Kulturpolitik in Zeiten von Corona – Prof. Ullrich Mehlich – IOCO Interview – Teil 1, 13.01.2021

Januar 13, 2021  
Veröffentlicht unter Hervorheben, IOCO Interview, Personalie

Corona & Kulturpolitik © Süddeutsche Zeitung / Max-Planck-Geselschaft

Corona & Kulturpolitik © Süddeutsche Zeitung / Max-Planck-Geselschaft

Kulturpolitik in Zeiten der Coronakrise

 Prioritäten der Regierung – das Recht der Bürger zum Widerstand – im Rahmen von Recht und Verfassung

Oxana Arkaeva spricht mit Prof. Ullrich Mehlich, Professor an der Hochschule für Verwaltung Kehl, über die Staatsgewalt zum Kulturgeschehen in den Zeiten von Corona 

Interview Teil 1: Staatsgewalt, Einzigartigkeit der deutschen Verwaltungssystems, Überforderung der Gesundheitsämter, Relevanz und Anordnung der Kultur in der kommunalen Verwaltung und das Ermessenshandeln der Regierung.

Interview Teil 2 – Folgt am 20.01.2021 – Über die (Un-)Möglichkeit einer Umwandlung der freiwilligen Kulturabgeben in Pflichtabgaben, Verletzung der Grundrechte, den Staat als Kultur-Schulmeister, den Erfolg einer Verfassungsklage in München, die Theatern als Bildungsstätte, und Prognose für die kommenden Monate

Die Autorin des Interviews legt großen Wert auf die originäre, authentische Art und Still im sprachlichen Ausdrucks der Interviewpartner*in. Daher sind stilistische und sprachliche Besonderheiten möglich.


Professor Ullrich Mehlich, Professor an der Hochschule für Verwaltung Kehl © Hochschule für Verwaltung Kehl

Professor Ullrich Mehlich, Professor an der Hochschule für Verwaltung Kehl © Hochschule für Verwaltung Kehl

Interview Teil 1:  Professor Ullrich Mehlich – im Gespräch mit  Oxana Arkaeva

  1. Lieber Herr Professor Mehlich, aus Sicht eines Verwalters, eines Juristen: Was passiert gerade in Deutschland,  ausgelöst durch die Corona-Pandemie ?

Wenn Sie mich vor einem Jahr gefragt hätte, hätte ich es nicht für möglich gehalten, dass wir eine solche Situation jemals in diesem Land bekommen würden. Wir haben seit Kriegsende beziehungsweise seit Entstehen der Bundesrepublik Deutschland noch niemals eine solche starke Einschränkung der Freiheitsrechte der Menschen gehabt, und Ich hoffe, dass mir das auch nie mehr in Zukunft erleben werden. Die Freiheitsrechte sind in einem Maße eingeschränkt worden, durch die Kontaktbeschränkungen und sonstigen Maßnahmen, die eben von der Regierung veranlasst worden sind, wie noch nie zuvor. Wahrscheinlich werden diese Beschränkungen, die in den verschiedensten Bereichen eine Rolle spielen, gerade im Bereich der Kultur, noch einen längeren Zeitraum aufrechterhalten bleiben müssen.

Oxana Arkaeva, Autorin © Oxana Arkaeva

Oxana Arkaeva, Autorin © Oxana Arkaeva

  1. 2. Sie beteuern immer wieder das Rechts- und Verwaltungssystem in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern einzigartig sind. Können Sie uns diese Einzigartigkeit erklären? Hat sich diese Einzigartigkeit unter Pandemie bewähren können?

Wir in der Bundesrepublik Deutschland haben ein sogenanntes föderatives System des anders wie in den allermeisten anderen europäischen Staaten zum Beispiel Frankreich welches zentral von Paris aus regiert wird bei uns haben in erster Linie die Länder besagen insbesondere in der Exekutive in der Verwaltung und das führt eben dazu oder führte dazu wie wir es ja gesehen haben dass wir sehr unterschiedliche Regelungen in den einzelnen Bundesländern haben also kein einheitliches Bild aber das ist in unserem System so angelegt Wir haben in den letzten 60 Jahren mit diesem föderativen System Im Vergleich zu vielen anderen Mitgliedstaaten der EU sehr gut gelebt die Hauptarbeit wird bei den Ländern insbesondere in der Verwaltung bei den Ländern weil die natürlich auch näher dran sind an den lebenssachverhalten im Umkehrschluss führt das natürlich dazu, dass wir diese Vielfalt haben diese Uneinheitlichkeit und gerade in Zeiten von Corona hört man ja jetzt die entsprechenden Stimmen dass es vielleicht sinnvoll gewesen wäre das mehr zentral vom Bund aus geregelt worden wäre.

  1. Wir hören immer wieder über aktuelle Überforderung der Ämter, insbesondere der Gesundheitsämter. Warum ist es so? Wie kam es dazu?

