Baden-Baden, Festspielhaus, Die Festspiele En Suite – Sommermusiken und Aha-Effekte, 18.07. – 30.08.2020

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Festspielhaus Baden – Baden

Festspielhaus Baden-Baden © Festspielhaus Baden-Baden

Festspielhaus Baden-Baden © Festspielhaus Baden-Baden

En suite – Die Festspiele Baden-Baden zu Gast in Hotels und dem Museum Frieder Burda

18. Juli bis 30. August 2020 – Beginn des Vorverkaufs am 1. Juli 2020, 10 Uhr unter www.festspielhaus.de

Die Festspiele Baden-Baden finden im Sommer 2020 in Hotels und dem Museum Frieder Burda statt. Unter dem Motto „En suite“ organisiert Intendant Benedikt Stampa mit und für Hotels ein Konzert-Programm mit internationalen Künstlerinnen und Künstlern sowie fest eingeplanten „Aha-Effekten“ vom 18. Juli bis zum 30. August 2020.

„Wer die Begriffe Baden-Baden, Musik und Hotels zusammenfügt, erzeugt angenehme Bilder in den Köpfen der Menschen“, so Stampa. Der Intendant möchte die durch die Corona-Pandemie erzwungene Spielpause auf diese angenehme Weise beenden. „Wir tasten uns langsam wieder an Live-Veranstaltungen heran – derzeit in kleinem Rahmen, der in Baden-Baden aber auch immer die Begriffe Sicherheit und Wohlergehen mitschwingen lässt“.

Festspielhaus Baden - Baden /  Antoine Tamestit à Paris en octobre 2016 © Julien Mignot / harmonia-mundi

Festspielhaus Baden – Baden /
Antoine Tamestit à Paris en octobre 2016 © Julien Mignot / harmonia-mundi

Das „En suite“-Festival begrüßt Solistinnen und Solisten wie den französischen Ausnahme-Bratschisten Antoine Tamestit, ein Streich-Trio um den gefeierten österreichischen Geiger Emmanuel Tjeknavorian, die in Baden lebende russische Pianistin Anna Zassimova sowie die international gefeierten Ensembles delian::quartett und das Schumann-Quartett.

Spielorte sind der Maler-Saal des Hotels Maison Messmer, die Orangerie des Brenners Park Hotel sowie das Museum Frieder Burda (in Zusammenarbeit mit dem Hotel „Kleiner Prinz“).

Festspielhaus Baden - Baden / SchumannQuartett © Kaupo Kikkas

Festspielhaus Baden – Baden / SchumannQuartett © Kaupo Kikkas

Die etwa einstündigen Konzerte sind immer mit Erläuterungen zur Musik verbunden. Einige Künstler sprechen selbst über ihre Programme. So setzt die Pianistin und Kunsthistorikerin Anna Zassimova bildende Kunst und Musik zueinander in Beziehung. Zu den Konzerten von Antoine Tamestit, des Trios um Emmanuel Tjeknavorian und des Schumann Quartetts hält Festspielhaus-Dozent Dariusz Szymanski Einführungen.

Der Ferrari der Stradivaris

Den Auftakt des „En Suite“ Festivals macht im Malersaal des Hotels Maison Messmer der international als einer der einzigartigsten Bratschisten Antoine Tamestit. In seinen Konzerten am Samstag 18. Juli, 16 Uhr, und Sonntag 19. Juli, 11 Uhr, stellt er auf reizvolle Weise Werke Johann Sebastian Bachs mit denen seines Zeitgenossen Georg Philip Telemann gegenüber. Festspielhausdozent Dariusz Symanzski wird kurz in das Konzert einführen. Sowohl als Solist, Rezitalist und Kammermusiker ist Antoine Tamestist für seine unübertroffene Technik und die vielgerühmte Schönheit seines farbenreichen Bratschentons bekannt und er erhielt zahlreiche Auszeichnungen bei renommierten Instrumentalwettbewerben, wie bei den New Yorker Young Concert Artists Auditions und dem Internationalen Musikwettbewerb der ARD. Auch sein Instrument ist einzigartig: Antoine Tamestist spielt die vielleicht wertvollste Viola der Welt: Er konzertiert auf der 1672 von Stradivari gebaute „Mahler“-Bratsche, die vermutlich erste Viola, die von Stradivari stammt.

