Essen, Philharmonie Essen, Ein Sommernachtstraum – Daniel Hope, Katja Riemann, Thomas Quasthoff, 23.06.2018

Juni 18, 2018  
Veröffentlicht unter Konzert, Philharmonie Essen, Pressemeldung

logo_philharmonie_essen

Philharmonie Essen

Philharmonie Essen / Daniel Hope © Steven Haberland

Philharmonie Essen / Daniel Hope © Steven Haberland

EIN SOMMERNACHTSTRAUM – Musikalischer Themenabend

 Daniel Hope, Katja Riemann, Thomas Quasthoff

   Heimat  am Samstag, 23. Juni 2018, 18 Uhr,  Philharmonie Essen

Sommerlicher Höhepunkt der Spielzeit und Finale einer beeindruckenden Künstler-Residenz: Am Samstag, 23. Juni 2018, um 18 Uhr lädt die Philharmonie Essen zum spartenübergreifenden Programm Ein Sommernachtstraum ein. Der Violinist Daniel Hope, Artist in Residence dieser Spielzeit, präsentiert unter dem Titel Heimat ein sehr persönliches Programm unter anderem gemeinsam mit Katja Riemann, Thomas Quasthoff, den Essener Philharmonikern und dem Schauspiel Essen. In drei Teilen mit jeweils einstündige Pausen wird das Thema von unterschiedlichen Seiten beleuchtet.

Philharmonie Essen / Katja Riemann © Mathias Bothor)

Philharmonie Essen / Katja Riemann © Mathias Bothor)

Unser Verständnis von Heimat ist sehr individuell und oft nur ein Gefühl oder eine Idee. Manche fühlen sich mit dem Ort verbunden, in dem sie aufgewachsen sind und bleiben dort ihr Leben lang. Andere verlieren ihre Heimat durch Krieg, Vertreibung oder Flucht. Gerade dann kann die Erinnerung an die eigenen Wurzeln schmerzhaft sein. Diese Kehrseite von Heimat beleuchtet der erste Teil des Abends mit Musik von Erich Wolfgang Korngold, der vor der Nazi-Diktatur geflohen war und in Amerika ein neues Zuhause fand, oder Erwin Schulhoff, der im Konzentrationslager ermordet wurde. Das Violinkonzert „I will not remain silent“ von Bruce Adolphe ist inspiriert von der Lebensgeschichte des Rabbiners Joachim Prinz, der in der Nazi-Zeit aus Deutschland in die USA floh. „Ein fantastisches, extrem passioniertes, lyrisches Konzert, das die Geschichte eines faszinierenden Mannes erzählt“, so Daniel Hope, der das Stück gemeinsam mit den Essener Philharmonikern unter der Leitung von Jaime Martin interpretieren wird.

Mit dem Themenkreis Exil und Vertreibung befasst sich außerdem eine Ausstellung mit Fotos von Andreas Knapp, die während des ganzen Abends im Haus besichtigt werden kann.

Was passiert, wenn man in der Heimat nicht mehr als der erkannt wird, der man einmal war? In Igor Strawinskys   Geschichte vom Soldaten  tauscht der Soldat seine geliebte Geige gegen materielle Reichtümer ein und wird dadurch in seiner Heimat zu einem Fremden. Thomas Quasthoff als Erzähler und Daniel Hope als Soldat, der den Pakt mit dem Teufel, gespielt von Katja Riemann, eingeht, sind die Protagonisten des zweiten Teils des Abends.

Die „Proletenpassion“, vom Schauspiel Essen im dritten Teil in Ausschnitten aufgeführt, setzt sich schließlich im dritten Teil mit dem Aufbegehren der Arbeiterschaft gegen die herrschende Klasse auseinander.

In den Pausen wird Daniel Hopes Geschichte Teil dieses besonderen Konzertabends, wenn er mit seinem Vater Christopher ein Gespräch über die eigene Familienbiografie führt. Ebenfalls in den Pausen werden sommerliche Snacks im ehemaligen Restaurant „Wallberg“ angeboten.

—| Pressemeldung Philharmonie Essen |—

Bad Salzuflen, Nordwestdeutsche Philharmonie, Wunschkonzert – Experiment mit starkem Ausgang, IOCO Kritik, 15.06.2018

Konzerthalle Bad Salzuflen am Sommerabend © Karin Hasenstein

Konzerthalle Bad Salzuflen am Sommerabend © Karin Hasenstein

Konzerthalle Bad Salzuflen

Nordwestdeutsche Philharmonie

Nordwestdeutsche Philharmonie  –  Wunschkonzert

 „Publikumswünsche werden wahr!”