Den Gesundheitsämtern waren in der Vergangenheit in der Verwaltung so ein bisschen, das Stiefkind. Es ist ja auch nicht allzu viel passiert: die großen Säuchen waren besiegt. in den letzten Jahren, ab Mitte der 90er Jahre, stieg wieder die Bedeutung der Gesundheitsämter, die im Übrigen personell in der Regel nicht besonders gut ausgestattet waren. In dem wieder viele Krankheiten, Epidemien, wie der Tuberkulöse oder ähnliches, wo man eigentlich dachte, dass sie ausgestorben sind, immer wieder zurückgekommen, stieg so langsam die Bedeutung der Gesundheitsämter wieder an. Der Personalbestand blieb aber weitestgehend gleich. Und jetzt kann man wirklich sagen, dass sieht man ja jeden Tag, dass die sie in der Verwaltung die Hauptlast tragen; eben tatsächlich überfordert sind. Die Nichtverfolgung funktioniert nicht mehr. Infektionszahlen sind zu hoch. Nach dieser Pandemie werden wir darüber nachdenken müssen diesen Teil der Verwaltung auf jeden Fall personell und finanziell zu verstärken. Die Gesundheitsämter sind am nächsten dran. Sie improvisieren größtenteils und Ich bin wirklich gespannt, wenn jetzt diese Impfzeiten losgehen, wie sich dann das personell hinbekommen. Das wird die größte Herausforderung werden für die Verwaltungen, insbesondere für die Gesundheitsämter, diese Impfstrategien umzusetzen.

Vor einer Woche haben wir über die Situation in Kehl mit den Besuchern, Käufern aus Frankreich gesprochen.

  1. Was meinen Sie, wird es zu den Einschränkungen im Grenzverkehr, zu der Grenzschließungen kommen?

Ich bin mir sicher, dass es kommen wird. Ich sehe es von zwei Seiten. ich wohne unten an der Grenze zur Schweiz und arbeite an der Grenze zu Frankreich. ich erlebe diesen Grenzverkehr und wenn die Zahlen sich weiter so entwickeln beziehungsweise nicht rapide nach unten gehen in diesen Lockdown, da bin ich mir sicher, dass es im Januar verschärfte Grenzkontrollen stattfinden werden, wenn nicht sogar Grenzschließungen. Wahrscheinlich zur Schweiz und zu Frankreich, davon gehe ich aus.  Mit Ausnahmen für die Menschen, die beruflich zwingend die Grenze überschreiten müssen. Ich weiß auch nicht wer vor den Deutschen mit der Grenzschließungen zuerst anfängt, die Schweizer oder die Franzosen, aber ich bin mir sicher, dass wir in den nächsten Monat Einschränkungen im Grenzverkehr haben werden.


Corona und die Relevanz der Kultur – Oxana Arkaeva im Gespräch mit  Ullrich Mehlich
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  1. Wo ist sie in der Verwaltung, in der kommunalen Verwaltung angeordnet oder angesiedelt?

Die gesamte Kultur wird rechtlich oder insbesondere kommunalrechtlich, im Bereich der sogenannten freiwilligen Aufgaben der Gemeinden angesiedelt. Das ist immer schon so gewesen. Man muss aber hinzufügen, dass in Deutschland, insbesondere in Süddeutschland, haben die Gemeinde, aufgrund der verfassungsrechtlichen Situation, eine extrem starke Position. Unser Grundgesetz geht davon aus, dass die Gemeinden einen Großteil der gesamten Aufgaben selbst erfüllen können. Sogenannte kommunale Selbstverwaltungsgarantie und sich der Staat nur dann in die Sachen einmischt, die unbedingt einer staatlichen Regulierung bedürfen. Also ein Süddeutsche oder ein deutscher Bürgermeister und Gemeinderat hat gegenüber allen anderen in den europäischen Mitgliedstaaten eine viel stärkere Position. Weil er viel mehr rechtliche Gestaltungsräume hat. So unterscheiden wir bei den Aufgaben der Gemeinden zwischen pflichtaufgaben. Das sind die Aufgaben, die der Staat den Gemeinden übertragen hat, wie zum Beispiel, der Straßenbau, Polizeirecht, Gefahrabwehr und ähnliches, und den freiwilligen Aufgaben, wo die Gemeinde an keine Weisungen gebunden ist und mehr oder weniger politisch selber entscheiden kann, wie, mit welchen Mitteln, mit welchem Aufwand welchen Ressourcen sie diese Aufgaben erfüllen wird. Es sind natürlich politische Entscheidungen auf kommunaler Ebene und da gibt es sehr große Unterschiede. Eine Gemeinde legt deutlich mehr Wert auf Kultur, der andere ist der Straßenbau wichtiger. Das sind wirklich politische Entscheidung, wo die Gemeinden selbstständig ihre Prioritäten einsetzen können.

  1. Können wir auch über eine gewisse Relevanz bestimmter Aufgaben sprechen?

Das kann man sehr wohl. Es gibt eine gewisse Rangordnung der Rechtsgüter, die vom Staat geschützt werden sollen. Da steht ganz oben, das wurde vom Bundesverfassungsgericht schon in jahrzehntelanger Rechtsprechung immer so entschieden, der Schutz von Leib, Leben und Gesundheit. Und dann gibt es eine gewisse Rangfolge nach unten hin und, natürlich es ist eine politische Entscheidung. aber gegenüber den Lebensschutz, und Infektionsschutz, ist ja im weitesten Sinne Lebensschutz, ist es natürlich schon so, dass die Kultur, so wichtig sie auch ist diesbezüglich nachrangig. An welcher Stelle genau sie steht, das kann man nicht sagen, aber wenn die Abwägung stattfindet die Einschränkung der Kultur zugunsten des Gesundheitsschutzes ansetzen, dann ist es in der Regel von unserer Rechtsordnung auch so gewollt.

  1. Nun, wir reden nicht nur über Kultur. Wir reden über Tourismus, Sport, Gastronomie. Heißt es, wenn wir über Relevanz der Kultur sprechen, ist sie unter diesen Bedingungen nicht relevant genug? Kann man es so verstehen?

