Berlin, Georg Kolbe Museum, Der Verrat der Bilder – 100 Jahre Bauhaus, IOCO Kritik, 28.09.2019

September 28, 2019  
Veröffentlicht unter Hervorheben, IOCO Aktuell, IOCO Ausstellungen, ioco-art

Georg Kolbe Museum Berlin / Der Verrat der Bilder - Augmented reality © Georg Kolbe Museum - NICO AND THE NAVIGATORS

Georg Kolbe Museum Berlin / Der Verrat der Bilder – Augmented reality © Georg Kolbe Museum – NICO AND THE NAVIGATORS

Georg Kolbe Museum

La trahison des images – Der Verrat der Bilder

– Wenn eine Brille Unsichtbares sichtbar machen und gewohnte Perspektiven hinterfragen könnte –

von Kerstin Schweiger

Europa-Premiere mit Augmented Reality in der darstellenden Kunst: Verrat der Bilder:
Eine Performance zu 100 Jahre Bauhaus im Berliner Georg Kolbe Museum

In ihrem Projekt Verrat der Bilder begibt sich die Gruppe Nico and the Navigators anlässlich des 100-jährigen Bauhausjubiläums auf eine performative Reise in die Geschichte des Bauhauses. Die Uraufführung des von der Bundeskulturstiftung geförderten multimedialen Projekts fand in den Dessauer Meisterhäusern statt. Die Berliner Premiere war am 26.9.2019 im Georg Kolbe Museum.

Vier Aufführungen gibt es dort täglich bis 4. Zum Oktober 2019, die maximale Anzahl von Teilnehmenden ist begrenzt (25 Personen).

So modern das Bauhaus und seine Protagonisten 1919 in ihrer Haltung und Kunstanwendung waren, so modern setzt das Projekt an, die Personen und Haltungen hinter der Kunstschule vorzustellen und auch kritisch zu hinterfragen. Nicola Hümpel und Oliver Proske, Kopf und Herz der Gruppe Nico and the Navigators, die seit 1998 ihren Ursprung am Ort des Geschehens am Dessauer Bauhaus hat, beziehen sich in der szenisch-technologischen Performance auf ihre ganz persönliche Verbundenheit zum Bauhaus, wo sie als Artists in Residence viele Projekte realisieren konnten. Sie nehmen die von Walter Gropius geprägte Formel „Kunst und Technik – Eine neue Einheit“ in Verrat der Bilder zum Anlass, die Aufführung an den Originalschauplätzen des Bauhauses zu verorten und mit den anderen künstlerischen Ebenen verknüpft zu einem neuen Rezeptions- und Theatererlebnis zu machen.

So fand die Uraufführung in den Meisterhäusern in Dessau statt, das Georg Kolbe Museum, das in seiner Bauweise Bauhaus nah und das einzig erhaltene Bildhaueratelier der 1920er-Jahre in Berlin ist, ist der zweite Spielort. Im Geiste des Bauhauses ließ sich Georg Kolbe hier einen idealen Ort für die Verbindung von Leben und Arbeiten, Natur und Kunst, urbaner Vernetzung und künstlerischer Einhausung, energetischer Produktionsstätte und lichtdurchflutetem Schauplatz gestalten. Diese Verbindungen werden in der Performance aufgegriffen, die Architektur, Schauspiel, Tanz, Skulptur und virtuelle Bilder zu einem vielschichtigen ästhetisch-räumlichen Gesamterlebnis vereint.

Doch welche Rolle spielt dabei die Augmented Reality?  Erstmals kommen bei einem Kunstprojekt in Europa Augmented-Reality-Brillen zum Einsatz, die jedem Zuschauer ein ganz eigenes Erleben des Kunstprojekts im Aufführungsraum ermöglichen. Die Brillen sind auf dem Stand der neuesten Technologie, so wie auch am Bauhaus vor 100 Jahren mit modernster Technik gearbeitet wurde. Mit ihrer Hilfe wird die Inszenierung um ein weiteres Element zusätzlich zum darstellerischen erweitert. Aus der Geschichte kennt man ähnliche Narrative wie Tarnkappen, Siebenmeilenstiefel oder die Fata Morgana als Vorläufer von Augmented Reality. Die Technik ermöglicht die Überlagerung eines realistischen Blicks durch programmierte dreidimensionale Bilder und Effekte, mit denen auch interagiert werden kann. Eine Second Life Erfahrung, die bereits im Game-Bereich weit verbreitet ist. Jeder Zuschauer wird mit seiner Brille einzeln angeleitet, so dass eine individuelle Rezeption der Aufführung möglich ist. Die tatsächliche Sicht auf Darsteller und den umgebenden Theaterraum wird dabei mit per Software programmierten narrativen Bildern, Elementen und visuellen Eindrücken ergänzt. Auch interaktive Elemente wie z.B. das Malen im virtuellen Raum sind Teil der Inszenierung.

