Deutschland von 2011 übernommen. Die Lichtregiekonzeption Adolphe Appias, bereits um 1900 entwickelt und von Siegfried Wagner in den 1920er Jahren behutsam umgesetzt, beeinflusste Wieland Wagner bei der Umsetzung seiner ‚Entrümpelung‘. Dass die Figuren des Ring des Nibelungen auf der Bayreuther Bühne nun keine germanischen Recken mehr waren, sondern antiken Gottheiten angenähert wurden oder vor dem Hintergrund der Archetypenlehre C. G. Jungs interpretiert wurden, war auch keine Idee aus dem Nichts: Die Lektüre von Jung wurde in der Zeit des Nationalsozialismus (im Gegensatz zu der Sigmund Freuds) toleriert. Udo Bermbach deutet das Festhalten an alten Mitarbeitern der Festspiele so: Diese seien für den neuen Regiestil Wielands eingetreten – sonst hätten sie in Bayreuth nicht mehr publizieren können – und hätten so viele Anhänger des bisherigen Stils – um nicht zu sagen der bisherigen Ausrichtung der Festspiele – auf ihre Seite gezogen. Ein wenig sympathischer Charakterzug Wielands, der neu herausgearbeitet wird: Offensichtlich wurden bei verschiedenen und insbesondere bei belasteten Autoren Lobeshymnen auf die Inszenierungen des Festspielleiters bestellt.

Im etwas weiteren Kontext der Kultur der Bundesrepublik zeigt Bermbach, dass auch das Eintreten für abstrakte Kunst oder das Besuchen der Kasseler Documenta eine Möglichkeit für Belastete war, öffentlich einen Sinneswandel zu demonstrieren oder zu inszenieren. Im Laufe der 1950er Jahre begannen jedoch auch neue Autoren ihre Mitwirkung bei den Programmheften der Bayreuther Festspiele: Theodor W. Adorno 1957 Ernst Bloch 1960, Hans Mayer 1962. Dass zum Teil marxistische Autoren publizierten, wird als „Modernisierungsprogramm“ (S. 95) gewertet. Der klassische Philologe Wolfgang Schadewaldt verlieh Wielands antikisierenden Deutungen die literar- und ideengeschichtliche Legitimation. Philosophische und musikwissenschaftliche Abhandlungen fanden ihren Weg in die Programmhefte – auch wenn Udo Bermbach dem Publikum der Festspiele unterstellt, diesen Texten intellektuell nicht gewachsen gewesen zu sein. Erfrischenderweise attestiert er manchen Beiträgen aber auch und wohl nicht zu Unrecht, sie seien wirr geschrieben und würden hohes Niveau nur vortäuschen. Erstaunlich nur, dass Wieland und dann Wolfgang Wagner als Herausgeber der Programmhefte hier nicht intervenierten.

Den einzelnen Kapiteln vorangestellt sind kurze Einleitungen, die auf etwa drei Seiten jeweils ein ganzes Jahrzehnt bundesrepublikanischer Geschichte präsentieren. Hier wird natürlich vieles stark vergröbert, doch sind diese Vorbemerkungen gleichwohl sehr nützlich. Sie zeigen, dass Bayreuth kein eigener Planet war, sondern das Geschehen auf und neben der Bayreuther Bühne auf die gesellschaftliche Situation der Bundesrepublik reagierte. Etwas überraschend ist hier allenfalls, dass wichtige Inszenierungen der frühen siebziger Jahre (Ulrich Melchinger in Kassel, Joachim Herz in Leipzig) bereits in den einleitenden Bemerkungen zu den sechziger Jahren thematisiert werden und damit unklar wird, dass sie ihrerseits Bayreuth beeinflusst haben.

Eindeutiger Ziel- und Fluchtpunkt des Buches ist der Ring des Nibelungen, wie ihn Patrice Chéreau (Regie) und Pierre Boulez (Dirigent) 1976 und in den Folgejahren präsentierten. Chéreau zeigte, durchaus im Einklang mit seiner Zeit, Wagner als revolutionären Kopf des 19. Jahrhunderts, beeinflusst von Bakunin und bereit zur Gewaltanwendung; in Die Kunst und die Revolution bei Wagner selbst nachzulesen. Diese Produktion wurde in einer gegenüber 1976 teilweise erheblich umgearbeiteten Version 1981 auch verfilmt und unzählige Male als „Jahrhundert-Ring“ bezeichnet. Bei der Lektüre wird deutlich, dass der Autor diesen Ring als einen Gipfel der Wagnerregie sieht, wobei er doch selbst in diesem Buch zeigt, dass auch diese Deutung ein Kind ihrer Zeit ist.

Dieses Buch ist sehr kundig geschrieben, argumentiert teilweise auf höchstem Niveau und wird aus gutem Grund seinen Platz in der Literatur zur Festspielgeschichte haben. Wünschenswert wäre allerdings, dass erst eine hoffentlich bald mögliche zweite Auflage zum Standardwerk avanciert: Bermbach sieht den Chéreau-Ring, den er selbst immer wieder in Übernahme der Wertungen anderer als „Jahrhundert-Ring“ tituliert, allzu sehr als Kulminationspunkt, als wäre die Geschichte der Bayreuther Festspiele ein teleologischer Prozess mit dieser Inszenierung als Ziel (besonders stark S. 95, 158, 170, 173, 180, 208, 253) – wie das Buch mit dieser Inszenierung eben auch abbricht. Dass für die Neuinszenierung von 1976 auch längere Zeit mit Regisseuren wie Ingmar Bergman und Peter Stein verhandelt wurde und Patrice Chéreau erst kurzfristig auf Empfehlung von Pierre Boulez zum Regisseur avancierte, ist Bermbach selbstverständlich bekannt, wird aber nur am Rande erwähnt. Andere Deutungen des Ring des Nibelungen (Kassel, Leipzig) hatten konzeptionell hier schon vieles gezeigt, was Chéreau in Bayreuth übernehmen sollte. Ebenfalls seltsam schwach beleuchtet wird Götz Friedrichs BayreutherTannhäuser von 1972, der viele Grabenkämpfe innerhalb des Publikums aufbrechen ließ, die 1976 nur noch vertieft wurden.

Auf der formalen Seite ist einiges lästig – die Kapitel sind nicht nummeriert, die Anmerkungen finden sich am Ende und nicht als Fußnoten unter dem Text, so dass für einen einfachen Nachweis immer wieder geblättert werden muss. Ein sachkundiges Lektorat hätte einige Versehen beseitigen können: Hans Knappertsbusch war nicht bald nach 1909 „zum ständigen Dirigenten“ in Bayreuth avanciert (S. 74) – dirigiert hat er dort zuerst 1951. Auf Seite 89 erfahren wir, dass Hans Mayer erstmals 1962 in den Bayreuther Programmheften publiziert habe, auf Seite 122 heißt es dann, er sei 1959 bereits seit Jahren in den Programmheften „voll präsent“ gewesen. Die Grünen waren vor 1983 ganz sicher nicht an der Hessischen Landesregierung beteiligt (so aber S. 179), der Pariser Tannhäuser-Skandal war 1861, nicht 1860 (so aber S. 181). Bei Eigennamen häufen sich dann die Versehen: Emil Preetorius wird durchgängig als „Pretorius“ bezeichnet, der Regisseur Ingmar Bergman als „Bergmann“ (S. 180 und 206), Robert Donington zu „Donnington“ verballhornt (die korrekte Schreibung auf S. 88 fehlt dann konsequenterweise im Namenregister…), und S. 210 und 239 machen wir dann Bekanntschaft mit einer gewissen „Bünnhilde“, was in einem Buch über den Ring des Nibelungen etwas peinlich ist. Dies alles liegt nicht an mangelnder Kompetenz des Autors; es ist die Aufgabe des Verlages, ein Buchmanuskript noch einmal durchzusehen und diese Dinge anzupassen.