Da wo kann man das tatsächlich verstehen, dass sie so von der Wertigkeit her im Moment auf jeden Fall deutlich hintenanstehen müssen. Es geht ja nicht nur um Kultur, die gesamte Gastronomie der gesamte Tourismus des sind natürlich Berufszweige die jetzt ein massives Sonderopfer tragen und da kann man sich nun wirklich Gedanken darüber machen ob es wird viele Gastronomen es wird viele Kulturschaffende finanziell ruiniere wenn dieser Zustand eben so weitergeht sieht unsere Welt hinterher in diesen Bereichen wahrscheinlich deutlich anders aus jetzt man kann sich wirklich die Frage stellen ob die Maßnahmen zum Beispiel offenlassen von Schulen und Kitas ja die natürlich diesen Bereich das politisch bevorzugt ne ob diese Entscheidung richtig war und auch nicht dadurch eben der andere Bereich der durch die Kontaktbeschränkungen massiv betroffen wird nicht im Boot verhältnismäßiger Weise benachteiligt worden ist dann kann man die Frage kann man sich sehr wohl Stellen auf diese Prioritätenverteilung wie von der Politik so der ganz offen gesagt ne um die Kitas und Schulen offen zu lassen müssen anderswo müssen anderswo Kontakte beschränkt werden hat auch umgekehrt machen können das war aber wohl politisch nicht opportun.

  1. Ist das hier die besagte Ermessenshandeln, von dem Sie immer wieder sprechen?

Natürlich hat die Politik das Entscheidungsermessen. Sie kann verschiedene Alternative prüfen, bewerten und dann entsprechend abwägen: die Rechtsgüter. Die Bildung ist ein ganz wichtiges Gut. Schule, Kitas gehen vor dem, ich sags mal so dem Freizeitvergnügen oder wie auch immer man das zusammenfassen will. Das war eine Entscheidung die durchaus, meines Erachtens, politisch möglich ist. Inwiefern sie auf Dauer rechtlich in dieser Form durchzuhalten ist, dass wird man sehen. Dafür haben wir auch den Rechtsweg. Ich habe mich schon beim ersten Lockdown sehr gewundert, wie wenig die Verwaltungsgerichte sich eingemischt haben. Das werden wir beim zweiten Lockdown anders erleben.

Zurück zu der Thematik der freiwilligen Abgaben für die Kultur. Vor paar Tagen habe ich von einem Kollegen gehört, dass nach der Wende, in Sachsen, diese freiwilligen Abgaben für die Kultur in einem Gesetz als nicht mehr freiwillige Abgaben festgehalten werden.

Interview Teil 2 – Folgt am 20.01.2021 – Über die (Un-)Möglichkeit einer Umwandlung der freiwilligen Kulturabgeben in Pflichtabgaben, Verletzung der Grundrechte, den Staat als Kultur-Schulmeister, den Erfolg einer Verfassungsklage in München, die Theatern als Bildungsstätte, und Prognose für die kommenden Monate.

—| IOCO Interview |—

Wien, Wiener Staatsoper, BISERKA CVEJIC – 1923 – 2021, 07.01.2021

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Wiener Staatsoper

Wien / Wiener Staatsoper © Starke

Wien / Wiener Staatsoper © Starke

  BISERKA CVEJIC

Die Wiener Staatsoper trauert um ihr langjähriges Ensemblemitglied Biserka Cvejic, die, wie das serbische Fernsehen berichtet, am Donnerstag, 7. Jänner 2021 im Alter von 97 Jahren in Belgrad verstorben ist.

Im Haus am Ring sang die Mezzosopranistin zwischen 1959 und 1978 an 372 Abenden 26 verschiedene Partien. Sie verkörperte zahlreiche große Rollen ihres Faches, so war sie u. a. als Carmen, als Eboli (Don Carlo), Amneris (Aida), Azucena (Il trovatore), Maddalena (Rigoletto), Ulrica (Un ballo in maschera) oder Preziosilla (La forza del destino) zu erleben.
Internationale Auftritte führten sie u. a. an die Mailänder Scala, das Londoner Royal Opera House und die New Yorker Metropolitan Opera sowie nach St. Petersburg, Moskau, Zagreb und Belgrad.

Biserka Cvejic – Carmen G. Bizet
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Nach ihrer Pensionierung widmete sich Biserka Cvejic der Gesangspädagogik. Zu ihren Schülerinnen und Schülern zählten u. a. Starbariton Zeljko Lucic und Staatsopern-Ensemblesängerin Monika Bohinec.

Biserka Cvejic wurde 1979 zur österreichischen Kammersängerin ernannt.

