Wiesbaden, Hessisches Staatsorchester Wiesbaden, Das Lied von der Erde – Gustav Mahler, IOCO Kritik, 07.07.2020

 Kurhaus Wiesbaden / Friedrich von Thiersch Saal © Ingrid Freiberg

Kurhaus Wiesbaden / Friedrich von Thiersch Saal © Ingrid Freiberg

Hessisches Staatsorchester Wiesbaden

Das Lied von der Erde – Gustav Mahler

Symphonischer Liederzyklus für Soli und Kammerorchester

bearbeitet von Arnold Schönberg, vollendet von Rainer Riehn 1983 –  aus dem Chinesischen übertragen  von Hans Bethge

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1. Das Trinklied vom Jammer der Erde – nach Li-Tai-Po (Tenor)

2. Der Einsame im Herbst – nach Chang Tsi (Bariton)

3. Von der Jugend – nach Li-Tai-Po (Tenor)

4. Von der Schönheit – nach Li-Tai-Po (Bariton)

5. Der Trunkene im Frühling – nach Li-Tai-Po (Tenor)

6. Der Abschied – Textneuschöpfung von Gustav Mahler  (Bariton)

von  Ingrid Freiberg

Wehmütige Gedanken im schönsten Kurhaus der Welt

In dem Corona-bedingt schon mit nur wenigen Zuhörer*innen ausverkauften Saal sitzend, das prächtige Ambiente bewundernd und sinnend, dass Kaiser Wilhelm II. im Mai 1907 der Einweihung des Kurhauses Wiesbaden beiwohnte, welches als Nachfolger des 1810 fertiggestellten kleineren Cursaals von Friedrich von Thiersch erbaut wurde, enden in wehmütigen Gedanken. Wenig hilfreich ist dabei, dass der Kaiser das Haus überschwänglich als das „schönste Kurhaus der Welt“ würdigte.

Yin und Yang in Gustav Mahlers Musik

Gustav Mahler Grabstätte in Wien © IOCO

Gustav Mahler Grabmal Wien © IOCO

1907 gelang das Insel-Bändchen Die chinesische Flöte in Gustav Mahlers Hände. Alma Mahler erinnert sich: Die Gedichte entzückten mich so sehr, dass ich sie meinem Ehemann vorlas. Hans Bethge, ein Orientalist, hatte die altchinesische Lyrik – knapp 70 Gedichte – ins Deutsche übertragen. Mahler war emotional sehr berührt und entdeckte sich in ihr wieder. Die Lyrik ist gezeichnet von Yin und Yang: vom Tag, der Nacht, dem Frühling, dem Herbst, von hell und dunkel. Jedes Stück wechselt sich im Charakter ab. Der Tenor singt das Lebensbejahende, das Exzessive, die Freude am Leben, der Bariton den Herbst, die Ruhe, den Frieden und zum Schluss den Abschied.

Der Abschied ist eine Textneuschöpfung Mahlers, der zwei Gedichte verschiedener Autoren mit eigenen Verszeilen kombinierte – in der Verbindung von rezitativischen und ariosen Elementen und der gattungsübergreifenden Formanlage eine Mittelposition einräumte. Die Musik gehört zum Berührendsten was Gustav Mahler geschrieben hat: Es ist ein Abschiednehmen von der Erde, ein Wandern in die Berge, wo das einsame Herz Ruhe findet… Damit hat er seinen Abschied vorbereitet. Der Komponist mag in den von ihm ausgewählten Gedichten des 8. und 9. Jahrhunderts, die die Entfaltung und Neige des menschlichen Lebens durch die Abfolge der Jahreszeiten symbolisieren, manches von der Ursprünglichkeit der Wunderhorn-Lyrik wiedergefunden haben.