Festspielhaus Baden - Baden / Schumann Quartett © Kaupo Kikkas

Festspielhaus Baden – Baden / Schumann Quartett © Kaupo Kikkas

Roll over Beethoven

Das darauffolgende Wochenende, 25. und 26. Juli, steht ganz im Zeichen des Jubilars des Musikjahres 2020: Ludwig van Beethoven. Nachdem das Schumann Quartett im Festspielhaus im Januar das Baden-Badener Publikum begeisterte, darf man sich nun auf ihr Konzert im Museum Frieder Burda freuen. Seit ihrer frühesten Kindheit spielen die drei im Rheinland großgewordenen Brüder Mark, Erik und Ken Schumann zusammen. 2012 ist die in Tallinn geborene und in Karlsruhe aufgewachsene Liisa Randalu als Bratschistin dazu gekommen. Die Vier genießen die nonverbale Kommunikation beim Musizieren: Ihre unterschiedlichen Persönlichkeiten treten dabei deutlicher hervor, und gleichzeitig entsteht mit jedem Werk, das sie interpretieren, ein gemeinsamer musikalischer Raum, findet eine geistige Metamorphose statt, zu erleben diesmal im Museum Frieder Burda. Ihre Einspielungen sind mehrfach preisgekrönt, so wurde ihr 2017 erschienenes Album „Landscapes“ mit 5 Diapasons ausgezeichnet, war Editor’s choice beim BBC Music Magazine und gewann den Jahrespreis der deutschen Schallplattenkritik. Ihr aktuelles Album „Intermezzo“ wurde mit dem OPUS Klassik 2019 in der Kategorie „Kammermusikeinspielung des Jahres“ ausgezeichnet.

Festspielhaus Baden - Baden /  Anna Zassimova © Victoria Page

Festspielhaus Baden – Baden /
Anna Zassimova © Victoria Page

Terra Ikognita

Im Jahr 2017 debütierte Anna Zassimova beim Klavier-Festival Ruhr und hinterließ einen großartigen Eindruck. Die gebürtige Moskauerin, die zugleich Kunsthistorikerin und promovierte Musikwissenschaftlerin ist, hat sich als Meisterin im Heben pianistischer Schätze erwiesen. Besonders die Wiederentdeckung des russisch-französischen Komponisten Georges Catoire ist eng mit ihrem Namen verknüpft. Anna Zassimova, die inzwischen an der Musikhochschule in Karlsruhe unterrichtet, gilt außerdem als herausragende Chopin-Interpretin. Ihre Konzerte am Samstag 8. und Sonntag 9. August im Rahmen des „En suite“-Festivals in der Orangerie des Brenners Hotel soll die Zuhörer in die ferne „Terra Inkognita“ der Komponisten- und Maler-Bohème des Jugendstil- und Fin de siècle der Russischen Kunst entführen. Dabei wird die Bildende Kunst in einen Dialog mit der Musik eintreten, um den Parallelen dieser Schwesterkünste nachzuspüren. Beispielhaft stehen für diese Entwicklung die moderne atonale Aufbaustruktur und die dichten Harmonien von Nikolai Roslawez oder die Sonate von Nikolaj Medtner, in der die traditionellen harmonischen Prinzipien des Komponierens in erlesenster Form ausgearbeitet sind. In der Bildenden Kunst werden vergleichbare Entwicklungen sowohl in den mystischen Bildern von Michail Wrubel vorgestellt als auch in den märchenhaften Motiven von Alexander Benois oder in den poetisierten Darstellungen der russischen Natur von Isaak Levitan. Eine Veranstaltung, die den Besucher über das Hören und Sehen zu einer außergewöhnlichen Wahrnehmung einlädt.

