Kassel, Staatstheater Kassel, Premiere Anfang und Ende – B.A.C.H. 61, 29.01.2019

Dezember 12, 2018  
Veröffentlicht unter Konzert, Premieren, Pressemeldung, Staatstheater Kassel

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Staatstheater Kassel

Staatstheater Kassel © N. Klinger

Staatstheater Kassel © N. Klinger

Musiktheater-Premiere

Anfang und Ende – B.A.C.H. 61

Eine szenische Reise mit Kirchenkantaten von Johann Sebastian Bach

Musikalische Leitung, Orgel & Cembalo: Jörg Halubek, Inszenierung und Choreografie sowie Bühne: Aniara Amos, Kostüme: Sarah Julia Rolke, Videorealisation: Thomas Zipf, Dramaturgie: Ursula Benzing, Choreinstudierung: Marco Zeiser Celesti

Mit Elizabeth Bailey (Sopran), Marta Herman (Mezzosopran/Alt), Karola Sophia Schmid (Sopran), Younggi Moses Do (Tenor), Daniel Holzhauser (Bass), Dhimas Aryo Satwiko (Tänzer), Staatsorchester Kassel, Opernchor des Staatstheaters Kassel

Premiere: Samstag, 26. Januar, 19.30 Uhr, Opernhaus

Nächste Vorstellungen: 30. Januar, 2. Februar, 8, Februar, 7. März, 20. März

»Nicht Bach, sondern Meer müsste er heißen«, begeisterte sich Beethoven, Wagner empfand ihn als »das wunderbarste Rätsel aller Zeiten«, und Max Reger begriff ihn als eine Personifizierung der Musik schlechthin, als »Anfang und Ende aller Musik.«

Mit einem ungeheuren Gespür für alles musikalische Material stellte sich Johann Sebastian Bach immer neuen Herausforderungen und verband in seinem unverkennbaren Personalstil bruchlos alte Stilmittel mit der neuen Musik seiner Zeit.

Zentrum seines Werkes bildet die Kirchenmusik: In seiner Zeit als Thomaskantor in Leipzig schuf Bach vor allem Kantaten für jeden Sonntag des Kirchenjahres. Immer folgte er dabei dem Credo, »bey jedem Takt einen anderen Affekt« zu komponieren.

Der außergewöhnliche Musiktheater-Abend »Anfang und Ende – B.A.C.H.61« erweitert dies zu einer szenischen Version: Regisseurin Aniara Amos inszeniert sechs von Bachs Kirchen-Kantaten als musikalisch-ästhetische Reise, die vom Dunkel ins Licht und vom Anfang und Ende eines Jeden erzählt.

Sind Bachs Kantaten auch für einen liturgischen Kontext geschrieben, so offenbart sich in ihnen doch auf einzigartige Weise das Wesen des Menschseins in seiner ganzen Komplexität. Auch in Aniara Amos‘ Inszenierung wird es um den Menschen als Individuum wie auch um die Menschheit als Kollektiv gehen – mit ihren immer wieder neuen Verfehlungen und Hoffnungen, von Gewalt bis zu Liebe.

Der Titel des Abends ist auch inspiriert von Bachs Vorliebe für Zahlenspiele: 61 ist die Quersumme der ausgewählten Kantaten-Nummern  52, 27, 26, 146, 187 und 172.

Die in Chile geborene Regisseurin, Bühnenbildnerin und Choreografin Aniara Amos studierte Tanz an der Staatlichen Balletthochschule in Mannheim, woran sich eine internationale Karriere als Tänzerin anschloss. In Berlin studierte sie zudem Angewandte Musikwissenschaft und Philosophie an der Humboldt-Universität, Bühnenbild an der Universität der Künste bei Achim Freyer und Opernregie an der Hochschule für Musik »Hanns Eisler«. Sie gehörte zu den Gründungsmitgliedern des Freyer-Ensembles und leitete dieses Ensemble von 2000 bis 2003.

