Baden-Baden, Festspielhaus, Adriana Lecouvreur mit Anna Netrebko, 20./23.07.2018

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Festspielhaus Baden – Baden

Festspielhaus Baden-Baden © Festspielhaus Baden-Baden

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Eifersuchtskrimi   – Adriana Lecouvreur

Anna Netrebko mit Ehemann – 20. – 23. Juli 2018 in Baden-Baden

Anna Netrebko und Yusif Eyvazov stehen erstmals in einer szenischen Oper gemeinsam auf der Bühne des Festspielhauses Baden-Baden. Am 20. und 23. Juli 2018 singen sie unter der Leitung von Valery Gergiev in der Oper Adriana Lecouvreur. Für die zweite Vorstellung am 23. Juli 2018 gibt es noch Eintrittskarten, teilt das Festspielhaus mit.

Festspielhaus Baden-Baden / Anna Netrebko und Yusif Eyvazov © Vladimir Shirokov

Festspielhaus Baden-Baden / Anna Netrebko und Yusif Eyvazov © Vladimir Shirokov

Das Künstlerpaar gab sich privat 2015 das Jawort und spielt in Baden-Baden nun zwei unerfüllt Liebende, deren Ende tragisch ist. In Francesco Cileas Opernkrimi Adriana Lecouvreur verkörpert die Weltklasse-Sopranistin die Titelrolle. Yusif Eyvazov, der erst vor wenigen Tagen wie auch Anna Netrebko in der Eröffnungsgala der Fußball-Weltmeisterschaft auf dem Roten Platz in Moskau sang, übernimmt die Partie des von Adriana geliebten Fähnrichs Maurizio. Ekatarina Semenchuk gibt die eifersüchtige Fürstin von Bouillon, die ihre vermeintliche Nebenbuhlerin Adriana vergiftet.

Festspielhaus Baden-Baden / Adriana Lecouvreur - Anna Netrebko © Natasha Razina / State Academic Mariinsky Theatre

Festspielhaus Baden-Baden / Adriana Lecouvreur – Anna Netrebko © Natasha Razina / State Academic Mariinsky Theatre

Adriana Lecouvreur wurde 2017 im Mariinsky Theater neu inszeniert. Das St. Petersburger Publikum war hingerissen – und dies nicht nur wegen der üppigen Kostüme, die an das 18. Jahrhundert erinnern. Valery Gergievs Dirigat sorgte dafür, dass die bis in die 1920er Jahre weltweit beliebte Oper – Uraufführung feierte sie 1902 – neu in Russland entdeckt wurde.

Francesco Cilea ließ sich von dem Schauspiel Adrienne Lecouvreur der Autoren Scribe und Legouvé zu seiner Oper inspirieren. Im Mittelpunkt steht die Intrige der ihrerseits untreuen Fürstin von Bouillon gegen die beliebte Schauspielerin Adriana Lecouvreur. Die Künstlerin verhilft der Adligen zu einem Alibi, während sich die Fürstin, von Maurizio zurückgewiesen, in blinder Eifersucht gegen dessen Geliebte Adriana wendet.

Festspielhaus Baden-Baden / Adriana Lecouvreur - Anna Netrebko und Yusif Eyvazov © Natasha Razina / State Academic Mariinsky Theatre

Festspielhaus Baden-Baden / Adriana Lecouvreur – Anna Netrebko und Yusif Eyvazov © Natasha Razina / State Academic Mariinsky Theatre

Die zentrale Personenkonstellation gleicht der Anordnung eines modernen Psycho-Thrillers. Die extrovertierte und intrigante Fürstin trifft auf die bürgerliche Künstlerin und fühlt sich moralisch überlegen. Dabei handelt die Adlige zutiefst unmoralisch und ignoriert, dass ihr Angebeteter ihre Liebe nicht erwidert. Im Mord an der vermeintlichen Rivalin sieht die Fürstin eine Chance, die nur in ihrer Fantasie existierende Beziehung zu Maurizio zu retten. Adriana wiederum bleibt ehrlich und kann ihre Gefühle nicht verbergen. Bis an ihr Ende lässt sie sich nicht in das böse Spiel der Fürstin hineinziehen.

