Frankfurt, Oper Frankfurt, DAS RHEINGOLD, April & Mai 2018

April 17, 2018  
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Oper Frankfurt

Oper Frankfurt inmitten des Finanzzentrums © IOCO

Oper Frankfurt inmitten des Finanzzentrums © IOCO

Wiederaufnahme DAS RHEINGOLD

Vorstellungen: 19., 22. April, 1., 6. Mai 2018

Vorabend des Bühnenfestspiels Der Ring des Nibelungen von Richard Wagner
Text vom Komponisten
Mit deutschen und englischen Übertiteln
Musikalische Leitung: Sebastian Weigle

Inszenierung: Vera Nemirova
Szenische Leitung der Wiederaufnahme: Orest Tichonov
Bühnenbild: Jens Kilian
Kostüme: Ingeborg Bernerth
Licht: Olaf Winter
Video: Bibi Abel
Dramaturgie: Malte Krasting
Wotan: James Rutherford Fricka: Claudia Mahnke
Donner: Brandon Cedel Freia: Sara Jakubiak
Froh: AJ Glueckert Erda: Tanja Ariane Baumgartner
Loge: Kurt Streit Woglinde: Elizabeth Reiter
Alberich: Jochen Schmeckenbecher Wellgunde: Judita Nagyová
Fasolt: Alfred Reiter Floßhilde: Katharina Magiera
Fafner: Andreas Bauer
Statisterie der Oper Frankfurt; Frankfurter Opern- und Museumsorchester

Oper Frankfurt / Das Rheingold - v.l.n.r. Kurt Streit (Loge) und James Rutherford (Wotan) © Barbara Aumüller

Oper Frankfurt / Das Rheingold – v.l.n.r. Kurt Streit (Loge) und James Rutherford (Wotan) © Barbara Aumüller

Nachdem der Vorabend der Tetralogie Der Ring des Nibelungen von Richard Wagner (1813-1883) am 2. Mai 2010 auf Jens Kilians bereits legendärer „Frankfurter Scheibe“ Premiere gefeiert hatte, waren sich Publikum und Presse einig, Zeugen eines verheißungsvollen Auftakts geworden zu sein. So urteilte die Kritikerin der Stuttgarter Nachrichten: „Vera Nemirova lässt es mächtig menscheln, Sebastian Weigle schafft zum analytischen Zugriff der Regisseurin eine zwingende musikalische Entsprechung, und unter den Sängern sind Kurt Streit als agiler, schneidend hell timbrierter Loge und Jochen Schmeckenbecher als enorm präzise sprechender und singender Alberich die Besten.“ SWR2 schloss sich an: „Fortsetzung folgt. Und die scheint vielversprechend zu werden, angesichts des außerordentlich ästhetischen, sängerdarstellerisch packenden Regiekonzepts, das Vera Nemirova in ihrem Rheingold vorgelegt hat.“ Nun ist die Produktion in ihrer vierten Wiederaufnahme an der Oper Frankfurt zu erleben, wobei geplant ist, dass sich der Ring in den kommenden Spielzeiten mit weiteren Einzelaufführungen der folgenden Tage erneut schließen soll.

Oper Frankfurt / Das Rheingold - v.l.n.r. Judita Nagyová (Wellgunde), Katharina Magiera (Flosshilde), Elizabeth Reiter (Woglinde) und Jochen Schmeckenbecher (Alberich) © Barbara Aumüller

Oper Frankfurt / Das Rheingold – v.l.n.r. Judita Nagyová (Wellgunde), Katharina Magiera (Flosshilde), Elizabeth Reiter (Woglinde) und Jochen Schmeckenbecher (Alberich) © Barbara Aumüller

Zum Inhalt: Am Beginn ruht das Rheingold, bewacht durch die drei Rheintöchter, auf dem Grund des Flusses. Der Zwerg Alberich muss der Liebe entsagen, um den Schatz rauben zu können. Aus dem Gold schmiedet er sich einen Ring, der ihm die Macht verleiht, die Welt zu beherrschen. Derweil entdeckt Göttervater Wotan den Raub des Goldes. Er hatte seinerzeit den Riesen Fasolt und Fafner für den Bau der Burg Walhall die Jugendgöttin Freia als Lohn versprochen, ohne diesen wirklich zahlen zu wollen. Der Feuergott Loge versucht, den beiden eine andere Belohnung anzubieten und macht sie auf den Schatz aufmerksam. Sie willigen in den Tausch ein und wollen Freia ziehen lassen, sobald sie das Gold erhalten haben. Wotan und Loge steigen nach Nibelheim hinab und überlisten dort Alberich, indem sie ihn dazu verleiten, sich mit Hilfe des von seinem Bruder Mime geschmiedeten Tarnhelms in eine Kröte zu verwandeln. Daraufhin wird Alberich von den Göttern gefangengenommen und nur unter Herausgabe des Schatzes wieder freigelassen. Als Alberich seine aussichtslose Lage erkennt, verflucht er den Reif. Die Macht der Verwünschung wird sogleich ersichtlich: Im Streit um die Teilung des Schatzes erschlägt Fafner seinen Bruder. Zuletzt warnt Erdenmutter Erda Wotan vor der Götterdämmerung.

