Hamburg, Staatsoper Hamburg, Spielzeit 2018/19 – Opulent, Bereichernd, IOCO Aktuell, 04.08.2018

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Staatsoper Hamburg

Staatsoper Hamburg © Kurt Michael Westermann

Staatsoper Hamburg © Kurt Michael Westermann

 Spielzeit 2918/19 – Eröffnung 8. September 2018

 Auslastung steigt  –  Doch …..

In der Spielzeit 2017/18 sahen 345.000 Besucher (Vorjahr 320.000) die Vorstellungen der Hamburgischen Staatsoper; Gesamtauslastung 82%. 205.000 Besucher (Vorjahr 186.000) sahen Vorstellungen der Staatsoper. Die Auslastung der Staatsoper liegt mit 77%, Vorjahr 72% nur im Mittelfeld von Opernhäusern im deutschen Sprachraum. 140.000 Besucher (Vorjahr 134.000) sahen Vorstellungen des Hamburg Ballett von John Neumeier. Die Auslastung von 90% (Vorjahr 86%) ist, auch im internationalen Vergleich, hoch.

Die Staatsoper Hamburg eröffnet am 8. September 2018 die vierte Spielzeit unter der Intendanz von Georges Delnon mit Mozarts Così fan tutte in einer Neuinszenierung von Herbert Fritsch und unter der Musikalischen Leitung von Sébastien Rouland.

Anna Karenina und das Hamburg Ballett
Youtube Trailer der Staatsoper Hamburg
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„In der vierten Saison führen wir unsere bühnenästhetische Linie fort, befragen große wichtige Werke der Opernliteratur und kreieren neues Musiktheater. Sie ist – da setzen wir auf Kontinuität – geprägt von dem ausgesprochenen Wunsch, das künstlerische Profil unseres Hauses weiterhin unverkennbar zu konturieren und wahrnehmbar zu schärfen. Wir begegnen dem Theaterzauberer Achim Freyer mit Robert Schumanns Fragment Szenen aus Goethes Faust wieder. John Neumeier präsentiert seine Sicht auf Glucks Oper Orphée et Eurydice. Wir freuen uns auf die in der Opernszene mit großer Spannung erwartete Deutsche Erstaufführung Lessons in Love and Violence von George Benjamin. Die Italienischen Opernwochen, ein Format, das wir letzte Spielzeit erfolgreich etablierten, werden wir fortsetzen. Zur Eröffnung wird der russische Regisseur Kirill Serebrennikov Verdis Freiheitsoper Nabucco szenisch neu deuten“, so Opernintendant Georges Delnon zur Programmatik der Spielzeit 2018/19.

Für seine 46. Saison als Chef des Hamburg Ballett hat John Neumeier ein sehr persönliches Programm zusammengestellt. „In den vergangenen 45 Jahren konnte ich in, mit und für die Stadt Hamburg so viel bewegen, dass ich mich immer wieder neu für diese traditionsreiche Hansestadt als Zentrum meiner künstlerischen Arbeit entschieden habe. In der kommenden Saison feiere ich meinen 80. Geburtstag und nehme dies zum Anlass, in dem Programm meiner Compagnie einige ‚Lebenslinien‘ zusammenzuführen“, erläutert Ballettintendant John Neumeier.

Hamburgische Staatsoper / vl John Neumeier, Kent Nagano, Georges Delnon © IOCO

Hamburgische Staatsoper / vl John Neumeier, Kent Nagano, Georges Delnon © IOCO

Mit der Premiere Brahms/Balanchine greift John Neumeier zwei Werke des wirkungsmächtigen Erneuerers des Tanzes George Balanchine auf. Die Uraufführung Die Glasmenagerie nach Tennessee Williams mit Musik von Charles Ives und Philip Glass ergänzt John Neumeiers beeindruckenden Werkkatalog um ein neues, zutiefst amerikanisches Ballett. Gezielt unterstreicht John Neumeier mit der Auswahl der Wiederaufnahmen die stilistische Vielfalt der von ihm gepflegten Ballettgenres und räumt der Begegnung von Gesang und Tanz einen eigenen Raum ein. All Our Yesterdays (Des Knaben Wunderhorn/Fünfte Sinfonie von Gustav Mahler) knüpft an die Tradition des Sinfonischen Balletts an, während Bernstein Dances als Ballettrevue konzipiert ist. Jenseits der gängigen Formate bringt das Hamburg Ballett im Februar 2019 zwei außergewöhnliche Produktionen auf die Bühne der Hamburgischen Staatsoper. Zum einen ist die Compagnie an der Europäischen Erstaufführung von John Neumeiers Opernproduktion Orphée et Eurydice beteiligt. Zum anderen präsentiert das Hamburg Ballett die hochkarätig besetzte Benefizgala The World of John Neumeier: Am Abend seines 80. Geburtstags übernimmt der Hamburger Ballettintendant und Ehrenbürger persönlich die Moderation dieser Ballettgala zugunsten seiner Stiftung John Neumeier. 

Abonnementsbestellungen sind ab 28. März 2018 möglich. NEU! Mit der Spielzeit 2018/19 können erstmals bereits ab Montag, 11. Juni 2018 (für Abonnenten bereits ab Donnerstag, 7. Juni 2018) Karten für die gesamte Opern- und Ballett-Saison erworben werden. Der bisherige Verkaufsstart für ein beschränktes Kartenkontingent jeweils 28 bzw. 29 Tage vor der Vorstellung entfällt ab der Spielzeit 2018/19. Diese Plätze sind bereits im Jahresverkauf oder im Abo erhältlich. Für die Nijinsky-Gala, die Geburtstagsgala The World of John Neumeier und die Ballett-Werkstätten gelten gesonderte Vorverkaufsregelungen. Während der Theaterferien ist der Karten- und Abonnementservice vom 9. bis 29. Juli 2018 geschlossen.

Parsifal –  2019 WA an der Staatsoper
Youtube Trailer der Staatsoper Hamburg
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Die Neuproduktionen der Staatsoper Hamburg der Spielzeit 2018/19

Mit Mozarts Così fan tutte setzt die Staatsoper ihre Da Ponte-Reihe fort und eröffnet am 8. September 2018 die Spielzeit 2018/19. Erstmals wird Herbert Fritsch Regie führen, die Musikalische Leitung hat Sébastien Rouland. Es ist im vierten Jahr Tradition: Die Eröffnungspremiere wird im Rahmen des Binnenalster Filmfestes und in Zusammenarbeit mit dem Filmfest Hamburg, dem City Management Hamburg und dem „Verein lebendiger Jungfernstieg“ zeitversetzt auf einer Kino-Leinwand am Jungfernstieg übertragen.