Engagements führten sie an renommierte Theater wie das Teatro La Fenice in Venedig, die Opera la Monnaie in Brüssel, das Téatro Nacional de Sao Carlos in Lissabon, das Berliner Ensemble, die Staatsoper Berlin, die Volksoper Wien, die Los Angeles Opera, die Opéra National de Montpellier und die Oper Graz. Auch bei so wichtigen Festivals wie den Salzburger Festspielen, dem Innsbruck Festival und den Schwetzinger Festspielen war sie zu Gast.

Zu ihren letzten Arbeiten als Regisseurin zählen unter anderem »Elektra« am Theater Magdeburg, Stephen Olivers »Mario und der Zauberer« an der Staatsoper Berlin, Henry Purcells »The Fairy Queen« und »Rigoletto« an der Royal Danish Opera Kopenhagen, »Der fliegende Holländer« am Stadttheater Lübeck« sowie Sciarrinos »La porta della legge« und Weills »Die sieben Todsünden« am Staatstheater Braunschweig.

—| Pressemeldung Staatstheater Kassel |—

Düsseldorf, Tonhalle Düsseldorf, Igor Levit – Citizen.European.Pianist, IOCO Kritik, 08.12.2018

Dezember 8, 2018  
Veröffentlicht unter Hervorheben, Konzert, Kritiken, Tonhalle Düsseldorf

Tonhalle Düsseldorf

Tonhalle Düsseldorf © Diesner

Tonhalle Düsseldorf © Diesner

Igor Levit – Citizen.European.Pianist.

 Bach, Brahms, Busoni, Schumann, Liszt, Wagner

Von Albrecht Schneider

Soll die Kunst einzig um sich selbst kreisen, soll sie lediglich vom Parnass aufs Weltgetriebe herabblicken, ohne sich tief unten mit ihm gemein zu machen? Oder ist sie als dessen Kind auch zur Kommunikation, welcher Art immer, mit ihm angehalten?

Tut sie das und erhebt gelegentlich ihre Stimme, öffnen sich dafür die Ohren der Öffentlichkeit proportional zum Grad der Prominenz derjenigen, die laut wurden. Ansehen und Erfolg der Künstler/Innen jeder Gattung suggerieren dem Publikum aus ihnen spräche tiefere Einsicht in das Wesen von Mensch und Ding, in die Kunst ohnehin, obendrein auch in die Res publica. Andererseits schließen sich Künstlertum und allgemeine wie spezielle Borniertheit nicht unbedingt aus.

Tonhalle Düsseldorf / Intendant Michael Becker und Igor Levit © IOCO

Tonhalle Düsseldorf / Intendant Michael Becker und Igor Levit © IOCO

Nun sind die Musenkinder ob ihres Status keineswegs zur Einmischung in die aktuellen gesellschaftsrelevanten Diskurse aufgerufen oder gar verpflichtet. Somit bleibt eben die Mehrzahl stumm, manche wären besser stumm geblieben, während manche dann ihren Auftritt haben und sich hören lassen, sobald Frau und Mann ob ihres Andersseins, ihrer Fremdheit, ihres Denkens verachtet, verletzt und verfolgt werden und der Verteidigung bedürfen.

Igor Levit, der Pianist von Weltruf, ist nicht einzig an seinem Instrument ein Phänomen. Nicht minder ausdrucksvoll äußert sich mit ihm ein Citoyen, der nicht im Schutze des aufgeklappten Flügels sein Handwerk betreibt, sondern einer, der das Podium zum Podest macht und von dem herab Staat und Bürger wider predigende und handelnde Verfassungsverächter vernehmbar verteidigt.