Oper Frankfurt / Das Rheingold - v.l.n.r. Kurt Streit (Loge) und James Rutherford (Wotan) © Barbara Aumüller

Oper Frankfurt / Das Rheingold – v.l.n.r. Kurt Streit (Loge) und James Rutherford (Wotan) © Barbara Aumüller

Unter der musikalischen Leitung von GMD Weigle kommt es zu ausschließlich aus dem Ensemble stammenden Neubesetzungen, darunter Brandon Cedel (Donner), AJ Glueckert (Froh), Michael McCown (Mime), Andreas Bauer (Fafner), Sara Jakubiak (Freia), Tanja Ariane Baumgartner (Erda), Elizabeth Reiter (Woglinde) und Judita Nagyová (Wellgunde). Mit der Produktion vertraut sind neben den eingangs genannten Sängern auch James Rutherford (Wotan) – nunmehr als Gast – sowie Alfred Reiter (Fasolt), Claudia Mahnke (Fricka) und Katharina Magiera (Flosshilde) aus dem Ensemble.

Oper Frankfurt / Das Rheingold - v.l.n.r. AJ Glueckert (Froh), Brandon Cedel (Donner), Kurt Streit (Loge), James Rutherford (Wotan) und Statist der Oper Frankfurt © Barbara Aumüller

Oper Frankfurt / Das Rheingold – v.l.n.r. AJ Glueckert (Froh), Brandon Cedel (Donner), Kurt Streit (Loge), James Rutherford (Wotan) und Statist der Oper Frankfurt © Barbara Aumüller

Wiederaufnahme: Freitag, 13. April 2018, um 19.30 Uhr im Opernhaus
Weitere Vorstellungen: 19., 22. April, 1., 6. Mai 2018
Alle Vorstellungen beginnen um 19.30 Uhr
Preise: € 15 bis 105 (12,5% Vorverkaufsgebühr nur im externen Vorverkauf)

Pressemeldung Oper Frankfurt

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Ulm, Theater Ulm, Premiere  DIE GLÜCKLICHE HAND / CARMINA BURANA, 17.05.2018

April 17, 2018  
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Theater Ulm

Theater Ulm / Zuschauerraum © Carola Hoelting

Theater Ulm / Zuschauerraum © Carola Hoelting

DIE GLÜCKLICHE HAND  –  CARMINA BURANA

Premiere 17. Mai 2018

Zwei bedeutende Zeugnisse der musikalischen Moderne vereint die assoziativ entwickelte szenische Installation von Operndirektor Matthias Kaiser. Mit dem expressionistischen Frühwerk DIE GLÜCKLICHE HAND aus dem Jahr 1913 beginnt Arnold Schönberg mit einem synästhetischen Konzept der Neukombination von Handlung, Farbe, Raum und Musik, neue Klang- und Erzählweisen für das Musiktheater zu erschließen.

Skulptur ohne Handlung –  DAHINSTRÖMEN, SINGEND
Uraufführung – Zwischen beiden Werken

Das Drama, in dem sich der Protagonist dem Gefühl der Eifersucht hingibt, handelt von der Frage, aus welchen inneren Seelenzuständen heraus Kunst entstehen kann. 1934 bis 1936 geht Carl Orff mit seiner Adaption der „Lieder aus Benediktbeuren“ (so die deutsche Übersetzung des lateinischen Titels der mittelalterlichen Musiksammlung CARMINA BURANA) angesichts des faschistischen Drucks in die innere Emigration und besinnt sich auf die ältesten Wurzeln der Musikgeschichte.

Zwischen beiden Werken erklingt als Uraufführung gefördert durch die Kunststiftung NRW die musiktheatralische Skulptur ohne Handlung DAHINSTRÖMEN, SINGEND von Gerhard Stäbler, dessen KASSANDRA-Kompositionen, die Performance FUTURESSENCE XXX und die Oper ERLÖST ALBERT E. vor einigen Jahren bereits am Theater Ulm zu hören waren. Die Musikalische Leitung übernimmt Hendrik Haas. Marianne Hollenstein entwirft das Bühnenbild und integriert eigene Malerei. Von Angela C. Schuett stammen die Kostüme. Es singen Tomasz Kaluzny, Maria Rosendorfsky, Hans-Günther Dotzauer und Kwang-Keun Lee. Außerdem werden Beatrice Panero und Daniel Perin aus dem Ballettensemble den Figuren tänzerischen Ausdruck verleihen. Unterstützt werden sie vom Opern- und Extrachor des Theaters Ulm sowie vom Philharmonischen Orchester der Stadt Ulm, das sich bei diesem besonderen Abend auf der Bühne (und auf der Hinterbühne) präsentiert. PMThUl

 

Berlin, Deutsche Oper Berlin, Tannhäuser – Richard Wagner, IOCO Kritik, 15.04.2018

April 17, 2018  
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Deutsche Oper Berlin

Deutsche Oper Berlin © Leo Seidel (Kontakt: leoseidel@googlemail.com)

Deutsche Oper Berlin © Leo Seidel (Kontakt: leoseidel@googlemail.com)

Tannhäuser und der Sängerkrieg auf Wartburg – Richard Wagner

“Ich will mir das Leben nicht ersparen…
…indem ich es auf die Bühne bringe.”

Von Karin Hasenstein

ist die Prämisse dieser Tannhäuser-Produktion von Kirsten Harms an der Deutschen Oper Berlin, deren 43. Aufführung seit der Premiere vom 30.11.2008 die Rezensentin besucht hat.

