Baden-Baden, Festspielhaus, EIN DEUTSCHES REQUIEM – WALZER, 30.10.2020

Oktober 19, 2020  
Veröffentlicht unter Festspielhaus Baden-Baden, Konzert, Pressemeldung

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Festspielhaus Baden – Baden

Festspielhaus Baden-Baden © Festspielhaus Baden-Baden

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Ein deutsches RequiemKatharina Konradi und Matthias Goerne

„Aus vollem Herzen beschenken“

Thomas Hengelbrock und die Balthasar-Neumann-Ensembles mit großem Chor erstmals wieder im Festspielhaus Baden-Baden / Johannes Brahms und Johann Strauß trafen sich einst an der Oos.

Ein großes sinfonisches und Chor-Musik-Wochenende steht in Baden-Baden bevor. Dirigent Thomas Hengelbrock und seine Balthasar-Neumann-Ensembles kommen zu vier Konzerten vom 30. Oktober bis zum 1. November 2020 ins Festspielhaus Baden-Baden und interpretieren große Werke von Johannes Brahms und Johann Strauß.

Festspielhaus Baden-Baden / Balthasar-Neumann-Ensembles - Madrid © Florence Grandidier

Festspielhaus Baden-Baden / Balthasar-Neumann-Ensembles – Madrid © Florence Grandidier

Im Mittelpunkt des Allerheiligen-Wochenendes stehen zwei Aufführungen des Deutschen Requiems von Johannes Brahms am Freitag, 30. Oktober sowie am Samstag, 31. Oktober um 20 Uhr. Die Solisten im Requiem sind Katharina Konradi (Sopran) und Matthias Goerne (Bariton).

Ein deutsches Requiem

Johannes Brahms war kein Christ im üblichen Sinn. Zwar kam er aus der Tradition des norddeutschen Protestantismus und las, wie er mehrfach betonte, täglich in der Bibel. Dennoch lehnte er zentrale Glaubenssätze des Christentums (katholischer wie evangelischer Konfession) für sich ab, und das bestimmte auch seine sehr persönlich geprägte Textauswahl im Requiem, die sich nicht direkt auf die katholische Liturgie bezieht, sondern verschiedene Bibelstellen verwendet.

Anstelle der vormals geplanten Konzerte mit dem Orchestre National de Paris spielt das Balthasar-Neumann-Ensemble am 31. Oktober um 16 Uhr sowie am 1. November (Sonntag), um 11 Uhr ein Programm mit Walzern und Vokalwerken von Walzerkönig Johann Strauß sowie die dritte Sinfonie von Johannes Brahms F-Dur op. 90.

Da die Balthasar-Neumann-Ensembles in einer „Quarantäne-Blase“ leben und fast täglich getestet werden, ist ein Musizieren auf der großen Festspielhaus-Bühne mit Chor und Orchester möglich. Auch der Sicherheitsabstand zum Publikum ist behördlich genehmigt und entsprechend groß.

Die Balthasar-Neumann-Ensembles waren im September die ersten Ensembles, die in Deutschland seit März 2020 und der folgenden Corona-Unterbrechung wieder Chor- und Orchesterwerke gemeinsam auf einer Bühne aufführen konnten.

Festspielhaus Baden-Baden / Thomas Hengelbrock © Florence Grandidier

Festspielhaus Baden-Baden / Thomas Hengelbrock © Florence Grandidier

Thomas Hengelbrock sagt dazu im aktuellen Festspielhaus-Magazin: „Wir hoffen sehr, dass wir durch unsere strengen Hygienekonzepte allen Politikern und dem Publikum zeigen können: Ihr seid absolut sicher. Und nicht nur das: Wir wollen versuchen, Euch mit vollem Herzen zu beschenken.“

Für alle vier Konzerte gibt es derzeit noch Eintrittskarten unter www.festspielhaus.de. Die Reservierung mit persönlicher Beratung erfolgt telefonisch unter Tel. 07221 / 30 13 101.

Thomas Hengelbrock hebt den tröstenden Charakter des Werkes hervor: „Seelig sind die, die da Leid tragen, denn sie sollen getröstet werden.“ Das ist eine Botschaft für die Menschen, die eine schwere Zeit hatten. Es ist kein Abgesang auf die Gestorbenen, sondern eine Trostbotschaft für die Weiterlebenden.