Eine Vertiefung dieses neuen Forschungsfeldes ist für die Bayreuther Festspiele seit 1980 und für andere Opernhäuser und Theater sehr zu wünschen.

—| IOCO Buchbesprechung |—

Bayreuth, Reichshof Kulturbühne, Sonnenflammen – Oper von Siegfried Wagner, IOCO Kritik, 13.09.2020

September 13, 2020  
Veröffentlicht unter Hervorheben, Kritiken, Oper, Reichshof Kulturbühne

Reichshof Bayreuth @ Hasenstein

Reichshof Bayreuth @ Hasenstein

Reichshof Kulturbühne

Sonnenflammen – Szenische Vision einer Oper von Siegfried Wagner

– Ein Tanz auf dem Vulkan –

von  Karin Hasenstein

Bayreuth im August – das heißt für die Rezensentin normalerweise Richard-Wagner-Festspiele. So sollte es auch 2020 sein, jedoch machte ein kleines Virus diese Pläne jäh zunichte.

Nach Oberfranken sollte es trotzdem gehen, denn eine Saison ohne Bayreuth ist zwar möglich, aber irgendwie sinnlos. Die Stadt hat ja auch neben Richard Wagner und den Festspielen einiges mehr zu bieten. Dafür sollte nun endlich einmal genug Zeit sein.
Umso größer die Freude, als durch einen Mitwirkenden, Steven Scheschareg, die Aufführung von Siegfried Wagners Oper Sonnenflammen angekündigt wurde. Also doch, auch 2020 Wagner live in Bayreuth!

Im Gegensatz zum Vater Richard Wagner hatte sich die Rezensentin mit dem Oeuvre des Sohnes Siegfried noch nicht näher auseinandergesetzt. Warum also nicht jetzt? Der Vorstellungstermin passte perfekt in den geplanten Aufenthalt und so wurde kurzerhand ein Besuch für IOCO daraus.

Am 15.08.2020 war es also soweit. Eine herkömmliche Einführung konnte Corona bedingt ebenfalls nicht stattfinden. Die Internationale Siegfried-Wagner-Gesellschaft e.V. Bayreuth hat jedoch eine umfangreiche und sehr detaillierte Ausstellung erarbeitet, die in der Stadtbibliothek Bayreuth gezeigt wird. Hiermit können sich die Besucher schon einen sehr guten ersten Überblick über das Werk und seine Entstehung verschaffen. Weitere Informationen sind dem ansprechend gestalteten großformatigen Programmheft zu entnehmen.
Da die Werke des Wagner-Sohnes Siegfried doch eher selten auf deutschen Bühnen zu erleben sind, muss zunächst etwas zum Inhalt gesagt werden.

Handlung/ Synopse

Die Handlung der Oper Sonnenflammen spielt in Byzanz zu Beginn des 13. Jahrhunderts. Erzählt wird die Geschichte des Ritter Fridolin. Die Handlung beginnt am Hofe des Kaisers von Byzanz. Der Text entstammt dem „Siegfried Wagner Opernführer, Internationale Siegfried-Wagner-Gesellschaft, Bayreuth“.

Kulturbühne Reichshof Bayreuth / Sonnenflammen von Siegfried Wagner @ Martin Modes

Kulturbühne Reichshof Bayreuth / Sonnenflammen von Siegfried Wagner @ Martin Modes

Erster Akt

1. Die byzantinische Hofgesellschaft amüsiert sich über die Armut des Volkes. Die Hungrigen raufen sich um Almosen. Kaiser Alexios entreisst einem lahmen Bettler die Krücken. Der Bettler flucht den Frevlern und selbst Fridolin, der ihm aufhelfen will, da der Ritter als Gast des Hofes zu den Herrschenden gehört.
Fridolins Liebe zu Iris bleibt unerfüllt. Iris stört es, dass der Ritter sein Kreuzzuggelübde nicht einhält; ihre Liebe kann nur Bewunderung für einen Mann sein; wäre Fridolin fort, so würde sie ihn lieben.
2. Der Hofnarr Gomella hat beim Diebstahl versehentlich eine Vase mit Rosenöl zerbrochen. Der Duft verrät den Dieb, der sich vor Alexios jedoch geschickt zu verteidigen weiß. Wenn der Narr ihm seine Tochter Iris gefügig macht, will der Kaiser auf die Bestrafung Gomellas verzichten.
Gomella sucht nach einem Ausweg. Er schreibt einen Brief an die Kaiserin, den Iris ihr übergeben soll.
So erfährt die Kaiserin vom Vorhaben ihres Gatten.
3. Ein Kreuzritterheer aus Franken macht am Hofe Station. Gottfried, einer der Ritter, versucht Fridolin den Kreuzzug als »Raufen-Taufen-Saufen« schmackhaft zu machen.
4. Gomella ist skeptisch; er befürchtet, Brandstiftung sei die eigentliche Absicht des Besuchs der Kreuzritter. Anstelle von Iris will er dem Kaiser die Dirne Eunoe unterschieben.
5. Eunoe wird für das Rendezvous verlarvt und im Park versteckt, um im entscheidenden Moment Iris‘ Rolle einzunehmen. Eustachia, die alte Dienerin der Kaiserin Irene, beobachtet verborgen das Geschehen.
6. Alexios wünscht sich von Iris einen Erben, da der Thronfolger ein krankes, degeneriertes Kind ist. Er schenkt Iris eine Halskette, die Iris Eunoe zunächst verweigert, als die Sklavin im Dunkeln ihre Stelle einnimmt. Die Leidenschaft des Kaisers hat in Iris ungeahnte Empfindungen geweckt, und einen Moment lang ist sie bereit, sich selbst Alexios hinzugeben. Im Abgehen fühlt sie sich beobachtet und glaubt, im Gebüsch Fridolins Augen zu entdecken.

Zweiter Akt

1. Eustachia berichtet der Kaiserin, was sie gesehen und belauscht hat. Irene befallen in ihrer unerwiderten Liebe zum Kaiser Selbstmord-Gedanken. Entgegen klerikaler Doktrin glaubt auch Eustachia an das Recht des Individuums, über sein Leben frei entscheiden zu dürfen.
2. Iris sucht Schutz bei der Kaiserin: Alexios hat offensichtlich mit Eunoe ein neues Treffen vereinbart, und Iris flieht nun gleichermaßen vor dem Kaiser wie vor Fridolins wilder Eifersucht. Sie gesteht der Kaiserin ihre Liebe zu dem Traumbild eines die Dekadenz vernichtenden Draufgängers – der Fridolin leider nicht ist.
3. Fridolin will Iris zur Rede stellen. Die Kaiserin fordert ihn auf, ihr und Iris beim Sticken zu helfen.
4. Auch der hinzukommende Kaiser hilft beim Aufwickeln der Fäden, um so mit Iris sprechen zu können. Er verlangt, sie solle beim Fest die ihr geschenkte Halskette tragen.
5. Iris verweigert Fridolin die Antwort auf seine Fragen nach Alexios.
6. Beim Festakt lässt Alexios Iris auf der linken Seite seines Thrones Platz nehmen. Mit Hohn empfängt er den venezianischen Gesandten, und die Hofgesellschaft stimmt in den Spott mit ein. Als der Gesandte mit Krieg droht, ernennt Alexios Fridolin gegen dessen Willen zum Feldherrn. Der Bruder des Kaisers plant ein Attentat auf Alexios, das während eines Tanzspieles (»Die Rache von Artemis an Iphis«) ausgeführt werden soll. Gomella, zwar bestochen, um zu schweigen, hat den Kaiser über den Putsch-Versuch informiert. So misslingt das Attentat, über dessen vermeintliches Gelingen sich Fridolin zu früh offen freut. Der Konspirateur soll mit den Attentätern hingerichtet werden, doch die Kaiserin lässt ihm den Tipp geben, sich wahnsinnig zu stellen. Alexios durchschaut Fridolins Wahnsinn, aber er geht darauf ein, ihn als zweiten Hofnarren zu akzeptieren. Zum Zeichen seiner neuen Stellung wird Fridolin das Haupt geschoren.