Richard Wagner © IOCO

Richard Wagner © IOCO

Die Regisseurin bezeichnet Tannhäuser als ein “Werk über Menschen, die einander und sich selbst etwas schuldig bleiben.” Dies Gefühl kennt wohl jeder von uns. Wie oft bleibt man dem anderen etwas schuldig. Aber was wiegt eigentlich schwerer? Die “Schuld” den Mitmenschen gegenüber, oder die Schuld gegen sich selbst? Diese Frage kann jede/r nur für sich selbst beantworten.

Im Tannhäuser treffen zwei Utopien aufeinander: Die des Venusbergs mit seiner Sinnenfreude und die Tragödie der Wartburg. Beide, so scheint es, kann es im Denken der Menschen nur unter Ausschluss der jeweils anderen geben. Das, was wir Wirklichkeit nennen, besteht aber aus dem Zusammentreffen beider Utopien. Der Ritter Tannhäuser befindet sich zu Beginn in der sinnlichen Welt des Venusberges. Er ist der starren höfischen Welt der Wartburg entflohen und hat in der Armen der Liebesgöttin Venus die Freuden der bis dahin entbehrten sinnlichen Liebe erlebt. Jedoch ist er ihrer überdrüssig geworden und will zu Seinesgleichen zurückkehren. Trotz aller Verführungskünste gelingt es Venus nicht, ihn zum Bleiben zu überreden, denn: “Mein Heil liegt in Maria!”. So denkt Tannhäuser und flieht aus dem Venusberg.

Als eine Pilgerschar vorbeizieht, erwachen seine Schuldgefühle, er empfindet seine körperliche Liebe zu Venus als Sünde. Eine Jagdgesellschaft erkennt den lange Vermissten und Wolfram und die Ritter beschwören ihn, in ihren Kreis zurückzukehren. Zunächst reagiert Tannhäuser zurückhaltend, doch das Schlüsselwort “Elisabeth” bringt die Erinnerung zurück und er lässt sich umstimmen. In der Halle, in der so oft die Sängerwettstreite stattfanden, erinnert sich Elisabeth an Tannhäuser. Ihre alten Gefühle erwachen aufs Neue und sie bekennen einander ihre Liebe. Eigentlich könnte die Geschichte an dieser Stelle bereits zu Ende sein, aber dann wäre die Welt um ca. drei Stunden wunderschöner Musik ärmer. Und da es ja um Schuld und Sühne geht, ist klar: so einfach kommen die beiden nicht davon!

Es folgt ein Sängerwettstreit, dessen Aufgabe darin besteht, das Wesen der Liebe zu ergründen. Wolfram besingt die reine, geistige Liebe, stellt aber bereits die Verbindung zum Abendstern, der Venus, her. Tannhäusers Antwort, das Preisen der Göttin der Liebe, kann nur als Provokation verstanden werden, und der Gesellschaft wird klar, dass er im Venusberg geweilt hat, also die Freuden der sinnlichen Liebe genossen hat. Es folgt der Ausschluss aus der höfischen Gesellschaft, als er seine Erlebnisse bei Venus zur Nachahmung empfiehlt. Elisabeth erreicht, dass Tannhäuser sich einem Pilgerzug nach Rom anschließen kann und beim Papst um Gnade flehen soll.

Die Pilger kehren zurück und Elisabeth erwartet Tannhäuser, doch er ist nicht unter den Pilgern. Elisabeth kann nur noch die Jungfrau Maria um Gnade für ihn anflehen. Wolframs berührender Gruß an den Abendstern – Venus –  ist der Wunsch nach dem Gruß an Elisabeth, wenn die Sterbende an ihm vorbeizieht.  Plötzlich erscheint auch Tannhäuser, berichtet von seiner Romfahrt und enttäuscht Elisabeths Hoffnung, dass er Erlösung erfahren haben möge. Der Papst hat ihm die Vergebung verweigert, so schwer wiegt seine Schuld. Resigniert will er in den Venusberg zurückkehren.

Die Deutsche Oper Berlin hat sich bei ihrer Produktion des Tannhäuser für die Dresdner Fassung von 1845 entschieden. In der Pariser Fassung von 1861  hat Wagner einen Bacchanal, eine Tanzszene, vorangestellt, die die Welt des Venusberges musikalisch und szenisch ausschmückt. In der Dresdner Fassung mündet die Ouvertüre direkt in das Liebesspiel Tannhäusers mit Venus, von ferne erklingen die Stimmen der Sirenen “Naht euch dem Strande…”, perfekt aus dem Off intoniert von den Damen des Chores der DOB.

Deutsche Oper Berlin / Tannhäuser - hier : Bieber, Andreas Schager, Markus Brueck © Bettina Stoess

Deutsche Oper Berlin / Tannhäuser – hier : Bieber, Andreas Schager, Markus Brueck © Bettina Stoess

Wir erblicken den Ritter Tannhäuser (Stefan Vinke, erneut für den erkrankten Peter Seiffert eingesprungen) im grob gewirkten Hemd und Hose und Venus (Ricarda Merbeth) mit überhüftlangem offenen blonden Haar im weißen ärmellosen Gewand, sich auf einer Art Altar miteinander vergnügend. Im Hintergrund sehen wir sechs Kopien von Venus als eine Art Bewegungschor.