Kurhaus Wiesbaden / Friedrich von Thiersch Saal © Ingrid Freiberg

Kurhaus Wiesbaden / Friedrich von Thiersch Saal © Ingrid Freiberg

Schicksalhafte Einrbüche

Das Jahr 1907 brachte dem Komponisten schicksalhafte Einbrüche: beruflich die Aufgabe der Wiener Direktorenposition und der Weggang nach New York, privat der plötzliche Tod seiner Tochter Maria Anna und die Diagnose des eigenen schweren Herzleidens. Alma hielt fest: …jetzt überfielen ihn diese maßlos traurigen Gedichte! Er skizzierte auf weiten einsamen Spaziergängen die Orchesterlieder, aus denen ein Jahr später Das Lied von der Erde werden sollte. Mahler war ein sogenannter Sommerkomponist, der sich in jedem Jahr ein Sommerhaus mietete, ein Klavier hineinstellte, um dort seine Symphonien zu schreiben. Das war ihm in seinem Schicksalsjahr 1907 nicht möglich… Während seiner Hauptarbeitsphase im darauffolgenden Sommer 1908 wandelte sich das ursprüngliche Lied-Konzept. Die Arbeit vergrößerte sich. Mahler verband die einzelnen Texte, komponierte Zwischenspiele. Die Lieder trugen der im Jugendstil verbreiteten Asiatica-Mode Rechnung.

Das außerordentliche Werk ließe sich doppelt definieren: als eine zum Symphonischen hin verdichtete Liederfolge oder als eine großangelegte Symphonie mit Singstimmen. Nach Abschluss der ins Oratorische sich öffnenden Achten und vor dem Entschluss zu weiteren, nun wieder rein instrumentalen Symphonie-Projekten, sah Mahler in der Mischgattung Lied von der Erde eine reizvolle Möglichkeit. Die nachfolgende Neunte konnte er vollenden, während es ihm bei der Zehnten nicht mehr möglich war.

 Kurhaus Wiesbaden / vl Klaus Florian Vogt, GMD Patrick Lange, Michael Volle © Ingrid Freiberg,

Kurhaus Wiesbaden / vl Klaus Florian Vogt, GMD Patrick Lange, Michael Volle © Ingrid Freiberg,

Es gelangen mehrere Fassungen des Liedes von der Erde zur Aufführung: neben der großen Orchesterfassung, eine von Mahler selbst stammende Klavierfassung (statt Orchester), die über den Rang eines Klavierauszugs zu Studienzwecken hinausgehend für konzertmäßige Aufführungen gedacht ist, oder die später von Arnold Schönberg und Rainer Riehn erarbeitete kammermusikalische Fassung für 14 Instrumentalisten. Die Idee, in Wiesbaden eine kammermusikalische Fassung zur Aufführung zu bringen, kam von Klaus Florian Vogt. (Juraj Cizmarovic 1. Violine, Maryna Veremeeva, 2. Violine Irene Baiter Viola, Christoph Lambrecht Violoncello, Nicolà von Goetze Kontrabass, Mátyás Bicsák Flöte, André van Daalen Oboe, Franz-Josef Wahle Englischhorn, der sich mit diesem Konzert nach 37 Dienstjahren in den Ruhestand verabschiedet, Adrian Krämer Klarinette, Dörte Sehrer Es-Klarinette, Charlotte Gombert Bassklarinette, Peter Brechtel Fagott, Jens Hentschel Horn, Edzard Locher, Martin Lorenz, Ferdinand Reitberger Schlagwerk, Joachim Enders Klavier, Tim Hawken Harmonium / Celesta).

 Kurhaus Wiesbaden / Klaus Florian Vogt © Ingrid Freiberg,

Kurhaus Wiesbaden / Klaus Florian Vogt © Ingrid Freiberg

Arnold Schönberg und der Verein für musikalische Privataufführungen

Diese Fassung ist hochinteressant und hat eine Vorgeschichte: In Wien gab es in den Jahren 1918 – 1923 einen Verein für musikalische Privataufführungen, den Arnold Schönberg gegründet hat. Ziel des Vereins war es, Musik der Zeit aufzuführen. Damals gab es noch keine Tonträger und damit auch keine Möglichkeit, Musik außerhalb eines Konzertsaales zu hören. So haben Schönberg und Kollegen für Freunde große Stücke klein arrangiert. Leider ist der Verein 1923 Pleite gegangen. Das ist auch der Grund, warum Schönberg Das Lied von der Erde nicht fertig arrangiert hat. Für ein Toblacher Mahler-Festival  im Jahre 1983 führte Riehn Schönbergs Arbeit am Lied von der Erde fort. An der vorgegebenen Besetzung änderte Riehn mit Ausnahme der fakultativen Hinzufügung einer Celesta für den Schluss des Abschieds, die das Ewig… begleitet und deren Kaskaden den Übergang zum Göttlichen herzergreifend beschreiben, nur den Verzicht auf eine 3. Violine. Schönberg hatte bereits die Fülle eines ganzen Orchesters in diese zwei Instrumente mit aufgeteilt und damit einen erstaunlich vollen Klang erreicht. Das ist insofern zu erwähnen, da Mahlers Musik meist als bombastisch gilt. Eine kammermusikalische Fassung kann eigentlich nur eine Essenz von diesem Riesenwerk sein und wird doch durch den höchst virtuosen Klavierpart, ein Harmonium vom Ende des 19. Jahrhunderts, die Celesta und das über die Maßen präzise und mit glühendem Engagement aufspielende Hessische Staatsorchester Wiesbaden zu einem Klangrausch.