Festspielhaus Baden-Baden / Matthias Goerne © Marie Staggat

Festspielhaus Baden-Baden / Matthias Goerne © Marie Staggat

Katharina Konradi und Matthias Goerne
Mit Katharina Konradi und Matthias Goerne werden außergewöhnliche Stimmen im „Deutschen Requiem“ zu hören sein. Matthias Goerne singt an Bühnen von Weltruf wie der Wiener Staatsoper, der Mailänder Scala und der Metropolitan Opera New York. Neben großen Rollen in Opern von Wagner und Richard Strauss zählen die Titelpartien in Bartóks „Herzog Blaubarts Burg“, in Hindemiths „Mathis der Maler“ und in Bergs „Wozzeck“ zu seinem Repertoire. Er war Residenzkünstler bei New York Philharmonic und an der Elbphilharmonie Hamburg, das Concertgebouworchester Amsterdam, Israel Philharmonic, die Berliner Philharmoniker und weitere bedeutende Orchester arbeiten mit ihm zusammen. Auch das Lied spielt eine wichtige Rolle in seiner Tätigkeit. Seine Aufnahmen wurden unter anderem mit dem Grammy Award und dem Preis der deutschen Schallplattenkritik ausgezeichnet. Zu den Lehrern des in Weimar geborenen Sängers zählen Elisabeth Schwarzkopf und Dietrich Fischer-Dieskau.

Festspielhaus Baden-Baden / Katharina Konradi © Simon Pauly

Festspielhaus Baden-Baden / Katharina Konradi © Simon Pauly

Von Wiesbaden nach Bayreuth
Die in Kirgistan geborene Sopranistin Katharina Konradi wurde nach ihrem Studium in Berlin und Hamburg zunächst ans Hessische Staatstheater Wiesbaden engagiert, wo sie unter anderem Mozartpartien wie Susanna und Pamina sang. Mit Ännchen in Webers „Freischütz“ gab sie ihr Debüt in Hamburg, Zdenka in „Arabella“ von Richard Strauss war ihre erste Rolle an der Semperoper Dresden. Seit der Spielzeit 2018/19 ist sie Solistin im Ensemble der Hamburgischen Staatsoper. Im kommenden Frühjahr gibt sie ihr Debüt als Sophie in Strauss´ „Rosenkavalier“ an der Bayerischen Staatsoper München, im Sommer kehrt sie als Junger Hirte in „Tannhäuser“ zu den Bayreuther Festspielen zurück. Das Brahms-Requiem zählt zu ihren Lieblingswerken.

Historische Dimensionen
Die Programme des Festspiel-Wochenendes mit Thomas Hengelbrock und den Balthasar-Neumann-Ensembles erinnern an ein musikalisches Gipfeltreffen an gleicher Stelle – allerdings schon im 19. Jahrhundert. Für mehrere Jahre hatte Johannes Brahms in Baden-Baden sein Sommerquartier bezogen, komponierte hier und tauschte sich mit seiner guten Freundin, der Pianistin und Komponistin Clara Schumann aus.

Natürlich kannte Johannes Brahms seinen weltweit gefeierten Kollegen Johann Strauß und bewunderte dessen Kreativität, immer wieder wunderbare Melodien zu erfinden. Als Strauß in der Saison 1871/1872 vom geschäftstüchtigen Kunsthändler Louis Katzau erstmals nach Baden-Baden gelotst worden war, versäumte Brahms keines der Konzerte des Walzerkönigs, die er im „Kiosk vor dem Conservationshause“ mit dem örtlichen Orchester gab. Berühmt wurde später Brahms‘ Kommentar zum Walzer „An der schönen blauen Donau“: „Leider nicht von mir.“

