Ludwig van Beethoven – Die neun Sinfonien, IOCO CD-Rezension, 22.01.2021

Ludwig van Beethoven - an einer Pariser Hausfassade © Peter M. Peters

Ludwig van Beethoven – an einer Pariser Hausfassade © Peter M. Peters

Beethoven Gedenkjahr – Die neun Sinfonien

Vorstellung von zwei Gesamtaufnahmen – Menuet  – DGG

von Albrecht Schneider

Weil das Corona-Virus die Kunst nicht im Mindesten respektiert, musste auch das Beethovenjahr 2020 als Feier des zweihundertfünfzigsten Geburtstages des Komponisten Ludwig van Beethoven sich der weltweiten Diktatur der Pandemie beugen. Infolge des Ausfalls mancher Festlichkeit sollen allerdings, wie zu hören ist, die Gedächtnisfeiern ins Neue Jahr 2021 prolongiert werden. Eine gute Nachricht, auf der die Hoffnung gründet, oben im Olymp, wo die Genies wohnen, würde der große Musiker, ob der defizitären Huldigung nachvollziehbar missmutig geworden, sich letztlich doch hinreichend geehrt fühlen und wieder einigermaßen zufrieden auf die Welt herabschauen.

Nichtsdestotrotz muss bedacht werden, dass es den Ton-Titan neuerlich verdrießlich stimmen könnte, sofern gerade bei unserem mancher Muse huldigendem Kulturportal aus solchem Anlass seiner zu wenig Erwähnung getan würde. Damit es nicht dazu kommt, wollen wir ihm jetzt zumindest ein Lorbeerkränzchen flechten, und zwar ohne jede Imitation jener kundigen, im beethovenschen Oeuvre geradezu bibelfesten Rezensenten. An dieser Stelle wird ohne Anspruch auf neue Erkenntnis oder neue Einschätzung schlicht und absolut subjektiv auf zwei Gesamtaufnahmen seiner Sinfonien, die vor rund sechzig Jahren entstanden sind, aufmerksam gemacht. Vorgestellt werden folgende Sets:

  • 1  –  DGG – Sinfonien 1-9 + Ouvertüren, Orchester der Wiener Staatsoper, Dirigent Hermann Scherchen,  aufgenommen 1951 bis 1958,  7 CD’s + 1 Bonus CD erschienen bei der Deutsche Grammophon, DGG 2021, zur Zeit erhältlich
  • 2 –  Menuet – Sinfonien 1-9 + Ouvertüre zu EGMONT, Royal Philharmonic Orchestra London, Dirigent René Leibowitz, aufgenommen 1961 -1962, 5 CD’s erschienen u.a. beim Label MENUET um 1990, dort zur Zeit vergriffen; aber bei anderen Labels (u.a. Amazon) problemlos erhältlich

Die oben genannten Dirigenten fügen sich nicht recht ein in den Reigen seliger oder noch nicht ganz seliggesprochener Orchesterpäbste. An diesem Habitus mangelt es beiden, gemeinsam ist ihnen indessen die Hingabe an die Musik des Zwanzigsten Jahrhunderts, zentral an die der Zweiten Wiener Schule. (Schönberg, Berg, von Webern). Die Begegnung mit Arnold Schönbergs nicht länger tonartgebundenen Methode der Komposition mit zwölf Tönen und seinen auf dieser Basis beruhenden Arbeiten war für beide Musiker essentiell.

 Deutsche Grammophon / Beethoven - Die neun Symphonien - Hermann Scherchen © DGG

Deutsche Grammophon / Beethoven – Die neun Symphonien – Hermann Scherchen © DGG

Hermann Scherchen, 1891-1966, begann als Bratschist im Orchester, legte bald das Instrument zugunsten des Taktstocks beiseite. Bereits 1912 begleitete er Schönbergs Gastspielreise mit dessen Monodram Pierrot Lunaire und leitete sie ohne ihn zu Ende. Auf den Positionen eines Chefdirigenten, Orchesterleiters und GMD’s dirigierte er vielerorts und lebenslang den ganzen Kanon der im Konzertsaal heimischen Titel, ohne jemals das Amt eines hellhörigen Agenten der Musica Viva, der Werke seiner Zeitgenossen, zu vernachlässigen. Dass er stabil im Schatten hochgerühmter und hochgeredeter Kollegen stand, dürfte ihn kaum bekümmert haben; mit seiner Auffassung von akkurater Arbeit an und für die Musik, mit seinem Standort hinter und nicht vor dem Werk, war eine Platznahme in der Starparade der Pultlöwen aussichtslos. Etwas fabulierend ließe sich von beiden Künstlern sagen, dass die Heilige Cäcilia Gefallen an ihnen Gefallen gefunden haben dürfte, vorausgesetzt, die himmlische Chorleiterin pflegte an ihrer Orgel Kompositionen des 20. Jahrhunderts zu spielen.

Menuet - Beethoven Symphonien mit René Leibowitz © Menuet

Menuet – Beethoven Symphonien mit René Leibowitz © Menuet

Dem älteren Kollegen ähnelte der jüngere René Leibowitz, 1913-1972, was Auftreten und Denken anbelangt, in mancherlei Hinsicht. Aus einer osteuropäischen jüdischen Familie stammend, emigrierte er 1926 nach Paris und machte es zu seiner neuen Heimat. Wenn auch die Nachrichten von ihm allgemein dürftig ausfallen, ist immerhin bekannt, wie eindrucksvoll und wichtig für ihn 1931 die erste Bekanntschaft ebenfalls mit Schönbergs Pierrot Lunaire gewesen sein muss. Demgemäß zielte der Werdegang des Kunsteleven auf das Dasein eines Komponisten, dessen Werkverzeichnis am Lebensende an die hundert Nummern aufwies: Bühnenstücke, Konzerte, Kammermusik. Alle sind sie, den Begriff erfand Leibowitz, der musique serielle, einer Weiterentwicklung der Zwölftonkompositionsmethode, verpflichtet, und nahezu alle blieben sie unaufgeführt und mithin weitestgehend unbekannt.