Eine bedrückende Zeit wird für Wiesbaden zum Glücksfall

Es ist eine bedrückende Zeit, Corona hat die Kulturszene stark verändert: Die beiden Weltstars Klaus Florian Vogt und Michael Volle wären längst zu Proben in Bayreuth, wo sie als Stolzing und Sachs in der Wiederaufnahme der Meistersinger engagiert waren. Vogt wäre zudem der Siegmund im neuen Ring gewesen. Für Wiesbaden wird dieser für die beiden Künstler schmerzhafte Umstand allerdings zum Glücksfall.

Im Trinklied vom Jammer der Erde begeistert Klaus Florian Vogt mit seinem lyrischen Tenor, indem er wunderbar den Bogen zwischen …einem vollen Becher Weins zur rechten Zeit… und  …dunkel ist das Leben, ist der Tod… spannt. Der Textdichter Li-Tai-Po war, wie sein Übersetzer Hans Bethge schreibt, ein Abenteurer und Trinker. Der Trunkene im Frühling ist auch eine Verbindung mit Mahlers Zeitgenossen Friedrich Nietzsche: Welterkenntnis durch Rauschzustand und Einflüsterungen der Natur. Der Scherzocharakter wird durch die burleske Instrumentation mit Trillern, Pizzicati und lustigen Vorschlägen unterstrichen. Mit Leidenschaft, Seele und Zärtlichkeit verzaubert Vogt mit seiner prachtvollen Stimme das Publikum.

Kurhaus Wiesbaden / Michael Volle © Ingrid Freiberg

Kurhaus Wiesbaden / Michael Volle © Ingrid Freiberg

Mit hingebungsvoller Virtuosität berührt Michael Volle – bis zu Tränen – im Bekenntniswerk über Leben und Tod, über Jugend und Schönheit, über Sehnsucht und Vergänglichkeit. Der Einsame im Herbst ist ein Gleichnis für den Seelenzustand: Der Herbst in meinem Herzen währt zu lange. Der Tod wird als Stätte von Frieden und Heimat herbeigesehnt. Der leidenschaftliche Ausbruch: Sonne der Liebe, willst du nie mehr scheinen ergreift. Einfühlsam gelingt Volle die Interpretation Von der Schönheit der anmutigen jungen Mädchen. Sie wird nur durch einen atemlosen, marschartigen Mittelteil unterbrochen. Der Abschied ist das weitaus längste Lied – ein überwältigender Abgesang, ein zeit- und raumloser Abschied von der Liebe und dem Leben. Ist das überhaupt zum Aushalten? Werden sich die Menschen nicht danach umbringen?, fragte sich Mahler. Alle vorhergehenden Distanzierungen durch Burleske, Ironie oder Exotismus werden aufgehoben. Es ist eine musikalische Erzählung vom Sterben, die sich viel Zeit nimmt. Immer wieder gerät sie ins Stocken, unterbrochen von dem Tam-Tam-Schlägen des Todes: Die Welt schläft ein. Der Komponist fügte Zeilen aus einem eigenen Jugendgedicht ein: Die müden Menschen gehn heimwärts, um im Schlaf vergess‘nes Glück und Jugend neu zu lernen. Die kaum zu ertragende Sehnsucht nach dem Gefährten mündet in einen Trauermarsch. Danach antwortet der Freund sehr weich und ausdrucksvoll. Die erstarrte Trauer weicht einem warm strömenden Gesang, der die Gewissheit des Todes ruhig akzeptiert. Die Farben des Harmoniums und der Celesta kommen hinzu, für Mahler Klangsymbole der Weltentrücktheit. Das mehrfach wiederholte Wort Ewig… steht am Schluss, sich ins Unhörbare auflösend, gänzlich ersterbend. Volle gelingen sensible, privat anmutende Empfindungen.

