Linz, Landestheater Linz, Premiere TOD IN VENEDIG VON BENJAMIN BRITTEN, 19.05.2018

Landestheater Linz

Landestheater Linz / Neues Musiktheater Volksgarten © Sigrid Rauchdobler

Landestheater Linz / Neues Musiktheater Volksgarten © Sigrid Rauchdobler

DEATH IN VENICE (TOD IN VENEDIG)
OPER IN ZWEI AKTEN VON BENJAMIN BRITTEN

Text von Myfanwy Piper nach der gleichnamigen Novelle von Thomas Mann
In englischer Sprache mit Übertiteln
Koproduktion mit der Opéra Nice Côte d’Azur und dem Theater Bonn

Premiere Samstag, 19. Mai 2018, 19.30 Uhr
Großer Saal Musiktheater

Die weiteren Vorstellungstermine: 22., 25. Mai; 1., 7., 19. Juni; 2., 6. Juli 2018


ZUM STÜCK


Thomas Manns Novelle Der Tod in Venedig aus dem Jahr 1911 gehört zweifelsohne zu den Höhepunkten der deutschen Literatur. Das Schicksal des alternden Dichters Gustav Aschenbach, der im von der Cholera heimgesuchten Venedig auf den schönen Knaben Tadzio trifft und sich in ihn verliebt, transportiert viel von Thomas Manns eigener Lebenssituation. Gleichzeitig lässt sich diese Geschichte aber auch als Abgesang auf die europäische Kultur am Vorabend des Ersten Weltkrieges lesen. Es ist diese spannende Mischung aus Realem und Fiktionalem, aus dunklem Triebhaften und klarer Rationalität, aus interpretatorischer Varianz und sprachlicher Eleganz, die an Manns Novelle immer wieder aufs Neue fesselt.

Somit verwundert es nicht, dass es ausgerechnet der Komponist Benjamin Britten war, der aus diesem Stoff eine Oper machte. Denn auch Britten war Zeit seines Lebens nachgerade besessen von dem Gedanken an die Faszination und die Bedrohung kindlich-jugendlicher Unschuld. Und so schuf er mit seiner letzten Oper Death in Venice eines seiner dichtesten und dramaturgisch innovativsten Werke. Dabei fasst Britten die seelischen Verunsicherungen, die Aschenbach durch die Begegnung mit Tadzio erfährt, in eine Tonsprache, die ebenso konzentriert wie emotional bewegend ihre Wirkung nicht verfehlt. Tonsprache, die ebenso konzentriert wie emotional bewegend ihre Wirkung nicht verfehlt.

Unter dem Strich wirft Thomas Manns Erzählung Der Tod in Venedig mehr Fragen auf, als sie beantwortet, worin nicht zuletzt ihr Rang und ihr Reiz mitbegründet liegen. So mag man bei der Lektüre dieser Erzählung mutmaßen, ob der glückliche Ehemann und Respekt einflößende Familienvater Thomas Mann mit Der Tod in Venedig seine Homosexualität öffentlich gemacht hat.

War Thomas Mann also schwul? Darüber haben sich etliche Biografen und Exegeten den Kopf zerbrochen, ohne eine eindeutige Antwort zu erhalten. Eine mögliche These hierzu könnte lauten, dass Thomas Mann nicht homosexuell war, sondern sich nur von schönen jungen Knaben angezogen fühlte. Auch diese Aussage klingt platter und banaler, als sie in Wirklichkeit ist.

Von solch einer homoerotischen Sichtweise einmal abgesehen, kann man Thomas Manns Novelle Tod in Venedig, die am Vorabend des Ersten Weltkriegs entstanden ist, aber auch als einen prophetisch anmutenden Abgesang auf die europäische Kultur lesen – eben sinnbildlich dargestellt am Leidensweg eines kultivierten Dichters, der sich selbst immer mehr den dunklen Mächten eines dionysischen Chaos überantwortet.

