München, Staatstheater am Gärtnerplatz, Veranstaltungsbetrieb bis 31. Januar 2021 ausgesetzt, IOCO Aktuell, 04.12.2020


Staatstheater am Gärtnerplatz München

Gärtnerplatztheater © Christian POGO Zach

Gärtnerplatztheater © Christian POGO Zach

Veranstaltungsbetrieb bis 31. Januar 2021 ausgesetzt

Im Dezember das Staatstheater am Gärtnerplatz live erleben

Im Austausch mit den Intendanten der Bayerischen Staatstheater hat Kunstminister Bernd Sibler vor dem Hintergrund des andauernden Pandemiegeschehens die Entscheidung getroffen, den Veranstaltungsbetrieb der Staatstheater bis einschließlich 31. Januar 2021 auszusetzen. Da der Proben- und Werkstattbetrieb weitergeführt werden dürfen, hat das Gärtnerplatztheater bereits weitere Live-Streams im Dezember angesetzt.

Nach dem ersten Premieren-Stream der Oper Anna Bolen« am 4. Dezember, folgt am 13. Dezember das ursprünglich bereits am 29. November geplante Kammerkonzert von Musikerinnen und Musikern des Staatstheaters am Gärtnerplatz. Der Stream mit dem Titel Fantastische Gespräche wird live aus dem Foyer des Gärtnerplatztheaters gesendet. Mit Eduard Künnekes Operette Der Vetter aus Dingsda in der Inszenierung von Lukas Wachernig folgt am 17. Dezember die zweite Premiere des Hauses im Live-Stream. Zum Jahresausklang wird am 31. Dezember die preisgekrönte Revueoperette Drei Männer im Schnee von Thomas Pigor in der Inszenierung von Josef E. Köpplinger live auf der Website des Staatstheaters am Gärtnerplatz übertragen.

Live-Stream »Kammerkonzert«
Sonntag, 13. Dezember um 11.00 Uhr
Unter dem Titel »Fantastische Gespräche« findet das erste Mal ein Kammerkonzert als Live-Stream aus dem Staatstheater am Gärtnerplatz statt. Nach dem »Phantasy Quintet« op. 93 von Edwin York Bowen, das in die fantastischen Welten einführt, erfahren die Zuschauer im »Colloque de deux perruches« von Jean Françaix, wie es klingt, wenn sich zwei Wellensittiche unterhalten. Welche Tiere und andere Wesen sich an der »Table d’hôte« von Ferde Grofé unterhalten, wird hier noch nicht verraten – nur, dass in dieser fantastischen Gesellschaft der romantische Franz Schubert mit seinem Trio B-Dur op. 99 D 898 das letzte Wort haben muss.


Das Programm:


Jean Françaix (1912 – 1997)
»Le Colloque de deux perruches« für Flöte und Altflöte
Edwin York Bowen (1884 – 1961)
»Phantasy Quintet« op. 93 für Bassklarinette, Violine, Viola und Violoncello
Ferde Grofé (1892 – 1972)
»Table d’hôte« Humoreske für Flöte, Violine und Viola
Franz Schubert (1797 – 1828)
Trio B-Dur op. 99 D898 für Klavier, Violine und Violoncello
Musiker/innen des Staatstheaters am Gärtnerplatz
Dauer: ca. 70 Minuten ohne Pause


Live-Stream     Der Vetter aus Dingsda
Premiere am Donnerstag, 17. Dezember um 19.00 Uhr
Zwei fremde Männer können den Alltag einer jungen Dame von Wohlstand ganz gehörig auf den Kopf stellen – zumal wenn sich die Besagte eigentlich ihrem Vetter aus Dingsda versprochen hat … Nichts weniger als ein Meisterwerk der Berliner Operette gelang Eduard Künneke 1921 mit der Uraufführung seiner spritzigen Musikkomödie »Der Vetter aus Dingsda«, die nebenbei auch noch den Trend nach Exotismus ohrwurmträchtig auf die Schippe nimmt.
Mit: Dagmar Hellberg, Judith Spießer, Julia Sturzlbaum | Stefan Bischoff, Daniel Gutmann, Maximilian Mayer, Peter Neustifter, Holger Ohlmann, Erwin Windegger
Dauer: ca. 105 Minuten inkl. einer Pause


