Essen, Theater und Philharmonie Essen, Sopranistin Jessica Muirhead erhält Aalto-Bühnenpreis 2018

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Theater und Philharmonie Essen

Theater und Philharmonie Essen / Die verkaufte Braut (als Marie, hier mit Richard Samek als Hans), © Matthias Jung

Theater und Philharmonie Essen / Die verkaufte Braut (als Marie, hier mit Richard Samek als Hans), © Matthias Jung

Sopranistin Jessica Muirhead erhält Aalto-Bühnenpreis 2018

Freundeskreis Theater und Philharmonie Essen zeichnet britisch-kanadische Sängerin aus Der Freundeskreis Theater und Philharmonie Essen zeichnet die britisch-kanadische Sopranistin Jessica Muirhead mit dem Aalto-Bühnenpreis für junge Künstler 2018 aus. Gestiftet wird das Preisgeld in Höhe von 5000 Euro von der Goldschmidt Thermit GmbH. Jessica Muirhead ist seit der Spielzeit 2015/2016 Mitglied des Aalto-Solistenensembles und konnte sich seitdem in zahlreichen Rollen präsentieren. In Heinrich Marschners Oper „Hans Heiling“ (kommende Vorstellungen am 29. April, 12./27. Mai und 22. Juni) sorgt sie als Anna zurzeit ebenso für Begeisterung wie als Elsa in Richard Wagners „Lohengrin“ (Vorstellungen am 22. April und 6. Mai). Glänzen konnte sie auch zu Beginn dieser Saison als „Verkaufte Braut“ Marie sowie in den vergangenen Spielzeiten als „Marguerite“ in Gounods „Faust“, Witwe Katerina in Martin?s „The Greek Passion“, Donna Anna in Mozarts „Don Giovanni“, Violetta in Verdis „La Traviata“, Gräfin Almaviva in Mozarts „Le nozze di Figaro“, Antonia in Offenbachs „Les contes d’Hoffmann“, Mimì in Puccinis „La Bohème“, Vitellia in Mozarts „Titus“ und Rosalinde in Strauß? Operette „Die Fledermaus“.

Theater und Philharmonie Essen / Jessica Muirhead © Nanc Price

Theater und Philharmonie Essen / Jessica Muirhead © Nanc Price

Jessica Muirhead erhielt ihren Master of Music von der McGill University Montreal. Zu den bisherigen Höhepunkten ihrer Karriere zählen Engagements an der Bayerischen Staatsoper München als Musetta („La Bohème“), an der Semperoper Dresden als Marguerite („Faust“) und Mimì („La Bohème“) sowie an der Volksoper Wien als Pamina („Die Zauberflöte“), Agathe („Der Freischütz“) und Antonia („Les contes d’Hoffmann“). Darüber hinaus sang sie Donna Anna („Don Giovanni“), Micaëla („Carmen“) und Gräfin Almaviva („Le nozze di Figaro“) bei der Canadian Opera Company, Vreli („A Village Romeo and Juliet“) in der Wexford Festival Opera, Violetta („La Traviata“) an der Dorset Festival Opera, und sie tourte mit dem Glyndebourne als Alice („Falstaff“). Ihr Konzertrepertoire umfasst Werke wie Haydns „Schöpfung“, Faurés „Requiem“, Mendelssohn Bartholdys „Elias“, Beethovens 9. Sinfonie, Brittens „War Requiem“ und Bergs „Sieben frühe Lieder“. Dabei trat sie u. a. mit den Hamburger Symphonikern,
dem Washington Orchestra, Bayerischen Rundfunkorchester und Orchestre de Chambre de Genève auf. 2012 wurde Jessica Muirhead beim Concours de Chant Toulouse mit dem Grand Prix ausgezeichnet sowie beim International Singing Contest Francisco Viñas Barcelona mit dem 2. Preis und dem Publikumspreis. Außerdem gewann sie die renommierte George London Foundation Competition in New York.

Theater und Philharmonie Essen / Lohengrin (als Elsa, hier mit Daniel Johansson als Lohengrin und Aron Gergely als Schwan) © Forster

Theater und Philharmonie Essen / Lohengrin (als Elsa, hier mit Daniel Johansson als Lohengrin und Aron Gergely als Schwan) © Forster

Der spartenübergreifende Aalto-Bühnenpreis für junge Künstler wurde erstmals 1990 vom Freundeskreis Theater und Philharmonie Essen verliehen. Zu den bisherigen Preisträgern gehören heute national und international gefragte Künstler wie die Schauspielerin Tatjana Clasing, der Bassist Franz-Josef Selig, der Tenor Torsten Kerl und der Tänzer Raul Raimondo Rebeck. Zuletzt ausgezeichnet wurde 2017 Silvia Weiskopf, Ensemblemitglied am Schauspiel Essen.

—| Pressemeldung Theater und Philharmonie Essen |—

Chemnitz, Theater Chemnitz, Aris Argiris – Lupe Larzabal im Gespräch, IOCO Interview, 05.04.2018

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Theater Chemnitz

Theater Chemnitz © Dieter Wuschanski

Theater Chemnitz © Dieter Wuschanski

  Sänger- und Musikerfamilie Aris Argiris und Lupe Larzabal

Im Gespräch mit Patrik Klein

IOCO: Frau Larzabal, Herr Argiris, seien Sie auch im Namen der großen IOCO – Gemeinde herzlich begrüßt. Ich freue mich sehr auf unser Gespräch.
Nach den überaus erfolgreichen Partien des Wotans/Wanderers in der Trilogie des verkürzten Ringes in Wien über den Jahreswechsel 2017/18 nun der erste Walküren-Wotan als allererster Sänger mit griechischer Abstammung an der Oper in Chemnitz mit großartigem Erfolg gestern Abend. Wie fühlen Sie sich und wie ist es Ihnen ergangen?

Aris Argiris: Ich bin noch völlig gefangen und am Tag nach einem solchen Erfolg träumt man sich noch in die Musik. Ich möchte diesen Geschmack des Erfolges nutzen, um weitere Schritte nach vorne machen zu können, indem ich noch mehr lerne und mich weiter entwickeln und mich somit noch weiter verbessern kann. Es ist für mich eine Motivation nach einem Erfolg weiter zu machen. Das geht mir übrigens auch so bei weniger guten Erfolgen. Auch hier habe ich das unbedingte Bedürfnis weiter an mir zu arbeiten. Dass ich als erster Grieche den Wotan geben durfte war mir schon sehr wichtig, weil wir Griechen ja in der Opernwelt eine recht kleine aber mit legendären Sängern versehene Gruppe sind. Da waren oder sind ja einige „Milestones“  der Opernwelt dabei, wie Maria Callas, Nicola Zaccaria, Nicola Moscona, Agnes Baltsa.

