Sydney, Sydney Opera House, Tänzer, Choreographen – Körpertanz für Alle, IOCO Aktuell, 07.03.2021

sydney_logo.jpg

Sydney Opera House

Sydney / Opera House © IOCO

Sydney / Sydney Opera House © IOCO

„EVERY BODY DANCE NOW“

 Körper-Tanz –  Kurse :  Auf den Stufen des Sydney Opera House

Australien hat es in diesen schweren Tagen der Cortona-Epidemie besser: Innerhalb des riesigen Landes kann man sich weitgehend frei bewegen, Lokale sind geöffnet, die Strände voll. Bei diesen Freiheiten schweben aber auch in Australien strenge  COVID-Regeln beständig mit / über allen.. Doch, die zulässigen Freiheiten werden in selten schöner Weise genutzt:  Auf den Stufen des spektakulären Sydney Opera House werden im März 2021,  für jedermann zugänglich, öffentliche „Köpertanz“ – Kurse (Body Dance) gehalten. In zwei Kursen täglich, ab 15.30 und ab 18.00 Uhr, werden unter professioneller Anleitung von Tänzern, Choreographen, Artisten des Opernhauses die Kurs-Teilnehmer „beschwingt“.  Jeder, jedes Alter, Kind, Opa, Frau, Mann, kann teilnehmen, kostenlos:            Australien, Du machst es besser !

.Lesen Sie im folgenden, was die Sydney Opera  für jeden zugänglich bietet:

Tanz auf den spektakulären Stufen zum Sydney Opera House © Daniel Boud

Tanz auf den spektakulären Stufen zum Sydney Opera House © Daniel Boud

Free outdoor dance classes for every body, ability and age

At the Sydney Opera House this March 2021

„Step out of the daily grind (Verlasst das alltägliche Mühlrad und kommt auf die spektakulärste Bühne der Welt für kostenlose Tanz – Kurse… ) and onto the world’s most spectacular outdoor stage with free, fun and inclusive dance classes for participants of all levels, ages and abilities.“

If there’s one thing that’s certain in these uncertain times, it’s that we gotta keep moving – together! That’s why this March we’re inviting every body to a series of free outdoor dance classes to share the joy of dance with one of the world’s most iconic harbours as our dance partner.

Masha Belash, bekannte Tänzerin und Choreographin, lehrt auch Körper-Kurse auf den Stufen zum Sydney Opera House © Daniel Boud

Masha Belash, bekannte Tänzerin und Choreographin, lehrt auch Körper-Kurse auf den Stufen zum Sydney Opera House © Daniel Boud

Taught by a range of world class dancers, (von einer Reihe von Weltklasse-Tänzern, siehe Masha Belash,  Foto links, geleitet) choreographers and educators in their own fields, these classes are for all levels and all ages encompassing styles covering Jazz to Contemporary, Latin to Hip Hop.

Whatever your preference, we encourage all participants to leave judgement at the door and work within your own comfort level for maximum fun and enjoyment.

With 8 different classes to choose from (2 sessions every Tuesday from 9 March), it’s time to get moving so check out the schedule, tell your friends and register for your tickets.

While dancing together as a community, this event is 100% COVID safe. There will be no partner work or touching and participants will be socially distanced. In the event of rain, the event will not go ahead.

 The Sydney Opera House today announced Every Body Dance Now, a free series of outdoor dance classes presented on the spectacular Opera House Forecourt. Enabled by a NSW Government initiative, Culture Up Late, to increase access to Sydney’s cultural offering in the city, several free classes will be held this March, allowing attendees to share in the joy of dance against one of the world’s most iconic backdrops.

Sydney Opera House Director of Programming Fiona Winning said: “We’re thrilled to be able to reinvigorate our precinct during summer with a free, accessible and participatory program of outdoor dance classes, thanks to the NSW Government. Every Body Dance Now will provide a fantastic opportunity for Sydneysiders to get out of the lounge room and share the joy of dancing together in a group again, outside in the open air with one of the world’s most iconic harbours as a dance partner.”   (.... stellt eine fanstatische Gelegenheit für die Menschen aus Sydney dar,hre Sessel zu verlassen und die Freuden gemeinsamen Tanzes zu genießen ….)

James Barry, bekannter Tänzer und Choreograph, lehrt auch Körper-Kurse auf den Stufen zum Sydney Opera House © Daniel Boud

James Barry, bekannter Tänzer und Choreograph, lehrt auch Körper-Kurse auf den Stufen zum Sydney Opera House © Daniel Boud

NSW Minister for the Arts Don Harwin said: “I am delighted that the NSW Government’s Culture Up Late initiative is supporting the Opera House’s free program of outdoor dance classes. The arts industry plays an important role in our community’s health and wellbeing through creative participation, so this is a great way for the community to connect in a COVID-safe way in one of our city’s most special meeting places”.