Festspielhaus Baden-Baden / Adriana Lecouvreur - Anna Netrebko und Yusif Eyvazov © Natasha Razina / State Academic Mariinsky Theatre

Festspielhaus Baden-Baden / Adriana Lecouvreur – Anna Netrebko und Yusif Eyvazov © Natasha Razina / State Academic Mariinsky Theatre

Dies alles verbindet Francesco Cilea mit wunderschöner Musik. Adrianas Arien und Duette mit Maurizio sind von großer Würde und einer klingenden Wahrhaftigkeit geprägt, die zu Tränen rühren. Dagegen hat die Fürstin große emotionale Ausbrüche – das stark besetzte Orchester macht hier deutlich, dass wir uns in der Ära von Puccini und Richard Strauss befinden.

Genau vor 20 Jahren gastierte das Mariinsky Theater aus St. Petersburg zum ersten Mal im damals neu eröffneten Festspielhaus Baden-Baden. Anna Netrebko sang hier bereits 2001 – drei Jahre bevor sie erstmals bei den Salzburger Festspielen reüssierte. Ihr Entdecker Valery Gergiev hatte sie zuerst in Baden-Baden vorgestellt und später mit ihr weitere Erfolge – unter anderem in der Tschaikowsky-Oper „Jolanthe“ an der Oos gefeiert.

—| Pressemeldung Festspielhaus Baden-Baden |—

Baden-Baden, Festspielhaus, Zauberflöte konzertant – Nézet-Séguin – Villazón, 08.-14.07.2018

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Festspielhaus Baden-Baden © Festspielhaus Baden-Baden

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ZAUBERFLÖTE –  Krönung einer langen Reise

Baden-Baden-Gala 2018 –  8., 11., 14 Juli 2018

Mit Wolfgang Amadeus Mozarts Oper Die Zauberflöte feiert das Festspielhaus Baden-Baden am 8., 11. und 14. Juli im Rahmen der Sommerfestspiele seine Baden-Baden-Gala 2018. Der designierte Musikchef der New Yorker Metropolitan Opera, Yannick Nézet-Séguin und Opernstar Rolando Villazón bringen zum sechsten Mal ein erlesenes Ensemble für die konzertante Aufführung einer Mozart-Oper an der Oos zusammen.

Festspielhaus Baden-Baden / Rolando Villazon © Dario_Acosta / Deutsche Grammophon

Festspielhaus Baden-Baden / Rolando Villazon © Dario_Acosta / Deutsche Grammophon

[Von Rolando Villazon wurden verschiedene Aufnahmen bei der deutschen Grammophon veröffentlicht.]

Dirigent Yannick Nézet-Séguin, Rolando Villazón und der Baden-Badener Festspielhaus-Intendant Andreas Mölich-Zebhauser hatten vor einigen Jahren eine ebenso gute wie schwer umsetzbare Idee: So viele Mozart-Opern wie möglich sollten mit einem Star-Ensemble konzertant aufgeführt und vom Musiklabel Deutsche Grammophon in Baden-Baden aufgenommen werden. Die Idee dahinter war die Bildung eines Ensembles aus Solisten, die in dieser Konstellation kaum für längere Zeit an einem Theater zusammenkommen könnten – letztlich ein „Festspielgedanke“.

Festspielhaus Baden-Baden / Yannick Nezet_Seguin © Hans van der Woerd

Festspielhaus Baden-Baden / Yannick Nezet Seguin © Hans van der Woerd

Mittlerweile können alle Beteiligte auf eine erfolgreiche Reihe blicken. Le nozze di Figaro, Don Giovanni, Cosí fan tutte, Die Entführung aus dem Serail und La clemenza di Tito wurden bereits in Baden-Baden sehr erfolgreich aufgeführt und bilden auch bei Deutsche Grammophon einen gewichtigen Mozart-Block im CD-Regal.