Aufgrund des großen Wasserschadens vom 24.12.2017, von der auch Teile der Kulissen dieser Produktion in Mitleidenschaft gezogen wurden, wird eine szenisch adaptierte Version in Kostüm und Maske sowie in veränderter Dekoration bei angepasster Beleuchtung dargeboten. Dadurch gehen dem Zuschauer einige Details verloren, wie sich den Fotos der Produktion auf der Homepage der DOB entnehmen lässt. Am Verstehen oder am Genuss des Stückes ändert das aber glücklicherweise nichts.

Warum auch immer, Tannhäuser wird von Zweifeln an dieser Art der Liebe gepackt und er beschließt, den Venusberg zu verlassen und sein Heil in der Jungfrau Maria zu suchen. Bereits in den ersten zwei Takten der Ouvertüre offenbart sich die große Erfahrung von GMD Donald Runnlicles mit dem Oeuvre Richard Wagners. Das vorgeschriebene Tempo Andante maestoso (Viertel = 50) wird gefühlt exakt eingehalten. Die Musik atmet eine tiefe Ruhe, der Zuhörer lehnt sich entspannt zurück und große Vorfreude auf das Folgende wächst in der Rezensentin. Anstatt, wie heutzutage leider so oft üblich, durch die Partitur zu hetzen, nimmt Runnicles sich Zeit, zelebriert jede Note und gibt der Musik exakt die Zeit, die sie braucht, um sich in ihrer ganzen Schönheit zu entfalten.

Das zeigt sich schon im zweiten Volltakt in den Triolen, die so ruhig ausgespielt werden, dass man bereits an diesen wenigen Tönen erkennt: hier ist ein Musiker am Werk, der weiß, was er tut. Die 15 Minuten, die nun folgen, gehören für mich zum Schönsten, was ich in den letzten zwei Jahren gehört habe. Die Triolen in den Streichern verleihen dem Ganzen eine Ruhe, die Kontrabässe, die Streicher allgemein klingen wie mit einem Bogen gespielt, die Motive atmen Erhabenheit. Das Leitmotiv aus dem Pilgerchor, das im Finale mit dem Text Der Gnade Heil ist dem Büßer beschieden…” unterlegt wird, erklingt so majestätisch in den Posaunen, dass man sich unwillkürlich ein wenig im Sessel aufrichten möchte. Für die Rezensentin war das festspielwürdig!

In seiner Auftrittsarie des Tannhäuser Dir töne Lob! Die Wunder sei’ n gepriesen…” startet Stefan Vinke gleich durch wie ein Wirbelsturm. Die Leidenschaft im Verhältnis zu Venus wird mit jeder Silbe, mit jeder Note spürbar. Bei einem anderen Sänger würde man sich vielleicht Sorgen machen, ob er diese Dynamik, diese Intensität weitere drei Stunden durchhält, nicht jedoch bei Stefan Vinke. Wer ihn kennt, weiß, dass er das mühelos schafft.  Venus versucht ihn zum Bleiben zu überreden, schließlich droht sie ihm – Tannhäuser verlässt sie dennoch. Hätte ich auch, denkt sich die Rezensentin, denn trotz wunderbar klarer, obertonreicher Stimme bleibt Ricarda Merbeths  Darstellung der Liebesgöttin ein wenig zu brav, zu wenig leidenschaftlich in diesem Kontext (“Geliebter, sag, wo weilt dein Sinn.”).

Stefan Vinke schont sich nicht, legt sofort mit Verve los und kommt so markant über das Orchester, dass sich der Zuhörer fragt, ob er das so durchhält. Doch Stefan Vinke hat die Kondition und Erfahrung, auf diesem Level die Partie durchzuziehen. Im Tempo anziehend wird Tannhäusers Lied an Venus immer drängender, bis er schließlich fast flehend bittet “Aus deinem Reiche muss ich flieh’n, o Königin, Göttin, lass mich zieh’n.”  Etwas ruhiger wird er in der zweiten Strophe “Dank deiner Huld, gepriesen sei dein Lieben”, so dass sich der Zuhörer auch etwas entspannen kann.  Schließlich tritt seine ganze Verzweiflung zutage, getrieben, zerrissen wiederholt er den Wunsch “aus deinem Reiche muss ich flieh’n…”   In der dritten Strophe “Stets soll nur dir, nur dir mein Lied ertönen…” wird der Grund deutlich: “Doch hin muss ich zur Welt der Erden, bei dir kann ich nur Sklave werden; nach Freiheit doch verlangt es mich, nach Freiheit, Freiheit dürste ich…”

Deutsche Oper Berlin / Tannhäuser - hier : Bell, Markus Brück, Pesendorfer, Carico © Bettina Stoess

Deutsche Oper Berlin / Tannhäuser – hier : Bell, Markus Brück, Pesendorfer, Carico © Bettina Stoess

So lässt Venus ihn denn mit den Worten “Zieh hin, Wahnsinniger! Zieh hin, Verräter!”. Ironie, dass später die Ritter ihn ebenfalls als schändlichen Verräter bezeichnen! Jedoch bietet sie ihm an “Kehr’ wieder, wenn dein Herz dich zieht!” Er streitet ab und weist sie zurück mit den Worten “Mein Heil ruht in Maria!”  Der Decker fährt runter, auf dem Prospekt sind drei riesige Gargoyls zu erkennen.

Die Stimme des Hirten ertönt, von Nicole Haslett bezaubernd klar, zart und unschuldig im weißen Hemdchen, gleichzeitig sehr stark im Ausdruck dargeboten. Der nun folgende Chor der älteren Pilger “Zu dir wall’ ich, mein Jesus Christ” beeindruckt vor allem durch sehr gute Textverständlichkeit und differenzierte Dynamik. Hier wird die ganze Bandbreite von forte bei “Am hohen Fest der Gnad und Huld” bis piano bei “Demuth” und piu piano bei “meine Schuld” ausgeschöpft.