 Aris Argiris (links) und Lupe Larzabal mit IOCO Korrespondent Patrik Klein Mitte) © Sofia Argiris

Aris Argiris (links) und Lupe Larzabal mit IOCO Korrespondent Patrik Klein (Mitte) © Sofia Argiris

Ich freue mich nun sehr, dass ich, Grieche, mich traute, dieses Wagnis einzugehen; dass verschienene Theater mir diese Partie ermöglicht haben und mich in Zukunft in weiteren Wagnerrollen berücksichtigen werden. Das heißt natürlich auch, dass ich mein bisheriges Repertoire um Rigoletto, Scarpia und Jago weiter pflegen werde. Diese Partien helfen mir, Wagnerpartien zu vertiefen. Die italienische Schule bietet eine gute Grundlage für  Wagneropern. Neben meiner Mentorin Daphne Evangelatos hatte ich das große Glück, den weltbekannten Bariton Josef Metternich kennenzulernen. Metternich erläuterte mir  dies eindrücklich. So habe ich, den Rigoletto gesungen und den Holländer einstudiert. Meinen Gesangsstudenten versuche ich zu vermitteln, dass sich auch Fritz Wunderlich  stark an der italienischen Schule orientierte. Die Behandlung der Konsonanten, die „gesungen“ und nicht „gespuckt“ werden, ist in der italienischen Schule von besonderer Bedeutung. Singt man die Konsonanten, so wird der Klang ganz automatisch voller, feiner und ist leichter zu erzeugen.

IOCO: Wie liefen die Proben hier in diesem wunderbaren und traditionsbehafteten Opernhaus in Chemnitz ab?

AA: Die Probenphase in den letzten beiden Monaten mit tollen Kolleginnen und Kollegen war etwas schwierig, weil die in Deutschland grassierende Grippe-Epidemie auch uns getroffen hat. Ich musste über einen Monat mit einer akuten Bronchitis kämpfen und unbedingt an diesen aufwändigen Proben teilnehmen. Ich musste sehr aufpassen meine SängerkollegInnen nicht anzustecken (trotz inniger Umarmungen mit Brünnhilde). Alle zehn Minuten hatte ich Hustenanfälle, was sehr unangenehm war. Somit brauchte ich viel Geduld und Nerven, um die Marathonpartie des Wotans in der Probenphase durchzustehen. Zum Glück wurde ich rechtzeitig wieder fit und nun froh und glücklich.

IOCO: Wie war die Zusammenarbeit mit den Beteiligten Künstlern?

AA: Geduld. Geduld. Geduld und Verständnis unter KollegInnen. Mit intensiver Teamarbeit haben wir auf Erfolg hingearbeitet. In einem Stück wie der Walküre, die eine Art Universum mit zusammenhängenden Planeten darstellt, ist gute Teamarbeit entscheidend. Wenn ein Element der Inszenierung fällt, schadet dies überproportional der gesamten Prodution. Das haben wir mit viel Verständnis von der Regisseurin Monique Wagemakers ganz gut hinbekommen. Monique ist eine wunderbare Regisseurin, eine wahre Bildzauberin. Wir hatten eine sehr schöne Zusammenarbeit; kontroverse  Ansichten wurden engagiert diskutiert aber im Team geregelt. Frau Wagemakers auch Anregungen von mir in ihr Gesamtkonzept übernommen.

IOCO: Das Regiekonzept des Chemnitzer Ring verteilt die Produktionen wie bereits das Opernhaus Stuttgart auf breite Schultern, auf vier Regisseurinnen. Wie ist Ihre Einstellung zum Konzept von Monique Wagemakers?

AA: Gott sei Dank sind wir bei dieser Produktion weg von den zum Teil skandalösen und blödsinnigen mit unverständlichen Symbolen überfrachteten und sich als Regisseur wichtigmachenden Wagnerinterpretationen. Das Stück ist wichtig und nicht der Regisseur. Wagner hat alles in seiner Musik und im Text vorgegeben. Das Drama, die Beziehungen zwischen den handelnden Charakteren, die Theatralik; das alles ist vorhanden und muss nur umgesetzt werden. Manchmal bin ich natürlich auch ein Kind vom deutschen Regietheater. Im Theater Chemnitz ist es zwar auch modern, aber nicht um modern sein zu müssen. Es ist keine Skandalinszenierung, bei der es klammheimlich oft darum geht,  den Regisseur in den Vordergrund zu rücken. Hier galt das Motto: „Sei modern und vertraue Deinen Künstlern“. Mir gefällt dieser Ansatz auch deshalb gut, weil meine Fragen an die Konzeption beantwortet und berücksichtigt wurden.

Aris Argiris © Patrik Klein

Aris Argiris © Patrik Klein

IOCO: Wie haben Sie sich auf die große Rolle des Wotans in der Walküre vorbereitet?

AA: Zunächst habe ich mit meinem Freund und Coach, dem Pianisten Peter Bortfeldt  intensiv geübt. Er hat mir viel geholfen und wir hatten dabei viel Spaß, was mir wichtig ist. Ich habe viel über Wagner gelesen, um seine Figur des Wotans besser zu verstehen. Es gab Momente des Zweifel, wo ich mich fragte, was Wagner wollte, was er meinte.  Ich hatte auch eine Phase, wo ich Wotan hasste. Ich verstehe, leide mit ihm; doch wie er sein Leib und Blut ausnutzt für eigene Interessen mißbrauchte, ist furchtbar. So gab es Phasen, wo ich keine Empathie mit der Partie des Wotan hatte. Aber ich habe es zugelassen, ihn in meinem Inneren “durchlaufen” zu lassen. Er reflektiert stark die griechische Mythologie und Götterwelt. Die menschliche Ebene der Götter sieht man dort genauso. Wagner war wohl auch gebannt von der griechischen Antike, wo menschliche Tiefe und Dramatik eindeutig vorhanden ist. Als ich in Wagners Villa Wahnfried war begegnete ich dort vielen Wurzeln griechischer Kultur. Die amphitheaterförmige Form des Festspielhauses hat Wagner aus griechischen Idealen abgeleitet. Mehr als zehn verschiedene Walküre – Aufnahmen habe ich gehört, mit Dirigenten wie Leinsdorf, Kempe, Levine, Barenboim, Knappertsbusch, Karajan, Boulez, Thielemann; habe die Darsteller genau studiert, um ihren individuellen Stil zu erkennen. Herbert von Karajans italienisch anmutende Interpretation beeindrucktete mich dabei besonders.

IOCO: Wer ist Ihr Wotan – Vorbild?