Gustav Mahler HH © IOCO

Gustav Mahler HH © IOCO

Haben Sie eine Ahnung wie man das dirigieren soll? Ich nicht!, fragte der Dirigent und Mahler-Vertraute Bruno Walter den Komponisten, nachdem er die soeben fertiggestellte Partitur von dem mit Der Abschied betitelten letzten Satz studiert hatte. Mahlers Antwort darauf ist nicht überliefert – Walters Reaktion jedoch ist im Hinblick auf die emotionale Tiefe des Werkes nachvollziehbar. GMD Patrick Lange gelingt der enorme Kraftaufwand. Klangzauberisch entlockt er fein ausdifferenziert und nuanciert dem Hessischen Staatsorchester Wiesbaden innigste Soli – zwischen intimen Liebesschmerz und explodierenden Gefühlsausbrüchen verbindend. Die Grenze zwischen Klang und Stille verwischt sich. Leben geht in Tod auf.

Äußerst berührend ist die minutenlange Stille am Schluss – bis sich das Publikum, teilweise mit Tränen in den Augen, spontan zu Standing Ovations erhebt, die fast dreißig Minuten andauern.

—| Pressemeldung Hessisches Staatsorchester Wiesbaden |—

Essen, Philharmonie Essen, Camilla Nylund – Liederabend, 22.06.2020

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Philharmonie Essen

Philharmonie Essen © Bernadette Grimmenstein

Philharmonie Essen © Bernadette Grimmenstein

Frauenliebe und Frauenleben

Liederabend mit Sopranistin Camilla Nylund

Montag, 22. Juni 2020 – Philharmonie Essen

Wiener Staatsoper, Royal Opera House London, Bayreuther und Salzburger Festspiele – das sind nur einige der Adressen, an denen Camilla Nylund regelmäßig auftritt. Am Montag, 22. Juni 2020, um 20 Uhr ist die finnische Sopranistin jetzt mit einem Liederabend in der Philharmonie Essen zu erleben. Gemeinsam mit dem renommierten Pianisten Helmut Deutsch interpretiert sie Robert Schumanns ZyklusFrauenliebe und -leben“ sowie Lieder von Jean Sibelius und Richard Strauss.

Philharmonie Essen / Camilla Nylund © www.annas-foto

Philharmonie Essen / Camilla Nylund © www.annas-foto

Camilla Nylund gilt weltweit als eine der führenden lyrisch-dramatischen Soprane, zu ihren Paraderollen gehören Salome, Elisabeth („Tannhäuser“), Elsa („Lohengrin“) und Leonore („Fidelio“). Aber auch auf den großen Konzertpodien ist ihre Stimme gefragt, etwa in Beethovens 9. Sinfonie mit Daniel Barenboim in Chicago oder Sir Simon Rattle in Berlin.

Dem Pianisten Helmut Deutsch widmet die Philharmonie Essen in dieser Spielzeit ein eigenes Künstlerporträt. Als einer der international anerkanntesten Liedbegleiter trat er im Alfried Krupp Saal bereits mit Violeta Urmana und Michael Volle auf. Im Februar 2018 brachte er hier gemeinsam mit Diana Damrau und Jonas Kaufmann Hugo Wolfs „Italienisches Liederbuch“ zur Aufführung, das als Live-Aufnahme inzwischen auf CD veröffentlicht wurde.

Karten (€ 33,00) unter Tel. 0201 / 81 22-200, tickets@theater-essen.de sowie an der Kasse des Aalto-Theaters (Di-Sa 13:00-18:00 Uhr). Die Veranstaltungskasse öffnet 90 Minuten vor Konzertbeginn. Ein Online-Kauf ist derzeit nicht möglich.