Er eröffnete sein Solokonzert in der Düsseldorfer Tonhalle mit der Chaconne aus der Partita für Violine Solo, BWV 1004. Unter deren Klaviertranskriptionen wurde von ihm nicht jene bekanntere und pompösere von Ferruccio Busoni gewählt, sondern die des Johannes Brahms. Ausschließlich für die linke Hand gesetzt, geriet deshalb das Stück nicht zur bloßen Fingerübung, sondern Levit feierte dessen Versponnenheit und Wehmut und Grandezza, aber genauso dessen Spiellust und barocken Glanz, den es gerade durch die Umsetzung auf das moderne Tasteninstrument zusätzlich gewinnt. Nur anfangs mochte die rechte Hand arbeitslos auf dem Klavierschemelrand liegen bleiben, nach einer Weile bewegte sie sich hin zur Klaviatur, als wolle sie mit vorsichtigem Schwingen die Kollegin ermutigen. Ein Beistand, den diese nicht benötigte. Als Solistin forderte sie kraftvoll und eindrücklich dem Steinway den kunstvollen Tanz in seiner klanglichen Verschiedenheit und mit dem hämmernden Ostinatobass ab. Am Ende sorgt man sich ganz nüchtern um den Zustand der linkshändigen Finger des Pianisten.

Die ersten Tastenversuche des dreijährigen Igor verliefen unter Anleitung seiner Mutter, eine Klavierpädagogin und Korrepetitorin, noch daheim in Nischni Nowgorod. Mit neun Jahren, 1995, emigrierte der Bub mit seiner russisch – jüdischen Familie nach Hannover, an deren Hochschule für Musik, Theater und Medien, ausgenommen das Jahr am Mozarteum Salzburg, der Jüngling studierte bis zum Konzertexamen 2010. Das gipfelte in einer fulminanten Darbietung von Beethovens Diabellivariationen-.

Tonhalle Düsseldorf / Igor Levit © IOCO

Tonhalle Düsseldorf / Igor Levit © IOCO

Igor Levit sieht sich um nichts in der Welt als einen reisenden, für das profane politische Geschäft blinden Virtuosen, vielmehr als einen Künstler, der die Rechte der Stücke gleichermaßen vertreten will und wird wie die derjenigen Menschen, denen man sie allenthalben vorenthält. Sein Ton, der klingende wie der gesprochene, ist der eines in der Gesellschaft engagierten und darum mit ihr diskutierenden Individuums.

Als nächstes auf dem Programm stand neuerlich der Leipziger Kantor. Aus einigen seiner Choralvorspiele und Choralpartiten hat Ferruccio Busoni seine Fantasie nach J. S. Bach gestaltet. Das ist eine in sich gekehrte, nahezu medidative Musik, die der Komponist kurz nach dem Tode des Vaters niederschrieb. Leid färbt das Stück. Die Choräle sind eingebettet in zerfließende sanfte, auch den barocken Gestus aufgreifende und mitunter posaunenhafte Klänge, aber die trauernde Fantasie löst sich zum Schluss auf in leise, schier kraftlose dunkle Akkorde. Levit lässt den lauten wie leisen Klagen ihren Lauf.

Tonhalle Düsseldorf / Robert Schumann Bueste © IOCO

Tonhalle Düsseldorf / Robert Schumann Bueste © IOCO

An die drei großen B, Bach, Brahms und Busoni schlossen sich die Variationen Es–Dur über ein eigenes Thema von Robert Schumann an. Sie tragen den von wem immer angehefteten Namen Geistervariationen, da der bereits sehr kranke, von Dämonen und Geistern sich verfolgt wähnende Komponist behauptete, Engelsstimmen hätten ihm das Thema eingegeben. Wie der mit der Schumannfamilie eng verbundene Johannes Brahms bekundete, sei dies dessen letzter musikalischer Gedanke vor dem definitiven Zusammenbruch gewesen. Brahms hat ihn später in seinen Klaviervariationen op. 23 verwandt.

Die Eröffnung, also die Vorstellung dieser musikalischen >Eingebung< umfasst 28 Takte, von denen die letzten zwölf bereits als Variante der ersten sechzehn daherkommen und zudem wiederholt werden. Das Ganze hat nichts Himmlisches an sich es, es ist schlicht poetisch, fast volksliedhaft, und in dem Wissen um die Entstehungsgeschichte mag es sogar resignativ, wie eine Verabschiedung der Musik wirken. Auch in den folgenden fünf Variationen, von denen einige dem gemessenen Tempo der Ursprungsmelodie ein lebhafteres vorziehen, verharrt die wehmütige Stimmung. Der Pianist beließ dem Stück seinen Charakter, keine Milderung, keine Betonung, er spielte es so intensiv, als würde es den eigenen Gemütszustand spiegeln.