Festspielhaus Baden - Baden /   AUSTRIA - Emmanuel Tjeknavorian / © Julia Wesely

Festspielhaus Baden – Baden /
AUSTRIA – Emmanuel Tjeknavorian / © Julia Wesely

Der „Klassik-Tjek“ hoch Drei

Emmanuel Tjeknavorian gilt als einer der gefragtesten jungen Geiger unserer Zeit. Im Festspielhaus Baden-Baden feierte er einen traumhaften Einstand mit dem Violinkonzert von Jean Sibelius unter der Leitung von Riccardo Chailly. In einer Festspiel-Matinee begeisterte er das Publikum im Museum Frieder Burda. Gemeinsam mit Benedict Mitterbauer (Bratsche) und Jeremias Fliedl (Cello) spielt der Geiger mit der eigenen Radio-Sendung beim ORF („Der Klassik-Tjek“) im Rahmen des Baden-Badener „En-Suite“-Festival im Malersaal des Hotels Maison Messmer am 15. und 16. August das Streichtrio Op. 3 von Ludwig van Beethoven sowie Dohnanyis Serenade für Streichtrio.

Festspielhaus Baden - Baden / Delian Quartett © Julia Wesely

Festspielhaus Baden – Baden /
Delian Quartett © Julia Wesely

Kulturbotschafter bis Afrika

Bereits im Jahr seiner Gründung 2007 öffneten sich dem delian::quartett die Türen der großen Häuser und bedeutenden Festspiele. Das Echo auf jene ersten Konzerte katapultierte es praktisch über Nacht mitten in die internationale Konzertwelt. Das Debüt des delian::quartetts 2009 in der Berliner Philharmonie entfachte wahre Begeisterungsstürme und wurde schon nach dem Eröffnungsstück mit stehenden Ovationen aufgenommen. Seither verzeichnet das Ensemble von Publikum und Presse gleichermaßen gefeierte Auftritte in ganz Europa und – als Kulturbotschafter des Goethe-Instituts – bis nach Afrika. Für das Baden-Badener „En suite-Festival“ bereiten Adrian Pinzaru (Violine), Andreas Moscho (Violine), Lara Albesano (Viola) und Hendrik Blumenroth (Violoncello) zwei verschiedene Programme vor: Am Samstag, 29. August 2020 um 16 Uhr stehen Werke von Schostakowitsch, Schnittke und Haydn auf dem Programm. Am Sonntag, 30. August um 11 Uhr entführen die Musikerinnen und Musiker musikalisch auch nach England, wenn Sie Werke von Byrd und Purcell neben Haydns Streichquartett Op. 33 No. 2 „Der Witz“ stellen und damit das kleine Sommerfestival beenden. Die Mitglieder des delian::quartetts moderieren ihre Konzerte selbst.

Weitere Informationen und Tickets (ab 1.Juli): www.festspielhaus.de

Persönliche Beratung und Reservierungen: Tel. 07221 / 30 13 101


En Suite – Sommermusiken und Aha-Effekte

Die Festspiele Baden-Baden zu Gast in den Hotels und Museen der Stadt

18. Juli bis 30. August 2020


Samstag, 18.07.2020, 16 Uhr
Maison Messmer Malersaal
Antoine Tamestit
Telemann, Fantasia Nr. 2 C-Dur (Original für Violine: G-Dur), Bach, Cello-Suite Nr. 2 d-Moll, Telemann, Fantasia Nr. 1 Es-Dur (Original für Violine: B-Dur) und Bach, Cello-Suite Nr. 1 G-Dur


Sonntag, 19.07.2020, 11 Uhr
Maison Messmer Malersaal
Antoine Tamestit
Telemann, Fantasia Nr. 2 C-Dur (Original für Violine: G-Dur); Bach, Cello-Suite Nr. 2 d-Moll, Telemann, Fantasia Nr. 1 Es-Dur (Original für Violine: B-Dur)
Bach, Cello-Suite Nr. 1 G-Dur


Samstag, 25.07.2020, 19:30 Uhr
Museum Frieder Burda  – in Kooperation mit dem Hotel Der Kleine Prinz Schumann Quartett
Beethoven, Streichquartett Nr. 3 D-Dur op. 18/3, Beethoven, Streichquartett Nr. 14 cis-Moll op. 131