Mit der Zauberflöte schlagen alle Partner dieses Projekts nun ein besonders populäres Mozart-Kapitel neu auf. Das märchenhafte Singspiel aus dem Jahr 1791 gilt als beliebteste Oper des deutschsprachigen Raums. Im Mittelpunkt der Handlung stehen der Prinz Tamino und die Prinzessin Pamina, die schwierige Prüfungen bestehen müssen, um letztlich zueinander zu finden. Die Königin der Nacht und Fürst Sarastro liefern sich im Hintergrund eine erbitterte Fehde, die das junge Glück zerstören könnte. Als „komisches Paar“, ganz in der Tradition des Alt-Wiener Volkstheaters, lernen wir den Vogelfänger Papageno kennen, der an der Seite des Prinzen Tamino unter haarsträubenden Umständen letztlich „seine“ Papagena findet und lieben lernt.

Festspielhaus Baden-Baden / Regula Muehlemann © Shirley-Suarez-Photography

Festspielhaus Baden-Baden / Regula Muehlemann © Shirley-Suarez-Photography

In der konzertanten Baden-Baden Gala sind Orchester, Chor und Solisten auf dem Konzertpodium, was einen besonderen Reiz gegenüber der klassischen szenischen Opernaufführung ausmacht. Zu sehen, wie alle Beteiligten miteinander musizieren, vertieft den Operneindruck auf besondere Weise. Und für die Baden-Badener Aufführungen wurde eine eigene Textversion der Dialoge entwickelt: Filmschauspieler André Eisermann („Kaspar Hauser“, „Schlafes Bruder“) spricht zwischen den Arien und Ensembles neue Texte, die die Dialoge der Oper zusammenfassen. Dabei schlüpft er buchstäblich in alle Rollen.

Festspielhaus Baden-Baden / Christiane Karg1 © Gisela Schenke

Festspielhaus Baden-Baden / Christiane Karg © Gisela Schenke

Das Solisten-Ensemble dieser Opernproduktion sorgt für ein Wiedersehen und Wiederhören mit Sängerinnen und Sängern, die auch in den Vorjahren bei dieser Mozart-Reihe bereits dabei waren. Zusätzlich begrüßt die Baden-Badener „Mozart-Familie“ neue Gesichter und Stimmen. Zu ihnen zählt der Tenor Klaus Florian Vogt als Tamino. „Ich freue mich, nach vielen Jahren einmal wieder den Tamino singen zu dürfen“, sagt der Sänger, der als Wagner-Tenor schon mehrfach in Baden-Baden zu hören war. 2006 debütierte er hier als Lohengrin in Nikolaus Lehnhoffs Inszenierung der Wagner-Oper. Ebenfalls zum ersten Mal bei der Baden-Baden-Gala dabei ist Albina Shagimuratova. Die Koloratur-Sopranistin ist gerade auf dem Weg, ein Weltstar der Oper zu werden. Sie sang die Partie der Königin der Nacht bereits an der Mailänder Scala und an anderen renommierten Opernhäusern. Beim Eröffnungskonzert der Fussball-Weltmeisterschaft auf dem Roten Platz in Moskau sang sie an der Seite von Anna Netrebko und Placido Domingo. Der Bass Franz-Josef Selig ist zum zweiten Mal bei der Baden-Baden Gala mit von der Partie. Im Rahmen der Baden-Badener Osterfestspiele 2018 erntete der in Mayen geborene Sänger großes Lob für seine Darstellung des Gurnemanz in der Oper „Parsifal“. Sein Osmin in Die Entführung aus dem Serail (Baden-Baden Gala 2014) ist gleichfalls unvergessen.

Festspielhaus Baden-Baden / Klaus-Florian Vogt © Harald Hofmann

Festspielhaus Baden-Baden / Klaus-Florian Vogt © Harald Hofmann

Viele weitere Mitwirkende der neuen Baden-Badener „Zauberflöten“-Produktion haben schon beste Erfahrungen in diesem Projekt gesammelt. Christiane Karg (Pamina) begeisterte bereits als Susanna in „Le nozze di Figaro“ ebenso wie Regula Mühlemann (Papagena) im „Figaro“ sowie in „La clemenza di Tito“ (Baden-Baden Gala 2017).

Rolando Villazón feiert diesmal sein Debüt als „Papageno“ und erarbeitet sich damit eine völlig neue Rolle. Seine Liebe zu Mozart hat der mexikanisch-französische Künstler immer wieder betont. Mittlerweile ist er sogar Intendant der Salzburger Mozart-Woche – eine besondere Ehre für den Sänger und Regisseur.

