Markneukirchen, Bundesweiter Wettbewerb – „Landmusikort 2021“ – 1. Preis, IOCO Aktuell, 12.07. 2021

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Markneukirchen / Rieseninstrumente vor Musikinstrumentenmuseum © FFF

Markneukirchen / Rieseninstrumente vor Musikinstrumentenmuseum © FFF

 „Landmusikort 2021“  –  1. Preis in bundesweitem Wettbewerb

Seit vielen Jahren begleitet IOCO den unter Schirmherrschaft von Christian Thielemann ausgetragenen Internationalen Instrumentalwettbewerb Markneukirchen, link HIER. Die musikalische Tradition des Ortes ist spektakulär: Reizvoll auf dem westlichen Elstergebirge Sachsens gelegen, im oberen Vogtland nahe Tchechien, besitzt Markneukirchen eine ungewöhnliche Spezialität: Um 1200 gegründet wird der Ort nach seinem Gründer Albertus Nothaft de Wildestein Nothaft genannt. Stadtrechte erhielt das Örtchen Nothaft bereits 1360. 1405 erstmals als Markt Neukirchen amtlich erwähnt, besaß es als „Amtsstädtchen“ schon früh Sitz und Stimme im „kursächsischen Landtag“.

Internationaler Instrumentalwettbewerb Markneukirchen 

Überregionale Bedeutung gewinnt das kleine Örtchen ab 1658, als protestantische Glaubensflüchtlinge den Geigenbau in die Stadt bringen. 12 Geigenbauer gründen 1677 die erste Geigenmacherinnung, 1750 beginnt der Bogenbau, 1777 gründen Saitenmacher die erste Saitenmacherinnung. 1797 schließen sich Waldhorn- und Pfeifenmacher zur „Musikalischen Blas,- Instrumentenmachergesellschaft“ zusammen. Um 1800 werden Gitarren gebaut; Zithern und Mandolinen folgen bald. 1834 wird in Markneukirchen die erste Musikschule Deutschlands gegründet. Auch die Martin-Trompete (Schalmei) wird 1905 in Markneukirchen entwickelt.

Markneukirchen / Geigenbauer Joerg Wunderlich © FFF

Markneukirchen / Geigenbauer Joerg Wunderlich © FFF

Doch nun erhält der Ort  Markneukirchen eine ganz besondere Ehrung:

 1.  Preis in bundesweitem Wettbewerb „Landmusikort 2021“ 

Elf Kommunen werden als Landmusikort 2021 im Rahmen des Förderprogramms „Landmusik“ vom Deutschen Musikrat ausgezeichnet, die Jury hat drei Bundespreise unter den Anträgen aus elf Bundesländern ausgewählt. Der erste Preisgeht an die Stadt Markneukirchen, die die Jury vor allem durch die intensive Vernetzung der kulturellen Akteure beeindruckt hat. Markneukirchen wird nun die Plakette „Landmusikort des Jahres 2021“ verliehen, die den Ort auch äußerlich als kulturelles Zentrum kennzeichnen soll, so der Deutsche Musikrat in seiner Pressemitteilung. Zudem ist der Preis mit 30.000 Eurodotiert, die für die weitere kulturelle Arbeit vor Ort verwendet werden sollen. Die Preisverleihung und Übergabe der Plakette findet im Herbst vor Ort statt.

Der zweite Preis wurde der Gemeinde Öhningen auf der Bodensee-Halbinsel Höri zuerkannt, der dritte Preis geht an die Gemeinde Kaufungen im Landkreis Kassel, dotiert mit 20.000 bzw.10.000 €. Die weiteren Landmusikorte des Jahres sind: Markt Postbauer-Heng (Bayern), Panketal (Brandenburg), Heede (Niedersachsen), Havixbeck (Nordrhein-Westfalen), Enkenbach-Alsenborn (Rheinland-Pfalz), Saarwellingen (Saarland), Wesselburen (Schleswig-Holstein) und Bad Salzungen (Thüringen). Sie erhalten jeweils 5.000 € Preisgeld, ebenfalls für die weitere kulturelle Arbeit.

In die Ermittlung der Preisträger waren die Landesmusikräte eingebunden. Eine Jury mit breit gestreuter Expertise sowohl im Bereich der professionellen Musik als auch der Amateurmusik unter Vorsitz von Prof. Dr. Ulrike Liedtke wählte die Preisträger-Kommunen aus. Kriterien waren neben Qualität und Kreativität der kulturellen Arbeit die Einbeziehung und Vernetzung der örtlichen Institutionen.

In der Markneukirchener Bewerbung unterstrich die Stadt die enge Verknüpfung von kulturellen Einrichtungen, Ausbildungsstätten, musikalischem Schaffen von Laien aller Altersgruppen bis hin zu Veranstaltungen wie dem Internationalen Instrumentalwettbewerb Markneukirchen und Meisterkursen, die jährlich zahlreiche junge Musiker aus aller Welt einladen und gleichzeitig lokale Ensembles und Institutionen einbinden. Sie betonte ebenfalls, dass ein unermüdlicher Pulsschlag ausgeht von drei großen Laienorchester, einer Vielzahl kleinerer Ensembles, die mehrmals jährlich in Konzerten öffentlich auftreten sowie vom Gymnasium mit musischem Profil, Klassenmusizieren, Blasorchester, Chören und einem fächerverbindenden Grundkurs „Vogtländischer Musikinstrumentenbau“. Aber auch die Musikschule mit mehr als 180-jähriger Tradition, kirchenmusikalischen Aktivitäten sowie das Musikinstrumenten-Museum sind Herzstücke des kulturellen Lebens in der Stadt.

Jury-Vorsitzende Prof. Dr. Ulrike Liedtke: „Die Förderung der Landmusik kommt zur rechten Zeit. Musik im ländlichen Raum spielt vor Ort, vor der Haustür, auf dem Marktplatz. Einzigartig an Landmusik ist, dass Profis und Amateure gemeinsam gefördert werden. Der Deutsche Musikrat lebt von diesem Miteinander unterschiedlichster musikalischer Aktivitäten. Die Auszeichnung von Landmusikorten lenkt die öffentliche Aufmerksamkeit einmal mehr auf musikalische Netzwerke in kleinen Städten und Dörfern. Bürgerinnen und Bürger ausgezeichneter Landmusikorte können sehr stolz auf dieses Gütesiegel sein!“

Markneukirchen / 44. Internationaler Instrumentalwettbewerb Makneukirchen hier Preistraeger Victor Julien-Laferriere © Ellen Liebner

Markneukirchen / 44. Internationaler Instrumentalwettbewerb Markneukirchen hier Preistraeger Victor Julien-Laferriere © Ellen Liebner