Überhaupt ist der Chor (samt Extrachor) der Deutschen Oper Berlin (Einstudierung: Jeremy Bines) wie immer eines der Highlights des Abends. Wissend, dass die Mitglieder an diesem Wochenende bereits im Wunder der Heliane mitgewirkt und in der Lady Macbeth von Mzensk eine große Partie bewältigt haben, kann die Leistung im Tannhäuser als große Choroper am dritten Abend in Folge nicht hoch genug gewürdigt werden. Dabei sind es gar nicht unbedingt die “großen” Nummern wie Einzug der Gäste oder die Pilgerchöre, die laufen fast “von selbst” – die herausragende Qualität zeigt sich in der Präzision der kleinen Einwürfe wie z.B. “Heil, Biterolf! Hier, unser Schwert…” oder an der lupenreinen Intonation im Schlusschor “Heil! Heil! Der Gnade Wunder, Heil!”

Kein Wunder, dass der Chor der Deutschen Oper Berlin bereits dreimal zum Opernchor des Jahres gekürt wurde und anlässlich seines Gastspiels bei den Londoner “Proms” mit dem Tannhäuser einen triumphalen Erfolg bei Publikum und Presse erzielte.

Erwähnung finden muss auch der Kreis der Ritter. In silbern glänzenden Rüstungen werden sie auf ebenfalls silbernen gerüsteten Rössern auf Rollen von der Hinterbühne kommend hereingezogen, was sehr zum Ärger des Publikums einen Höllenlärm veranstaltet. Das hätte man technisch sicher auch eleganter lösen können, da es als Bild nämlich wunderbar funktioniert. Man hätte einfach auch warten können, bis die Ritter ausgesungen haben, bevor man sie wieder von der Bühne zieht.

Markus Brück, Bayreuth- und MET-erprobtes Ensemblemitglied der DOB, überzeugt als Wolfram von Eschenbach bereits in der vierten Szene mit der Begrüßung des Tannhäusers “Gegrüßt sei uns, du kühner Sänger, der ach so lang in unser Mitte fehlt. Das sich anschließende Ensemble der Ritter ist ein kleines Schmuckstück, so harmonisch fügen sich die Stimmen zu einem Ganzen. Zu den Klängen des Septetts (Landgraf, Tannhäuser und Ritter) legen sie Tannhäuser seine Rüstung an und nehmen ihn so wieder in ihren Kreis auf. Eine berührende, feierliche Szene, wunderbar gesungen von Markus Brück (Wolfram von Eschenbach), Attilio Glaser (Walther von der Vogelweide), Jörg Schörner (Heinrich der Schreiber), Noel Bouley (Biterolf), Alexei Botnarciuc (Reinmar von Zweter) und Günther Groissböck als Landgraf Hermann.

Der zweite Akt spielt in der Halle der Wartburg, in der einst so viele Sängerwettstreite ausgetragen wurden und an der für Elisabeth so viele schöne Erinnerungen hängen. Zu Beginn sehen wir Elisabeth (ebenfalls Ricarda Merbeth) im bodenlangen, hoch geschlossenen weißen Gewand mit streng geflochtenem Zopf.  Der Vorhang gibt den Blick frei auf vier Ritterrüstungen, die auf etwa halbe Bühnenhöhe hochgezogen über der Szene hängen. Diese vier sind anscheinend der Rest, der nach dem Wasserschaden verblieben ist. Ursprünglich war es eine weit größere Anzahl und diese vier wirken etwas verloren, so dass man sie vielleicht besser ganz weggelassen hätte.

Die 75 Takte strahlendes G-Dur im Vorspiel zur Auftrittsarie der Elisabeth “Dich, theure Halle, grüß ich wieder!” fangen den Zuhörer jedoch sofort wieder ein. Als Elisabeth überzeugte Ricarda Merbeth die Rezensentin ungleich stärker, denn als Venus. Ihre Arie strahlt die ganze Freude Elisabeths aus, ihren Tannhäuser wiederzusehen (“Nicht sollt Ihr knien, denn diese Halle ist Euer Königreich!”). So gerät dann auch das folgende Duett Elisabeth – Tannhäuser “Gepriesen sei die Stunde, gepriesen sei der Tag!” zu einem weiteren musikalischen Höhepunkt. Dass sich die beiden Liebenden dabei verschämt an den Händen halten mag dem Umstand geschuldet sein, dass Wolfram sie aus dem Hintergrund beobachtet…

Tannhäuser tritt ab, der Landgraf findet Elisabeth in der Halle, die sie so lange gemieden hat. Sein an Elisabeth gerichtetes  “Nun bleibe denn unausgesprochen dein süß Geheimnis kurze Frist” gestaltet der österreichische Bass Günther Groissböck so liebevoll tröstend und innig, dass es zu einem der ganz großen Momente dieses Abends wird. Sein kultivierter Gesang ebenso wie seine überragende Bühnenpräsenz machen die Rolle des Landgrafen zu einem unvergesslichen Erlebnis. Sein ausdrucksstarker sonorer Bass und seine Statur lassen ihn geradezu prädestiniert erscheinen für Rollen wie den Landgrafen, König Marke, Veit Pogner oder (in Kürze an der Pariser Opéra Bastille, Gurnemanz).