Sonntag, 26.07.2020; 19:30 Uhr
Museum Frieder Burda  – in Kooperation mit dem Hotel Der Kleine Prinz
Schumann Quartett
Haydn, Streichquartett B-Dur op.1/1 „La chasse“ (Jagdquartett), Beethoven, Streichquartett Nr. 7 F-Dur op. 59/1 „Rasumowsky“


Samstag, 08.08.2020, 17 Uhr
Brenners Hotel, Orangerie
Anna Zassimova
Wassili Kalinnikow, Elégie, Georgy Catoire, Quatre Préludes op. 17, Alexander Skrjabin, Deux Poèmes op. 32, Nikolai Roslawez, Cinque Préludes, Nikolai Medtner, Sonata-Reminiscenza o (Nr. 1 aus: Vergessene Weisen op. 38)
In Verbindung mit bildender Kunst


Sonntag, 09.08.2020, 11 Uhr
Brenners Hotel, Orangerie
Anna Zassimova
Brahms, Fantasien op. 116 , Robert Schumann, Arabeske op. 18, Clara Schumann, Romanze op. 21/1, Liszt, Consolations Nr. 1-3, Chopin, Polonaise, Fantaisie As-Dur op. 61


Samstag, 15.08.2020, 18 Uhr
Maison Messmer, Malersaal
Emmanuel Tjeknavorian, Benedict Mitterbauer Jeremias Fliedl
Dohnanyi, Serenade C-Dur op. 10 für Streichtrio; Beethoven, Streichtrio Es-Dur op. 3


Sonntag, 16.08.2020, 11 Uhr
Maison Messmer, Malersaal
Emmanuel Tjeknavorian, Benedict Mitterbauer Jeremias Fliedl
Schnittke, Polka (Fassung für Streichquartett), Haydn, Streichquartett G-Dur op. 77/1


Samstag, 29.08. 2020,
Brenners Hotel, Orangerie
delian:.quartett
Schostakowitsch, „Theater-Suite“ für Streichquartett aus den Bühnenmusiken op. 32 zu Shakespeares „Hamlet“ und op. 37 zu „Die menschliche Komödie“ nach Balzac, Schnittke, Polka (Fassung für Streichquartett), Haydn, Streichquartett G-Dur op. 77/1


Sonntag, 30.08.2020, 11 Uhr
Brenners Hotel, Orangerie
delian:.quartett
William Byrd „Sing joyfully“ aus Cathedral Music, Volume 2, p. 34 in der Fassung für Streichquartett, „Ave verum corpus“ aus Gradualia I, no. 37 in der Fassung für Streichquartett, Henry Purcell Fantazias Nr. 6 und Nr. 10, Pavane g-Moll in der Fassung für Streichquartett, Klage der Dido „When I am laid in Earth” aus „Dido und Aeneas” in der Fassung für Streichquartett, Chaconne g-Moll in der Fassung für Streichquartett,Joseph Haydn Streichquartett Es-Dur op. 33 Nr. 2 Hob. III: 38 „Der Witz“


Weitere Informationen und Tickets: www.festspielhaus.de
Persönliche Beratung und Reservierungen: Tel. 07221 / 30 13 101

—| Pressemeldung Festspielhaus Baden-Baden |—

Dresden, Staatskapelle Dresden, AUFKLANG! – Eröffnung Zwischensaison, IOCO Kritik, 30.06.2020

Juni 29, 2020  
Veröffentlicht unter Hervorheben, Konzert, Kritiken, SemperOper

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Sächsische Staatskapelle Dresden

Semperoper

Semperoper © Matthias Creutziger

Semperoper © Matthias Creutziger

AUFKLANG!  –  Staatskapelle Dresden  in der Semperoper

 Purcell, Mendelssohn, Wolf, Haydn  –  380 Besucher

von Thomas Thielemann

Am 27 Juni 2020 begann die Sächsische Staatskapelle Dresden ihre Aufklang! – Zwischensaison mit einem „Außerordentlichem Aufführungsabend“ im Semperbau. Durch die Corona bedingten  Umstände fand das Konzert vor nur etwa 380 Hörern im Rahmen der orchestereigenen Kammermusik statt. Geboten wurden Kompositionen von Henry Purcell, Hugo Wolf; Felix Mendelssohn Bartholdy und Joseph Haydn. Die Musikalische Leitung des Abends hatte der seit 1999 Erste Konzertmeister der Staatskapelle, Matthias Wollong inne.