This March, world-class dancers, choreographers, performing artists and educators will lead classes in the open air, teaching a mixture of contemporary, jazz, street and Latin dance. Two sessions every Tuesday from 9 March: an afternoon class at 3:30pm and a second, dusk session at 6pm, will provide an opportunity for everything from a gentle, more accessible flow, to a funky, up-tempo, (slightly) sweaty dance-jam. Welcoming participants of all levels, ages and abilities, the free experience is a fun and inclusive way for everybody to step out of the daily grind and onto the world’s most spectacular outdoor stage. Artistic prowess not required.“

The Culture Up Late initiative is part of the (schauen Sie sich Sydney an – HIER!) Summer in the City program, proudly funded by the NSW Government.

–| Pressemeldung Sydney Opera House |—

Wien, Wiener Staatsoper, Lehrlingsstellen – Offene Positionen, IOCO Aktuell, 03.03.2021

wien_neu.gif

Wiener Staatsoper

Wien / Wiener Staatsoper © Starke

Wien / Wiener Staatsoper © Starke

WIENER STAATSOPER – VERGABE VON FÜNF LEHRLINGSSTELLEN

Bewerbungen bis 7. März 2021 möglich

Nicht nur die Förderung und Ausbildung junger Künstler*innen – in der Ballettakademie, der Opernschule sowie im neu gegründeten Opernstudio – ist der Wiener Staatsoper seit vielen Jahren ein Anliegen. Weniger bekannt ist, dass das Haus am Ring hinter den Kulissen auch ein Lehrbetrieb ist: Bereits seit 2001 wird jeweils ein Lehrling im Beruf Veranstaltungstechnik ausgebildet, seit 2018 zwei Lehrlinge im Beruf Maskenbildnerin.

Mit Lehrbeginn im September 2021 sucht die Wiener Staatsoper nun wieder fünf Lehrlinge (m/w/d): Ausgebildet werden zwei Lehrlinge für Metallbearbeitung, ein Lehrling für Veranstaltungstechnik sowie zwei Lehrlinge für Tischlerei.

Ziel:  Weiterbeschäftigung nach Ende der Lehrzeit

Die Lehrlinge erwartet eine umfassende und anspruchsvolle Ausbildung in einer der größten Kulturinstitutionen Österreichs. Ziel ist, dass sie nach positiver Absolvierung ihrer Lehrzeit in der Wiener Staatsoper fix beschäftigt werden.

HIER – Website der Wiener Staatsoper – Alle offenen Positionen der Staatsoper

Vorgestellt: Die Bühnentechnik der Wiener Staatsoper
youtube Trailer Wiener Staatsoper
[ Mit erweitertem Datenschutz eingebettet ]

Petra Bohuslav, kaufmännische Geschäftsführerin:
»Eines unserer ganz großen Ziele ist es, die Wiener Staatsoper für junge Menschen zu öffnen. So haben wir beispielsweise die Generalproben der Neuproduktionen für U27-Publikum zugänglich gemacht und investieren sehr viel in partizipative Kultur-Vermittlungsformate. Nachdem die Wiener Staatsoper aber nicht nur eine internationale Kulturinstitution, sondern als wirtschaftlicher Betrieb auch Arbeitgeber für fast 1.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist, freue ich mich ganz besonders, dass wir auch in dieser Funktion unser Haus öffnen und jungen Menschen die Möglichkeit geben, hier bei uns ihre Ausbildung zu absolvieren«.

Die Berufswelten (Auszug):

Die Lehrlinge für Metallbearbeitung (Lehrzeit: 3 Jahre) stellen u. a. einschlägige metallische Werkstücke und Bauteile her, konzipieren Skizzen und technische Zeichnungen, sind zuständig für das Fertigen, Zusammenbauen von Bauteilen und Geräten, Wartungsarbeiten, die Betreuung von Proben und Vorstellungen und die Auf-, Ab- und Umbauarbeiten von Kulissen und Bühnendekorationen im Team.

Im Bereich Veranstaltungstechnik (Lehrzeit: 3,5 Jahre) arbeitet der/die neue Kolleg*in bei der Vorbereitung und Planung von Veranstaltungen aller Art aus technischer Sicht mit und ist für die technischen Aufbauten und Anlagen zuständig; für die Installation und Montage von Ton- und Lichtanlagen und steht in engem Kontakt mit den Produktionsteams.

