Hildesheim, Theater für Niedersachsen, Premiere Die Blume von Hawaii, 05.05.2018

TFN_Logo neu.jpg

Theater für Niedersachsen

Theater für Niedersachsen / Stadttheater Hildesheim © Andreas Hartmann

Theater für Niedersachsen / Stadttheater Hildesheim © Andreas Hartmann

Die Blume von Hawaii – Paul Abraham

am 5. Mai feiert Paul Abrahams Operette DIE BLUME VON HAWAII in einer Neuinszenierung von Tamara Heimbrock und unter der Musikalischen Leitung von TfN-GMD Florian Ziemen in Hildesheim Premiere. Die mitreißende Musik Abrahams erlebt derzeit eine verdiente Renaissance und so ist am Theater für Niedersachsen nun eine Rekonstruktion der originalen Abrahamschen improvisatorischen Musizierweise zu erleben.

Im Vorfeld lädt das TfN zur Matinee am 29. April um 11.15 Uhr mit der Regisseurin, dem Musikalischen Leiter und weiteren Mitgliedern des Regie-Teams und des Ensembles ein.

Ensemblemitglieder und das Regie-Team geben erste Einblicke in Die Blume von Hawaii von Paul Abraham. Bei der Matinee am 29. April um 11.15 Uhr erfährt das Publikum Wissenswertes zu der diesjährigen Operetten-Produktion.

Kurz vor Beginn des 20. Jahrhunderts hat die amerikanische Armee Hawaii besetzt und die Königin entmachtet. Seither herrscht ein Gouverneur über die Inselgruppe. Mittendrin: Prinzessin Laya, die die nächste Königin von Hawaii werden könnte, aber lieber als französische Jazzsängerin incognito bleibt; der in sie verliebte amerikanische Marine-Admiral Stone; der verschollen geglaubte, hawaiianische Prinz in spe Lilo-Taro – ebenfalls in sie verliebt; die schöne Insulanerin Raka, die beiden Jazz- Sänger Jim Boy und Suzanne Provence … Und das sind noch längst nicht alle Figuren in Paul Abrahams turbulenter Jazz-Operette, an dessen Ende sich sage und schreibe vier glückliche Paare finden. Ab dem 5. Mai ist Abrahams erfolgreichstes Werk voller Lebenslust, im Tempo und Stil einer schillernden Revue der 30er Jahre im Theater für Niedersachsen auf der Bühne zu erleben.

Bereits am 29. April um 11.15 Uhr geben Regisseurin Tamara Heimbrock, Ausstatterin Julie Weideli und der Musikalische Leiter Florian Ziemen im Gespräch mit Musiktheaterdramaturg Maximilian Hagemeyer erste Einblicke in die Produktion und die musikalische Umsetzung. Auch mit dabei sind die Ensemblemitglieder Meike Hartmann, Antonia Radneva, Ziad Nehme und Uwe Tobias Hieronimi.

Karten für die Premiere am 5. Mai um 19 Uhr und alle Folgevorstellungen kosten zwischen 12,00 und 36,00 Euro und sind im TfN-ServiceCenter (Theaterstraße 6, 31141 Hildesheim), per E-Mail an service@tfn-online.de und unter Telefon 05121 1693-1693 erhältlich. Der Eintritt zur Matinee ist frei! PMTfN

 

 

Stuttgart, Oper Stuttgart, Uraufführung der Kammeroper Krieg, 27.04.2018

Oper_Stuttgart_1zeilig_rotNEU

Oper Stuttgart

 Opernhaus Stuttgart © Martin Siegmund

Opernhaus Stuttgart © Martin Siegmund

Uraufführung von Marius Felix Langes Kammeroper Krieg

Elena Tzavara inszeniert das Auftragswerk der Jungen Oper Stuttgart für alle ab 14 Jahren

Premiere am Freitag, 27. April 2018, im Kammertheater

„Wenn bei uns Krieg wäre. Wohin würdest du gehen?“ Mit der Umkehrung der gegenwärtigen globalen Situation fordert die dänische Autorin Janne Teller in ihrem schonungslosen Essay Krieg. Stell dir vor, er wäre hier unsere Vorstellungskraft und unser Empathievermögen heraus. Die direkte Sprache Janne Tellers steht im Kontrast zu der poetischen Kraft von Nora Gomringers Gedichten, die Erinnerungsräume an die Heimat schaffen und die Sehnsucht wecken nach dem, was war.