Oder man kann die Erzählung als allgemeingültige Parabel über das Hinterfragen oder gar Scheitern von selbst gewählten Lebensentwürfen verstehen. Denn Der Tod in Venedig ist auch die Geschichte eines Menschen, der gegen Ende seines Lebens bemerken muss, dass er vielleicht in den zurückliegenden Jahren manche Weiche in seiner Biografie falsch gestellt hat. Im Falle von Aschenbach besteht die Tragik darin, dass er dies eben zu spät erkennt. Somit kann man Thomas Manns Der Tod in Venedig auch als eine Aufforderung begreifen, sich selbst und seine Vorstellungen vom Leben immer wieder auf den Prüfstand zu stellen, um dann gegebenenfalls eine neue Richtung einzuschlagen, bevor es zu spät ist. Insofern kommt Thomas Mann in seiner Novelle zu derselben Erkenntnis, wie sein Altersgenosse und Kollege Rainer Maria Rilke, der seine Reflexion über das Apollinische in dem Gedicht Archaïscher Torso Apolls mit der Aufforderung enden lässt: „Du musst dein Leben ändern.“


BIOGRAFIEN


ROLAND BÖER MUSIKALISCHE LEITUNG Roland Böer war von 2002 bis 2008  Kapellmeister an der Oper Frankfurt. 2009 übernahm er die musikalische Leitung des Cantiere Internazionale d’Arte di Montepulciano und ist seit 2015 auch dessen künstlerischer Leiter.

Er gastierte am Teatro alla Scala in Mailand, dem Teatro dell’Opera di Roma, dem Royal Opera House und der English National Opera in London, am Théâtre de la Monnaie in Brüssel, an der Deutschen Oper und der Komischen Oper Berlin, den Opernhäusern Stockholm und Kopenhagen, dem Teatro Petruzzelli di Bari, der Opéra National du Rhin in Straßburg, der Wiener Volksoper, dem Stadttheater Bern, der Polnischen Staatsoper Warschau und dem Tschechischen Nationaltheater Prag. Eine regelmäßige Zusammenarbeit verbindet ihn zurzeit mit der Oper Frankfurt, der Opéra de Nice und dem Teatro dell’Opera di Firenze.

Er leitete die Filarmonica della Scala und das Orchester der Accademia di Santa Cecilia, das Orchester des Maggio Musicale Fiorentino, das London Symphony Orchestra, das Oslo Philharmonic Orchestra, das Radiosinfonieorchester Frankfurt und das Rundfunkorchester des Bayerischen Rundfunks, die Bamberger Symphoniker, die Deutsche Radio Philharmonie sowie das Royal Liverpool Philharmonic Orchestra und das Orchestre Philharmonique de Luxembourg. Er dirigierte außerdem das Ensemble Modern, Northern Sinfonia, das Scottish Chamber Orchestra und die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen.

Aufnahmen erfolgten für EMI und Opera Rara (beide mit dem Philharmonia Orchestra London), für BBC Scotland (mit dem BBC Scottish Symphony Orchestra) und den Bayerischen Rundfunk (Bamberger Symphoniker). Eine DVD mit Roland Böers Debüt am Teatro alla Scala mit Die Zauberflöte in der Produktion von William Kentridge ist bei OPUS ARTE erschienen.

Zukünftige Engagements umfassen Neuproduktionen von Elisir d’Amore an der Opéra de Nice und Enrico (Manfred Trojahn) an der Oper Frankfurt, Sinfoniekonzerte mit dem Orchestra di Padova e del Veneto und der Neuen Philharmonie Frankfurt, sowie eine Neuproduktion von Death in Venice am Landestheater Linz.


HERMANN SCHNEIDER INSZENIERUNG Hermann Schneider wurde 1962 in Köln geboren. Er studierte Germanistik, Philosophie, Musik- und Theaterwissenschaften in Tübingen und München und schloss diese Studien 1987 mit dem Magister Artium ab.
Bereits während seines Studiums assistierte Hermann Schneider sowohl im Schauspiel als auch im Musiktheater an verschiedenen deutschen Theatern. Von 1987 bis 1991 war er als Regieassistent und Spielleiter am Stadttheater Aachen engagiert und debütierte dort 1990 als Opernregisseur. Seither hat er über 60 Inszenierungen im Musiktheater und Schauspiel an zahlreichen deutschen Theatern sowie in Wien, Frankreich und London erarbeitet. Seine letzte Regie an der Opera Côte d’Azur in Nizza, Benjamin Brittens Death in Venice, wird 2018 am Landestheater Linz als Koproduktion zu sehen sein.