In der Baden-Baden-Gala am 11. Juli 2018 wird der österreichische Tenor Martin Mitterrutzner für den terminlich verhinderten Klaus Florian Vogt die Partie des Tamino übernehmen. Martin Mitterrutzner sang bereits als Zehnjähriger den „Ersten Knaben“ in der „Zauberflöte“ und gehört heute dem Ensemble der Oper Frankfurt an.

Dirigent Yannick Nézet-Séguin leitete in Baden-Baden neben diesem Mozart-Zyklus schon viele andere Konzerte. Der in Montreal geborene Künstler zählt zu den großen Hoffnungsträgern seines Berufs. Aktuell ist er Chefdirigent des Philadelphia Orchestra und übernimmt im Herbst den Posten des Musikchefs der New Yorker Metropolitan Opera. Außerdem bekleidet er die Position des Principal Conductors des Orchestre Métropolitain in Montreal.

Das Chamber Orchestra of Europe begleitet den Baden-Badener Mozart-Zyklus von der ersten Stunde an. Das laut BBC „Feinste Kammerorchester der Welt“ wurde 1981 von jungen Musikerinnen und Musikern gegründet, die neben der Arbeit in diesem Ensemble feste Stellen in einigen der besten Orchester der Welt innehaben. Maßgeblich künstlerisch geprägt wurde das COE von Dirigenten wie Nikolaus Harnoncourt, Claudio Abbado und Bernard Haitink.


FESTSPIELHAUS BADEN-BADEN
8., 11. und 14. Juli 2018

BADEN-BADEN GALA

Wolfgang Amadeus Mozart „Die Zauberflöte“
Konzertante Aufführung

In Kooperation mit Deutsche Grammophon

BESETZUNG:

Yannick Nézet-Séguin Dirigent
Rolando Villazón Papageno
Regula Mühlemann Papagena
Franz-Josef Selig Sarastro
Albina Shagimuratova Königin der Nacht
Christiane Karg Pamina
Klaus Florian Vogt (8./ 14.7.)/ Martin Mitterrutzner
(11.7.) Tamino
Paul Schweinester Monostatos
Tareq Nazmi Sprecher
Johanni van Oostrum Erste Dame
Corinna Scheurle Zweite Dame
Claudia Huckle Dritte Dame
Levy Sekgapane Erster Priester / Erster Geharnischter
Douglas Williams Zweiter Priester / Zweiter Geharnischter
André Eisermann Erzähler
Drei Knaben der Aurelius Sängerknaben
RIAS Kammerchor
Chamber Orchestra of Europe

—| Pressemeldung Festspielhaus Baden-Baden |—

Baden-Baden, Festspielhaus, Konzert mit Sonya Yoncheva, 03.06.2018

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Festspielhaus Baden-Baden © Festspielhaus Baden-Baden

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Die Stimm-Schauspielerin

Sonya Yoncheva zählt zu den aktuellen Superstars der Oper. Nun kehrt sie nach Baden-Baden zurück.

Sie ging als aufgehender Stern und kehrt zurück als ein Superstar der Oper: Die Sopranistin Sonya Yoncheva gibt am Sonntag, 3. Juni 2018 um 17 Uhr im Festspielhaus Baden-Baden einen Arienabend gemeinsam mit ihrem Bruder, dem lyrischen Tenor Marin Yonchev. Der italienische Dirigent Francesco Ivan Ciampa leitet zu diesem Anlass das Sinfonieorchester Basel in Deutschlands größtem Opernhaus.

Festspielhaus Baden-Baden / Sonya Yoncheva © Kristian Schuller/ Sony Classical.

Festspielhaus Baden-Baden / Sonya Yoncheva © Kristian Schuller/ Sony Classical.

Auf dem Programm des Abends stehen Arien und Duette aus bekannten Opern von Giuseppe Verdi. Zu hören sein werden unter anderem Ausschnitte aus den Opern „Luisa Miller“, „Il trovatore“, „Don Carlo“, „La traviata“ und „La forza del destino“.