Kulturbühne Reichshof Bayreuth / Sonnenflammen von Siegfried Wagner @ Martin Modes

Kulturbühne Reichshof Bayreuth / Sonnenflammen von Siegfried Wagner @ Martin Modes

Dritter Akt

1. Die Narren Gomella und Fridolin müssen gemeinsam Alexios schmeicheln und ihn belustigen.
2. Eustachia meldet Alexios, dass sich die Kaiserin mitsamt dem Kind ertränkt hat. Der Kaiser befiehlt, diese Nachricht bis zum Ende der Festlichkeiten geheim zu halten und ein Unwohlsein der Herrscherin vorzutäuschen.
3. Ein Wahrsager kündet den Weltuntergang an. Fridolin lässt sich aus der Hand lesen, er werde sich noch vor dem Ende selbst umbringen. Albrecht, Fridolins Vater, ist dem Sohn nachgereist, um ihn heimzuholen: Fridolins Frau hat dem untreuen Ritter verziehen. Fridolin gesteht, dass er den Kreuzzug noch gar nicht angetreten, sein Gelübde gebrochen hat. Gomella reißt ihm den Turban vom Kopf, mit dem Fridolin sein geschorenes Haupt vor dem Vater verbergen wollte, und verrät Albrecht die Zusammenhänge. Der Vater verflucht Fridolin.
4. Das Treffen mit dem Vater hat in Fridolin die Erinnerung an die Heimat geweckt. Er will nicht länger ehrlos im Dienst des Hofes stehen: der Tod scheint ihm der einzige Ausweg.
5. Auf der Terrasse des Schlosses werden im Zuge des Festes Puppen des französischen Königs, des deutschen Kaisers, des Papstes und des venezianischen Dogen Dandolo verbrannt. Die tote Kaiserin erscheint Alexios und weckt in ihm die Ahnung, dass sich ihm nicht Iris, sondern Eunoe hingegeben habe. Fridolin ersticht sich auf dem Höhepunkt des Festes. Ein Bote meldet Brandstiftung und den Angriff der Kreuzritter. Alexios zieht den Feinden entgegen. Alles sucht entsetzt zu fliehen, und auch Gomella kann entkommen. Iris legt dem sterbenden Fridolin eine seiner abgeschnittenen Locken aufs Haupt. Dem Sterbenden gesteht sie ihre Liebe. Die ohnmächtige Iris wird aus den Flammen gerettet; Fridolins Leiche liegt verlassen in den Trümmern des untergehenden Kaiserreiches.

Beim ersten Lesen die Handlung nicht verstanden? Macht nichts! Vieles erschließt sich im Verlauf der Oper; manches auch nicht.

Die beiden Vorstellungen von Sonnenflammen fanden in Bayreuth am 15. und 16. August 2020 leider nicht wie geplant im Weltkulturerbe Markgräfliches Opernhaus statt, sondern, bedingt durch die Corona-Auflagen, im Reichshof Kulturbühne, einem ehemaligen Konzert- und Lichtspielhaus. https://www.reichshof-bayreuth.de/

Dabei haben die Veranstalter sehr charmant für die Einhaltung der Auflagen gesorgt. So waren z.B. die freien Reihen mit aufgespannten Regenschirmchen blockiert, die freizuhaltenden Sitze mit gelben Schleifen zugebunden.
Die obligatorischen Mund-Nasen-Schutze durften am Platz abgenommen werden und Zuschauer und Mitwirkende durften einander nicht begegnen.
So hätten in dem großzügigen Zuschauerraum 100 Besucher Platz; die waren es am Abend des 15. August jedoch nicht einmal. Die Auslastung lag vielleicht bei 60 bis 70 %, was angesichts der moderaten Preise und des geringen Angebotes an Live-Opern-Aufführungen mehr als schade ist, zumal bei einem so selten gespielten Bühnenwerk.
Auf der linken Saalseite war eine große Projektionsfläche für die deutschen und englischen Übertitel angebracht, die leider auch nur von Besuchern auf der linken Seite gelesen werden konnten, ohne eine Genickstarre zu riskieren. Hier wäre eine Lösung in der Saalmitte bzw. über der Bühne erquicklicher gewesen.

Die Bühne selbst bot ausreichend Spielfläche für die 13 Solisten. Über Traversen war ein Beleuchtungssystem angebracht worden, das die Szene gut ausgeleuchtet hat. Ein leistungsstarkes Soundsystem verbreitete den Klang des (ebenfalls Corona bedingten) Digitalen Orchesters gut im Raum. Dadurch, dass der Dirigent Ulrich Leykam dieses digitale Orchester vor einer virtuellen Partitur dirigierte, funktionierte dieser Aspekt der Vorstellung erstaunlich gut. Die Klangqualität war gut und sauber, so dass das Digitale Orchester eine akzeptable Lösung in Coronazeiten darstellt. Natürlich kann es niemals an ein live spielendes Orchester aus „echten“ Musikern herankommen, geschweige denn eine Live-Atmosphäre vermitteln. Es bildete jedoch eine sehr gute Klanggrundlage für die Solistinnen und Solisten.

Kulturbühne Reichshof Bayreuth / Sonnenflammen von Siegfried Wagner @ Martin Modes

Kulturbühne Reichshof Bayreuth / Sonnenflammen von Siegfried Wagner @ Martin Modes

Welche Musik hat also der Siegfried Wagner da geschrieben?
Die Sonnenflammen (Siegfried Wagners achte Oper) sind 1912 entstanden und 1918 in Darmstadt uraufgeführt worden.
Die Oper erzählt die Geschichte eines gestrandeten Deserteurs im untergehenden Kaiserreich Byzanz. Der Stoff spiegelt die Stimmung in Deutschland zur Entstehungszeit als Tanz auf dem Vulkan wider. Hierbei sind Parallelen zur Gegenwart durchaus beabsichtigt. Irisierende Klangflächen, rhythmisch packende und anspruchsvolle Ensembles und Kantilenen voller Leidenschaft sind kennzeichnend für die Tonsprache Siegfried Wagners.

Es steht außer Zweifel, dass das handwerklich sehr gute Arbeit ist, dass Siegfried Wagner ein fähiger Komponist war. Aber obwohl er zahlenmäßig mit 17 Bühnenwerken den Vater überholt hat, erreicht er ihn kompositorisch in seinem Genie nicht. Vieles erinnert dennoch an den berühmten Vater, z.B. die Art, wie Siegfried seine Ensembles anlegt. Da ist ein bisschen Meistersinger zu hören, ein bisschen Tannhäuser, aber auch vom Stil her ein bisschen Mozart, dann wilde Anklänge an Strauss, Schreker oder Zemlinsky. Es ist eine ganz und gar spannungsreiche, harmonische, melodische Musik, ausgesprochen lautmalerisch und bebildernd. Manchmal denkt man, dass er für die Entstehungszeit fast etwas konservativ, gar rückschrittig gearbeitet hat. Ihm fehlte es ein bisschen an Mut oder Experimentierfreude, vieles bleibt im Ansatz stecken, wird nicht konsequent weiterentwickelt. Dennoch erfreut die Musik über große Strecken, ist schwelgerisch, üppig und hochromantisch, ein typisches Produkt des fin-de-siècle.
Die Orchestrierung ist wieder stark romantisch geprägt.