Beeindruckend ist immer wieder, mit welcher Leichtigkeit Günther Groissböck die tiefen Stellen bewältigt (z.B. bei “…der Lösung mächtig bist” das f auf “bist“) aber auch mühelos das für einen Bass sehr hoch liegende es bei “die holde Kunst, sie werde jetzt zur That! beherrscht. Der nun folgende Einzug der Gäste gehört sicher mit zu den bekanntesten Nummern aus dem Tannhäuser, ist er doch Bestandteil zahlreicher Opern-Galas und unzähliger Sampler à la “Die schönsten Opernchöre”. Der Chor kommt in farbenfrohen Kostümen daher, die wohl mittelalterlich anmuten sollen, unterstützt durch zahlreiche entsprechende Accessoires. (Kostüme: Bernd Damovsky) Insgesamt erinnert die Szene ein bisschen an die Festwiese in den Meistersingern.

Deutsche Oper Berlin / Tannhäuser - hier : Markus Brück, Emma Bell © Bettina Stoess

Deutsche Oper Berlin / Tannhäuser – hier : Markus Brück, Emma Bell © Bettina Stoess

Auch das als Marsch bezeichnete Vorspiel zum großen Chor gestaltet das Orchester der Deutschen Oper unter Runnicles in perfekt gewähltem Tempo und mit großer Spielfreude. Es ist ein Traum, wie Runnicles die einzelnen Orchesterstimmen herausarbeitet. Der Einsatz des Herrenchores ist genau auf den Punkt und zeichnet sich durch äußerste Textverständlichkeit und perfekte Wegnahmen aus. Auch der Chor der Edelfrauen lässt keine Wünsche offen. Da wir uns hier in der Tonart H-Dur befinden, gerät auch der Schluss auf dem h” zu einem brillanten Abschluss dieses Chorstückes.

Der Landgraf begrüßt die Gäste (“Gar schön und viel ward hier in dieser Halle…“) und auch in dieser Passage besticht Groissböck wieder mit deutlichster Diktion, man hört förmlich die Kommata, jede Absprache, jeder Schlusskonsonant ist zu verstehen. Die Edelknaben, die Wolfram von Eschenbach ansagen, werden aus dem Chor heraus besetzt. Auch diese zuweilen heikle Stelle wird makellos dargeboten. Ziemlich genau in der Mitte der Partitur folgt nun der Sängerkrieg.

Markus Brück preist als Wolfram die reine geistige Liebe mit solcher Inbrunst, dass man ihm jedes Wort glaubt. Große Momente sind hier “…mein Lied verstummt vor solcher Anmuth Glanz” und “in Anbetung möcht’ ich mich opfernd üben, vergießen froh mein letztes Herzensblut!”  Für Tannhäuser gibt es kein Halten mehr, er erwidert “Auch ich darf mich so glücklich nennen, zu schau’n, was Wolfram, du geschaut” – jedoch spielt er natürlich auf die sinnliche Liebe, die er mit Venus erlebt an, an: “In vollen Zügen trink’ ich Wonnen”.

Auch mit der Darstellung Walthers ist Tannhäuser nicht einverstanden und er provoziert die höfische Gesellschaft schließlich derart, dass sie ihn mit den Worten “Er war im Venusberg! Hinweg! Hinweg! Aus seiner Näh!” aus ihrem Kreis ausstoßen. Das Sextett “Ein Engel stieg aus lichtem Äther” der Ritter und des Landgrafen offenbart einmal mehr die hohe Qualität aller Solisten und des Orchesters der Deutschen Oper sowie das einfühlsame Dirigat von Donald Runnicles. Auch diese Stück gerät zu einem sehr eindrucksvollen musikalischen Moment, da jede Stimme für sich gut verständlich ist und sich dennoch perfekt ins Ensemble einfügt, eindrücklich auch noch untermalt vom Chor. Ganz zauberhaft gerät schließlich “Du gabst ihr Tod, sie bittet für dein Leben, wer bliebe rau, hört’ er des Engels Fleh’n?”

Der Chor der jüngeren Pilger (Damenchor) besticht mit perfekter Intonation in der heiklen Passage “Am hohen Fest der Gnad’ und Huld”, dem sich Tannhäusers Ruf “Nach Rom!” anschließt. Im Vorspiel zum dritten Akt erklingt das Pilgermotiv. Elisabeth pflegt aufopfernd die Kranken im Siechenhaus. Wolfram beobachtet sie eine Weile und tritt schließlich hinzu. Die Seitenbühne ist jetzt komplett offen, die Bühne stellt sich als Krankenhaussaal dar. Erst, als sich die ersten bewegen, ist aus dem Parkett erkennbar, dass Personen (der Herrenchor) in den Betten liegen. Langsam richten sich diese nach und nach auf und stimmen den Chor der älteren Pilger an, “Beglückt darf nun dich, o Heimat, ich schauen…”.