AA: Das ist ganz klar Thomas Stewart (Karajan), weil seine Stimme meiner ähnlich ist. Er ist kein so sehr tiefer Bass, ein sehr intelligenter Sänger, ein “Italiener” sozusagen. Er ist ein Artikulationsgenie, obwohl er ja kein Deutscher ist und riskiert sehr viel durch feinste Pianostellen. George Londons große dämonische Wucht des Klanges hat er nicht, aber wie er Wotans Gebrochenheit und seine Wut, die Eifersucht und seinen Plan in seinem Klang integriert ist für mich das vorbildliche an ihm. Auch George London hat mich sehr beeindruckt, aber später haben mir dann detaillierte Farben etwas gefehlt. In dieser Art versuche ich mich dem Wotan zu nähern. Natürlich nicht genau sagen, wie es in ein paar Jahren sein wird, wenn ich diese Partie weiter entwickele.

IOCO: Neben der Aufgabe als Gesangsprofessor an der Universität der Künste in Berlin haben Sie viele Gastauftritte in Ihrem Fach an großen und namhaften Bühnen in Europa und Übersee zusammen mit internationalen Gesangsstars der Branche. Sie sind ein überaus gefragter und geschätzter, viel beschäftigter Bariton. Sie haben eine liebe, sehr musikalische Familie im Rheinland und sind ständig unterwegs. Wie bekommt man das Alles unter einen Hut?

AA: Das geht mit vollem gegenseitigen Verständnis und, es klingt zwar etwas romantisch, ist aber wahr: mit viel Liebe. Ich habe eine fantastische Familie, meine beiden Töchter Sofia und Francisca und meine Frau, die selbst Sängerin ist. Sie war meine erste Schülerin bei der ich meine ersten “Experimente” machen durfte. Sie ist Dirigentin, Chorleiterin, Eventmanagerin und ein enormes Multitalent. Ich kann singen und unterrichten; sie kann viel mehr als das. Ich versuche, im Rahmen meiner Möglichkeiten zu helfen und (auch während der freien Tage innerhalb einer Probenzeit) zu Hause bei der Familie zu sein, um bei den vielen organisatorischen Aktionen mitzuhelfen. Denn ohne meine Familie existiere ich nicht. Ohne sie würde ich nicht gut singen können. Es ist eine enorme logistische Herausforderung, das alles unter einen Hut zu bekommen. Wir haben unsere Smartphonekalender synchronisiert, damit wir optimal die Termine koordinieren können. Das erleichtert uns auch die Planung der Veranstaltungen im Künstlerstudio meiner Frau in Bonn (Agora Artist Studio). Auch beim ständigen Pendeln zwischen Bonn und Berlin an die Uni hilft uns das sehr. Ich bin bis 2020 nun ausgebucht und versuche ein angemessenes Gleichgewicht zu finden zwischen Gesang und meiner Professur als Gesangslehrer in Berlin.

IOCO: Sie werden oft begleitet und unterstützt von drei hinreißenden Damen. Ihre Frau Lupe Larzabal und die beiden Töchter sind bei den Proben und Auftritten und geben Ihnen ganz besonderen Rückhalt. Frau Larzabal, Sie sind auch auf spannenden, musikalischen Pfaden unterwegs. Was machen Sie in dieser Hinsicht?

LL: Ich sehe mich in drei Bereichen unterwegs: Als Frau, Mutter und Künstlerin. Als Frau von Aris habe ich es oft nicht leicht wegen der nur kurzen Zeit seiner Anwesenheit zu Hause mit allen Dingen klarzukommen. Aber in einer Künstlerbeziehung muss man das irgendwie so organisieren, dass nur eine Person viel unterwegs ist und die zweite eher im Umkreis der Heimat, also in der Region Bonn bleibt, zumal wenn da noch zwei Kinder sind. Ich unterstütze Aris zu einhundert Prozent und er ist für mich ein großer Künstler. Wir haben uns im Theater in dieser Situation kennengelernt in Bonn bei einer Produktion von La Bohème. Ich möchte, dass er seine Kunst weiter entwickeln kann. Würden wir es anders angehen, wäre es für uns beide traurig. Dann halten wir nun in den Zeiten, wo er unterwegs sein muss durch und freuen uns auf das Wiedersehen. Als Mutter habe ich zwei Theaterkinder, die kommen oft mit mir dann mit, wenn wir Aris nachreisen. Sie sind oft in der meisten Zeit in der Garderobe oder dürfen auch schon mal, wenn die Inszenierung nicht zu heftig ist in den Zuschauerraum. Sie sind von Papa auch sehr begeistert.

Er ist ihr Held. Aris ist ein lieber Vater und wenn er dann zu Hause ist, ist er ganz für uns da. Ich erinnere mich an eine kurze Rückkehr aus London von einer tollen Produktion an Covent Garden, wo er unserer kleinen Sofia als Baby die Windeln wechselte. Real Life und Künstlerleben treffen dann hart aufeinander und bilden einen schönen Kontrast. Als Künstlerin genieße ich vollkommen das, was ich mache. Ich leite zur Zeit zwei Chöre. Einen ganz neuen Frauenchor mit Jazz- und Barbershopmusik (a capella Musik aus den 20er Jahren) sowie einen Chor für lateinamerikanische Musik, den ich 2015 gegründet habe. Der heißt Voces de las Américas. Wir haben ein sehr schönes Repertoire und haben schon viele Konzerte in Bonn und sogar im Kölner Dom mit der berühmten Misa Criolla zusammen mit Aris als Solist gegeben. Zum Beispiel bereiten wir gerade ein Konzert vor von Orffs Carmina Burana, mit Aris als Solist für eine Präsentation in Italien. Der argentinische Komponist Martin Palmeri hat mit dem Stück Misatango zwei musikalische Welten zusammengebracht, katholische Liturgie und Tango. Ein Chorfestival in Siegburg und Köln wird organisiert für 2019, und mit mehreren Chören gemeinsam wird dort dieses Stück aufgeführt. Zuständig dafür ist unser neuer Verein Deutsch-Hispanoamerikanische Gesellschaft LiberArte Bonn e.V. Wir haben noch viele weitere Ideen, die in der Zukunft realisiert werden. Dann unterrichte ich noch klassischen Gesang in unserem Künstlerstudio Agora artists studio in Bonn. In diesem Kulturzentrum finden auch die Chorproben und verschiedene Veranstaltungen statt, wie Ausstellungen, das Treffen der Opernfreunde Bonn, eine Tangoakademie, eine spanische Theatergruppe und Masterclasses mit Aris Argiris. Außerdem bin ich auch als Sängerin tätig. Letzten März habe ich für den WDR in einer barock-spanische Operettenproduktion für eine Aufnahme gesungen. Das Beste: Aris konnte beim Konzert im Zuschauerraum dabei sein.

IOCO: Herr Argiris, was sind Ihre Zukunftspläne? Auf was können sich Freunde und Wegbegleiter in Zukunft freuen?