Live-Stream   Drei Männer im Schnee
Donnerstag, 31. Dezember um 18.00 Uhr
Reicher Konzernchef im Inkognito-Winterurlaub trifft auf genialen Kopf aus armen Verhältnissen, und heraus kommen: eine Hochzeit, ein Top-Geschäft, ein Schneemann und jede Menge operettiger Spaß im Schnee.
Im Auftrag des Staatstheaters am Gärtnerplatz verwandelte der Musikkabarettist Thomas Pigor den satirischen Erfolgs-Roman von Erich Kästner aus dem Jahr 1934 in eine skurril-spritzige Revueoperette – mitten im Schnee, die 2019 mit drei Musical Theater Preisen ausgezeichnet wurde.
Mit: Sigrid Hauser, Dagmar Hellberg, Laura Schneiderhan, Florine Schnitzel, Stéphanie Signer, Julia Sturzlbaum | Frank Berg, Maximilian Berling, Stefan Bischoff, Florian Sebastian Fitz, Alexander Franzen, Armin Kahl, Alexander Moitzi, Peter Neustifter, Christian Schleinzer, Eduard Wildner, Erwin Windegger u.a.
Dauer: ca. 165 Minuten inkl. einer Pause


Alle Live-Streams sind kostenfrei auf www.gaertnerplatztheater.de zu sehen.

—| Pressemeldung Staatstheater am Gärtnerplatz |—

Radebeul, Landesbühnen Sachsen, Drei Haselnüsse für Aschenbrödel – Musical – Schloss Moritzburg, 03.07.2021

November 27, 2020  
Veröffentlicht unter Landesbühnen Sachsen, Musical, Pressemeldung

Landesbühnen Sachsen

Landesbühnen Sachsen - Das Stammhaus in Radebeul © LBS / Martin Reissmann

Landesbühnen Sachsen – Das Stammhaus in Radebeul © LBS / Martin Reissmann

www.schloss-moritzburg.de

 

Drei Haselnüsse für Aschenbrödel 

das Erfolgsmusical der Landesbühnen Sachsen vor der Kulisse von Schloss Moritzburg.

„Vorfreude ist die schönste Freude: Ab 3. Juli 2021  kommt Aschenbrödel  nach Moritzburg. Der Vertrag ist geschlossen,  die Hochzeitstorte von Aschenbrödel und ihrem Prinzen extra neu angefertigt, damit sie in der Winterausstellung im Schloss Moritzburg ihren würdigen Platz finden kann. Die Karten sind ab jetzt  im Verkauf. Die Nachfrage hält andauernd an. Wir freuen uns. Vorfreude ist die schönste Freude“, so Intendant Manuel Schöbel kurz vorm ersten Advent bei der symbolischen Übergabe der Torte an das Museum im Schloss Moritzburg.

Landesbühnen Sachsen / Drei Haselnüsse für Aschenbrödel © Landesbühnen Sachsen

Landesbühnen Sachsen / Drei Haselnüsse für Aschenbrödel © Landesbühnen Sachsen

Schlossleiterin Dr. Dominique Fliegler.:
„Nachdem wir dieses Jahr unsere traditionelle Aschenbrödel-Ausstellung leider absagen mussten, freuen wir uns umso mehr, dass die Landesbühnen Sachsen im nächsten Sommer erneut mit dem Musical Drei Haselnüsse für Aschenbrödel auf Schloss Moritzburg zu Gast sein werden. Zu den schönsten Details der diesjährigen Inszenierung gehörte für mich die Hochzeitstorte, die von einem kleinen Nachbau von Schloss Moritzburg bekrönt wird. Mein herzlicher Dank geht an Herrn Schöbel, der diese Torte für uns hat nachbauen lassen. Ursprünglich gedacht als Objekt der Fankultur im Rahmen der Aschenbrödel-Ausstellung werden wir sie heute sehr gerne als Symbol der weiteren Zusammenarbeit zwischen unseren beiden Häusern entgegennehmen.“