Von 1972 bis 1996 arrangierte der legendäre Kanadische Trompeter William Frederick Mills (1935-2009) für das Blechbläserensemble Canadian Brass neben weit über hundert anderer Werke auch Henry Purcells (1659-1695) „Sonate für Trompete, Streicher und Basso continuo D-Dur“ ( Zimmermann-Verzeichnis Nr. 850).

Als Purcell die Vorlage komponierte, lebte er am Hofe der englischen Queen Mary II. In offenbar entspannter Atmosphäre schmachtete der Komponist die 32-jährige Königin „mit betonter Liebe gearbeiteter“ Geburtstagskantate und zahlreichen Songs an. In diesem Umfeld dürfte auch die Sonate mit ihrer beeindruckenden Leichtigkeit entstanden sein.

Entsprechend locker entledigten sich der Solotrompeter der Staatskapelle, Mathias Schmutzler, und die Stipendiatin Giuseppe-Sinopoli– Akademie Henrike Genieser der Aufgabe, die einfallsreiche Musik mit der Unterstützung von Horn, Posaune und Tuba zu Gehör zu bringen. Nur etwa fünf Minuten benötigten sie, das Auditorium mit zunächst ruhigen und dann mit zunehmendem Tempo in das Konzert einzustimmen. Die Forschung vermutet, dass die Sonate eine Umarbeitung des Komponisten seiner verschollenen Ode Light of the World  ist.

Staatskapelle Dresden / AUFKLANG! in der Semperoper © Markenfotografie

Staatskapelle Dresden / AUFKLANG! hier die Staatskapelle in der Semperoper © Markenfotografie

Als Musikkritiker hatte sich Hugo Wolf (1860-1903) mit der harten Ablehnung der Musik Johannes Brahms nicht nur Freunde gemacht. So musste er erleben, dass 1886 Hans Richter und die Wiener Philharmoniker seine sinfonische Ouvertüre Pentheselia auslachten und mit der Bemerkung, dass, wer solche Musik schaffe, nicht das Recht habe „Meister Brahms zu attackieren“, ablehnten.

Wolf beendete deshalb seine Kritikertätigkeit und wagte den Neuanfang als Instrumentalkomponist. Innerhalb kurzer Zeit schuf er Anfang 1887 mit seinem Molto-vivo-Streichquartett einen „leichtfüßigen und delikaten Serenaden-Satz“, die italienische Serenade. 1892 entstand daraus die im Konzert gespielte Bearbeitung für Streichorchester. Eigentlich wollte Wolf diese Fassung mit weiteren Sätzen ergänzen. Aber es existieren nur die Entwürfe zu einem langsamen Satz und einer Tarantella.

Streicher der Staatskapelle spielten das kurze charmante Werk wunderbar spritzig. Technisches Können gepaart mit unbeschwerter Leichtigkeit, aber auch mit raffinierten Untertönen, begeisterte. Besonders beeindruckte das Cello-Soloständchen.

Staatskapelle Dresden / AUFKLANG! in der Semperoper © Markenfotografie

Staatskapelle Dresden / AUFKLANG! in der Semperoper © Markenfotografie

Die Kunst seines Geigenlehrers Eduard Ritz (1802-1832) und die Musik Johann Sebastian Bachs regten den 13-jährigen Felix Mendelssohn  (1809-1842) an, ein d-Moll-Konzert für Violine und Streichorchester zu komponieren. Die Komposition war vermutlich zum 20. Geburtstag des älteren Freundes Ritz für ein Hauskonzert der Mendelssohns geschrieben. Die Tiefe und Romantik, die scharfen Kontraste und die Beherrschung des musikalischen Handwerkszeugs haben dem Geniestreich nach der erst 1951 erfolgten Wiederbelebung der Komposition durch Sir Yehudi Menuhin die Position MWV O3 im neuen Mendelssohn-Werkverzeichnis verschafft.

