Wien, Volksoper, Into the Woods – Musical Stephen Sondheim, IOCO Kritik, 04.06.2021

Juni 3, 2021  
Veröffentlicht unter Hervorheben, Kritiken, Musical, Volksoper Wien

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Volksoper Wien

 Volksoper Wien bei Nacht Foto IOCO

Volksoper Wien bei Nacht Foto IOCO

Into the Woods –  Stephen Sondheim / James Lapine

Rotkäppchen, Aschenputtel, Rapunzel, Hans, Hexe …. Alle haben Wünsche, die sie sich erfüllen möchten

von Marcus Haimerl

Mit pandemiebedingter Verspätung fand die Premiere von Stephen Sondheims Erfolgsmusical Into the Woods erfreulicherweise noch in dieser Spielzeit statt.

Nach der erfolgreichen Zusammenarbeit von Stephen Sondheim und James Lapine bei Sunday in the Park with George schlug Sondheim ein Musical im Stil von Der Zauberer von Oz, hier link zur Volksopern Produktion, vor. Entstanden ist ein abendfüllendes Stück in der Tradition eines klassischen Märchens. Die Uraufführung fand am 4. Dezember 1986 statt, die Erstaufführung am Broadway am 5. November 1987.

Into the Woods – Sondheims so menschliches Werk
youtube Trailer Volksoper Wien
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„Es war einmal…“ ein Bäcker und seine Frau, Rotkäppchen, Aschenputtel, Rapunzel, Hans (und die Bohnenranke), zwei Prinzen und eine Hexe: alle haben sie  Wünsche, die sie gerne erfüllt hätten. Am Ende des ersten Akts erfüllen sich diese Wünsche, im zweiten Akt haben die Charaktere mit den Konsequenzen ihrer Handlungen zu kämpfen. Aschenputtel möchten zum königlichen Gala-Ball gehen, Hans und seine Mutter wünschen sich, dass ihre Kuh Milchweiß endlich wieder Milch gibt, und der Bäcker und seine Frau wünschen sich ein Kind. Die Hexe von nebenan erscheint und verheißt den Bäckersleuten ein Kind, sofern sie ihr eine Kuh so weiß wie Milch, ein Mäntlein so rot wie Blut, Haar so gelb wie Mais und einen Schuh aus purem Gold bringen. Und so machen sich alle, auch Rotkäppchen, auf den Weg in den Wald. Nach einer ereignisreichen Suche und vielen Verwicklungen gelingt dem Bäcker und seiner Frau die Aufgabe.

Volksoper Wien / Into the Woods hier Juliette Khalil als Rotkäppchen, Oliver Liebl als Hans © Barbara Pálffy / Volksoper Wien

Volksoper Wien / Into the Woods hier Juliette Khalil als Rotkäppchen, Oliver Liebl als Hans © Barbara Pálffy / Volksoper Wien

Die Hexe wird wieder jung und hübsch, Aschenputtel und Rapunzel bekommen ihre Prinzen, die Bäckersleute bekommen das ersehnte Kind und Hans und seine Mutter sind reich, aber niemand bemerkt die zweite Bohnenranke, die in den Himmel wächst. „Es war einmal, später“ und alle Charaktere haben neue Wünsche: der Bäcker und seine Frau wollen ein größeres Haus, Aschenputtel langweilt sich im Luxus und Hans sehnt sich nach dem Reich der Riesen. Plötzlich fällt das Haus der Bäckersleute in sich zusammen und ein riesiger Fußabdruck verwüstet den Garten der Hexe. Auch Rotkäppchens Haus ist zerstört, sie will zurück zum Haus der Großmutter. Schließlich ist auch das Königsschloss zerstört und alle gehen wieder in den Wald. Die Witwe des Riesen, ihr Gatte stürzte nach dem letzten Diebeszug von Hans in seinen Garten, sinnt auf Rache. Sie fordert die Auslieferung von Hans, die Hexe opfert den Erzähler, der Kammerdiener des Prinzen erschlägt die aufbegehrende Mutter von Hans und Rapunzel gerät auf der Flucht unter den Fuß der Riesin. Währenddessen verführt Aschenputtels Prinz die Bäckersfrau, die auf dem Rückweg von einem Baum erschlagen wird. Nachdem Hans, der Bäcker, Aschenputtel und Rotkäppchen die Riesin besiegt haben, ermutigt die Erscheinung seiner Frau den Bäcker, die Geschichte seinem kleinen Sohn zu erzählen…