AA: Früher musste ich oft Partien singen, die ich eigentlich nicht wollte. Das hat mich viel Kraft gekostet und einige negative Erfahrungen gebracht. Zum Glück plane ich mit meiner  Agentur die Weiterentwicklung meines Rollenportfolios, das aus einer Mischung aus den bewährten dramatischen italienischen und weiteren Partien des deutschen Repertoires bestehen wird. Es wird noch mehr Auftritte im Wagnerfach geben, die ich auch bald bekanntgeben kann. Es wird die Bösewichte in Hoffmanns Erzählungen in Wien geben, Rigoletto in Schottland, im Sommer wird eine CD Das Wunder der Heliane aus Freiburg bei Naxos erscheinen. Nächstes Jahr werden wir von einer weiteren recht unbekannten Oper eine Aufnahme machen. Von meinen Don Giovannis, Figaros und Escamillos werde ich mich verabschieden, weil das im Theaterbetrieb nur schwer kombinierbar ist.
Auch vorstellen kann ich mir eine Position als Intendant eines Opernhauses. Vor kurzem war ich bereits für ein Haus im engeren Bewerberkreis, konnte aber aus Termingründen den geforderten Businessplan nicht innerhalb der geforderten Zeit vorlegen. Ich bin mir sicher, dass das einmal kommen wird; dort werde ich dann, ohne Zusatzgehalt, auch als Sänger aktiv sein.

IOCO:  Frau Larzabal, Herr Argiris, danke für das wunderbare Gespräch.

Aris Argiris und Lupe Larzabal © Patrik Klein

Aris Argiris und Lupe Larzabal © Patrik Klein

Biografie Lupe Larzabal

Guadalupe Larzabal studierte Gesang und Bass in der Hochschule für Volksmusik EPM in Buenos Aires, Argentinien nach ihrem Mathematik und- Physikstudium an der Hochschule für Mathematik und- Physik-Lehre Mariano Acosta in Buenos Aires. Sie ließ ihre Stimme von den Opernsängern Marta Blanco (in Argentinien) und Aris Argiris (in Deutschland) ausbilden. Musiktheorie und Komposition studierte sie bei Prof. Maria del Carmen Aguilar und José Luis Larzabal. Guadalupe Larzabal war Stipendiatin des Juventus Lyrica Buenos Aires für das Jahr 2002 und des Buenos Aires Lírica für das Jahr 2003. Sie erarbeitete sich ein umfangreiches Konzertrepertoire, darunter “Messias” von Händel, “Stabat Mater” von Pergolesi und Dvorak, die “Krönungsmesse” von Mozart und die “Nelsonmesse” von Haydn, und sie gastierte an der Scala de San Telmo, im Teatro Avenida, im Teatro Colón und in verschiedenen anderen Konzerthäusern von Buenos Aires. Ihr Debüt als Opernsängerin gab sie 2001 als Mitglied des Ensembles des Juvents Lyrica Verbandes in “Les mamelles des Tiresias” von Francis Poulenc. Es folgten Mercedes und die Titelpartie in “Carmen” (Bizet) und Flora Bervoix in “La Traviata” (Verdi) und Gertrud in “Romeo et Juliette” von Gounod. Erda in Wagners “Rheingold”, Dritte Dame in “Zauberflöte” und Farnace in “Mitridate Re di Ponto” sind ebenfalls wichtige Repertoirepartien. 2003 zog Guadalupe Larzabal nach Deutschland, wo sie privat Gesangsunterricht bei Prof. Alastair Thompson (King’s Singers) in Köln nahm. Als Solistin gastiert sie in Oratorien und Opernkonzerten in Deutschland und in Argentinien. Mit dem argentinischen Gitarristen und Komponisten Jorge Cardoso tritt sie jedes Jahr seit 2007 in Spanien, Italien und Frankreich auf. 2011 war sie als Tisbe in “La Cenerentola” von Rossini, als Pisana in “I due Foscari” von Verdi und als Marchese in La Fille du Regiment von Donizetti zu erleben. 2012 debütiert sie als Olga in “Eugen Onegin” von Tschaikowski und Die alte Nonne in “Sancta Susanna” von Hindemith. Sie singt die Operngala bei den Schlossfestspielen Heidelberg. 2013 stand für die Alt-Solistin die Oper “Dionysos” von Wolfgang Rihm am Theater und Orchester Heidelberg auf dem Programm, außerdem debütierte sie in Argentinien als Azucena in “Il trovatore” von Verdi. In Mai 2013 gründete sie CantArte, ein Vokalensemble, das sich zum Ziel gesetzt hat, a-cappella-Musik in all ihren Stilrichtungen und Epochen aufzuführen.
2014 begann sie, künstlerische Events zu veranstalten (u.a. Misa Criolla von Ariel Ramirez, Sankt-Antonius-Festival in Siegburg, Barockmusik aus Lateinamerika und Opera goes Band!).
2015 gründet sie LiberArte Bonn um internationale Kulturprojekte zu konzipieren und zu organisieren. Mit LiberArte Bonn wird zusammen mit Konzertmeisterin Andrea Keller ein besonderes Programm uraufgeführt: “Begegnung – Tänze der neuen und alten Welt” mit lateinamerikanischer Barockmusik, die im Laufe des 16. Und 17. Jahrhunderts in “Neu-Spanien” entstand und zum ersten Mal in Deutschland präsentiert wird. Guadalupe Larzabal leitet seit 2015 den Chor Voces de las Américas.

Im Juli 2016 dirigierte sie die Misa Criolla von Ariel Ramírez zum ersten Mal im Kölner Dom zu der Zweihundertjahrfeier der Unabhängigkeits Argentiniens. Als Solist war Aris Argiris zu hören. Mit dem Chor Voces de las Américas präsentierte sie die Misa Criolla zum ersten Mal in der Pauluskirche in Bremerhaven zusammen mit den Tenören Arturo Martin und Thomas Burger. Unter ihrer musikalischen Leitung präsentierte sie im Dezember 2017 zusammen mit dem “ensemble amadeus bonn”, dem Bandoneonisten Pato Lorente und dem argentinischen Pianisten Sebastián Rodriguez die Misatango von Martín Palmeri. Seit Oktober 2017 betreibt sie in Bonn das Künstlerstudio Agora Artist Studio.