Programmleiter Dr. Tilman Schlömp: „Die ausgezeichneten Orte haben bewiesen, dass mit überwiegend ehrenamtlichem Engagement eine lebendige Musikszene im ländlichen Raum möglich wird, wenn dies politisch gewollt ist. Die Kompetenz der städtischen Verwaltung bündelt in den ausgezeichneten Orten die Interessen von öffentlichen und privaten Institutionen und nutzt den Mehrwert eines blühenden Musiklebens auch für touristische Vermarktung. “Das Förderprogramm Landmusik wird vom Deutschen Musikrat mit Fördermitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) durchgeführt.“

Weitere Informationen:

Landmusik   Das temporäre Förderprogramm Landmusik wird vom Deutschen Musikrat mit Fördermitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) durchgeführt. Ziel ist die Stärkung des Musiklebens im ländlichen Raum, um so einen Beitrag zur qualitativen Annäherung von urbanen und ländlichen Räumen zu leisten. Neben der Auszeichnung „Landmusikort des Jahres“ werden in der Projektförderung Konzerte und Initiativen unterstützt, die Musik im ländlichen Raum erlebbar machen und die Identifikation der Bürgerinnen und Bürger mit ihrer Region festigen. Ein Fortbildungsangebot in Zusammenarbeit mit vier Landesmusikakademien rundet das Programm ab.

Die Landmusik-Jury: Prof. Dr. Ulrike Liedtke (Vorsitz Jury), Hartmut Karmeier, Maria Löhlein-Mader, Eva Meitner, Johannes Mnich, Heiko Schulze, Torsten Tannenberg, Antje Valentin, Steven Walter

Deutsche Musikrat  Der Deutsche Musikrat (DMR) engagiert sich für die Interessen von 15 Millionen musizierender Menschen in Deutschland und ist weltweit der größte nationale Dachverband der Musikkultur. Er repräsentiert rund 100 Organisationen und Dachverbände des professionellen Musiklebens und des Amateurmusizierens sowie die 16 Landesmusikräte.

Der Deutscher Musikrat e.V. in Berlin setzt mit seiner musikpolitischen Arbeit als zivilgesellschaftlicher Akteur Impulse für ein lebendiges Musikleben und ist steter Dialogpartner für den Deutschen Bundestag und die Bundesregierung. Die Deutscher Musikrat gGmbH im Bonn organisiert als Träger die dreizehn langfristigen Förderprojekte des DMR: Ensembles: Bundesjugendorchester, Bundesjugendchor, Bundesjazzorchester; Wettbewerbe: Jugend musiziert, Jugend jazzt, Deutscher Musikwettbewerb, Deutscher Orchesterwettbewerb, Deutscher Chorwettbewerb; Förderung: Bundesauswahl Konzerte Junger Künstler, Dirigentenforum, Förderprojekte Zeitgenössische Musik PopCamp und Service: Deutsches Musikinformationszentrum (MIZ). Der DMR wurde 1953 gegründet und ist die größte Bürgerbewegung im Kulturbereich. Als Mitglied der UNESCO hat er sich in seinem Handeln der Konvention zum Schutz und zur Förderung der Vielfalt kultureller Ausdrucksformen verpflichtet und steht unter der Schirmherrschaft von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier.

—| IOCO Aktuell Instrumentalwettbewerb Markneuenkirchen |—


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Berlin, Deutsche Oper Berlin, Saisonstart am 27.8. – Auf dem Parkdeck, IOCO Aktuell, 10.07.2021

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deutscheoperberlin

Deutsche Oper Berlin

Deutsche Oper Berlin © Leo Seidel (Kontakt: leoseidel@googlemail.com)

Deutsche Oper Berlin © Leo Seidel (Kontakt: leoseidel@googlemail.com)

 Saisonstart 2021/22 – 27. August 2021 – GREEK: Auf dem Parkdeck

GREEK,  DER RING DES NIBELUNGEN, ANTIKRIST, DER SCHATZGRÄBER 

den Erfahrungen der letzten Monate geschuldet, erfolgt der Start in die Saison 2021/22 Open Air am 27.8.2021 auf dem Parkdeck der Deutschen Oper Berlin  mit der Premiere von Mark-Anthony Turnages  GREEK.

Regie führt Pinar Karabulut, die seit 2020 als Hausregisseurin zum Leitungsteam der Münchener Kammerspiele gehört, und die musikalische Leitung liegt in den Händen von Yi-Chen Lin, seit der Saison 2020/21 als Kapellmeisterin am Haus tätig.

Für die erste Münchener Biennale beauftragte Hans Werner Henze 1988 den damals unbekannten, 28jährigen Mark-Anthony Turnage, der durch seine kraftvolle Musiksprache aufgefallen war und bei Miles Davis wie bei Janácek oder Strawinsky Inspiration suchte, mit einer Uraufführung. Eines seiner bekanntesten Stücke ist bis heute GREEK – eine Bearbeitung und Überschreibung des Ödipus-Mythos. Ödipus wird darin zu Eddy, der in einer Arbeiterfamilie im heruntergekommenen Londoner East End aufwächst und von einer sozial tief gespaltenen Gesellschaft geprägt ist.

Rheingold – Deutschen Oper Berlin
youtube Trailer Deutsche Oper Berlin
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Die durch die Pandemie eigenwillige Premierenreihenfolge des RING DES NIBELUNGEN lässt auf das gerade viel gerühmte RHEINGOLD am 17. Oktober die Premiere von GÖTTERDÄMMERUNG folgen, bevor sich – im Rahmen des ersten Zyklus  – am 12. November SIEGFRIED anschließt.

Generalmusikdirektor Donald Runnicles und Stefan Herheim, dem für seinen Einfalls- und Bilderreichtum vielfach Bewunderung gezollt wurde, haben auf jeden Fall starke Nerven bewiesen, unter den außergewöhnlichen Umständen den Marathonlauf unbeirrt fortzusetzen. Im November stehen zwei komplette Zyklen an und ein dritter im Januar.

Zwei Produktionen aus dem Jahr 2020 gilt es nun nachzuholen: zum einen, mit Premiere am 30. Januar, Rued Langgaards  ANTIKRIST, ein Werk das sich allen Zuordnungen entzieht und zwischen Oper, Oratorium und szenischer Sinfoniechangiert, zum anderen Marina Abramovics 7 DEATHS OF MARIA CALLAS, eine internationale Koproduktion, die bislang nur an der Bayerischen Staatsoper vor extrem reduziertem Publikum in wenigen Vorstellungen gezeigt werden konnte.