—| Pressemeldung Wiener Staatsoper |—

Augsburg, Theater Augsburg, Daniel Herzog – Corona – Theater – die Künstler, IOCO Interview, 29.12.2020

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Staatstheater Augsburg

 Staatstheater Augsburg   © Staatstheater Augsburg

Staatstheater Augsburg   © Staatstheater Augsburg

Daniel Herzog, Operndirektor –  im Gespräch mit Oxana Arkaeva über Corona und die Kultur

Daniel Herzog, *1968 in Kassel, einer Theaterfamilie entstammend, ist seit über 25 Jahren im Musiktheater tätig; so in Kassel, Dortmund, Darmstadt, Kiel, Trier, Kaiserslautern – anfangs als Regieassistent, seit 1999 als Regisseur. Von 2000 bis 2004 war Herzog Spielleiter am Staatstheater Darmstadt mit eigenen Inszenierungen. Ab der Spielzeit 2004/05 wurde er Chefdisponent und Leiter des Künstlerischen Betriebsbüros am Theater Kiel, um in dieser Funktion seine vielseitigen Erfahrungen sowohl im Künstlerischen als auch im Organisatorischen zu verbinden. Ab der Spielzeit 2007/08 bis 2012 war er Künstlerischer Betriebsdirektor und Chefdisponent am Theater Trier sowie bei den Antikenfestspielen Trier. Ab der Spielzeit 2012/13 wirkte Daniel Herzog als Künstlerischer Betriebsdirektor, Chefdisponent und Stellvertreter des Intendanten am Pfalztheater Kaiserslautern. Seit der Spielzeit 2017/18 wirkt Daniel Herzog als Operndirektor am Staatstheater Augsburg, unter der neuen Intendanz von André Bücker.

Staatstheater Augsburg / Operndirektor Daniel Herzog © Ulrich Wagner

Staatstheater Augsburg / Operndirektor Daniel Herzog © Ulrich Wagner

Daniel Herzog, Operndirektor –  hier im Gespräch mit Oxana Arkaeva über Corona und die Kultur

Oxana Arkaeva (OA): 1. Wie sind Sie ans Theater gekommen?

Daniel Herzog (DH): Es war vorbestimmt, dass mein Weg mich dahin führen wird. Meine Mutter war eine Opernsängerin und der Vater ein Orchestermusiker. Ich bin in meiner Geburtsstadt Kassel quasi im Theater gezeugt worden. Als mein Vater fast jeden Sommer in Bayreuth gespielt hat, war es für mich kein Problem 4 oder 5 Stunden in der Vorstellung zu sitzen. Bald stand die Frage: Wohin gehts? Auf oder hinter der Bühne? Und irgendwann war es klar: ich will hinter die Bühne. Und so habe ich meinen Weg, mittlerweile seit fast 30 Jahren, zuerst als Regieassistent, Regisseur, Spielleiter an einem Opernhaus begonnen. Bald hat es mich auf die organisatorische Seite verschlagen. Zuerst als Künstlerische Betriebsdirektor und aktuell, seit vier Jahren in meiner ersten Funktion als Operndirektor am Staatstheater Augsburg.

OA: 2. Wie hat die Leitung des Staatstheaters auf den Ausbruch der Pandemie reagiert?

DH: In Augsburg sind wir von Beginn an in einer Interimsspielstätte untergebracht, weil das große Haus bis 2026 saniert wird (d.h. Interimsspielstätte martini-Park). Das heißt, dass wir schon von Beginn an mit eingeschränkter räumlicher Situation konfrontiert wurden. Als Ende Februar die Pandemie den Einzug gehalten hat und die ganzen Einschränkungen eingetreten sind, waren wir zwei und halb Wochen vor der Premiere unserer Produktion Margarethe von Gounod entfernt. Am Anfang waren wir erst unvorbereitet, denn man wusste überhaupt von nichts. Anschliessend haben die Proben und Vorstellungen unterbrochen und versucht uns zu informieren, sowohl für unsere Künstler, aber auch für den gesamten Betrieb.

Corona und Kultur – Zeitzeugen berichten
Daniel Herzog – Staatstheater Augsburg – im Gespräch mit Oxana Arkaeva

youtube Trailer youtube Trailer – ArkNet
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OA:  3. Musste der Spielbetrieb eingestellt werden?

DH: Über den Zeitraum vom März über April und Mai 2020 haben wir wirklich nie einen richtigen Lockdown gehabt. Wir haben zwar in den künstlerischen Bereichen keine Proben gehabt, aber die Mitarbeiter haben im Homeoffice weitergearbeitet. Wir haben relativ früh versucht, nachdem man die ersten Informationen bekommen hat, mit unserem Publikum in Kontakt zu treten und haben unterschiedliche digitale Formate vorbereitet. Zum Beispiel eine ganz tolle Aktion, die fast bis in den Juni ging: Eine Wunsch-Aktion, wo die Menschen sich bei uns melden und sich ein Lied, ein Gedicht, ein Tanz oder was Musikalisches wünschen, bzw. bestellen konnten. Für meine Sparte zum Beispiel haben die Sänger zu Hause mit einem Playback verschiedene Nummern eingesungen, und das wurde dann verschickt. Allerdings wurde uns bald klar, dass die Pandemie bis zum Sommer nicht vorbei sein wird. Wir haben dann eine Freilichtbühne, wo das Musical Kiss me Kate geplant war in Visier genommen. Die Bühne haben wir dann entsprechend eingerichtet und Ende Mai den Probebetrieb für die letzte Produktion vom Orpheus und Eurydike unter den Abstandsregeln wieder aufgenommen.

OA: 4. Wie hat die Theaterleitung die Sicherheit der Mitarbeiter gewährleisten können?