Eine große Streicherbesetzung bildet die Basis, dazu viel tiefes Blech. Das nachromantische Orchester entfaltet dabei eine impressionistische Klangfarbenpalette.
Die Musik ist nie sinfonisch, sondern immer szenisch konzipiert. Dennoch gibt es, wie bei Richard Wagner, keine Nummern, sondern eine Art endlose Melodie. Die Oper läuft zweieinhalb Stunden (hier ohne Pause) von der Ouvertüre bis zur letzten Szene durch. Es gibt auch eine Reihe von Leitmotiven, die den handelnden Figuren zugeordnet werden können und bereits in der etwa 10-minütigen Ouvertüre vorgestellt werden, der Schwerpunkt liegt jedoch in der musikalischen Beschwörung der byzantinischen Welt, der die raue Tonsprache des Ritters Fridolin entgegenstellt wird.

Das Bühnenbild (Robert Pflanz) ist sehr reduziert. Das einzige Element auf der Bühne sind portable Säulen aus farbigen Poolnudeln, die mal seitlich stehend platziert sind und den Palast andeuten, in anderen Szenen von den Darstellern umgestellt oder hingelegt werden. Diese Aktionen sind nicht immer ganz nachvollziehbar, können aber auch als eine Art Choreographie verstanden werden. Den vorgesehenen Ballettpart übernehmen jeweils sechs der Sängerinnen und Sänger. Wichtiger als die „Möblierung“ der Bühne ist hier ohnehin die Videoprojektion (ebenfalls Robert Pflanz).

Zu Beginn sehen wir eine Stummfilm-Projektion mit Szenen aus den eingeblendeten Jahren 1048 – 1423 – 1920. Das Jahr 1048 fällt in die Amtszeit von Kaiser Konstantin IX (1042 bis 1055), 1423 besetzte Murad II das venezianisch dominierte Tessaloniki und (1918 bis) 1920 wurde Konstantinopel (oder Istanbul) von den militärischen Truppen des Vereinigten Königreiches von Großbritannien und Irland, der Französischen Republik und des Königreichs Italien besetzt. In Darmstadt wurde 1920 Siegfried Wagners Oper Sonnenflammen uraufgeführt.

Zur Ouvertüre wird ein Wald auf die Leinwand projiziert. Das passt zum Streicherteppich und zum tiefen Blech.
Wir sind in Byzanz, das Video zeigt ein Paar, einen Ring, offenbar wird gerade ein Antrag gemacht. Die Musik steigert sich, das Tempo zieht an, die Stimmung wird dramatischer. Es sind der Ritter Fridolin und Iris (auf der Leinwand wird ein Auge, eine Iris, dargestellt.) Die Dramatik der Situation wird mit dem „Tanz auf dem Vulkan“ angedeutet. Allmählich wird die Musik wieder ruhiger.
Die tiefen Bläser werden durch eine Flöte und sanftere Streicherlinien abgelöst. Wir sehen auf der Leinwand eine Seeschlacht mit vielen Toten, anscheinend eine Vision des Kaisers. Dementsprechend ändert sich die Stimmung der Musik, sie wird düsterer, bedrohlicher.
Es schließen sich Naturbilder an und die Musik wird ruhiger. Über allem erscheint das dreifache Bild der Geliebten.

Die nächste Szene ist mit „Byzanz“ übertitelt.
Ein Bettler erscheint auf der Szene (großartig mit viel Spielfreude dargestellt von Steven Scheschareg). Ein Bild von Byzanz überlagert das Porträt von Iris.
Es entspinnt sich ein Dialog zwischen Iris und Fridolin über den Kaiser, er nennt sie „Ehefrau des Mörders“. Der Hofnarr Gomella kommt hinzu. Aufgrund des tragischen Todes des ursprünglich vorgesehenen Darstellers teilten sich Dirk Mestmacher (Spiel) und William Wallace (Gesang) die Rolle des Gomella. Dieses gelang beiden so gut, dass das Publikum dadurch keinen Nachteil erlitten hat. Mestmacher bewegte komplett textsynchron die Lippen, sein engagiertes Spiel auf der Bühne und Wallace‘ ausdruckstarker Gesang (mit minimalem Akzent) von der Seite vereinten sich so zu einem runden Ganzen.
Der Narr hat eine Flasche Rosenöl gestohlen, was der Kaiser kommentiert: „Zu mir aus Liebe wird er zum Diebe“. Da sind sie wieder, die wagnerschen Libretti. Die Musik zur Rede des Kaisers ist schwelgerisch, pompös, eben kaiserlich, mit viel Schlagwerk unterlegt.

Die nächste Projektion zeigt den „Sensenmann“ zum Text „Geripp“.
Die Projektion wechselt wieder zum Schriftzug „Byzanz“, kombiniert mit einem Atommodell-Symbol. Das Atommodell ist die Idee vom Aufbau und der Form der Atome. Bereits im Altertum gab es die Atomhypothese, nach welcher die Atome als die unteilbaren und unveränderlichen Grundbausteine aller materiellen Stoffe angesehen wurden.
Dazu singt der Kaiser die Worte „Saugt euch nur Wonne aus dieser Sonne“.
Weiter geht es mit dem Bild einer Friedenstaube vor dem Hintergrund Byzanz.
Zum kurzen Zwischenspiel erscheinen drei Frauen und die Kaiserin auf der Bühne.
Die Kaiserin liest einen Brief und die ganze Szene sowie die Musik erinnern ein wenig an Richard Strauss.

Sonnenflammen zur Uraufführung 1920 @ Hasenstein

Sonnenflammen zur Uraufführung 1920 @ Hasenstein

Der wegen der Corona-Auflagen auf sechs Damen und sechs Herren reduzierte Chor tritt auf, zum Teil noch hinter dem Vorhang verborgen. Dieser Auftritt hat etwas vom Griechischen Chor. Der Chor war in der griechischen Antike zunächst die Bezeichnung für einen umgrenzten Tanzplatz. Später war es das Wort für den Rundtanz selbst, vor allem den mit Gesang verbundenen und bei festlichen Anlässen zu Ehren einer Gottheit aufgeführten Reigen. Später ging dann die Bezeichnung auf die Gruppe der Tanzenden und Singenden über, die im Drama als Begleiter der Handlung mitwirken. Der Griechische Chor hat mithin immer kommentierende Wirkung.

Eine neue Projektion in Form eines Kreuzfahrtschiffes erscheint. Hier liegt die Analogie des Kreuzzuges zur Kreuzfahrt nahe. Fridolin soll ja mit den Kreuzfahrern ziehen. Sechs Soldaten (Herrenchor) verdeutlichen Fridolin, was er da tun soll: „Raufen, Taufen, Saufen!“
Eunoe erscheint mit einer Larve, hier fast unvermeidbar mit einer Mund-Nasen-Bedeckung. „Der Tod“ wird hier als Coronavirus-Projektion dargestellt. Hoffentlich kommt’s nicht so schlimm…
Der Kaiser (Uli Bützer mit warmem, schön timbrierten Bariton) beklagt, dass seine Frau ihm keinen gesunden Erben schenken kann. Er liebt Iris. Diese ist entschlossen, ihren Vater zu retten.
Die Larve soll ihr Gesicht verhüllen und er soll sie nicht lüften. So soll die List nicht auffallen, dass in Wahrheit Eunoe als Iris zum Kaiser geht. Was in den Gemächern des Kaisers geschieht, wird durch Kopulationsbilder angedeutet. Damit sind wir nach ca. 65 Minuten am Ende des Ersten Teils angekommen.