Thomas Hengelbrock möchte an die beiden großen Dirigenten und Komponisten erinnern und setzt daher vor die dritte Sinfonie von Johannes Brahms drei Werke von Johann Strauß. Zum Auftakt des Konzertprogramms am 31. Oktober und 1. November 2020 erklingt der Walzer „Seid umschlungen, Millionen“ – eine Hommage von Johann Strauß an Johannes Brahms. Brahms-Freund Eduard Hanslick schrieb in seinem Feuilleton am 6. April 1892 in der „Neuen Freien Presse“ über die Wiener Uraufführung des Walzers: „Die größte Begeisterung, den lautesten Jubel in der letzten Zeit hat unser Johann Strauß heraufbeschworen mit seiner neuen Walzerparthie: ‚Seid umschlungen, Millionen‘! In Wahrheit werden bald Millionen sich umschlungen fühlen von den verführerischen Rhythmen dieses Walzerhymnus ‚an die Freude‘. Die Composition ist Brahms gewidmet – geniale Naturen erkennen einander auch auf den verschiedensten Gebieten. Brahms und Strauß – jeder ist der Erste in seinem Fach.“
Anschließend ist die Sopranistin Katarina Konradi die Solistin im Wienerlied „Draußen in Sievering blüht schon der Flieder“ sowie in „Es hat dem Grafen nichts genützt… Grüß dich Gott, du liebes Nesterl!“ aus der Operette „Wiener Blut“.

Fr. 30. und Sa., 31. Oktober 2020, 20 Uhr
JOHANNES BRAHMS: EIN DEUTSCHES REQUIEM
Katharina Konradi, Sopran
Matthias Goerne, Bariton
Thomas Hengelbrock, Dirigent
Balthasar-Neumann-Chor- und –Ensemble

Sa., 31. Oktober und Sonntag 1. November 2020, 16 Uhr
JOHANN STRAUß UND JOHANNES BRAHMS
„Seid umschlungen, Millionen“, Konzertwalzer von Johann Straus
Arien von Johann Straus
Sinfonie Nr. 3 F-Dur, Johannes Brahms

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Baden-Baden, Festspielhaus, ECHO Rising Star – Diana Tishchenko, 25.10.2020

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 ECHO Rising Star – Diana Tishchenko

spielt im Festspielhaus Baden-Baden

„Es macht mir Freude, eine Geschichte durch die Musik mit dem Publikum zu teilen. Ich glaube, dass das Herausfinden der Essenz der Ideen des Komponisten, meine persönliche Vision mir die beste Möglichkeit gibt, um das Herz der Menschen zu erreichen. Es gibt kein besseres Gefühl, als einen Zuhörer bewegen zu können, mit einer Geschichte, die ich erzählen kann“ beschreibt Diana Tishchenko ihre Konzertmotivation. Zu tragen kommt diese im Festspielhaus Baden-Baden in der Sonntags-Matinee am 25. Oktober 2020, 11 Uhr.

Festspielhaus Baden-Baden / Diana Tishchenko © Andrej-Grilc

Festspielhaus Baden-Baden / Diana Tishchenko © Andrej-Grilc

In dem Kammerkonzert, das die Violinistin gemeinsam mit dem ungarischen Pianisten Zoltán Fejérvári bestreitet, stellt sie Klassikern des Repertoires zwei Entdeckungen gegenüber: Die Klassiker sind Schuberts C-Dur-Violinphantasie und Ravels „Tzigane“. Zu entdecken gibt es den „Seiltänzer“ der Komponistin Sofia Gubaidulina sowie die Erstaufführung einer Komposition für Solovioline des portugiesischen Komponisten Vasco Mendonça.

Schuberts virtuose „Phantasie für Violine und Klavier“ wurde 1827 vollendet. Sie zählt wie seine achte Sinfonie, und das Streichquintett zu Schuberts Spätwerk. Gemein ist diesen Werken, dass sie alle in C-Dur komponiert wurden. Die klassische Tonart ist überraschend – insbesondere bei der Violin-Phantasie, die überaus eindrucksvoll mit mystischen Nebelklängen anhebt. Denn ganz so werden viele Jahrzehnte später Bruckners Sinfonien beginnen.

Ravels Rhapsodie „Tzigane“ von 1924 zählt zu den virtuosesten Werken der Violinliteratur: Eine wilde, effektvolle Phantasie, die das Publikum regelrecht in Rausch zu versetzen vermag. Der französische Komponist hat diese Musik, die ursprünglich für Violine und Luthéal entstand (eine zusätzliche mechanische Ausrüstung für Konzertflügel) auch für Violine und Orchester gesetzt. Das Luthéal kommt nur äußerst selten zur Anwendung, meistens – so auch im aktuellen Fall – wird das Stück in der Kammerfassung von einem unpräparierten, also ‚normalen‘ Konzertflügel gespielt.