Bereits früh hat Igor Levit öffentlich zu konzertieren begonnen und damals wie später Preise und Ehrungen zuhauf eingeheimst. Als sogenannter >Starpianist< konnte er folglich bloß von einem >Kritikerpabst< wie Joachim Kaiser die höheren Weihen erhalten. Die Salbung bestand in dessen Äußerung (so die Legende), seit er (K.) ihn (L.) die Diabellivariationen habe spielen hören, habe für ihn beinahe ein neues Leben angefangen. Eine Art Kanonisierung für einen Künstler, der sich freilich im Tempelinneren der Kunst niemals mit dem Nachdenken über ihr ästhetisches Wesen begnügt, sondern der die Musik auf eine Weise zum Klingen bringt, die seine Wahrnehmung des profanen Draußen reflektiert.

Am 25. Januar 1878, mitten in der Komposition des Parsifal, meinte Richard Wagner lachend zu Ehefrau Cosima, die das in ihrem Tagebuch überliefert (Zitat): „Ich werde nun bald meine Monsieurs mit dem Radetzkymarsch ablatschen lassen.“ Gemeint ist mit der, von der Gattin wahrscheinlich kaum goutierten plebejischen Bemerkung, der Marsch der Gralsritter gegen Ende des ersten Aktes.
Franz Liszt hat sich seiner bemächtigt, und daraus ist mehr geworden als eine seiner zahlreichen Paraphrasen der Glanznummern aus populären Opern der Zeitgenossen. Dessen Feierlicher Marsch zum Heiligen Gral aus Parsifal leitete den zweiten Teil von Igor Levits Soloabend ein.

Mit getragenen, balsamisch einlullenden und vehement aufbrausendem Klängen inszenierte er gleichsam akustisch, und für diejenigen Zuhörer, die sich der Szene erinnern, womöglich sogar bildlich, das von Glockenschlägen grundierte Schreiten der Männergesellschaft, die umstehenden klagenden, die in Mitleid oder Ehrfurcht erstarrten Protagonisten sowie die engelsgleiche Stimme aus der Höhe. Das ist schon grandioses Konzertieren, mit dem, und hierhin scheint der obschon reichlich fadenscheinige Begriff zu passen, ein pianistisches Tongemälde entworfen wurde. Igor Levit, eine grazile Erscheinung in dunkelgrauem Shirt und gleichfarbiger Hose, verbeugt sich flüchtig, begibt sich an den Flügel, setzt sich auf den Hocker, ein kurzer Moment der Konzentration und er beginnt zu spielen. Sofern nicht nach dem ersten Takt ein Gegenstand im Publikum scheppernd zu Boden fällt. Er bricht jäh ab, und vor dem zweiten Einsatz geht sein kurzer mahnender Blick in nämliche Richtung.

Tonhalle Düsseldorf / Igor Levit und Dr. Sommer-Sorgente im Interview © IOCO

Tonhalle Düsseldorf / Igor Levit und Dr. Sommer-Sorgente im Interview © IOCO

Mit Franz Liszts Fantasie und Fuge über den Choral: Ad nos, ad salutarem undam hat der Mann am Flügel, salopp gesprochen, alle Hände voll zu tun. Das originale, für Orgel geschriebene und eine halbe Stunde dauernde Werk hat wiederum Ferruccio Busoni frei für das Klavier eingerichtet. Zugrunde liegt ihm der gleichnamige Choral der Wiedertäufer aus Giacomo Meyerbeers heute selten aufgeführter, seinerzeit indessen gefeierter Oper: Der Prophet. Dem Opus sind alle Temperamente wie Seelenlagen einverleibt, bei ihm muss der Pianist sich einen Weg bahnen durch das Konvolut der Töne aller Stärken und Farben, er wandert gewissermaßen vom Himmel durch die Welt zur Hölle. Allerdings auch wieder zurück, nachdem er und der Flügel auf das Extremste gefordert wurden. Die Wanderung verlangt, neben einem gewissen Virtuosentum in Lisztscher wie Busonischer Manier, die spirituelle Fähigkeit zur Wahrnehmung und Wiedergabe der komplexen Textur einer solchen spätromantischen Komposition, damit trotz allen gelegentlichen Überschwangs und >Getöses< deren musikalischer Kosmos für das Publikum durchhörbar und somit verständlich gerät. Der Beherrscher aller Tasten – und eben sein Instrument! – beide bewältigten an dem Abend solche herkulische Aufgabe kongenial.