Von Karin Hasenstein

Das Leben ist kein Wunschkonzert! Im Allgemeinen stimmt das: Aber Ausnahmen bestätigen die Regel und eine solche Ausnahme fand am 09.06.2018 in der Konzerthalle  Bad Salzuflen statt.

Die Nordwestdeutsche Philharmonie – die NWD – ist ein Verbundorchester, finanziell getragen durch mehrere Städte und Gemeinden, und hat ihren Sitz in Herford in Nordrhein-Westfalen.

Die NWD wurde 1950 als Städtebundorchester mit dem Auftrag gegründet, die Musiklandschaft in der Region Ostwestfalen-Lippe zum Blühen zu bringen. Heute spielen die 78 Musikerinnen und Musiker nicht nur in Konzertsälen zwischen Minden, Paderborn, Gütersloh und Detmold, sondern treten darüber hinaus bei zahlreichen Gastspielreisen im In- und Ausland in berühmten Häusern wie dem Concertgebouw in Amsterdam, der Tonhalle Zürich und dem Großen Festspielhaus in Salzburg auf. Neben Dänemark, Österreich, den Niederlanden, Italien, Frankreich, Spanien und Polen sorgte das Orchester mehrfach auch in Japan und den USA für ausverkaufte Konzertsäle.

Nordwestdeutsche Philharmonie © Sandra Kreutzer

Nordwestdeutsche Philharmonie – NWD © Sandra Kreutzer

Kein Wunder also, dass sich das Orchester seit seiner Gründung in seiner bald 70-jährigen Geschichte eine hervorragende Reputation in der Fachwelt und beim Publikum erarbeitet hat. Besonders die Jahre unter der künstlerischen Leitung des lettischen Dirigenten Andris Nelsons gaben dem Orchester vielfältige Impulse.

Rund 800 Musiktitel, vom Orchester eingespielt, finden sich im Archiv des Westdeutschen Rundfunks. Die NWD ist zu hören auf mehr als 200 Schallplatten- und CD-Einspielungen, so z.B. in einer eigenen CD-Edition mit Live-Aufnahmen aus großen internationalen Konzertsälen.

Aus Besuchern werden Freunde

In Zeiten knapper werdender öffentlicher Mittel stiegen einzelne Mitglieder aus dem Verbund aus, mit jedem Ausstieg wurde die Sorge um den Bestand des Orchesters größer, die Gefährdung des hohen künstlerischen Niveaus aber auch der Arbeitsplätze bedrohten die Existenz des Klangkörpers.

Damit genau das nicht geschah, engagierten sich treue Konzertbesucher für ihr Orchester. Mit 29 Gründungsmitgliedern gingen die NWD-Freunde 2012 an den Start, heute zählt der Freundeskreis 668 Mitglieder – Abonnenten, Konzertbesucher und Bürger aus ganz Ostwestfalen-Lippe, die begeistert hinter ihrem Orchester stehen und sich bei den Entscheidungsträgern der kommunalen Kulturpolitik für eine dauerhafte Existenz der NWD einsetzen.  Wer so gute Freunde hat, der gibt gerne etwas zurück. So entstand die Idee, sich beim Freundeskreis für dessen Unterstützung mit einem Konzert zu bedanken.

 Das NWD Orchester bereitet sich vor © Wilfried Brokmeier

Das NWD Orchester bereitet sich vor © Wilfried Brokmeier

Nun ist ein Wunschkonzert an sich auch nichts Spektakuläres. Das Besondere hierbei ist jedoch, dass das Programm für diesen Abend erst unmittelbar vor dem Konzert, buchstäblich Minuten vor Beginn, zusammengestellt wurde.

Das Publikum konnte aus über 50 Werken, darunter allein 46 Symphonien, auswählen. Die Punktevergabe wurde teils amüsiert, teils besorgt von Mitgliedern des Orchesters beobachtet, wusste doch keiner, was er gleich auf dem Pult liegen haben würde!

Die Auswahl aus den so ermittelten Wunschnummern wurde von Dirigent Frank Beermann und Mitgliedern des Orchesters auf ein Maß zusammengeführt, das schon allein zeitlich über den Rahmen eines „normalen” Symphoniekonzertes hinausging. Damit trotzdem möglichst viele der Publikumswünsche erfüllt werden konnten, wurde aus jeder Symphonie ein Satz ausgewählt.