Olivier Tambosi und Simon Eichenberger lassen in ihrer Inszenierung (Kostüme Lena Weikhard) keine Wünsche offen. Dominiert wird das Bühnenbild Frank Philipp Schlößmanns von mehreren verschieden großen Märchenbüchern die immer wieder als Kulisse zwischen den Stämmen des Waldes dienen. Für die Begegnung zwischen Rotkäppchen und dem bösen Wolf tut sich mitten im Wald ein rauschhaftes Blumenmeer auf und im Hintergrund eindrucksvolle Videos, für die sich Roman Hansi verantwortlich zeigt, der seine beeindruckende Kunst bereits bei der Volksoper-Produktion von Marius Felix Langes Oper Das Gespenst von Canterville, link HIER!, unter Beweis stellen konnte.

Into the Woods – vier Zutaten fürs Glück
youtube Trailer Volksoper Wien
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Auch die Besetzung hätte nicht besser gewählt werden können. Die sicherlich beeindruckendste Leistung ist jene von Oliver Liebl in der Partie des Hans, der vor allem mit seinem Song „Riesen über uns“ und seiner Darstellung des naiven Burschen nachhaltig begeistert. Eine sensationelle Leistung auch von Laura Friedrich Tejero als liebenswertes, sympathisches Aschenputtel mit schöner Stimme. Als Hans‘ Mutter beweist Ursula Pfitzner Mut zur Hässlichkeit. Auch das Bäckerehepaar ist mit Peter Lesiak und Julia Koci optimal besetzt und überzeugen gesanglich ebenso wie darstellerisch. Großartig Juliette Khalil als resolutes und stimmgewaltiges Rotkäppchen, das nachhaltig in Erinnerung bleibt. Über eine ebenso gewaltige Stimme verfügt die besonders sexy Hexe von Bettina Mönch, besonders beeindruckend bei ihrem gewaltigen Abgang („Mitternachtsstunde“). Als Aschenputtels Stiefmutter konnte Martina Dorak ebenso überzeugen wie Elisabeth Schwarz (Florinda) und Theresa Dax (Lucinda) als ihre vom Schicksal gebeutelten Stiefschwestern. Regula Rosin begeistert sowohl als Rotkäppchens Großmutter als auch in der Partie von Aschenputtels Mutter. Drew Sarich, als Wolf überzeugender denn als Aschenputtels Prinz, löste beim Publikum Jubel aus. Weitaus überzeugender in seiner royalen Rolle ist Martin Enenkel als Rapunzels Prinz, der besonders im Prinzen-Duett („Liebesqual“) glänzt. Als Rapunzel kann Lauren Urquhart begeistern. Besonders luxuriös Erika Pluhar als die vom Band eingespielte Stimme der Riesin. Christian Graf verleiht der eher kleinen Partie des Kammerdieners auf humorvolle Weise eine nachhaltige, enorme Bühnenpräsenz. Und last but not least Robert Meyer der sowohl als Erzähler als auch als geheimnisvoller Mann mit trockenem Humor voll in seinem Element ist.

Eigentlich hätte der britische Dirigent James Holmes die Premierenserie dirigieren sollen, als gleichwertiger Ersatz fand sich Wolfram-Maria Märtig, dessen erstklassiges Dirigat das Orchester der Wiener Volksoper zu Höchstleistungen antrieb.

Ein musikalisch herausragender Abend, der vom Publikum mit entsprechendem Applaus honoriert wurde und so viel Vergnügen macht, dass man nicht einmal das ständige Tragen einer FFP2-Maske bemerkt.