Generalmusikdirektor Kent Nagano und Achim Freyer führen ihre erfolgreiche Zusammenarbeit fort und werden am 28. Oktober 2018 Robert Schumanns Fragment Szenen aus Goethes Faust mit Christian Gerhaher in der Hauptrolle auf die Opernbühne bringen.

Im neuen Jahr folgt am 3. Februar 2019 John Neumeiers Sicht auf Glucks Orphée et Eurydice. Hierfür kehrt Alessandro De Marchi ans Pult des Philharmonischen Staatsorchesters zurück und neben Dmitry Korchak und Andriana Chuchman ist das neue Ensemblemitglied Elbenita Kajtazi als L’Amour zu hören, es tanzt das Hamburg Ballett.

Zur Eröffnung der Italienischen Opernwochen 2019 wird am 10. März 2019 der russische Regisseur Kirill Serebrennikov Verdis Freiheitsoper Nabucco szenisch neu deuten. Am Pult des Philharmonischen Staatsorchesters steht mit Paolo Carignani ein Spezialist für italienisches Repertoire. Die Staatsoper Hamburg nimmt damit die Tradition der Italienischen Opernwochen wieder auf: Zwischen 10. März und 6. April 2019 werden die schönsten italienischen Opern des Repertoires mit herausragenden internationalen Sängerinnen und Sängern an der Staatsoper zu hören sein. Neben Verdis Nabucco mit den herausragenden Sängern Dimitri Platanias, Alexander Vinogradov, Oksana Dyka und Dovlet Nurgeldiyev sind Rossinis Il Barbiere di Siviglia mit Franco Vassallo, Maurizio Muraro und Julia Lezhneva, Puccinis Manon Lescaut mit der gefeierten Sängerin Kristine Opolais zu erleben sowie Irina Lungu und Stephen Costello in La Traviata und Ramón Vargas als Gustavo III. in Un Ballo in Maschera.

Lessons in Love and Violence – die neue Oper von George Benjamin, basierend auf einem Text von Martin Crimp – wird am 7. April 2019 Premiere in Hamburg haben. Regie führt Katie Mitchell, die Musikalische Leitung hat der Hamburgische Generalmusikdirektor Kent Nagano. Es ist ein Auftragswerk und eine Koproduktion mit dem Royal Opera House Covent Garden (Uraufführung 10. Mai 2018), De Nederlandse Opera Amsterdam, Opéra de Lyon, Lyric Opera of Chicago, Gran Teatre del Liceu Barcelona und dem Teatro Real Madrid.

Im Rahmen des Internationalen Musikfestes Hamburg 2019 zeigt die Staatsoper Hamburg die Deutsche Erstaufführung der Auftragskomposition Thérèse von Philipp Maintz nach einem Text von Otto Katzameier. Die Koproduktion mit den Osterfestspielen Salzburg wird in Kooperation mit der Elbphilharmonie Hamburg ab 18. Mai 2019 im kleinen Saal der Elbphilharmonie gezeigt. Regie führt Georges Delnon. Die Musikalische Leitung hat Nicolas André.

Als Wiederaufnahme steht die Barockoper Alcina von Georg Friedrich Händel in der Inszenierung von Christof Loy ab 30. September 2018 wieder auf dem Spielplan der Staatsoper. Ebenso ist der gefeierte Hamburger Ring des Nibelungen von Richard Wagner in der Inszenierung von Claus Guth in zwei Vorstellungsserien ab 30. Oktober 2018 mit namhaften Gesangssolisten in der Staatsoper zu erleben. Die Musikalische Leitung hat der Hamburgische Generalmusikdirektor Kent Nagano.

Hamburgische Staatsoper / opera piccola - hier : Erzittre, feiger Boesewicht! © Brinkhoff/Mögenburg

Hamburgische Staatsoper / opera piccola – hier : Erzittre, feiger Boesewicht! © Brinkhoff/Mögenburg

Die opera piccola Staatsopernproduktion der Spielzeit 2016/17 Erzittre, feiger Bösewicht! wird im August 2018 als Gastspiel in Shanghai gezeigt. Diese Oper für Kinder ab 7 Jahren nach Motiven der Zauberflöte von Wolfgang Amadeus Mozart in der Bearbeitung von Johannes Harneit ist von Georges Delnon inszeniert, die Musikalische Leitung in Shanghai hat Nathan Brock. Es singen und spielen Mitglieder des Internationalen Opernstudios, The Young ClassX Solistenensemble und Musiker aus Shanghai. Die Produktion wurde ermöglicht durch die Michael Otto Stiftung. „opera piccola“ wird seit der Spielzeit 2009/10 von der Stiftung zur Förderung der Hamburgischen Staatsoper gefördert.

Staatsoper Hamburg 2018/19 – opera stabile:

opera stabile – a living lab wird unterstützt durch die Stiftung zur Förderung der Hamburgischen Staatsoper, der Hapag-Lloyd Stiftung und der Deutsche Bank Stiftung.

In der opera stabile wird mit Ring & Wrestling in dieser Spielzeit die erste Soap-Opera gezeigt, die den Ring des Nibelungen in fünf unterhaltsamen Episoden erzählt. Unter der Musikalischen Leitung von Leo Schmidthals inszeniert Dominik Günther. Vorstellungen sind im September und Oktober 2018 in fünf Folgen.

Die opera piccola der Staatsoper Hamburg ist in dieser Spielzeit Schneewittchen von Wolfgang Mitterer. Inszeniert wird die Kinderoper für 4 Singstimmen und 7 Zwerge von Birgit Kajtna. Premiere ist am 9. Februar 2019. Es singen und spielen Schülerinnen und Schüler aus Hamburger Schulen und Mitglieder des Philharmonischen Staatsorchesters unter der Leitung von Frederick Brown. opera piccola wird seit der Spielzeit 2009/10 von der Stiftung zur Förderung der Hamburgischen Staatsoper gefördert.

Mit der Produktion der Akademie Musiktheater heute Die Nacht der Seeigel steht ab 2. Mai 2019 eine zeitgenössische Produktion auf dem Spielplan der opera stabile.