Im Auftrag der Jungen Oper Stuttgart hat der Komponist Marius Felix Lange diese beiden grundverschiedenen Sprachen und Perspektiven auf die Heimat zu einer politisch aktuellen Kammeroper mit klassischem Streichquartett und Gesang für alle ab 14 Jahren vertont. Am Freitag, 27. April 2018, um 19 Uhr feiert die Junge Oper Stuttgart im Kammertheater die Uraufführung des Werkes. Elena Tzavara führt Regie. Die Musikalische Leitung liegt in den Händen des Komponisten.

Die elegische, emotionale Musik von Marius Felix Lange unterstützt die Wirkung von Nora Gomringers verdichteter Sprache. Seine Komposition, die manchmal eher an einen Liederzyklus als an eine Oper erinnert, wählt statt eines durchgängigen Narrativs eine Form des Wechselspiels von gesprochenem Text, Melodram und gesungenen Gedichten. Regisseurin Elena Tzavara wird in ihrer Inszenierung bewusst auf die Darstellung von Krieg verzichten und vielmehr die Assoziationsräume der Gedichte durch starke Bilder weiterspinnen.

Die Kammeroper Krieg. Stell dir vor, er wäre hier stellt also nicht die Situation des Krieges ins Zentrum, sondern wirft die gesellschaftlichen Fragen unserer Zeit auf: Was bedeuten uns unsere Demokratie und unsere Werte? Und wie zerbrechlich sind diese?

Termine

Uraufführung: Freitag, 27. April 2018, 19 Uhr // Kammertheater

Weitere Vorstellungen: 02.* | 03. | 07. | 09.* | 15. | 16.* | 17.* | 18. Mai 2018
* Schulvorstellungen; Für die übrigen Vorstellungen gibt es ein begrenztes Kartenkontingent für Gruppen.
Begleitveranstaltungen zu Krieg. Stell dir vor, er wäre hier

Öffentliche Probe Samstag, 14. April 2018, 11 bis 12 Uhr, Kammertheater.
Das Produktionsteam gibt Einblicke in die Probenarbeit.

Einführung Vor der Uraufführung am 27. April 2018 findet um 18 Uhr im Foyer des Kammertheaters eine Einführung mit Janne Teller, Nora Gomringer und der Dramaturgin Rebekka Meyer statt.

Karten Karten über www.oper-stuttgart.de, Kartentelefon: 0711. 20 20 90, und an der Abendkasse.

Pressemldung Oper Stuttgart

Innsbruck, Tiroler Landestheater, Martha oder Der Markt zu Richmond, IOCO Kritik, 29.03.2018

Tiroler Landestheater @ Rupert Larl

Tiroler Landestheater @ Rupert Larl

Tiroler Landestheater

Martha oder Der Markt zu Richmond  – Friedrich von Flotow

„Siegfried ist heute, Donnerstag ist Martha“

Von Julian Führer

Den Loriot-Sketch „Siegfried ist heute, Donnerstag ist Martha“ werden viele schon einmal gesehen haben; aber wer hat Martha gesehen? Diese Spieloper des 19. Jahrhunderts war von Anfang an ein Kassenschlager, ist in Aufführungsstatistiken bis in die 1960er, 1970er Jahre recht weit oben zu finden, heute ist Martha hingegen fast als Rarität anzusprechen. In Arienalben für Sopran findet man jedoch die „Letzte Rose“, und die Tenorarie „Ach so fromm, ach so traut“ (in der italienischen Fassung „M’appari“) ist immer noch ein Bravourstück. Doch was ist aus der Oper als solcher geworden?