DH: Ein Vorteil der Interimssituation ist, dass wir im Haus einen eigenen Sicherheitsingenieur haben, der im Zusammenspiel mit der Betriebsärztin uns eine Gefahrenbeurteilung für jede Sparte vorbereiteten haben. Außerdem waren die Leiter aller Abteilungen angehalten, für sich und für seine Mitarbeiter eine Gefahrenbeurteilung zu erstellen. Zum Beispiel konkret in der Oper zu der Aerosol Thematik. Was heißt das?  Welche Räume können genutzt werden? Wo bestehen die Gefahren? Man hat schon im Homeoffice versucht sich diesbezüglich über die Monate zu erkundigen. So haben wir uns daran getastet und mit unserem Ensemble aber auch teilen vom Chor dazu entschlossen, den Probebetrieb erst mal wieder aufzunehmen. Gleichzeitig war es uns klar, dass wir im Sommer, in jedem Falle bis Ende Juni die Freilichtbühne bespielen wollen. Zwar nicht mit einem Stück, das Abstand-technisch mit 120 Leute auf engstem Raum nicht möglich war, sondern mit einem Corona-Konzept. Zu der Zeit befanden wir uns in Deutschland in der Phase, wo nach zweieinhalb Monaten Sport erlaubt war und die Gaststätten wiedereröffnet wurden. Nachdem die Kunst und Kultur monatelang als nicht systemrelevant erachtet wurden (natürlich verstehe ich, was mit diesem Begriff gemeint ist: Dass es erst mal um den medizinischen Pflegedienst geht) und von den Trägern, aber auch der Politik irgendwie völlig heruntergespielt wurde, war für uns ganz klar, dass wenn Fußball gespielt werden kann, die Gaststätten geöffnet werden dürfen, sollte es uns mit einem Hygienekonzept möglich sein anstelle von 2000 Zuschauern vielleicht 300, 400 oder 500 Zuschauer zu haben.

OA: 5. Ist Ihr Konzept aufgegangen?

DH: Ja. Wir haben ein Konzept für eine Musical-Gala entwickelt, welche am Ende eine tolle Show geworden ist und 22-mal von dem 28. Juni bis zum 31. Juli 2020 gespielt wurde. Unser Konzept sah im Zuschauerraum 550 Leute vor. Allerdings zwei Wochen vor der Premiere war die Anzahl der Zuschauer Indoor auf 50 und Outdoor auf 100 beschränkt. Zum Ausgleich haben wir zusätzlich ab Juni auf dem Gelände des Interimstheaters im martini-Park eine Bühne aufgestellt und kleine Open Air Veranstaltungen aufgeführt. Eine Woche vor der Premiere der Gala waren es 200 Zuschauer gestattet und drei Tage vor der Premiere 550. Das war trotzdem toll. Wir hatten ein 19-köpfiges Orchester und waren zu dem Zeitpunkt im deutschsprachigen Raum, also in Deutschland, der Schweizund Österreich die einzigen, die eine 90 Minuten Show auf die Beine gestellt haben. Das, so glaube ich, war ein wichtiges Zeichen für den Erhalt von Kunst und Kultur. Weil es bei uns unter Sicherheits- und Hygienemaßnahmen so gut geklappt hat, wies das Staatstheater Augsburg in diesem Fall eine Vorreiterrolle auf, denn nach uns haben viele Veranstalter im August und September davon profitiert.

Musical-Gala des Staatstheater Augsburg
youtube Trailer Staatstheater Augsburg
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OA:  6. Singen mit der Maske. Geht das?

DH: Für uns im Musiktheater stand, gebe ich zu, schon die Frage, ob und wie geht das? Aufgrund der Rückmeldungen müssten wir feststellen, dass man mit einer normalen Maske nicht singen kann. Es wir nass, durchlässig und unhygienisch. Und dann habe ich gesehen, dass es solche Kunststoffvisiere gibt, die man auch überziehen konnte. So haben wir uns entschieden, diese auszuprobieren. Allerdings stellte diese eine akustische Blockade dar. Wir haben versucht, eine Öffnung rein zu schneiden und mit einem Sicherheitsvlies, fixiert mit einem doppelten Klebeband von außen darauf zu kleben. Die Darsteller waren damit nach vorne geschützt und konnten sprechen und auch zu singen. So haben wir uns damit zunächst über die Monate Mai und Juni beholfen. Bald wurde es uns aber klar, dass auch diese keine Dauerlösung sein kann. Es hat dann den ganzen Sommer gedauert, bis wir eine sogenannte Singmaske entwickelt haben. Dafür bin ich bei einer Hutmacherin gelandet, einer Kollegin, die ich von ganz früher kannte. Letztendlich ist es uns tatsächlich gelungen, im Sommer eine Baumwollmaske zu entwickeln, die 3-lagig ist, den Abstand zum Mund hat, an der Nase über Silikonstreife fixiert ist und um den Kiefer so anliegt, dass die Sänger problemlos singen können. Nach dem Sommer haben wir die Masken unseren Sängern zum Ausprobieren gegeben und das ging gut. Ich weiß, dass mittlerweile anderen größeren Theatern, wo der Chor als Kollektiv nach wie vor nicht wirklich zum Einsatz kommt, an die Firma diesbezüglich angetreten sind und diese Masken bestellt haben, um damit sicher arbeiten zu können.

Daniel Herzog interview in english – link HERE!

OA:  7. Was wurde aus der aktuellen Spielzeit?

