Hannover, Staatsoper Hannover, Deutscher Theaterpreis 2020 DER FAUST, IOCO Aktuell, 02.12.2020

Staatsoper Hannover

Staatsoper Hannover © Marek Kruszewski

Staatsoper Hannover © Marek Kruszewski

Deutscher Theaterpreis  –  DER FAUST 2020
Preisträgerinnen und Preisträger

Der Deutsche Theaterpreis DER FAUST ist ein Preis der Theater und ihrer Träger für ihre Künstlerinnen und Künstler. Er wird seit 2006 vom Deutschen Bühnenverein in Kooperation mit den Bundesländern, der Kulturstiftung der Länder und der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste vergeben. Veranstaltungspartner 2020 war das Staatstheater Hannover, Medienpartner sind 3sat und Die Deutsche Bühne. Möglich gemacht wurde das Livestream-Angebot durch eine Zusammenarbeit mit der digitalen Plattform  www.spectyou.com

Elf Künstlerinnen und Künstler wurden am 21.11.2020 mit dem Deutschen Theaterpreis DER FAUST ausgezeichnet

Regie und Dramaturgie eines Verleihungs-Films hat das Staatstheater Hannover übernommen. Moderiert wurde die Verleihung von Schauspielerin Seyneb Saleh und Opernsänger Michael Kupfer-Radecky. Während der Verleihung richtete sich auch der Ministerpräsident des Landes Niedersachsen, Stephan Weil, mit einem Grußwort an die Kulturschaffenden.

Preisträgerinnen und Preisträger – Deutscher Theaterpreis DER FAUST 2020

  • Regie Schauspiel
    Ewelina Marciniak für Der Boxer, Thalia Theater Hamburg
  • Darstellerin/Darsteller Schauspiel
    Astrid Meyerfeldt als Mary Tyrone in Eines langen Tages Reise in die Nacht, Schauspiel Köln
  • Regie Musiktheater
    Martin G. Berger für Ariadne auf Naxos, Deutsches Nationaltheater und Staatskapelle Weimar

Ariadne auf Naxos
youtube Trailer Deutsches Nationaltheater Weimar
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    • Sängerdarstellerin / Sängerdarsteller Musiktheater
      Patrick Zielke als Baron Ochs in Der Rosenkavalier, Theater Bremen
    • Choreografie
      Bryan Arias für 29 May 1913, Hessisches Staatsballett Darmstadt / Wiesbaden, Im Rahmen des Doppeltanzabends Le sacre du printemps

Le Sacre du printemps – Ballettabend
youtube Trailer Hessisches Staatstheater Wiesbaden
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  • Darstellerin /Darsteller Tanz
    Lucy Wilke / Pawel Dudus für Scores that shaped our friendship, Tanztendenz Münchene.V./ Schwere Reiter
  • Regie Kinder-und Jugendtheater
    Antje Pfundtner für Ich bin nicht Du, Junges Theater Bremen MOKS
  • Bühne/Kostüm
    Markus Selg (Bühne & Video) / Rodrik Biersteker (Video) für Ultraworld, Volksbühne Berlin
  • Preis für das Lebenswerk
    William Forsythe

„Wie sehr fehlt gegenwärtig der direkte Austausch, von dem das Theater so sehr lebt! Umso wichtiger, dass wir mit der diesjährigen Verleihung des Deutschen Theaterpreises DER FAUST den Künstlerinnen und Künstlern danken, die im vergangenen Jahr wieder für unvergessliche Momente gesorgt haben und uns in besonderer Weise die Kraft der Kultur haben erleben lassen. Wenn auch in diesem Jahr nur digital, zeigt der Preis die enorme Qualität und hohe Relevanz dessen, was auf unseren Bühnen geschaffen wird. Wir brauchen diese Orte und freuen uns auf den Moment, wenn wir die Preise direkt übergeben können und Kultur wieder in ihrer vollen Kraft live erleben“, sagte der neu gewählte Präsident des Deutschen Bühnenvereins, Dr. Carsten Brosda.

 Jury und Veranstalter

Über die Preisträgerinnen und Preisträger entscheidet eine fünfköpfige Jury, die von der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste benannt wurde. Die Jury setzt sich zusammenaus folgenden Akademiemitgliedern: Tatjana Gürbaca (Regisseurin), Regina Guhl (Professorin für Schauspiel und Dramaturgie an der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover), Tim Plegge (Hauschoreograf am Hessischen Staatsballett), Marion Tiedtke (Ausbildungsdirektorin Schauspiel an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt am Main) und Jürgen Zielinski (Regisseur und Intendant a.D.).Die Jurybegründungen finden Sie in einem gesonderten Dokument als Teil der Pressemitteilung im Anhang.