Das Internationale Opernstudio präsentiert sich zum Abschluss der Spielzeit ab 21. Juni 2019 mit Moskau, Tscherjomuschki in einer eigenen Produktion. Regie führt Vera Nemirova. Die Musikalische Leitung hat Rupert Burleigh. 

  Hamburg Ballett –  John Neumeier 2018/19

In der Saison 2018/19 steht das Programm des Hamburg Ballett unter dem Motto „Lebenslinien“. Nach 45 Jahren als Chef des Hamburg Ballett fasst John Neumeier unter diesem Begriff eine sehr persönlich konzipierte Spielzeit zusammen. Nach dem Welterfolg Endstation Sehnsucht setzt John Neumeier seine Beschäftigung mit dem amerikanischen Dramatiker Tennessee Williams fort und präsentiert als Uraufführung Die Glasmenagerie. 75 Jahre nachdem Williams mit diesem Titel seinen ersten großen Bühnenerfolg feierte, eröffnet John Neumeiers gleichnamige Ballettadaption am 16. Juni 2019 die 45. Hamburger Ballett-Tage.

Die Winterpremiere des Hamburg Ballett Brahms/Balanchine (9. Dezember 2018) widmet John Neumeier dem legendären New Yorker Ballettchef George Balanchine: „Er war in gewisser Weise ein Vorbild für mich – nicht nur, weil er dem New York City Ballet vergleichbar verbunden blieb wie ich Hamburg. Er beeindruckte mich als Erneuerer des Tanzes, der seine eigenen ‚Wurzeln‘ tief in die Tradition hineinversenkte und mit der Kraft, die ihm daraus erwuchs, klassisches Ballett in zeitgemäße Ausdrucksformen überführte.“ Die Produktion vereint das opulente Brahms-Schoenberg Quartet mit dem eher intimen Ballett Liebeslieder Walzer – für John Neumeier ein selten aufgeführtes „Juwel“ unter Balanchines Choreografien.

Als herausragenden Saisonhöhepunkt präsentiert John Neumeier am Abend seines 80. Geburtstags, 24. Februar 2019,  die von ihm persönlich moderierte Benefizgala The World of John Neumeier. Seine Vision: ein eigenständiges Ballettinstitut mit der hochkarätigen Sammlung seiner Stiftung als Kernbestand. Mit diesem Ziel vor Augen widmet John Neumeier den Gewinn aus der Benefizgala der Stiftung John Neumeier.

Am Eröffnungswochenende der Spielzeit zeigt das Hamburg Ballett als Wiederaufnahme Bernstein Dances (9. September 2018) und würdigt damit einen langjährigen persönlichen Freund John Neumeiers anlässlich seines 100. Geburtstages. Außerdem begeht das Hamburg Ballett mit Chopin Dances den ebenfalls 100. Geburtstag von Jerome Robbins. Auch die klassisch geprägten Ballette Der Nussknacker und Illusionen – wie Schwanensee (beide von John Neumeier) sowie Don Quixote (von Rudolf Nurejew) greifen ein weltweit gefeiertes Jubiläum auf: den 200. Geburtstag des stilprägenden Ballettmeisters und Choreografen Marius Petipa.

Das Saisonprogramm 2018/19 macht die Vielfalt der Ballettgenres erlebbar, die John Neumeiers Wirken als Künstler und Choreograf auszeichnet. Im Bereich der Sinfonischen Ballette gehört dazu neben dem Beethoven-Projekt (Uraufführung am 24. Juni 2018) insbesondere die Wiederaufnahme All Our Yesterdays: Des Knaben Wunderhorn/Fünfte Sinfonie von Gustav Mahler (17. Februar 2019). Des Weiteren sind zu nennen: die Literaturballette Anna Karenina (Foto) und Die Kameliendame, das Ballett mit geistlicher Musik Weihnachtsoratorium I-VI sowie John Neumeiers spartenübergreifendes „Gesamtkunst­werk“ Orphée et Eurydice, das als Koproduktion mit der Lyric Opera Chicago und der Los Angeles Opera am 3. Februar 2019 seine Europäische Erstaufführung erlebt. Orphée et Eurydice ist eine Produktion der Staatsoper Hamburg unter Beteiligung des Hamburg Ballett. Diese Premiere wird – ebenso wie die Produktion Brahms/Balanchine – unterstützt von der Stiftung zur Förderung der Hamburgischen Staatsoper.

Die 45. Hamburger Ballett-Tage (16. bis 30. Juni 2019) werden eingerahmt durch die Uraufführung Die Glasmenagerie von John Neumeier und die Nijinsky-Gala XLV als feierlichem Saisonabschluss. Das Festival präsentiert die interessantesten Ballett­produktionen der Spielzeit, einschließlich der Oper Orphée et Eurydice. Zudem zeigt das renommierte niederländische Het Nationale Ballet am 25. und 26. Juni 2019 ein Programm mit Balletten des gefeierten Choreografen Hans van Manen, unter anderem Symphonies of the Netherlands und 5 Tangos. John Neumeier lädt diese strahlkräftige Gastcompagnie nach 1977 und 1990 zum dritten Mal in die Hansestadt ein.

Staatsoper Hamburg / Ballett Anna Karenina - hier Anna Laudere und Edvin Revazov als Anna und Wronski © Kiran West

Staatsoper Hamburg / Ballett Anna Karenina – hier :  Anna Laudere und Edvin Revazov als Anna und Wronski © Kiran West

Viermal in der Spielzeit finden die beliebten Ballett-Werkstätten des Hamburg Ballett statt. In diesen Matinee-Vorstellungen erläutert John Neumeier die tanzhistorischen Hintergründe zu seinen Balletten und gibt Einblicke in deren Entstehungsprozess. Hervorzuheben ist die Benefiz-Werkstatt am 16. Dezember 2018, deren Spendenerlös der Stiftung Tanz zugutekommt.

Hinter dieser Entscheidung steht John Neumeiers vielfältiges Engagement für die Begleitung von Tänzerkarrieren, auch jenseits der Erfolgsphasen. Als Kuratoriums­vorsitzender setzt er sich seit der Gründung der Stiftung Tanz dafür ein, dass Tänzer im Anschluss an ihre aktive Karriere eine Perspektive für ihre berufliche Zukunft entwickeln können. Ebenfalls auf seine Initiative gehen die Stellen für Aspiranten des Hamburg Ballett zurück: Sie erhalten am Ende ihrer Berufsausbildung und auf eine Saison begrenzt die Möglichkeit, im Rahmen der Arbeit des Hamburg Ballett an den Beruf als professionelle Tänzer herangeführt zu werden.