Parallel hat uns natürlich die Situation mit der aktuellen Spielzeit beschäftigt. Aufgrund dass Bayern relativ spät Ferien hat, und das Ende der Pandemie in den Herbst geruckt war, haben wir beschlossen den Spielplan zu überprüfen. Weil wir ein Mehrspartenhaus sind, hieß es, dass z. B. im Schauspiel ist es sehr gut möglich, mit Abstandsregeln und mit Masken zu spielen. Im Musiktheater haben wir zwei Korrekturen vorgenommen und uns entschlossen, mit letzter Premiere, dem Orfeo, der sowieso vor anderthalb Jahren digital als eine virtual reality mit VR-Brillen konzipiert wurde, zu eröffnen. Somit waren wir Anfang Februar, als das Aufführungsverbot kam, just in Besitzt von 500 VR-Brillen. Diese ermöglichten den Zuschauern während den 90 Minuten eine Hybridvorstellung zu erleben und mit dem Orfeo in die Unterwelt zu reisen. Dank der VR-Brillen war es uns noch vor dem Sommer möglich, zusätzlich unsere digitalen Angebote, ein Ballettabend oder Schauspiel wie eine Pizza für 9 € nach Hause zu liefern. Da wir im Vorfeld als eine der Ersten bereits eine Digitalsparte für die aktuelle Spielzeit geplant haben, hatten wir glücklicherweise das nötige Equipment an der Hand, um eben live mit unserem Publikum in Dialog zu treten.

OA: 8. Hat die Pandemie Auswirkungen auf die Besetzungspolitik im Musiktheater?

DH: Auf die Besetzungspolitik hat die Pandemie wenig Auswirkung gehabt. Weil ich der Überzeugung bin, wenn ich die Sänger im Ensemble habe, dann plane die Stücke für die Stimmen, die ich am Haus habe.

OA: 9. Wie ist der aktueller IST Zustand?

DH: Zwei Premieren, die wir im Sommer rausbringen wollten, und eigentlich beabsichtigt hatten, zur Eröffnungspremiere zu machen, wie Die Strafkolonie, müssten wir in die übernächste Spielzeit verlegen, weil es eben große Chorwerke hat, aber auch vom Orchester her große Dimensionen aufweist. So haben wir eine Dezember Premiere auf Ende Januar verschoben. Wir haben uns dann auch entschieden die Abonnements ruhen zu lassen, was eine sehr kluge Entscheidung der Geschäftsführung gewesen ist. Diese hat uns erlaubt die Vorstellungen flexibler ansetzen zu können. Gleichzeitig aber weil es uns nicht nur um die Publikumssicherheit, sondern auch um die Sicherheit unserer Mitarbeiter ging und geht. So sind wir mit der ersten Premiere gestartet, ein Schauspielstück aufgeführt und sogar Ende Oktober, dann leider ohne Publikum das Ballett Die Winterreise.

OA: 10. Digitalisierung und die Oper Orpheus und Eurydike als Vertual Reality. Pass das gut zusammen?

DH:  Dieser Orfeo ist eine Hybridproduktion, die es macht möglich, einen Opernabend zu erleben und gleichzeitig dreidimensional mit dieser VR-Brille in eine neue Ebene einzutauchen. Ich muss sagen, dass es, obwohl schon faszinierend, keine Ersetzung einer Regie ist. Darum geht es auch gar nicht. Aber bei bestimmten szenischen Vorgängen, hilft es schon die VR-Brille konzeptionell einzubauen, wie es bei dieser Produktion der Fall war. Ich kann mir auch vorstellen, dass man sie durchaus in anderen Opern einsetzen könnte, weil es eine gewisse Faszination hat. Ich bin kein Gamer, aber ich kann mir es gut zum Beispiel im Tannhäuser,r den Venusberg Akt vorstellen, wo man üblicherweise versucht sich mit Lichteffekten abzuarbeiten. Mit einer VR-Brille könnte man dagegen eine Welt erzeugen, die in der Realität nicht erzeugt werden kann, und welche ist, muss ich schon sagen, sehr spannend.

Der Untergang des Egoisten Johann Fatzer –  Fragment nach Bertolt Brecht
youtube Trailer Staatstheater Augsburg – David Ortmann
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OA: 11. Wie beurteilen Sie die aktuelle Situation mit selbstständigen Künstlern?

DH: Es wird immer wieder über die sogenannten Soforthilfen für Soloselbstständige gesprochen. Und wenn man jetzt die letzten 10 Monate betrachtet, finde ich es bedauerlich, dass die sogenannten Soforthilfen nach wie vor nicht bei allen angekommen und die bürokratischen Hürden immer noch zu hoch sind. Dass der größte Teil der Soloselbstständigen oder diejenigen selbständigen Künstler, die abhängig beschäftigt angestellt sind, diese Hilfen dadurch gar nicht beantragen können. An unserem Haus haben wir von Anfang der Pandemie alles Mögliche getan unsere abhängig-beschäftigten, selbständigen Künstler, mit Ausnahme von einer Sängerin aus Schweden, entsprechend der Verträge einzusetzen i.e. zu entlohnen (die Musical-Gala). Wir haben auch versucht diejenigen, die über drei Monaten keine Proben/Auftritte hatten, und aus dem Rhythmus waren mit Einsatz einer Choreographin bei den Proben zu unterstützen.

OA: 12. Was können die Künstler tun, um diesen Zustand zu ändern?

DH: Ich glaube, man muss sich in Netzwerke näher zusammenfinden, was jetzt auch schon passiert, und dort versuchen, sich stärker einzubringen. So, dass am Ende des Tages jeder nicht als Einzelkämpfer unterwegs ist. Ich glaube, dass die Künstler selbst aufgrund der aktuellen Erfahrungen, ihre Forderungen nach entsprechenden, faireren Arbeitsbedingungen gegenüber ihren Arbeitgebern laut machen können und sollen.