—| Pressemeldung Philharmonie Essen |—

Stuttgart, Staatsoper Stuttgart, Oper in der Stadt – Juni und Juli 2020

Staatsoper Stuttgart

Oper Stuttgart © Matthias Baus

Oper Stuttgart © Matthias Baus

 Staatsoper Stuttgart spielt wieder

  70 Vorstellungen – Liederhalle, im Stadtraum, in und vor Opernhaus

·       Ein Auszug:

Der Bayreuther Ring-Regisseur Valentin Schwarz inszeniert ein      „Bühnenfreifestspiel mit dem Staatsopernchor“

2x Operette am Stuttgarter Hafen: Die Blume von Hawaii  und Trouble in Tahiti

Der Operntruck mit Die Geschichte vom Soldaten ist in der Stadt unterwegs

Salon mit Intendant Viktor Schoner und Gästen im Opernhaus

Dritter Teil des Orpheus Instituts vor dem Opernhaus

 Wandelkonzerte im Mercedes-Benz Museum

Neben den bereits angekündigten Projekten wie dem Theaterparcours Wir sind aus solchem Stoff wie Träume sind,  einer Reihe von Sinfonie-, Kammer-, Lied- und Familienkonzerten in der Liederhalle sowie den Aufführungen auf dem Kulturwasen stellt die Staatsoper Stuttgart ihr Programm bis zum Ende der laufenden Saison vor. Rund 70 Aufführungen an den unterschiedlichsten Orten der Stadt beinhalten die kommenden Wochen – Experimentelles steht hier neben Familienfreundlichem, Sinfonisches neben Kammermusikalischem, Theatrales neben Filmischem.

Intendant Viktor Schoner: „Innerhalb kürzester Zeit haben die Künstler*innen und Mitarbeiter*innen der Staatsoper gemeinsam mit verschiedensten Kooperationspartnern in der Stadt in einem kreativen und logistischen Kraftakt ein wahres Festival-Programm auf die Beine gestellt – vieles ist familienfreundlich, manches nachdenklich, anderes leichtgängig; aber immer wurde es entwickelt mit der kompromisslosen Vorgabe, dass alle Inspiration in Einklang steht mit dem Schutz der Gesundheit der Mitwirkenden und des Publikums. Mit Enthusiasmus und Herzblut für unser Metier, kombiniert mit einer großen Sehnsucht nach der Interaktion mit dem Publikum, entstanden Projekte in ungewöhnlichen Konstellationen, frei nach dem für uns eigentlich unüblichen Motto ‚quick and dirty‘. Möge sich diese Liebe zum Spiel allen Besucher*innen mitteilen!“

Beteiligt sind Künstler*innen wie die Dirigenten Cornelius Meister und Thomas Guggeis, die Regisseure Valentin Schwarz und Marco Štorman, Sänger*innen wie Okka von der Damerau, Ks. Matthias Klink, Beate Ritter, Johannes Kammler, Kai Kluge oder Josefin Feiler – und noch viele weitere Künstler*innen mehr.

Alle Veranstaltungsformate richten sich nach den geltenden Hygiene- und Abstandsregeln – zum Schutz des Publikums, aber auch der Künstler*innen und Mitarbeiter*innen des Hauses. Für jeden Veranstaltungsort wurden basierend auf den Hygienerichtlinien der Staatstheater eigene Konzepte für Platzierung und Einlasssituation entwickelt. Alle Veranstaltungen sind pausenlos, viele kürzer als eine Stunde. Für einige wenige Veranstaltungen stehen noch die behördlichen Genehmigungen aus. Im Spielplan der Website www.staatsoper-stuttgart.de ist letztendlich gültige Stand zu finden.


Übersicht: Aufführungen im Juni / Juli 2020


Wir sind aus solchem Stoff wie Träume sind
Ein Theaterparcours mit den Ensembles von Staatsoper Stuttgart, Stuttgarter Ballett und Schauspiel Stuttgart
In Kooperation mit dem Stuttgarter Ballett und dem Schauspiel Stuttgart
Noch bis 15. Juni 2020


Kammerkonzert- und Liedkonzert-Festival
Mit Ensemblesänger*innen der Staatsoper und Musiker*innen des Staatsorchesters Stuttgart
ab 07. Juni 2020 im Mozartsaal der Liederhalle