Die Lehrlinge für Tischlerei (Lehrzeit: 3 Jahre) erwarten die Fertigung und Montage von Möbelstücken und Bauteilen aus Holz, Holzwerk- und Kunststoffen, Reparaturarbeiten, die Betreuung von Proben und Vorstellungen in Zusammenarbeit mit anderen beteiligten Arbeitsgruppen, sowie im Team die Auf-, Ab- und Umbauarbeiten von Kulissen und Bühnendekorationen.

Alle Informationen mit detaillierten Beschreibungen der Berufswelten, Voraussetzungen und Lehrlingsentschädigungen  

HIER – auf der Website der Wiener Staatsoper – Alle offenen Positionen

—| IOCO Aktuell Wiener Staatsoper |—

Ulm, Theater Ulm, Findungsverfahren – Neuer Generalmusikdirektor, IOCO Aktuell, 02.03.2021

theater_ulm_2.jpg

Theater Ulm

Theater Ulm © Carola Hölting

Theater Ulm © Carola Hölting

Generalmusikdirektor – Findungsverfahren am Theater Ulm

Felix Bender, Stefan Klingele, Leo Siberski, Andreas Wolf

Das Auswahlverfahren um die Position des Generalmusikdirektors am Theater Ulm geht in die entscheidende Phase. Nach 10 Jahren erfolgreichen Wirkens wird Timo Handschuh seine Tätigkeit am Theater Ulm auf eigenen Wunsch im Sommer 2021 beenden.

Theater und Philharmonisches Orchester der Stadt Ulm erfreuten sich großer Reso-nanz auf die freiwerdende Position – nahezu 120 Bewerbungen gingen ein, darunter leider nur drei von Dirigentinnen.

Aus dieser Vielzahl von Anwärtern wurden 11 Bewerber und 1 Bewerberin in die engere Auswahl genommen. Bereits im Februar 2020 stellten diese sich im Rahmen von Orchesterproben vor, woraufhin die Theaterleitung im intensiven Dialog mit dem Orchestervorstand vier Kandidaten für die finale Runde im Bewerbungsverfahren auswählte.

Kai Metzger - INTHEGA Ehrenpreisträger © Theater Ulm

Kai Metzger – INTHEGA Ehrenpreisträger © Theater Ulm

Aufgrund der Corona-Pandemie musste das Auswahlverfahren immer wieder un-terbrochen und verschoben werden. Leider ist es den nun benannten Kandidaten in der letzten Auswahlphase aufgrund der aktuellen Corona-Verordnung noch immer nicht möglich, die musikalische Leitung einer regulären Vorstellung im Spielbetrieb zu übernehmen. Intendant Kay Metzger hat daher ein modifiziertes Verfahren ent-wickelt, das den Bewerbern die Möglichkeit bietet, sich in einer ausführlichen Probe und in einem nichtöffentlichen Konzertdirigat mit Auszügen aus Giuseppe Verdis Rigoletto sowie der Suite aus Der Rosenkavalier von Richard Strauss zu präsentieren. Hierfür wurde mit den zuständigen Behörden eigens ein dezidiertes Hygiene-konzept entwickelt, um ein Höchstmaß an Infektionsschutz für die Mitwirkenden zu gewährleisten.

Nach diesem ausdauernden Auswahlverfahren hofft das Theater Ulm auf eine gute Wahl für diese herausragende künstlerische Position am Ulmer Theater. Nichtöffentliche Auswahldirigate finden vor akkreditierten Medienvertretern am 01. März, 02. März, 04. März und 05. März 2021 jeweils um 18 Uhr statt.

IOCO-Korrespondentin Oxana Arkaeva wird an dem Verfahren teilnehmen und berichten

Die Kandidaten:  Felix Bender, Stefan Klingele, Leo Siberski, Andreas Wolf

Der gebürtig aus Sachsen-Anhalt stammende Felix Bender studierte in Weimar, wo er auch von 2010 bis 2013 als 1. Kapellmeister engagiert war. Anschließend wechselte er als 1. Kapellmeister und stellvertretender GMD nach Chemnitz und übernahm dort in der Spielzeit 2016/17 kommissarisch das Amt des GMD. Seit 2018/19 ist Felix Bender ständiger Gastdirigent an der Oper Leipzig und dirigierte dort u.a. die Wagneroper Tannhäuser, Verdis Don Carlo und La traviata, Puccinis Turandot, Faust von Gounod und Der Freischütz von Carl Maria von Weber. Zudem leitete er das Gewandhausorchester in Ballettabenden mit Werken von Bach bis Strawinsky.