Georg Kolbe Museum Berlin / Der Verrat der Bilder - Augmented reality © Georg Kolbe Museum - NICO AND THE NAVIGATORS

Georg Kolbe Museum Berlin / Der Verrat der Bilder – Augmented reality © Georg Kolbe Museum – NICO AND THE NAVIGATORS

Weltweit gibt es nur zwei Hersteller, darunter Magic Leap, deren Brillen hier zum Einsatz kommen. Die Brillen sind eine Weiterentwicklung der Technik in den Helmen von Jagdflugzeugpiloten. Sowohl im militärischen Bereich, wie in der Medizin oder Architektur ist ihre künftige Nutzung denkbar. Für die Aufführung hier wurden sie erstmals für ein Kunstprojekt adaptiert. Die Performer*innen bewegen sich dabei in bewährter Manier zwischen Sprache und Bewegung und arbeiten darüber hinaus mit einer theatral bisher kaum erprobten Technologie. Für die Darsteller, die mit programmierten Bildern und Effekten interagieren, ist das Spielen in Verbindung mit programmierter Technik eine besondere Herausforderung, sie sehen, anders als die Zuschauer, die Augmented Reality Elemente nicht.

Die Performance wirft einen ganz eigenen Blick auf die Geschichte und den künstlerischen Input des Bauhauses und seiner Gründer. Reduziert auf das „Eingemachte“, agieren auf der Bühne vier Personas, in die verschiedene Bauhausfiguren einfließen und die stellvertretend für die Bauhaus-Akteure stehen: Ernst Neufert, Johannes Itten, Gertrud Grunow und die junge Karla Grosch, die eng mit Paul Klee und seiner Ehefrau verbunden war. Alles gesprochene Wort basiert nur auf O-Tönen der Bauhaus-Protagonisten. Dabei liegt der Fokus auf einer durchaus auch kritischen Auseinandersetzung mit dem Bauhaus, die im bisherigen Glorienschein der Feierlichkeiten nicht hell genug leuchtete. „Kunst ist nicht Luxus, sondern Notwendigkeit“, Lyonel Feininger – in diesem Sinne eröffnet die Brille in der Collage Sichtweisen auf die politischen Verwerfungen und die ästhetischen Gegensätze der Weimarer Republik, die sich mit Blick auf das Heute wie eine historische Überblendung lesen lassen.

Die Vorstellung beginnt analog, die vier Protagonisten stellen sich und Grundgedanken der Bauhausbewegung vor. Dann werden die Brillen ausgegeben und spielerisch leiten die Darsteller das Publikum durch den Raum und die erweiterte Realität in Ton und 3D-Bild. Annedore Kleist, Pauline Werner, Patric Schott und Michael Shapira werfen sich in die Figuren mit großer Spiellust und Umsicht für die technische Umgebung, mit der sie interagieren. Ganz groß ist das, wenn das Ensemble um ein virtuelles Ensemble ergänzt wird. Duplikate der Darsteller beleben die Szene und turnen in der Gymnastikszene mit, die Vorstellung der verschiedenen Bauhausstühle wird zur Möbel-Revue, per Handzeichen paradieren lebensgroße Freischwinger über der Bühne. Das Finale lässt dann tief eintauchen in die Bauhaus-Familie, im gesamten Raum finden sich Abbilder der Bauhäusler in dreidimensionaler Erscheinungsweise, wo immer der Zuschauer hinblickt oder – alles dreht sich um Walter Gropius und seine Mitstreiter.