Am Ende applaudierte das Publikum enthusiastisch, es war vernehmbar angetan von Igor Levits Präsentation eines Programms, das sich abhob von dem gängigen anderer Star- und Jahrhundertpianisten. Graduierungen dieser Art sind heutzutage das unabwendbare Schicksal eines großen Künstlers, dessen intelligentes Erfassen wie dementsprechend emphatische Darbietung der Partituren ein Düsseldorfer Publikum jederzeit wahrnahm und würdigte: es entließ ihn nach der Wiedergabe zweier Kinderszenen aus Robert Schumanns op.15. Sie klangen, als ob die Musik erschöpft ausatme.

—| IOCO Kritik Tonhalle Düsseldorf |—

Rudolstadt, Theater Rudolstadt, Russische Silvestergala – Von Märchen und Wundern, 31.12.2018

Dezember 7, 2018  
Veröffentlicht unter Konzert, Pressemeldung, Theater Rudolstadt

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Theater Rudolstadt

Theater Rudolstadt / Sylvester 2017 © Gerhard Bähring

Theater Rudolstadt / Sylvester 2017 © Gerhard Bähring

Großes Silvesterkonzert – Russische Silverstergala

Von Märchen und Wundern“

Schönste Melodien aus der Welt der russischen Operette, Oper und Filmmusik

am 31. Dezember, um 15 und 19.30 Uhr, laden die Thüringer Symphoniker zu ihrer russischen Silvestergala „Von Märchen und Wundern“ mit Solisten des renommierten Mariinski-Theaters St. Petersburg in die Stadthalle Bad Blankenburg ein. Es gibt nur noch Restkarten.

Auch in diesem Jahr, 2018, laden die Thüringer Symphoniker am 31. Dezember die Musikfreunde der ganzen Region ein, um gemeinsam den Jahreswechsel zu feiern. Auf ihrer großen Silvestergala „Von Märchen und Wundern“ in der Stadthalle Bad Blankenburg geht die musikalische Reise diesmal mit schönsten Melodien ins winterlich-märchenhafte Russland.

Theater Rudolstadt / Silvester2018 © Iuliia-Gatcko-Shutterstock.com

Theater Rudolstadt / Silvester2018 © Iuliia-Gatcko-Shutterstock.com

Ob es an diesem Tag in Thüringen schneit, ist nicht garantiert — in St. Petersburg und Moskau hingegen stehen die Chancen viel besser. Wer also dem trüben Wetter entfliehen möchte, kann sich in dem Konzert in eine russische Winterlandschaft hineinträumen. Vier Solisten des weltberühmten Mariinksi-Theaters in St. Petersburg – Anna Denissowa, Ekaterina Krapiwina, Artjom Melihow und Oleg Sytschow – lassen zusammen mit Chefdirigent Oliver Weder Beliebtes aus der Welt der russischen Oper, der Operette und der sowjetischen Filmmusik erklingen, darunter die Märchen-Oper Snjegurotschka über Schneeflöckchen und Väterchen Frost. Geheimnisse um die Bräuche der Silvesternacht, von Viktor Vysotzki direkt aus seiner Heimat mitgebracht, runden das Konzerterlebnis ab.

Zur Begrüßung wird den Gästen ein Glas Sekt gereicht. Zudem besteht Möglichkeit, den Bustransfer zur Stadthalle Bad Blankenburg und zurück nach Rudolstadt, Saalfeld oder Königsee zu nutzen.