Sonya Yoncheva erobert zur Zeit die ganz großen Opernbühnen. An der New Yorker Metropolitan Opera begeisterte sie als Mimi in Puccinis „La Bohéme“ und sang dort eben gerade erst auch in „Luisa Miller“ von Giuseppe Verdi an der Seite von Placido Domingo. Kurz nach dem Baden-Badener Konzert gibt sie ihr Bellini-Debüt an der Mailänder Scala.

Placido Domingo, der Grandseigneur der Oper, gründete auch einst den Sängerwettbewerb „Operalia“, den Sonya Yoncheva 2010 gewinnen konnte. Vier Jahre später, zu den Pfingstfestspielen 2014, begeisterte sie zum ersten Mal das Baden-Badener Publikum als Margarete in Charles Gounods Oper „Faust“. An der Seite von Charles Castronovo (Faust) und Erwin Schrott (Mefistofele) verzauberte Sonya Yoncheva das Publikum auf Anhieb. Kurz darauf war sie Solistin eines Baden-Badener Silvesterkonzertes und sang an der Seite von berühmten Kollegen wie Thomas Hampson und Rolando Villazón die Partie der Gräfin in Mozarts „Le nozze di figaro“ im Rahmen der „Baden-Baden Gala 2015“.

Festspielhaus Baden-Baden / Sonya Yoncheva © Kristian Schuller/ Sony Classical.

Festspielhaus Baden-Baden / Sonya Yoncheva © Kristian Schuller/ Sony Classical.

[ Von Sonya Yoncheva wurden verschiedene Aufnahmen bei der Sony Classical veröffentlicht ]

Jürgen Kesting, einer der größten deutschen Stimmenkritiker und Stimmenkenner, attestiert der Sopranistin im Zusammenhang mit ihrer aktuellen Verdi-CD, die Anfang 2018 erschien, eine „rubinrot leuchtende Stimme“ und lobt den „klanglichen Reichtum“, mit dem Sonya Yoncheva das für sie teils neue Repertoire ausleuchtet.

Von einem „Verdi-Sopran“ zu sprechen, ist allerdings musikgeschichtlich betrachtet kaum möglich. Zwischen 1842 und 1887 schrieb Guiseppe Verdi seine Sopran-Partien für nicht weniger als 24 Sängerinnen. Entsprechend schwer ist es heute für eine Sängerin, alle Facetten dieser Epoche an einem einzigen Abend abzubilden. Dennoch attestieren Kritiker Sonya Yoncheva vor allem, eine perfekte „Stimm-Schauspielerin“ im verdischen Sinne und damit besonders wandelbar zu sein – ein Idealfall für die Opernbühne.

Die Frauenfiguren in Verdis Opern waren für ihre Zeit fast ausnahmslos „revolutionär“. Kurtisanen und rachedürstende Herrscherinnen wurden nicht mehr eindimensional oder gar als „wahnsinnig“ dargestellt – Verdi zeichnete seine Figuren musikalisch besonders nuancenreich, auch wenn Frauen in den Handlungen seiner Opern deutlich und möglicherweise bewusst geplant in der Unterzahl waren. „Das Bild der vereinzelten Frau in einer meist feindlichen Welt von Männern, denen sie oft hilflos ausgeliefert ist, dominiert“, schreibt die Musikwissenschaftlerin Susanne Vill dazu. Das Sujet der unerfüllten Liebe trägt dabei fast in jeder Verdi-Oper zur besonderen Dramatik des Werkes bei.

Festspielhaus Baden-Baden / Sonya Yoncheva © Kristian Schuller/ Sony Classical.

Festspielhaus Baden-Baden / Sonya Yoncheva © Kristian Schuller/ Sony Classical.

Für den Opernabend im Festspielhaus Baden-Baden bringt Sonya Yoncheva ihren jüngeren Bruder Marin Yonchev als zweiten Solisten mit. In Bulgarien gewann der lyrische Tenor eine beliebte Casting-Show und wurde ein Popstar, bevor er seiner Schwester in die Welt der Oper folgte.

Dirigent Francesco Ivan Ciampa gehört zu den jungen Maestri der italienischen Schule. Derzeit ist er an der Deutschen Oper in Berlin engagiert, leitet aber auch in seiner Heimat viele bedeutende Opernaufführungen.