Auf dem Markt sind zwei CD’s mit dem jüngst verstorbenen Geiger Ivry Gitlis als Protagonisten, die nebst vielem anderen das Violinkonzert des René Leibowitz anbieten. Leider ist es dem Autor bis heute missglückt, ihrer habhaft zu werden.

Während der Deutschen Besetzung von Paris 1940-1944 musste Leibowitz als Jude untertauchen, manche seiner Familienmitglieder ermordeten die Nazis, er entging ihrem Ausrottungsfuror. Wie er nach dem Krieg auf sein Idol Arnold Schönberg traf und aus dem Particell von dessen Kantate op.46 Ein Überlebender aus Warschau die Partitur erstellte, empfand er dieses Monodram als eine eigene Schicksalsbeschreibung. Hinter die Arbeit an Kompositionen hatte die Tätigkeit des Dirigenten stets zurückzutreten, letztere ist auf Tonträgern bloß in kärglicher Zahl dokumentiert. Allein sein Name als großartiger Künstler wird kraft seines Dirigats der Beethovensinfonien die Zeiten überdauern.

Von denen sollen nicht alle neun Beachtung finden, greifen wir drei repräsentative heraus und beginnen mit der:

Ludwig van Beethoven – Sinfonie Nr 3 Es – Dur – Herrmann Scherchen
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Sinfonie Nr. 3 Es-Dur op.46  – Eroica

von den zwei Einspielungen von 1951 und 1958 mit dem Orchester der Wiener Staatsoper unter Hermann Scherchens Leitung vorliegen. Der Dirigent hatte die Partitur samt Metronomzahlen genau studiert, und exakt das, was dort gedruckt steht, gemäß seiner eigenen Maxime: >alles hörbar zu machen< mit dem Orchester erarbeitet. Besonders in der jüngeren Aufnahme, deren Ruf unter Musikkäuzen geradezu legendär ist, artikuliert sich eine werkgetreue Wiedergabephilosophie, die seine interpretatorischen Freiheiten niemals beengt. Mit beiden Tuttischlägen zu Beginn und dem von den Streichern angestimmten, im Crescendo zum Fortissimo im 37. Takt hin drängenden Kopfthema wissen offene Ohren, welche Stunde ihnen geschlagen hat. Scherchen liest die Vehemenz aus den Noten und zwingt sie ihnen nicht auf. Heroisch ist zunächst die Kühnheit, mit der er alle Grob- und Feinheiten der Musik dem Orchester entlockt und sie dem Hörer auf den Leib rücken lässt. In seiner Eroica (der Beiname diente damals wohl mit dem Bemühen, das Neue, Unerhörte dieser Sinfonie irgendwie zu etikettieren) galoppieren gleichsam die drei idealistischen Parolen der französischen Revolution durch die Weltgeschichte. Dergleichen Metaphorik hat für die Sprache, die oftmals bei der Beschreibung musikalischer Phänomene versagt, einzustehen! Im Trauermarsch zügeln die Reiter ihre Pferde, gemessen wie im Dressurviereck schreiten sie einher, im Scherzo tänzeln sie, schnauben geräuschvoll und schlagen mit dem Schweif, um im Allegro molto-Presto schließlich furios und in mächtigen Sprüngen zurück in den Stall zu preschen.

Ja, es sei gestanden, Scherchens klare, präzise, gleichwohl hitzige, Flammen schlagende Gestaltung verführt zu derartiger verbaler Posiererei. Nicht viel anders handelte René Leibowitz.

Mit nämlicher Achtung vor den Partiturangaben hat er sich des Werks angenommen, indessen klingen dessen Impetus und Energie gebändigter, die Form droht nicht zu zerspringen, kein Feuer lodert wie beim Kollegen Scherchen. Doch strahlt die Musik, sie glüht und reißt mit. Eine Einspielung, die jener Scherchens nahezu adäquat ist.

Beide Interpreten scheuen keineswegs Emotionen, die sie freilich nicht dazu anstiften, die vier Sätze weiter, als die Partitur vorgibt, heroisch aufzublasen: Ein Heros des Achtzehnten im Anzug eines Helden des Zwanzigsten Jahrhunderts.

Die klassischen Tempovorschriften, wie Adagio, Andante, Allegro con brio und Presto erweisen sich gleich den Metronomvorschriften auf Beethovens Partituren Bernd Alois Zimmermanns als ein weites Feld, auf dem man um ihre Deutung heftig streitet, also viele Schlachten geschlagen wurden, geschlagen werden, und die auch künftig nicht fehlen dürften. Jenen Vorgaben folgend, modellierten die zwei Maestri die Werke, ohne sich deshalb als gefesselt zu betrachten, und das Resultat ihrer philologischen wie interpretatorischen Verfahrensweise beeindruckt und überzeugt bis heute.

Die 5. Sinfonie c-moll op.67, wohl das Zentralgestirn in Beethovens sinfonischem Kosmos, bleibt trotzdem abwesend. Selbst wenn solche oder ähnliche Äußerungen von ihrer Seite nicht verbürgt sind: sie möchte definitiv eine Zeitlang in Ruhe gelassen werden. Dass ihr diese Ruhe zu gönnen ist, diese Meinung dürfte die Schicksalssinfonieverehrungsgemeinde vorbehaltlos teilen. Wurde doch das wehrlose Stück bis zur Erschöpfung durch Lautsprecher und Konzertsäle getrieben, weshalb ihr eigentlich von einem musikalischmedizinischen Konsortium ein Sanatoriumsaufenthalt an geheimem Ort zwecks Regeneration zu verordnen wäre. Nicht länger würde das Schicksal in den ersten Takten des op.67 DADADA DAA an die Pforte klopfen, vielmehr rechts daneben den Klingelknopf drücken.