Im Sommer 2020  ging  für das Ensemble der Landesbühnen Sachsen ein langgehegter Traum in Erfüllung. Da wo Aschenbrödel im beliebten Märchenfilm tanzte, da wo sie ihren Schuh verlor und dort wo der treue Nikolaus auf sie wartete, vor der romantischen Kulisse des Schlosses Moritzburg war das Musical „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“  in zu sehen. Gleich nach der ersten Präsentation des Planes  waren alle Vorstellungen ausverkauft. Durch die Corona-Bestimmungen konnten jedoch nicht alle Plätze belegt werden und so wurden  zusätzliche Vorstellungen gespielt- damit insgesamt 19 -, um allen begeisterten Aschenbrödelfans einen Platz anbieten zu können.

Sicherlich freuen sich die Aschenbrödelfreunde, die im vergangenen Jahr keine Karte bekommen konnten, dass es im Sommer 2021 erneut das Musical in Moritzburg zu erleben gibt.

Karten sind ab sofort in der Theaterkasse der Landesbühnen und im web-Shop zu kaufen.


Drei Haselnüsse für Aschenbrödel –  Das Erfolgs-Musical als Freilichtaufführung zum gleichnamigen tschechisch-deutschen Märchenfilm  von Vaclav Vorlicek und Frantisek Pavlicek, Filmmusik von Karel Svoboda,  Musik von Thomas Zaufke  und Katrin Lange (Text)

Das barocke Jagdschloss August des Starken diente 1973 als traumhafte Kulisse für den deutsch-tschechischen Märchenfilm. Jedes Jahr ab November erzählte eine Winterausstellung Hintergrundgeschichten zum Film und zum Werdegang des Märchens. Liebevoll nachgebildete Filmszenen, Originalkostüme und multimediale Inszenierungen vermitteln die Magie des Films. Bereits über eine Millionen Menschen haben die Ausstellung in Moritzburg seit der ersten Eröffnung gesehen. Leider kann in diesem Winter coronabedingt die Ausstellung nicht gezeigt werden.

Nun wird im 2. Sommer die Bühne für das Musical auf der Nordterrasse mit Blick auf das Schloss aufgebaut und Aschenbrödel gibt sich auch  im Sommer 2021 in Moritzburg die Ehre.

Das Märchen

Täglich wird Aschenbrödel von ihrer Stiefmutter und Stiefschwester ungerecht behandelt. Da hilft nur die Flucht in den Wald! Eines Tages trifft sie dort den Prinzen und seine Freunde, die sehr respektlos mit der Natur umgehen. Sie verpasst ihnen einen Denkzettel – nun kann der Prinz die bezaubernde «Wurzelhexe» nicht vergessen. Auf einer Jagd hofft er, sie wiederzusehen. Aschenbrödel ist tatsächlich da: im gezauberten Jägerrock. Dem Prinzen gibt sie sich nicht zu erkennen, auch nicht, als sie als schöne Unbekannte auf dem Brautschau-Hofball erscheint und beide verliebt miteinander tanzen. Zwei Zaubernüsse haben Aschenbrödel bislang geholfen, die dritte entfaltet ihre Kraft erst, wenn der Prinz Aschenbrödels Rätsel gelöst hat …

Bozzena Neemcovás böhmische Fassung „Trri orríssky pro Popelku“ erzählt die Geschichte einer selbstbewussten jungen Frau, die ihr Schicksal selbst in die Hand nimmt und mit Hilfe der Wundernüsse, vor allem aber durch eigenen Mut, Kraft und Geschicklichkeit den Prinzen für sich gewinnt. Der tschechisch-deutsche Märchenfilm „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ hat längst Kultstatus erreicht und die Motive der Filmmusik Karel Svobodas können inzwischen Generationen von Fans mitsummen.