So entsteht ein Projekt, das mit einem neuen Medium nah an der Tradition und unmittelbar an der Zukunft arbeitet. Die ortsspezifische Arbeit wird nach den Aufführungen im Berliner Georg Kolbe Museum auch noch in der Landesvertretung Sachsen-Anhalts in Brüssel gezeigt. Durch das Anpassen einzelner Szenen vor Ort wird jede Station zum Schauplatz einer Uraufführung.

Der Verrat der Bilder,   Aufführungen im Georg Kolbe Museum, Sensburger Allee 25, 14055 Berlin vom 26.9. – 4.10.2019,

—| IOCO Ausstellungen |—

Perpignan, Musée d´Art, Auguste Rodin – Aristide Maillol, IOCO Aktuell, 10.09.2019

 Die Méditerranée Skulptur von Aristide Maillol im Patio des Rathauses von Perpignan © Anne Engelhardt

Die Méditerranée Skulptur von Aristide Maillol im Patio des Rathauses von Perpignan © Anne Engelhardt

Musée d’Art Hyacinthe Rigaud de Perpignan

Musée d’Art de Perpignan – Auguste Rodin – Aristide Maillol

 – Antipoden der Skulptur  – Auf Augenhöhe –

von Hanns Butterhof

Mit seiner Ausstellung Rodin – Maillol, face à face ist dem Musée d’Art Hyacinthe Rigaud in Perpignan wieder eine großartige, im besten Sinne spannende Ausstellung gelungen. Sie stellt die beiden grundverschiedenen französischen Skulptur-Großmeister der frühen Moderne, Auguste Rodin (1840 -1917) und Aristide Maillol (1861 – 1944), einander auf Augenhöhe gegenüber. Ohne selbst Partei zu ergreifen, provoziert die Ausstellung mit der Anmutung eines Vergleichs der beiden Künstler ein Urteil der Besucher.

In seiner zweiten, den Wechselausstellungen vorbehaltenen Etage stellt das  Musée d’Art Hyacinthe Rigaud in neun Kabinetten Skulpturen unterschiedlicher Größe und einige Zeichnungen Auguste Rodins ebensolchen von Aristide Maillol gegenüber. Die thematischen Schwerpunkte: Der Mann, Der Torso, Die Gruppe, Das öffentliche Monument, Die Zeichnungen und in beispielloser Breite Die Frau bilden das Spektrum des Schaffens beider Künstler umfangreich ab. Dabei gelingt es der Ausstellung, das Gefühl zu vermitteln, dass sich hier nicht nur Kunstwerke, sondern gegensätzliche Persönlichkeiten Auge in Auge gegenüberstehen.

Musée d'Art de Perpignan / Iris, messagère des dieux - Iris, Botin der Götter / Skulptur von Auguste Rodin © Anne Engelhardt

Musée d’Art de Perpignan / Iris, messagère des dieux – Iris, Botin der Götter / Skulptur von Auguste Rodin © Anne Engelhardt

Der  1840 nahe bei Paris in Meudon geborene Auguste Rodin ist, wohl selbst im französischen Katalonien, wo Aristide Maillol 1861 unweit von Perpignan in Banyuls-sur-Mer geboren wurde, der berühmtere von beiden. Und mit dem Gips-Modell seines populärsten Werkes, dem 180 cm großen Le Penseur monumental (Der Denker) von 1904, beginnt die Ausstellung spektakulär. Nur ganze 18 cm misst dagegen die dem Denker konfrontierte weibliche Tonfigur La Douleur (Das Leid) von 1921, deren ausgeführte Skulptur auf dem Marktplatz des nahen Städtchens Céret das Kriegerdenkmal ziert. Beide Figuren verbindet ihre nachdenkliche Haltung mit dem auf die Hand gestützten Kopf. Gleichzeitig trennt sie ihr Ausdruck fundamental. Er ist beim Denker gespannt, nach außen auf das Ergebnis und die darauffolgende Handlung gerichtet, während La Douleur völlig nach innen gerichtet, leidend am Ende jeglichen Handelns angekommen ist.