Ludwig van Beethoven – Sinfonie Nr 6 – Rene Leibowitz
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Vielmehr als die von der Macht des Schicksals gezeichnete Fünfte und von heroischem Geist durchwehte Dritte Sinfonie lädt die

Sinfonie Nr. 6 F-Dur op.68  – Pastorale

dazu ein, zu ihrem Beginn die heiteren Empfindungen auf dem Lande mit größerer Gaudi erwachen, zum Schluss den Hirtengesang mit noch fröhlicheren Gefühlen dank des abgezogenen Sturms anstimmen und mittendrin das Gewitter mit mächtigerem Blitz und Donner hereinbrechen zu lassen. Davor sind unbestritten beide Herren gefeit. Die Pastorale unter Scherchen ist ebenfalls mit zwei Aufnahmen vertreten: 1951 und 1958. Von Beethoven selbst stammen jene oben sinngemäß zitierten Charakteristika der fünf Sätze, überdies wünschte er, um nur keine falschen Vorstellungen zu wecken, auf dem Titelblatt neben der Bezeichnung Pastoralsinfonie den Hinweis: „Mehr Ausdruck der Empfindung als Malerei“ gedruckt zu sehen. Außermusikalisches mittels Notenschrift zu schildern lag gewiss nicht in der Absicht des Meisters,  aber ein paar Farbstifte hat er bei der Komposition, wennschon sparsam, benutzt. Im Sog der gelösten Musik mit ihren F-Dur und B-Dur Tonarten mitsamt den 3/4, 6/8 und 12/8 Takten entwirft unser Kopf bisweilen Szenen von gutgelaunten, unbeschwerten Landleuten in schlichtbunter Kleidung, die vor einer unvergiftet grünenden Natur säen, ernten, plaudern, tanzen und sich gelegentlich vor dem Unwetter eine Weile wegducken. Wen betören denn nicht schöne Heileweltbilder, woher immer sie stammen mögen? Um dergleichen zu imaginieren wurde die Pastorale sicherlich ebenso wenig geschrieben, wie weder Scherchen noch Leibowitz sich obigem Programm unterwerfen. Das notierte erst nachträglich, was die Musik ohnehin erzählen will, und was beide Chefs ohne sonderliche Betonung des Bukolischen und Idyllischen die Orchester erzählen lassen. Der ältere der Zwei brauchte 1951 von der Ankunft auf dem Lande bis zum Ende der Hirtenmelodeien knapp vierzig Minuten, indem er 1958 dem Landleben lediglich derer fünfunddreißig einräumte. Bauersleuten wie Instrumentalisten hat er Beine gemacht, was dem Klang gut tut, der sich ob der Rasanz geschmeidiger anhört als jener infolge des gemächlicheren Tempos und der minderen Tonqualität rauere der früheren Aufnahme. Leibowitz wiederum gestattet seiner Pastorale zweiundvierzig Minuten, sein Landvolk walzt nicht ungestüm über den Bretterboden, sondern tanzt taktgenau wie schwungvoll auf dem Rasen und kommt unterdessen kaum ins Schwitzen. Die Dirigenten bürgen für eine hellwache und vitale Wiedergabe einer weitgehend unbeschwerten, zweifellos auch von den Erscheinungen der Natur inspirierten Musik.

Ludwig van Beethoven – Sinfonie Nr 9 – René Leibowitz
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Beleuchtet wird zu guter Letzt die

Sinfonie Nr.9. c-moll op.125  – Choralsinfonie

Ludwig van Beethoven in Wien © IOCO

Ludwig van Beethoven in Wien © IOCO

die im Katalog seiner Orchesterwerke neben der Missa Solemnis als das prominenteste, wenngleich wegen seiner Kündigung der traditionellen sinfonischen Form wiederkehrend konträr verhandelte Opus Beethovens rangiert. Man ist geneigt zu sagen, dessen erste drei Sätze seien lediglich Stationen auf dem Wege zu dieses Stückes höherem Zweck, nämlich dem Chorfinale. Andererseits scheint das den Freudenhymnus einleitende Bassrezitativ: „O Freunde, nicht diese Töne, sondern lasst uns angenehmere anstimmen“ die bisherige Musik als gewissermaßen vorläufig in Frage zu stellen. Lassen wir sie offen, über deren Beantwortung mögen sich dazu berufenere Köpfe die eigenen zerbrechen. An dieser Stelle hingegen wird lediglich darüber geredet, wie Scherchen und Leibowitz das nicht bloß ob des komplexen Finalsatzes sinfonische Schwergewicht stemmen.

Das Werk zu dirigieren und dabei dessen Stöhnen unter der Last ästhetischer, ideologischer oder sonstiger Debatten über sein Existenzrecht zu ignorieren, das bringen beide fertig, während sie in den ersten drei Sätze Klarheit und klassische Strenge mit dem Sinnlich-Musikalischen verbinden, deren Aggression und Pathos in Maßen zulassen, aber jederzeit die klassische Form wahren. Das gilt ebenso für die Gestaltung von Satz vier. Insofern wird nicht unbedingt offenbart, inwieweit dem einen, dem anderen oder sogar beiden Beethovens sinfonischer Entwurf (Zukunftsmusik wird Richard Wagner darin entdecken) dem eigenen Verständnis von einem klassisch-traditionellen Sinfoniemodell derart widerstrebt, um die unterschiedliche Konstitution von Choralsatz hier und den drei instrumentalen Brüdern dort als Bruch, sogar als ein das Opus.125 insgesamt denunzierendes Schisma zu empfinden. Genau besehen ist das reichlich unwahrscheinlich im Hinblick auf beider Musiker intensive Beziehung zur „Zukunftsmusik“ der Zweiten Wiener Schule, die historisch-ästhetische Formproblematikdebatten über die Sinfonie schlechthin weniger interessiert haben dürfte.