Regie führt Manuel Schöbel.
Ausstattung: Klaus Noack/Barbara Noack
Einstudierung:  Hans-Peter Preu
Choreographie: Michal Sandor

Termine: 
Sa   03.07.2021   18:00                Aschenbrödel              Moritzburg/Schloss
So   04.07.2021   16:00                Aschenbrödel              Moritzburg/Schloss
Di    06.07.2021   18:00                Aschenbrödel              Moritzburg/Schloss
Mi    07.07.2021   18:00                Aschenbrödel              Moritzburg/Schloss
Do   08.07.2021   10:00                Aschenbrödel             Moritzburg/Schloss
Fr    09.07.2021   18:00                Aschenbrödel              Moritzburg/Schloss
Sa   10.07.2021   18:00                Aschenbrödel              Moritzburg/Schloss
So   11.07.2021   16:00                Aschenbrödel              Moritzburg/Schloss
Di    13.07.2021   10:00                Aschenbrödel              Moritzburg/Schloss
Mi    14.07.2021   18:00                Aschenbrödel              Moritzburg/Schloss
Do   15.07.2021   18:00                Aschenbrödel              Moritzburg/Schloss
Fr    16.07.2021   18:00                Aschenbrödel              Moritzburg/Schloss
Sa   17.07.2021   18:00                Aschenbrödel              Moritzburg/Schloss
So   18.07.2021   16:00                Aschenbrödel              Moritzburg/Schloss
Di    20.07.2021   18:00                Aschenbrödel              Moritzburg/Schloss
Mi    21.07.2021   18:00                Aschenbrödel              Moritzburg/Schloss
Do   22.07.2021   18:00                Aschenbrödel              Moritzburg/Schloss
Fr    23.07.2021   18:00                Aschenbrödel              Moritzburg/Schloss
Sa   24.07.2021   18:00                Aschenbrödel              Moritzburg/Schloss
So   25.07.2021   16:00                Aschenbrödel              Moritzburg/Schloss

INFORMATIONEN & KARTEN
Kartenpreise:   Erwachsene 25 €, Ermäßigt 17 €,
gesonderte Preise für Schulklassen bei Vormittagsvorstellungen
Schulklassen und Gruppen können Sonderrabatte auf Tickets und Fahrkarten für die Vormittagsvorstellungen in Anspruch nehmen. Sie nehmen dafür bitte Direktkontakt mit der Theaterkasse Radebeul unter 0351 – 89 54 214 oder über das junge.studio unter junges.studio©landesbuehnen-sachsen.de auf.

—| Pressemeldung Landesbühnen Sachsen |—

Linz, Landestheater Linz, FIDELIO – TWICE THROUGH THE HEART, IOCO Kritik, 14.10.2020

Oktober 14, 2020  
Veröffentlicht unter Hervorheben, Landestheater Linz, Musical, Premieren


Landestheater Linz

Landestheater Linz / Neues Musiktheater Volksgarten © Sigrid Rauchdobler

Landestheater Linz / Neues Musiktheater Volksgarten © Sigrid Rauchdobler

FIDELIO   – TWICE  through the HEART

Ludwig van Beethoven  –  Mark-Anthony Turnage

von Marcus Haimerl

Für die aktuelle Saison hat Intendant Hermann Schneider das Motto „Freiheit“ gewählt und inszeniert mit der ersten Opernpremiere eben dieser Saison FIDELIO, die Freiheitsoper des Jahresregenten Ludwig van Beethoven (1770-1827)  höchstpersönlich. Allerdings beschränkt man sich in Linz nicht auf eine einfache Umsetzung der Fassung des Fidelio in der Fassung von 1814, sondern implantiert in dies Werk die knapp 30-minütige, dramatische Szene Twice through the Heart, des britischen Komponisten Mark-Anthony Turnage (*1960), die gleichzeitig ihre österreichische Erstaufführung erlebt.