Die Spannung im Orchester und im Publikum war im Saal deutlich zu spüren, als Frank Beermann ans Pult trat. Beermann studierte an der Hochschule für Musik in Detmold und war als Kapellmeister am Staatstheater Darmstadt und am Theater Freiburg tätig. Von 1997 bis 2002 hatte er einen Residenzvertrag mit der Hamburgischen Staatsoper und war als Gast an der Deutschen Oper Berlin, der Königlichen Oper Stockholm, der Oper Bonn und der Oper Marseille tätig.

NWD bei der Probe © Wilfried Brokmeier

NWD bei der Probe © Wilfried Brokmeier

Beermann, der dem Orchester seit langem verbunden ist, erklärte den Zuhörern, dass es seines Wissens ein solches Format noch nie gegeben hat, wobei ein Orchester auf die Bühne geht, ohne zu wissen, was es spielen wird und.

Alle Beteiligten erwartete also ein Experiment mit offenem Ausgang. Anstatt wochenlanger intensiver Proben gab es keine Absprachen oder Ansagen hinsichtlich Tempi, Dynamik oder wie viele Wiederholungen gespielt werden. Welches Maß an Konzentration und Disziplin das erfordert, mag der geneigte Leser sich selbst ausmalen.

Beermann hatte elf Nummern ausgewählt. Wie praktisch, dass auch Opern-Ouvertüren auf der Liste standen und so eröffnete er das Konzert mit der Ouvertüre zu Le Nozze di Figaro von Wolfgang Amadeus Mozart.

Noch auf Sicherheit dirigierend versicherte Beermann dem Publikum: „Ich schwöre, nichts ist geprobt! Aber es macht Spaß!” Dieser Spaß war ihm deutlich anzumerken; ob er in diesem Moment für alle Musiker sprach, ließ sich nur erahnen.

Gewiss handelte es sich bei der großen Auswahl um Repertoirestücke, die viele Mitglieder häufig im Konzert gespielt haben, jedoch nicht jeder Einzelne und vielleicht auch der Eine oder Andere schon länger nicht mehr. Selbst Beermann bekannte, dass er an diesem Abend Stücke zum ersten Mal dirigierte – “Welche das sind, verrate ich Ihnen nach dem Konzert. Vor allem dem Orchester sage ich das hinterher…!

Nicht nur die Musiker hatten an diesem Abend Besonderes zu leisten, auch die Arbeit der Orchesterwarte stellte eine logistische Herausforderung dar, mussten doch für über 50 Werke die Noten für alle Musiker transportiert werden. So erklärte sich auch die Auswahl, denn viele Noten werden speziell von den Verlagen entliehen, was mit hohen Kosten verbunden ist. Daher spielte die NWD hier in erster Linie aus Archivmaterial. Für Beermann bedeutete das, dass er “weiße” Partituren vor sich liegen hatte, nicht eingerichtete Noten ohne Markierungen. Eine weitere Besonderheit, auf die sich wohl nicht jeder Dirigent einlassen würde und die ein hohes Maß an Erfahrung erfordert.

Es folgten zwei Stücke aus der Peer-Gynt-Suite Nr. 1von Edvard Grieg, Morgendämmerung und In der Halle des Bergkönigs. Während draußen die Sonne langsam unterging, sorgte die Morgendämmerung im Saal für die ersten zauberhaften Momente, als das berühmte Thema in der Flöte erklang, von der Klarinette aufgenommen wurde und die Naturbeschreibung in der großen Streicherbesetzung den Saal erfüllte. In der Halle des Bergkönigs hört man seine Schritte im Pizzicato der tiefen Streicher, die Violinen nehmen das Thema auf und steigern sich in Tempo und Dynamik beinahe halsbrecherisch. Erste Begeisterungsstürme brechen sich im Publikum Bahn.

Es folgt der 1. Satz aus Beethovens Symphonie Nr. 6 F-Dur op. 68  –  Pastorale

Beermann kommentiert launig: „Es gibt so viele interpretatorische Ansätze, damit kann man sich nur blamieren!” Dass die NWD genau das nicht tut, beweist, auf welch hohem Niveau und mit wie viel Erfahrung hier musiziert wird. Besonders positiv fallen hier die Holzbläser auf. Mit einer einzigen kurzen Ansage „bitte ohne ritardando!” wiederholt Beermann den Anfang, welcher perfekt gelingt.