Wer sich dieses bis in die kleinste Partie gut besetzte Musical nicht entgehen lassen möchte, hat dazu im Juni 2021 noch fünf Mal die Gelegenheit; hoffentlich auch in der kommenden Saison.

—| IOCO Kritik Volksoper Wien |—

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Lübeck, Theater Lübeck, Night & Day – Up and down Broadway, IOCO Kritik, 21.05.2021

Mai 21, 2021  
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Theater Lübeck

Theater Lübeck © Olaf Malzahn

Theater Lübeck © Olaf Malzahn

Night & Day  – Up and down Broadway

 Michael Wallner –  nach  Musik und Songtexten von Cole Porter

von Sebastian Siercke

Das Theater Lübeck öffnete am 15. Mai 2021 auch wieder seine Tore für das Publikum. Nicht zaghaft, sondern selbstbewusst, sich der enormen Verantwortung bewusst.

Lübeck ist angesichts niedriger Inzidenz einer der Standorte des Modellprojekts in Schleswig – Holstein, die Kultur wieder hautnah erlebbar machen. Die Vorgaben an Vorsicht sind streng; so streng wie dies notwendig ist, um uns allen einen unbeschwerten Abend zu ermöglichen.

Bei der Beurteilung eines Bühnenstückes sollten die Intention des Regisseurs, des Intendanten, der Darsteller sehr im Fokus stehen. Verstehen diese aber auch die Intention des Publikums diese Vorstellung zu besuchen, ergründen und setzen sie die Bedürfnisse der Menschen um, dann ist das „ganz großes Kino“.

Night & Day – Up and down Broadway – nach Cole Porter
Youtube Theater Lübeck
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So war die Premiere von Night & Day federleicht und amüsant. Michael Wallners Night and Day hatte den Anspruch zu unterhalten. Kein Tiefgang, keine Auseinandersetzung mit der persönlichen Lebenswirklichkeit Porters war das Thema. Gestreift wurde seine Homosexualität, der zu der Zeit üblichen Beitrag der Mafia und auch die Aufgabe des Musicals, Zerstreuung zu bieten. Abgründe wurden erwähnt. Aber es ging auch nicht um die Abgründe der Gesellschaft, nicht um die Marter, die Homosexuelle damals besonders, heute teilweise noch immer erleben. Hier wollte niemand ein Drama auf die Bühne bringen. Das Geheiß der Stunde war: zu unterhalten, Leichtigkeit und Unbeschwertheit zu präsentieren: „Wer Goethes  Faust will, muss warten!“

Am Theater Lübeck wurde die Geschichte einer Broadwayproduktion erzählt. Der erfolgsverwöhnte Produzent Bill de Bill will noch einmal eine große Show auf die Bühne bringen, bevor er in wenigen Tagen sterben muss. Das geht natürlich nicht ohne allerlei Zwischenfällen wie gebrochenen Beinen, alkohollädierten Hauptdarstellerinnen, aberwitzigen Probenpannen, einer obligatorischen Theaterpleite und vielerlei Amourösem am Rande. Zum Glück taucht plötzlich ein neuer Stern am Musicalhimmel auf, der die Show nicht durch ihr Talent, sonder auch durch eine massive Kapitalspritze rettet. Wer hätte es geahnt, daß es sich dabei um die verschollene Tochter des Produzenten handeln könnte?