Im Tiroler Landestheater Innsbruck, einem schönen Haus mit etwa 800 Plätzen, beweist man Mut bei der Spielplangestaltung – und dieser Mut zahlt sich aus! Tatsächlich eignet sich die Geschichte von einer gelangweilten Adligen Martha, die sich als Magd verkleidet und sich mit ihrer Vertraute auf einem Markt verdingt, eine Geschichte, in der man sich verkleidet und am Ende heiratet, vielleicht nicht zum Verhandeln großer Menschheitsprobleme – oder vielleicht doch? Die Regie von Anette Leistenschneider lässt immer wieder einen doppelten Boden erahnen, so sehr sie ansonsten am amüsanten Libretto und der brillant instrumentierten Partitur bleibt.

Tiroler Landestheater / Martha oder der Markt..... - Susanne Langbein als Lady Harriet und Joshua Whitener als Lyonel @ Rupert Larl

Tiroler Landestheater / Martha oder der Markt….. – Susanne Langbein als Lady Harriet und Joshua Whitener als Lyonel @ Rupert Larl

Zur Ouvertüre, die Seokwon Hong mit dem Tiroler Symphonieorchester Innsbruck zunächst ruhig angehen lässt, sehen wir einen den ganzen Vorhang einnehmenden Union Jack: Wir sind in England. Wie so vieles dort ist auch die Fahne allerdings etwas in die Jahre gekommen, man sonnt sich in früherem Glanz, wenn sonst schon nicht immer die Sonne scheint… Vorhang auf: Lady Harriet Durham, Ehrenfräulein der Königin, langweilt sich, umgeben von Dienstmägden, mit ihrer Vertrauten Nancy. Da hilft auch kein überdimensionierter begehbarer Schrank mit natürlich viel zu vielen Kleidern! Nancy, etwas lebenspraktischer als ihre Herrin veranlagt, zeigt es mit einer kleinen geflügelten Puppe, die sie Harriet auf die Schultern setzt: Verlieben müsste sie sich, doch in wen? Da klopft bzw. hupt es: Lord Tristan Mickleford, der verliebte Vetter, im Schottenrock.

Nancy, her die Bauernmieder von der letzten Maskerade!“?

Aus dem englischen Regen kommt er ins Zimmer, spritzt noch aus Versehen die Damen mit dem Regenschirm nass (den er, wie eigentlich alles andere auch, nicht im Griff hat). Vorbeiziehende Mägde bringen Harriet auf eine Idee: als Mägde verkleiden und beim Markt mittun. Tristan bekommt eine Haube und protestiert, und Nancy und Harriet ziehen sich so an, wie sie sich wohl Mägde auf dem Markt vorstellen. Die dort tatsächlich auftretenden Mägde sehen zwar anders aus und die edlen Damen eher wie beim Karneval, aber hier wie auch sonst hat das Regieteam genau hingeschaut, heißt es nicht „Nancy, her die Bauernmieder von der letzten Maskerade!“?

Tiroler Landestheater / Martha oder der Markt..... - Susanne Langbein als Lady Harriet @ Rupert Larl

Tiroler Landestheater / Martha oder der Markt….. – Susanne Langbein als Lady Harriet @ Rupert Larl

Es würde (leider) zu weit führen, alle liebevollen Details aufzulisten, die Regie, Bühnenbild (Andreas Becker) und Kostüme (Michael D. Zimmermann) zu bieten haben. Die Inszenierung lehnt sich immer wieder ans England der fünfziger und sechziger Jahre an, ohne aufdringlich zu werden. Der reiche Pächter Plumkett und sein Stiefbruder Lyonel tragen Tracht, der Richter eine Perücke. Die Verwicklungen nehmen ihren Lauf, als Harriet und Nancy sich bei Plumkett und Lyonel verdingen und, ohne es zu ahnen, einen rechtsgültigen Vertrag über ein ganzes Jahr abgeschlossen haben.