Staatsoper Stuttgart / Die Geschichte vom Soldaten © Martin Sigmund

Staatsoper Stuttgart / Die Geschichte vom Soldaten © Martin Sigmund

Die Geschichte vom Soldaten auf dem Operntruck  –  Igor Strawinsky
In Kooperation mit dem Schauspiel Stuttgart
Strawinskys Märchen von Teufel und Soldat ist auf einer mobilen Bühne zuerst auf dem Kulturwasen und anschließend an verschiedenen Orten in der Stadt zu Gast.
Premiere: 08. Juni 2020 auf dem BW-Bank Kulturwasen
Weitere Spielorte: vor dem GAZi-Stadion auf der Waldau, Vorplatz der Phönixhalle im Römerkastell, Vorplatz des Kunstvereins Wagenhallen, vor dem Mercedes-Benz Museum, Vorplatz Opernhaus


Beethoven-Zyklus  –  Staatsorchester Stuttgart
Generalmusikdirektor Cornelius Meister dirigiert Beethovens Sinfonien 1-8
im Beethovensaal der Liederhalle – auf Abstand und doch ganz nah.
ab 13. Juni 2020


Peter und der Wolf
Sergej Prokofjew
Staatsorchester Stuttgart, Cornelius Meister
Erzähler Guido Hammesfahr alias Fritz Fuchs aus der Sendung Löwenzahn
am 14. / 21. Juni 2020 im Mozartsaal der Liederhalle


Ceci n’est pas une première
Klanginstallationen vor dem Opernhaus
In Kooperation mit dem Campus Gegenwart der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart
Die jungen Komponist*innen Ui-Kyung Lee und Carlos Hernández bringen mit ihren Klanginstallationen die Stimmung einer Premierenfeier für Passanten vor das Opernhaus.
Klanginstallation I: ab 17. Juni 2020 immer 21-22 Uhr
Klanginstallation II: ab 03. Juli 2020 immer 21-22 Uhr


Bei Max Littmann zu Hause
Ein Salon mit Gesprächen und Musik
Intendant Viktor Schoner begrüßt Gäste aus Politik, Gesellschaft und Kultur im Opernhaus zu einer musikalischen Soiree. Mit dabei: Ministerpräsident Wilfried Kretschmann, Prof. Dr. Kai Gniffke, Intendant des SWR, und weitere Gäste.
ab 21. Juni 2020 im Opernhaus


Das Wandelkonzert im Mercedes-Benz Museum
In Kooperation mit dem Mercedes-Benz Museum
Auf musikalischen Pfaden durch die Ausstellungsräume des Mercedes-Benz Museums, musikalisch geleitet von den Mitgliedern des Opernstudios.
ab 23. Juni 2020 im Mercedes-Benz Museum


Die Zauberflöte auf dem Wasen
Wolfgang Amadeus Mozart
In einer szenischen und musikalischen Fassung von Rebecca Bienek und Thomas Guggeis
für alle ab 6 Jahren
Musikalische Leitung, Klavier und Synthesizer: Thomas Guggeis; Regie: Rebecca Bienek
Die Zauberflöte zwischen Live-Hörspiel und Autokino auf dem Kulturwasen als Oper für die ganze Familie, adaptiert für Klavier und Sythesizer.
ab 27. Juni 2020 auf dem BW-Bank Kulturwasen


Ex Machina – Eine audiovisuelle Reise
Regie: Philine Rinnert und Johannes Müller
Hinter das versteckte Räderwerk der Oper blicken und mit Kopfhörern den verborgenen Stimmen des Opernbetriebs lauschen, zwischen Opernhaus und Eckensee im dritten Teil des Orpheus Instituts.
Premiere: 30. Juni 2020 auf dem Opernvorplatz


Die Blume von Hawaii
Paul Abraham
Musikalische Leitung und Klavier: Rita Kaufmann, Regie: Marco Štorman
Marco Štorman inszeniert Paul Abrahams Operette am Stuttgarter Hafen. In der Hauptrolle: Tenor Matthias Klink.
Premiere: 03. Juli 2020 am Hafen Stuttgart


Trouble in Tahiti
Leonard Bernstein
Musikalische Leitung: Vlad Iftinca, Regie: Anika Rutkowsky
Pawel Konik und Alexandra Urquiola als Ehepaar in Leonard Bernsteins Kurzoper – inszeniert von Anika Rutkowsky am Stuttgarter Hafen!
Premiere: 10. Juli 2020 am Hafen Stuttgart


Radioshow Nr. 6
Moderation: Miron Hakenbeck und Barbara Eckle
Das kleine Format auf der großen Bühne – diesmal zum Thema Sound of Silence.
am 11. Juli 2020 im Opernhaus