Aris Argiris –  Biografie

Aris Argiris  stammt aus Athen, studierte er in seiner Heimatstadt Marketing und Sprachen, Saxophon und Musiktheorie sowie Gesang bei Kostas Paskalis, Frangiskos Voutsinos und Despina Calafati.Nach Engagements am Musiktheater im Revier in Gelsenkirchen, am Theater Dortmund, an der Oper Bonn war er bis der Spielzeit 2010/2011 Ensemblemitglied an der Oper Frankfurt. 2011 gastierte er in der Arena di Verona als Figaro in Rossinis „Il Barbiere di Siviglia“ und in St. Petersburg als Renato(Un ballo in maschera). 2016/2017 Opera di Montreal (Jago in “Otello”), Gärtnerplatztheater München (Amonasro in “Aida”) Athens Festival in Herodes Atticus (Amonasro in “Aida”), Gluck International Festival (Orest in “Iphigenie auf Tauris” / R. Strauss Fassung), Musiktheater im Revier (Scarpia in “Tosca”), Semperoper Dresden (Figaro in “Il Barbiere di Siviglia), Vlaamse Opera und Les Theatres de la Villes de Luxembourg (Paolo in “Simon Boccanegra”), Theatre de la Monnaie (Sharpless in “Madama Butterfly”), Theater Freiburg (Der Herrscher in “Das Wunder der Heliane”

2017/18 Theater an der Wien (Wotan/Wanderer in “Der Ring des Nibelungen“), Theater Chemnitz (Wotan in “Die Walküre), Scottish Opera (“Rigoletto”)
2013/14/15 gastierte er in Theater St. Gallen (Escamillo in “Carmen”), Theater Bern (Jochanaan in “Salome”), Musiktheater im Revier (“Rigoletto”), Theater an der Wien (Figaro in “La mere coupable”), Israel philharmonic Orchestra (Escamillo in “Carmen”, renato in “UN ballo in maschera”, Kindertotenlieder von G. Mahler), Staatsoper Hamburg (Escamillo in “Carmen”), Teatro San Carlo di Napoli (Escamillo in “Carmen”), Theatre de la Monnaie (Lescaut in “Manon Lescaut), Essen Aalto Musiktheater (Francesco in “I Masnadieri”), Israel Philharmonic Orchestra (Jago in “Otello”), Theater Bonn (Scarpia in Tosca), San Diego Opera (Renato in “Un Ballo in Maschera”), Savonlinna Opera Festival (Escamillo in “Carmen”).
2012 gastierte er in Tokio (Marcello in „La Bohéme“), am Theater an der Wien (Four Villains in „Hoffmanns Erzählungen“), Oper Bonn (Graf Luna /Il Trovatore), Teatro Colon (Dandini/La Cenerentola), Staatsoper Berlin (Nardo/La finta giardiniera) ect.
Als Escamillo in Bizets „Carmen“ war er 2011 im ersten 3-D Opernfilm zu erleben. Aufgezeichnet wurde die Inszenierung dieser Oper 2010 im Royal Opera House Covent Garden London.
1999 erhielt er das Maria-Callas-Stipendium in Athen und setzte sein Gesangsstudium in der Meisterklasse von Prof. Daphne Evangelatos an der Hochschule für Musik und Theater in München fort.
Im Jahr 2002 war Aris Argiris Preisträger des Internationalen Gesangswettbewerbs der Kammeroper Schloss Rheinsberg und sang die Titelpartie in Mozarts Don Giovanni.
2007 wurde er von der griechischen Vereinigung der Musik- und Theaterkritiker als bester junger Künstler Griechenlands ausgezeichnet.
Gastengagements führen ihn u.a. an die Opernhäuser in:
Athens(Staatsoper, Athens Music Hall), Hamburg (Staatsoper), Stuttgart(Staatsoper), Stockholm(Royal Opera), Leipzig (Gewandhaus, Oper), Berlin (Deutsche Oper, Komische Oper, Staatsoper), London(Royal Opera House), Bruxelles (Theatre de la Monnnaie), Tokyo (NNT), Antwerpen-Gent(Vlaamse Oper), Oper Bonn, San Diego Opera, Opera de Lima (Peru), Teatro Colon (Buenos Aires),St. Petersburg (Mikhailovsky Theatre), Dresden (Semperoper),Wien (Theater an der Wien, Volksoper), Buenos Aires (Teatro Colon) etc .
Zu seinen wichtigsten bisher gesungenen Partien gehören neben dem Don Giovanni u. a. Scarpia (Tosca), Rigoletto (G. Verdi), Amonasro (G. Verdi), Renato (Un ballo in maschera), Jochanaan (Salome), Figaro (Il Barbiere di Siviglia), Escamillo (Carmen), G. Germont (La Traviata), Marcello (La Bohéme), Rodrigo di Posa (Don Carlo), Conte d’Almaviva (Le nozze di Figaro), Lord Enrico Asthon (Lucia di Lammermoor), Frank/Fritz (Die tote Stadt), Valentin (Faust), Francesco (I Masnadieri), The Four Villains (Les Contes d’Hoffman).
Der Bariton arbeitete unter anderem mit den Dirigenten:
Zubin Mehta, Massimo Zanetti, Kurt Masur, Christian Thielemann, Yakov Kreizberg, Gustav Kuhn, Donato Renzetti, Manfred Honeck, Walter Attanasi, Graeme Jenkins, Carlo Franci, Antonello Allemandi, Patrick Lange, Carlo Rizzi ect.
Mit der Württembergischen Philharmonie Reutlingen hat er “Ariadne – Dithyrambos für Bariton und Orchester” von Siegfried Matthus und die Arie des Holofernes aus der Matthus-Oper “Judith” auf CD (Label Genuin) eingespielt.

—| IOCO Interview Theater Chemnitz |—

Hamburg, Hamburg Ballett, Prof. John Neumeier – Ballettlegende bleibt bis 2023, IOCO Aktuell, 01.04.208

Hamburgische Staatsoper © IOCO

Hamburgische Staatsoper © IOCO

Staatsoper Hamburg

John Neumeier  –  Intendant des Hamburg Ballett bis 2023

 Matthäus Passion, Anna Karenina, Otello, Die Kameliendame, Die Möwe..

Ballettintendant John Neumeier @ IOCO

Ballettintendant John Neumeier @ IOCO

Der 2019 auslaufende Vertrag mit Prof. John Neumeier (*1939 in Milwaukee, Tennessee) als Ballettintendant und Chefchoreograf des Hamburg Ballett wird bis 2023 verlängert. So entschiedet Ende März 2018 der Aufsichtsrat der Hamburgischen Staatsoper und die zuständige Kommission des Senates der Hansestadt Hamburg. John Neumeier, Hamburgs Ehrenbürger, ist seit 1973 Ballettdirektor und Chefchoreograf des Hamburg Ballett und seit 1996 auch als Ballettintendant an der Staatsoper in Hamburg tätig. Mit der Vertragsverlängerung wird die Erfolgsgeschichte des Hamburg Ballet fortgeschrieben, ausgebaut.