Musikalisch ist der Abend ein Hochgenuss, und auch hier sind es die vielen Details, die den Erfolg so vollkommen machen. Ein paar Beispiele: Plumkett wirbt um die Mägde mit den Worten „Und seid fleißig ihr und flink, soll euch sonntags Porter lohnen und zu Neujahr Plumpudding.“ Auf der ersten Silbe des Puddings wird ein langer Triller eingeflochten – brillant! Aus dem Orchester sticht im ersten Akt die Oboe ganz besonders hervor. Die Umbaupausen zwischen erstem und zweitem sowie drittem und viertem Akt füllt das Orchester mit Musik, die eigentlich nicht zur Partitur gehört; zumindest im ersten Teil handelt es sich um Teile der Ballettmusik, die Flotow ursprünglich komponiert hatte, bevor er aus dem Stoff eine ganze Oper machte. Eine Wiederentdeckung! Und in Innsbruck stehen Solisten zur Verfügung, die auch den Bravourstücken Glanz verleihen. Susanne Langbein verkörpert auch optisch perfekt die gelangweilte Adlige, und bei der „Letzten Rose“ haben weder sie noch die Regie Angst vor Kitsch: eine Gartenbank mit Rosenranken, die Sterne funkeln am Bühnenhimmel, leichter Bühnennebel, Harfen aus dem Graben – kein Wunder, dass Lyonel gar nicht anders kann, als sich zu verlieben. Als er sein „Ach so fromm“ singt, läuft Joshua Whitener zu Höchstform auf. In dieser Perfektion und Intonationssicherheit auch in den Höhen können da nur wenige Aufnahmen mithalten. Andreas Mattersbergers sonorer Bass verleiht dem Plumkett viel Körper, doch ist er gleichzeitig agil und durchaus charmant, so dass dieser Plumkett mit seiner leichten Neigung zu Bierflaschen am Ende völlig zu Recht seine Nancy bekommt, die von der mit Lust und vollem Körpereinsatz spielenden Camilla Lehmeier dargestellt wird.

Tiroler Landestheater / Martha oder der Markt ... - hier das Ensemble @ Rupert Larl

Tiroler Landestheater / Martha oder der Markt … – hier das Ensemble @ Rupert Larl

Die Partitur Flotows ist ein Lehrstück, was Melodik, Instrumentierung und geschickten Aufbau angeht. Es wechseln Arien, Duette, Quartette, Ensembles, und jedes Mal ist etwas neu. Man hört die italienischen und französischen Einflüsse (Bellini, aber vor allem Boieldieu und Adolphe Adam), aus dem deutschen Bereich auch Weber und Lortzing. Als es kurz vor Schluss doch noch dramatisch wird, obwohl schon alles klar scheint, und Lyonel seine Harriet brüsk zurückweist, wird es kurz düster wie im Fliegenden Holländer.

Am Ende wird natürlich geheiratet; wie es dazu kommt, wird durch Puppen sehr rührend gezeigt. Der kurze Schlusschor hat etwas von einer Apotheose, und kurz vor dem Schlussakkord in G-Dur (Flotow hält sich meist an einfache Tonarten) platzt Tristan Mickleford herein, den wir schon fast vergessen hatten. – Auch er heiratet, nämlich eine Statistin, die zu Elgars „Pomp and Circumstance“-Marsch Nr. 1 (auch als „Land of Hope and Glory“ bekannt) huldvoll in die Menge winkt. Dieser Eingriff in die Partitur ist natürlich erheblich, szenisch bringt er einen enormen Effekt, musikalisch hingegen bleibt er problematisch. Das Orchester unter Seokwon Hong lässt mehrfach aufhorchen, so dass man nur bedauert, dass es immer wieder kleine Striche in den Ensembles gegeben hat. Auch im Libretto wurden Kleinigkeiten geändert. Warum muss man „Sie ist nicht klug“ statt „Sie ist so dumm“ singen, zumal es um Nachbars Polly geht, die nicht einmal anwesend ist?