Hermann Scherchen, der sonst mit „Drive“ zu Werke geht, bewegt sich ungewohnt gemessen durch die drei ersten Sätze, so als wolle er den Einsatz zum gesungenen vierten ein bisschen länger hinausschieben. Von Anfang an jedoch gibt er dem pathossatten, hymnischen, in Musik gebetteten Gedicht des Friedrich Schiller das, was einem derartigen Text gebührt, und das bar aller Exaltation. Leider beeinträchtigt jetzt das eingeschränkte Klangbild der Aufnahme insbesondere den Part der Solisten wie des Chores. Bass und Bässe wirken mulmig und brummig, Sopran und Sopranistinnen klingen bisweilen, salopp gesagt, eine Spur hysterisch, drohen mitunter fast überzuschnappen. (Allerdings sei bloß beiläufig eine Spur gebeckmessert!) Anfangs der Fünfzigerjahre verfügten die Tontechniker halt nicht über die Möglichkeiten, die später der Aufnahme mit René Leibowitz 1962 zugute kamen. Zudem waren und sind die Meister des Remastering nicht ewig Zauberkünstler.

Für Leibowitz ist wohl das Chorfinale die raison d’ être des sinfonischen Dramas in d-moll. Hörbar zielstrebiger denn sein Kollege durchmisst er in angezogenem Tempo und mit Verve den ersten Satz, demonstriert dessen zerklüftetes Terrain mit den Tonsäulen der Bläser und flirrenden Streichern, ihren gemeinsamen Stürzen in die Tiefe und wieder hochsteigenden Skalen. Noch vorwärtsdrängender geht es zu im zweiten Satz mit den heftigen Dialogen zwischen den Instrumentengruppen, alle Aspekte der Partitur werden aufgedeckt auf dem schier unaufhaltsam forschen Marsch zum Freudenhymnus. Doch dann im dritten Satz entspannt sich die Musik, holt Atem, der Dirigent lässt dem B-Dur Adagio der Streicher ebenso alle Ruhe wie dem eingeschobenen, im Dreiertakt schwingenden nächsten Thema. Erst viele Takte danach durchbricht eine Tuttifanfare die harmonische Kontemplation und bereitet auf das Finale vor, dessen Einsatz ein schneidender Bläser- und Paukenakkord markiert. Solisten mitsamt Chor jubeln sich durch die Ode, dass es wirklich eine wahre Freude ist. Mit Contenance beschwört Leibowitz Wucht und Feuer dieses überschäumenden Gesangs, unvorstellbar, davon nicht berührt zu werden.

Gearbeitet hat Scherchen bei seinen Einspielungen ausschließlich mit Chor und Orchester der Wiener Staatsoper. Unter dem Namen wirken bekanntlich die Wiener Philharmoniker im Opernhaus am Ring. Und anderswo ebenfalls. Aus welchen Gründen sie nicht als Philharmoniker bei der Gesamtaufnahme erscheinen, erlaubt Spekulationen. Hat der Dirigent sie zu arg gepiesackt, weil er mit seinem Begehren nach Tempo, Stringenz und Dynamik die Musiker aus der Trägheit der Tradition >so hammers immer gmacht< derart peinigend aufscheuchte, um mittels Verweigerung des glorreichen Titels dem Pultdiktator den Schmerz heimzuzahlen? Dessen Anspruch brachte bei der Eroica 1958 die Wiener Musiker – Frauen wurden seinerzeit bei ihnen nicht geduldet – gelegentlich ins Stolpern, an der Brillanz und Einmaligkeit der Aufnahme indessen ändert sich deswegen nicht das Geringste.

Mit ihnen verglichen ist das Royal Philharmonic Orchestra London ein um Etliches jüngeres Ensemble, 1946 von Sir Thomas Beecham ins Leben gerufen. Seinen Rang, seine Qualität hat es unter Leibowitz perfekt unter Beweis gestellt, wer Ohren hat zu hören, der wird es hören.

Konklusion: Mit der Vorstellung obiger Gesamtaufnahmen von Beethovens Sinfonien soll der Rang der anderen bald dreißig auf dem Markt präsenten Boxen nicht infrage gestellt werden. Die subjektive Auswahl der beiden geschah, da nach des Autors Ansicht deren Meriten hervorzuheben die hierfür Verantwortlichen allemal verdient haben.

—| IOCO CD-Rezension |—

Natalie Clein – Joseph Haydn – Cello-Konzerte, IOCO CD Besprechung, 16.01.2021

Natalie Clein - Joseph Haydn - Cello Concerte - OEHMS classics © OEHMS classics

Natalie Clein – Joseph Haydn – Cello Concerte – OEHMS classics © OEHMS classics

Natalie Clein  – Joseph Haydn –  Cello-Concertos
Ungewöhnliche Instrumentation und Humor

OEHMS classics CD – BestellNr. OC 1895 – Barcode 4260330918956

von   Ljerka Oreskovic Herrmann 

Die Autorin beschrieb in einer vorangegangenen IOCO Publikation die ORFEO CD CARE PUPILLE – Samuel Mariño mit Georg Friedrich Händel – Christoph Willibald Gluck Kompositionen, in welcher Michael Hofstetter die musikalische Leitung hat.

Die nun besprochene Oehms Classics CD bzw. styriarte bei der Michael Hofstetter ebenfalls die musikalische Leitung innehat, ist ein Live-Mitschnitt von 2017 aus Graz von der styriarte – ein alljährliches steirisches Festival zur Pflege der klassischen und Alten Musik und mit dem recreation Großes Orchester Graz. Dieser rückt Joseph Haydn (1732-1809)  in den Mittelpunkt, so dass die musikalischen Formsprachen und Richtungen des 18. Jahrhunderts auf den beiden CD-Einspielungen von Hofstetter zum Leben erweckt werden: Angefangen mit Händels und Glucks Arien der Opera seria hin zum Konzert der Wiener Klassik eines Haydn. Dieser war übrigens auch ein London-Reisender: Mehrere Mal nach 1790 besuchte er die britische Metropole und wurde dort begeistert empfangen.