Die Dokumentation „DER FAUST on tour“ ist in der 3sat-Mediathek abrufbar. Auf Twitter @theaterpreis gibt es ebenfalls begleitende Informationen.

—| IOCO Aktuell Staatsoper Hannover |—

Altenburg, Theater Altenburg Gera, #WIRSINDDA – Trotz Lockdown, IOCO Aktuell, 01.12.2020

Theater Altenburg Gera

Theater Altenburg © Ronny Ristok

Theater Altenburg © Ronny Ristok

#WIRSINDDA – Trotz Lockdown!

Aktionstag deutscher Theater und Orchester

Das Theater Altenburg Gera beteiligte sich am Montag, 30.11.2020 am bundesweiten Aktionstag #WIRSINDDA, der durch die Intendantengruppe des Deutschen Bühnenvereins vor dem Hintergrund der andauernden Schließung von Theater- und Konzerthäusern initiiert wurde.

IOCO stellt drei Theater vor – Wie sie sich an  #WIRSINDDA  beteiligen

Im Stadttheater Gießen  ertönt am 30.11. den ganzen Tag über eine Collage mit Stimmen aus unserem Publikums und Musik, um im Rahmen des bundesweiten Aktionstages der Theater und Orchester, ein Zeichen für Zuversicht, künstlerische Energie und Verbundenheit zu setzen.

Auf dem Theatervorplatz des Theater Altenburg Gera in Gera trat Sabine Schramm, Leiterin des Puppentheaters auf. Vor dem Theaterhaus in Altenburg war es Schauspieler Sebastian Schlicht in seiner Rolle als Pinocchio. Beide haben Luftballons mit Postkarten in den Himmel steigen lassen um Grüße über die Distanz ans Publikum zu senden. Als künstlerisches Lebenszeichen sollen die Karten an den Ballons die Finderinnen und Finder überraschen und inspirieren.

#WIRSINDDA –  Theater Altenburg Gera
youtube Trailer Theater Altenburg Gera
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Mit deutschlandweit unterschiedlichen künstlerischen Aktionen aus Abstand, digitalen Aktivitäten und Kampagnen soll die Bedeutung von Kultur sowie Theatern und Orchestern für den sozialen Zusammenhalt, die gesellschaftliche Orientierung und die individuelle Sinnstiftung betont werden. Dazu gehört auch die Solidarität mit anderen Institutionen des öffentlichen Lebens, Kultureinrichtungen und freischaffenden Künstler*innen und mit all denen, die durch die Situation existentiell bedroht sind.

SPECTYOU unterstützt den Aktionstag und möchte dazu beitragen, ein Zeichen von Zuversicht, künstlerischer Energie und Verbundenheit zum Publikum zu setzen. Auf der Website www.spectyou-aktionstag.com werden die Beiträge der Theater und Orchester gesammelt dokumentiert.

»Theater und Orchester sind offene Diskursräume unserer demokratischen Gesellschaft und eine Einladung, das Verbindende zu suchen und der Polarisierung entgegen zu wirken. Über die Kunst verständigen wir uns darüber, wie wir zusammenleben wollen, üben uns in Empathie und Mut, ermöglichen Teilhabe. Wenn sich die Theater und Orchester zurzeit auch nicht als Orte des Zusammenkommens zur Verfügung stellen können, so möchten sie dennoch einen Impuls von Lebendigkeit geben und ihrem Glauben an die künstlerische Utopie Ausdruck verleihen. Sobald es wieder möglich ist, stehen sie für die künstlerische Aufarbeitung unserer gesellschaftlichen Krise zur Verfügung.«  so, Der Vorstand der Intendantengruppe des Deutschen Bühnenvereins

In den Theatern und Orchestern wird weiterhin optimistisch und mit der bisher gezeigten Flexibilität und dem ihnen eigenen Verantwortungsbewusstsein auf eine baldige Wiederöffnung hingearbeitet, Produktionen werden geprobt und warten auf ihre Premieren.

 Vorpommersche Landesbühne  –   auch Teil von  #WIRSINDDA

Auch die Vorpommersche Landesbühne am 30.11.2020 am Aktionstag der Theater und Orchester. Wir vermissen Sie. Sehen wir uns bald wieder? Begleiten Sie die Kolleg*innen des Theaters auf einen kleinen Rundgang durch die Theaterakademie Vorpommern.