Expression bei Rodin und Impression bei Maillol, Dynamik und Gesammeltsein stehen sich in der ganzen Ausstellung gegenüber. Überdeutlich bestätigen das die beherrschenden Skulpturen des nächsten Kabinetts, Rodins bronzene Iris, messagère des dieux (Botin der Götter) von 1890, und Maillols Gips-Modell der Méditerranée (Mittelmeer) von 1905. Die Iris, ein kopfloser, jede klassische Form sprengender Torso, stellt mit gespreizten Beinen provokant Geschlechtlichkeit und Lebenskraft aus und springt die Betrachter nahezu an. Die Méditerranée, deren ausgeführte Form den Patio des Rathauses von Perpignan beherrscht, ist dagegen eine auf der Erde sitzende Frauenfigur, die völlig in sich ruht, die kräftigen Glieder entspannt und von einem Gleichmaß bestimmt, das wie aus der Natur übernommen scheint.

 Musée d'Art de Perpignan / Les Nymphes de la prairie - Skulptur von Aristide Maillol © Anne Engelhardt

Musée d’Art de Perpignan / Les Nymphes de la prairie – Skulptur von Aristide Maillol © Anne Engelhardt

Bei den männlichen Einzel-Figuren kommen sich beide Bildhauer scheinbar am nächsten, Maillols Bronze Le Cycliste (Der Radfahrer) von 1907 könnte fast eine Hommage an Rodins daneben stehendes bronzenes L’Age d’airain (Das eherne Zeitalter) von 1903-04 sein. Aber auch hier weichen die exakt nach ihren jeweiligen Modellen gearbeiteten Figuren in Haltung und Ausdruck deutlich von einander ab, diejenige Rodins in dramatischer Pose, die Maillols in nachdenklicher Entspanntheit.

 Musée d'Art de Perpignan / Les trois Ombres - Skulptur von Auguste Rodin © Anne Engelhardt

Musée d’Art de Perpignan / Les trois Ombres – Skulptur von Auguste Rodin © Anne Engelhardt

Wie sehr Maillol der beruhigten, nahezu klassischen Form verbunden bleibt, zeigt sich in der Gegenüberstellung zweier Paar-Motive, seiner mit 119 x 113 nahezu quadratischen Bronze Le Désir (Das Begehren) mit Rodins populärem Le Baiser (Der Kuss). Le Désir zeigt in einem klaren Aufbau ein unbekleidetes Paar, begehrlich fragend der Mann, in sanfter Abwehr, den Kopf abgewandt, die Frau. Auch das Paar in Rodins Le Baiser ist nackt, alle Bewegung zielt auf die Berührung der Lippen im Kuss. Doch hat die Skulptur etwas Arrangiertes, einen pathetischen Gestus, an dem in der Konfrontation mit Le Désir etwas leicht Süßliches aufleuchtet.

Ähnlich ist es mit den Frauen-Zeichnungen der beiden Künstler, die in getrennten Kabinetten gezeigt werden. Auch die 13 zum Teil leicht aquarellierten Zeichnungen Rodins wirken, obwohl schwungvoll skizziert, arrangiert und  sind nicht ohne pornographische Anmutung. Den angehobenen Kleidern und gespreizten Beinen ihres Modells stehen zumeist nahezu unerotisch züchtig Rückenansichten der Maillolschen Frauen gegenüber. Nur bei genauer Betrachtung aller Exponate wird man in Maillols Dina, einer kleinen, mit gespreizten Beinen auf dem Rücken liegenden Frauen-Figur aus Ton von 1937, eine dem gestaltenden Zugriff Rodins ähnliche Figur finden.

 Musée d'Art de Perpignan / Pomone - Skulptur von Aristide Maillol © Hanns Butterhof

Musée d’Art de Perpignan / Pomone – Skulptur von Aristide Maillol © Hanns Butterhof

Bei aller Verschiedenheit des Ausdrucks sind die ausgestellten Gruppen- wie der Einzel-Skulpturen  vom gleichen künstlerischen Ernst geprägt. Maiolls bronzene, 163 cm hohe Frauenfigur Pomone, mit der er 1910 im Salon d’Automne seinen ersten großen Publikumserfolg erzielte, bietet aufrecht und in absoluter Ruhe ihre Äpfel dar, während sich neben ihr Rodins 173 cm hohe bronzene Ève von 1881 voller Scham und Reue über ihre Verführbarkeit in sich verkriechen zu wollen scheint. Und ebenso aufrecht und gelöst wie Pomone reichen sich Maillols Les Nymphes de la prairie (Die drei Wiesen-Nymphen) die Hand, wie Rodins Les Trois Ombres (Die drei Schatten), der Ève gleich, bedrückt und wie geschlagen in sich zusammensinken.