Festspielhaus Baden-Baden / Diana Tishchenko © Evgeney-Evtyukhov

Festspielhaus Baden-Baden / Diana Tishchenko © Evgeney-Evtyukhov

Ein präpariertes Klavier hingegen verlangt die russische Komponistin Sofia Gubaidulina für ihren „Seiltänzer“ von 1993. Der Pianist muss die Saiten des Flügels mit Wasserglas und Fingerhüten verfremden und auch der Violine werden ungewöhnliche Klänge entlockt. Dennoch oder gerade deswegen: Sofia Gubaidulina zählt zu den erfolgreichsten Komponisten der Gegenwart. Die Effekte in ihrer Musik stehen im Dienste eines Ausdrucks, der sich ganz unmittelbar dem Publikum mitzuteilen vermag.

Das Programm wird ergänzt um eine Erstaufführung für Solovioline des Komponisten Vasco Mendonça. Er schrieb es für Diana Tishchenko im Rahmen ihres ECHO-Rising-Star-Stipendiums, beauftragt von der Casa da Música Porto, der Cité de la Musique-Philharmonie de Paris und der European Concert Hall Organisation. Mit der Reihe Rising Stars haben jedes Jahr ausgezeichnete Nachwuchstalente die Möglichkeit, durch die großen europäischen Konzerthäuser zu touren, um ihre außergewöhnlichen musikalischen Fähigkeiten unter Beweis zu stellen.

Festspielhaus Baden-Baden / Diana Tishchenko © Evgeney-Evtyukhov

Festspielhaus Baden-Baden / Diana Tishchenko © Evgeney-Evtyukhov

Die ukrainische Geigerin Diana Tishchenko erweist sich als eine der aufregendsten Nachwuchskünstlerinnen der letzten Jahre. Sie wurde 1990 auf der Krim in der Ukraine geboren und begann als Sechsjährige mit dem Geigenspiel. Ihre musikalische Ausbildung erhielt sie an der Lysenko Spezialmusikschule in Kiew und an der Hochschule für Musik ›Hanns Eisler‹ Berlin. Mit 18 wurde sie Mitglied des Gustav Mahler Jugendorchesters und später die jüngste Konzertmeisterin in dessen Geschichte. Sie ist Preisträgerin zahlreicher bedeutender Wettbewerbe ausgezeichnet; darunter als Finalistin beim Musikwettbewerb der ARD, beim Oistrach-Violinwettbewerb in Moskau sowie dem Isaac Stern-Wettbewerb in Shanghai. 2017 gewann sie beim Felix Mendelssohn-Bartholdy Hochschulwettbewerb in Berlin und 2018 beim renommierten Internationalen Violinwettbewerb Long Thibaud Crespin den ersten Preis sowie dem Spezialpreis des Labels Warner Classics. Zu ihren Verpflichtungen zählen Auftritte mit dem Deutschen Symphonie-Orchester Berlin, den Hamburger Symphonikern, dem Münchener Kammerorchester, Orchestre national d’Île-de-France, Orchestre Philharmonique de Strasbourg, dem Shenzhen Symphony Orchestra und Festivals wie dem Verbier Festival. Sie arbeitetet mit Dirigenten wie Lahav Shani, Joshua Weilersteinund Christian Ehwald.

In der Sonntags-Matinee am 25. Oktober begleitet sie am Klavier Zoltan Fejérvári. Der ungarische Pianist, geboren 1986 in Budapest, studierte bei an der Franz-Liszt-Akademie in seiner Heimatstadt und bei Dmitri Bashkirov in Madrid. 2017 ging er als Sieger aus dem „Concours musical international de Montréal“ hervor undwä Sir András Schiff hlte ihn für sein Projekt „Building Bridges“ aus, das hochbegabte junge Pianisten vorstellt. Konzerte führten ihn in den Münchner Gasteig, den Palau de Música Valencia, nach Turin und Buenos Aires- Auch in den Vereinigten Staaten ist er schon zu hören gewesen und spielte in der New Yorker Carnegie Hall, im Kimmel Center in Philadelphia oder in der Library of Congress in Washington D.C. Als Solist arbeitete Zoltán Fejérvári mit dem Budapest Festival Orchestra, dem Ungarischen Nationalorchester, dem Verbier Festival Orchestra und dem Concerto Budapest zusammen.