Unter der Leitung von John Neumeier hat sich das Hamburg Ballett zu einer der wichtigsten Kulturinstitutionen mit internationalem Rang entwickelt. So hat Neumeier mit seiner Compagnie gerade erst auf einer großen Japan-Tournee das Publikum begeistert und letzte Woche auf der historischen Bühne des Bolschoi-Theaters in Moskau sein neues Ballett Anna Karenina präsentiert, das als Koproduktion im Juli 2017 an der Hamburgischen Staatsoper uraufgeführt wurde. Die kreative Energie John Neumeiers und seiner Compagnie kann mit der Vertragsverlängerung weiterhin in der Stadt und als Kulturbotschafterin für Hamburg wirken. Zur weiteren Profilierung des Balletts wird die Compagnie bereits ab der Spielzeit 2018/19 um drei neue Tänzerstellen aufgestockt. Daneben wird die Stadt die Sicherung der Zukunft des Bundesjugendballetts sowie die dauerhafte Erhaltung der Sammlung und Stiftung John Neumeier, einer der größten privaten Ballettsammlungen der Welt, weiter verfolgen.

John Neumeier © Kiran West

John Neumeier © Kiran West

Dr. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien: „John Neumeier und seine Compagnie ziehen mit ungebremster Kraft und Kreativität das Publikum in ihren Bann und sind in der ganzen Welt herausragende Botschafter der Kulturstadt Hamburg. Der nachhaltige Erfolg des Hamburg Ballett unter John Neumeier in Hamburg und seine internationale Strahlkraft beeindrucken immer wieder aufs Neue und sind ein guter Grund, die Erfolgsgeschichte Hamburg Ballett weiterzuschreiben. Mit dieser Entscheidung wird John Neumeier ein halbes Jahrhundert lang an der Spitze des Hamburg Ballett stehen – das ist eine wahrhaft herausragende Leistung und eine künstlerisch einzigartige Ära.

Hamburg Ballett / Intendant John Neumeier - hier : Proben Beethoven-Projekt © Kiran West

Hamburg Ballett / Intendant John Neumeier – hier : Proben Beethoven-Projekt © Kiran West

Prof. John Neumeier, Ballettintendant und Chefchoreograf, Hamburg Ballett: „Auch nach 45 Jahren an der Spitze des Hamburg Ballett sehe ich diese Position als außerordentlich faszinierende Lebensaufgabe an: für mich als Künstler und Choreograf, als Ballettintendant und nicht zuletzt als Ehrenbürger der Freien und Hansestadt Hamburg. Meine geistige und physische Gesundheit erlaubt es mir, die Zukunft aktiv zu planen. Mit meiner Entscheidung, die Intendanz des Hamburg Ballett um vier weitere Jahre fortzuführen, löse ich vielfältige Erwartungen ein, auch von unseren renommierten Gastspielpartnern in Tokio, Moskau und Wien. Das Hamburg Ballett setzt zuallererst Impulse für das Kulturleben seiner künsterischen Heimat Hamburg. Daneben hat es sich unter meiner Leitung zu einer festen Größe in der internationalen Ballettszene entwickelt. Diese ehrenvolle Aufgabe gemeinsam mit Lloyd Riggins als Stellvertretendem Ballettdirektor bis 2023 fortzuführen, bedeutet mir sehr viel.

John Neumeier übernahm 1973 die Leitung des Hamburg Ballett und ist damit der dienstälteste Ballettdirektor der Welt. Er ist Träger zahlreicher Ehrungen und Auszeichnungen, unter anderem ist er seit 2007 Ehrenbürger der Freien und Hansestadt Hamburg. Im Repertoire des Hamburg Ballett befinden sich alle 158 Choreografien von John Neumeier, zusammen mit seiner Compagnie war er bislang bei mehr als 1.000 Vorstellungen auf 331 Gastspielen in 30 Ländern auf fünf Kontinenten zu erleben. Der Kyoto-Preis der Inamori-Stiftung, eine Auszeichnung mit hoher internationales Reputation, wurde John Neumeier 2015 verliehen. Die von  Kyocera-Gründer Dr. Kazuo Inamori ins Leben gerufene Auszeichnung gilt neben dem Nobelpreis als eine der  wichtigsten Ehrungen in Kultur und Wissenschaft weltweit. Sie ehrt jährlich drei Persönlichkeiten aus Kunst und Philosophie, Hochtechnologie und Grundlageforschung für ihr Lebenswerk. Der Preis ist mit rund 360.000 Euro dotiert. PMHHB

Karlsruhe, Badisches Staatstheater, Führung erneuert – Fünf Direktorinnen, IOCO Aktuell, 23.03.2018

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Badisches Staatstheater Karlsruhe

 

Badisches Staatstheater Karlsruhe © Jochen Klenk

Badisches Staatstheater Karlsruhe © Jochen Klenk

Fünf neue Direktorinnen am Staatstheater

Nicole Braunger – Bridget Breiner – Stefanie Heiner – Uta-Christine Deppermann – Anna Bergmann

Das STAATSTHEATER KARLSRUHE setzt ab den Spielzeiten 2018/19 und 2019/20 auffällige Zeichen für seine Zukunft: Fünf Direktorinnen werden zukünftig die Geschicke des Staatstheaters leiten: Eine in der deutschen Theaterlandschaft einmalige wie wegweisende Situation. Die mutigen Personalentscheidungen fällten Theresia Bauer, Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kunst des Landes Baden-Württemberg und Karlsruhes Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup.     CHAPEAU ins Ländle!

Diese Frauen bringen frischen Wind in das Staatstheater Karlsruhe: Nicole Braunger tritt 2018/19 als Operndirektorin die Nachfolge von Michael Fichtenholz am STAATSTHEATER KARLSRUHE an, der ans Opernhaus Zürich wechselt. Gelsenkirchens Ballettdirektorin Bridget Breiner folgt ab der Spielzeit 2019/20 auf Prof. Birgit Keil. Auch das VOLKSTHEATER bekommt eine neue Leitung: Stefanie Heiner, bisher in Weimar tätig, löst Beata Anna Schmutz ab, die ans Nationaltheater Mannheim geht. Die Künstlerische Betriebsdirektion übernimmt Uta-Christine Deppermann 2018/19 von Monika Pichler, die sich in den Ruhestand verabschiedet. Bisher war Deppermann in gleicher Position am Theater Magdeburg tätig. Komplettiert wird die neue Leitungsriege durch die designierte Schauspieldirektorin Anna Bergmann.

„Die neuen Direktorinnen sind eine ausgezeichnete Wahl. Sie werden sich inhaltlich zwischen Tradition und Innovation bewegen und neue Akzente setzen. Sie sind künstlerische Zukunftsversprechen für Karlsruhe!“, sagt Theresia Bauer, Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kunst des Landes Baden-Württemberg. Die Ministerin freute sich besonders darüber, dass Bridget Breiner, die lange Jahre als erste Solistin für das Stuttgarter Ballett tanzte, nun wieder ins Land kommt : „die Rückkehr einer großen Künstlerin nach Baden-Württemberg – in der Nachfolge der großartigen Birgit Keil, die für die überragende Qualität und internationale Strahlkraft des Balletts in Baden-Württemberg steht“, so Bauer. „Das STAATSTHEATER stellt sich in fast allen Sparten völlig neu auf. Es konnten starke Persönlichkeiten gewonnen werden, die künstlerisch und atmosphärisch eigene Schwerpunkte setzen werden – wir dürfen sehr neugierig und gespannt sein”, ergänzt Karlsruhes Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup.