Den Zweiten Teil eröffnet die Figur des Winzers, der seine Reben anpreist.
Alexander Geiger erfreut mit seinem lyrischen schlank geführten Tenor. Gerne hätte man noch mehr von ihm gehört. Die Stimme ist hell timbriert und doch kraftvoll über dem Orchester.
Die Kaiserin beklagt ihr Schicksal, das Kind robbt auf die Bühne (Kinderdarsteller, leider nicht namentlich genannt). Der Klagegesang der Kaiserin ist reich instrumentiert, mit großem romantischen Orchester. Auch hier wird wieder deutlich, wie gekonnt Siegfried Wagner die Instrumentengruppen einsetzt, was für ein fähiger Komponist er war und wie er mit Stimmungen spielen konnte.
Die nächste Projektion lässt erahnen, dass es zu einer dramatischen Wendung kommen wird, wir sehen wieder Byzanz, das Kind der Kaiserin und Blut…
Dier Schaffnerin Eustachia (eindrucksvoll mit großer dramatischer Stimme: Maarja Purga) erscheint und berichtet, die Kaiserin habe sich mit ihrem Kind ertränkt. Iris klagt daraufhin den Kaiser an. Der fragt sie, ob sie Fridolin liebt, ihre Antwort fällt nicht klar aus, „Ja!“ und „Nein!“.
Die Kaiserin strickt, Iris wickelt ihr Knäuel ab. Fridolin verlangt „Iris, steh mir Rede!“
Es folgt ein Terzett im Dreiertakt zwischen der Kaiserin, Iris und Fridolin. Dieser hilft Iris, die Wolle zu wickeln. Auf der Leinwand erscheint die Projektion eines Spinnentiers. Jetzt wickelt auch der Kaiser mit am Knäuel. Es entwickeln sich auch musikalisch Parallelen zwischen Fridolin, der Kaiserin, dem Kaiser und Iris. Dieses musikalische Ensemble steht denen des Richard Wagner in nichts nach, Erinnerungen an das Quintett in der Schusterstube der Meistersinger oder an den Tannhäuser werden wach. Da wird klar, wo Siegfried Wagner gelernt hat.

Fridolin stellt Iris drei Fragen, aber sie antwortet nicht.
An dieser Stelle denkt man, Giorgio Valenta könnte auch einen guten Siegfried abgeben. Seine dynamische Stimme hat etwas strahlend Heldentenorales.
Fridolin schaut durch eine Videobrille, als könne er dort die Antworten auf seine Fragen finden.
Nun erscheint wieder der Hofnarr Gomella und beklagt die zerbrochene Flasche, „Verflixtes Rosenöl!“. Die Konstellation Hofnarr – Tochter erinnert etwas an Rigoletto.
Der Gesandte Venedigs tritt auf und das „Ensemble Dandolo“ erklingt, leider nicht immer ganz zusammen.
Fridolin erhält ein Schwert, der Kaiser fragt „Wo bleibt der Tanz?“ und das hier eigentlich vorgesehene Ballett wird durch die Sänger mit einer kleinen Choreografie angedeutet. Die Tänzerinnen tragen Kostüme im Leopardenmuster, was dem Ganzen eine leicht absurde Note verleiht. Eunoe und Fridolin werden gefesselt. Ein Joker wird auf die Leinwand projiziert. Es läuft einfach nicht gut für Fridolin: „Oder singen Te Deum die Schwarzbeschwanzten? Sterben soll ich? Wonne am Leben, am Leben, am Licht!“
Auf die Frage „Schere oder Schwert?“ lautet seine Antwort „Ich wähle Schere!“, worauf ein Tanz der Scheren folgt. Schließlich schneiden diese Fridolin seine langen Locken ab. Fridolin ist nun der neue Narr, erniedrigt mit blutig kahlgeschorenem Kopf. Der Kaiser fragt ihn „Mein neues Närrchen, wie fühlst du dich?“ Der Narr antwortet „Leben, nur leben, denn tot kann man lang genug sein!“
Der Winzer singt von der Seite kommentierend „Fern von ihr. Ach weh!“
Damit endet der Zweite TAkt.

Zum Zwischenspiel erfolgt der Umbau auf offener Bühne.

Dritter Teil

Auf der Leinwand erscheint wieder eine Scherenprojektion sowie eine Guillotine, dazu ein Joker, der Narr.  Als Kontrast dazu erstrahlt die Sonne über Byzanz.

Narr, Kaiser und Fridolin treten auf. Der Narr singt „List, Lust und Laster-lüsternes lockendes Leuchten“ – ja, da ist er wieder, die Wagner’sche Alliteration. Diese Textzeile könnte so auch im Rheingold stehen. Im Video sehen wir kämpfende Widder, sie stehen wohl für den Narr und den „neuen“ Narr, Fridolin. Der Kaiser liest einen Brief. Die Schaffnerin bringt die Nachricht, dass sich die Kaiserin mit dem Kind ertränkt hat.
Die Schaffnerin singt weiter: „Wie lange vergönnst du Strenger denn uns, das süße Sonnenlicht noch zu sehen?“
Der Wahrsager prognostiziert daraufhin den bevorstehenden Weltuntergang. (Sehr ausdruckstark mit guter Bühnenpräsenz und schön timbrierter Stimme: Steven Scheschareg).
Eine Projektion zeigt das Kreuzfahrtschiff AIDA. Fridolin mit Turban und Albrecht, sein Vater, singen „Leicht segelnd glitt unser Schiff…“ und das Bild wechselt zu einem Atomkraftwerk mit dem Aufkleber „Atomkraft Ja bitte!“ Scheschareg deklamiert mit warmem wohlklingenden Baritontimbre, untermalt von Bläser-Triolen, die auch wieder von Richard Wagner stammen könnten, „Gepriesen sei die Sonne“. Auf die Frage nach der Kreuzfahrt, „die du gelobtest“ antwortet er „Ich brach das Gelübde. Ich war nicht dort. Ich säumte hier.“
Daraufhin reißt ihm der Narr den Turban herunter. Hier offenbart sich nun ein Vater-Sohn-Konflikt (Richard – Siegfried?) und zu einer erneuten Scheren-Projektion erklingt „Locken lockernde Schere“ und Albrecht verkündet „So nimm deines Vaters Fluch!“ Die Scheren verschwinden, dafür sehen wir Flammen über einem Scheiterhaufen. Der Vater legt ihm nahe „Drein stürze dich und rette deine Ehre. Sonst Weh dir! Weh!“

Im Angesicht einer neuen Byzanz-Projektion beklagt der Narr erneut „Verdammtes Rosenöl, an allem bist du Schuld.“ Er beteuert gegenüber Fridolin: „Iris liebt dich, nur dich!“ Es erscheinen Naturbilder, ein Wald.
„Heimat entrückte, seh ich dich wieder!“ Heimat, süße Klänge, Wehmut weichende Klänge. Weckt ihr die Reue tief aus der Brust? Mit einer Virtual-Reality-Brille hat er eine Vision seiner Heimat. Bambi, Kühe, Wald.
Fast schon zynisch muten diese an angesichts des Elends, das Fridolin durchlebt. „Oh Bilder zarten Entzückens…“ seine Visionen entschwinden.

Endgültig absurd wird es, als der BärenmarkeBär erscheint und Iris als Pop-Art-Ikone im Stile Andy Warhols eingeblendet wird. Diese wird wiederum von Bildern des Vaters überblendet. Zu „Eitles Sonnenstreben“ wird wieder das Atommodell eingeblendet.