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Baden-Baden, Brenners Park-Hotel, Anna Zassimova – Russischer Jugendstil und deutsche Romantik, 09. & 09.08.2020

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Festspielhaus Baden-Baden © Festspielhaus Baden-Baden

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Russischer Jugendstil und deutsche Romantik

 Pianistin Anna Zassimova verknüpft Musik und bildende Kunst

Samstag, 8. August 2020, 17 Uhr
Sonntag, 9. August 2020, 11 Uhr
Brenners Park-Hotel, Orangerie

Das Baden – Badener „En Suite“-Festival des Festspielhauses geht weiter: Am zweiten Augustwochenende spielt die Pianistin Anna Zassimova in der Orangerie des Brenners Park-Hotels. Am Samstag, 8. August, stehen Werke des russischen Jugendstils auf dem Programm, am Sonntag widmet sie sich der Romantik mit Werken von Schumann, Liszt und Brahms. Als reizvollen Aha- Effekt für die Besucher setzt Annna Zassimova Musik in Verbindung mit bildender Kunst.

Festspielhaus Baden-Baden / Anna Zassimova @ Victoria Page

Festspielhaus Baden-Baden / Anna Zassimova @ Victoria Page

Im Jahr 2017 debütierte die in Baden-Baden lebende Anna Zassimova beim Klavier-Festival Ruhr und hinterließ einen großartigen Eindruck. Die gebürtige Moskauerin, die zugleich Kunsthistorikerin und promovierte Musikwissenschaftlerin ist, hat sich als Meisterin im Heben pianistischer Schätze erwiesen. Besonders die Wiederentdeckung des russisch-französischen Komponisten Georges Catoire ist eng mit ihrem Namen verknüpft. Anna Zassimova, die inzwischen an der Musikhochschule in Karlsruhe unterrichtet, gilt außerdem als herausragende Chopin-Interpretin.

Ihr Konzert am Samstag 8. August 2020, 17 Uhr im Rahmen des En Suite-Festivals in der Orangerie des Brenners Park-Hotel soll die Zuhörer in die ferne Terra incognita der Komponisten- und Maler-Bohème des Jugendstil- und Fin de siècle der Russischen Kunst entführen. Dabei wird die bildende Kunst in einen Dialog mit der Musik treten, um den Parallelen dieser Schwesterkünste nachzuspüren. Ihrer gemeinsamen Ideenwelt und ihres Zeitgeistes, ihrer Suche nach Neuem und ihrer gleichzeitigen Sehnsucht nach der Vollkommenheit Alter Meister und einer absoluten Schönheit.

Beispielhaft stehen für diese Entwicklung die moderne atonale Aufbaustruktur und die dichten Harmonien von Nikolai Roslawez oder die im Konzert zu hörende Sonate von Nikolaj Medtner, in der die traditionellen harmonischen Prinzipien des Komponierens in erlesenster Form ausgearbeitet sind.

Vergleichbare Entwicklungen in der bildenden Kunst werden von Anna Zassimova sowohl mit den mystischen Bildern von Michail Wrubel als auch den märchenhaften Motiven von Alexander Benois oder den poetisierten Darstellungen der russischen Natur von Isaak Levitan aufgezeigt. Eine Veranstaltung, die den Besucher über das Hören und Sehen zu einer außergewöhnlichen Wahrnehmung einlädt. Die Künstlerin des Abends, die auch für das Konzept verantwortlich ist, hat den Fokus ‚russischer Jugendstil‘ ganz bewußt gewählt: „Ich staune immer wieder darüber, wie viele Schätze noch zu entdecken sind im Klavierrepertoire dieser Epoche und wie hoch die Qualität dieser selten gespielten Werke ist. Natürlich bringt die Zeit am Ende alles an seinen Platz – nur dauert das manchmal leider ziemlich lange…Trotzdem war die Idee zu diesem Programm nicht die Ansammlung von Rarita?ten russischer Klaviermusik, sondern die Abbildung eines lebendigen musikalischen Ausschnitts aus jener spannenden Periode, in der die europa?ische Welt sich rasend schnell und dramatisch vera?nderte.“