Die Walküre  –  Deutschen Oper Berlin
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Am 8. Und 10. April 2021 folgen nun endlich die Berliner Aufführungen mit Marina Abramovic, einer erstrangigen Sängerinnenbesetzung und Willem Defoe im Film. Für ANTIKRIST konnte der junge Regisseur Ersan Mondtag gewonnen werden, dessen hochindividuelle Bildwelten mit der überbordenden Musiksprache Langgaards korrespondieren dürften. Die musikalische Leitung hat der Generalmusikdirektor der Oper Hannover, Stephan Zilias.

Als fünfte Premiere im großen Haus folgt am 20. März  LES VÊPRES SICILIENNES, Verdis erste für Paris geschriebene Grand Opéra, die hier in der französischen Urfassung erklingt. Die Interpretation dieses großen historischen Stoffes obliegt dem Team um Enrique Mazzola am Pult und Regisseur Olivier Py, die bereits bei Meyerbeers Grand Opéra LE PROPHÈTE gemeinsam einen packenden Zugriff gefunden haben. Mit Saioa Hernández als Hélène, Piero Pretti  als Henri, Roberto Tagliavini  als Procida und Thomas Lehman  als Montfort dürfte eine exzellente Sängerbesetzung bereitstehen.

Christof Loy setzt mit Schrekers  DER SCHATZGRÄBER seine Beschäftigung mit fast vergessenen Werken des beginnenden 20. Jahrhunderts fort und widmet sich außerdem mit der Kneipentochter Els einer weiteren ambivalenten und komplexen Frauenfigur – wie bereits in Korngolds DAS WUNDER DER HELIANE und Zandonais FRANCESCA DA RIMINI. Für diese Produktion können Christof Loy und Marc Albrecht ihre fruchtbare Zusammenarbeit fortführen, die Partie der Els übernimmt Elisabet Strid und Daniel Johansson den Elis. Premiere ist am 1. Mai.

Ds Wunder der Heliane – Deutschen Oper Berlin
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Und zum Ende der Saison, am 12. Juni, werden Jossi Wieler und Sergio Morabito ihre erste Neuproduktion für die Deutsche Oper Berlin vorstellen, mit Sir Donald Runnicles am Pult: Wagners DIE MEISTERSINGER VON NÜRNBERG. Als Hans Sachs ist Johan Reuter zu erleben, als Walther von Stolzing Klaus Florian Vogt und in den Partie der Eva und des Beckmesser debütieren Rachel Harnisch sowie Philipp Jekal.

In der Tischlerei, dem Raum für experimentelles Musiktheater, starten wir gleich zu Beginn der Saison, am 24. September, mit der Uraufführung DIE VORÜBERLAUFENDEN  mit Musik von Andrej Koroliov und in der Regie von Theresa von Halle. Basierend auf dem gleichnamigen  Prosastück Franz Kafkas beschäftigt sich die Produktion mit dem Thema Zivilcourage.

Das von Fritz Bornemann großartig entworfene Gebäude der Deutschen Oper Berlin feiert an diesem Tag (24.9.)  sein 60. Jubiläum. Nicht nur der Zuschauerraum ermöglicht beste Sicht-und Klangerlebnisse, sondern die weiträumigen Foyers bieten ebenso dem Publikum Raum zur Zusammenkunft wie der Bildenden Kunst Präsentationsorte, sodass wir den Geburtstag mit einer Ausstellung der Künstlerin Ina Weber begehen wollen. Auf die Vernissage am 18. September folgen eine Reihe an Veranstaltungen, die sich der Besonderheit der Architektur im Kontext ihrer Zeit und ihrer Wirksamkeit bis in die Gegenwart widmen.

 

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Bayreuth, Bayreuther Festspiele 2021, Eröffnung 25. Juli – mit 900 Besuchern, IOCO Aktuell, 04.07.2021

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Festspielhaus Bayreuth © Patrik Klein

Festspielhaus Bayreuth © Patrik Klein

Bayreuther Festspiele

Bayreuther Festspiele 2021  –  Finden statt

Der fliegende Holländer, Die Meistersinger von Nürnberg, Parsifal – konzertant, Tannhäuser, Walküre, Kinderoper Tristan und Isolde

Am 25. Juli eines jeden Jahres beginnen auf dem Grünen Hügel in Bayreuth die Bayreuther Festspiele; den Hauptwerken Richard Wagners gewidmet. In Anwesenheit von Kaiser Wilhelm I. (Wilhelm Friedrich Ludwig von Preußen 1797 – 1888) wurde am 13.8.1876 die erste Festspielsaison in Bayreuth mit Rheingold und prominenten Gästen, so auch König Karl von Württemberg, Friedrich Nietzsche, Anton Bruckner, Franz Liszt, Leo Tolstoi, Camille Saint-Saents eröffnet. Der menschenscheue König Ludwig II. (1845 – 1886), Finanzier der Festspiele und Wagnerverehrer, fehlte zu dieser Eröffnung; doch hatte er Tage zuvor den Generalproben und später einem Ring-Zyklus beigewohnt. 58.000 Besucher, verschworene Wagnerianer, „pilgern“ seither in normalen Jahren zu den Bayreuther Festspielen. Die Festspiele zählen zu den bekanntesten wie meist besprochenen Festspielen der Welt. IOCO wird auch 2021 alle Bayreuther Produktionen besuchen und besprechen.

Spielplan 2021 –  Hintergründe

Richard Wagner Büste © IOCO

Richard Wagner Büste © IOCO

Die Bayreuther Festspiele werden 2021 wieder stattfinden; Letzte Entscheidungen der Bayerischen Staatsregierung zur Regelung der Abläufe fielen erst vor wenigen Tagen. Für den 1937 Plätze umfassernden Besucherraum werden pro Vorstellung max. 900 Besucher eingelassen werden. So auch am 25. Juli 2021, dem traditionellen Eröffnungsdatum der Festspiele: wenn mit Der fliegende Holländer, in der Neuinszenierung von Dmitri Tcherniakov, John Lundgren ist der Holländer, Asmik Grigorian ist Senta, Georg Zeppenfeld ist Daland,   die Festspiele 2021 in Bayreuth eröffnet werden.

Am 26. Juli 2021 folgen: Die Meistersinger aus Nürnberg, in der auffälligen Inszenierung von Barrie Kosky, Premiere in 2019; Uschi Reifenberg  berichtete 2019 hierzu für IOCO, link HIER!.

Bayreuther Festspiele 2012 – Parsifal
youtube Bayreuth en Vinilo
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Vollständiger Spielplan –  Bayreuther Festspiele 2021: Link HIER!