Restkarten für die Silvestergala am 31. Dezember, um 15 und 19.30 Uhr sind an den üblichen Vorverkaufsstellen sowie telefonisch unter 03672/422766 erhältlich.

—| Pressemeldung Theater Rudolstadt |—

Hamburg, Laeiszhalle, The DUBLIN LEGENDS – Irish Folk, IOCO Kritik, 07.12.2019

Dezember 7, 2018  
Veröffentlicht unter Hervorheben, Konzert, Kritiken, Laeiszhalle Hamburg

 Hamburg Laeiszhalle © IOCO

Hamburg Laeiszhalle © IOCO

Laeiszhalle Hamburg

The DUBLIN LEGENDS – Concert

– Traditional Irish Folk Music – At its best –

Von Rolf Brunckhorst

Zuverlässig wie das erste Advents-Wochenende ist es auch Zeit für das alljährliche Konzert der Dublin Legends, von großer Fangemeinde in der ausverkauften Laeiszhalle wie jedes Jahr ungeduldig erwartet. Die Gruppe ist hervorgegangen aus der Stammformation The Dubliners, die 1962 im O’Donoghue’s Pub in Dublin (Foto) gegründet wurde.

O'Donoghue's Pub in Dublin - Geburtsstätte der Dublin Legends © Philipp Döhring

O’Donoghue’s Pub in Dublin – Geburtsstätte der Dublin Legends © Philipp Döhring

Nach einigen brillanten Single-Hits wie „Seven drunken Nights“ und „Black Velvet Band“ wurde die Gruppe auch über die Grenzen Irlands hinaus populär. Von ungefähr 1967 bis 1974 mussten die Dubliners auch als einflussreichste irische Folk-Group, wenn nicht sogar international als führende Gruppe der Folk-Musikszene gelten. Dann begannen die Wechsel in der Besetzung. Einige Bandmitglieder strebten Solokarrieren an (z.B. Luke Kelly), andere wurden durch ernsthafte Erkrankungen an der Weiterarbeit mit der Gruppe gehindert (z.B. Ronnie Dew). Nach dem Tode des letzten Gründungsmitgliedes Barney McKenna 2012 gab John Sheahan die Auflösung der Gruppe The Dubliners bekannt. Der 1983 zur Gruppe gestoßene Sean Cannon sammelte drei weitere Musiker um sich, die nun unter dem Namen The Dublin Legends die Tradition der alten Dubliners fortführen. Nach dem Tode von Eamonn Campbell (der seit 1988 Bandmitglied war) besteht die Gruppe heute aus Sean Cannon, Gerry O’Connor, Patsy Watchorn und Chris Kavanagh.

Das von IOCO Kultur im Netz erbetene Interview mit The Dublin Legends fand vor Konzertbeginn in der Kleinen Laeiszhalle mit Sean Cannon statt. Als Türöffner gratulierte das IOCO-Team Sean Cannon (er hatte an diesem Tag Geburtstag) mit dem   Klassiker der Geburtstagsständchen, „Happy birthday to you,…“

Interview IOCO mit The Dublin Legends - hier : IOCO Korrespondent Rolf Brunckhorst und Sean Cannon © Patrik Klein

Interview IOCO mit The Dublin Legends – hier : IOCO Korrespondent Rolf Brunckhorst und Sean Cannon © Patrik Klein

Das Gespräch IOCO mit Sean Cannon:

IOCO: Direkt vor einem Konzert drängt sich die Frage auf, wie bei einem Repertoire von mehreren hundert Liedern eine Auswahl für die Setlist getroffen wird.

Sean Cannon (SC): Das ist ganz einfach, wir treffen uns, und jeder sagt, was er gern spielen möchte. Das stellen wir dann zusammen, und letztendlich werden wir uns immer einig.