Vom 25. bis 27. Februar und vom 1. bis 3. März 2019 feiert die Ballettschule des Hamburg Ballett das zehnjährige Jubiläum der jährlich veranstalteten Werkstatt der Kreativität. Seit 2010 sind die Theaterklassen zu Gast im Ernst Deutsch Theater und zeigen eigene Choreografien als getanzte Abschlussarbeiten. Ebenso wie die Werkstatt der Kreativität genießt das kreative Format der Jungen Choreografen die besondere Wertschätzung von Ballettschuldirektor und Intendant John Neumeier: Gemeinsam mit ihren Kollegen erarbeiten die Tänzer des Hamburg Ballett in ihrer Freizeit eigene Choreografien und präsentieren sie in einem professionellen Rahmen. Nach vier Spielzeiten in der opera stabile wechseln die Jungen Choreografen ihre Bühne. Ort und Daten der neuen Spielstätte werden gesondert bekanntgegeben.

Die Spielzeit 2018/19 führt das Hamburg Ballett auf Tourneen ins In- und Ausland – mit insgesamt vier verschiedenen Balletten, einer Ballett-Werkstatt und einem Gala-Programm. Im Oktober 2018 reist die Compagnie für ihre jährliche Herbstresidenz zum Festspielhaus Baden-Baden (Bernstein Dances, Ballett-Werkstatt, Anna Karenina). 2019 gibt das Hamburg Ballett eine umfangreiche Asien-Tournee mit Hongkong als wichtigstem Standort (Der Nussknacker, The World of John Neumeier, Beethoven-Projekt).

 Gastspiele 2018/19 des Hamburg Ballett John Neumeier

Seitdem John Neumeier 1973 als Ballettdirektor in die Hansestadt kam, zählen internationale Gastspiele zum Selbstverständnis des Hamburg Ballett. Mit seinem künstlerischen Engagement sorgt der Hamburger Ballettintendant und Ehrenbürger jedes Jahr erneut für Aufsehen und gilt weltweit als Imageträger für das hochkarätige Kulturleben der Freien und Hansestadt Hamburg. In den vergangenen 45 Jahren hat das Hamburg Ballett mehr als 1.000 Gastspielauftritte absolviert und war dabei in 119 verschiedenen Städten in 30 Ländern zu erleben. Auf diese nachhaltige Präsenz in den großen Kulturzentren der Welt kann Hamburg stolz sein.

Im vergangenen Jahr erst besuchte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier anlässlich des 500-jährigen Reformationsjubiläums die symbolträchtige russische Erstaufführung von John Neumeiers Matthäus-Passion in Moskau. Beim anschließenden Gruppenfoto auf der Bühne wandte sich der Bundespräsident sichtlich berührt an die Tänzer: „Vielen herzlichen Dank – Sie sind großartige Botschafter für Deutschland!“

Mit diesem Anspruch blicken John Neumeier und das Hamburg Ballett auch auf die Gastspiele der Saison 2018/19. Mit insgesamt vier Ballettproduktionen, einer Ballett-Werkstatt und einem Gala-Programm ist das Hamburg Ballett in Baden-Baden sowie auf einer ausgedehnten Asien-Tournee mit Hongkong als wichtigstem Standort zu erleben.

Baden-Baden, Festspielhaus Baden-BadenBernstein Dances (Ballettrevue von John Neumeier),  6., 7. Oktober 2018Anna Karenina (Ballett von John Neumeier) 12., 13., 14. Oktober 2018Ballett-Werkstatt (moderiert von John Neumeier)  7. Oktober 2018

Hongkong (Hong Kong Arts Festival 2019), Der Nussknacker (Ballett von John Neumeier), The World of John Neumeier, Beethoven-Projekt (Ballett von John Neumeier)

—| IOCO Aktuell Staatsoper Hamburg |—

München, Bayerische Staatsoper, Münchner Opernfestspiele 2018, IOCO Aktuell, 03.08.2018

Bayerische Staatsoper München

Bayerische Staatsoper München Foto: © Wilfried Hösl

Bayerische Staatsoper München Foto: © Wilfried Hösl

MÜNCHNER OPERNFESTSPIELE  2018

Am 31.7.2018 gingen die Münchner Opernfestspiele 2018 mit Richard Wagners Parsifal zu Ende. Generalmusikdirektor Kirill Petrenko dirigierte die Neuinszenierung. Unter seiner Leitung standen außerdem Der Ring des Nibelungen und Il trittico. Mit dem Ende der Münchner Opernfestspiele verabschiedet sich das Pressebüro der Bayerischen Staatsoper in die Sommerpause. Dennoch blicken wir schon voraus auf den Herbst und die neue Saison.

Ab Beginn der Theaterferien gibt es das Angebot, die Virtual-Reality-Experience GELIEBT GEHASST UND 360° auch via eigenem Mobiltelefon anzusehen.

Die Münchner Opernfestspiele in Zahlen

Intendant Nikolaus Bachler beschließt die Festspiele in seiner zehnten Saison mit einer Gesamtauslastung von 98,04 Prozent. Die Auslastung bei den Opern- und Ballettvorstellungen im National- und Prinzregententheater betrugen dabei 99,52 Prozent. Insgesamt standen an 38 Tagen 70 Veranstaltungen auf dem Spielplan. Neben den Vorstellungen im Nationaltheater, dem Prinzregententheater und dem Cuvilliés-Theater bespielte die Bayerische Staatsoper im Rahmen der Festspiel-Werkstatt auch die Reithalle mit vier Produktionen (Auslastung 96,57%). Insgesamt wurden in dem Zeitraum vom 24. Juni bis 31. Juli über 83.500 Karten verkauft. Über 1.500 Karten gingen davon zum Preis von 10 Euro an Studierende und Schüler.