Felix Mendelssohn Bartholdy © IOCO

Felix Mendelssohn Bartholdy © IOCO

Als folgt der 1. Satz aus der 4. Symphonie von Felix Mendelssohn-Bartholdy, Die Italienische.

Auch hier eine einzige Ansage „ohne Wiederholungen!” und die Holzbläser erfreuen mit großer dynamischer Differenziertheit. Das Thema lässt sich transparent durch die Stimmen verfolgen, die Konzentration bei Dirigent und Orchester ist außerordentlich hoch. Allerdings auch im Publikum, versucht doch jeder, die Musiker wenigstens bei einem klitzekleinen Fehler zu ertappen.

Beermann kommentiert das Abstimmungsverhalten mit viel Humor: „Ich habe Sie beim Kleben (der Punkte) beobachtet. Da klebt einer 10 Punkte bei Bruckner 4 – warum nicht?! Wir machen das schon! An dieser Stelle möchte ich Ihnen ein Kompliment machen für Ihren sehr differenzierten Geschmack!”

Es folgt dann aber nicht Bruckner 4, sondern Schumann 1, B-Dur, op. 38, auch Frühlingssymphonie genannt, der 1. Satz: Andante un poco maestoso – Allegro molto vivace.  Die meisten Punkte erhielt, man ahnte es schon bei der Abstimmung, Antonin Dvoráks Symphonie Nr. 9 e-Moll, op. 95  – Aus der Neuen Welt -.

Hier hat sich Beermann für den Schlusssatz entschieden, Allegro con fuoco. Von großer symphonischer Besetzung wird das marschartige Hauptthema vorgetragen, das von der Neuen Welt kündet. Das folgende Klarinetten-Thema drückt die Sehnsucht des Komponisten nach seinem Vaterland aus. Beermann wählt ein rasantes Tempo, Agogik und Dynamik erfordern wiederum höchste Konzentration im Orchester und mit diesem klanglichen Leckerbissen schickt ein sichtlich glücklicher Dirigent Orchester und Publikum in die Pause.

Die Begeisterung des Publikums ist in den Pausengesprächen allgegenwärtig zu spüren. Selbst weniger erfahrenen Konzertgängern dürfte klar geworden sein, dass sie hier Zeuge einer außergewöhnlichen Leistung sind.

Mit frischem Hemd und in bester Laune tritt Beermann nach der Pause ans Pult und verkündet den Zuhörern: „Meine Damen und Herren, ich hätte nicht für möglich gehalten, dass das hier machbar ist!

Obwohl Bruckners 4. Symphonie die entsprechende Punktzahl erreicht hat, bittet er um Verständnis, dass sie an diesem Abend nicht erklingt: „Allein der erste Satz dauert schon 18 Minuten, dann sitzen wir noch um Mitternacht hier!” Der spontane Beifall im Publikum macht deutlich, dass zumindest der Eine oder Andere nichts dagegen hätte.

Wolfgang Amadeus Mozart in Wien © IOCO

Wolfgang Amadeus Mozart in Wien © IOCO

So aber leitet die Ouvertüre zu Mozarts  Don Giovanni den zweiten Teil des Abends ein. Es folgt aus der Symphonie Nr. 94 in G-Dur Mit dem Paukenschlag von Joseph Haydn der 2. Satz, Andante.

Eine kurze Anfrage aus den Violinen bezüglich etwaiger Wiederholungen bescheidet Beermann zur Freude des Publikums positiv: „Wiederholungen? Sind da drin! Wir müssen die alle spielen!” Dem beinahe kinderliedhaften Anfang im ppp folgt bald der berühmte Paukenschlag. In der Wiederholung wird das Thema in Moll verarbeitet. Auch hier ist zu spüren, dass Beermann auf Sicherheit dirigiert.

Mit Franz Schuberts Symphonie Nr. 8 h-Moll, D 759, genannt Die Unvollendete hat das Publikum ein weiteres Schwergewicht der Konzertliteratur erwählt. Diese Stücke sind so schwer zu spielen, gerade weil sie jeder kennt, beziehungsweise zu kennen glaubt. Die Unvollendete ist eine zweisätzige Symphonie, es existieren nur wenige rudimentäre Bruchstücke zu einem 3. Satz.

Der ruhige zweite Satz, Andante con moto, steht gemäß der Tradition im Kontrast zum dramatischen ersten und steht mit E-Dur in der Dur-Variante der Subdominante, was ihn vom finsteren h-Moll des ersten Satzes abhebt. Das Tempo ist ruhig fließend. Sowohl in dem getupften Pizzicato der Bässe als auch im Thema der Flöten und Hörner erfreuen die Stimmen mit großer Präzision und erstklassiger Intonation. Hier ist das Entscheidende das, was zwischen den Zählzeiten liegt. Das Stück atmet eine große Ruhe.