IOCO berichtet jedes Jahr ausführlich über Produktionen in Bayreuth, so auch 2019 von Sebastian Siercke beschrieben die Walküre – von Placido Domingo dirigiert, oder,  Parsifal, 2018, von Karin Hasenstein beschrieben, Die Meistersinger von Nürnberg oder Der Ring des Nibelungen, der sogenannten Castorf-Ring.

Auch 2021 wird IOCO  leidenschaftlich den Aufführungen im Bayreuther Festspielhaus  beiwohnen und berichten.  Informieren Sie sich  hier direkt über den vollständigen

Zuschauerkapazitäten – Online-Sofortkauf

Die Zuschauerkapazität im Festspielhaus beläuft sich nunmehr auf 900 Plätze. Der Online-Sofortkauf für alle Veranstaltungen im Festspielhaus beginnt am 4. Juli um 14:00 Uhr. Teilnehmen können alle Personen, die über ein Kundenkonto bei den Bayreuther Festspielen verfügen und deren E-Mail-Adresse bereits verifiziert wurde. Pro Werk können vier Tickets erworben werden, die Anzahl der maximal zu erwerbenden Tickets ist auf zwölf Eintrittskarten begrenzt.

Ein besonderes Ereignis bereiten die Bayreuther Festspiele mit dem „Ring 20.21“ vor: Die Aufführungen der Walküre im Festspielhaushaus, gestaltet von dem Aktionskünstler Hermann Nitsch, werden eingerahmt durch Auftragswerke in verschiedenen Kunstrichtungen, die alle Teile des Ring des Nibelungen spiegeln, kommentieren, fortschreiben oder neuartig erlebbar machen.

Die Neukomposition Das Rheingold – Immer noch Loge von Gordon Kampe nach einem Libretto von Paulus Hochgatterer wird von Nikolaus Habjan mit Hilfe von Puppen in Szene gesetzt und eröffnet den „Ring 20.21“ am und im Teich vor dem Festspielhaus. Jede der insgesamt drei Vorstellungen am 29.7., 3.8. und 19.8. kann von maximal 250 Zuschauerinnen und Zuschauern besucht werden. Der Kartenpreis beläuft sich auf 25 €. Tickets können über Ticketmaster erworben werden, den Link zum Vorverkauf finden Sie demnächst auf der Website unter:

https://www.bayreuther-festspiele.de/programm/diskurs-bayreuth/diskurs-2021/

Jay Scheibs multimediale Arbeit „Sei Siegfried“ ermöglicht den Besuchern, selbst in die Rolle des Siegfried zu schlüpfen und gegen Fafner den Drachen zu kämpfen. Eine Installation zur „Götterdämmerung“ der japanischen Künstlerin Chiharu Shiota wird im Festspielpark den Zyklus ebenso filigran wie überwältigend und visionär abschließen.

Richrad Wagner Berlin © IOCO / Rainer Maass

Richrad Wagner Berlin © IOCO / Rainer Maass

Einführungsvorträge digital am Vorstellungstag um 10:30 Uhr

Dr. Sven Friedrich wird auch in diesem Jahr inszenierungsbezogene Einführungsvorträge halten. Die Vorträge zu den Werken Der fliegender Holländer, Tannhäuser und Die Meistersinger von Nürnberg finden allerdings nicht im Festspielhaus, sondern virtuell als Zoom-Meeting statt. Auf den Eintrittskarten befindet sich der tagesaktuelle Zugangslink, über den eine Teilnahme beim Einführungsvortrag um 10:30 Uhr möglich ist.

Bayreuther Festspiele digital  –  Zoom-Meetings

Wagner selbst äußerte einmal den Wunsch, alle Freunde seiner Kunst sollten freien Zugang zu den Aufführungen in Bayreuth haben. Da auch 2021, in diesem zweiten Ausnahmejahr nicht jeder nach Bayreuth reisen kann und die diesjährigen Festspiele mit einer beschränkten Zuschauerkapazität von 900 Plätzen pro Vorstellung stattfinden, möchten die Bayreuther Festspiele dem internationalen Wagner-Publikum wie schon 2020 ein digitales Festspielerlebnis ermöglichen.

Richard Wagner Haus in Venedig © IOCO

Richard Wagner Haus in Venedig © IOCO

Die Bayreuther Festspiele arbeiten erneut mit der Deutschen Grammophon zusammen, um insgesamt zehn verschiedene Festspiel-Produktionen virtuell zu präsentieren. Zwischen dem 26. Juli und dem 24. August werden aktuelle und auch zuletzt aufgeführte Festspielproduktionen unter www.festspiele-online.de zu sehen sein.

Außerdem plant wie jedes Jahr der Bayerische Rundfunk diverse Aufzeichnungen und Ausstrahlungen ausgewählter Vorstellungen der Bayreuther Festspiele 2021:

25. Juli: Der fliegende Holländer, live ab 17.57 Uhr im Radio und im Videolivestream auf br-klassik.concert
26. Juli: Die Meistersinger von Nürnberg, live/zeitversetzt ab 18.05 Uhr im Radio
27. Juli: Tannhäuser, live/zeitversetzt ab 18.05 Uhr im Radio
29. Juli: Die Walküre, live/zeitversetzt ab 18.05 Uhr im Radio
31. Juli: Der fliegende Holländer, Vorstellung vom 25. Juli, ab 20:15 Uhr auf 3Sat im TV

Hygienemaßnahmen

Zum Gesundheitsschutz aller Anwesenden ist der Besucher verpflichtet, sich – sofern anfallend – auf eigene Kosten am Tag der Veranstaltung einem SARS-CoV-2-Antigen-Test bei einer behördlich zugelassenen oder anerkannten Teststation zu unterziehen. In der Nähe des Festspielhauses wird eine Testmöglichkeit geboten, für die jedoch ausreichend Zeit einzuplanen ist.

Besucher werden zur Aufführung bzw. zum Konzert nur eingelassen, wenn sie bei der Einlasskontrolle folgende Dokumente (kumulativ) vorweisen können:

  • Nachweis über ein negatives SARS-CoV-2-Testergebnis, ausgestellt von einer behördlich zugelassen bzw. anerkannten Teststation am Tag der Veranstaltung,
  • personalisierte Eintrittskarte und
  • Lichtbildausweis

Der Nachweis über ein negatives SARS-CoV-2-Testergebnis ist entbehrlich für nachweislich Geimpfte ab dem 15. Tag nach der letzten Impfung oder Genesene (ggf. mit Impfung nach 6 Monaten). Der Nachweis über die Impfung oder Genesung ist durch den jeweiligen Besucher – wie auch der Nachweis über ein negatives Testergebnis – am ausgewiesenen Hygiene-Checkpoint der Festspiele zu erbringen.