Mitglieder des Chores tanzen um Fridolin. Auf der Bühne steht eine große Kiste, im Hintergrund erblüht ein Atompilz, dazu riesige Sonneneruptionen. Sechs Tänzer bewegen sich dazu in grotesken Kostümen zu einer wilden Choreographie. Die begleitende Projektion zeigt eine Art Tanz auf dem Vulkan, ein wildes Weltuntergangs-Szenario. Nicht mit letzter Sicherheit ist zu sagen, ob auch Szenen einer Bücherverbrennung gezeigt werden.
Der Chor singt „Auf, ins Feuer, ihn auch wälzt!“
„Das Autodafé, mein Papst, tu weh.“
König, Kaiser und Duce brennen im Feuer.
Der Kaiser fragt „Wer entsteigt der Flut?“
Die Kaiserin antwortet „Kennst du mich nicht? Tanz doch, oder bist du krank?“ Sie klagt ihn an „Eunoe hast du beglückt. Kennst du nicht dein Weib?“
Zu den Worten „Heil, Fridolin, Heil!“ werden weitere Weltuntergangsszenen gezeigt. „Zeit! Wie wollt ihr sie nutzen? Jubelnd und tanzend!“
„Und wie haltet ihr’s mit Gott?“
„Seht her, wie ein Franke sie ehrt!“ Zu diesen Worten tötet er sich selbst.

Ein Tagesschausprecher wird eingeblendet. Der Narr flieht. Fridolin sing „Gottfried, Du? Geh hin, grüß den Vater! Heil im Tode!“  Alles geht in Flammen auf, erneute Explosionen und Atompilze künden von der Apokalypse.  Iris beteuert dennoch „Treu ohne Wanken“ (eine Anspielung an Senta?), Fridolin fleht sie an „Rette dich, entflieh dem Feuer!“

Doch es ist zu spät. „Die Sonne, ihre Flammen, sie haben mich versengt! Vater! Vater! Verzeih deinem Sohn. Rettet Iris! Du erstickst! Weh, weh…“

Die letzten Eindrücke:  Byzanz, das Atom, das Weltall… ..Ende.

Die Sonnenflammen sind für die Rezensentin durchaus eine Entdeckung, auf jeden Fall in musikalischer Hinsicht. Die zweieinhalb Stunden Aufführungsdauer werden zu keiner Zeit lang. Die Musik ist angenehm, gefällig, sehr lautmalerisch, erzählend, die Komposition ist handwerklich gut gemacht, die Orchestrierung nachromantisch schwelgerisch. Die Geschichte hingegen ist schon sehr gewöhnungsbedürftig und schwer in einen anderen Kontext zu übersetzen. Dennoch lassen sich Parallelen zu untergehenden Kulturen oder Reichen ziehen, wie hier ja immer wieder in Form der Video-Einspielungen geschehen.
Die Sänger zeigen an diesem Abend durchgängig gute bis sehr gute und überzeugende Leistungen.

Es ist dieser Oper zu wünschen, dass sich auch andere Bühnen ihrer annehmen und sie etwas aus ihrem Schattendasein befreien. Hierfür gilt dem Regieteam um Peter P. Pachl und dem ppp Musiktheater sowie der Siegfried-Wagner-Gesellschaft der ausdrückliche Dank der Rezensentin.

Sonnenflammen – Oper von Siegfried Wagner

aufgeführt am 15.8.2020 in Bayreuth, Reichshof Kulturbühne

Musikalische Leitung  (digitales Orchester) Ulrich Leykam
Inszenierung Peter P. Pachl
Bühnenbild, Videos Robert Pflanz
Kostüm Design Christian Bruns
Licht Design Günther Neumann
Dramaturgie, Organisation Achim Bahr

Kaiser Alexios –  Uli Bützer
Kaiserin Irene –  Rebecca Broberg
Fridolin, ein fränkischer Ritter –  Giorgio Valenta
Albrecht, dessen Vater –  Steven Scheschareg
Gomella – Dirk Mestmacher (Spiel)  –  William Wallace (Gesang)
Iris, dessen Tochter –   Julia Reznik
Eustachia, Schaffnerin  –   Maarja Purga

Ritter Gottfried –  Robert Fendl
Ein Bettler, Ein Wahrsager –  Steven Scheschareg
Der Gesandte Venedigs –  Robert Fendl
Eunoe-   Xenia Galanova
Ein Bote –  Reuben Scott
Ein Winzer –  Alexander Geiger
Erste Tanz-Deuterin / Artemis –  Rafaela Fernandes
Zweite Tanz-Deuterin / Phila –  Xenia Galanova
Dritte Tanz-Deuterin / Iphis –  Angelika Muchitsch
Hofdame, Mänade –  Anna Ihrig

Erster Verschwörer/ Apollon-Priester 1 Reuben Scott
Zweiter Verschwörer/ Apollon-Priester 2 Di Guan
Ein Sklave Reuben Scott
Ein Diener Luca Micheli
Der behinderte Infant NN (Kinderdarsteller)

Das Digitale Orchester
Ein Solo-Vokalsextett Damen
Ein Solo-Vokalsextett Herren

—| IOCO Kritik Reichshof Kulturbühne |—

Bayreuth, Bayreuther Festspiele, 25. Juli 2020 – Konzert in Haus Wahnfried, IOCO Aktuell, 25.07.2020

Festspielhaus Bayreuth © IOCO

Festspielhaus Bayreuth © IOCO

25. Juli 2020  –  Konzert im Haus Wahnfried

Public Viewing / BR Klassik

Richard Wagner Bayreuth © IOCO

Richard Wagner Bayreuth © IOCO

Trotz der coronabedingt schwierigen Umstände werden die Stadt Bayreuth und die Bayreuther Festspiele am traditionellen Eröffnungstag der Festspiele, Samstag, 25. Juli 2020, um 16.00 Uhr ein Konzert im Haus Wahnfriedveranstalten. Unter Leitung von Christian Thielemann führen die Solisten Camilla Nylund, Sopran, und Klaus Florian Vogt, Tenor, sowie Jobst Schneiderat am Wahnfried-Flügel Richard Wagners Ausschnitte aus Die Meistersinger von Nürnberg, das Siegfried-Idyllund die Wesendonck-Liederauf. Das Konzert wird live vom Bayerischen Rundfunk auf BR Klassik (www.br-klassik.de/programm/radio/ausstrahlung-2207268.html) und zudem vor Ort auf Videowänden als Public Viewing für bis zu 400 Personen nach außen übertragen. Das Café Wahnfried sorgt für Erfrischungen.

IOCO  Besprechungen aller Werke, die für die Bayreuther Festspiele 2020 geplant waren und mehr, sind – unten folgend – in diesem Artikel verlinkt
 IOCO
  Korrespondenten/innen beschreiben – DORT – die Details besuchter Produktionen der Bayreuther Festspiele

Kooperation mit BR-Klassik / 3 Sat

Für alle Wagner-Fans inszenieren die Bayreuther Festspiele gemeinsam mit BR-KLASSIK und 3sat ab dem 25. Juli – dem ursprünglichen Eröffnungstag der Bayreuther Festspiele – die Werke Wagners als Gesamtkunstwerk. Mit Corona-verträglichen Live-Veranstaltungen, exklusiven Archivschätzen und Sondersendungen wird das älteste Musikfestival Deutschlands in diesem Kultursommer adäquat gefeiert. Ein Highlight des Programms: drei historisch maßstabsetzende Inszenierungen des Ring des Nibelungenauf unterschiedlichen Ausspielwegen. Es sind die Ring-Inszenierungen von Frank Castorf (Premiere 2013), Harry Kupfer (Premiere 1988) und Patrice Chéreau (Premiere 1976).BR-KLASSIK wartet im Hörfunk vom 25. bis 28. Juli täglich um 18.05 Uhr exklusiv mit der bisher unveröffentlichten Aufnahme der hochgelobten und intensiv diskutierten Ringproduktion von Frank Castorf und Kirill Petrenko am Pult (Aufnahme von 2015) auf, die auch Teil des diesjährigen ARD Radiofestivals (ab 18. Juli) sein wird.ARD-alpha und das Streaming-Angebot „BR-KLASSIK Concert“ präsentieren gemeinsam mit den Bayreuther Festspielen den Jahrhundertring von Patrice Chéreau und Pierre Boulez. Erstmals ist diese Inszenierung am 7. August ab 20.15 Uhr in der großen Ring-Nachtwieder im Free-TV zu erleben.