Demo(kratie) mit dem Staatsopernchor
Staatsopernchor Stuttgart
Konzept und Idee: Valentin Schwarz, Chor: Manuel Pujol
Valentin Schwarz hätte dieses Jahr bei den Bayreuther Festspielen Wagners Ring des Nibelungen inszeniert. Stattdessen bringt er nun ein „Bühnenfreifestspiel mit dem Staatsopernchor“ auf die Straßen Stuttgarts.
ab 12. Juli 2020 im Stuttgarter Stadtraum


Sechs Madrigalfilme
Claudio Monteverdi, Tarquino Merula, Carlo Milanuzzi u.a.
Filme von Matthew Anderson, Tobias Dusche, Manuela Hartel, Lukas Rehm, Rebecca Riedel, Vincent Stefan
Musikalische Leitung: Alan Hamilton, Vlad Iftinca
Sechs Videokünstler*innen haben mit dem Sängerensemble der Staatsoper kurze Musikfilme zu frühbarocken Madrigalen gedreht – an abrupt verwaisten, scheinbar erstarrten Orten Stuttgarts.
Preview: 19. Juli 2020 im Opernhaus

—| Pressemeldung Staatsoper Stuttgart |—

Leipzig, Gewandhaus, Das Gewandhaus – Traditionen und Gegenwart, IOCO Aktuell, 29.05.2020

Das Gewandhaus Leipzig @ Jens Gerber / Gewandhaus

Das Gewandhaus Leipzig @ Jens Gerber / Gewandhaus

Das Gewandhausorchester

Das Gewandhaus – Traditionen und Gegenwart
Geschlossen vom 18. 05. –  11.09.2020

von Thomas Thielemann

Das Gewandhaus Leipzig ist vom 18. Mai bis 11. September 2020 zur Erneuerung des Konzertpodiums und der Bühnenbeleuchtung im Großen Saal geschlossen; Details am Ende. Die Schließung ist Anregung, einige Aspekte der früheren Spielstätten des großen Leipziger Traditionsorchesters zu betrachten.

Die 16 musik-beflissenen Leipziger Kaufleute, die 1743 den Konzertverein Großes Concert gründeten, warben zunächst 16 Musiker für ihre Veranstaltungen im Gasthaus  Drey Schwanen am Brühl an. Wegen des großen Zuspruchs ließ die Stadt 1780-1781 in der zweiten Etage des im 1498 in der Altstadt erbauten Zeughauses einen Konzertsaal für zunächst 500 Zuhörer einbauen. Wegen der Nutzung des ersten Stockwerks als Messehaus der Tuch- und Wollwarenhändler war das Gebäude im Sprachgebrauch als Gewandhaus benannt worden. In der ehemaligen größeren Tuchhalle erbauten „Schuhschachtel“ befand sich an der Schmalseite ein 63 Quadratmeter großes Podium. Längs zum Podium waren die gegenüberliegenden Sitzreihen und quer an der Rückwand die Galerie mit den Stehplätzen angeordnet. Die nahezu ausschließliche Verwendung von Holz und die Konstruktion auf Holzstützen ließen einen Resonanzraum von lediglich 1800 m³-Raumvolumen mit einer ausgezeichneten Akustik mit recht kurzem Nachhall, man schätzt 1,2 Sekunden, entstehen, „so dass man die zartesten Töne der Musiker in der weitersten Entfernung des Saales vernehmen konnte“.</p

Das Gewandhaus Leipzig / hier der Große Saal mit 1900 Plätzen @ Jens Gerber / Gewandhaus

Das Gewandhaus Leipzig / hier der Große Saal mit 1900 Plätzen @ Jens Gerber / Gewandhaus

Nach einer Erweiterung 1842 konnte der Saal 1.000 Zuhörer aufnehmen. Mit einem qualifizierterem und auf 33 Musiker vergrößerten Orchester wurden in diesem Raum zahlreiche Werke, die heute zum Standartrepertoire gehören, unter anderem auch vom Gewandhauskapellmeister Felix Mendelssohn Bartholdy uraufgeführt.