Trotz der weitgehenden Eingrenzung auf die klassischen Formen der Vorbilder hat sich die Komposition dank der jugendlichen Frische  für das Podium von Streich- und Kammerorchestern erhalten. Im Konzert wurde die unter dem Ritz-Einfluss mit dem 3. Satz ergänzte Fassung geboten.

Mit seiner Guarneri-Violine aus dem Jahre 1676 Übernahm Matthias Wollong auch den Solopart des d-Moll-Konzerts. Andreas Guarneri (um 1626-1698) steht wegen seines Anfangs als Gehilfe von Nicola Amati und seiner Lehre bei Antonio Stradivari zu Unrecht im Schatten dieser Cremonenser Meister, zählen doch seine Bratschen inzwischen zu den begehrtesten Instrumenten.

Mit geigerischer Brillanz gelang Matthias Wollong die Gratwanderung zwischen der zuweilen naiv anmutenden Schlichtheit der Komposition und der tiefergehenden Empathie des musikalischen Ausdrucks.

Staatskapelle Dresden / AUFKLANG! hier Dirigent Matthias Wollong © Markenfotografie

Staatskapelle Dresden / AUFKLANG! hier Dirigent Matthias Wollong © Markenfotografie

Dem Solisten zur Seite standen hervorragende Streicher der Staatskapelle Dresden. Der Kopfsatz mit Bachschen Rhythmen lebt von der mehrfachen Wiederholung der Themen. Trotzdem gelang es der Solovioline, das Klangbild zusammen zuhalten. Im lyrischen Andante konnten sich die Agierenden  vollkommen auf den Mendelssohnschen Klangzauber einlassen und im Schluss-Satz mit ihrer Begeisterung der „glühenden, jugendfrischen Heiterkeit“ des Komponisten Ausdruck verleihen.

Bereitet man sich auf ein Konzert mit Joseph Haydns (1732-1809) vermutlich 1773 komponierten Symphonie Nr. 64 A-Dur Hobokenverzeichnis I:64 vor, so stolpert man zwangsläufig über deren Beinamen „Tempora mutantur = die Zeiten ändern sich“. Die Beschriftung des Umschlags mit einem Epigramm des englischen Schriftstellers John Owen (um 1564-1622), in den eine Partitur Abschrift der 64. Haydn-Symphonie offenbar zufällig geraten war, hatte zu dieser Benennung geführt. Aber selbst mit dem Schluss-Satz der Sinfonie lässt sich kein rechter Zusammenhang mit dem ihr aufgedrückten Namen herstellen.

Haydn, angestellter Kapellmeister beim Fürsten Nikolaus I. Esterházy, musste noch die Aufmerksamkeit seines Publikums mit einem harschen Beginn seiner Sinfonien mit einem „Allegro spirito“ wecken. Mit seinem ausgehungerten Publikum musste aber Matthias Wollong nicht grob umgehen.

Er konnt die kontrastreiche Partitur mit ihrer emotionalen Lebendigkeit, den heutigen Höhrgewohnheiten weitgehend angepasst, bieten. Die lockere Natürlichkeit im Musizieren und die Detail- und Ausdrucksbesessenheit schlossen sich bei der Interpretation nicht aus. Die Besonderheiten der Partitur blieben deutlich, ohne dass der Charme des Werkes dafür geopfert war.

Das brilliante, aus 26 Musikern bestehende Ensemble der Staatskapelle wurde vom überschaubaren Publikum mit heftig stürmischem Beifall gefeiert.

—| IOCO Kritik Semperoper Dresden |—

Dresden, Kulturpalast, Haydn und Beethoven – Gegen Corona, IOCO Kritik, 20.06.2020

Juni 20, 2020  
Veröffentlicht unter Hervorheben, Konzert, Kritiken, Kulturpalast

Kulturpalast Dresden © Nikolaj Lund

Kulturpalast Dresden © Nikolaj Lund

Kulturpalast Dresden

Haydn und Beethoven – Gemeinsam gegen das CORONA-Virus

Dresdner Philharmonie und das Ébène-Quartett

von Thomas Thielemann

Die in Sachsen verbindlichen Regelungen und ein kluges Hygienekonzept ermöglichte der Dresdner Philharmonie jeweils 498 Besucher für öffentliche Veranstaltungen in den Konzertsaal des Kulturpalastes einzuladen. Einhaltung der Abstandsregeln, ein rigides Einlass-System, Tragen von Mund- und Nasenbedeckung bis zum Erreichen des zugewiesenen Sitzplatzes, dazu eine intensive Raumbelüftung und Desinfektionsmaßnahmen erlauben fast dreißig Prozent der 1.700 Plätze für ein einstündiges Konzert ohne Pause zu besetzen.