Die schottische Lyrikerin Jackie Kay hat für die ursprüngliche Fassung ihres Librettos auf die Gerichtsakten des Falls der Amelia Rossiter zurückgegriffen, die nach 10-monatiger Ehe 1987 ihren gewalttätigen Mann erstochen hat.

FIDELIO – TWICE through the HEART
youtube Trailer Landestheater Linz
[ Mit erweitertem Datenschutz eingebettet ]

Dieses Monodrama für Mezzosopran und 16 Instrumentalisten handelt – in neun Szenen –  von einer namenlosen Frau, die in ihrer Gefängniszelle sitzt und von den Misshandlungen ihres Ehemannes berichtet. Als dieser versuchte, sie zu erdrosseln, erstach sie ihn in Notwehr mit einem Küchenmesser (Szene 1 – No way out). Die Jahre ehelicher Gewalt haben die Frau isoliert. Sie schweigt vor Gericht über die Taten ihres Mannes. (Szene 2 – Inside)

Sie erinnert sich an Momente des Glücks der Ehe, aber auch über die beginnende Grausamkeit, die nach der Geburt des gemeinsamen Kindes beginnt (3. Love). Die Frau hat nie über die Gewalt gesprochen. Sie war ihrem Ehemann gegenüber immer loyal und träumte von einem gemeinsamen bürgerlichen Leben (4. By the sea). Die Scham über ihre Erlebnisse hat die Frau verstummen lassen, aber die Erinnerungen begleiten sie (5. Inside #2).

Durch die Gewalt im eigenen Haus fühlte sich auch dieses wie ein Gefängnis an. Jeder Versuch von Freiheit oder Freude wurde von ihrem Ehemann unterdrückt (6. Four Walls).
So wie ihr Ehemann nunmehr begraben ist, fühlt sich die Frau in ihrer Zelle begraben (7. Interlude / 8. Landslide). Eine Porzellantasse, aus der sie allabendlich ihren Tee trinkt, erinnert sie an zu Hause (9. China cup).

Landestheater Linz / FIDELIO - THWICE through the HEART - hier :  Katherine Lerner, Erica Eloff © Herwig Prammer

Landestheater Linz / FIDELIO – THWICE through the HEART – hier : Katherine Lerner, Erica Eloff © Herwig Prammer

Zwei Seiten einer Medaille sollen hier gezeigt werden. Einerseits die Liebe von Leonore, die ihren Ehemann aus dem Kerker befreit, andererseits die namenlose Frau, die sich durch Notwehr aus der Ehehölle befreit. Zwar ist Mark-Anthony Turnages Szene zwischen ersten und zweiten Akt eingebaut, jedoch wird die namenlose Frau bereits im ersten Akt in die Handlung integriert und bleibt auch während des zweiten Aktes dauerhaft in ihrer Zelle auf der Bühne.

Für die Regiearbeit Hermann Schneiders schuf Falko Herold (Bühne, Kostüme und Video) ein Einheitsbühnenbild, welches eine dystopische Welt darstellen soll, Cineasten aber durchaus auch an die bekannte Szene aus Carol Reeds Meisterwerk Der dritte Mann in den Kanälen Wiens erinnern könnte. In der Mitte der Bühne befindet sich eine Wasserfläche, die bei jedem Schritt entsprechend platschende Geräusche erzeugt. Seitlich, am Ende einer langen Metalltreppe befindet sich eine Art Kommandozentrale.
Ungemein erfreulich ist vor allem die musikalische Seite des Abends, auch wenn durch die Streichung sämtlicher Dialoge Beethovens Werk Schaden erleidet und auch dem Kenner der Oper das Folgen der Handlung nicht einfach gemacht wird.