Tristan und Isolde – die Fanfaren erklingen
youtube Trailer von Claas Rohmeyer
[ Mit erweitertem Datenschutz eingebettet ]

Die Bayreuther Festspiele in 3sat

3sat feiert die Bayreuther Festspiele mit dem Ring des Nibelungen in der Inszenierung von Harry Kupfer. Am Pult steht Daniel Barenboim, der die Bayreuther Festspiele 18 Jahre lang maßgeblich geprägt hatte. Mit Rheingold, dem Vorabend der Ring-Tetralogie, und anschließend einer Dokumentation über den Sänger Günther Groissböck steht der Fernsehabend am 25. Juli ab 20.15 Uhr ganz im Zeichen Wotans. Die weiteren Teile dieses Rings von Harry Kupfer werden in der Mediathek von 3sat, auf br-klassik.de und im Webauftritt der Bayreuther Festspiele zu sehen sein.Trotz Corona-bedingten, schwierigen Umständen werden die Stadt Bayreuth und die Bayreuther Festspiele am 25. Juli ganz im Zeichen der Festspieleröffnung ein Konzert veranstalten. Musikdirektor Christian Thielemann und Mitglieder des Festspielorchesters  werden mit den Bayreuther Sängerstars Camilla Nylund und Klaus Florian Vogt Werke von Wagner aufführen. BR-KLASSIKüberträgt das Konzert ab 16 Uhr live im Radio. Einblicke ins Festspielhaus gibt in diesem Sommer die Videoarbeit The Loop of the Nibelungvon Simon Steen-Andersen. Der vielfach ausgezeichnete dänische Komponist und Performance-Künstler geht mit Sängern und Musikern des Festspielorchesters auf audiovisuelle Erkundung des mythischen Bayreuther Festspielhauses und des Werks von Wagner. Die Video-Arbeit ist ab dem 28. Juli im Streaming-Angebot BR-KLASSIK Concert und auf der Website der Festspiele zu erleben.

Richard Wagner Villa am Canale Grande in Venedig © IOCO

Richard Wagner Villa am Canale Grande in Venedig © IOCO

In „Hier gilt’s der Kunst“ widmen sich u. a. Daniel Barenboim, Barrie Kosky, András Schiff, Martina Gedeck und Thea Dorn in einer Gesprächsreihe aus dem Pierre Boulez-Saal in Berlin dem Thema „Wagner, Musik und Politik“. Die Gespräche der Reihe „Diskurs Bayreuth“ werden ab dem 7. August auf BR-KLASSIK Concert veröffentlicht.Archivperlen und Video-Extras

BR-KLASSIKwird außerdem zwei besondere Archivschätze im Radio senden: André Cluytens „Lohengrin“ aus dem Jahr 1958 am 29.7. um 18.05 Uhr sowie Tristan und Isolde unter der Leitung von Herbert von Karajan aus dem Jahr 1952 am 30.7. um 18.05 Uhr. Der Interpretationsvergleich bietet Hörerinnen und Hörern am 31. Juli um 18.05 Uhr einen spannenden und kompakten Einblick in eine Auswahl an Interpretationen zum Fliegenden Holländer. .Auf den Webseiten von BR-KLASSIK und den Bayreuther Festspielen laden spannende Video-Formate wie der „Operncrashkurs Wagner“, die „klassik shorts“, die „Ring-Steckbriefe“ und das „Wagner-ABC“ dazu ein, mehr über die Kraft von Wagners Musik zu erfahren und in die mythischen Welten des „Rings“ einzutauchen.Weitere Informationen zu den Programmhighlights auf bayreuther-festspiele.de, br-klassik.de/bayreuther-festspiele und 3sat.de/kultur/festspielsommer/bayreuther-festspiele-2020

Die Meistersinger von Nürnberg – Barrie Kosky Inszenierung
youtube Trailer von Bayreuth en Vinilo
[ Mit erweitertem Datenschutz eingebettet ]

Kooperation mit der Deutschen Grammophon

Die vier Werke, die für die Bayreuther Festspiele 2020 geplant waren – alle Werke sind HIER! mit der Besprechung eines IOCO-KollegIn verlinkt – Die Meistersinger von Nürnberg – IOCO / Dr. Schneider Besprechung HIER!, IOCO / Uschi Reifenberg Besprechung HIER!,Tannhäuser oder der Sängerkrieg auf der Wartburg – IOCO / Patrik Klein Besprechung HIER!, Lohengrin – IOCO / Ingrid Freiberg Besprechung HIER! und Der Ring des Nibelungen – IOCO / Hanns Butterhof Besprechung HIER!, werden online in jüngsten oder legendären Produktionen aus dem Archiv der Festspiele übertragen. Jedes Werk wird gemäß des ursprünglichen Spielplans des 2020 Wagner-Sommers gezeigt und ist danach weitere 48 Stunden zugänglich.

Kartenbesitzer von DG Stage können an den eigentlich freien Tagen des Bayreuther Festspielkalenders 2020 außerdem erfolgreiche Inszenierungen von Tristan und IsoldeIOCO / Julian Führer Besprechung HIER! – und Parsifal – IOCO / Karin Hasenstein Besprechung HIER! sehen. Als Ersatz für die Neuproduktion des Rings zeigt DG Stage Frank Castorfs viel diskutierte Inszenierung des Zyklus von 2013 (in einer Aufzeichnung von 2016 unter Leitung von Marek Janowski) sowie Patrice Chéreaus gefeierten Jahrhundert-Ring, die wegweisende Produktion aus dem Jahr 1976 mit Pierre Boulez am Pult (in einer Aufzeichnung von 1980).

Die Bayreuther Festspiele auf DG Stagebeginnen am Sonnabend, dem 25. Juli 2020, mit Barrie Koskys Inszenierung von Die Meistersinger von Nürnberg (IOCO / Marcus Haimerl Besprechung HIER!)
Die Saison wird am Sonntag, dem 26. Juli, fortgesetzt mit Tobias Kratzers provokativer und spannender Inszenierung von Tannhäuser aus dem Jahr 2019.
Am Sonntag, dem 2. August, folgt Lohengrin in Yuval Sharons Inszenierung von 2018, der ersten eines amerikanischen Regisseurs seit Gründung der Festspiele 1876.

Deutsche Grammophon und die Bayreuther Festspiele haben gleich zwei Ring-Zyklen ausgewählt (8., 9., 12. & 13. August und 24., 25., 27. & 29. August): Zum einen Frank Castorfs Inszenierung. Zum anderen – unter dem Dirigat von Pierre Boulez – die legendäre Ring-Produktion von Patrice Chéreau, die 1976 anlässlich des 100-jährigen Jubiläums der ersten Gesamtaufführung des Zyklus und der Bayreuther Festspiele auf die Bühne kam.