#WIRSINDDA – Vorpommersche Landesbühne
youtube Trailer
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Am 30. November 2020, startet der Aktionstag Theater und Orchester unter dem Motto #wirsindda. Fleißig wird an der Vorpommerschen Landesbühne und an der Theaterakademie Vorpommern geprobt und unterrichtet, damit es bald wieder los gehen kann. Mit einem kleinen Rundgang durch die Akademie und durch das gelbe Theater Die Blechbüchse senden wir ein Zeichen von Zuversicht, künstlerischer Energie und Verbundenheit zu Ihnen, unserem Publikum. Optimistisch und mit dem nötigen Verantwortungsbewusstsein arbeiten wir auf eine baldige Wiedereröffnung hin. Schon am 1. Dezember 2020 begrüßen wir die ersten Schulklassen zu unseren Weihnachtsstücken.

—| IOCO Aktuell Theater Altenburg Gera |—

Basel, Theater Basel, Es wird gespielt – auch für wenige Besucher, IOCO Aktuell, 26.11.2020

November 26, 2020  
Veröffentlicht unter Hervorheben, IOCO Aktuell, Pressemeldung, Theater Basel

Theater Basel

Theater Basel © Sandra Then

Theater Basel © Sandra Then

Das Theater Basel spielt wieder
Für nur wenige Besucher pro Vorstellung

Das Theater Basel ist auch zu Corona-Zeiten geöffnet – Wenn auch nur für wenige Besucher. Das Theater lebt auch in Corona-Zeiten –  wenn auch der Besucherraum sehr ausgedünnt ist. Seit 4. November 2020 gelten folgende Regeln: Das Theater Basel wird für 50 Zuschauer*innen spielen. Der Spielplan wird auf der Kleinen Bühne aufrecht gehalten. Die Vorstellungen auf der Grossen Bühne und im Schauspielhaus entfallen. Diese Regelung gilt vorerst für den November 2020. .

Das Theater Basel hat den Spielbetrieb am 4. November mit der Premierevon Café Populaire der Dramatikerin und Regisseurin Nora Abdel-Maksoud wieder aufgenommen, gefolgt von der Erfolgsproduktion Odyssee von Co-Schauspielleiter Antú Romero Nunes am 13. November 2020. Am 5. November wurden noch eine weitere Vorstellung von Metamorphosen im Schauspielhaus gezeigt.. Ausserdem wird am Theater Basel für einzelne Produktionen weitergeprobt, damit der Spielbetrieb umgehend wieder aufgenommen werden kann, sobald dies wieder möglich ist.

La Bohème am Theater Basel
youtube Trailer Theater Basel
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La Bohème am Theater Basel – und IOCO Rezension – link HIER!

Bis zum 13. Dezember 2020, solange die Einschränkungen des Kanton Basel-Stadt gelten, spielt das Theater Basel in einem nochmals reduzierten Spielplan. Drei Inszenierungen werden zur Premiere gebracht. Diese Stücke müssen zu Ende geprobt werden. Zum einen, weil sie später nicht weiterproben können. Zum anderen, weil das Theater Repertoire für die kommenden Monate braucht.

Verlosung der 15 Tickets / Vorstellung

Den Verkauf für 15 Tickets pro Vorstellung so kurzfristig und nochmals neu zu organisieren ist nicht möglich. Daher verlosen wir die Karten für die fünf Vorstellungen bis zum 13. Dezember 2020 –davon je zehn unter unseren Abonnent*innen und je fünf unter allen anderen. Mehr Infos unter: www.theater-basel.ch/ser-viceu

Metamorphosen – Schauspiel  – Regisseur Antú Romero Nunes
youtube Trailer Theater Basel
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Ab 14. Dezember – 50 Besucher auf allen Bühnen

Seit der Verschärfung der Schutzmaßnahmen durch den Bundesrat am 28. Oktober hat das Theater eine finanziell vertretbare Planung für die Monate Dezember und Januar erarbeitet. Sobald die Einschränkungen durch den Kanton Basel-Stadt wieder aufgehoben werden, beginnt der Vorverkauf für diese Vorstellungen. Abonnent*in-nen haben ein Vorkaufsrecht. Vorverkauf voraussichtlich ab 11.Dezember.Theaterschliessung aus betrieblichen Gründen.