Staatstheater Karlsruhe / Nicole Braunger - kommende Operndirektorin © Felix Grünschloß

Staatstheater Karlsruhe / Nicole Braunger – kommende Operndirektorin © Felix Grünschloß

Nicole Braunger kommt ab der Spielzeit 2018/19 ein bestens vernetzter Musiktheater-Profi mit großer Sängerkenntnis ans STAATSTHEATER und baut damit die internationalen Beziehungen der Karlsruher OPER weiter aus. Sie studierte Sologesang am Konservatorium Wien und der Universität für Musik und Darstellende Kunst Wien. Nach ihrem Diplom war sie von 2006 bis 2010 als Sopranistin im Ensemble des Mecklenburgischen Staatstheaters Schwerin engagiert. Darauf war sie Künstleragentin bei Claudia Dickie – Artists Management in Baden. Seit 2017 arbeitet sie als Head of Directors Division (Leiterin der Regie-Abteilung) bei ARSIS – Artist Management in Wien und vertritt Regisseure wie Kirill Serebrennikov, Keith Warner oder Harry Kupfer. Die Agentur zählt zu den weltweit führenden und vermittelt auch Sängerinnen und Sänger wie Anette Dasch oder Nikolai Schukoff sowie Dirigenten wie Kirill Petrenko. Nicole Braunger wird als Operndirektorin die erste Frau in dieser Position am STAATSTHEATER KARLSRUHE sein.

Staatstheater Karlsruhe / Bridget Breiner - kommende Ballettdirektorin © Sebastian Galtier

Staatstheater Karlsruhe / Bridget Breiner – kommende Ballettdirektorin © Sebastian Galtier

Bridget Breiner löst Birgit Keil als langjährige Direktorin des Badischen Staatsballett zur Saison 2019/20 ab. Der Vertrag der dann 75-jährigen Birgit Keil, seit 2003 Direktorin des Staatsballett Karsruhe, läuft dann aus. Bridget Breiner ist weltweit anerkannte Tänzerin und gefeierte Choreografin. Aufgewachsen in Columbus, Ohio (USA), tanzte sie u. a. am Bayerischen Staatsballett, dem Ballett der Semperoper Dresden und lange Jahre als erste Solistin für das Stuttgarter Ballett, wo sie gleichzeitig eine erfolgreiche Karriere als Choreografin begann. Ihre Choreografie Sirs für die Stuttgarter Noverre-Gesellschaft wurde sofort ins Repertoire des Stuttgarter Balletts aufgenommen. Mit Studenten der John-Cranko-Schule schuf sie im Kunstmuseum Stuttgart das Stück Zeitsprünge. Letters of Others war 2010 ihr erstes Auftragswerk für das Stuttgarter Ballett. Es folgten Arbeiten für das Kevin O’Day Ballett Mannheim, das Ballett Augsburg oder das lettische Nationalballett. Seit 2012 ist sie äußerst erfolgreiche Ballettdirektorin am Musiktheater im Revier in Gelsenkirchen. Ihr Ballett Ruß wurde 2013 ebenso mit dem Deutschen Theaterpreis DER FAUST ausgezeichnet wie 2015 ihre Kreation Charlotte Salomon: Der Tod und die Malerin. Damit ist sie eine der wenigen Künstlerinnen, der zwei Mal Deutschlands höchster Theaterpreis verliehen wurde. Im Sommer 2016 choreografierte Bridget Breiner erstmals für die Ruhrfestspiele Recklinghausen; am 15.3. brachte sie mit Strawinskys Feuervogel ihre erste Arbeit für Les Grands Ballets Canadiens de Montréal in Kanada zur Uraufführung. Mit ihrem Engagement in Karlsruhe kehrt sie in ihre künstlerische Heimat Baden-Württemberg zurück. Sie wird die Linie des klassischen Balletts, die so erfolgreich durch Birgit Keil geprägt wurde, ab der Spielzeit 2019/20 fortsetzen.

Auch Generalintendant des Musiktheater im Revier, Michael Schulz, freut sich sehr, dass wieder einmal eine Gelsenkirchener Erfolgsgeschichte über die Region hinaus fortgesetzt wird und wünscht Bridget Breiner eine spannende und erfolgreiche Zukunft. Gelsenkirchens Oberbürgermeister Frank Baranowski bedauert den kommenden Abschied von Bridget Breiner: «Mit Bedauern aber auch mit großer Anerkennung», so  Baranowski über Breiners Berufung nach Karlsruhe. Er werde mit den Verantwortlichen des Musiktheater über die Nachfolge beraten.

Die neue Leiterin des VOLKSTHEATERS ab der Spielzeit 2018/19 ist Stefanie Heiner. Sie studierte Erziehungswissenschaften und Philosophie und absolvierte eine Ausbildung zur Theaterpädagogin. 2012 machte sie zusätzlich eine Fortbildung mit dem Schwerpunkt Tanztheater. Seit 2009 leitet sie die Theaterpädagogik des stellwerk – junges Theater Weimar und arbeitet als Regisseurin und Theaterpädagogin bundesweit in diversen freien Projekten. Seitdem sind viele Inszenierungen für und mit Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen entstanden, zuletzt Ronja Räubertochter am stellwerk Weimar, Frühlings Erwachen (Spring Awakening) in Kooperation mit dem Deutschen Nationaltheater Weimar und Der kleine Prinz am STAATSTHEATER KARLSRUHE. Ihre Spezialgebiete sind partizipatorische Projekte mit zeitgenössischen und performativen Ansätzen sowie das Theater für die Allerkleinsten. Ihre Inszenierung Abräumen für Kinder ab 2 Jahren wurde für den Thüringer Theaterpreis 2016 nominiert. Stefanie Heiner wird eng vernetzt mit dem JUNGEN STAATSTHEATER arbeiten.

Staatstheater Karlsruhe / Ute-Christine Deppermann - kommende Künstlerische Betriebsdirektorin, © Felix Grünschloß

Staatstheater Karlsruhe / Ute-Christine Deppermann – kommende Künstlerische Betriebsdirektorin, © Felix Grünschloß

Uta-Christine Deppermann, ab 2018/19 Künstlerische Betriebsdirektorin, eine der führenden deutschen Betriebsdirektorinnen, hat die künstlerischen Abläufe an zahlreichen Theatern organisiert. Die studierte Musik- und Theaterwissenschaftlerin arbeitete als Chefdisponentin an den Landesbühnen Sachsen und an den Wuppertaler Bühnen, bevor sie als Künstlerische Betriebsdirektorin ans Staatstheater Braunschweig wechselte. Zuletzt war sie in gleicher leitender Funktion am Theater Magdeburg engagiert. Schwerpunkt ihrer Arbeit war im Musiktheater Ensemble-Entwicklung und Auswahl der Solisten. Darüber hinaus war Uta-Christine Deppermann als Konzertdramaturgin und Künstlervermittlerin tätig und leitet seit 2000 den Internationalen Gesangswettbewerb Competizione dell‘Opera.