Im Festspielhaus herrscht vor, während und nach den Aufführungen die Pflicht zum Tragen einer FFP2-Maske. Die Aufführungen werden nicht durch zusätzliche Pausen unterbrochen. Im Festspielhaus werden zum Gesundheitsschutz aller Anwesenden in diesem Jahr keine Garderobe und keine Sitzkissen zum Verleih angeboten. Das Fächern während der Aufführungen ist untersagt.

—| IOCO Aktuell Bayreuther Festspiele |—


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Loches, Cité Royale, Valois-Dynastie, Jeanne d’Arc, Agnès de Sorel, IOCO Aktuell, 04.07.2021

Juli 3, 2021  
Veröffentlicht unter Hervorheben, IOCO Aktuell, Überregional

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Der Blick auf die Burg und die Stadt Loches © Studio Gilles / Ville de Loches

Der Blick auf die Burg und die Stadt Loches © Studio Gilles / Ville de Loches

LOCHES – CITÉ ROYALE – ein Kleinod, das französische Geschichte formte
Lieblingsresidenz der Valois-Dynastie, Jeanne d’Arc, Agnès de Sorel

 mit Peter M. Peters – auf zu verborgenen kulturellen Schätzen Frankreichs

IOCO möchte seinen meist deutschsprachigen Lesern auch kulturell interessante Orte außerhalb Deutschlands vorstellen. Heute: Eine kleine, in Deutschland kaum bekannte aber geschichtsträchtige Stadt in Frankreich:  LOCHES – 6.000 Einwohner, 40 Km südlich von Tours, im Department Centre-Val de Loire gelegen. So klein LOCHES ist –  so ist es doch ein Juwel, ein Monument in der  Geschichte Frankreichs. Begleiten Sie Peter M. Peters durch das königliche Loches:

EIN WOCHENENDE IN LOCHES – der  CITÉ ROYALE

Gehen wir in die Zeit zurück und entdecken wir eine der schönsten befestigten Städte Frankreichs. Die königliche Stadt Loches wurde auf einem Felsvorsprung erbaut und wird von einem imposanten Bergfried dominiert, einem Meisterwerk mittelalterlicher Militärarchitektur. Die Gassen sind übersät mit architektonischen Juwelen, darunter die königliche Residenz, ein historisches Wahrzeichen in der französischen Geschichte, die u.a. Jeanne d’Arc (etwa 1412-1431) und vor allem die erste offizielle königliche Favoritin Agnès de Sorel (etwa 1422-1450) begrüßte.

Während im Loire-Tal Renaissance-Schlösser blühen, sind mittelalterliche Städte seltener. Durch den bemerkenswerten Charakter seines Schlosses mit seiner Fassade im gotischen Flamboyant-Stil wird es die Lieblingsresidenz der Valois-Dynastie. Dazu mit dem frühgotischen Bergfried beherbergt Loches ein seltenes architektonisches Meisterwerk, das die Stadt und das idyllische Tal der Indre beherrscht. Ab dem Ende des Mittelalters begrüßte und beherbergte die königliche Residenz bekannte Persönlichkeiten, darunter die Favoritin von Charles VII (1403-1461), Agnès de Sorel.

Eine ungewöhnliche Figur in der Landschaft der Loire-Schlösser, das 37 Meter hohe Verlies (Donjon) aus dem 11. Jahrhundert und eines der am besten erhaltenen in Europa. Mit seinen zahlreichen gemalten und eingravierten Graffitis lässt es die Besucher in die düstere Gefängniswelt der damaligen Zeit eintauchen. Der rechteckige Bergfried (25 x 15 m) wurde um 1070, von den Comtes d’Anjou fertiggestellt und misst 37 m. Der Schutz des Bergfrieds wird im Laufe der Jahrhunderte durch aufeinanderfolgende Einfriedungen verstärkt. Drei Schnabeltürme vervollständigen die südliche Verteidigung des Platzes aus dem 13. Jahrhundert. Der Fortschritt der Militärarchitektur ermöglichte die Realisation von drei neuen Bauten aus der Mitte des 15. Jahrhunderts: Der Schiesscharten-Eingang, der Neue Turm oder Rundturm an der Verbindungsstelle der Stadtmauern und denen des Bergfrieds. Das schreckliche Martelet, ein riesiges gemauertes Hemd mit unterirdischen Gängen, in denen drei Stockwerke mit Kerkern ausgestattet sind.

"La Vierge au Lait" Agnès Sorel von Gemaelde von Jean Fouquet © Musée d'Anvers

„La Vierge au Lait“, Portraet von Agnès Sorel – Gemaelde von Jean Fouquet.© Musée d’Anvers

Eine königliche Einladung…!

Vergessen wir die dunklen Kerker der Vergangenheit und kehren wir zurück auf den königlichen Weg. Auskünfte: Das Office de Tourisme Loches Touraine Châteaux de la Loire: (info@loches-valdeloire.com / www.loches-valdeloire.com) lud uns für ein königliches Wochenende ein. La Porte Royale. Wir betreten die Cité Royale durch die Porte Royale, der einzige Zugangsweg seit dem Verschwinden der Zugbrücke, die den Graben nach Süden überquerte. Dieses befestigte Tor, wurde Anfang des 15. Jahrhunderts wieder aufgebaut. Wir sollten nicht zögern auf den Turm der Porte Royale zu klettern, von dem die Aussicht großartig ist. Le Logis Royal. Dieses kleine Schloss ist im Westen dominiert von einem Hof und einem kleinen Park und im Osten von einer Terrasse, deren Brüstung steil an die Ufer der Indre und dort an die eng-gruppierten mittelalterlichen Häuser den Blick führt. Im ersten Raum, dem Retrait du Roi, sehen wir die Spur eines im 19. Jahrhundert entfernten Kamins. Der ummauerte Durchgang zum Turm und die Überreste eines Renaissance-Wandteppichs, der unter der Täfelung des nahegelegenen Presbyteriums entdeckt wurde.

Der Große Saal war zu Beginn des 15. Jahrhunderts höher, da der Rahmen sichtbar und in hellen Farben bemalt war. Dieser Raum wird in Erinnerung an das Treffen zwischen dem Dauphin (Kronprinz) und Jeanne nach dem Sieg von Orléans auch als Jeanne d’Arc-Raum bezeichnet. Wir bemerken eine Reihe von Wandteppichen aus Oudenaarde (Flandern) und die Wände der ursprünglichen Treppe, die den Zugang zu den Diensträumen und den Küchen ermöglichte. Durch eine reich geschnitzte Tür gelangt man in den zweiten Teil des Schlosses, erbaut von Louis XII (1462-1515). In einem Kaminzimmer entdecken wir ein prächtiges Triptychon von Jean Bourdichon (1457-1621), Miniaturenmaler aus der Gegend von Tours. Dieses Werk gehörte der Chartreuse du Liget.