Theater Lübeck / Night & Day - Up and down Boradway © Olaf Malzahn

Theater Lübeck / Night & Day – Up and down Boradway © Olaf Malzahn

Die Geschichte“, die Rahmenhandlung war vernachlässigenswert. Man konnte sich auch schwerlich daran erinnern, hatte man das Theater verlassen. Es gab keinen Anspruch, eine „Cole Porter Story“ zu präsentieren. Stattdessen hatten wir Nina Bülles, Lorena Mazuera Grisales und Marlou Düster auf der Bühne, die in Teils unvorteilhaften Kostümen eine tänzerische und schauspielerische Glanzleistung auf die Bretter brachten. Wir sahen und hörten „Opernstimmen“; Stimmen, die der süffisanten Leichtigkeit Porters manchmal etwas zu viel Schwere gaben. Denn wir kennen die Nummern, die hier zu einer Art Revue aneinandergereit waren, alle, füllen sie doch doch das Standardprogramm des „Great American songbook“, das von jedem der großen Entertainer und Entertainerinnen, Show- und Filmstars seit Jahrzehnten das Publikum in Begeisterung versetzt. Aber Daniel Schliewa als Cole, Sara Wortmann als Angel, Rudolf Katzer als Hermann und weitere Darsteller haben uns Leben eingehaucht. Dem Leben in dieser Pandemie! Sie haben in ihrer strahlenden Fröhlichkeit und Leichtigkeit das Publikum abgeholt und mitgenommen. Ich habe gelacht, mit den Füßen den Takt mit getrommelt, konnte mich nur schwer zurückhalten die „Gassenhauer“ mitzusingen.

Theater Lübeck / Night & Day - Up and down Boradway © Olaf Malzahn

Theater Lübeck / Night & Day – Up and down Boradway © Olaf Malzahn

Für knappe zwei Stunden haben sehr viele Menschen, auch sehr viele sehr junge Menschen, die Bürden und die Sorgen dieser Pandemie vergessen. Der Applaus war frenetisch. Zu Recht! Theater Lübeck: Du hast alles richtig gemacht! Wir sind alle schwach und leer nach den vielen Monaten der Pandemie. Ihr habt Funken gesprüht! Kleine Schwächen in Gesang, Kostümierung oder Story sind  vernachlässigenswert, denn da war ein beseeltes Publikum. Die Frage wer glückseliger war, das Publikum oder die Darsteller, die endlich wieder auf der Bühne standen, kann vortrefflich diskutiert werden!

Mein Fazit: Endlich wieder: eine Bühne, die spielt, ein Land, das sich traut, Menschen, die wieder Kultur genießen können. Meine Besprechung wäre vielleicht wäre vielleicht ein wenig anders ausgefallen, hätten wir diese Pandemie nie erleben müssen. Heute ist sie einfach ein Lobgesang auf die Bretter des Theater Lübeck, die auch mir  die Welt bedeuten.

Ich danke so dem Theater Lübeck, den Darsteller*innen und jenen, die dieses „Modellprojekt“ ermöglichten. Ihr habt  Kultur auf der Bühne wieder live erlebbar gemacht und uns so die Möglichkeit gegeben, sich damit wieder lebhaft und emotional  damit auseinander zu können.

Night & Day – Up and down Broadway am Theater Lübeck; die nächsten Vorstellungen 30.5.; 11.6.2021  –  KARTEN  –  Link HIER!

—| IOCO KritikTheater Lübeck |—


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Cottbus, Staatstheater Cottbus, Open-Air-Konzert im Autokinofestival, IOCO Aktuell, 17.05.2021

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Staatstheater Cottbus

Staatstheater Cottbus © Marlies Kross

Staatstheater Cottbus © Marlies Kross

Staatstheater Cottbus –  Beim Lausitzer Autokinofestival

„In 80 Minuten um die Welt“ – Opernchöre: von Verdi bis Tango

Zu Pfingsten ist auch das Staatstheater Cottbus in Cottbus beim Lausitzer Autokinofestival 2021 präsent. Es bringt die weite Welt der klassischen Musik in die eigenen vier Autowände.

Das Lausitzer Autokinofestival ist ein populäres Event auf der Madlower Chaussee 4 von Cottbus. Auch 2021 findet es statt; wenngleich CORONA auch hier großer Akteur ist: „Für die Kontaktrückverfolgung erhaltet ihr beim Einlass einen Flyer die ihr vor dem befahren des Geländes ausgefüllt abgegeben müsst. Hier werden die Daten des Fahrers sowie die der Begleiter erfasst. Gern können sie sich das Formular zu Hause herunterladen, ausdrucken und bereits ausgefüllt bereit halten vor Ort.“

Staatstheater Cottbus / hier : Alexander Merzyn im Cabrio auf dem Weg zum Lausitzer Autokino © Marlies Kross

Staatstheater Cottbus / hier : Alexander Merzyn im Cabrio auf dem Weg zum Lausitzer Autokino © Marlies Kross

Staatstheater Cottbus – Teil des Lausitzer Autokinofestival

In 80 Minuten um die Welt  –  Von Moskau bis New York

Am Pfingstsonntag, 23. Mai, 16 Uhr geht das Philharmonische Orchester unter Leitung von GMD Alexander Merzyn auf große Fahrt!