 Höhepunkte der Münchner Opernfestspiele 2018

Premieren

Bayerische Staatsoper / Orlando Paladino hier Mathias Vidal als Orlando und das Opernballett der Baerischen Staatsoper © Wilfried Hösl

Bayerische Staatsoper / Orlando Paladino hier Mathias Vidal als Orlando und das Opernballett der Bayerischen Staatsoper © Wilfried Hösl

Das Musiktheaterkollektiv HAUEN • UND • STECHEN interpretierte bei der ersten Festspiel-Werkstatt-Premiere Zeig mir deine Wunder die Oper Snegurotschka von Nikolai Rimski-Korsakow. Den nächsten Höhepunkt stellte die Premiere von Richard Wagners Parsifal in der Inszenierung von Pierre Audi und unter der musikalischen Leitung von Kirill Petrenko dar. Das Bühnenbild entwarf mit Georg Baselitz einer der wichtigsten bildenden Künstler der Gegenwart. Nach der Premiere des szenischen Konzerts Match! mit Musik von u.a. Mauricio Kagel feierte Nikolaus Brass’ Die Vorübergehenden Uraufführung in der Reithalle. Salvatore Sciarrinos Vanitas war die vierte Premiere der Festspiel-Werkstatt. Zum Abschluss der Festspiele inszenierte der Filmemacher Axel Ranisch im Prinzregententheater Joseph Haydns Orlando Paladino.

Prinzregententheater München / Günther Groissböck gestaltete hier mit Gerold Huber seinen gefeierten Liederabend, Rezension unten © Felix Loechner

Prinzregententheater München / Günther Groissböck gestaltete hier mit Gerold Huber seinen gefeierten Liederabend, Rezension unten © Felix Loechner

Festspiel-Opernabende

Zusätzlich zu den sechs Neuinszenierungen der aktuellen Saison – Le nozze di Figaro, Il trittico, Les Vêpres siciliennes, Aus einem Totenhaus, Parsifal und Orlando Paladino gelangte Der Ring des Nibelungen unter der Leitung von Kirill Petrenko sowie fünf weitere Opernproduktionen zur Aufführung, darunter Der fliegende Holländer mit Wolfgang Koch in der Titelpartie. Als Arabella war Anja Harteros unter der musikalischen Leitung von Constantin Trinks zu hören. Joseph Calleja, Thomas Hampson und Angela Gheorghiu verkörperten in Tosca die Hauptpartien. Gaetano Donizettis L’elisir d’amore wurde mit Olga Kulchynska und Vittorio Grigòlo auf die Bühne gebracht. Diana Damrau gab in Verdis La traviata die verzweifelt Liebende.

Liederabende
Bei insgesamt sechs Liederabenden sangen Anja Harteros, Elisabeth Kulman, Christian Gerhaher, Günther Groissböck, Krassimira Stoyanova und Rolando Villazón. Darüber hinaus trat Edita Gruberova bei einem Gala-Abend auf.

Ballett
Das Bayerische Staatsballett zeigte neben der Festspiel-Premiere Junge Choreographen die Neuinszenierung der aktuellen Saison: Anna Karenina und Portrait Wayne McGregor.

—| IOCO Aktuell Bayerische Staatsoper München |—

Wiesbaden, Freies Theater Wiesbaden, Dorian Gray – Nach Oscar Wilde, IOCO Aktuell, 02.08.2018

Freies Theater Wiesbaden

Freies Theater Wiesbaden / Sommertheater im Nerotal im WHCT © Alexa Sommer / www.eyetakeyourpicture.de

Freies Theater Wiesbaden / Sommertheater im Nerotal im WHCT © Alexa Sommer / www.eyetakeyourpicture.de

 Dorian Gray – Adaption nach Oscar Wilde

Freies Theater Wiesbaden – Sommertheater 2018 im Nerotal

Von Ingrid Freiberg

Mit einer eigenen exklusiv geschriebenen Bühnenfassung zeigt das Freie Theater Wiesbaden – Sommertheater im Nerotal im August (Mi, 22.08. – So, 26.08.2018 / Mi, 29.08. – 01.09.2018 / jeweils um 20.15 Uhr) Oscar Wildes großartigen Dorian Gray.

Jan-Markus Dieckmann ist Kopf, Regisseur, Leiter und Organisator des Theaters. Neben dem Freien Theater Wiesbaden, dem er sich vor fünf Jahren anschloss, ist er auf den verschiedensten Bühnen aktiv, sei es als Ensemblemitglied in der Schmiere in Frankfurt, deutschlandweit im Gruseldinner als Graf Dracula, im Museumstheater des Hessenpark oder bei der Fliegenden Volksbühne Frankfurt. Als Sprecher ist er vor allem in Dokumentationen auf arte, ZDF und NRW-TV zu hören.

 Freis Theater Wiesbaden / Sommertheater 2018 - Das Bildnis des Dorian Gray © Alexa Sommer / www.eyetakeyourpicture.de

Freis Theater Wiesbaden / Sommertheater 2018 – Das Bildnis des Dorian Gray © Alexa Sommer / www.eyetakeyourpicture.de

Das Bildnis des Dorian Gray

Jan-Markus Dieckmann bringt buchstäblich das Ganzkörper-Porträt des schönen Jünglings mit in die Galerie Kunst-Schäfer: Lord Henry Wotton, ein gebildeter Dandy, und Basil Hallward, ein erfolgreicher Maler, setzen sich mit Kunst und Selbstinszenierung auseinander. Dorian Gray verleite ihn zu einer neuen Kunstrichtung, die alle Leidenschaft der romantischen, alle Vollkommenheit des griechischen Geistes in sich einschließen soll, so Hallward zu seinem Freund.

Beim Besuch eines drittklassigen Theaters verliebt sich Dorian Gray in die anscheinend talentierte Schauspielerin Sibyl Vane. Er ist fasziniert von ihr und schwört, aus ihr eine berühmte Schauspielerin zu machen. Ein gemeinsamer Theaterbesuch mit Lord Henry und Hallward, bei dem sie Sibyl auf der Bühne sehen, wird zur Enttäuschung. Sibyl entpuppt sich als eine so schlechte Schauspielerin, dass das Publikum den Saal vorzeitig verlässt. Die Angebetete gesteht Dorian, dass sie seit sie ihn traf nicht mehr spielen könne. Brüsk verlässt er Sibyl. Nach durchwachter Nacht bemerkt Dorian eine bestürzende Veränderung an seinem Porträt. Fassungslos erkennt er Züge von Grausamkeit. Er beschließt, seinen Fehler rückgängig zu machen und Sibyl zu heiraten. Doch diese bringt sich noch in der Nacht um…

Auf die August-Aufführungen des Sommertheaters im Nerotal darf man gespannt sein!