Das NWD Orchester © Sandra Kreutzer

Das NWD Orchester © Sandra Kreutzer

Ein Wunschkonzert ist immer auch ein bisschen wie Eintopf und so folgt als Kontrast zu Schubert der Schlusssatz (Allegretto grazioso, quasi Andantino) aus der 2. Symphonie von Johannes Brahms, D-Dur, op. 73.  Hier vermittelt sich in der Coda durch die Holzbläser-Dominanz besonders gut die Energie der Komposition.

Wer glaubt, dies sei nicht zu steigern, wird eines Besseren belehrt: Mit dem Rücken zum Publikum „Können Sie mal applaudieren, damit ich weiß, dass Sie noch da sind?” verschafft Beermann sich und dem Orchester eine kleine Verschnaufpause vor dem letzten Stück des Abends.

Als großes Finale erklingt der 3. Satz aus der Symphonie Nr. 6  Pathétique in h-Moll op. 74 von Pjotr Iljitsch Tschaikowsky.

Der für Symphonien ungewöhnliche langsame Schlusssatz ist charakteristisch für dieses Werk, dessen Ende an ein Requiem erinnert. Der Komponist selbst betrachtete die Pathétique als sein wichtigstes Werk. Sie wurde unter seiner eigenen Leitung in St. Petersburg uraufgeführt, neun Tage vor seinem Tod und fand bei der Uraufführung nur wenig Beachtung. Den späteren Siegeszug der Symphonie erlebte Tschaikowsky nicht mehr.

Beermann holt noch einmal alles aus dem Orchester heraus. Die große Streicherbesetzung breitet einen satten Klangteppich unter dem wiederum erfreulich präzisen Blech aus, sämtliche Punktierungen und Synkopen sind exakt zu hören. Die Symphonie endet in einem h-Moll-Akkord der tiefen Streicher.

Nach fast drei Stunden Musik bedankte sich das begeistere Publikum bei „seinem” Orchester mit lang anhaltendem frenetischem Beifall. Es war ein besonderer Abend mit einem sehr besonderen Programm, das in dieser Form so nie wieder in einem Konzert erklingen wird.

Jeder einzelne Musiker hat an diesem Abend ein Höchstmaß an Konzentration, Disziplin und Musikalität aufgeboten, wodurch dieses außergewöhnliche Format zu einem Erfolg werden konnte.

Das Experiment „Wunschkonzert” ist geglückt!

So entließ die Nordwestdeutsche Philharmonie ein beglücktes und beschwingtes, vor allem aber dankbares Publikum in die laue Sommernacht. Einzig ein Geheimnis hat Frank Beermann nicht mehr gelüftet: welches Stück er an diesem Abend zum ersten Mal dirigiert hat. Aber das war nach diesem musikalischen Marathon auch nicht mehr wichtig.

—| IOCO Kritik Nordwestdeutsche Philharmonie |—

Wiesbaden, Hessisches Staatstheater, Liederabend mit Johannes Martin Kränzle, 14.06.2018

Hessisches Staatstheater Wiesbaden

Hessisches Staatstheater Wiesbaden © Martin Kaufhold

Hessisches Staatstheater Wiesbaden © Martin Kaufhold

Liederabend mit Johannes Martin Kränzle am 14. Juni im Foyer

Am Donnerstag, den 14. Juni 2018, um 19.30 Uhr, wird die Reihe der Liederabende mit dem international erfolgreichen Bariton Johannes Martin Kränzle und Hilko Dumno am Klavier im Foyer des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden fortgesetzt.

Johannes Martin Kränzle und sein Klavierbegleiter Hilko Dumno versammeln Liederzyklen, die einerseits den christlich-mitteleuropäischen, andererseits den osteuropäisch-jüdischen Kulturkreis in Glauben und Lebensart beschreiben.

Der für seine intensive Darstellung hochgelobte Johannes Martin Kränzle interpretiert Gustav Mahlers »Wunderhorn«-Lieder, »Deux mélodies hébraïques« von Maurice Ravel, die »Jedermann«-Lieder des Schweizer Komponisten Frank Martin sowie »Zwölf Lieder nach alten jiddischen Weisen« des Wahl-Frankfurters Richard Rudolf Klein.