Kulturpalast Dresden / Haydn, Beethoven und Dresdner Philharmonie zu Corona Zeiten @ Björn Kadenbach

Kulturpalast Dresden / Haydn, Beethoven und Dresdner Philharmonie zu Corona Zeiten @ Björn Kadenbach

Da für die Besetzung der 210 m² Bühnenfläche natürlich auch die Grundsätze der Abstandshaltung einzuhalten waren, wählte Marek Janowski für den ersten Teil des Konzertes ein Orchesterstück mit nach heutigen Üblichkeiten kleinerer Besetzung, Joseph Haydns Sinfonie Nr. 99 in Es-Dur aus dem Jahre 1793, aus. Zwölf Bläser, einunddreißig Streicher und ein Pauker hatten auf dem Podium in gebührendem Abstand Platz genommen. Hatte Haydn die Uraufführung 1794 in London noch vom Cembalo geleitet, so sorgte trotz der gewöhnungsbedürftigen Sitzordnung der Musiker Chefdirigent Marek Janowski mit seinem engagierten Dirigat für ein ausgewogenes Klangbild, auch wenn sich das Blech gelegentlich etwas vorwagte. Ansonsten, bei aller Betonung der wirbelnden Figuren und der charakteristischen Leichtigkeit der Symphonie, betonte Janowski deren Nähe zum Streichquartett. Die Streicher waren die maßgeblichen Träger des Geschehens und gaben mit ihrem ständigen Einsatz den Ton an, während die übrigen Instrumente für die Fülle und Vollständigkeit des Klangbildes sorgten.

Die Betonung von Kontrasten, der Blick auf Details und das deutliche Modellieren waren Kennzeichen der Interpretation Janowskis. Die schnellen Sätze waren überzeugend, vor allem das finale Presto gelang brillant. Dazu kam die Spielfreude der Musiker, die insbesondere im Finale ihre Erleichterung, dass „es endlich wieder losgeht“, spüren lassen.

Der Klangunterschied im nur knapp zu einem Drittel besetzten Saal war natürlich zu hören, so dass zumindest für mich der vom Akustikbüro Peutz ausgewiesene geringe Unterschied des mittleren Nachhalls von leerem und vollbesetztem Konzertsaal nicht zum Tragen kam. Das war insbesondere bei den Ovationen spürbar.

Kulturpalast Dresden / Haydn, Beethoven und Marek Janowski @ Björn Kadenbach

Kulturpalast Dresden / Haydn, Beethoven und Marek Janowski @ Björn Kadenbach

Dem Spätwerk Joseph Haydns (1732-1809) folgte mit dem Streichquartett  Nr. 2 G-Dur op. 18 /2 von 1799 ein Frühwerk Ludwig van Beethovens (1770-1827).

Als Gastensemble war das für sein breites Repertoire bekannte Quatuor Ébène, zu Deutsch „Ebenholzquartett“, aus Frankreich eingeladen worden. Die Violinisten Pierre Colombet und Gabriel Le Magadure, die Bratschistin Marie Chilemme sowie der Cellist Raphaël Merlin sind mit ihrem Repertoire aus klassischer und zeitgenössischer Musik bis zum Jazz bekannt geworden. Damit sorgten sie in der Musikszene zu nachhaltiger Aufregung. Mit ihrem unvoreingenommenem Blick auf die Werke, mit ihrer Lust zwischen den Stilen zu wechseln, ohne dabei Demut und Respekt zu vergessen, begeistern sie ihr Publikum.