Von den beiden öffentlichen Monumenten, denen ein eigenes Kabinett gewidmet ist, geht nicht das Strahlen des Gelingens aus. Maillols 215 cm hohe Bronzeplastik L’Action enchaînée – monument à Auguste Blanqui (Die angekettete Aktion) für den Revolutionär und Kommunarden Blanqui ist ein männlich muskulöser Frauenakt mit auf dem Rücken gefesselten Händen. Rodins La Muse Whistler, eine 223,5 cm hohe Bronzestatue, ist ein weiblicher Torso der Muse des Malers James McNeill Whistler, wie sie den Gipfel des Ruhms erklimmt, ohne Arme und Hände. In der Gestaltung von Ideen wie Rebellion und Erfolg können beide Künstler kaum überzeugen.

 Musée d'Art de Perpignan / Eve - Skulptur von Auguste Rodin © Hanns Butterhof

Musée d’Art de Perpignan / Eve – Skulptur von Auguste Rodin © Hanns Butterhof

Wo der direkte öffentliche Bezug fehlt, überzeugen die schließlich präsentierten weiblichen Torsi. In ihrem Unvollendetsein umgibt sie die Aura des Gelingens wie Rodins Méditation ou Voix  intérieure (Meditation oder Innere Stimme) von 1886 und Maillols Harmonie von 1940, die den Schlusspunkt der begeisternden Ausstellung setzen, in der noch viele kleine Kostbarkeiten wie Maillols bezaubernde Tonfigur Leda von 1900 zu entdecken  sind.

Die Ausstellung Rodin – Maillol, face à face stellt Rodin und Maillol auf Augenhöhe gegenüber, vielleicht nicht ganz ohne etwas mehr Sympathie für den Katalanen. Bei dem Urteil, das sie gleichwohl provoziert, mag es sehr auf den Betrachter ankommen. Jüngere mag die Dynamik und Expressivität Rodins besonders ansprechen, während sich Ältere durch sie eher bedrängt und durch die geerdete Ruhe Maillols erlöst und beglückt fühlen mögen. So verlässt niemand diese Ausstellung unberührt.

Die sehenswerte Ausstellung Rodin – Maillol, face à face ist bis 3.11.2019 im Musée d’Art Hyacinthe Rigaud, 21 rue Mailly, F 66000 Perpignan, zu sehen. Dreisprachige Beschilderung der Exponate in Französisch, Katalan und Englisch. Weitere Informationen unter www.musee-rigaud.fr Ein umfassend bebilderter, 215-seitiger französischsprachiger Katalog zur Ausstellung kostet im Museumsladen 25,00 €.

—| IOCO Ausstellungen |—

Münster, Picasso Museum, Ausstellung: Exoten und Moderne im Dialog, IOCO Aktuell, 06.02.2019

Kunstmuseum Pablo Picasso Muenster © Lutz Oppermann

Kunstmuseum Pablo Picasso Muenster © Lutz Oppermann

Kunstmuseum Pablo Picasso Münster

Kunstmuseum Pablo Picasso – Münster

Exoten und Moderne im Dialog – Ausstellung 2.2. bis  28.4. 2019

von Hanns Butterhof

Das Kunstmuseum Pablo Picasso Münster, das bis September 2010 noch Graphikmuseum Pablo Picasso Münster hieß, ist eines der Museums-Kleinodien im westfälischen Münster. Es wurde im Jahr 2000 eröffnet und beherbergt über 800 Lithografien Pablo Picassos. 1997  hatte der Lengericher Sammler Gert Huizinga, der am 9. 12. 2018 im Alter von 91 Jahren verstorben ist,  722 Lithographien in eine von den Sparkassen in Westfalen-Lippe, der Westdeutschen Landesbank Girozentrale, den Westfälischen Provinzial-Versicherungen sowie von ihm und seiner Frau gegründete Stiftung eingebracht und damit den Grundstein für das münsterische Picasso-Museum gelegt.

Das Kunstmuseum Pablo Picasso liegt am Picassoplatz 1 in der Königsstraße. Seine Ausstellungsräume befinden sich in zwei historischen Gebäuden, dem von 1784 bis 1788 erbauten Druffel’schen Hof, einem der bedeutendsten Bauten des Klassizismus‘ der Stadt, und dem benachbarten Hensenbau, die im Zuge des Umbaus zum Museum Ende der 1990er Jahre miteinander verbunden wurden.