 Von 1993 bis 1995 war er Chefdramaturg, Regisseur und dann Intendant am Theater Eisenach, ab 1996 bis 2001 Leiter des Studios der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf/Duisburg. Von 2004 bis Dezember 2015 war Schneider Intendant des Mainfranken Theaters Würzburg.
Hermann Schneider fungiert in Gremien des Deutschen Bühnenvereins. Seit 2011 ist er Mitglied der Chambre professionelles des directions de l’opera (CPDO) in Paris, der französischen Intendantengruppe. Außerdem arbeitet er regelmäßig in Montréal in beratender Funktion mit internationalem Opernnachwuchs.
Von 1990 bis 2001 hatte Hermann Schneider Lehraufträge an den Musikhochschulen Köln/Aachen sowie Düsseldorf inne. 2001 wurde er als Professor und Leiter der Opernschule an die Hochschule für Musik Franz Liszt in Weimar berufen.

Neben der Theaterarbeit und dem Unterricht arbeitet Hermann Schneider als Autor, insbesondere von Libretti, und veröffentlicht mit namhaften Komponisten wie Jörg Herchet, Michael Obst, Anton Plate, Klaus Schulze und Gerhard Stäbler. Seit der Spielzeit 2016/2017 ist Hermann Schneider Intendant des Landestheaters Linz.


BERND FRANKE BÜHNE Der Bühnenbildner Bernd Franke studierte an den staatlichen Kunstakademien von Düsseldorf und Stuttgart bei Prof. Karl Kneidl und Prof. Jürgen Rose.
Neben Festengagements als Bühnen- und Kostümbildner am Stadttheater Gießen und am Stadttheater Würzburg arbeitete er als Gast u. a. an den Theatern von Lübeck, Oberhausen, Koblenz, Aachen, Darmstadt, Bern sowie an der Finnischen Nationaloper Helsinki und der Volksoper Wien.


IRINA BARTELS KOSTÜME Irina Bartels, in Wuppertal geboren, studierte Mode in Hamburg und assistierte zunächst frei an den Hamburger Kammerspielen, dem Thalia Theater und beim NDR.

Nach einer festen Assistenz am Schauspiel Frankfurt ist sie seit 2004 national wie international als freischaffende Kostümbildnerin für Schauspiel und Oper tätig. Sie war u. a. als Kostümbildnerin für die Inszenierungen Don Carlos am Schauspiel Essen, Besuch der alten Dame, sowie Wunschkinder am Schauspiel Bochum, Das siebte Kreuz am Schauspiel Frankfurt (R.: Anselm Weber) und Iphigenie /Occident Express (R.: Anna Badora) am Volkstheater Wien tätig.

Produktionen an Opernhäusern waren u. a. L’Heure Espagnole an der Oper Frankfurt (R.: David Hermann), Death in Venice an der Opéra Nice Côte d’Azur (R.: Hermann Schneider, Koproduktion mit dem Landestheater Linz), sowie diverse Produktionen in der Regie von Katharina Thoma. Dazu gehören La Finta Gardiniera sowie Martha an der Oper Frankfurt, L’Eliogabalo und Boris Godunov an der Oper Dortmund, Adriana Lecouvreur am Badischen Staatstheater Karlsruhe, Ariadne auf Naxos für das Glyndebourne Opera Festival, Hans och Greta (Oper Göteborg), Un Ballo in Maschera (Royal Opera House London) sowie La Clemenza di Tito an der Opéra National du Rhin in Strasbourg.


IVAN ALBORESI CHOREOGRAFIE Ivan Alboresi, seit der Spielzeit 2016/2017 Ballettdirektor des Theater Nordhausen, absolvierte nach seinem Abitur am Fremdsprachen-Gymnasium Cadorna in Turin eine Tanzausbildung an der Accademia del Teatro Nuovo di Torino und an der John Cranko Akademie in Stuttgart. Seine Engagements als Tänzer führten ihn u. a. an die Theater Wiesbaden, Ulm und St. Gallen. 2001–2014 war er festes Mitglied der Ballettcompagnie des Mainfranken Theaters Würzburg. Er arbeitete mit Choreographen wie Heinz Spoerli, Youri Vámos, Ben van Cauwenbergh, Anna Vita, Birgit Scherzer, Ralf Rossa und Roberto Scafati. In Würzburg begann Ivan Alboresi auch selbst choreographisch zu arbeiten. Er schuf eigene Ballette und choreographierte im Musiktheater, darunter für Die Fledermaus, Orfeo ed Euridice und Die Zauberflöte. Zu seinen Inszenierungen gehören u. a. Hello, Dolly!, Jekyll & Hyde, Sunset Boulevard, Kiss me, Kate, Dracula und Maske in Blau. Seine Arbeit als Choreograph und Regisseur, für die er mehrfach ausgezeichnet wurde, führte ihn an die Opéra Nice Côte d‘Azur, das Theater Erfurt, das Mainfranken Theater Würzburg, das Theater Hof sowie die Theater Ulm und Freiberg/Döbeln.