Haydn Gedenktafel in Wien "Nicht ganz werde ich sterben" © IOCO

Haydn Gedenktafel in Wien „Nicht ganz werde ich sterben“ © IOCO

Der Weg zum Ruhm war für Haydn allerdings beschwerlicher, der öffentliche Erfolg stellte sich erst spät in seinem Leben ein. Seine beiden für das Cello komponierten Konzerte stehen in diesem historischen Kontext und haben eine wechselvolle Beurteilung und späte Anerkennung erfahren. Das erste Cellokonzert in C-Dur komponierte Haydn wohl um 1765 in Eisenstadt, als er die Vizekapellmeisterstelle beim Fürsten Esterházy bekleidete; das zweite in D-Dur entstand 1783 in Esterháza in der Nähe des Neusiedler Sees, wohin der Fürst seine Residenz mitsamt der 30 Musiker umfassenden Kapelle, inzwischen unter Haydns alleiniger Leitung, verlegt hatte. Das letztgenannte ist, mit zwei Oboen, zwei Hörnern und Streichern von Haydn ungewöhnlich instrumentiert, das bekannteste und deshalb wohl auch als Eröffnungsstück gewählt worden. Es hat drei Sätze, erfordert vom Solisten bzw. Solistin – aufgrund der häufig hohen Lage – eine enorme spieltechnische Fertigkeit, doch auch die für Haydn so typisch humorvollen Töne finden sich im letzten Satz, dem Rondo, ein.

Auch für das erste Cellokonzert setzte Haydn neben den Streichern Hörner ein; es hat ebenso drei Sätze, weist jedoch mit seiner barocken Orchester-Ritornelle in der Einleitung des ersten Satzes einen stärkeren Bezug zum vergangenen musikalischen Erbe auf – und so stellt sich plötzlich eine ungeahnte Verbindung zwischen zwei zeitlich und räumlich unterschiedlichen CD-Einspielungen (jedoch unter derselben musikalischen Leitung) ein. Das Cello spielt im zweiten Satz durchweg in hoher Lage, um im finalen Satz mit dem Orchester eine homophone Gesamtstruktur erklingen zu lassen.

Die Kunst und das Erleben

Eingespielt hat sie Hofstetter mit dem recreation Großes Orchester Graz und einer Solistin, die dafür nicht nur über das richtige Instrument verfügt, sondern auch mit der Musik des 18. Jahrhundert bestens vertraut ist: Natalie Clein, einer aus England stammenden und seit Jahren erfolgreich auf internationalen Bühne konzertierenden Cellistin, deren musikalischer Fokus durchaus die Musik des 18. Jahrhunderts in den Blick nimmt. Sie hat eigens für dieses Konzert Darmsaiten, anstelle der üblichen Stahlsaiten, auf ihrem 1777er Guadagnini-Cello aufziehen lassen. Auch benutzt Clein einen leichteren Bogen, um, wie sie schreibt, „die zeitgenössische Artikulation leichter zu erreichen“. Und sie setzt die Tradition, „Kadenzen in der Aufführung zu improvisieren“ fort, eine Praxis die zur Zeit Haydns Usus war und die für diese Aufnahme von ihr stammen und eine sogar „tatsächlich als Improvisation“ entstanden ist.

Das mitreißende Hörerlebnis rechtfertigt ihre Wahl, denn nicht nur entstand ihr Cello in jener Zeit, die im Rückblick als die epochemachende Wiener Klassik verstanden wurde, Clein vermag es diese musikalische vergangene Welt aufleben zu lassen, ohne den leisesten Hauch von „Antiquiertheit“. Im Gegenteil, ihr Cello (wie auch das Orchester) klingt geradezu jung und frisch, Haydns Musik ist es sowieso, sie lässt den Ton aufblühen, wie es die menschliche Stimme vermag, der ja bekanntlich das Cello am nächsten kommt. Eine Binsenwahrheit, deshalb jedoch nicht weniger wahr. Die Freude an der musikalischen Kunst Haydns wie auch dem gemeinsamen Musizieren kann man selbst beim Zuhören der CD nachempfinden. Dabei erweist sich Michael Hofstetter als ein Dirigent, der seinen Solisten – ob es sich um einen Sänger oder eine Cellospielerin handelt – Freiraum, Luft zur Entfaltung gibt und den Gesamtklang mit dem Orchester zur vollen Geltung bringt.

Joseph Haydn Gemälde aus 1791 von Thomas Hardy © Wikimedia Commons

Joseph Haydn Gemälde aus 1791 von Thomas Hardy © Wikimedia Commons

Abgerundet wird der Mitschnitt des Konzertes mit dem zweiten Satz von Haydns Symphonie Nr. 13 in D-Dur: „Adagio cantabile“. In diesem 1763 komponierten viersätzigen Orchesterwerk – es knüpft hervorragend an die beiden Cellokonzerte an – lässt Haydn im zweiten Satz ein Solo-Cello auftreten; vermutlich hat er es für den Cellisten und seinen Patensohn Joseph Weigl geschrieben. Natalie Clein erliegt nicht der Versuchung, falsche Sentimentalität oder übergroße Emotion zu beschwören, sie spielt nicht effekthaschend, stattdessen entfaltet sie den Ton langsam, lässt ihn sachte aufblühen, das Orchester bleibt dabei ein ebenso sachter und behutsamer Begleiter. Es verströmt ein positives Gefühl, diese Live-Aufnahme, den Applaus des Publikums, zu hören, in einer Zeit, in der das Live-Erlebnis gänzlich abhanden gekommen ist. Auch wenn man nicht dabei war, stellt sich bei einem das – schöne und schmerzlich vermisste – Gefühl ein, etwas von der Atmosphäre zu erahnen, die einem gelungen Konzertabend innewohnt.

Darstellende Kunst lebt vom Kontakt, dem Austausch mit dem Publikum – es ist das eigentliche Fundament, nur so kann Neues entstehen und Altes weitergeführt werden; nur so kann der Künstler, die Künstlerin, Fähigkeiten und Talente darbieten, sie im Zusammenspiel mit anderen, aber auch mit dem Publikum überprüfen und neue Möglichkeiten der Darstellung ausloten.