Festspielhaus Baden-Baden / Anna Zassimova @ Magnus Arrevad

Festspielhaus Baden-Baden / Anna Zassimova @ Magnus Arrevad

Am Sonntag, dem 9. August, begibt sich Anna Zassimova mit ihrem Publikum auf eine Reise in die Romantik. Unter dem Motto „Meine Seele, mein Saitenspiel“ präsentiert sie Meisterwerke romantischer Klaviermusik von Johannes Brahms, Robert und Clara Schumann, Franz Liszt und Frèderic Chopin mit Bildern von Kaspar David Friedrich, Anselm Feuerbach, Arnold Böcklin, Camille Corot und Eugene Delacroix.

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Baden-Baden, Museum Frieder Burda, Schumann Quartett – Beethoven, 25. & 26.07.2020

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Festspielhaus Baden-Baden © Festspielhaus Baden-Baden

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„Doch noch Beethoven“

Schumann Quartett gastiert im Museum Frieder Burda

Samstag 25 Juli 2020 und Sonntag 26. Juli 2020, jeweils 19.30 Uhr
Im Museum Frieder Burda in Kooperation mit dem Hotel Der kleine Prinz

Vom Jagdvergnügen zum philosophischen Manifest: So ließe sich die Entwicklung des klassischen Streichquartetts beschreiben, die das Schumann-Quartett in seinen zwei „En Suite“-Konzerten nachvollziehen wird. Auf dem Programm stehen am Samstag, 25. Juli 2020 zwei Streichquartette von Beethoven und am Sonntag, 26. Juli 2020 jeweils ein Streichquartett von Ludwig van Beethoven und eines von Joseph Haydn. Die Konzerte im Museum Frieder Burda in Kooperation mit dem Hotel Der kleine Prinz beginnen jeweils um 19.30 Uhr.

Festspielhaus Baden-Baden / Schumann-Quartett @ Kaupo-Kikkas

Festspielhaus Baden-Baden /
Schumann-Quartett @ Kaupo-Kikkas

Nachdem das Schumann Quartett im Festspielhaus im Januar das Baden- Badener Publikum begeisterte, stehen seine Konzerte beim „En Suite“-Festival ganz im Zeichen des Jubilars des Musikjahres 2020: Ludwig van Beethoven. Spannend ergänzt wird das exklusiv für Baden-Baden zusammengestellte Beethoven-Programm durch den am Sonntag zu hörenden Beitrag von Joseph Haydn: Haydns Opus 1 Nr. 1 – sein allererstes Quartett und auch das erste Streichquartett überhaupt. Zusammen mit Beethovens erstem Quartett markiert es den Anfang einer ganzen Entwicklung. Beethovens sogenanntes Razumovsky-Quartett und das späte cis-Moll-Quartett des Komponisten stehen für die gesamte Spannweite des Streichquartetts in der Tradition der Wiener Klassik von seinen Anfängen bis zur Überwindung. Am Samstag, dem 25. Juli spielt das Schumann Quartett Beethovens Op. 18 Nr. 3 und das monumentale,  zum Spätwerk zählende Streichquartett Op. 131. Am Sonntag, den 26.Juli folgen dann das erste aller Streichquartett, Haydns Op. 1 Nr. 1 und Beethovens Op. 59. Nr. 1.

Zu den Werken selbst:
Ganz in der Tradition seiner Vorgänger Haydn und Mozart hat Beethoven seine ersten Quartette in einer Sechser-Sammlung herausgegeben. Die sechs Quartette Op. 18 wurden 1801 veröffentlicht. Das dritte Werk der Sammlung entstand dabei als erstes bereits zwischen 1798 und 1799. Es steht in D-Dur und beginnt mit einem lieblichen Thema, dessen sinnliche Septimen und weibliche Anfangskadenzen noch bewusst an die Rokoko-Welt Mozarts erinnern.