Musikalische Leitung Roland Böer
Inszenierung Hermann Schneider
Bühne Bernd Franke
Kostüme Irina Bartels
Video Paulo Correia
Choreografie Ivan Alboresi
Dramaturgie Christoph Blit
Nachdirigat Takeshi Moriuchi
Choreinstudierung Csaba Grünfelder

Gustav von Aschenbach, Schriftsteller Hans Schöpflin
Der Reisende, auch
Der ältliche Geck, Der alte Gondoliere,
Der Hotelmanager, Fremdenführer in Venedig,
Der Coiffeur des Hauses,
Der Führer der Straßensänger,
Die Stimme des Dionysos Martin Achrainer
Die Stimme des Apollo James Laing

Deutsche Mutter, Bettlerin Vaida Raginskyt?
Glasbläser, Straßensänger Domen Fajfar
Deutscher Vater Jochen Bohnen
Englischer Angestellter im Reisebüro Ulf Bunde
Schiffssteward, Restaurantkellner Joschko Donchev
Zeitungsverkäuferin, Straßensängerin,
Erdbeerverkäuferin Theresa Grabner
Priester in San Marco Tomaz Kovacic
Dänische Frau Sarolta Kovacs-Führlinger
Russische Mutter Kateryna Lyashenko
Englische Frau Gabriele Salzbacher
Französisches Mädchen Kathleen Louisa Brandhofer
Spitzenverkäuferin Margaret Jung Kim
Französische Mutter Isabelle Wernicke-Brîncoveanu
Russischer Vater Boris Daskalov
Russisches Kindermädchen Joanna Müller
Hotelportier Mathias Frey
Zwei Amerikaner Bonifacio Galván, Jonathan Whiteley
Zwei Gondolieri Bonifacio Galván, Tomaz Kovacic
Lido Bootsmann, Hotelkellner Ville Lignell
Polnischer Vater Tomaz Kovacic
Gondoliere Jin Hun Lee
Die polnische Mutter Anna Hinterreiter-Lyubavina*** |
Hannelore Schiller***
Tadzio, ihr Sohn Jonatan Salgado Romero*
Ihre beiden Töchter Paula Kernreiter**, Paula Rosenauer** |
Malina Hönlinger***
Die Erzieherin Tatiana Pichler*** | Hannelore Schiller***
Jaschiu, Tadzios Freund Edward Nunes*
Tadzios Freunde Filip Löbl*, Urko Fernandez Marzana*,
Lorenzo Ruta*

Chor des Landestheaters Linz
* Mitglieder der Tanzkompanie TANZLIN.Z
** Mitglieder der OÖ. Tanzakademie
*** Statisterie des Landestheaters Linz

—| Pressemeldung Landestheater Linz |—

Kassel, Staatstheater Kassel, Premiere Tristan und Isolde, 26.05.2018

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Staatstheater Kassel

Staatstheater Kassel © N. Klinger

Staatstheater Kassel © N. Klinger

Tristan und Isolde
Handlung in drei Akten von Richard Wagner

Musikalische Leitung: Constantin Trinks, Inszenierung: Stephan Müller, Bühne: Michael Simon, Kostüme: Carla Caminati, Dramaturgie: Ursula Benzing, Chor: Marco Zeiser Celesti

Mit Michael Weinius (Tristan), Ann Petersen (Isolde), Andreas Bauer (König Marke), Hansung Yoo (Kurwenal), Ulrike Schneider (Brangäne), Johannes An (Melot), Younggi Moses Do (ein Hirte), Daniel Holzhauser (ein Steuermann), Tobias Hächler (Stimme eines jungen Seemanns)

Kostprobe: Freitag, 18. Mai, 19 Uhr, Opernhaus (18.45 Uhr Einführung)

Premiere: Samstag, 26. Mai, 17 Uhr, Opernhaus

Die weiteren Vorstellungen: 2., 9., 17. und 23. Juni, jeweils 17 Uhr

Noch bevor am Staatstheater Kassel in der kommenden Spielzeit das Großprojekt „Der Ring des Nibelungen“ beginnt, steht jenes Werk auf dem Spielplan, für das Richard Wagner 1857 seine Arbeit am „Ring“ unterbrochen hatte: „Tristan und Isolde“. Mit diesem Musikdrama, das mit hypnotischer Wirkung Liebesrausch und Todessehnsucht beschwört, löste sich Wagner endgültig von traditionellen Opernformen – und eröffnete neue Dimensionen für die gesamte Musikentwicklung.