Auch der Zuhörer ist beglückt, denn dieser Chor atmet ein herrlich ruhiges Tempo, die Dynamik verbreitet mit zartem Pianissimo genau die Atmosphäre, die es hier braucht. In diese Ruhe hinein setzt Elisabeths Gebet ein “Allmächt’ge Jungrau, hör’ mein Flehen”. Mit großartiger Legatolinie fleht sie zur Jungfrau um Gnade. Das Flötensolo unterstreicht ihre Verzweiflung und den Wunsch nach Buße und Vergebung. Wolfram, der sie die ganze Zeit beobachtet hat, hebt zu seinem Lied an den Abendstern an. Markus Brück gestaltet diesen “Hit” dermaßen eindringlich und bewegend in Phrasierung und Dynamik, dass im Publikum unter den knapp 1.900 Besuchern buchstäblich kein Laut zu vernehmen ist. Sein warmer Bariton passt perfekt zu dieser Nummer und verleiht dem Abend einen weiteren Moment von großer Innigkeit und musikalischem Zauber.

Unterstrichen wird diese Szene von der Beleuchtung, ein einzelner Spot ist auf Wolfram gerichtet, der die schlafende Elisabeth hält und schließlich ihren Kopf in seinen Schoß bettet. Runnicles gibt dem Sänger Zeit, ein Traum sind die tiefen Streicher, die die Melodie förmlich weitersingen, als Wolfram verstummt. Als ein Pilger hinzutritt, bedeckt Wolfram Elisabeths Körper mit einem Laken. Schließlich erkennt er in dem Pilger Tannhäuser, es folgt die große Romerzählung. Hier bewährt sich wieder  Vinkes grandiose Kondition.

Von “Inbrunst im Herzen” bis zum Ausbruch “Da ekelte mich der holde Sang!” welchen er geradezu hinausschleudert, präsentiert Stefan Vinke alle Facetten  seines Könnens. Überzeugend gelingen ihm sowohl die Piano-Stellen wie “Ein Engel hatte, ach, der Sünde Stolz” oder “um ihm die Thräne zu versüßen, die er mir Sünder einst geweint” als auch “denn Gnad und Heil verhießen sie der Menge”Eindringlich gestaltet er “Und Tausenden er Gnade gab” oder “..kann aus der Hölle heißem Brand Erlösung nimmer dir erblüh’n!”

Die Spannung in der folgenden Generalpause ist spürbar!

Die Szene zwischen Tannhäuser und Wolfram gerät auch durch das intensive Spiel der beiden Sänger-Darsteller und das einfach wie wirkungsvoll eingesetzte Licht zu einem besonders eindrücklichen  Erlebnis. Sie alle aufzuzählen, würde den Rahmen dieser Besprechung sprengen. Schwierig an dieser Stelle die Doppelbesetzung von Venus und Elisabeth durch eine Sängerin. Als sie sich unter dem Tuch erhebt, ist es nicht mehr Elisabeth, sondern Venus. Es mögen die zwei Seiten einer Person sein, aber wenn Venus singt “Willkommen, ungetreuer Mann!”, hier zu abstrahieren fällt doch etwas schwer.

Tannhäuser sinkt mit den Worten “Heilige Elisabeth, bitte für mich!” nieder und der Chor der jüngeren Pilger bereitet mit dem gewaltigen Schlusschor “Der Gnade Heil ward dem Büßer beschieden!” mit einem letzten Anflug von Gänsehaut an diesem Abend den Zuhörern ein unvergessliches Opern-Erlebnis.

Der letzte Es-Dur-Akkord verhallt, der Vorhang fällt.  Ein Moment Stille, bevor das Publikum diese große Ensembleleistung mit lang anhaltendem Applaus und zahlreichen Bravi für Solisten, Chor und Orchester dankbar und begeistert honoriert.

Tannhäuser oder der Sängerkrieg auf der Wartburg – Deutsche Oper Berlin:  Keine weiteren Vorstellungen in der Spielzeit 2017/18.

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Berlin, Theater im Delphi, La Traviata – Pop-up-Opera, IOCO Interview, 13.04.2018

Puccini´s Toaster Pop-up-Opera © Sarah Ring

Puccini´s Toaster Pop-up-Opera © Sarah Ring

PUCCINI’S TOASTER – Eine  Pop-up Opera

IOCO Interview

Kerstin Schweiger sprach für IOCO  mit  Sarah Ring über ihr Projekt einer Pop-up-Opera in Berlin,  ihre Wünsche und Hoffnungen.

Die amerikanische Sängerin und Produzentin Sarah Ring und eine Gruppe junger professioneller Sänger, Musiker, Regisseure und Produzenten haben Puccinis Toaster gestohlen und mit diesem Requisit Berlins erste Pop-up-Oper in Berlin geschaffen. Gespielt wird im Theater im Delphi, einem ehemaligen Stummfilmkino in Berlin-Weißensee. Vier Produktionen wurde bisher „gemacht“, jeweils dazu ein passendes Ensemble gecastet. Die nächste Premiere dieser Pop-up-Opera ist

 La Traviata – 20. April 2018

Kerstin Schweiger (KS):  Ihr Projekt einer Pop-up-Oper klingt spannend; warum musste Puccini seinen Toaster dafür hergeben?  Berlin hat drei große Opernhäuser und ein Vielzahl kleiner Häuser, Gruppen und Projekte, die sich der Oper widmen. Warum braucht Berlin eine Pop-up-Opera?

Sarah Ring © Sarah Ring

Sarah Ring © Sarah Ring

Sarah Ring (SR): Es kann ja nie genug Oper geben! Aber wir denken auch, dass wir Aufführungen bieten können, die für ein Publikum erschwinglicher und weniger vorhersehbar sind als in den etablierten Häusern. In entspannter Atmosphäre und trotzdem von hoher Qualität. Außerdem nutzen wir sehr gerne Veranstaltungsorte mit Bar, wo man auch während der Aufführung Drinks genießen kann.