Die Sammlung des Picasso-Museums umfasst bis auf wenige Blätter das komplette lithografische Schaffen des Spaniers, darunter Abzüge von Zwischenzuständen und Probedrucke. Thematisch spannen die Werke den Bogen von Porträts über Stillleben bis hin zu bewegten Stierkampfszenen und antiken Fabelwesen.

Das Museum verfügt darüber hinaus über einen repräsentativen Querschnitt durch das gesamte grafische Schaffen von George Braque von 1926 bis zu seinem Todesjahr 1963. Die Kollektion zeichnet sich durch eine Vielzahl von Unikaten und Künstlervorzugsdrucken aus und ähnelt in ihrem Ateliercharakter der Picasso-Lithografien-Sammlung.

Seit 2008 besitzt das Museum 137 Grafiken des Malers Marc Chagall, maßgeblich aus den 50er und 60er Jahren, seit 2015 auch eine deutschlandweit einzigartige Grafik-Sammlung mit 121  Lithografien, Linolschnitte und Radierungen von Henri Matisse als Dauerleihgabe.

Lithographie von Honoré Daumier © Pablo Picasso Museum[

Lithographie von Honoré Daumier © Pablo Picasso Museum[

Für die große Ausstellung Marc Chagall – Der wache Träumer standen die Besucher Schlange. Mehr als 58.000 Kunstinteressierte kamen seit Oktober 2018 nach Münster, um die 120 Gemälde, Zeichnungen und farbigen Grafiken des französischen Ausnahmekünstlers zu bewundern.

 Aktuelle Ausstellungen: Daumier-Karikaturen,  Exotisches und Moderne im Dialog

(Kunst) zwischen Kult und Kritik

Vom 2. Februar bis 28. April 2019 zeigt das Picasso-Museum zwei neue Ausstellungen. In den Räumen des ersten Stocks wird unter dem Titel  Ein Fest für die Augen  erstmalig die Kollektion eines ungenannt gebliebenen Münsteraner Privatsammlers präsentiert. Im zweiten Stock sind unter dem Titel Honoré Daumier Die menschliche Komödie Lithographien des französischen Meisters der Karikatur zu sehen.

Dass des Sammlers weites Herz für zeitgenössische in Deutschland lebende Künstler schlägt, zeigt   ein Raum der Ausstellung Ein Fest für die Augen mit Arbeiten von Tony Cragg, Carsten Gliese, Christoph Worringer und Milo Köpp. Doch das wahre Fest für die Augen sind 85 Gemälde, Grafiken und Skulpturen, die dazu herausfordern, dem Einfluss der Volkskunst Afrikas und Asiens auf die europäische und außereuropäische Avantgarde nachzugehen. Ausdrucksstarke afrikanische Masken und Skulpturen stehen Vertretern der Moderne gegenüber, darunter auch Picasso, in dessen Werk sich deutliche Bezüge zu den vereinfachenden Geometrisierungen finden. Dabei ist durchgängig erkennbar, wie zwar die Formen der zentralafrikanischer Vorbilder übernommen wurden, nicht aber deren kultischer Gehalt.

Pablo Picasso Museum Münster / Khmer Kunst © Pablo Picasso Museum

Pablo Picasso Museum Münster / Khmer Kunst © Pablo Picasso Museum

Den markanten Schwerpunkt der Ausstellung bildet eine Gruppe von eindrucksvollen Khmer-Statuen, denen zwölf Bilder Mark Tobeys, einem Vertreter des Abstrakten Expressionismus in Amerika, gegenübergestellt sind. Während die Statuen den ganzen Raum mit nahezu sakraler Ruhe füllen,  lädt jedes einzelne der Werke Tobeys dazu ein, sich in ihm zu verlieren, wenn man sich in seine filigrane Linien- und Farbstruktur vertieft.

Wenn der Sammler mit dieser Ausstellung etwas von sich preisgibt, das nicht nur privater Natur ist, dann ist es ein Bedürfnis nach der Ruhe und Seinsgewissheit, die in den kultischen Figuren zu finden ist und die von der Moderne gesucht, aber kaum mehr gefunden wird.