Für die Titelpartien konnten mit dem schwedischen Tenor Michael Weinius und der dänischen Sopranistin Ann Petersen zwei international gefragte Wagner-Interpreten gewonnen werden sowie als König Marke der Bass Andreas Bauer von der Oper Frankfurt. Als Brangäne und als Kurwenal werden die beiden Kasseler Ensemblemitglieder Ulrike Schneider und Hansung Yoo zu erleben sein.

Die musikalische Leitung hat der Wagner-Spezialist und Echo-Klassik-Preisträger Constantin Trinks, der regelmäßiger Gast an den wichtigsten Opernhäusern Europas ist. Regie führt Stephan Müller, der in Kassel u.a. bereits den Doppelopernabend „La Voix Humaine“ und „Herzog Blaubarts Burg“, „Antigona“ von Tommaso Traetta und zuletzt Mozarts Jugendwerk „Lucio Silla“ inszeniert hat.

Am Samstag, 26. Mai, um 17 Uhr feiert „Tristan und Isolde“ am Staatstheater Kassel Premiere. Weitere vier Vorstellungen folgen am 2., 9., 17. und 23. Juni jeweils um 17 Uhr.

Erste Einblicke ermöglicht für 6,50 Euro Eintritt eine „Kostprobe“ am Freitag, 18. Mai, um 19 Uhr, bei der das Publikum einen Teil der zweiten Hauptprobe besuchen kann.

—| Pressemeldung Staatstheater Kassel |—

Berlin, Staatsoper Unter den Linden, Uraufführung Abstract Pieces von Manos Tsangaris, 19.05.2018

Staatsoper unter den Linden

Staatsoper Unter den Linden - Im Traum © Max Lautenschläger

Staatsoper Unter den Linden – Im Traum © Max Lautenschläger

19. Mai: Uraufführung in der Neuen Werkstatt von Manos Tsangaris’ »Abstract Pieces«, einem Musiktheater für Darsteller, Instrumente, Raum und Licht

Am 19. Mai wird in der Neuen Werkstatt die Produktion »Abstract Pieces«, ein Auftragswerk der Staatsoper Unter den Linden, uraufgeführt. Das Konzept, die Komposition und die Inszenierung stammen von Manos Tsangaris, der zu den bedeutenden Vertretern des neuen Musiktheaters zählt. Zum Regieteam gehören darüber hinaus Stefan Schlagbauer (Licht), Nastasja Keller (Video), Sébastien Alazet (Ton) und Christin Haschke (Kostüm). Die musikalische Einstudierung liegt bei Max Renne. Das Ensemble aus Gesangs- und Instrumentalsolisten besteht aus der Mezzosopranistin Marielou Jacquard (SIE), dem Bariton Martin Gerke (ER), Alexander Glücksmann (Bassklarinette), Emily Yabe (Viola), Evdoxia Filippou (Percussion) sowie Jenny Kim und Alba Gentili-Tedeschi (beide Klavier).

In »Abstract Pieces« widmet sich Manos Tsangaris der Phänomenologie des Musiktheaters im Sinne künstlerischer Grundlagenforschung: Im Zentrum steht der Theaterraum selbst, in dem »abstrakte Stücke«, bestehend aus Bewegung, Klang und Licht, stattfinden. Sie bilden Bruchstücke der Realität zweier Figuren (SIE und ER), deren gemeinsame Geschichte sich nach und nach unter der Oberfläche entfaltet. Beide werden mit und in diesem Raum eine Veränderung durchmachen, ebenso wie das Publikum, das im wörtlichen Sinne einen Perspektivwechsel erlebt.
»Abstract Pieces« ist die zweite Arbeit von Manos Tsangaris an der Staatsoper Unter den Linden. Zuletzt brachte er 2009 seine Musiktheater-Installation »Batsheba. Eat the History!«, eine Koproduktion mit den Donaueschinger Musiktagen, im Magazin der Staatsoper zur Uraufführung.