Das Sinfonieorchester Basel begleitete schon verschiedene Opern- und Arienabende im Festspielhaus Baden-Baden. Zum heutigen Sinfonieorchester führt eine Orchestertradition, die vor mehr als dreihundert Jahren ihren Anfang nahm.

—| Pressemeldung Festspielhaus Baden-Baden |—

Baden – Baden, Festspielhaus – Osterfestspiele 2018, Parsifal von Richard Wagner, IOCO Kritik, 03.04.2018

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Festspielhaus Baden-Baden © Festspielhaus Baden-Baden

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Parsifal von Richard Wagner

Glanzvoller Abschied in Grau

Von Uschi Reifenberg

Mit Richard Wagners Weltabschiedswerk, dem Bühnenweihfestspiel Parsifal, nahm auch Sir Simon Rattle, scheidender Chefdirigent der Berliner Philharmoniker, Abschied von den Osterfestspielen Baden-Baden. Sechs Jahre lang verwandelten der Stardirigent und das Weltklasse Orchester alljährlich zur Osterzeit die Stadt an der Oos in ein glanzvolles Mekka für Festivalbesucher aus aller Welt. Einmalig an den Osterfestspielen in Baden-Baden ist, dass die Berliner Philharmoniker über eine Woche lang quasi omnipräsent in vielfältigsten Besetzungen an unterschiedlichen Spielorten die ganze Stadt bespielen und in Kammermusikbesetzungen, Kinderoper, Sinfoniekonzerten oder großer Oper zu hören sind.

Wagners letztes Werk, sein „Opus summum“ und wohl auch sein vielfältigstes und rätselhaftestes, ist ein einzigartiges Konglomerat aus philosophischen, weltanschaulichen und religiösen Thesen und in seiner Vieldeutigkeit durchlässig für die unterschiedlichsten Deutungen.Die Welt in ihrer existenziellen Ausweglosigkeit wird geschildert mit Fragen zu Leid, Vergänglichkeit, Tod, aber auch zu Erneuerung und Erlösung, Wagners Lebensthema.

Nach Wagners Auffassung hatte die Religion ihre Funktion in der säkularisierten Gesellschaft des 19. Jahrhunderts eingebüßt und nun sollte an ihre Stelle die Kunst treten, um die metaphysischen Bedürfnisse als Sinn- und Deutungslieferant zu bedienen. Wagner schreibt 1880: „Man könnte sagen, dass da, wo die Religion künstlich wird, der Kunst es vorbehalten ist, den Kern der Religion zu retten…“ Wagner als Religionsstifter und Parsifal als Kunstwerk, das die erlösungsbedürftige Menschheit zu erneuern im Stande wäre. 1882 wurde der Parsifal im Bayreuther Festspielhaus uraufgeführt. Wagner verfügte, dass sein Werk nur dort zur Aufführung kommen sollte. 30 Jahre lang sollte es auch so sein.

Festspielhaus Baden-Baden / Parsifal - hier: Stephen Gould als Parsifal und Ruxandra Donose als Kundry © Monika Rittershaus

Festspielhaus Baden-Baden / Parsifal – hier: Stephen Gould als Parsifal und Ruxandra Donose als Kundry © Monika Rittershaus

Der verdeckte Orchestergraben, der sogenannte “mystische Abgrund“, erzeugt jenen einzigartigen Mischklang, der nur in Bayreuth zu erleben ist und für welchen Wagner den Parsifal geschaffen hat. Im Festspielhaus Baden-Baden, dem größten Opern- und Konzerthaus Deutschlands, gelingt Sir Simon Rattle auch ohne verdeckten Orchestergraben ein Klangwunder der besonderen Art. Sir Simon näherte sich – wie er in einem Interview erwähnte – der Parsifal Partitur sozusagen retrospektiv aus der Sicht des Komponisten Claude Debussy, der sich, gemäß dem traditionellen Tonsatz, ein Orchester ohne Bass- Fundament wünschte.