Stefan Klingele begann seine Laufbahn als Repetitor am Nationaltheater Mannheim, 1996 wechselte er nach München als Dirigent am Staatstheater am Gärtnerplatz. Anschließend war er als 1. Kapellmeister am Theater Bremen engagiert, wo er in der Spielzeit 2006/07 die Position des Chefdirigenten übernahm. Seit 2015 ist Stefan Klingele Musikdirektor und Chefdirigent an der Musikalischen Komödie Leipzig. Hier erschließt er neues Repertoire und zeichnete verantwortlich für die Welt-ersteinspielungen von Prinzessin Nofretete von Nico Dostal und Korngolds »Lied der Liebe«. Stefan Klingele begann seine Laufbahn als Repetitor am Nationaltheater Mannheim, 1996 wechselte er nach München als Dirigent am Staatstheater am Gärtnerplatz. Anschließend war er als 1. Kapellmeister am Theater Bremen engagiert, wo er in der Spielzeit 2006/07 die Position des Chefdirigenten übernahm. Seit 2015 ist Stefan Klingele Musikdirektor und Chefdirigent an der Musikalischen Komödie Leipzig. Hier erschließt er neues Repertoire und zeichnete verantwortlich für die Welt-ersteinspielungen von »Prinzessin Nofretete« von Nico Dostal und Korngolds Lied der Liebe.

Der Hannoveraner Leo Siberski studierte in Berlin bei Prof. Rolf Reuter an der Hoch-schule für Musik »Hanns-Eisler«. Als Assistent arbeitete er mit Daniel Barenboim, Kent Nagano, Vladimir Jurowski und Fabio Luisi in Berlin, Leipzig, Glyndebourne und Los Angeles, bevor er 2007 an der Semperoper Dresden mit »Die Zauber-flöte« debütierte. Noch im gleichen Jahr wurde Leo Siberski zum 1. Kapellmeister am Theater Bielefeld berufen. Vier Jahre später wechselte er in gleicher Position an das Theater Kiel. Hier übernahm er die Musikalische Leitung u.a. von Verdis »Lombardi alla prima Crociata« und »La Traviata«, sowie Brechts Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny. Seit 2017 ist Leo Siberski Generalmusikdirektor am Theater Plauen-Zwickau.Gastdirigate führten Leo Siberski u.a. zu den Bremer Philharmonikern, zu allen Sin-fonieorchestern des SWR, zum Münchner Rundfunkorchester, zum MDR Sinfonie-orchester, zu den Düsseldorfer Sinfonikern und an die Opernhäuser von Hannover, Düsseldorf, Innsbruck, an das Nationaltheater Iasi/Rumänien und die Staatsoper Kutaissi / Georgien.

Andreas Wolf studierte Dirigieren, Gesang und Klavier in München. Sein erstes Engagement führte ihn als Solorepetitor an das Schillertheater NRW in Wuppertal. Kurz darauf wechselte er als 2. Kapellmeister an die Städtischen Bühnen Münster. Gastengagements führten ihn nach Mendoza (Argentinien) und Athen, sowie an das Staatstheater Kassel, die Staatsoper Hannover und das Staatstheater Saarbrücken. In dieser Zeit erarbeitete er sich systematisch ein umfangreiches Repertoire vom Barock bis zur Moderne, das auch Filmmusik einschließt.Seit der Spielzeit 2013/14 ist Andreas Wolf als 1. Kapellmeister und Stellvertretender GMD am Theater Lübeck engagiert. Hier wirkt er seit 2018 auch als Kommissarischer GMD. Er dirigierte u.a. Schostakowitschs Lady Macbeth, Der ferne Klang von Franz Schreker und Christophe Colomb von Darius Milhaud. Diese Produktionen erregten auch international großes Interesse und festigten seinen Ruf als Spezialist für die Musik des 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts.