Der in Düsseldorf geborene Komponist, Perkussionist und Installationskünstler Manos Tsangaris studierte Komposition und Neues Musiktheater bei Mauricio Kagel sowie Schlagzeug bei Christoph Caskel an der Musikhochschule Köln. Seine Werke changieren zwischen Oper, Installation, komponierter Performance und musiktheatraler Miniatur. In vielen seiner Kompositionen macht er die Bedingungen der Aufführung zum wesentlichen Gegenstand und verbindet verschiedene Medien, zu denen Bewegung, Körper, Raum und Licht ebenso zählen, wie Musik und Text. Seine Werke wurden auf zahlreichen renommierten Festivals wie den Donaueschinger Musiktagen, den Wittener Tagen für neue Kammermusik, dem Belgrader Internationalen Theaterfestival, der MusikBiennale Berlin, der Biennale Venezia, dem Ultima Festival in Oslo, Tonlagen Dresden, dem Warschauer Herbst sowie an den Theater- und Opernhäusern in Köln, New York, Mannheim, Dresden und Berlin aufgeführt. Für das Wintersemester 2017/18 wurde er von der Musikakademie Oslo zum Visiting Professor berufen. Darüber hinaus leitet er seit 2016 zusammen mit dem Schweizer Komponisten Daniel Ott die Münchener Biennale für Neues Musiktheater.

ABSTRACT PIECES
Musiktheater für Darsteller, Instrumente, Raum und Licht
Auftragswerk der Staatsoper Unter den Linden
Uraufführung am Samstag, 19. Mai 2018 um 20:00 Uhr
Weitere Vorstellungen am 22., 25., 26., 29. und 31. Mai sowie 2. und 3. Juni
Staatsoper Unter den Linden – Neue Werkstatt

Vor der Uraufführung am 19. Mai findet um 19:30 Uhr eine Werkeinführung statt.

—| Pressemeldung Staatsoper unter den Linden |—

Gelsenkirchen, Musiktheater im Revier, Der Liebestrank – Gaetano Donizetti, IOCO Kritik, 14.05.2018

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Musiktheater im Revier Gelsenkirchen

Musiktheater im Revier Gelsenkirchen © MiR Musiktheater im Revier

Musiktheater im Revier Gelsenkirchen © MiR Musiktheater im Revier

Der Liebestrank – Gaetano Donizetti

 Semperoper und MiR – Vereint im Liebestrank

Von Viktor Jarosch

Gaetano Donizetti (1797–1848) war ein ungewöhnlicher Viel-Komponist: In seiner Schaffenszeit von nur 25 Jahren komponierte er über 70 Opern, Messen, Kantaten, Sonaten. Er formte, in heftiger Konkurrenz mit Vincenco Bellini (1801–1835), eine musikalische Brücke zwischen Gioacchino Rossini und Giuseppe Verdi wie den Weg vom modischen Belcanto zur differenzierenden musikalischen Charakter-Dramatik. Im September 1830, mit seiner 32sten Oper Anna Bolena, Librettist Felice Romani, wurde Donizetti  bekannt. Weitere sechs Opern hatte Donizetti komponiert bis, im Mai 1832, die in drei Wochen entstandene Oper L´Elisir d´amore, Der Liebestrank den wahren Durchbruch brachte. Er wurde weltberühmt. Der Liebestrank gehört seither zu den meist gespielten Werken auf großen wie kleinen Bühnen des Globus. Der große Erfolg überraschte selbst Donizetti.

Musiktheater im Revier / Liebestrank - hier : Nemorino und die Belcores © Pedro Malinowski

Musiktheater im Revier / Liebestrank – hier : Nemorino und die Belcores © Pedro Malinowski

„Meistermacher“ des Liebestrank war wie bei Anna Bolena, Librettist Felice Romani.  Romani suchte beständig nach neuen Sujets für Donizetti und den schon damals schnelllebigen italienischen Opernmarkt. Das spritzige Libretto des französischen Dramaturgen Augustin Eugène Scribe begegnete ihm; Daniel Auber hatte daraus die in Frankreich erfolgreiche Oper Le Philtre geschrieben. Romani übernahm das Libretto nahezu wörtlich ins italienische, füllte es mit „Buffo-Arien“, welche Donizetti filigran komponierte und instrumentierte: Fertig war L´Elisir d´amore! In einem Monat.  Der folgende große Erfolg überraschte selbst Donizetti.