Im zweiten Stock breitet sich mit etwa 100 Litographien die witzige Ausstellung  Honoré Daumier – Die menschliche Komödie aus. Mit ihr nutzt das Picasso-Museum die erste Gelegenheit, seine im Spätsommer 2018 als Schenkung erhaltene Daumier-Sammlung zu präsentieren. Eine lose Verbindung zum Picasso-Museum besteht darin, dass neben vielen Modernen wie Vincent van Gogh oder Edgar Degas auch Pablo Picasso ein großer Bewunderer und Sammler von Werken Daumiers war. Honoré Daumier beschreibt in seinen teils farbigen Grafiken überzeitliche menschliche Schwächen, die heute ebenso aktuell sind wie im 19. Jahrhundert; viele seiner Typen meint man persönlich zu kennen. Die Ausstellung zeigt Szenen zum politischen und gesellschaftlichen Zeitgeschehen sowie Blätter aus den beliebten Serien der Bankiers, Ärzte und Juristen, die Daumier wie kaum einen anderen Berufsstand regelmäßig kritisch unter die Lupe nahm.

 Pablo Picasso Museum Muenster / Privatsammlung Tony Cragg "Eichelhäher - Skulptur" © Pablo Picasso Museum

Pablo Picasso Museum Muenster /  Privatsammlung Tony Cragg „Eichelhäher – Skulptur“ © Pablo Picasso Museum

Beide Ausstellungen lassen sich auf verschiedenste Weise auf einander beziehen. Offensichtlich haben die exotischen Figuren und die karikierten Personen Daumiers ganz ähnliche Proportionen, überdimensionierte Köpfe bei reduziertem Körper. Doch ist ihre Funktion völlig gegensätzlich. Beschwören die einen konservativ den traditionellen Kultus, haben die anderen nichts weniger im Sinn als dies. Beide sehenswerte Ausstellungen zusammen stellen die Besucher vor die aktuelle Frage, wo sie heute zwischen Daumiers aufklärerischem Entlarven und dem kultischen Anspruch von Gewissheiten stehen. Unter diesem Gesichtspunkt gewinnt der Raum mit den Arbeiten der in Deutschland lebenden Künstler ein vertieftes Interesse, formulieren sie doch eine aktuell mögliche Position zwischen Kultus und Kritik.

Das Museum ist von Dienstag bis Sonntag und an Feiertagen von 10.00 – 18.00 Uhr geöffnet. Öffentliche Führungen finden Samstag, Sonntag und an Feiertagen um 15.00 Uhr und 16:30 Uhr statt.

Der Eintritt beträgt 10 €, ermäßigt 8 €, für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre 4 €. Kinder bis 6 Jahre haben freien Eintritt.

Kontakt: www.kunstmuseum-picasso-muenster.de

—| ioco-art Kunstmuseum Pablo Picasso Münster |—

Düsseldorf, Museum Kunstpalast, Schenkung Kleiner Urwald – Heinz Mack, Januar 2019

Museum Kunstpalast

Cranach 2017

Museum Kunstpalast / Nachtaufnahme Museum Kunstpalast, © Stefan Arendt, Medienzentrum Rheinland

Museum Kunstpalast / Nachtaufnahme Museum Kunstpalast, © Stefan Arendt, Medienzentrum Rheinland

Kunstpalast erhält kapitale Schenkung
„Kleiner Urwald“ – ein Hauptwerk von Heinz Mack

Im Herbst des vergangenen Jahres sorgte das Lichtrelief Kleiner Urwald von Heinz Mack (*1931) für internationales Aufmerksamkeit. Das aus dem Jahr 1966 stammende Hauptwerk aus der Serie der Aluminiumreliefs erzielte einen Auktionsrekord. Erstmals überstieg der Preis für ein Kunstwerk von Heinz Mack die Millionengrenze. Dank der großzügigen privaten Schenkung des Düsseldorfer Unternehmers Fritz Bagel kommt Kleiner Urwald, ein großformatiger Objektkasten mit einer Assemblage reflektierender Aluminiumgitter (2,04 m x 3,04 m x 7 cm), in den Kunstpalast. In der Geschichte des Kunstpalastes ist es eine der wertvollsten Schenkungen eines künstlerischen Einzelwerks.