„Frauen in Führungspositionen ist gerade ein heiß diskutiertes, brennendes Thema. Mit diesen Theaterfachfrauen setzen wir einen starken Akzent. Sie werden sich, auch spartenübergreifend, mit den gesellschaftlich relevanten Themen Geschlechtergerechtigkeit und Geschlechterverhältnisse auseinander setzen. Wir sind glücklich, dass wir solch herausragende Spartendirektorinnen für Karlsruhe gewinnen konnten,“ freut sich Generalintendant Peter Spuhler auf die neue Leitungsriege.

LEBENSLÄUFE der kommenden DIREKTORINNEN

Nicole Braunger, geb. in Mödling, studierte Sologesang am Konservatorium Wien und der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien. Nach ihrem Diplom war sie von 2006 bis 2010 als Sopranistin im Ensemble des Mecklenburgischen Staatstheaters Schwerin engagiert. Darauf war sie Künstleragentin bei Claudia Dickie –Artists Management in Baden. Seit 2017 arbeitet sie als Head of Directors Division (Leiterin der Regie-Abteilung) bei ARSIS – Artist Management in Wien und vertritt Regisseure wie Harry Kupfer, Kirill Serebrennikov, Lydia Steier oder Keith Warner. Die Agentur zählt zu den weltweit führenden und vermittelt auch Sängerinnen und Sänger wie Anette Dasch, Anja Kampe, Claudia Mahnke, Michaela Schuster, Nikolai Schukoff, Terry Wey, Wolfgang Koch oder Falk Struckmann, und  Dirigenten wie Betrand De Billy, Philippe Jordan, Kirill Petrenko oder Simone Young. Nicole Braunger wird als Operndirektorin die erste Frau in dieser Position am STAATSTHEATER KARLSRUHE sein.

Bridget Breiner (*1974) wuchs in Columbus, Ohio (USA) auf. Sie tanzte u.a. am Bayerischen Staatsballett, dem Semperoper Ballett Dresden und lange Jahre als erste Solistin für das Stuttgarter Ballett, wo sie gleichzeitig eine erfolgreiche Karriere als Choreografin begann. Ihre Choreografie Sirs für die Stuttgarter Noverre-Gesellschaft wurde sofort ins Repertoire des Stuttgarter Ballett aufgenommen. Mit Studenten der John Cranko-Schule schuf sie im Kunstmuseum Stuttgart das Stück Zeitsprünge. Letters of Others war 2010 ihr erstes Auftragswerk für das Stuttgarter Ballett. Es folgten Arbeiten für das Kevin O’Day Ballett Mannheim, das Ballett Augsburg oder das lettische Nationalballett.

Ihr Debüt am MiR feierte sie 2012 mit der Inszenierung des Opern-Tanz-Abends Großstadt-Triptychon. In der Spielzeit 2012/13 stellte sich Bridget Breiner mit Blau Blue Bleu als neue Direktorin des Ballett im Revier der Öffentlichkeit vor. Ihr Ballett Ruß wurde im Herbst 2013 mit dem Deutschen Theaterpreis „Der Faust“ ausgezeichnet. In den folgenden Jahren folgten die Choreografien zu Schwanensee, On the Town, The Tragedies of Othello und In Honour of. Mit ihrer Kreation Charlotte Salomon: Der Tod und die Malerin wurde sie 2015 erneut mit dem Deutschen Theaterpreis „Der Faust“ ausgezeichnet.

Im Sommer 2016 choreografierte Bridget Breiner erstmals für die Ruhrfestspiele Recklinghausen. Das dort uraufgeführte Ballett Prosperos Insel ist in der jetzigen Spielzeit im Musiktheater im Revier zu sehen. Außerdem kreiert sie in dieser Spielzeit den Ballettabend The Vital Unrest zur Auftragskomposition des lettischen Komponisten Georgs Pelecis und Camille Saint-Saëns 3.Symphonie. Am 15. März brachte sie mit Strawinskys Feuervogel ihre erste Arbeit für das Les Grands Ballets Canadiens de Montréal in Kanada zur Uraufführung.

Uta-Christine Deppermann, eine der führenden deutschen Betriebsdirektorinnen, hat die künstlerischen Abläufe an zahlreichen Theatern organisiert. Die studierte Musik- und Theaterwissenschaftlerin arbeitete als Chefdisponentin an den Landesbühnen Sachsen und an den Wuppertaler Bühnen, bevor sie als Künstlerische Betriebsdirektorin ans Staatstheater Braunschweig wechselte, wo sie hauptverantwortlich für die Planung und Koordination des Jahresspielplans von vier Sparten an fünf Spielorten war. In dieser Zeit vertiefte sie auch ihren Schwerpunkt im Musiktheater. Zuletzt war sie in gleicher leitender Funktion am Theater Magdeburg engagiert und disponierte dort alle Vorstellungen in den Sparten Musiktheater, Ballett, Musical und Gastspielorganisation. Schwerpunkt ihrer Arbeit war darüber hinaus im Musiktheater Ensemble-Entwicklung und Auswahl der Solisten. Darüber hinaus war Uta-Christine Deppermann als Konzertdramaturgin und Künstlervermittlerin tätig und leitet seit 2000 den Internationalen Gesangswettbewerb Competizione dell‘Opera.

Stefanie Heiner:  Die Tanz- und Theaterpädagogin Stefanie Heiner, geboren in Korbach (Hessen), studierte Erziehungswissenschaften und Philosophie an der Universität Erfurt und absolvierte anschließend eine Ausbildung zur Theaterpädagogin an der Theaterwerkstatt in Heidelberg.

2012 absolvierte sie zusätzlich eine Fortbildung mit dem Schwerpunkt Tanztheater. Seit 2009leitet sie die Theaterpädagogik des stellwerk – junges Theater Weimar und arbeitet als Regisseurin und Theaterpädagogin in diversen freien Projekten thüringen- und bundesweit. Seitdem sind viele Inszenierungen für und mit Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen entstanden, zuletzt Ronja Räubertochter am stellwerk Weimar, Frühlings Erwachen (Spring Awakening) in Kooperation mit dem DNT Weimar und Der kleine Prinz am Staatstheater Karlsruhe.

Ihre Spezialgebiete sind partizipatorische Projekte mit zeitgenössischen und performativen Ansätzen sowie das Theater für die Allerkleinsten. Ihre Inszenierung Abräumen für Kinder ab 2 Jahren wurde für den Thüringer Theaterpreis 2016 nominiert. PMStthKa

 

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