Darstellende Kunst entsteht durch das „als ob“, einer Behauptung, die, wenn sie gelingt, wie hier die Zeit Haydns oder eines Glucks und Händel hör- und erlebbar zu machen, zur Wahrheit gereift, jene auf dem Podium und jene im Publikum zu einer Einheit verschmelzen kann und sich das Gefühl einstellt, etwas Außerordentlichem beigewohnt zu haben. Und sie ist diejenige Kunstform, die den unmittelbaren Kontakt zur kulturellen Vergangenheit und die Brücke zur Zukunft schlägt – nur wenn wir das „Alte“ sehen und hören, können wir den künstlerischen, technischen und handwerklichen (nicht nur beim Instrumentenbau) Weg ermessen, der dafür zurückgelegt werden musste, um sich stetig weiter zu entwickeln; sie prosperiert nicht einfach im luftleeren Raum oder in den Weiten des Universums, sondern braucht die Reibung mit den jeweils vorhanden Rahmenbedingungen und Gegebenheiten. Kunst entsteht mit jeder Aufführung aufs Neue im Hier und Jetzt. Deshalb brauchen wir sie.

—| IOCO CD-Rezension |—

München, Bayerischer Rundfunk, Simon Rattle – Nachfolger von Mariss Jansons, IOCO Aktuell, 14.01.2021

Ulrich Wilhelm, BR Intendant und Simon Rattle bei Vertragsunterzeichnung © BR / Bayerischer Rundfunk

Ulrich Wilhelm, BR Intendant und Simon Rattle bei Vertragsunterzeichnung © BR / Bayerischer Rundfunk

Sir Simon Rattle – Neuer Chefdirigent von Chor und Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks

Vertrag ab Saison 2023/24 für fünf Jahre

Die Nachfolge von Mariss Jansons als Chefdirigent von Symphonieorchester und Chor des Bayerischen Rundfunks steht fest: Sir Simon Rattle wird ab der Konzertsaison 2023/24 die Leitung der beiden Ensembles übernehmen. Am 3. Januar 2021 hat er einen Fünfjahres-Vertrag mit dem Bayerischen Rundfunk unterzeichnet. Sir Simon, der derzeit Chefdirigent beim London Symphony Orchestra ist und zuvor in gleicher Funktion das City of Birmingham Symphony Orchestra und die Berliner Philharmoniker zu großen Erfolgen geführt hat, ist eine der musikalisch aussagekräftigsten Dirigentenpersönlichkeiten unserer Zeit. Während seiner gesamten Karriere stand Sir Simon stets für einen Geist der Offenheit, der Erneuerung und des Aufbruchs innerhalb der klassischen Musikwelt. Diese Qualitäten machten ihn noch mehr zum Wunschkandidaten der Musikerinnen und Musiker des Chors und Symphonieorchesters, die sich in einem überwältigenden Votum für ihn ausgesprochen haben.

 2021 – Simon Rattle – zu seiner Bestellung am BSRO
youtube Trailer Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks
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Ulrich Wilhelm, Intendant des Bayerischen Rundfunks:

Der Bayerische Rundfunk ist sehr glücklich, dass Sir Simon als neuer Chefdirigent nach München kommen wird. Mit seiner Leidenschaft, mit seiner künstlerischen Vielseitigkeit und mit seinem einnehmenden Charisma wird er ein überaus würdiger Nachfolger von Mariss Jansons sein. Unser Chor und unser Symphonieorchester freuen sich sehr darauf, mit ihm gemeinsam die künstlerische Konzeption für das neue Konzerthaus im Münchner Werksviertel Mitte zu entwickeln. So steht er wie kein anderer für neue Wege, Menschen für Musik zu begeistern. Ich empfinde dieses Engagement als wichtiges, zukunftsweisendes Signal, gerade in einer Zeit, in der die Kunst mit nicht für möglich gehaltenen Einschränkungen durch die Pandemie zu kämpfen hat.

Sir Simon Rattle:

Ich bin begeistert, die Position des Chefdirigenten von Chor und Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks anzunehmen. Es ist eine Ehre, die Nachfolge von Mariss Jansons anzutreten, und ich freue mich darauf, diese wunderbaren Musikerinnen und Musiker in den kommenden Jahren zu leiten.

Mit Beginn der Spielzeit 2023/24 wird der heute 65-Jährige nun das Amt des Chefdirigenten übernehmen.

Erste Begegnung mit dem Symphonieorchester vor 50 Jahren

Im Oktober 1970 erlebte der Teenager Simon in seiner Heimatstadt Liverpool Beethovens Neunte Symphonie, aufgeführt vom Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks unter der Leitung von Rafael Kubelík, während einer England-Tournee des Orchesters:

Sir Simon Rattle:

Dieses Konzert sollte mein Leben verändern. Mir war das BRSO schon vertraut, weil ich ein großer Kubelik-Fan war und einige Langspielplatten gekauft hatte. Aber dieser Auftritt des Orchesters in Liverpool hat einen so tiefen und bleibenden Eindruck auf mich gemacht – auf einen Teenager, der sich in den Kopf gesetzt hatte, Dirigent zu werden. Da war so eine starke Verbindung zwischen Dirigent und Musikern zu erleben: nicht nur strahlten sie pure Freude beim Spielen aus, es schien als würden hier alle gleichgesinnt und mit derselben Philosophie musizieren. Dieses Konzert wurde für mich zu einer Art Maßstab für etwas, das man als Musiker erreichen möchte. 

2015 – Simon Rattle probt Rheingold mit dem BSRO
youtube Trailer BR-Klassik
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Als ich im Jahr 2010, fast 40 Jahre später, selbst erstmals vor diesem Orchester stand und wir den von mir so geliebten Schumann spielten, habe ich genau diesen “Spirit” wieder gespürt – obwohl nur noch eine Handvoll Musiker von damals dabei waren. Kubelík hat einen Ton gesetzt, eine Atmosphäre geschaffen, in der unglaublich flexibel, kultiviert und liebevoll musiziert wird – und diese Qualitäten wurden von seinen großartigen Nachfolgern sogar noch verstärkt, ganz besonders von meinem Freund Mariss Jansons, der mir und uns allen so fehlt.