—| IOCO Aktuell Theater Ulm|—

Stephania Turkevych-Festival – Komponistin der Moderne, IOCO Portrait, 01.03.2021

März 1, 2021  
Veröffentlicht unter Hervorheben, IOCO Aktuell, Portraits

Kathedrale Maria Magdalena in Lviv, Lemberg - Ukraine © Wikimedia Commons

Orgelsaal in Lviv, Ukraine, die ehemalige Kathedrale Maria Magdalena in Lviv, Lemberg – Ukraine © Wikimedia Commons

Stephania Turkevych-Festival – Lviv, Lemberg, Ukraine

Die Rückkehr einer Komponistin in ihre Heimat

von Adelina Yefimenko

Die ehemalige Kirche Maria Magdalena, Foto oben, eine 1630 errichtete Barockkathedrale in Lviv, ehemals Lemberg, Ukraine, fungiert heute als wunderbarer Orgelsaal. Vom 13. bis 17. Januar 2021 fand dort das erste Stephania TurkevychFestival statt. Das Festival feiert die Werke der herausragenden aber leider in Vergessenheit geratenen Persönlichkeit: Stephania Turkevych, 1898 – 1977, die erste ukrainische Komponistin der europäischen Moderne.

Stephania Turkevych hat in Lviv komponiert, in Wien bei Vasyl Barvinsky und Vitezslav Novak studiert. Später lebte sie in Berlin und nahm Unterricht bei Arnold Schönberg, Franz Schreker und Paul Hindemith. Auf Basis der Zwölftontechnik entwickelte Stephania Turkevych ihren eigenen Stil – originelle Kombinationen von Expressionismus, Neuer Sachlichkeit und Serieller Musik. In der Symphonie Nr.1 sowie in den Bühnenwerken – die Oper Oksanas Herz und das Ballett Hands entwickelte sie mittels der Avantgarde-Techniken eigene individuelle Verschmelzungen traditioneller ukrainischer Motive mit westeuropäischer Moderne.

Stephania Turkevych © Wikimedia Commons

Stephania Turkevych © Wikimedia Commons

Das Werk von Stephania Turkevych besteht aus verschiedenen Gattungen. Darunter – 9 Symphonien. Diejenigen, die aufgeführt wurden, sind die Symphonien Nr. 1 (1937) und Nr. 2 (1952), Symphonietta (1956), Symphonische Dichtung La Vita, 1965), Painting Symphony oder Drei Symphonische Skizzen (1962 und 2. Aufl. 1975), Space oder Astronomical Symphony (die 3 Sätze haben auch den Programmtitel Alpha, Galiläa, Armstrong) u.a. Es gibt auch meisterhafte Kammermusik-Stücke – Suite for Double String Orchestra, Quartetts, Violinsonaten u.a. Die spätere Version der Space Symphony wurde im Jahr 1972 überarbeitet.

Da Stephania Turkevych in einer gläubigen, musikalischen Familie aufwuchs, komponierte sie auch für Chor und Klavier. Ihre Mutter, Sofia Kormosh, war eine wunderbare Pianistin; sie genoss eine vollendete Ausbildung bei Karol von Mikuli  – ein Schüler Frederik Chopins – Gründer der Lemberger Klavierschule und Direktor des Galizischen Musikvereins. Ihr Großvater Lev Turkevych und ihr Vater Ivan Turkevych waren Priester. Ihr liturgisches Werk für Chor – Psalm to Sheptytsky, Liturgie (1919) u.a. – wurde zu einem wichtigen Ausdruck ihres Glaubens. Die zahlreichen Klavierminiaturen führte sie auch oft in eigenen Konzerten als Pianistin auf; vieles komponierte sie für ihre Kinder. Für das Theater schuf Stephania Turkevych vier Opern und sieben Ballette; darunter drei Opern für Kinder.

  Turkevych Kompositionen : Verboten in der ehemaligen Sowjetunion  

Als Anhängerin der ukrainischen Avantgarde wurde sie aus der Musikgeschichte ihres Heimatlandes gestrichen; ihre Musik wurde in der ehemaligen Sowjetunion verboten. Umso bedeutsamer ist es heute, dass im Zusammenhang mit der Rückgabe dieses verlorenen Erbes in Lviv die Werke von Stephania Turkevych live aufgeführt und nun auch im Format eines Online-Festivals weltweit präsentiert wurden.

Die Darbietung einer Reihe unbekannter Werke Stephania Turkevychs wurde dank der Erforschung der Manuskripte der Künstlerin möglich. Die ukrainische Musikwissenschaftlerin Prof. Stefania Pavlyshyn sowie Pavlo und Larysa Hunka haben großartige Arbeit geleistet, um das Werk der Komponistin in der Ukraine bekannt zu machen. Stefania Pavlyshyn hat die Biographie Stefania Turkevychs veröffentlicht. Der ukrainisch-britische Bariton und seine Gattin Larysa digitalisierten das gesamte Archiv von Stephania Turkevych in Cambridge, führten das Werkverzeichnis und präsentierten es in Lemberg.