„Siegfried ist heute, Donnerstag ist Martha“:  Man kann nur hoffen, dass bald wieder Donnerstag ist. Diese Produktion, die bei der Produktion lange und einhellig gefeiert wurde, muss man gesehen haben!

Martha oder der Markt zu Richmond am Tiroler Landestheater; weitere Vorstellungen am 4.4.; 6.4.; 8.4.; 19.4.; 20.4.; 22.4.;26.4.;  29.4.; 11.5.; 30.5.; 2.6.2018

Wien, Kammeroper Wien, A Quiet Place – Leonard Bernstein, IOCO Kritik, 28.03.2018

März 29, 2018  
Veröffentlicht unter Hervorheben, Operette, Wiener Kammeroper

Kammeroper Wien @ Peter M. Mayr

Kammeroper Wien @ Peter M. Mayr

 Theater an der Wien

A Quiet Place  –  Leonard Bernstein

Eine „Kammerfassung“  –  Von Garth Edwin Sunderland

Von Marcus Haimerl

Als Komponist seriöser Werke wollte Leonard Bernstein in Erinnerung bleiben. Ein Wunsch, der sich mit zunehmenden Alter verstärkt hat. An seinem 55. Geburtstag soll er unter Tränen gesagt haben, dass er nur zwei Jahre jünger als Beethoven zum Zeitpunkt seines Todes sei und noch immer kein Meisterwerk geschrieben habe. Sein Ziel: eine amerikanische Oper zu schreiben. 1952 schuf Bernstein mit dem jazzigen Einakter Trouble in Tahiti, Grundlage für seine abendfüllende Oper A Quiet Place, beide Werke wurden in einer Doppelvorstellung in Houston uraufgeführt, der Erfolg blieb jedoch aus. Auch eine Überarbeitung gemeinsam mit dem Dirigenten John Mauceri und seinem Librettisten Stephen Wadsworth, in welcher Trouble in Tahiti als Rückblenden in den zweiten Akt integriert wurde, brachte bei den Aufführungen in Mailand, Washington und Wien für Bernstein keinen wirklichen Erfolg. Themen wie Selbstmord, Homosexualität, geistiger Verwirrtheit und Entfremdung tragen nicht gerade zur leichten Verdaulichkeit dieser Oper bei.

Kammeroper Wien / A Quiet Place @ Armin Bardel

Kammeroper Wien / A Quiet Place @ Armin Bardel

2009, neunzehn Jahre nach Bernsteins Tod, erteilte Kent Nagano den Komponisten Garth Edwin Sunderland den Auftrag aus A Quiet Place eine Kammerfassung zu erstellen. Sunderland reduzierte die Instrumentierung, entfernte die Rückblenden und fügte nicht nur einen Teil der Musik, sondern auch vollständige Arien aus der Houstoner Fassung wieder ein und verkürzte Bernsteins Oper auf knapp 100 Minuten.

In seinem Einakter Trouble in Tahiti gibt Bernstein Einblicke in die Probleme des Zusammenlebens des jungen Paares Dinah und Sam. Mit A Quiet Place wird diese Geschichte schließlich fortgesetzt. Dinah kam bei einem Autounfall ums Leben, nach langer Zeit kommt die Familie wieder zusammen. Tochter Dede kommt mit ihrem Mann François, welcher zugleich der Ex-Freund von Sohn Junior ist, verspätet. Junior selbst platzt in die Feierlichkeiten. Nachdem die Gäste gegangen sind, eskaliert die Situation, Sam wirft den Kindern das Zuspätkommen vor und Juniors Psychose entlädt sich in einer Provokation gegenüber seinem Vater. In den Tagebüchern seiner Frau findet Sam einen Abschiedsbrief. François Vorwürfe wegen Juniors Verhaltens bei der Trauerzeremonie führen zu einem weiteren neurotischen Anfall. François findet Trost in Dedes Armen, man beschließt Dinahs Garten auf Vordermann zu bringen. Am nächsten Morgen schwelgt Dede in Erinnerungen an ihre Mutter. Gemeinsam mit Junior beginnt sie Spiele aus der Kinderzeit. Sam überreicht seinem Schwiegersohn schließlich den Abschiedsbrief mit der Bitte, diesen vorzulesen.