Agnès de Sorel, „La Dame de Beauté“, erste offizielle königliche Favoritin

Grabausschnitt von Agnès Sorel © Wikimedia commons

Grabausschnitt von Agnès Sorel © Wikimedia commons

Ein Raum ist Agnès de Sorel gewidmet. Gegenüber ihrem Grabmal (von Jacques Morel /1390-1459) befindet sich ein wichtiges Meisterwerk, das Diptychon von Jean Fouquet (etwa 14201481) La Vierge au Lait (etwa 1452-1458) das Original befindet sich in Antwerpen), das die Jungfrau in der Gestalt von Agnès de Sorel darstellt. Dieses Porträt ist wichtig, weil alle Darstellungen der Favoritin des Königs posthum sind. Fouquet, offizieller Maler von Charles VII, hat sie jedoch sicherlich kennengelernt. Die spätere Ikonographie wurde von dieser Arbeit inspiriert. Agnès de Sorel wurde in der Picardie zu einem ungenauen Datum geboren, so dass wir nicht wissen können, ob sie in ihren Zwanzigern oder Dreißigern am 11. Februar 1450 starb, möglicherweise vergiftet. Gesellschaftsdame von Isabelle de Lorraine (1410-1453 / Ehefrau von René d’Anjou /1409-1480 und Schwägerin des Königs) trifft sich um 1444 in Saumur das erste Mal mit Charles VII und wird seine Geliebte. Während der fünf Jahre, die sie an der Seite des Königs verbrachte, hatte sie drei Töchter, die ihrem Rang entsprechend legitimiert und verheiratet wurden.

Collégiale Saint-Ours, Foto unten: « …Voilà, une des merveilles de notre architecture religieuse… »    André Hallays / 1859-1930

Die Kirche, ehemalige Collégiale Notre-Dame, wird von zwei Glockentürmen eingerahmt, einer aus dem 11. Jahrhundert und der andere Glockenturm mit einer Veranda, der ein Jahrhundert später gebaut wurde. Nachdem das Dach, das die beiden Türme verband, um 1165 einstürzte, wurden die beiden „dubes“ errichtet, diese hohlen Pyramiden, vielleicht inspiriert von den Küchen der Abbaye de Fontevraud. Anfangs konisch, nahmen sie bei einer Restaurierung im 19. Jahrhundert ihre achteckige Form an. Wir betreten die Kirche durch einen Narthex, gleichzeitig werden die „dubes“ hinzugefügt, um das prächtige Portal vom Anfang des 12. Jahrhunderts zu schützen, das seine polychrome Frische vollständig erhalten hat. Das südliche Spitzbogengewölbe stammt aus dem 12. Jahrhundert und das nördliche Rippengewölbe aus dem 15. Jahrhundert. Von der Collégiale Saint-Ours gehen wir noch einmal am Bergfried vorbei durch eine friedvolle Lindenallee, die von alten Häusern gesäumt ist.

Collégial Saint-Ours in Loches © Loïc Lagarde

Collégial Saint-Ours in Loches © Loïc Lagarde

Bienvenue au Musée Lansyer…

Idyllisch im Schatten des Schlosses gelegen, ein typischen Bürgerhaus des frühen 19. Jahrhunderts. Der Maler Emmanuel Lansyer (1835-1893) hat das Erbe seiner Mutter als Museum für seine Werke und Sammlungen vorgesehen, indem er es an die Stadt Loches vor seinem Tode übergab. Unabhängiger Geist, Lansyer war kein Mitglied einer Malerschule. Die Besonderheit seiner Arbeit besteht darin, dass sie nicht klassifizierbar ist. Als Schüler von Eugène Viollet-le-Duc (1814-1879), Gustave Courbet (1819-1877) und dann Henri Harpignies (1819-1916) bewegt sich sein Malstil zwischen Klassizismus und Moderne. Klassisch in seiner Linie und modern in seiner artistischen Sehweise.

Als anerkannter Künstler wurde er mehrfach mit einer Medaille des Salon des Artistes Français ausgezeichnet. Ab 1866 wurde er ein offizieller Maler, seine Werke wurden vom Staat gekauft. Seine Karriere als Landschaftsmaler gipfelte 1881 mit der Auszeichnung der Légion d’Honneur und seiner Wahl in die Jury des Salon des Artistes Français. Lansyer starb 1893 in Paris. Er wurde in Loches begraben. Der Garten von Lansyer lädt zur Ruhe und Meditation ein und ist eine grüne Pause im Herzen der mittelalterlichen Stadt. Dieser Garten ermöglicht uns den Zugang zur Terrasse der Porte Royale, die einen außergewöhnlichen Panoramablick auf die Stadt bietet. Auskünfte für das Museum Lansyer – Tel: + 33 2 47 59 48 21 / patrimoine@mairieloches.com / www.ville-loches.fr

Blick auf das Schloss von Loches _ Lansyer © Gillard et Vincent

  Vue sur le château ©  Lansyer

Spaziergang durch die historische Stadt  Loches

Wie die Cité Royale so ist auch der historische Stadtkern von Loches von einer mehr als einen Kilometer langen Stadtmauer umgeben. Wenn wir die Festung durch die Porte Royale verlassen, finden wir am Ende der Promenade de la Poterie das Haus von Louis Delaporte (1842-1925), in der gleichnamigen Straße. Rue du Château. Von der Porte Royale aus können wir durch die Rue du Château in die Stadt hinuntergehen und sehen bei Nr. 19 das Haus, das als Agnès Sorel-Haus bekannt ist, wegen der weiblichen Büste, die den Eingang überragt. Das Flachrelief, das die Fassade von Nr.10 schmückt, gibt diesem Gebäude aus dem 16. Jahrhundert seinen Namen: La Maison du Centaure. Die Chancellerie (Nr. 8) präsentiert ein Dekor, in dem die italienischen Einflüsse durchdringen. Es trägt die Jahreszahl 1551 in einer Kartusche sowie das Monogramm von Henri II (1519-1559). Nur die beiden Inschriften – Prudentia nutrisco (Ich er ernähre mich von Klugheit) und Justicia regno (Ich herrsche durch Gerechtigkeit) – rechtfertigen diesen Namen, weil es im 16. Jahrhundert keine Kanzlei in Loches gab!