 Der Orgelsaal in der ehemaligen Kathedrale Maria Magdalena in Lviv, Ukraine - Orgelsaal © Roksolana Trush

Der Orgelsaal in der ehemaligen Kathedrale Maria Magdalena in Lviv, Ukraine – Orgelsaal © Roksolana Trush

Das neue Festivalprogramm vom 13. – 17. Januar 2021 beinhaltete neben dem Werk der Komponistin auch drei Vorträge der zeitgenössischen Musikwissenschaftlerinnen Luba Kyyanovska und Natalia Syrotynska, die das Leben und Werk Stephania Turkevychs als emanzipierte Frau, Komponistin und auch als erste ukrainische Musikwissenschaftlerin für das Publikum darstellten. Stephania Turkevych studierte Musikwissenschaft 1919 bei Adolf Chybinski an der Universität von Lemberg und setzte das Studium bei Guido Adler und bei Joseph Marx an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien fort. Später erforschte sie für ihre Dissertation die ukrainischen Einflüsse auf russische Opern (Titel der Dissertation: Ukrainisches Element in den Werken P. Tschaikowski Tschereviztschki (zweiter Titel – Wakula der Schmied), N. Rimski-Korsakow Die Nacht vor Weihnachten und deren Vergleich mit M. Lysenkos Oper Weihnachtsnacht (Christmas Night). Die Dissertation verteidigte Stephania Turkevych damals in Prag (Ihr wissenschaftlicher Consultant war Zdenek Nejedly). Sie erwarb an der Ukrainischen Freien Universität den Titel Doktor der Philosophie, was in dieser Zeit (1934) für eine Frau nicht selbstverständlich war. Der wissenschaftliche und künstlerische Werdegang von Stephania Turkevych wird ausführlich von den zeitgenössischen ukrainischen Musikwissenschaftlerinnen Prof. Dr. Stefania Pavlyshyn, Prof. Dr. Luba Kyyanovska und Prof. Dr. Hanna Karas untersucht.

Stephania Turkevych – Festival in Lviv – Symphonie No 1
youtube Trailer Collegium Management
[ Mit erweitertem Datenschutz eingebettet ]

Zum Programm des Ersten Stephania TurkevychFestivals zählten zwei bedeutende Aufführungen. Die erste Symphonie (1937) wurde im Rahmen des Kulturprojekts Ukrainian Live Classic (Präsentation der klassischen Musik der Ukraine / erste ukrainische mobile Anwendung, Förderung ukrainischer Klassiker im globalen Aspekt) aufgeführt. Es sollte auch erwähnt werden, dass dieses Projekt durch die Zusammenarbeit zwischen dem Orgelsaal von Lviv (Leitung: Ivan Ostapovich und Taras Demko), dem Collegium Management und dem Galizischen Musik Verein (Galician Music Socety mit Präsidentin: Zoryana Kushpler, Leitung: Taras Demko) mit Unterstützung der Ukrainian Cultural Foundation (UKS) entstand. Es wird geplant bei den nächsten Festivals alle anderen unbekannten Werke von Stephania Turkevychs aufzuführen.

Das Festivalprogramm der Symphonie-Premieren des Orgelsaals von Lviv wurde dank der Unterstützung der öffentlichen Organisation Collegium Management mit dem Ballett Hands or The Girl with the Withered Hands (Das Mädchen mit den verkümmerten Händen, 1957, Bristol) erweitert. Art-Direktor und Dirigent – Ivan Ostapovich und Co-Direktor des Orgelsaals und Direktor des Festivals, Taras Demko, äußerten sich über die Idee der Realisation des Ersten Stephania TurkevychFestivals wie folgt: „Letztes Jahr haben wir trotz aller Schwierigkeiten viel für unsere Live-Strategie getan, um die Musik der verschiedenen vergessenen ukrainischen Komponisten aufzuführen und deren Forschung zu fördern. Die historisch bedingte Unterschätzung, sogar absichtliche Fälschungen über die Entwicklung der ukrainischen Kultur möchten wir mittels dieser Musik ins wahre Licht stellen. In Wirklichkeit ist das Niveau der ukrainischen Musik des 20. Jahrhunderts ein wichtiger professionaler Bestandteil der europäischen Moderne. Stephania Turkevych ist eine unglaublich interessante Komponistin, die durch ihre Berufung als Musikerin von vielen Experten „der größte Mann unter den männlichen Komponisten Galiziens ihrer Zeit“ aufrecht geschätzt wurde. Die ukrainische Komponistin, die unter bekannten Umständen einen größten Teil ihres Lebens im Exil verbrachte und es in Großbritannien vollendete, schrieb mehr als hundert verschiedene Musikwerke. Die Ukraine wusste jedoch viele Jahre lang wenig über sie und ihr Werk. Und erst jetzt kehrt sie in ihrer Musik zu ihren Heimatszeitgenossen zurück“.