Kammeroper Wien / A Quiet Place @ Armin Bardel

Kammeroper Wien / A Quiet Place @ Armin Bardel

Der Plan noch einige Tage im Elternhaus zu verbringen führt zu einem neuen Streit, wer mit wem ihm Zimmer schläft. François erinnert an Dinahs Worte „We are only who we are“ und betont, dass alle sich ändern können, wenn sie nur wollen.

Für die Produktion der Neuen Oper Wien in der Wiener Kammeroper reduzierte Regisseur Philipp M. Krenn die eigentlichen Handlungsorte (Aufbahrungshalle, Sams Haus, Garten des Hauses) auf den bieder ausgestatteten Wohnraum des Hauses (beeindruckendes Bühnenbild und Kostüme von Christian Tabakoff). In dieser räumlichen Beschränkung kann sich das schon lange schwelende Familiendrama besonders gut entladen. Philipp M. Krenn lässt am Ende jedoch Zweifel ob des friedlichen Endes, richtet doch Junior am Ende, während sich der Vorhang schließt, eine Pistole gegen seinen Vater. Hier hielt das Publikum hörbar den Atem an und wartete auf einen Schuss, welcher zur Erleichterung aller dann aber nicht zu hören war.

Dirigent Walter Kobéra animiert das amadeus ensemble-wien zu Höchstleistungen und auch bei den Sängern gibt es hervorragende Leistungen. Steven Scheschareg, 1999 bereits als junger Sam in der Produktion der Neuen Oper Wien in Trouble in Tahiti zu erleben, überzeugt auch als Old Sam in der Fortsetzung. Anfänglich mit stoischer Miene entlädt sich das häusliche Gewitter mit seinem gewaltigen Bariton, an den ruhigeren Stellen jedoch sanft und einfühlsam gestaltet er diese Rolle mit allen notwendigen Emotionen. Unglaublich intensiv und leidenschaftlich ist der junge Bariton Dániel Foki als Junior in Darstellung und Gesang. Das Publikum reagierte entsprechend begeistert.  Auf gleich hohem Niveau agiert der kanadische Tenor Nathan Haller als berührender, tiefgründiger François. Die estnische Sopranistin Katrin Targo lebte die Rolle der Dede in fast allen emotionalen Facetten aus.

Kammeroper Wien / A Quiet Place @ Armin Bardel

Kammeroper Wien / A Quiet Place @ Armin Bardel

Auch die kleinen Partien sind allesamt exzellent, fast schon luxuriös besetzt: Bariton Georg Klimbacher als Dinahs Bruder Bill, die Sopranistin Rebecca Blanz als Dinahs Freundin Susie, der österreichische Bass Johannes Schwendinger als Dinahs Arzt und Veronika Dünser als dessen betrunkene Gattin, Tenor Savva Tikhonov als Analytiker und Markus Miesenberger als Bestattungs-Unternehmer.

Das Publikum zeigte sich sichtlich begeistert ob der Ehrenrettung dieses doch zu Unrecht in Vergessenheit geratenen Werks. Besser kann man den 100. Geburtstag Leonard Bernsteins kaum begehen.

Kammeroper Wien – A Quiet Place – von Leonard Bernstein; weitere Vorstellungen 29.4.2018, 30.4.2018, 2.4.2018

Nächste Seite »