Wenn ich also meine Vorfreude auf die Zusammenarbeit mit diesen großartigen Ensembles, dem Orchester und dem Chor, zum Ausdruck bringe, möchte ich das nicht tun, ohne meine Dankbarkeit und meinen Respekt allen Musikerinnen und Musikern gegenüber auszusprechen, die hier in der Vergangenheit waren und für so eine künstlerische Wärme und so eine Menschlichkeit gesorgt haben. 
Die Menschen kommen und gehen, das Ethos aber bleibt.

Sein Debüt gab Sir Simon Rattle bei BR-Chor und BRSO im Jahr 2010 mit einer Aufführung von Schumanns „Das Paradies und die Peri“. Auf den Programmen der gemeinsamen Projekte seither standen unter anderem Wagners Opern Das Rheingold, siehe YouTube Trailer unten,  und Die Walküre sowie Mahlers Lied von der Erde diese Aufführungen wurden vom BR-Klassik-Label als CDs veröffentlicht. Aber auch bei der Interpretation von unter anderem Rameau, Haydn, Mozart und Ligeti fanden Sir Simon und die beiden Ensembles in den letzten Jahren zu einer gemeinsamen Sprache. Im kommenden März wird er am Pult des BRSO zwei Programme dirigieren: unter anderem die Uraufführung eines Werks von Ondrej Adámek, Georg Friedrich Haas‘ monumentale Komposition „in vain“ sowie Musik von Purcell, Haydn, Brahms, Strawinsky und Messiaen.

Sir Simon Rattle:

Aufbauend auf den wunderbaren Momenten des gemeinsamen Musizierens in den letzten zehn Jahren werden wir gemeinsam ein breites Spektrum an fantastischer Musik erkunden und Programme über viele Genres hinweg gestalten – sowohl für unser Live-Publikum in den Sälen als auch für die Zuschauer und Zuhörer der Medienkanäle des Bayerischen Rundfunks. Zu unseren Ambitionen gehören die Entwicklung der Kreativität des Orchesters mit der historischen Aufführungspraxis sowie der Aufbau engerer Verbindungen mit der Musica Viva-Reihe in der Stadt.

Vorstand des BRSO:

Wir sind hocherfreut, Sir Simon Rattle als neuen Chefdirigenten willkommen zu heißen. Selten gibt es zwischen Dirigent und Orchester von Anfang an ein so tiefes gegenseitiges, musikalisches Verständnis. Sir Simon verkörpert den Wunsch des Orchesters, die große musikalische Tradition des BRSO zu pflegen und mit unserer Leidenschaft für die Musik auf neuen Wegen immer mehr Menschen zu erreichen. Es ist uns ein Herzensanliegen, gemeinsam auf dem musikalischen Vermächtnis unseres verstorbenen Chefdirigenten Mariss Jansons aufzubauen und sein Lebensprojekt, das neue Konzerthaus München, zu realisieren und mit Leben zu füllen. Wir können es kaum erwarten, mit Simon als eine Einheit weiterhin das Musikleben zu prägen.

2016 – Eine Alpensinfonie mit Mariss Jansons
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Vorstand Chor des Bayerischen Rundfunk:

Mit Simon Rattle bekommen das Symphonieorchester und der Chor des Bayerischen Rundfunks einen Chefdirigenten, der nur als Glücksfall in der Nachfolge Mariss Jansons genannt werden kann! Unsere langjährige Zusammenarbeit zeichnet sich durch höchste musikalische Wärme und der für uns so wichtigen Hingabe an alle Musikstile und Epochen gleichermaßen aus. Die Atmosphäre war von Beginn an, mit Schumanns „Paradies und die Peri“, von großer gegenseitiger Wertschätzung geprägt. Wir freuen uns auf alle künftigen Projekte und Möglichkeiten, von der Barockmusik bis zur musica viva.

Innovative Projekte, neue Medien, große Experimentierfreude

Das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, kurz  BRSO, findet sich aber nicht nur in Sir Simons stilistischer Vielseitigkeit –  von Barock- bis zeitgenössischer Musik – wieder, es schätzt auch seine Innovationsfreude und seine gesellschaftliche Aufgeschlossenheit: Die Einrichtung der Digital Concert Hall der Berliner Philharmoniker, 2008 noch ein Vorreiter in Sachen Internet-Livestreams, fällt genauso in seine Ära als dortiger Chefdirigent wie die Präsentation von zahlreichen erfolgreichen und mehrfach ausgezeichneten Education-Projekten: Die Dokumentation „Rhythm is it“ über Musikvermittlung in „Problemschulen“ und gegen den Bildungsnotstand brachte Klassische Musik und die Musikförderung sogar in ausverkaufte Kinosäle. Erst im vergangenen Jahr engagierte sich Sir Simon federführend bei der Gründung der LSO East London Academy, an der Profi-Musikerinnen und -Musiker Jugendliche mit diversen Hintergründen unterrichten und fördern.

Gemeinsame Herausforderungen: Gesellschaftliche Teilhabe im Konzerthaus

Neben der musikalischen Arbeit freuen sich Sir Simon Rattle und das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks auf weitere gemeinsame Herausforderungen. Ihr Ziel, möglichst vielen Menschen in Bayern den Zugang zu Musik zu ermöglichen – gerade dann, wenn Herkunft und soziales Umfeld Hindernisse darstellen –, teilen sie mit dem Konzerthaus-Projekt des Freistaats im Münchner Werksviertel Mitte. Bei dessen Planung steht neben einem akustisch erstklassigen Saal vor allem auch eine adäquate Infrastruktur für Musikvermittlung und Education-Projekte im Mittelpunkt – es liegt Sir Simon und dem BRSO viel daran, sie mit größtmöglicher Breitenwirkung nutzbar zu machen.