  Orgelsaal, Lviv, Ukraine - Stephania Turkevych Festival © Roksolana Trush

Orgelsaal, Lviv, Ukraine – Stephania Turkevych Festival © Roksolana Trush

Beide Werke wurde beim Festival vom Ukrainian Festival Orchestra aufgeführt. Der Dirigent Ivan Ostapovych leistete im Voraus eine gründliche Redaktionsarbeit: Korrekturen der technischen Fehler, verschiedene Ungenauigkeiten, zum Beispiel die dynamischen oder Tempo-Angaben, die sehr wichtig für seine Interpretation des unbekannten Opus diente. Über die Eigenheiten der Texturarbeit im Manuskript Turkevychs sprach Ivan Ostapovych wie folgt: „Vor dem Probenbeginn haben wir die Partitur vollständig restauriert. Mich persönlich hat die Eigenart der Handschrift der Komponistin „gefangen“. Auch Turkevychs musikalischer Stil stellt einen interessanten Ausdruck der Avantgarde dar, deshalb ist es nicht so einfach, den Text zu rekonstruieren, ohne die Musik irgendeinmal hören zu dürfen“. Bei der Interpretation der Symphonie Nr. 1 betonte der Dirigent ukrainische Quellen in Melodien und Rhythmen, die durch die Dodekaphonie-Technik und durch spannende Stil-Anspielungen mit Schönberg, Hindemith, Prokofiev, Bartok zu einer eigenartigen Synthese führte. Die Symphonie ist dreiteilig und sehr kontrastreich. Aufrufmotiv der Blechbläser, klangfarbige melodische Verflechtungen der Harfen und Holzbläser, raffinierte Oboen-Kantilene schwebten über eine transparente Textur der Streicher im Hintergrund. Die Stimmung wandelte, wie auf dünnen Eis, zwischen Wärme und Sentimentalität und plötzliche dissonierende Schärfe bis zum fast militanten Klang. So wie auch das Leben und die Weltanschauung dieser Frau, die es sich erlaubte, in der Mitte des 20. Jahrhunderts als Komponistin zu wirken. Eine Stille, fast ohrenbetäubend, brachte das Flöten-Solo zum Anfang des zweiten Satzes zum Ausdruck, das eine einsame Stimme der Komponistin imaginierte. Ivan Ostapovich erreichte mit dem Ukrainian Festival Orchestra eine breite Klangpalette von einem transparenten bis zum verdunkelten, sogar adstringierenden Klang.

Das Ziel weiterer Redaktionsarbeiten mit den Manuskripten dient zur Realisation neuer Aufführungen. Für die Zukunft wird eine neue kritische Ausgabe des Gesamtwerks Stephania Turkevychs geplant. Die Symphonie Nr. 1 war der erste Versuch dieser großangelegten Systematisierung des ukrainischen Musikerbes. Der zweite Versuch war das Ballett Hands oder The Girl with the Withered Hands.

Als Erstes muss erwähnt werden, dass es den Dirigenten und Orchester trotz der in der Pandemie-Zeit durchzuführenden konzertanten Premiere eine bewegte subtile und gleichfalls tragische Tanz-Ästhetik gelang. Die Musik des Balletts ist bildhaft, expressiv und vielsagend. Das Sujet The Girl with the Withered Hands stellt eine dramatische Geschichte, eine aktuelle Problematik „Kunst und Inklusion“ dar. Aber die humane Idee „alle Menschen, auch die, die unter Mobilitätsbeschränkungen leiden, sind gleichberechtigt im Sozialleben und in der Kunst“ – ist in diesem Ballett nur die Spitze des Eisbergs.

Als Zweites ist zu erwähnen: in der Musik The Hands spannt die Komponistin über die Dramaturgie der Verwandlung und des Wunders einen Inhaltsbogen vom Menschlichen, Humanen zum Sakralen.