In der Chancellerie ist als Gast aus Neapel eine Sonderausstellung vom 20. Mai bis einschließlich 1. Oktober 2021 unter dem folgenden Titel zu sehen:

Il tesoro di Napoli… Il miracolo di San Gennaro

Der Schatz von Neapel – das Wunder von San Gennaro. Loches hat die Ehre, einen Teil des Schatzes von San Gennaro (270-305 n. Chr.) aus Neapel zu beherbergen. Über sieben Jahrhunderte hinweg wurde dieser Schatz von mehr als 21 000 Stücken zusammen getragen. Goldschmiedearbeiten, Schmuck, Silber- und Goldstatuen, die dem Schutzpatron von Neapel geschenkt wurden, es ist einer reichsten Schätze der Welt, die der Krone von England und der Zaren von Russland übertreffen. Seine völlig überraschende Geschichte macht es absolut einzigartig.

Vermutlich um 270 n. Chr. in Neapel geboren, wurde San Gennaro 302 Bischof von Benevento (in der Nähe von Neapel). Danach war er den Verfolgungen des römischen Kaisers Diokletian (244-311/12 n. Chr.) gegen die Christen ausgesetzt. Im Jahre 305 wurde er im Alter von etwa 30 Jahren zum Tode verurteilt. Am Tage nach seinem Tode sammelte eine fromme Frau das Blut in zwei Ampullen (Flaschen) zusammen. Aus diesen Reliquien geboren, ist das Wunder der Verflüssigung des Blutes von San Gennaro auch heute noch ein wesentlicher Bestandteil des religiösen Lebens in Neapel. So erwarten die Neapolitaner dreimal im Jahr „das Wunder von San Gennaro“: Das in den Ampullen gesammelte Blut des Heiligen muss vom festen in den flüssigen Zustand übergehen. Wenn das Wunder schnell geschieht, ist es das Zeichen eines günstigen Jahres, ansonsten ein unheilvolles Omen.

San Gennaro © Musée de Saint Gennaro Neapel

San Gennaro © Musée de Saint Gennaro Neapel

Ein einzigartiger Schatz in dieser Welt. Sieben Jahrhunderte lang, durch einfache Anerkennung oder um von den Neapolitanern gut aufgenommen zu werden. Auch in einigen Fällen aus reinem Aberglauben, schenkt jeder König, Prinz, jede große Familie oder jeder normale Bürger San Gennaro ein Geschenk. Der Schatz von San Gennaro sowie das Blut und die Reliquien des Heiligen werden in der Kapelle neben der Kathedrale von Neapel aufbewahrt, die zu Beginn des 16. Jahrhunderts erbaut wurde. Die große Besonderheit dieser Kapelle ist der Laienstatus, den sie seit ihrer Gründung innehatte. Tatsächlich hängt weder die Kapelle noch ihre Schatzkammer vom Vatikan ab. Die Schatzkammer wird von der Deputation verwaltet, einer unabhängigen Institution der religiösen Macht, deren Mitglieder ursprünglich Vertreter der Verwaltungsstrukturen der Stadt, der Sedili sind. Bis heute hat nur die Deputation die alleinige Autorität über die Kapelle und die Schatzkammer. Auskünfte: +33 247 5948 21 oder patrimoine@mairieloches.com / www.ville-loches.fr.

Schließlich wurde bei Nr. 1 ein Haus aus dem 15. Jahrhundert, das an eine neugotische Fassade mit schweren Skulpturen angrenzt, kürzlich restauriert. Die Stadttore. Die Porte Picois, der nordwestliche Eingang zur Stadt, unterbricht die Einfriedung wie die Porte des Cordeliers im Nordosten und vor dem Abriss die Porte Poitevine im Südwesten. Dieses befestigte Tor wurde im 15. Jahrhundert mit Pecherker und Wallgang konstruiert und man kann die Spuren der während des Religionskriegs abgefeuerten Projektile sehen. Hôtel-de-Ville. Es wurde 1535 gegen die Porte Picois gebaut, dank einer Genehmigung von François Ier (1494-1547) im Jahr 1519. Es ist ein perfektes Beispiel für die Architektur der Renaissance.

Rund um den Saint-Antoine-Turm. Dieser zwischen 1529 und 1575 erbaute Turm diente sowohl als Turmwarte als auch als Glockenturm für eine angrenzende Kapelle. Auf dem Place du Marché-aux-Légumes können wir unter Nr. 3 ein Türmchen aus dem 15. Jahrhundert sehen. In der Rue Saint-Antoine Nr. 5 stammen das Hôtel Nau mit seinen drei Loggia-Etagen aus der Mitte des 16. Jahrhunderts. In der Grande Rue steht die älteste Apotheke der Stadt, die fast seit drei Jahrhunderten in Betrieb ist. Kulturpause! Wie wär’s mit einem guten Tropfen? Aber natürlich im „bar à vins“ La Loire en tonneaux 29, Grande Rue (laloireentonneaux@free.fr / +33 9 54 67 83 26)

Entlang der Wälle. Die steilen Mauern der Collégiale Saint-Ours und des Logis Royal blicken auf die malerische Rue Saint-Ours. Beachten wir bei der Nr. 13 und 15 die schönen Fassaden der Maison de l’Écuyer du Roi, dann bei Nr. 21 das Renaissance-Türmchen der Maison de l’Argentier du Roi und bei Nr. 10 den Eingang zum Ancien Prieuré. Wir können dann den Boulevard Philippe-Auguste nehmen, der sehr genau der Spur des alten Verteidigungsgraben folgt.

Jean Boucher (1575-1632) La Descente de Croix"

Jean Boucher (1575-1632) La Descente de Croix“

Ein kleiner kurzer Abstecher in die Kirche und Galerie Saint-Antoine. Vom historischen und künstlerischen Wert hat das Gebäude aus dem 19. Jahrhundert für uns nicht sehr viele interessante Aspekte. Aber ein Gemälde fiel uns ins Auge: Das bemerkenswerte Werk ist von Jean Boucher (1575-1632) La Descente de Croix, 1626, deren Restauration im Jahre 2009 die Signatur und das Datum freilegte. Seine symmetrische Komposition, seine leuchtenden Farben und die Ausdruckskraft seiner Charaktere machen es zu einem der wichtigsten Werke des Künstlers. Auskünfte: Office de Tourisme Loches Touraine Châteaux de la Loire Place de la Marne 37600 Loches Tel : + 33 2 47 91 82 82. Eintritt frei!

Abbaye de la Sainte-Trinite _ Beaulieu-les- Loches

Abbaye de la Sainte-Trinite _ Beaulieu-les- Loches  © PM Peters

Die Kunst des Spaziergangs: Beaulieu-lès-Loches

Auf der Straße, die von der Porte des Cordeliers in Loches nach Beaulieu-lès-Loches führt, sieht man links zuerst das imposante Hospital-Gebäude aus dem 17. Jahrhundert. Dann die Unterpräfektur, das ehemalige Hôtel d’Armaillé und rechts der Manoir de Sansac, erbaut während der Regierungszeit von François Ier, dessen Terrakottabüste den vorderen Teil der Fassade ziert.