Unter dem Motto „In 80 Minuten um die Welt“ nimmt es die Zuschauer*innen mit und gemeinsam geht es von Moskau bis nach New York. Während der vergnüglichen musikalischen Frühlingsreise durch Zeiten und Stile erklingen Kompositionen von Richard Strauss, Streicher-Melodien von Pjotr I. Tschaikowski sowie Bläser-Hits von Jim Parker. Zwischen die drei Orchesterwerke streuen die Solist*innen Ketevan Chuntishvili und Nils Stäfe einen Strauß Arien und Duette aus aller Welt, von „Lippen schweigen“ aus Franz Lehárs Die lustige Witwe, über Rusalkas „Lied an den Mond“ bis hin zu „Stars“ aus dem Musical Les Misérables.

Staatstheater Cottbus / hier Chordirektor Christian Möbius und Alexander Merzyn im Cabrio auf dem Weg zum Lausitzer Autokino © Marlies Kross

Staatstheater Cottbus / hier Chordirektor Christian Möbius und Alexander Merzyn im Cabrio auf dem Weg zum Lausitzer Autokino © Marlies Kross

Opernchöre – Von Verdi bis Tango

Die schönsten Opernchöre aus drei Jahrhunderten präsentieren Christian Möbius und der Opernchor des Staatstheaters Cottbus am Pfingstmontag, 24. Mai,  16 Uhr.

Alle großen Hits des Repertoires sind vertreten, ob Jägerchor und Jungfernkranz aus Carl Maria von Webers Freischütz, Wolfgang Amadeus Mozarts Janitscharengesang aus der Entführung aus dem Serail, Giuseppe Verdis Hexenchor aus Macbeth oder Richard Wagners berühmter Brautchor aus Lohengrin. Die Solist*innen Ketevan Chuntishvili, Jens Klaus Wilde, Ulrich Schneider und Zela Corina Calita stimmen mit Klassikern wie dem Trinklied aus „La traviata“ oder dem „Badewannentango“ in den Reigen ein. Am Klavier begleitet Christian Georgi die bunte Revue, die von Klassik bis Musical alles bereithält.

Mit diesen Auftritten beim von Singer-Songwriter Alexander Knappe initiierten Autokinofestival setzen die Künstler*innen des Staatstheater Cottbus ein weiteres Zeichen für „Kultur trotz Corona“.

Veranstaltungsort: Am Lausitzpark, Madlower Chaussee 4, 03051 Cottbus,  Tickets unter Tel. 0355/481555 und unter www.autokinofestival.de

—| IOCO Aktuell Staatstheater Cottbus |—


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Osnabrück, Theater am Domhof, Trouble in Tahiti – Leonard Bernstein, IOCO Kritik, 06.03.2021

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Theater Osnabrück

Osnabrück / Theater am Domhof © Marius Maasewerd

Osnabrück / Theater am Domhof © Marius Maasewerd

Trouble in Tahiti – Leonard Bernstein

– Berührende Szenen einer Mittelschichts-Ehe –

von Hanns Butterhof

Knapp vier Wochen nach der geplanten Premiere im Theater am Domhof war jetzt coronabedingt Leonard Bernsteins einaktige Oper Trouble in Tahiti von 1952 im Digitalen Theater zu sehen. Entgegen den Erwartungen, die der eher auf schmalzige Melodramatik hinweisende Titel weckt, berührt die Handlung durch die schier trostlosen Szenen einer Mittelschichts-Ehe und fesselt durch ein breites musikalisches Spektrum von arienartigen Melodien bis hin zum Broadway-Jazz.