Der Nachlass des unverheiratet verstorbenen Kaufmanns und Leipziger Originals Franz Dominic Grassi (1801-1880) machte 1882 den Neubau des zweiten Gewandhauses am Rande der Innenstadt, dem späteren Musikerviertel, mit einem großen Saal für 1700 Plätzen möglich, das am 11. Dezember 1884 eröffnet wurde. Trotz des erheblich größeren Raumvolumens von 10.600 m³ wurden die Proportionen des langgestreckten Rechtecks mit abgerundeten Ecken übernommen. Auch wurde der Raum mit einer Konzert-Orgel der Firma Walcker ergänzt. Trotzdem blieb die Nachhallzeit mit durchschnittlich 1,6 Sekunden begrenzt. Der im Neubau zusätzlich untergebrachte Kammermusiksaal für 500 Besucher war dann sogar ein nahezu exakter Nachbau des Saales aus dem Jahre 1781 mit vergleichbarer Klangentfaltung.

Bei Luftangriffen im Dezember 1943 und im Februar 1944 wurde das zweite Gewandhaus schwer beschädigt. Bautechnisch gesichert und mit einem Notdach versehen, war zunächst ein Wiederaufbau vorgesehen.

Als Interim-Spielstätte der Gewandhauskonzerte diente von 1946 bis 1981 die im Jahre 1900 als Gesellschaftshaus des Leipziger Zoos eingeweihte Kongreßhalle, nach dem dort extra eine Jehmlich-Orgel eingebaut worden war. Obwohl die Akustik des Raumes etwas staubig, die Klangentfaltung recht distanziert war und die Geräusche der Straßenbahn die Veranstaltungen auflockerte, verdanke ich den Konzerten mit Franz Konwitschny und Yehudi Menuhin sowie David Oistrach meine frühen intensiven Musikerlebnisse.

Bei der Konzeption des Gewandhausneubaus gab es zunächst unterschiedliche Auffassungen. Während die Akustiker in Anlehnung an das zweite Gewandhaus einen „Schuhkarton“ anstrebten, wünschte Kurt Masur eine weitgehende Anlehnung an den Weinberg der Berliner Philharmonie, die in den 1970er Jahren noch als akustisch unausgereift galt. Als Kompromiss wurde dann die vom Amphitheater abgeleitete terrassenartige Form mit den hinter den Orchester-Emporen schräg angeordneten Wänden, die mit variablen Schallreflektoren (Foto oben) bestückt wurden, ausgeführt. Das Raumvolumen für die 1900 Sitzplätze ist mit 21.000 m³ bemessen.

Um die Akustik-Bedingungen des Raumes mit Publikum zu optimieren, war der Saal mehrfach mit NVA-Soldaten besetzt worden, die sich stundenlang das rosa-rote-Rauschen anhören durften.

Gewandhaus Leipzig/ hier der Concerthaus Saal in 1886 © Stadtgeschichtliches Museum / Gewandhaus

Gewandhaus Leipzig/ hier der Concerthaus Saal in 1886 © Stadtgeschichtliches Museum / Gewandhaus

Im Ergebnis ist aber ein Saal entstanden, der leicht trocken, aber über Nachhallzeiten, die wenig von den Frequenzen zwischen 1,9 und 2,0 Sekunden abhängig sind, verfügt. Dabei ist der Saal für Musik eines breiten Stilspektrums geeignet.

Im Zusammenhang mit den Neubau-Maßnahmen 2019 und 2020 werden akustisch vor allem Optimierungen vorgenommen, dass die Musiker beim Konzert sich gegenseitig besser hören können. Ansonsten werden vor allem die inzwischen veralteten, seit der Hauseröffnung in Betrieb befindlichen, Hubbühnen im hinteren Podest Bereich erneuert, der vordere Teil der Bühne neu mit Hubpodien ausgestattet und mit zwölfzusätzlichen „Ausgleichspodien“ ergänzt. Damit lässt sich das Konzertpodium bei Bedarf um 15 m² vergrößern.

Außerdem wird die seit vierzig Jahren genutzte, mit Halogenstrahlern ausgestattete, Beleuchtungsanlage durch eine Ausrüstung mit dimmbaren LED-Leuchtmitteln ersetzt und damit auch das für die Besucher störende Streulicht ausgeschlossen.

Das Haus legt auf die Aussage wert, dass die Maßnahmen ausschließlich der Verbesserung des Konzertbetriebes dienen und nicht an Erfordernissen von Mieter-Veranstaltungen orientiert sind.

—| IOCO Aktuell Gewandhausorchester Leipzig |—

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