 Orgelsaal in der ehemaligen Kathedrale Maria Magdalena, Lviv, Ukraine © Roksolana Trush

Orgelsaal in der ehemaligen Kathedrale Maria Magdalena, Lviv, Ukraine © Roksolana Trush

Das Mädchen mit den verkümmerten Händen, das in der realen Welt keine Freunde findet und von den anderen jungen und tanzenden Menschen zuerst abgewiesen wird, betet zu der Statue Jungfrau Maria, die auf dem Platz der Kathedrale steht. Das arme Mädchen brachte Blumen mit. Demgemäß wird der Titel des Balletts The Hands als Symbol bzw. als Gestik des Betens verstanden. Die langsame und träge wiederkehrende Episode, in denen die Musik die Schwermut des Mädchens reflektiert, wird immer wieder unterbrochen und immer mehr mit Energie erfüllt. Die Komponistin beherrscht eine hervorragende Art der unmittelbaren Mimesis. Diese fabelhafte, in der Musik von den kirchlichen Glocken (Xylophon, Harfen) gerahmte musikalische Verwandlung der Gestik des Mädchens, stellt einen Kontrast zu den anderen Themen der tanzenden Dorfjugend dar. Aber eine stringente orchestrale Balance braucht man nicht nur um symbolhafte musikalische Sprache zu imaginieren, sondern auch, besonders im Ballett, die logische instrumentale Dramaturgie durch den Rhythmus zu führen. Besonders dann, wenn die szenische Dynamik nicht präsent ist.

Die Brüche der Dynamik zwischen Stille und Explosionen schafft das Orchester mittels einer strengen systematischen Organisation der timbrierenden und temporalen Vielfalt. Das kurze Libretto, das die Komponistin selber geschrieben hat, zeigt übrigens weniger Sehnsucht, stattdessen mehr Kraft im Streben zum Glück:

„Das erste Mädchen tanzt vor der Statue, nimmt dann die Kette von ihrem Hals und legt sie auf die Handfläche der Statue. Die Menge antwortet mit einem Tanz. Jetzt tanzt das zweite Mädchen vor der Statue, nimmt ihre Halskette ab und legt sie um den Hals der Statue. Die jungen Leute antworten wieder mit Tanz. Das dritte Mädchen tanzt vor der Statue, nimmt ebenfalls ihre Halskette ab und legt sie der Jungfrau Maria auf die Stirn. Die ländliche Jugend antwortet erneut mit einem Tanz. Vor dem Ende des Tanzes betritt ein Mädchen mit verkrüppelten Händen die Bühne. Ihre Hände, die einen Blumenstrauß umklammern, sind unter einem Taschentuch versteckt. Die jungen Leute machen sich über sie lustig und entfernen sich tanzend. Das unglückliche Mädchen tanzt verzweifelt weiter. Sie fällt vor der Statue auf die Knie und gibt der Jungfrau Maria Blumen aus ihren verkümmerten Händen. Sie bleibt eine Minute auf den Knien und betet inbrünstig. Währenddessen erreicht die Musik ihren Höhepunkt und Licht erscheint um die Statue der Jungfrau Maria. Erfreut beginnt das verkrüppelte Mädchen ihren Tanz der Hände, während dessen sie vollständig geheilt werden. Sie tanzt jetzt ihren Tanz des Glücks. Während ihres Glücks-Tanzes beugt sich das Mädchen nach vorne und spielt mit dem Wasser und dem Lehm, den sie vom Grund des Baches nimmt. Sie formt daraus eine Vase. Jetzt tanzt sie den Tanz des Glücks der Schöpfung, mit einer Handbewegung winkt sie die Dorfjugend zurück. Triumphierend zeigt sie ihnen die Vase. Sie alle führen nun gemeinsam den Tanz der Freude auf, wie in der ersten Szene. Das Finale – ein auf wundersame Weise geheiltes Mädchen führt die Jungen und Mädchen zur Statue der Jungfrau Maria. Sie gießt Wasser in eine Vase, setzt Blumen ein und gibt sie der Mutter Gottes“.

Diese Geschichte kann auch autobiographisch verstanden werden. Prof. Dr. Luba Kyyanovska äußerte sich in ihrer Vorlesung im Rahmen des Festivals zur Frage des musikalischen Selbstbildnisses der Komponistin sehr treffend:

„Als Stephania Turkevych mit ihrer Musik im Exil war und die Hoffnung auf eine Rückkehr zu Heimatsland verlor, fühlte sie sich äußerst einsam. Sie wurde durch zwei Dinge gerettet – Glaube und Musik“.

—| IOCO Portraits |—

Nächste Seite »

Diese Webseite benutzt Google Analytics. Die User IPs werden anonymisiert. Wenn Sie dies trotzdem unterbinden möchten klicken Sie bitte hier : Click here to opt-out. - Datenschutzerklärung