Theater ist so viel realistischer als das Leben

Produktionen des Freien Theaters Wiesbaden verfolgen unkonventionelle Konzepte: Schauspielen erzählt von Menschen, von Beziehungen und vom Leben. Es berührt unsere Sinne und weckt unsere Aufmerksamkeit, denn auf dem Weg zur verkörperten Bühnenrolle entdecken wir auch immer einen Teil von uns selbst.

Ein verlockender Einstieg in die Produktion Das Bildnis des Dorian Gray ist der erfolgreiche literarische Streifzug Wen die Götter lieben, den lassen sie jung sterben. Ein gut gewählter Titel der Theatermacher: Oscar Wilde starb mit nur 46 Jahren. Er hinterließ bedeutende Meisterwerke, die nichts von ihrer Faszination eingebüßt haben. So konnte mit dieser Lesung auch an einem lauen Sommerabend eine Wilde-affine Abendgesellschaft in die Galerie Kunst-Schäfer in Wiesbaden  gelockt werden.

Dandyhaft mit Flanierstock und gegelten Locken, in Pelzmantel, Samtjacke, mit auffallenden Preziosen  und einer gut gebundenen Krawatte – Sie ist der erste ernste Schritt im Leben, so Oscar Wilde –  trifft Jan-Markus Dieckmann eine kluge mutige Auswahl aus dem Œuvre des irischen Dichters:

 Freis Theater Wiesbaden / Sommertheater 2018 - Das Bildnis des Dorian Gray © Alexa Sommer / www.eyetakeyourpicture.de

Freis Theater Wiesbaden / Sommertheater 2018 – Das Bildnis des Dorian Gray © Alexa Sommer / www.eyetakeyourpicture.de

Nutzen der Kunstkritik

In einer Zeit, in der Kunst- und Literaturkritik vor allem als eine Art Serviceleistung wahrgenommen wurde, war das Essay mit dem Titel Der Kritiker als Künstler – Tischgespräche  eine Provokation. Es richtete sich gegen ein Rezensionswesen, in dem Rezensenten zu Gerichtsreportern herabgestuft wurden, die über die Taten der Gewohnheitsverbrecher im Reich der Kunst berichten mussten. Für jeden, der eine Kritik über eine Vorstellung oder ein Kunstwerk schreibt, sollte die Abhandlung zur Pflichtlektüre werden. Dieser zweifellos gewagte Auszug verführt hoffentlich dazu, sie vollumfänglich zu lesen:

Gilbert: Ja, das Publikum ist erstaunlich tolerant. Es verzeiht alles – außer Genie[…]

Ernest: Warum sollten Leute, die selbst nicht imstande sind, etwas zu schaffen, sich anmaßen, den Wert eines schöpferischen Werkes zu beurteilen? Was können sie darüber wissen? Und ist eines Mannes Werk leicht zu verstehen, so ist eine Erklärung unnötig[…]

Gilbert: Aber ohne Zweifel ist die Kritik selbst eine Kunst. Und genauso, wie die künstlerische Schöpfung die Arbeit des kritischen Geistes mit einschließt,[…] so ist die Kritik schöpferisch in der höchsten Bedeutung des Wortes. Denn die Kritik verletzt uns nicht. Die Tränen, die wir bei einem Theaterstück vergießen, haben mit jenen köstlich nutzlosen Gefühlen zu tun, die zu erwecken Aufgabe der Kunst ist. Wir weinen, aber wir sind nicht verwundet. Wir grämen uns, aber unser Gram ist nicht bitter[…] Und wiederum macht nur die Kritik durch ihre Konzentration die Kultur möglich. Sie destilliert aus der riesigen Menge der schöpferischen Werke einen schärferen Extrakt[…]

Moral, das ist, wenn man unmoralisch ist

Verschmitzt, aber mit Tiefgang, trägt Jan-Markus Dieckmann die Kriminalerzählung Lord Arthur Saviles Verbrechen vor. Die Ironisierung von Pflicht und Moral entfaltet in dieser Erzählung eine groteske unheimliche Wirkung, die erschütternder nicht sein könnte, aber auch nicht humorvoller. Schönheit ist die größte Meisterin der Verführung. Für Lord Arthur Savile ist sie Mordmotiv! Spießbürgerlich stellt er sein Verbrechen in ein paradoxes Licht. Er hatte sein Bestes versucht, diesen Mord zu begehen, doch beide Male war er gescheitert, und das ohne sein Verschulden. Er hatte versucht, seine Pflicht zu tun, doch es schien, als sei ihm das Schicksal selbst in den Rücken gefallen. Ihn bedrückte das Gefühl der Fruchtlosigkeit guter Absichten, der Vergeblichkeit des Versuchs, gut zu sein. Die satirische Mischung aus Moralumkehr und rein ästhetischer Mord-Motivation lässt die Zuhörer genau dort lachen, wo sie erschaudern sollten.

Freis Theater Wiesbaden / Sommertheater 2018 - Das Bildnis des Dorian Gray © Alexa Sommer / www.eyetakeyourpicture.de

Freis Theater Wiesbaden / Sommertheater 2018 – Das Bildnis des Dorian Gray © Alexa Sommer / www.eyetakeyourpicture.de

Mit Inbrunst gesungen

Dass Jan-Markus Dieckmann nicht nur ein guter Schauspieler ist, zeigt sich am Ende des ersten Teils: Anrührend singt er The Ash Grove. Das Lied erzählt von einem Eschenhain: Mit leisem Flüstern rauschen die Blätter über mich, der Eschenhain ist mein Zuhause[…] Die Freunde aus meiner Kindheit sind wieder vor mir[…] Die Lieben, nach denen ich mich sehne, versammeln sich hier. Aus jedem dunklen Winkel drücken sie sich vorwärts, um mich zu treffen[…]

 Sozialismus, Kommunismus oder wie immer man die Sache nennen will

 In seinem Essay Der Sozialismus und die Seele des Menschen erörtert Wilde zunächst die Vorteile, die die Menschen seiner Ansicht nach von der Einführung des Sozialismus bzw. Kommunismus zu erwarten haben. Er entwirft das Bild einer Gesellschaft, in der der Mensch erkennt, dass nicht das Wichtigste ist, zu haben, sondern zu sein. Für ihn steht der Sozialismus im Dienste des Individualismus: Die Abschaffung des Privateigentums werde zum wahren, schönen und gesunden Individualismus führen.