Interview Christian Thielemann – Bayreuther Festspiele 2016
youtube Trailer BR-KLASSIK
[ Mit erweitertem Datenschutz eingebettet ]

Katharina Wagners Inszenierung von Tristan und Isolde(IOCO Besprechungs HIER!) aus dem Jahr 2015 und Uwe Eric LaufenbergsParsifal von den Festspielen 2016,  (IOCO / Karin HasensteinBesprechung HIER!) erscheinen auf DG Stage am Dienstag, dem 4. bzw. Freitag, dem 28. August. Christian Thielemann dirigiert Tristan und Isolde,der vielseitige deutsche Dirigent Hartmut Haenchen gibt mit Parsifal sein spätes Bayreuth-Debüt  (IOCO Besprechungs  HIER!)

Tickets für die Aufführungen von DG Stage Bayreuthkosten 4,90 € und lassen sich in sicheren Transaktionen online per Kreditkarte und durch die üblichen Zahlungsdienste erwerben. Festspielbesucher erhalten Zugang zu einmaligen Veranstaltungen in modernster Audio- und Videoqualität.

BAYREUTHER FESTSPIELE 2020

25. Juli          Die Meistersinger von Nürnberg (Kosky/Jordan)
26. Juli          Tannhäuser (Kratzer/Gergiev)
02. August    Lohengrin (Sharon/Thielemann)
04. August    Tristan und Isolde (K. Wagner/Thielemann)
08. August    Der Ring des Nibelungen: Das Rheingold (Castorf/Janowski)
09. August    Der Ring des Nibelungen: Die Walküre (Castorf/Janowski)
12. August    Der Ring des Nibelungen: Siegfried(Castorf/Janowski)
13. August    Der Ring des Nibelungen: Götterdämmerung (Castorf/Janowski)
15. August    Lohengrin (Sharon/Thielemann)
19. August    Die Meistersinger von Nürnberg(Kosky/Jordan)
20. August    Tannhäuser (Kratzer/Gergiev)
24. August    Der Ring des Nibelungen: Das Rheingold(Chéreau/Boulez)
25. August    Der Ring des Nibelungen: Die Walküre(Chéreau /Boulez)
27. August    Der Ring des Nibelungen: Siegfried(Chéreau /Boulez)
28. August    Parsifal (Laufenberg/Haenchen)
29. August    Der Ring des Nibelungen: Götterdämmerung (Chéreau/Boulez)

https://bayreuth.dg-stage.com
www.dg-premium.com
www.dg-stage.com

 

Bayreuth, Bayreuther Festspiele, Aktuelles – Festspiele – Katharina Wagner, IOCO Aktuell, 01.05.2020

Festspielhaus Bayreuth © IOCO

Festspielhaus Bayreuth © IOCO

Bayreuther Festspiele – Aktuelles – Festspielzeiten 2020 / 2021

Sorgen um Katharina Wagner

von Viktor Jarosch

Richard Wagner Bayreuth © IOCO

Richard Wagner Bayreuth © IOCO

Ende März 2020 erklärten die Bayreuther Festspiele in einer Mitteilung, dass angesichts der Corona Krise die Festspiele 2020 abgesagt werden müssen:

„Angesichts der bereits jetzt eingetretenen  Auswirkungen der Corona Krise auf dem Betrieb der Bayreuther Festspiele GmbH bedauern Geschäftsführer und Gesellschafter der Bayreuther Festspiele GmbH, daß die Bayreuther Festspiele im kommenden Sommer 2020 ausgesetzt werden müssen. Dadurch müssen die nachfolgenden Festspieljahrgänge umdisponiert werden. In der Saison 2021 werden neben der vorgesehenen  Neuproduktion Der fliegende Holländer  die Wiederaufnahmen Tannhäuser  und  der Sängerkrieg auf der Wartburg, Lohengrin und drei konzertante Aufführungen der Walküre  auf dem Spielplan stehen. Die für diese Saison geplante Neuproduktion Der Ring des Nibelungen kann aus Gründen der Probenplanung voraussichtlich erst im Jahr 2022 Premiere feiern.

Grundsätzlich bleiben die bereits für 2020 gekauften Karten  für die Festspiele 2022 gültig. Zur Klärung der Modalitäten bezüglich konkreter Termine wird das Kartenbüro in den kommenden Wochen alle Kartenkäufer der Festspiele 2020 kontaktieren.

Bayern Kunstminister Bernd Sibler betont hierzu: „Als begeisterter Anhänger der Bayreuther Festspiele und der ausdrucksstarken Musik Richard Wagners bedauere ich es sehr, daß wir in dieser Jahr nicht mehr in den Genuss der Aufführungen auf dem Grünen Hügel kommen. Für das kulturelle Leben ist der Ausfall ein herber Verlust. Die lange Festspieltradition hat im bayerischen Kulturstaat einen hohen Stellenwert.“.

Bayreuth / Festspiele Bayreuth - Katharina Wagner © Matthias Balk

Bayreuth / Festspiele Bayreuth – Katharina Wagner © Matthias Balk

 2020 – Ein schlechtes Jahr für Katharina Wagner

Das Jahr 2020 trifft Katharina Wagner zusätzlich zum Ausfall der Festspiele sehr hart:   Am 19. März 2020 sollte am Gran Teatro del Liceu im Barcelona die Premiere der von ihr inszenierten Lohengrin – Produktion stattfinden: die geplante Besetzung: Klaus Florian Vogt als Lohengrin, Günther Groissböck als Heinrich der Vogler, Erin Wall als Elsa von Brabant; Evelyn Herlitzius als Ortrud   IOCO-Korrespondent  Dr. Julian Führer wäre ebenfalls zur Premiere in Barcelona gewesen: Katharina Wagner hatte Julian Führer / IOCO, auch aufgrund der Besprechung ihrer Tristan und Isolde Inszenierung in Bayreuth, link HIER, persönlich nach Barcelona eingeladen. Wegen der  Ausbreitung des Corona Virus in Spanien wurde die  Lohengrin – Premiere  abgesagt; der IOCO Besuch fiel damit leider ebenfalls aus .

Bayreuther Festspiele 2017 – hier die lebensfrohe Eröffnung mit viel Prominenz
youtube Trailer Bayreuther Festspiele
[ Mit erweitertem Datenschutz eingebettet ]

Ende April 2020 kommt vom Grünen Hügel eine weitere schlechte Nachricht: Katharina Wagner, 42, ist längerfristig erkrankt (nicht am Corona-Virus) und zurzeit nicht geschäftsfähig. Wann sie ihre Arbeit wieder aufnimmt,  kann  zurzeit ebenfalls nicht gesagt werden.  Die Tochter von Wolfgang Wagner (1919 – 2010) und  Urenkelin Richard Wagners (1813-1883)  leitet die Bayreuther Festspiele seit 2015; der Vertrag mit ihr wurde 2019 bis 2025 verlängert.

Der Betrieb der Bayreuther Festspiele wird zurzeit neben Holger von Berg auch von Heinz-Dieter Sense geleitet. Sense, 81, wurde vom Verwaltungsrat und der Gesellschafterversammlung zum weiteren Geschäftsführer der Bayreuther Festspiele bestellt; er vertritt Katharina Wagner kommissarisch. Sense ist mit dem Grünen Hügel und seinen Gepflogenheiten seit Jahren bestens vertraut.

So wünschen auch  IOCO und alle Kollegen hier und heute Katharina Wagner wie den Bayreuther Festspielen von ganzem Herzen baldige Genesung.

—| IOCO Aktuell Bayreuther Festspiele |—

Nächste Seite »

Diese Webseite benutzt Google Analytics. Die User IPs werden anonymisiert. Wenn Sie dies trotzdem unterbinden möchten klicken Sie bitte hier : Click here to opt-out. - Datenschutzerklärung