KS: Wie kam es zur Gründung von PUCCINI’S TOASTER?

SR: Caroline Staunton und ich hatten bereits an einem anderen Projekt zusammen gearbeitet, damit waren Regisseurin und Intendantin also gefunden. Rebecca Lang als Musikalische Leiterin, Dirigentin und Arrangeurin verstärkte das aktuelle Führungstrio und aktuell freuen wir uns über die Zusammenarbeit mit Wolfgang Berthold, der die neue Produktion von La Traviata inszeniert.

KS: Wie kam es zu dem ungewöhnlichen Namen für das Projekt?

SR: Es gibt eigentlich keinen konkreten Grund für diesen Namen, wir haben einige Wortspiele nach dem Kellertüren-Prinzip gemacht: das Bild von einem Toaster du dem Begriff Pop-up passt auch gut zusammen. Außerdem mögen wir die Metapher von einem knusprigen frischen Toast, der sonst nur schales Weißbrot wäre. Mussorgskys Toaster erschien uns ein bisschen obskur….

KS: Wie finden und besetzen Sie die vielen beteiligten Sänger und Musiker für eine große Oper?

SR: Das ist ein gutes Stück harter Arbeit! Wir verfolgen jeden Tipp, den wir erhalten, laden wie bei Traviata zu Vorsingen ein und ergänzen so unser gewachsenes Ensemble freiberuflicher Sängerinnen und Sänger. Unsere Musiker und den Chor für diese Produktion konnten wir durch die neugegründete Kreuzberger Kamerata gewinnen. Das Netzwerk von unglaublich talentierten Künstlern erweitert sich stetig.

KS: Was macht den besonderen Reiz aus, La Traviata in einem alten Stummfilmkino zu zeigen?

SR: Der Ort hat eine ganz eigene Atmosphäre – er steht für das rauschhafte Amüsement seiner Entstehungszeit und zeigt gleichzeitig deren Verblassen. Und um die Sehnsucht nach Rausch geht es ja auch in La Traviata, das ehemalige Delphi Stummfilmkino wird damit zu einem perfekten Bühnenbild mit großer suggestiver Kraft.

Puccini´s Toaster / Produktion Mimi im La Boheme © Sarah Ring

Puccini´s Toaster / Produktion Mimi im La Boheme © Sarah Ring

KS: Wie setzen Sie große Opern wie La Bohème oder La Traviata an einem räumlich begrenzten Ort wie dem Delphi um, wo es keine Hinterbühne und keinen Orchestergraben gibt?

SR: Trotz der großen Chorszenen und des oft damit assoziierten Prunks ist La Traviata im Kern ein Kammerspiel. Und mit der konzentrierten Situation auf der Bühne des Delphi sowie einer kammermusikalischen Orchesterbesetzung kommt hoffentlich gerade dieser Aspekt, das Drama einer selbstbewussten, gegen Konventionen und konservative Moralvorstellungen kämpfenden Frau, besonders zur Geltung.

KS: Was ist das Besondere an dieser Inszenierung von La Traviata, warum sollte man es nicht verpassen?

SR: Ein tolles junges Ensemble, eine spannende, ohne Opernkonventionen und Ausstattungsprunk arbeitende Inszenierung, ein spektakulärer Spielort – allein diese drei Gründe sollten reichen, diese Produktion nicht zu verpassen!

KS: Was für Projekte stehen zukünftig an und was macht PUCCINI’S TOASTER außerhalb der jährlich 1-2 Neuproduktionen?

SR: Wir schauen uns nach noch mehr unterschiedlichen Veranstaltungsorten um und planen ein noch vielfältigeres Programm. Kürzlich hatten wir einen großen Erfolg mit einem Abend im Tangoloft mit einem Einakter von Menotti sowie Liedern und Chansons im zweiten Teil. und unserem Winterreise-Konzert mit 24 Sängerinnen und Sängern. Neues Licht auf das klassische Repertoire zu werfen wird immer Teil unseres Konzeptes sein, trotzdem wollen wir dies in künstlerischer Balance immer wieder mit kleineren Produktionen begleiten.

KS: Wie kann ich mich mit der Pop-up-Oper verbinden, gibt es Fördermöglichkeiten für Opernliebhaber und Toaster-Fans?

SR:
Jeder kann Teil des Toaster Teams werden, auf unserer website unter dem Button Mitgliedschaft finden sich verschiedene Angebote. Und natürlich freuen wir uns auf ein aufmerksames Publikum bei unseren Veranstaltungen, das diese weiter empfiehlt.

                                              https://puccinistoaster.com/

KS:  Wo steht PUCCINI’S TOASTER in 10 Jahren?
SR: Ich verspreche, wir werden noch da sein, mit Freude und Leidenschaft für die Oper arbeiten, das Talentpotential dieser Stadt auf die Bühne zu bringen und einem neugierigen Publikum vorzustellen

LA TRAVIATAPREMIERE:  20. APRIL 2018, 19:30 | 22. APRIL 2018, 17:00
THEATER IM DELPHI  –   GUSTAV-ADOLF-STR. 2, 13086 BERLINTICKETS AB €15 UNTER WWW.DELPHI.RESERVIX.DE, 01806 700 733, ODER AN ALLEN RESERVIX VORVERKAUFSSTELLEN.

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