 Gleich zu Beginn spricht sich Wilde gegen die philanthropische Linderung der Armut aus: Heilmittel bekämpften die Krankheit nicht, sondern verlängerten sie nur. Barmherzigkeit, Fürsorge und dergleichen erniedrige und demoralisiere die Armen. Geradezu utopisch ist Wildes Erwartung, Menschen sollten keine erniedrigenden Arbeiten leisten müssen. Der Mensch sei zu Besserem geschaffen, als im Dreck zu wühlen. Alle Arbeiten dieser Art sollten von Maschinen verrichtet werden. Dem gesellschaftlichen Konformismus, der Unterwerfung unter die Autorität, stellt Oscar Wilde die individuelle Kreativität des Künstlers gegenüber.

Das Persönlichste, was Oscar Wilde hinterließ

Wilde wurde wegen homosexueller Praktiken zu zwei Jahren Zuchthaus mit schwerer körperlicher Zwangsarbeit verurteilt. Wegen des Skandals verließ ihn seine Frau mit den gemeinsamen Kindern. Während seiner Inhaftierung starb auch seine Mutter. Er wurde für bankrott erklärt, und die schweren Haftbedingungen schädigten seine Gesundheit so sehr, dass er sich nie mehr vollständig erholte.

Aus dem Zuchthaus zu Reading  schrieb  Oscar Wilde seinem früheren Freund und Liebhaber Lord Alfred Bruce Douglas einen Brief. Es wurde ihm aber nicht gestattet, diesen abzusenden. Erst nach Verbüßung seiner Strafe überließ er ihn seinem Freund und Lektor Robert Baldwin Ross mit der Bitte, Douglas eine Kopie zukommen zu lassen. Douglas bestritt, den Brief je erhalten zu haben.

Durch Kunst und nur durch Kunst erreichen wir Vollkommenheit
Nur durch Kunst entgehen wir den grauenhaften Gefahren des Alltags

Behutsam führt Jan-Markus Dieckmann die Gäste vom  privaten, sehr  verzweifelten, Wilde hin zu einem Wilde, der sich in seinem Ästhetischen Manifest mit dem Ästhetizismus als Flucht vor einer dekadenten Gesellschaft  befasst. Wilde hinterfragt darin das Wirklichkeitsverständnis von Religion, Wissenschaft, der Natur und des Lebens und schuf damit erste Ansätze einer neuen Kunst- und Weltauffassung. Unter den Widersprüchen und der Hohlheit seiner Zeit leidend, empfand er diese als Zeichen einer niedergehenden Welt. Seine Reaktion als Ästhet war die Flucht aus der bedrückenden Wirklichkeit in das Reich der Kunst. Dabei ersetzte Ästhetik die Moral. Aus gut und böse wurde schön und hässlich.

Oscar Wildes Märchen gehören zu den schönsten der Weltliteratur. Die bedeutsame Rakete bildet den heiteren Schluss der geistreichen Lesung: Anlässlich der Hochzeit eines Prinzen mit einer Prinzessin soll ein großes Feuerwerk veranstaltet werden. Kurz vor ihrem großen Auftritt unterhalten sich die Feuerwerkskörper über das Leben, die Liebe, Gott und die Welt. Am meisten zu erzählen hat eine schlanke, hochgewachsene Rakete. Ihr einziges Thema ist sie selbst: Die bedeutsame Rakete

Sie ist allen Ernstes der Ansicht, der Prinz hätte ihr zu Ehren seinen Hochzeitstag auf den Tag gelegt, an dem sie zum Himmel aufsteigen soll. Darauf bildet sie sich besonders viel ein. Es gelingt ihr sogar, sich in Tränen hineinzusteigern, in dem sie sich vorstellt, der Prinz und die Prinzessin hätten ihren einzigen – noch nicht geborenen! – Sohn durch einen Unfall verloren. Die anderen Feuerwerkskörper geben pragmatisch zu bedenken, dass es vor allem darauf ankäme, trocken zu bleiben. Was der Rakete lediglich beweist, wie fantasielos die gewöhnlichen Knaller sind. Schließlich steigt einer nach dem anderen zum Himmel auf und wird von der Hochzeitsgesellschaft bestaunt – nur die bedeutsame, aber nasse, Rakete nicht. Als am nächsten Tag der königliche Garten aufgeräumt wird, wird sie in hohem Bogen über die Mauer in einen Graben geworfen. Schließlich kommen zwei Jungen, die sie für einen gewöhnlichen Stock halten und ins Feuer werfen. Und so macht die bedeutsame Rakete doch noch peng. Aber sehr sehr bescheiden…

Das irische Poem Down by the Salley Gardens, das an eine Jugendliebe erinnert und bedauert, dass daraus nichts wurde, ist der berührende Ausklang des abwechslungsreichen Abends.

Der von der Galerie Kunst-Schäfer Wiesbaden kunstvoll ausgestattete Raum erlaubte – bei einem guten Glas Wein – ein stilsicheres Eintauchen in das Werk des Dichters. Von herzlichem Applaus begleitet, forderte Jan-Markus Dieckmann die Zuhörer auf, die von ihm an die Wände gepinnten Aphorismen als Erinnerung mit nach Hause zu nehmen. Die Erwartungen des Publikums wurden mehr als erfüllt.

—| IOCO Kritik Freies Theater Wiesbaden |—

Wien, Wiener Staatsoper, Dominique Meyer und der Spielplan 2018/19, IOCO Aktuell, 29.07.2018

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Wiener Staatsoper

Wien / Wiener Staatsoper © Starke

Wien / Wiener Staatsoper © Starke

Wiener Staatsoper und die Spielzeit 2018/19

Von Marcus Haimerl

Die Spielzeit 2017/18 der Wiener Staatsoper bot spektakuläre Zahlen: 600.000 Besucher, Auslastung  98 – 99% auf 2.284 Plätzen: Seit Jahren sind solche Zahlen Normalität in Wien, aber weltweit sind sie einzigartig.