Die karge Einheitsbühne von Jörg Zysik ist mit einigen Tischen und Stühlen möbliert, die von den beiden Protagonisten Dinah (Susann Vent-Wunderlich) und ihrem Ehemann Sam (Jan Friedrich Eggers) für die sieben Szenen der Oper jeweils neu arrangiert werden. Hinter einer Galerie mit drei Kammern für die Auftritte des Jazztrios (Erika Simons, Mario Lee und Mark Hamman) ist das dahinter postierte Orchester mit An-Hoon Song am Pult zu erahnen.

Trouble in Tahiti – Leonard Bernstein
youtube Trailer Theater Osnabrück
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Das in einfarbige Anzüge gekleidete Jazztrio (Kostüme: Natalie Himpel) beschreibt dynamisch swingend die Ausgangslage, eine Vorstadtidylle mit dem weißem Eigenheim von Dinah und Sam. Deren Liebe ist irgendwann zerronnen, vielleicht weil sich Dinah nach der Geburt ihres Sohnes in die Mutter- und Hausfrauenrolle und Sam in seine Geschäfte verloren hat: Dinah mit biederem Krägelchen am Kleid schaukelt ihr Baby, während Sam sich in Unterwäsche mit Liegestützen für das Arbeitsleben stählt und dabei irgendwie auf die Liebe seines Lebens wartet.

Jedes ihrer Gespräche selbst um Banalitäten endet in Streit, aus dem es keine Lösung gibt, weil jeder den ersten Schritt zur Versöhnung vom anderen erwartet. So weichen beide dem konfliktträchtigen Zusammensein aus, indem sie einander dringende Termine vortäuschen. Sam bestätigt sich im Job als smarter Gewinnertyp, während Dinah beim Psychiater ein düsteres Bild ihres Innern zeichnet. Ihre verlorene Hoffnung, dass die Liebe zu Harmonie und Anstand führt, lässt der Musical-Film Trouble in Tahiti noch einmal kurz aufflammen, in dessen falsche Idylle sie träumerisch mit Blumenkranz und Federboa eintaucht.

Auch wenn das Jazztrio jetzt noch so eindringlich mahnt, dass es Zeit für eine Aussprache wäre, erreicht es weder Dinah noch Sam. Beide decken ihr wunschloses Unglück mit einem Kinobesuch, ausgerechnet von Trouble in Tahiti, zu.

Theater Osnabrück / Trouble in Tahiti hier nur im Film träumt Dinah, Susann Vent-Wunderlich, vom Glück © Jörg Landsberg

Theater Osnabrück / Trouble in Tahiti – Hier: Nur im Film träumt Dinah, Susann Vent-Wunderlich, vom Glück © Jörg Landsberg

Susann Vent-Wunderlich zeichnet mit ihrem kräftigen Sopran im Konflikt mit Sam eine äußerlich starke Frau, die nur in Erinnerungen und Träumen ihre Schwäche berührend zulässt. Jan Friedrich Eggers überzeugt mit hartem Bariton im Streit mit Dinah auf Augenhöhe, lässt aber auch nur, wenn er einmal nachdenkt, seine Stimme weich werden.

Die unaufdringlich den Hygienevorschriften angepasste Regie Guillermo Amayas und das kleine Osnabrücker Symphonieorchester unter An-Hoon Song setzen Bernsteins Oper präzise um. Sie leuchten mit dem modernen, aber nirgends provokanten Klangmaterial die verschiedenen Seelenlagen aus. So versinkt Trouble in Tahiti nicht im Trübsal trostloser Szenen einer Ehe, sondern bietet über eine gute Stunde fesselndes Musiktheater.

Der Theater-Film Trouble in Tahiti  steht als Video on demand (mit Bezahl-Schranke) mit englischem Text und deutschen Untertiteln

HIER! –  Theater  www.theater-osnabrueck.de – HIER!

—| IOCO Kritik Theater Osnabrück |—


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