Museum Kunstpalast / Pressekonferenz anlässlich der Schenkung "Kleiner Urwald" Heinz Mack, © Anne Orthen

Museum Kunstpalast / Pressekonferenz anlässlich der Schenkung „Kleiner Urwald“ Heinz Mack, © Anne Orthen

„Ich bin sehr dankbar, aber auch stolz, dass wir mit der Schenkung von Kleiner Urwald ein Hauptwerk aus dem OEuvre von Heinz Mack für unseren Sammlungsbereich Moderne Kunst erhalten“, freut sich Felix Krämer, Generaldirektor Kunstpalast. Heinz Mack lebt seit Jahrzehnten in der Region. Er hat 1957 in Düsseldorf gemeinsam mit Otto Piene die Zero-Kunstbewegung begründet, der sich vier Jahre später Günther Uecker anschließt. Macks Kunst – ob Skulptur, kinetisches Lichtrelief, Malerei oder Grafik – findet weltweit Anerkennung.

Kleiner Urwald ist in der Sammlung des Kunstpalastes eine schlüssige Ergänzung zu den bereits vorhandenen, aber formal strengeren Arbeiten von Heinz Mack, wie Door of Paradise oder Lichtschleier. „Diese Schenkung ist,“ erläutert Krämer, „ein wichtiges Signal für uns und zeigt, dass der Kunstpalast als Bürgermuseum Profil gewinnt. Gerade in Zeiten begrenzter Ankaufsetats ist die private Unterstützung für die Erweiterung unserer Sammlung von großer Bedeutung für uns.“

Museum Kunstpalast / Heinz Mack - Kleiner Urwald, 1966  Copyright : VG Bild-Kunst 2019 Foto : Stephan Arendt, LVR-ZMB

Museum Kunstpalast / Heinz Mack – Kleiner Urwald, 1966
Copyright : VG Bild-Kunst 2019
Foto : Stephan Arendt, LVR-ZMB

„Dass ich dazu beitragen konnte, dass dieses herausragende Werk der Zero-Kunst von Heinz Mack aus den sechziger Jahren in Deutschland bleibt und in meiner Heimatstadt im Kunstpalast der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden kann, erfüllt mich mit Freude“, erläutert Fritz Bagel. „Meine Familie und ich sind seit Jahren mit Heinz Mack befreundet und nach wie vor von seiner Licht und Dunkel, Statik und Dynamik verbindenden Kunst fasziniert. Ich wünsche mir sehr, dass die Besucher des Kunstpalastes diese Faszination teilen.“

Museum Kunstpalast / Pressekonferenz anlässlich der Schenkung "Kleiner Urwald" Heinz Mack, © Anne Orthen

Museum Kunstpalast / Pressekonferenz anlässlich der Schenkung „Kleiner Urwald“ Heinz Mack, © Anne Orthen

Kleiner Urwald gehört zu den formal freiesten Arbeiten von Heinz Mack in der Werkgruppe der Aluminiumreliefs, in der neben die immateriellen Lichteffekte auch Assoziationen zu Pflanzenformen in Erscheinung treten. Das Thema der Vegetation hat Mack nach diesem frühen Schlüsselwerk von 1966 in weiteren, teils großformatigen Werken wie Der Garten Eden (1976) oder dem Bühnenbild zu William Shakespeares Sommernachtstraum (1985) mehrfach wiederaufgegriffen, was die Relevanz der Arbeit Kleiner Urwald im Gesamtwerk des Künstlers nachdrücklich unterstreicht.

„Diese private Schenkung von Fritz Bagel ist für den Kunstpalast ein Zeichen großer Wertschätzung für die hier geleistete Arbeit“, freut sich Oberbürgermeister Thomas Geisel. „Ich danke Fritz Bagel herzlich für diesen spektakulären Zuwachs zu der im Kunstpalast bereits auf hohem Niveau gesammelten Zero-Kunst. Und vor allem dafür, dass durch diese großzügige Gabe das Werk einem breiten Publikum zugänglich gemacht wird. Es ist ein schönes Beispiel für bürgerschaftliches Engagement in unserer Stadt, das hoffentlich Schule macht“, fasst Oberbürgermeister Geisel zusammen.

—| Pressemeldung Museum Kunstpalast |—

Nächste Seite »