Die südafrikanische Sopranistin Erica Eloff begeistert als Titelheldin mit unglaublich durchschlagskräftigem Sopran und einer exzellenten Nuancierung. Eine ebenso beeindruckende Leistung erlebt man von Marco Jentzsch, der mit der Strahlkraft seines kräftigen, edlen Tenors ein großartiges Rollendebüt feiern konnte.
Überzeugen konnten auch die Sänger des Linzer Opernensembles: Adam Kim als Don Pizzaro, auch wenn hier ein wenig mehr Boshaftigkeit durchklingen dürfte, Dominik Nekel als fantastischer Rocco, Martin Achrainer als luxuriös besetzter Don Fernando, sowie Mathias Frey als Jaquino und Fenja Lukas als Marzelline.

Eine ganz besondere Leistung erlebt man zweifelsohne von Katherine Lerner, deren unglaublich intensive stimmliche und darstellerische wie auch leidenschaftliche Gestaltung des Mezzoparts von Mark-Anthony Turnages Twice through the heart ein eindringliches Bild jener Frau zeichnet, die nur durch Notwehr der Hölle ihrer Ehe entfliehen kann, um dann doch wieder in Gefangenschaft zu gelangen.

Musikchef Markus Poschner gelingt mit dem Bruckner-Orchester Linz eine intensive und unglaublich lebendige Umsetzung von Beethovens Partitur. Besser hat man Beethovens Oper schon lange nicht mehr gehört. Entsprechender Jubel am Ende für einen musikalisch perfekten Abend, der noch bis Februar erlebt werden kann.

FIDELIO – TWICE through the HEART am Landestheater Linz; die nächsten Vorstellungen 17.10.; 19.10.; 23.10.; 27.10.; 1.11.; 17.11.; 29.11.; 5.12.2020 und mehr

—| IOCO Kritik Landestheater Linz |—

Wien, Volksoper Wien, Sweet Charity – Musical von Cy Colemann, IOCO Kritik, 29.09.2020

September 30, 2020  
Veröffentlicht unter Hervorheben, Kritiken, Musical, Volksoper Wien

volksoper_wien.JPG

Volksoper Wien

 Volksoper Wien bei Nacht Foto IOCO

Volksoper Wien bei Nacht Foto IOCO

Sweet Charity – Musical von Cy Coleman

 – Charity Hope Valentine – Tänzerin in einem Nachtclub – bleibt bei allen Enttäuschungen ein optimistisch frohes Wesen –

von Marcus Haimerl

Die erste Premiere der aktuellen Saison an der Wiener Volksoper galt dem eher selten gespielten Musical Sweet Charity von Cy Coleman. Grundlage des Buchs von Neil Simon bildete Federico Fellinis Meisterwerk Die Nächte der Cabiria aus dem Jahr 1957 über die Prostituierte Maria Ceccarelli (genannt Cabiria) die trotz ständiger Demütigungen und lebensbedrohlichen Situationen durch Männer nie die Hoffnung verliert. Wie könnte man eine Saison in Corona-Zeiten besser beginnen als mit einem Stück über eine optimistische in die Zukunft blickende Frau.

Für das Musical verlegten Cy Coleman und Neil Simon die eher tragische Handlung der Filmvorlage von Rom nach New York, wo Charity Hope Valentine als Tänzerin im Nachtclub-Milieu ihr bescheidenes Leben fristet. Sie trifft auf den Filmstar Vittorio Vidal und auf den ebenso biederen wie neurotischen Oscar Lindquist, mit dem sie beinahe ihr Glück findet. Auch wenn Charity am Ende wieder positiv in die Zukunft sieht, ist ihr dennoch kein Happy End vergönnt.