Abbaye de la Sainte-Trinité. Die Altstadt von Beaulieu mit ihren Häusern aus dem 15. und 16. Jahrhundert wurde am Rande der berühmten Abbaye de la Sainte-Trinité erbaut, die 1007 von Comte Foulques Nerra III d’Anjou (970-1040) gegründet wurde. Sein Sohn, Comte Geoffroy Martel II (1006-1060) erweiterte die Kirche Mitte des 11. Jahrhunderts und legte den Grabstein für seinen Vater. Es ist eines der größten erhaltenen Gebäude dieser Zeit in Frankreich. Nach einem gewissen Wohlstand erlebte die Abtei während des Hundertjährigen Krieges schwierige Zeiten. Dann wird es während der Revolution als nationales Eigentum verkauft.

Wir wurden persönlich von der Bürgermeisterin, Mme Sophie Métadier empfangen und sie zeigte uns mit Stolz die historischen und kulturellen Schätze der Stadt. Auch sprach sie insbesondere über das renommierte Kammermusikfestival Sonates d’Automne. Das Festival musste leider im Jahre 2020 ausfallen und bis Reaktionsschluss hatten wir das Programm für 2021 noch nicht erhalten. Auskünfte: www.sonatesdautomne.fr / Mairie de Beaulieu-lès-Loches Tel: + 33 2 47 91 94 94 / mairie.beaulieu37@wanadoo.fr.

Nach unserem schönen Stadtbummel genossen wir gemeinsam ein Glas des berühmten und ausgezeichneten Weißwein Cheverny AOC aus dem Loire-Tal, dazu ein Stück Ziegenkäse aus derselben Gegend („La Pyramide de Valençay AOC“) auf der sonnigen Terrasse des Bistros am Kirchplatz.

Auf dem Rückweg nach Loches durchquerten wir die Prairies du Roy, ein natürliches Bio-Reservat mit seltenen Pflanzen, Blumen, Bäumen, Vögeln und anderen Kleintieren. Wir genossen den Sonnenuntergang in dieser Elfenlandschaft. Von weitem begrüßte uns der einmalige Blick auf das königliche Loches mit seinem Märchenschloss.

Chemillé-sur-Indroit _ das Eingangstor der Chartreuse du Liget © Léonard de Serres

Chartreuse du Liget. „Auf den Spuren des heiligen Bruno aus Koeln“. © Léonard de Serres

Chartreuse du Liget: Auf den Spuren des Heiligen Bruno aus Köln

Nachdem man den Wald von Loches auf der Straße durchquert hat, die an der Pyramide des Chartreux vorbeiführt, erreicht man die Chartreuse du Liget. Die vier Pyramiden, die im 18. Jahrhundert im Wald erbaut wurden, waren als Jagdstandorte bei der Hetzjagd mit Hunden benutzt.

Das Kloster. König Henri II Plantagenet (1133-1189) kauft 1178 ein „Gebiet aus Holz und lebendigem Wasser“ und gibt es den Kartäusern, damit sie ein Kloster errichten. Zweifellos als Sühne für das Verbrechen von Thomas Becket, Erzbischof von Canterbury (1118-1170), der sich weigerte, sich zu unterwerfen. Zwanzig Jahre später bestätigt König John von England (1166-1216) die Schenkung, die Louis IX (1214-1270) 1234 folgte und eröffnete damit eine Tradition der Liberalität der Könige von Frankreich für diese Ordensleute. Eine Reihe von Portalen und Toren, die zu den Klostergebäuden führen, empfängt den Besucher. Auf dem Giebel des monumentalen Eingangstors aus dem 18. Jahrhundert sind zwei Reliefs geschnitzt, die den Heiligen Bruno (etwa 1030-1101), den Gründer des Kartäuserordens im Jahre 1084 und den Heiligen Johannes den Täufer, den Schutzpatron des Klosters, darstellen.

Chapelle Saint-Jean-Baptiste du Liget. Zu dieser kleinen romanischen Kapelle gelangt man über einen Waldweg, der entlang der Chartreuse verläuft. Sie verdankt ihren Ruhm den schönen Wandmalereien aus dem frühen Mittelalter.

Übrigens wurden wir auch hier vom Herrn der Domäne, M. Etienne Arnould, am Grill des großen Tores sehr freundlich begrüßt und er begleitete uns mit viel Wissen und Charme durch das klösterliche Labyrinth. Auskünfte: www.lachartreuseduliget.com / contact@lachartreuseduliget.fr / 37460 Chemillé-sur-Indroit / Tel: + 33 6 48 16 23 92.

Ab Juli 2021 –  Jährlich ein LOCHES – Musikfestival 

La Chartreuse du Liget en Musiques  –  22. bis 25. Juli 2021

  1. Juli 18:00 –  Lana Trotovsek, violon

                         Bach, Kurtàg, Ysaÿe

  1. Juli 20:00 –  Joëlle Léandre, contrebasse

                        Cage, Léandre (création)

  1. Juli 20:00 –   Duo Luperca

                        Aurélienne Brauner, violoncelle

                        Lorène de Ratuld, piano

                        Beethoven, Brahms, Greif

  1. Juli 18:00 –  Anne-Marie Fijal, piano

                        Rachmaninov, Beethoven, Fijal

  1. Juli 20:00 –  Sonia Wieder-Atherton, violoncelle

                        Prière traditionnelle, Berio, Tchaïkovski,

                        Bach, Dusapin, Cassado

25. Juli 20:00 –  Christina Daletska, mezzo soprano

                        Walter Prossnitz, piano

                        Wagner, Ullmann, Brahms, Rachmaninov

Wie uns der Hausherr bestätigt hat, wird mit jedem Konzert eine Weinprobe stattfinden. Somit kann jeder in Bacchus Weinkeller plündern und von dem berühmten Loire-Wein ein wenig kosten. Vielleicht auch ein paar Flaschen mit nach Hause nehmen? Prost! Vivat Bacchus! Auskünfte: www.lachartreuseduligetenmusiques.com

Zum allerletzten möchten wir sie darauf hinweisen, das seit vielen Jahren in Loches ein jährliches Musik-Fortbildungskurs EUROMUSICA für Laienmusiker stattfindet und das mit internationalen anerkannten Musikpädagogen. Auskünfte: www.euromusica/stage-musique-de-chambre-fr/       P.M.P. / 29.06.2021

—| IOCO Aktuell |—


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