OA: 13. Hätten Sie eine Prognose für die kommenden Monate?

DH: Aktuell sind die Zahlen seit den letzten 2–3 Wochen zwar nicht mehr gestiegen, aber sie sind auch nicht nach unten gegangen. Wir müssen erst mal unter diesem 50er Wert kommen, um überhaupt daran denken zu können, Theater wieder zu öffnen. Und dieser Stand muss auch eine Weile gehalten werden. In den letzten paaren Wochen haben wir gesehen, wie langsam diese Zahl nach unten geht. Da bin ich ehrlich gesagt nicht sicher, ob wir dann schon Anfang Februar spielen werden. Fakt ist, wir haben, wie viele andere Theater genug Sachen probiert: Arbeit war nicht verboten. Wir haben das Langfristige für uns schon geplant. Somit können wir, wenn wir wieder spielen dürfen, mit z. B. einer Wiederaufnahme loslegen. Es bleib auch abzuwarten, ob wir vor 50 Leuten spielen wollen, oder man lässt es uns das wieder zu. Das glaube ich kann momentan keiner sagen. Um das Publikum dagegen mache ich mir weniger Sorgen. Das wird kommen. Man wird sehr ausgehungert nach live Musik und live Darbietung sein.

OA: 14. Was würden Sie sich als Künstler und Operndirektor wünschen?

DH: Ich glaube, es ist ganz wichtig, wenn man in einem Bereich wohnt, wo es ein Theater gibt, wo Kultur stattfindet, mit politisch Zuständigen im Dialog zu bleiben. In einem Gespräch deutlich zu machen, wie sehr man Theater, Kunst, Kino, wie sehr man das alles vermisst. Und nicht nur die Künstler, sondern auch das Publikum sollen es tun. Es geht, um bewusst zu machen, dass die Kultur neben allen anderen Sachen zu unserem DNA gehört. Zum DNA vom schönen Land der Dichter und Denker. Und die Musik gehört definitiv dazu. Aktuell wird ausschließlich bei der Bildung, bei der Schulen schöngeredet, die sollen offenbleiben, und es wird immer nur über die Fächer aus der Geisteswissenschaft gesprochen. Aber die kulturellen, kreativen Fächer gehören genauso dazu. Ich glaube, es wäre gut, wenn unsere Leser oder Zuhörer, wenn sie das Bedürfnis haben oder die Kultur vermissen, dies zur Sprache bringen werden. Mit ihrem jeweiligen Kommunalpolitikern vor Ort oder Stadtabgeordneten reden, aktiv ihre Stimmen für die Erhalt der Kultur zu erheben.

—| IOCO Interview |—

Baden-Baden, Festspielhaus, Ernst-Moritz Lipp bleibt Stiftungsvorsitzender, IOCO Aktuell, 19.12.2020

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Festspielhaus Baden – Baden

Festspielhaus Baden-Baden © Festspielhaus Baden-Baden

Festspielhaus Baden-Baden © Festspielhaus Baden-Baden

Stiftungs-Vorstandsvorsitzender  Ernst-Moritz Lipp
  – In stürmischer See fünf weitere Jahre am Steuer –

Das seit 1998 bestehende Festspielhaus Baden-Baden ist mit 2500 Zuschauerplätzen Deutschlands größtes Theatergebäude, Der Spielbetrieb mit Opern-, Konzert- und Ballettaufführungen international renommierter Künstler und Ensembles, wie das Mariinsky-Ballett – siehe YouTube Trailerunten, wird durch die private Kulturstiftung Festspielhaus Baden-Baden getragen.

In der Kulturstiftung Festspielhaus Baden-Baden engagieren sich aktuell 32 Stifter und Stifterpaare. Die Zuwendung zur Stiftung beträgt eine Millionen Euro bei Stiftungseintritt. Darüber hinaus engagieren sich Stifter im erheblichen Maße mit weiteren Spenden für das Festspielhaus und die Festspiele Baden-Baden. Die private Kulturstiftung bildet das Dach der Festspielhaus und Festspiele gGmbH.

Der Stiftungsvorstand bestellt den Intendanten und die Geschäftsführung, die ihrerseits für den gesamten Betrieb des Hauses und der Festspiele verantwortlich sind. Die gemeinnützige Betriebs-Gmbh sorgt für den privaten Finanzierungs-Anteil des privat-öffentlichen Gesamt-Modells. Private Förderer und Freunde unterstützen das Festspielhaus jährlich mit mehr als 10 Millionen Euro. Die Immobilie Festspielhaus Baden-Baden gehört seit diesem Jahr der Stadt Baden-Baden.

Mitteilung des Stiftungsvorstandes vom 18.12.2020

Festspielhaus Baden-Baden / Ernst-Moritz Lipp - Vorsitzender der Kulturstiftung Festspielhaus Baden-Baden © Kulturstiftung Baden-Baden

Festspielhaus Baden-Baden / Ernst-Moritz Lipp – Vorsitzender der Kulturstiftung Festspielhaus Baden-Baden © Kulturstiftung Baden-Baden

Professor Ernst-Moritz Lipp bleibt fünf weitere Jahre Vorsitzender des Stiftungsvorstands der Kulturstiftung Festspielhaus Baden-Baden. Der Stiftungsrat wählte den Baden-Badener Unternehmer und Volkswirt turnusmäßig im Rahmen der jetzt erstmals als Videokonferenz ausgerichteten Stiftungsratssitzung zum zweiten Mal in diese Position.