Das als zweites aus Beethovens Streichkonzert-Zyklus Opus 18, bekannte Werk, steht noch ganz in der Tradition seiner Vorbilder Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791) und vor allem Joseph Haydn. Das G-Dur-Quartett, wegen seines Hauptthemas auch „Komplementier-Quartett“ genannt, bietet mit seinem Finalsatz Bezüge zu Haydns G-Dur-Streichquartett op. 77,1 aus dem gleichen Entstehungsjahr. Es ist damit durchaus als Verbeugung des jungen Komponisten vor dem Altmeister zu verstehen.

Die Musiker des Quatuor Ébène spielten das viersätzige Werk taufrisch mit Brisanz und Unbedingtheit, als wäre es gerade erst entstanden. Die Details waren gestochen scharf und ließen feinste Schattierungen  zur Geltung bringen. Dabei gelang es, das Geschehen energiegeladen, expressiv, spannend zu halten und wirkungsvolle Überraschungen zu gestalten.

Das Allegro kam noch ziemlich verspielt und durchsichtigt, während die Darbietung des langsamen Satzes sich vor allem durch seine Prägnanz und der Partien der Einzelstimmen auszeichnete. Mit dem Scherzo boten die vier Musiker Überraschungsmomente mit zum Teil grenzwertigen Wirkungen. Auch die Darbietung des Schluss-Satzes „Allegro molto quasi Presto“ war von Reibungen und einer guten Portion Übermut gekennzeichnet.

Für die schwache Besetzung des Konzertraumes war der Beifall frenetisch. Mir hat die Mut machende Veranstaltung mit dem einfallsreichen Konzept und der straffen Organisation ausgezeichnet gut gefallen.

—| IOCO Kritik Kulturpalast Dresden |—

Essen, Philharmonie Essen, Camilla Nylund – Liederabend, 22.06.2020

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Philharmonie Essen

Philharmonie Essen © Bernadette Grimmenstein

Philharmonie Essen © Bernadette Grimmenstein

Frauenliebe und Frauenleben

Liederabend mit Sopranistin Camilla Nylund

Montag, 22. Juni 2020 – Philharmonie Essen

Wiener Staatsoper, Royal Opera House London, Bayreuther und Salzburger Festspiele – das sind nur einige der Adressen, an denen Camilla Nylund regelmäßig auftritt. Am Montag, 22. Juni 2020, um 20 Uhr ist die finnische Sopranistin jetzt mit einem Liederabend in der Philharmonie Essen zu erleben. Gemeinsam mit dem renommierten Pianisten Helmut Deutsch interpretiert sie Robert Schumanns ZyklusFrauenliebe und -leben“ sowie Lieder von Jean Sibelius und Richard Strauss.

Philharmonie Essen / Camilla Nylund © www.annas-foto

Philharmonie Essen / Camilla Nylund © www.annas-foto

Camilla Nylund gilt weltweit als eine der führenden lyrisch-dramatischen Soprane, zu ihren Paraderollen gehören Salome, Elisabeth („Tannhäuser“), Elsa („Lohengrin“) und Leonore („Fidelio“). Aber auch auf den großen Konzertpodien ist ihre Stimme gefragt, etwa in Beethovens 9. Sinfonie mit Daniel Barenboim in Chicago oder Sir Simon Rattle in Berlin.

Dem Pianisten Helmut Deutsch widmet die Philharmonie Essen in dieser Spielzeit ein eigenes Künstlerporträt. Als einer der international anerkanntesten Liedbegleiter trat er im Alfried Krupp Saal bereits mit Violeta Urmana und Michael Volle auf. Im Februar 2018 brachte er hier gemeinsam mit Diana Damrau und Jonas Kaufmann Hugo Wolfs „Italienisches Liederbuch“ zur Aufführung, das als Live-Aufnahme inzwischen auf CD veröffentlicht wurde.

Karten (€ 33,00) unter Tel. 0201 / 81 22-200, tickets@theater-essen.de sowie an der Kasse des Aalto-Theaters (Di-Sa 13:00-18:00 Uhr). Die Veranstaltungskasse öffnet 90 Minuten vor Konzertbeginn. Ein Online-Kauf ist derzeit nicht möglich.

—| Pressemeldung Philharmonie Essen |—

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