IOCO: Wenn ich in ein Konzert der Dublin Legends gehe, dann habe ich ca. 60 bis 70 Titel im Kopf, die ich gern hören würde. Darunter natürlich die frühen Klassiker. Gibt es Songs aus Eurem Repertoire, die Du zeitweilig nicht mehr hören und singen magst?“

SC: Nein, überhaupt nicht! Ich mag alle unsere Songs. Es ist inzwischen nur so, dass wir keine großen Monitore mit der Setlist mehr auf der Bühne haben. Dafür hat jetzt jeder einen Knopf im Ohr, der ihm mitteilt, welches der nächste Song ist. Daneben erfüllen wir aber auch persönliche Wünsche aus dem Publikum. Unsere Setlist ist vom Prinzip her jeden Abend dieselbe, kann sich aber auch plötzlich verändern.

IOCO: Was für Musik hörst Du in Deiner Freizeit und bei welcher Musik entspannst Du Dich am besten?

SC: Ich mag gern auch klassische Musik. Heutzutage kann sich jeder auf youtube selber darstellen, und ich hätte damals gern auch klassische Gesangsstunden genommen; wer weiß, was dann daraus geworden wäre. Ich gehe manchmal auch in die Oper, ich war in London an Covent Garden, ich war hier in Hamburg in der Oper und habe Benjamin Bittens Peter Grimes gesehen, ich war in Dresden in der Semper Oper, da gab es „La Boheme“, das war sehr emotional für mich und ich hoffe, dass niemand meine Tränen bemerkt hat. Ich höre zuhause gern Platten von Caruso. Mir gefällt die Oper Martha so gut, weil sie ein irisches Volkslied enthält, nämlich „Last Rose of Summer“ (Letzte Rose), und dann gibt es auch noch die schöne Tenor-Arie, „M’appari“ (Ach so fromm), die Caruso besonders schön singt (hier singt Sean die ersten Zeilen dieser Arie).

IOCO: Du bist jetzt ca. 30 Jahre unentwegt auf Tour. Hast Du noch Lust auf die ganze Herumreiserei?

SC: Ja, es macht mir immer noch Spaß, obwohl es manchmal sehr anstrengend ist. Wir hatten z.B. ein Engagement in Rom bei einem Celtic Festival, und da ich jetzt in England lebe, musste ich einen Flug von Birmingham nehmen, während meine Bandkollegen von Dublin nach Rom flogen. Von Birmingham gab es keinen Direktflug nach Rom und ich musste über Barcelona fliegen. Mein Flug hatte Verspätung und ich verpasste den Anschlussflug von Barcelona nach Rom. Ich musste die Nacht im Flughafen verbringen, schlief auf dem Boden, musste noch extra 100,– € für meine Umbuchung bezahlen, landete endlich um 6:30 Uhr todmüde in Rom und der Soundcheck fand ohne mich statt. Immerhin hatte ich noch eine Stadtrundfahrt mitmachen können. So etwas ist ärgerlich und anstrengend, aber es passiert eben.

IOCO: Solange ich mich erinnern kann, habt ihr Eure Konzerte in Hamburg immer im November oder Dezember gegeben. Kennt ihr Hamburg eigentlich im Sommer?

SC: Nein, die Weihnachtszeit ist hier sehr schön mit den ganzen Weihnachtsmärkten und dem Glühwein, dem „Kinderpunsch“. Aber ich trinke seit dem letzten Silvester keinen Alkohol mehr. Wir hatten Auftritte in Coventry und ich wollte mit dem Auto zurück nach Hause fahren; da hatte ich mir vorgenommen, ein Jahr lang keinen Alkohol mehr zu trinken, 11 Monate sind jetzt schon herum. Während der Sommermonate treten wir häufig bei Festivals auf, z.B. wie geschildert bei Celtic Festival in Rom oder einem ähnlichen Festival in Frankreich. In Liverpool gibt es ein großes Open-Air-Festival direkt am Fluß Mersey, an dem wir im letzten Sommer teilnahmen.

IOCO: Als John Sheahan im Jahre 2012 das Ende der Dubliners verkündet hatte, durftet ihr nicht diesen Namen behalten?

SC: Ich kenne die ganze Geschichte nicht genau, aber unser jetziger Name Dublin Legends ist jetzt registriert.

IOCO: Gibt es andere Gruppen, die unter dem Namen spielen?