Die Spielzeit 2018/19 wird am 2. September 2018 mit einem Tag der offenen Tür eröffnet.  Besucher/innen haben die dann Möglichkeit, einen ausführlichen Blick hinter die Kulissen zu werfen und all jene Bereiche des Opernhauses zu erkunden, die dem Publikum gewöhnlich verschlossen bleiben. Einzelne Abteilungen stellen sich im Rahmen dieses Tages der offenen Tür vor, beliebte Ensemblemitglieder sind bei Proben und kleinen, persönlichen Musikprogrammen zu erleben. Chor und Orchesterprobe, Ballettprobe und eine Probe der Opernschule der Wiener Staatsoper stehen ebenso auf dem Programm wie der Einblick ins Musikarchiv und eine kleine Ausstellung wertvoller Kostüme. Die Technikshow, die die Möglichkeiten und Leistungsfähigkeit der Bühnenmaschinerie, der Akustik und Beleuchtungsabteilung des Hauses unter Beweis stellt, rundet den Tag der offenen Tür ab. Mit Carmen von George Bizet in der begeisternden Inszenierung von Franco Zefirelli eröffnet am 6. September 2018 die Wiener Staatsoper das Bühnengeschehen der Spielzeit 2018/19

Dominique Meyer – Intendant der Staatsoper – Zum Spielplan 2018/19

„Am 25. Mai 2019 jährt sich die Eröffnung unseres Opernhauses zum 150. Mal – und dieses Jubiläum, das wir würdig begehen wollen, überstrahlt natürlich die gesamte Spielzeit 2018/2019: In unserem Geburtstagsbukett umrahmen zuallererst 6 Opern- premieren (darunter eine Ur- und eine Erstaufführung), 2 Ballettpremieren, die Kinderopernuraufführung von Elisabeth Naskes  Was ist los bei den Enakos? in der KINDEROPER | AGRANA STUDIOBÜHNE | WALFISCHGASSE und die große Nurejew Gala im Juni das gewohnt umfangreiche Repertoire von 44 Opern und 16 Balletten. Weiters fehlen natürlich auch die inzwischen traditionellen Solistenkonzerte im Großen Haus, die Kammermusikmatineen der Wiener Philharmoniker, die Ensemblematineen im Gustav Mahler-Saal und die Aufführungen, Vortragsreihen sowie Gesprächsrunden in der AGRANA STUDIOBÜHNE | WALFISCHGASSE nicht. Die großen Festlichkeiten rund um den 25. Mai werden zudem von wissenschaftlichen Symposien, einer Reihe von Publikationen, einer eigenen Jubiläums-CD-Box und einer großen Ausstellung im Haus sowie einer weiteren im Theatermuseum vorbereitet beziehungsweise flankiert. Zusammengehalten und zum Leben erweckt wird dieser Blumenstrauß nicht zuletzt von den zahlreichen Interpretinnen und Interpreten, deren große Zahl besondere Lieblinge ebenso aufweist, wie neue Namen und neue Stimmen, die vom Publikum auf ihre Entdeckung warten. Konkret eingehen  möchte ich in diesem Zusammenhang auf die Besetzungen der Neuproduktionen:

Wiener Staatsoper / Dream-Team der Musikthearer Legris - Meyer - Platzer - Aber nur bis 2020 © IOCO

Wiener Staatsoper / Dream-Team der Musikthearer Legris – Meyer – Platzer – Aber nur bis 2020 © IOCO

In Berlioz’  Les Troyens, (Premiere 14.10.2018) meines Erachtens nach einem ganz besonderen Markstein in der Operngeschichte, singen unter Alain Altinoglu und in der Inszenierung David McVicars u.a. Joyce DiDonato, Anna Caterina Antonacci, Brandon Jovanovich, Adam Plachetka, Jongmin Park und Margarita Gritskova. Die Uraufführung von Johannes Maria Stauds und Durs Grünbeins ergreifender und aufrüttelnder Oper  Die Weiden (Premiere 8.12.2018) werden u.a. Ingo Metzmacher, Tomasz Konieczny, Rachel Frenkel, Thomas Ebenstein und Andrea Carroll aus der Taufe heben. Im Februar gibt es dann ein Wiedersehen mit Laurent Pelly, dem erfolgreichen Regisseur von  La Fille du régiment. Diesmal zeichnet er für die Neuinszenierung von Lucia di Lammermoor (Premiere 9.2.2019) verantwortlich, die von Sängern wie KS Juan Diego Flórez, Olga Peretyatko-Mariotti  und George Petean  getragen wird – die musikalische Leitung bei diesem Donizetti-Dauerbrenner übernimmt der Belcanto-Spezialist Evelino Pidò. Mit der Erstaufführung von Manfred Trojahns Orest (Premiere 31.3.2019) kommt nicht nur ein neues Werk in den Spielplan, sondern zugleich auch ein international gefeierter Komponist, mit dem wir unseren Reigen der zeitgenössischen Komponisten erweitern können. Michael Boder wird dirigieren, Marco Arturo Marelli inszenieren; zur Sängerbesetzung zählen Evelyn Herlitzius, Laura Aikin, Audrey Luna, Thomas Johannes Mayer, Thomas Ebenstein und Daniel Johansson.

EINLADUNG ZUR SPIELZEIT

Gewissermaßen als Höhepunkt der Festlichkeiten am 25. Mai und in Hinblick auf die Staatsoper-Uraufführung vor 100 Jahren wird unter Christian Thielemann eine Neuproduktion der Frau ohne Schatten (Premiere 25.5.2019) über die Bühne gehen: KS Stephen Gould, Camilla Nylund, Evelyn Herlitzius, Wolfgang Koch und KS Nina Stemme werden unter seiner Stabführung dieses Doppeljubiläum zum Glänzen bringen.

Knapp vor Saisonschluss bringen Myung-Whun Chung und Adrian Noble noch einen neuen Otello (Premiere 20.6.2019) heraus – es singen u.a. Aleksandrs Antonenko, Olga Bezsmertna  und Vladislav Sulimsky. Mit Sylvia zur Musik von Léo Delibes wird Ballettdirektor Manuel Legris seine zweite abendfüllende Choreographie für das Wiener Staatsballett vorstellen, FORSYTHE | VAN MANEN | KYLIÁN (Premiere 14.4.2019) erweitern das Ballettrepertoire am Sektor der Neoklassik. Wer aus irgendeinem Grund eine gewünschte Vorstellung nicht besuchen kann, hat übrigens weiterhin die Möglichkeit Opern- und Ballettaufführungen via Live- Stream mitzuerleben.

Es wäre schön, wenn wir diese Jubiläumssaison gemeinsam durchfeiern könnten und so freue ich mich auf ein oftmaliges Wiedersehen“,  so Dominique Meyer.

—| IOCO Aktuell Wiener Staatsoper |—

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