Klanggemälde, befreit von jeder Erdenschwere

Gleichsam gelingt dem Dirigenten und seinem Orchester ein impressionistisches Klanggemälde, befreit von jeder Erdenschwere, weich strömend und mit sensibelster Ausbalancierung. Samtige Streicherklänge, ätherische Holzbläsersoli scheinen aus dem Nichts zu entstehen und sich wieder zu verflüchtigen, Linien bis in feinste Verästelungen durchgehört. Transparenz und kammermusikalische Ausformung sind Rattles besonderes Anliegen. Manchmal scheint die Musik aber auf der Stelle zu treten und man hätte sich mehr Stringenz und Zielorientiertheit, mehr dramatischen Zugriff und Auskostung der wagnerischen Höhepunkte gewünscht.

Festspielhaus Baden-Baden / Parsifal - hier: Franz-Josef Selig als Gurnemanz © Monika Rittershaus

Festspielhaus Baden-Baden / Parsifal – hier: Franz-Josef Selig als Gurnemanz © Monika Rittershaus

Für die Inszenierung konnte die 82-jährige Regie-Legende Dieter Dorn gewonnen werden. Der mit Preisen hochdekorierte, ehemalige Intendant der Münchner Kammerspiele, inszenierte bereits 1990 in Bayreuth (Der fliegende Holländer), 1993 an der MET ( Tristan und Isolde) und 2014 in Genf ( Der Ring des Nibelungen). Dieter Dorn bleibt mit seiner Parsifal Inszenierung nah am Text und erzählt die Geschichte linear als eine zeitlose Parabel, ohne ihr gewaltsam eine Deutung aufzuzwingen, aber auch, ohne Antworten zu geben. Im Zentrum der Handlung steht für ihn Kundry, Wagners ambivalenteste Frauenfigur, die schon während des Vorspiels einsam am Boden kauert. Als ihr von seltsamen Gestalten verschiedene weibliche Requisiten angeboten werden, Symbole für unterschiedlichste Identitäten, lehnt sie ab. Am Ende bleibt sie als Einzige vor dem geschlossenen Vorhang zurück und blickt fragend ins Publikum. Gefangen im ewigen Kreislauf, ausgesperrt und auf Erlösung hoffend?

Richard Wagner Büste in Bayreuth © IOCO

Richard Wagner Büste in Bayreuth © IOCO

Für das Gralsgebiet im 1. und 3. Akt finden Dieter Dorn und seine Bühnenbildnerin Magdalena Gut einen offenen, werkstattartigen Raum, der an eine Probebühne erinnert, in welcher riesige Holzplatten und Rampen aufgebaut sind. Auf den Holzplatten sind skizzierte Landschaften zu erkennen, sie werden von gesichtslosen Gestalten in grauen, zerlumpten Gewändern (Kostüme: Monika Staykova), hin- und hergeschoben.
Die vorherrschende Farbe für alle 3 Akte ist grau in verschiedenen Abstufungen (Lichtregie: Tobias Löffler). Die Gralsgemeinschaft scheint eine Gesellschaft der Kraftlosen, Ziellosen zu sein, in Auflösung begriffen, unfähig zur Erneuerung, in Beckettscher Manier in der ewigen Wiederkehr des Gleichen verharrend. Ein schöner Regieeinfall ist der Tod des textgetreu auftretenden Schwanenpaares, der, vom sich ins Gralsgebiet verirrenden, unwissenden, reinen Toren Parsifal absichtsvoll verursacht wird.

Für die Gralsenthüllung im 1. Akt werden die Holzgerüste zu einer Art Theater- Zuschauergalerie zusammengeschoben, auf welcher die Gralsritter wie Theaterbesucher Platz nehmen und der qualvollen Zeremonie des leidenden Amfortas unbeteiligt beiwohnen. Der Gral ist ein strahlend weiß leuchtender Kelch, der in einem Holzschränkchen hereingetragen wird. Anschließend werden Brot und Wein verteilt wie bei einer Armenspeisung. Das Zauberschloss im 2. Akt wird dargestellt durch riesige Zinnen, auf welchen Klingsor in eine weiße Kristallkugel starrt. Dieses Tableau ist in blaues Licht getaucht und lässt kurzzeitig Raum für Magie und Mystik. Die Blumenmädchen mit ihren grell bunten Blumen Accessoires – der einzige Farb Lichtblick dieser Inszenierung – werden nun wieder von der Einheitsfarbe grau kontrastiert. Kundry versucht als blonde Diva in weiß Parsifal zu verführen, der Speerwurf Klingsors wird durch einen gelungenen Lichteffekt in Szene gesetzt.