Belcore, Dulcamara – Bereiter von Lebensvielfalt

Michael Schulz, Regisseur des Liebestrank (NB: Schulz ist auch Intendant des Musiktheater im Revier, MiR) schuf diese Inszenierung zuvor für die Semperoper Dresden; mit Dirk Becker (Bühne) und Renée Listerdal. Schulz´ Paradigma der Inszenierung: Die Befreiung richtungsloser, mental gefangener Menschen, Charaktere aus der Einfalt des Lebens, aus selbst-gewählter Beschränkung in eine lebende, farbige, sich zum Besseren ändernde Welt. Nemorino, Belcore, Dulcamara sind in Schulz‘ Inszenierung die Katalysatoren der Veränderung: Facettenreichtum und farbige Kreativität in Choreographie, Bühnenbild und Kostümen schaffen eine mitreißende Inszenierung. Liebestrank in Gelsenkirchen ist so mehr als pausbackige Komische Oper, keine biedere  Opera Buffa, wenn ihn auch Belcanto und Frohsinn prägen.

Musiktheater im Revier / Liebestrank - hier : Dulcamara und sein Rotwein alias Liebestrank © Pedro Malinowski

Musiktheater im Revier / Liebestrank – hier : Dulcamara und sein Rotwein alias Liebestrank © Pedro Malinowski

Dem Besucher begegnet zur Ouvertüre der der alt-keltischen Sage um Tristan und Isolde entstammende Liebestrank:  Mit wagnerianischen Alliterationen, projiziert auf dem Bühnen-vorhang: „Und Tristan trank den trüben Trunk…..“  , welche mit einem irritierenden „Ha?“ endeten. Das erste Bühnenbild beginnt verhalten; es zeigt einen etwas herunter gekommenen Ballsaal, Tische mit Nummernlämpchen, verriegelte Türen und Fenstern: Eine bunte aber richtungslose Gemeinschaft, tanzt, küsst, stolpert, fällt darin, doch merkwürdig ziellos. Es ist eine Gesellschaft, der Freude am Leben, an partnerschaftlichen Beziehungen, an der Farbe in ihrem Leben verloren ging.  Nur der schüchterne, wie verloren wirkende Nemorino wird noch von Gefühlen, Liebe geleitet und betet in seiner ersten  Arie Quanto è bella, quanto è cara !  Più la vedo, e più mi piace ..Welche Schönheit, welche Reize…“,  die  ebenfalls teilnahmslos, abwesend wirkende Adina an: Die gefühlsarme Gemeinschaft dreht Nemorino den Rücken zu, ignoriert ihn, buht ihn aus. Auch Adina nimmt Nemorino nicht wahr, erzählt stattdessen über den Liebestrank:  „Della crudele Isotta, il bel Tristano ardea…. Tief von Isoldens Reizen  war Tristans Herz getroffen“. Man lebt blutlos, freudlos, wie in Trance.

Musiktheater im Revier / Liebestrank - hier : die Belcores feiern Adina © Pedro Malinowski

Musiktheater im Revier / Liebestrank – hier : die Belcores feiern Adina © Pedro Malinowski

Ein wunderbarer Regie-Clou leitet den Wandel der Gemeinschaft zu lebensfrohem, farbigem Leben sichtbar ein: Von magischer Hand geführt schneidet eine Säge eine Öffnung in den Boden. Dieser Öffnung entsteigen, noch in farbloser Malerkluft, Belcore (Michael Dahmen) und acht weiteren Belcores. Auf der Bühne reißen die Belcores ihre Kluft herunter, um mit Helmbusch, prachtvollen Uniformen und mitreißenden Choreographien  (Sebastian Schiller)   reales Leben im Farbe und Sprache zu zeigen: „Keine Frau widersteht dem Anblick eines Helmbusches!“. Ein verloren einsam wirkender Klavierspieler (Askan Geisler) schlurft immer wieder zur Bühnenmitte, um dort Träume in Form eines Luftballons in den Himmel steigen lässt, der kurz darauf zerplatzt auf die Bühne zurück fällt. Doch frohes, neues Leben ist unwiderruflich in die Gemeinschaft zurückgekehrt:  Die Belcores ziehen sich zur Ruhe in ein winziges Zelt zurück, welches beständig verräterisch schaukelt, aus welchem Hände Adinas Bein begrapschen.  Spektakulär verformt sich sodann das Bühnenbild mit dem Erscheinen des Quacksalbers Dulcamara:  Trommelwirbel; der riesige Bug eines Schiffes bricht sich durch die Seitenwand auf die Bühne; aus einer mit glitzernden Lichtern behangenen Türe am Boden des Bugs erscheint Dulcamara: „Kauft meine Medizin….Wollt ihr glatte Haut haben…“. Die noch seelenarme Gemeinschaft horcht…, Nemorino bittet Dulcamara um Tristan und Isoldes Liebestrank.., Belcore erhält einen Marschbefehl..  Ein spektakulär durch die Bühnendecke brechender riesiger Kronleuchter beendet den ersten Akt und zeigt auch, warum diese Produktion in Dresden erfolgreich war.