Mit seinem Stellvertreter Thorsten Klapproth sowie dem Vorsitzenden des Stiftungsrats Professor Horst Weitzmann und dessen Stellvertreter Richard Kriegbaum steht Ernst-Moritz Lipp an der Spitze der privaten Stiftung. Der Stiftungsvorstand beaufsichtigt und berät die Festspielhaus und Festspiele gGmbH und beruft Geschäftsführung wie Intendant.

Ernst-Moritz Lipp bedankte sich nach seiner Wiederwahl bei den Stifterinnen und Stiftern: „Es ehrt mich, dass Sie mir weiterhin vertrauen, die Geschicke der Kulturstiftung als Vorsitzender mitzuverantworten. Gleichzeitig danke ich Ihnen im Namen des Vorstands für Ihre große Unterstützung der Festspielhaus-Idee in den vergangenen Jahren und insbesondere für Ihre Treue und tatkräftige Hilfe in der aktuellen Corona-Krise.“

Der Stiftungsvorstand erläuterte den Stifterinnen und Stiftern im Rahmen der aus dem Festspielhaus übertragenen Videokonferenz die aktuelle Situation. Der Festspielhaus gGmbH fehlen im aktuellen Jahr mehr als 80 Prozent ihrer Umsätze. Ausfallen mussten unter anderem die Osterfestspiele mit den Berliner Philharmonikern, die Pfingst- und Sommerfestspiele sowie das Weihnachtsprogramm inklusive dem großen jährlichen Gastspiel des Mariinsky Balletts aus St. Petersburg.

Mariinsky Ballett – Silvestergala in Baden-Baden : Divertissement
youtube Trailer Festspielhaus Baden-Baden
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Zur wirtschaftlichen Lage sagte Ernst-Moritz Lipp:Dank der gewährten Strukturhilfe des Landes Baden-Württemberg und den vielen privaten Spenden sowie der Unterstützung durch den Freundeskreis Festspielhaus konnten wir für 2020 das Schlimmste abwenden. Nun müssen wir uns auf das Wirtschaftsjahr 2021 konzentrieren, in dem einige Probleme erst mit zeitlicher Verzögerung auftreten werden.“

Einen besonderen Dank sprach Ernst-Moritz Lipp allen Besucherinnen und Besuchern des Festspielhauses Baden-Baden aus, die ihre Eintrittskarten in der Corona-Pandemie gespendet haben. Auf diese Weise kamen mehr als 500.000 Euro an Unterstützung zusammen. Stifter, Förderer und Freundeskreis brachten über sechs Millionen Euro auf, obwohl das Programm Mitte März 2020 eingestellt und nur kurz im Frühherbst wiederaufgenommen werden konnte.

ORPHÉE et EUREDICE – Ballettoper – John Neumeier – Festpielhaus

IOCO Kritik  –  HIER!

Mitte des Jahres 2020 war die Immobilie Festspielhaus Baden-Baden wie bereits 1998 angedacht von der Stadt Baden-Baden übernommen worden. In diesem Zusammenhang dankten die Stifterinnen und Stifter dem Gemeinderat und der Oberbürgermeisterin Margret Mergen für die vertrauensvolle Zusammenarbeit: „Das privat-öffentliche Finanzierungsmodell des Festspielhauses Baden-Baden hat uns bisher durch diese Krise getragen. Ich bitte alle Beteiligten, dass dies auch 2021 so sein möge“, sagte Ernst-Moritz Lipp.

„Fels in der Brandung – erfahrene Kapitäne am Steuer“

Intendant Benedikt Stampa gratulierte Ernst-Moritz Lipp zu seiner Wiederwahl und sagte: „Die Kulturstiftung ist unser ‚Fels in der Brandung‘. Ich kenne kein vergleichbares Haus, das eine solch treue Unterstützer-Familie hinter sich hat. Mit Professor Ernst-Moritz Lipp und dem amtierenden Vorstand weiß ich zudem erfahrene und sturmerprobte Kapitäne am Steuer. Das ist in diesen ernsten Zeiten ein riesiger Vorteil. Die Stiftung wird uns helfen, sobald es geht, wieder ein festspielwürdiges Programm anbieten zu können. Mit Hilfe von Land, Stadt und Stiftung kommen wir stärker zurück, als wir im März 2020 von der Bühne gegangen sind.“

Kulturstiftung Festspielhaus Baden-Baden – 2000 gegründet

Die private Kulturstiftung Festspielhaus Baden-Baden wurde im Jahr 2000 gegründet. Stifterinnen und Stifter brachten seitdem über 60 Millionen Euro für das Programm des Festspielhauses und der Festspiele auf. Aktuell werden 32 Namen in der Stiftung geführt. Neustifter geben eine Millionen Euro in das Stiftungskapital und unterstützen das Haus laufend mit namhaften Jahresspenden. Die Festspiele und das Festspielhaus bringen der Stadt Baden-Baden und der Region unter normalen Voraussetzungen einen jährlichen Kaufkraftzufluss von rund 60 Millionen Euro. Die Immobilie Festspielhaus gehört seit diesem Jahr der Stadt Baden-Baden. Durch einen Strukturhilfe-Zuschuss des Landes Baden-Württemberg und erhebliche Privatspenden konnte der immense Umsatzverlust des Jahres 2020 in der Corona-Pandemie abgemildert werden.

www.festspielhaus.de

 

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