Sir Simon Rattle:

Als Teil meiner neuen Rolle werde ich mich für das neue Konzerthaus in München einsetzen und dem Bayerischen Staat meine ganze Unterstützung anbieten, um dieses Projekt zu verwirklichen. Es wird dem BRSO das Arbeitsumfeld bieten, das es verdient, und für viele andere Musikerinnen und Musikern aus München, Bayern und darüber hinaus eine „Heimat“ sein. In der Zwischenzeit werden wir die Vermittlungsarbeit des Orchesters weiter ausbauen, sowohl im Werksviertel Mitte, wo der Saal entstehen wird, als auch in vielen anderen Gemeinden in ganz Bayern.

In einer Reihe mit großen Namen

Sir Simon Rattle wird der sechste Chefdirigent in der Geschichte des BRSO und damit Nachfolger von Eugen Jochum, Rafael Kubelík, Sir Colin Davis, Lorin Maazel und Mariss Jansons sein.

—| IOCO Aktuell BR |—

Bury St Edmunds, St Edmundsbury Cathedral, 2021 New Year greetings – Johann Sebastian Bach, IOCO Aktuell,

St Edmundsbury Cathedral in Bury St Edmund © St Edmundsbury Cathedral / Ph Banks

St Edmundsbury Cathedral in Bury St Edmund © St Edmundsbury Cathedral / Ph Banks

2021 New Year greetings –  from St. Edmundsbury Cathedral, England

for IOCO – for the Marienbasilika of Kevelaer – for all Mankind

von Janet Banks (IOCO correspondent UK)

St Edmundsbury Cathedral, in the town of Bury St Edmunds (one of 42 Cathedrals in England) is in the heart of the East of England, and serves the English County of Suffolk, home to one of England’s major container ports (Felixstowe), not far from Cambridge. Our Cathedral in Bury St. Edmunds is proud to be linked as Partnerstadt / Twin Town with the German Marienbasilika of Our Lady in Kevelaer, and despite the current distress of Brexit we remain determined to maintain our good relationships with our European friends and families. The Cathedral h at Bury St Edmunds was built in 1539, and completed with the construction of the tower in 2000 as a millennium project, partly funded by the EU. Situated next to the Abbey of Saint Edmund (closed and destroyed during the English Protestant Reformation, which took place early in the 16th century under King Henry VIII) music is central to our life, and we have kept alive this strong musical heritage even during the pandemic: Choral Evensong (similar to Vespers in Germany) is sung on most days of the week, maintaining a prayerful link with the monastic Benedictine tradition of former years. This daily rhythm of prayer is the heartbeat of the Cathedral community here, as we welcome visitors and pilgrims from all over the world. During the Covid pandemic we have provided on-line a short musical reflection each day and the organ piece. In the following you will hear one of these reflections, a composition of Johann Sebastian Bach.

J S Bach : BWV 615 – Das alte Jahr vergangen ist, BWV 614 & In dir ist Freude
youtube Kanal – St Edmundsbury Cathedral
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Ben Banks and the Tower of London © Ben Banks

Ben Banks and the Tower of London © Ben Banks

Ben Banks, Organ Scholar in the University of Oxford and member of the Royal College of Organists, is playing for  IOCO Kultur Community and  the Marienbasilika of Kevelaer  the hymns  Das alte Jahr vergangen ist, BWV 614 & In dir ist Freude, BWV 615 at St. Edmunsbury Cathedral. Ben Banks performs on the organ of the Cathedral in Bury St Edmunds, in the grounds of the ancient Benedictine Abbey and Pilgrimage place of St Edmund. A flagship organ built in 2010 by Harrisons of Durham (one of England’s premier organ builders), it has four manuals, 59 speaking stops and over 3,500 pipes.

The New Year hymn, “Das alte Jahr vergangen ist,” (The old year now hath passed away) and „In dir ist Freude“ (In thee is gladness) are the texts for the two JS Bach Chorales for New Year’s Eve and New Year’s Day.

Johann Sebastian Bach in Leipzig © IOCO - H Gallée

Johann Sebastian Bach in Leipzig © IOCO – H Gallée

Bachs New Year hymn, Das alte Jahr vergangen ist” (The old year now hath passed away) and „In dir ist Freude“ (In thee is gladness) are the texts for the two JS Bach Chorales for New Year’s Eve and New ,Year’s Day. The hymns are  taken from Johann Sebastian Bach´s Orgelbüchlein.

The Orgelbüchlein comprises a collection of forty-five chorales, BWV 599-644,  which Bach composed in the years 1712 to 1717.  During his second, almost ten year long employment from 1708 until 1717 in the service of the Weimar dukes, he worked as the court organist at the castle church, the so-called Himmelsburg, then castle of the count Wilhelm Ernst von Sachsen-Weimar (1662 – 1728).

In this second Weimar period Bach composed a large part of his organ oeuvre. With his promotion to Concert Master (Konzertmeister) in 1714, his very rich oeuvre of cantatas began to evolve, which later became an important foundation for his work in Leipzig as the Thomas Cantor. In Weimar over 30 cantatas were composed, along with many works for harpsichord solo (including the Chromatic Fantasy and Fugue for example), but also early versions of the Brandenburg Concertos and parts of the epoch-making partitas for violin solo (e.g. the famous “Chaconne” from the Partita in D minor).

St Edmundsbury Cathedral –  more YouTube videos –  click HERE!

As we reflect on the challenges and blessings of 2020, the strangest of covid-pandemic years, may we find strength, joy and peace in the year ahead. 
Performed on the organ of the Cathedral in Bury St Edmunds, the Cathedral of Suffolk in East Anglia, in the grounds of the ancient Benedictine Abbey and Pilgrimage place of St Edmund. A flagship organ built in 2010 by Harrisons of Durham (one of England’s premier organ builders), it has four manuals, 59 speaking stops and over 3,500 pipes.

Organ at St Edmundsbury Cathedral in Bury St Edmund © St Edmundsbury Cathedral / Ph Banks

Organ at St Edmundsbury Cathedral in Bury St Edmund © St Edmundsbury Cathedral / Ph Banks

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