SC: Es gibt eine Gruppe mit dem Namen The Young Dubliners, aber deren Musik ist zum Teil schon elektronisch.

IOCO: Ich zeige Sean ein Photo von einem Pub in Dublin.

SC: Ja, diesen Pub kenne ich gut, es ist das O’Donoghue’s, wo ich damals viel Zeit verbracht habe, und wo 1963 die Original-Dubliners gegründet wurden. Es ist eine große Touristenattraktion. Viele andere Pubs in Dublin haben inzwischen renoviert und die ganze typische Atmosphäre ist verloren gegangen. Aber das O’Donoghue’s ist unverändert geblieben, sogar die „sub-standard toilets“ sind noch wie damals.“

SC gab dann einige Reisetips: Empfiehlt in Dublin das Guinness Store House, die Old Brewery, wo man nach der Führung herrliches Bier genießen kann. Auch das Writer’s Museum, die Botanischen Gärten und den Zoo   An dieser Stelle wurde unser Interview  von der freundlichen Mitarbeiterin abgebrochen; der Konzertbeginn stand unmittelbar bevor.

Sean Cannon von The Dublin Legends © Patrik Klein

Sean Cannon von The Dublin Legends © Patrik Klein

Konzerte der Dublin Legends laufen immer (zumindest in den Augen der Fans) nach   festem Ritual ab: Es gibt zu Beginn ein schnelles Instrumental, den die ersten Fans   schon mit Klatschen begleiten. Etwas ruhiger wird es bei den nächsten zwei Songs, dann folgt das erste Highlight mit „Black Velvet Band“, unnachahmlich von Sean Connor vorgetragen. Die Aufforderung, den Refrain mitzusingen, war unnötig. Denn die Fans summten und brummten den Refrain seit Jahren ab der ersten Note mit und  konnten ihre Textsicherheit beweisen.

Als danach die „Seven drunken Nights“ folgten geriet der Saal schon ins Wanken; die Fans schunkeln begeistert mit. So folgte Song auf Song, frenetisch bejubelt und beklatscht. Völlig egal, welchen Song die Dublin Legends nun anstimmen, jeder Fan fand für drei Minuten seinen „Lieblingssong“. Beim Schreiber dieser Zeilen sind dies zu Beginn die Songs „Leaving of Liverpool“ und „The rocky Road to Dublin“, dann war schon Pause.

 The Dublin Legends in der Laeiszhalle 2018 © Patrik Klein

The Dublin Legends in der Laeiszhalle 2018 © Patrik Klein

Aber Sean Cannon verspricht: „Wir kommen ja gleich wieder“. Und sie kommen wieder, und der erste Song nach der Pause ist „Fields of Athenry“. Da steigt das Wohlempfinden des Dubliner-Fans ins Unermessliche. Viel zu kurz darauf ertönt als warnendes Vorzeichen „Liverpool Lou“, dann verkündet Sean auch schon den Beginn des Zugabenteils. Nun weiß jeder im Saal, was passieren wird: Die freien Stehplätze in den Gängen werden von den Fans belagert, viele klettern ganz einfach auf die Stühle: Feder Fan sucht sich seinen eigenen Weg, gute Laune auszudrücken. Manche singen Songs von A bis Z mit, und das jeweilig tonangebende Bandmitglied muss nur noch den Einsatz geben. In den Gängen wird derweil getanzt und gewunken; in den mittleren Reihen wird geschunkelt: Es herrscht eine Volksfeststimmung. Dann kam was kommen musste: „Dirty old Town“, „Whiskey in the Jar“, „The Irish Rover“, und unabdingbar an letzter Stelle ertönt die kurze Ballade von „Molly Malone“, von den Fans gleich einem Kirchenlied andachtsvoll vorgetragen.

Das Konzert der Dublin Legends endet mit dem seit Jahren gelebten Versprechen auf ein Wiedersehen im nächsten Jahr: Der Kartenvorverkauf läuft bereits.

 Dubling Legends in Hamburg – We look forward to November 2019

—| IOCO Kritik Laeiszhalle Hamburg |—

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