SWEET CHARITY – Musical von Cy Coleman
youtube Trailer Volksoper Wien
[ Mit erweitertem Datenschutz eingebettet ]

Der Wiener Volksoper gelingt mit dem inhaltlich doch recht gewichtigen Stück eine perfekte Umsetzung mit der Neuübersetzung von Alexander Kuchinka. Regisseur Johannes von Matuschka setzt dabei auf eine Drehbühne, bestückt mit Leuchtbuchstaben, die an die Lichter einer Großstadt erinnern sollen und auch als Möbel (ein umgelegtes „H“ als Doppelbett oder ein aufgestelltes „E“ oder „C“ als Sitzgelegenheit) oder Spielfläche dienen. Gemeinsam mit den Kostümen von Tanja Liebermann erinnern manche Szenen in ihrer Skurrilität an weitere Filme Fellinis wie „8 ½“ oder Die Stadt der Frauen. In dem eher spartanischen Bühnenbild gelingen immer wieder starke Bilder und originelle Szenen, wie die Szene im Aufzug oder in der U-Bahn. Aber auch im tristen Umfeld des Nachtclubs wird der Fokus auf die Hauptfigur der Charity Hope Valentine gelenkt.

In der Titelpartie der Charity ist die herausragende Lisa Habermann mit ihrer stimmlichen und darstellerischen Leistung perfekt besetzt. Fast möchte man meinen, dass sie diese innige Liebende optimistische Charity nicht spielt, vielmehr ist Lisa Habermann diese Charity

SWEET CHARITY – in the making of the production
youtube Trailer Volksoper Wien
[ Mit erweitertem Datenschutz eingebettet ]

Als ihre große Liebe Oscar Lindquist, für den sie sogar ihren Job im Nachtclub aufgibt, brilliert Peter Lesiak. Äußerst glaubhaft gelingt ihm die Wandlung seines Charakters durch Charitys positiven Einfluss vom schüchternen Tollpatsch zum innigen Liebhaber, der am Ende an Charitys Vergangenheit doch verzweifelt. Eine ebenso großartige Leistung auch von Axel Herrig als italienischer Schauspieler Vittorio Vidal zwischen Charity und Ursula March (Ines Hengl-Pirker). Ein besonders beeindruckender und skurriler Auftritt ist jener von Drew Sarich als Daddy Brubeck als Oberhaupt der neuen „Puls des Lebens-Kirche“. Eine ebenso herausragende Leistung erlebt man von Julia Koci und Caroline Frank als Nickie und Helene, zwei Kolleginnen Charitys aus dem Nachtclub.

Möchte man auch kleinen Partien Format verleihen, braucht es den großartigen Christian Graf, dem ebendies bei der Partie des Geschäftsführers des Fandango-Ballhaus mehr als gelungen ist und bei dem Song „Ich heul auf jeder Hochzeit“ (I Love To Cry At Weddings) zur Höchstform aufläuft. Auch Jakob Semotan, Oliver Liebl, Kudra Owens und der Rest des Ensembles wissen das Publikum zu überzeugen.

Lorenz C. Aichner und dem hervorragenden Orchester der Wiener Volksoper gelingt eine optimale und brillante Umsetzung von Cy Colemans Musik. Der Jubel des Publikums am Ende beweist, dass die Volksoper Wien auch in der Sparte Musical internationalen Vergleichen durchaus standhalten kann.

Sweet Charity an der Volksoper Wien; die nächsten Vorstellungen 30.09.; 12.10.; 18.10.; 23.10.; 28.10.; 27.11.; 30.11.; 4.12.; 7.12.; 12.12.2020

—| IOCO Kritik Volksoper Wien |—

Nächste Seite »

Diese Webseite benutzt Google Analytics. Die User IPs werden anonymisiert. Wenn Sie dies trotzdem unterbinden möchten klicken Sie bitte hier : Click here to opt-out. - Datenschutzerklärung