Der zweite Akt wird dann endgültig zum Stimmenfest, zur herrlichen Oprea Buffa: Ein langer gedeckter Tisch mit viel Spaghetti und Rotwein, an welchem die neun Belcores italienisch ausgelassen Hochzeit feiern während sich Adina sichtbar unwohl fühlt; Nemorino bettelt in seinen Liebesnöten Dulcamara erneut um den Liebestrank; verdingt sich bei den Belcores (abermals mit starker Choreographie)  als Soldat;  nebenan feiern die Frauen Nemorina als reichen Heiratskandidaten: „Ist eine gute Partie“. Pralles wie vielseitiges Leben ist nun allgegenwärtig, sichtbar, spürbar bis zum bekannt guten Ende: der Hochzeit von Nemorina und Adina.

Musiktheater im Revier / Liebestrank - hier : Nemorino wird ob der Erbschaft von Frauen umschwärmt © Pedro Malinowski

Musiktheater im Revier / Liebestrank – hier : Nemorino wird ob der Erbschaft von Frauen umschwärmt © Pedro Malinowski

Das MiR überrascht erneut: Selbst höchst anspruchsvolle  Opern „stemmt“ das inmitten des Ruhrgebietes liegende, finanziell beschränkte MiR meist mit dem eigenen Ensemble; so auch diesen Liebestrank. Die Koreanerin Dongmin Lee kokettiert als Adina spielerisch mit perlenden, lyrisch sanften wie dramatischen Koloraturen; ist  stimmlicher Höhepunkt des Abends. Mit bleibend ungestresster Natürlichkeit in ihren anspruchsvollen Arien vermittelt Dongmin Lee farbiges italienischen Belcanto voller Menschlichkeit und Charme. Ibrahim Yesilay als Nemorino füllte seine große Partie – schüchtern oder mutig weil voll des Liebestranks – darstellerisch und mit wohl timbrierten lyrischem Tenor; einschließlich der großen romantischen Arie Una furtiva lagrima. Auch Michael Dahmen als Belcore wie Joachim Maaß als Dulcamara überzeugen in ihren Partien darstellerisch wie stimmlich. Lina Hoffmann ist in ihrer stimmlich eher kleinen Partie als Gianetta szenisch wie auffällig präsent. Der große wie viel beschäftigte Chor (Alexander Eberle) klingt stets homogen. Thomas Rimes führt die Neue Philharmonie Westfalen lebendig und mit den differenzierenden Pianos sehr sängerfreundlich.

Musiktheater im Revier / Liebestrank - hier : Premierenapplaus © ioco

Musiktheater im Revier / Liebestrank – hier : Premierenapplaus hier von links Belcore, Adina, Nemorino, Dulcamara und Gianetta © ioco

Das Gelsenkirchener MiR-Publikum feierte Darsteller wie Inszenierung mit großem Beifall: Zum Ende der Vorstellung ohnehin; doch viel umfangreicher in der folgenden MiR-traditionellen Premierenfeier. Zu später Stunde beklatschten dort mehrere hundert Besucher die Ausführungen von Intendant / Regisseur Michael Schulz zu Darstellern und Inszenierung, bei Essen und guten Getränken. Es war deutlich spürbar: Die Besucher feierten nicht nur Darsteller und Inszenierung; sie feierten auch “ihr” MiR.

Der Liebestrank im Musiktheater im Revier: weitere Vorstellungen 19.5.; 27.5.; 1.6.; 3.6.; 23.6.; 24.6.; 7.7.2018

—| IOCO Kritik Musiktheater im Revier |—

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