Im 3. Akt befinden wir uns wieder im Werkstatt Provisorium, in welchem nun die Holzgerüste genauso beschädigt wirken wie die Bewohner und von diesen noch ziel- und planloser hin und her geschoben werden. Gurnemanz, nun lemurenhaft- gespenstisch wirkend, holt Kundry ins Leben zurück, indem er sich ihr erotisch nähert. Parsifal findet als schwarzer Ritter in voller Rüstung zurück ins Gralsgebiet und der Karfreitagszauber erblüht lediglich im Orchestergraben, vom Schnürboden weiße Papierschnipsel herunterwehen und von Erneuerung und Erlösung künden. Die Zusammenführung von Speer und Kelch, Amfortas‘ Heilung und Parsifals Enthüllung des Grals als neuer Heilsbringer, kann die Gralsgemeinschaft aber scheinbar nicht in jene Zukunft führen, die der in ihren Grundfesten erstarrten Gesellschaft die erlösende Erneuerung bringen könnte.

Festspielhaus Baden-Baden / Parsifal - hier: Gerald Finley als Amfortas © Monika Rittershaus

Festspielhaus Baden-Baden / Parsifal – hier: Gerald Finley als Amfortas © Monika Rittershaus

Gesungen wird in dieser Produktion wie erwartet auf hohem Niveau. Franz – Josef Selig ist ein Bilderbuch Gurnemanz mit hell timbriertem, in allen Lagen ausgeglichenem Bass, idealer Textverständichkeit und ohne Ermüdungserscheinungen. Zeigt er sich im 1. Akt noch als viril-jugendlicher Lehrmeister, so findet er im 3.Akt zu jenem schmerzvoll- resignativen Weltwissen, das den reifen Wagner Helden Ihre jeweils ureigene Prägung verleiht. Steven Gould, einer der besten Wagner Tenöre unserer Zeit, präsentiert sich in der Rolle des Parsifal in Bestform. Als jugendlich- naiver reiner Tor bis zum mitleidvoll- Wissenden schlägt er einen glaubhaften Entwicklungsbogen und lässt die große Erweckungsszene im 2. Akt mit heldischer Strahlkraft und erschütternder Intensität zu einem Höhepunkt werden. Die Figur der Kundry – Wagners komplexe Frauengestalt- wird von Ruxandra Donose in der Herzeleide-Erzählung mit schönem lyrischen Timbre und feinen Legatobögen versehen. Die dämonisch-zwielichtige Seite, die Zerrissenheit dieser erlösungssüchtigen Verführerin bleibt Donose in ihrer Interpretation allerdings schuldig.
Evgeny Nikitin im Rocker Outfit ist als bezopfter Klingsor eine Idealerscheinung. Mit schneidender Diktion und stählernem Bariton versprüht er jede Menge Dämonie und lässt an stimmlicher Ausstrahlung nichts zu wünschen übrig. Gerald Finley als Amfortas ist in der Darstellung seines Leidens ein idealer Schmerzensmann mit exemplarischer Textausdeutung und perfekter Phrasierung. In seiner großen Klage im 1. Akt kann er allerdings mit seinen Erbarmen- Rufen wenig Mitleid hervorrufen.

Robert Lloyd als siecher Gralskönig Titurel ist mit immer noch mächtigem Bass eine Idealbesetzung und die perfekt ausbalancierten und herrlich singenden Blumenmädchen sind eine pure Freude. Der Philharmonia Chor Wien (Leitung: Walter Zeh) wartet mit mächtiger Klangkultur auf.

Das Publikum spendete begeistert Beifall und stehende Ovationen nach dieser letzten Parsifal Vorstellung, vor allem für Orchester und Dirigent und freut sich auf ein Wiedersehen mit den Berliner Philarmonikern im nächsten Jahr.

—| IOCO Kritik Festspielhaus Baden-Baden |—

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