Und dann: Seine Neunte Sinfonie, die Missa solemnis und das cis-Moll Quartett – diese drei Werke des Spätwerks Beethovens sprengen alle Maßstäbe. Beethovens cis-Moll-Quartett Op. 131 von 1826 ist gigantisch: Mit seinen sieben ineinander übergehenden Sätzen spreng es alles bis dahin Dagewesene und sollte erst im zwanzigsten Jahrhundert noch übertroffen werden. Der zentrale Satz ist das Adagio, das als Quartett im Quartett angelegt wurde. Die einzelnen Variationen des Satzes ergeben dabei zusammen die vier klassischen Quartettsätze. Hier wird eine Klassizität zitiert, die das Quartett aber als Ganzes überwindet. Seine Fuge im ersten Satz geht auf Bach und Palestrina zurück. Vom ersten Ton an verdeutlicht das Werk eine philosophische Grundhaltung, ein Von-den-letzten-Dingen-Sprechen, das charakteristisch für das gesamte Spätwerk Beethovens ist.

Die späten Quartette Beethovens sind auch deshalb so allumfassend, weil sie die bis dahin übliche Viersätzigkeit erweitern. Den mit seinen fast 400 Takten längsten ersten Satz aller Beethovenquartette findet man jedoch in seinem Op. 59. Nr. 1 – dem ersten der drei Razumovsky-Quartette von 1806, welches Sonntag auf dem Programm steht. Diese Quartette stehen für den von Beethoven so genannten „neuen Weg“. Der Komponist stellte alle musikalischen  Parameter auf den Prüfstand gelegt – im Op. 59 Nr. 1 die Länge. Solche Experimente konnte sich Beethoven auch deshalb leisten, weil er sich von dem russischen Diplomaten Andrei Kirillowitsch Rasumowski finanziell unterstützt wusste, einem großen Bewunderer des Komponisten, der zum Widmungsträger der Quartette Op. 59 wurde. Ihm zu Ehren hat Beethoven in seinen Quartetten Op. 59 russische Volksmelodien verarbeitet, so findet sich im ersten Quartett
eine russische Volksmelodie im Finale.

Würde man das riesige cis-Moll-Quartett mit einem gewaltigen Baum vergleichen, dann gliche Haydns Op.1 Nr. 1 in B-Dur einem Samen. In diesem kleinen fünfsätzigen Werk von 1755 ist schon vieles en-miniature erhalten: etwa der Beginn des langsamen Satzes im Kirchenstil, der an ähnliche Übernahmen in Beethovens Op. 131 denken lässt. Haydns Quartett beginnt mit einem Jagdthema – Mozart und auch noch Brahms werden bewundernd daran anknüpfen.

Festspielhaus Baden-Baden / Schumann-Quartett @ Kaupo-Kikkas

Festspielhaus Baden-Baden /
Schumann-Quartett @ Kaupo-Kikkas

Zu den Künstlern:
Seit ihrer frühesten Kindheit spielen die drei im Rheinland großgewordenen Brüder Mark, Erik und Ken Schumann zusammen. 2012 ist die in Tallinn geborene und in Karlsruhe aufgewachsene Liisa Randalu als Bratschistin dazu gekommen. Die Vier genießen die nonverbale Kommunikation beim Musizieren: Ihre unterschiedlichen Persönlichkeiten treten dabei deutlicher hervor, und gleichzeitig entsteht mit jedem Werk, das sie interpretieren, ein gemeinsamer musikalischer Raum, findet eine geistige Metamorphose statt. Vielleicht sind diese Offenheit und Neugierde die entscheidenden Einflüsse von Lehrern wie Eberhard Feltz, dem Alban Berg Quartett oder Partnern wie Menahem Pressler, Sabine Meyer und Andreas Ottensamer. Ihre Leistung wurde mit dem ersten Preis beim renommierten Streichquartett- Wettbewerb 2013 in Bordeaux und mit einem ersten Preis beim Internationalen Wettbewerb „Schubert und die Musik der Moderne“ 2012 in Graz honoriert.

Ihre Einspielungen sind mehrfach preisgekrönt, so wurde etwa ihr aktuelles  Album „Intermezzo“ mit dem OPUS Klassik 2019 in der Kategorie „Kammermusikeinspielung des Jahres“ ausgezeichnet. Lehrer, musikalische Partner, Preise, Veröffentlichungen – gerne werden Stufen konstruiert um herzuleiten, warum viele das Schumann Quartett heute zu den besten überhaupt zählen. Versuche, ihnen einen Klang, eine Position, eine Spielweise zuzuordnen, hebeln die vier Musiker gleichwohl charmant aus,
lassen allein die Konzerte für sich sprechen.

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