Johannes Martin Kränzle, langjähriges Ensemblemitglieder an der Oper Frankfurt, ist einer der wandlungsfähigsten Sängerdarsteller seiner Generation. Regelmäßig ist der Bariton in Paris, Zürich, Genf, München, Hamburg, Köln, Stuttgart, in San Francisco, Tel Aviv und Tokyo zu Gast. 2014 debütierte er an der MET New York in der Partie des Sixtus Beckmesser (»Die Meistersinger von Nürnberg«), mit der er 2017 auch an der Royal Opera London und bei den Bayreuther Festspielen gastierte. In jüngster Zeit feiern vor allem seine Wagner-Interpretationen Erfolge an großen Opernhäusern.

Hilko Dumno konzertiert neben seiner pädagogischen Tätigkeit an der Frankfurter Musikhochschule in den Fächern Liedgestaltung und Instrumentalkorrepetition regelmäßig im In- und Ausland.

Der Liederabend findet in Kooperation mit den Theaterfreunden Wiesbaden e.V. statt.

—| Pressemeldung Hessisches Staatstheater Wiesbaden |—

Dortmund, Theater Dortmund, Dortmunder Philharmoniker – Wiener Klassik, 25.06.2018

Juni 12, 2018  
Veröffentlicht unter Konzert, Pressemeldung, Theater Dortmund

Theater Dortmund

Opernhaus Dortmund © Theater Dortmund

Opernhaus Dortmund © Theater Dortmund

Dortmunder Philharmoniker:
„Wiener Klassik“ mit Solisten-Quartett

– NOCH EINE WOCHE BIS ZUM ANMELDESCHLUSS FÜR DEN HAUS-ZU-HAUS-SERVICE –

Beim 3. Konzert Wiener Klassik der Dortmunder Philharmoniker am 25.06.2018 stehen gleich vier Solistinnen auf der Bühne des Konzerthauses – alle aus den Reihen der Dortmunder Philharmoniker – und präsentieren an diesem Abend ihre pure „spiel_freude“.

Theater Dortmund - Dortmunder Philharmoniker / Gerrit Prießnitz © Ashley Taylor

Theater Dortmund – Dortmunder Philharmoniker / Gerrit Prießnitz © Ashley Taylor

Nicht ein oder zwei, sondern gleich vier Solo-Instrumente erklingen in Franz Danzis Sinfonia concertante: Zwar stehen Flöte, Oboe, Fagott und Horn auch einzeln im Mittelpunkt, doch zumeist ergänzen sie sich zu einer kongenialen Mischung. Dieses permanente Wechselspiel zwischen Orchester und dem Solisten-Quartett, bestehend aus Bettina Geiger (Flöte), Birgit Welpmann (Oboe), Monika Lorenzen (Horn) und Minori Tsuchiyama (Fagott), das verspricht echte „spiel_freude“. Das gilt auch für die anderen beiden Werke des Abends: Mozarts Zeitgenosse Gossec wurde zu Lebzeiten in Paris für seine neuartigen, frischen Sinfonien gefeiert wie kaum ein Zweiter. Ein wunderbares Beispiel dafür ist seine hörnerreiche Jagd-Sinfonie „La Chasse“. Für Joseph Haydns „Oxforder Sinfonie“ gab es zunächst einen besonders wichtigen und ernsthaften Grund: Er sollte eben dort zum Doktor der Musik promoviert werden. Als Dankeschön komponierte er diese Sinfonie, der man die „spiel_freude“ in jedem Takt und jeder Note anhört: vom Anfang bis zu ihrem triumphalen Finale.


Termin:

3. Konzert Wiener Klassik „spiel_freude“

25.06.2018, 19 Uhr, Konzerthaus Dortmund

Gerrit Prießnitz, Dirigent | Bettina Geiger, Flöte | Birgit Welpmann, Oboe | Monika Lorenzen, Horn | Minori Tsuchiyama, Fagott | Dortmunder Philharmoniker
Musik von Franz Danzi, Joseph Haydn und François-Joseph Gossec

Anmeldefrist für den „Haus-zu-Haus-Service“ im Stadtgebiet Dortmund bei der Taxi-Zentrale  für das 3. Konzert         bis zum 18.06.2018
Infos dazu:
https://www.theaterdo.de/aktuell/detailansicht/article/dortmunder-philharmoniker-haus-zu-haus-service-fuer-das-naechste-wiener-klassik-konzert/

—| Pressemeldung Theater Dortmund |—

Nächste Seite »