Die erheblichen Mehrbelastungen durch stetige Anpassungen an diverse Corona-Szenarien und die Mindereinnahmen müssen durch eine Betriebsschliessung aufgefangen werden. Das Haus schliesst deswegen vom 21.bis 31. Dezember 2020.

—| Pressemeldung Theater Basel |—

Forderung des ‹Netzwerk Kulturpolitik Basel›

«Wir fordern: professionell durchgeführte Kulturveranstaltungen müssen weiter für bis zu 50 Zuschauer*innen erlaubt sein. 35 Personen weniger im Saal erzielen keinen Nutzen im Hinblick auf das Infektionsgeschehen. Der Schaden für Gesellschaft und Kulturschaffende hingegen ist riesig. Emotionale und intellektuelle Berührung durch Kultur wird jetzt mehr denn je gebraucht. Kontrolliert und professionell durchgeführte Kulturveranstaltungen mit Schutzkonzepten sind sicher. Sie auf ein Publikum von 15 zu begrenzen ist reine Symbolpolitik. Wir fordern differenzierte Massnahmen für den Kultursektor!»

 

Berlin, Komische Oper, Wettbewerb für Umbau und Sanierung entschieden, IOCO Aktuell, 24.11.2020

November 24, 2020  
Veröffentlicht unter Hervorheben, IOCO Aktuell, Komische Oper Berlin, Oper

Komische Oper Berlin

Komische Oper Berlin / Zuschauerraum heute © Gunnar Geller

Komische Oper Berlin / Zuschauerraum heute © Gunnar Geller

 Komische Oper Berlin  – Neubau – Kosten €227 Mio

Wettbewerb für Umbau, Sanierung, Kosten entschieden

Der Wettbewerb für Umbau und Sanierung der Komischen Oper Berlin ist entschieden; Im Anschluss an den unten beschriebenen und entschiedenen Wettbewerb wird ein formalisiertes Verhandlungsverfahren unter Berücksichtigung weiterer Auswahlkriterien durchgeführt und über die konkrete Auswahl und Beauftragung eines Generalplanungs-teams verhandelt, welches im zweiten Quartal 2021 in die konkrete Planung einsteigen soll. Nach Auszug des Ensembles der Komischen Oper Berlin ist geplant, das Bestandsgebäude im Sommer 2023 für vertiefte Bestandsuntersuchungen und die Vorbereitung und Durchführung der Baumaßnahmen an die Bauverwaltung zu übergeben.

Entscheidungsgründe für den, die Sieger

Das Projekt setzt auf einen plastisch gegliederten und in Materialisierung differenzierten Gebäudekörper, der von der Behrenstrasse bis Unter den Linden greift. Die verschiedenen Vor- und Rücksprünge aktivieren die bislang unterbewertete Glinkastraße, indem eine Reihe von Eingängen angeordnet sind: Café-, Bühnen- und Mitarbeiterrestauranteingang. Besonders überzeugend ist die Anordnung und Gestaltung der Tageskasse an Unter den Linden: Ein schmaler gläserner Körper öffnet sich einladend zur Straße, die Komische Oper erhält dadurch eine prominente Adresse an einer der bedeutendsten Straßen Berlins. Das Motiv für diese hohe Plastizität finden die Verfasser im Bestandsgebäude, genauer im Eingangsportal der Komischen Oper, die über den Materialwechsel von Sandsteinplatten zu dunklem Zinkblech eine starke Markierung erfährt. Die genannten Vor- und Rücksprünge enthalten im Innern von Norden nach Süden: das Café und die Tageskasse, die Probebühne I sowie den Orchesterprobenraum und schließlich das Mitarbeiterrestaurant. Diese Anordnung ist funktional überzeugend, da der Anbau jeweils an bestehende Nutzungen im Bestandsgebäude anschließen kann.

Komische Oper Berlin / Visualisierung des Entwurfs von kadawittfeldarchitektur, Aachen © kadawittfeldarchitektur

Komische Oper Berlin / Visualisierung des Entwurfs von kadawittfeldarchitektur, Aachen © kadawittfeldarchitektur

Staatsoper Unter den Linden – Finanzielles wie zeitliches Sanierungsdesaster

Die Sanierungen großer deutscher Theater, der Oper Köln (IOCOArtikel hier: Oper Köln „Hort von Pleiten, Pech und Pannen), der Elbphilharmonie Hamburg wie der Staatsoper Unter den Linden Berlin waren hinsichtlich der geplanten Kosten und Zeirahmen große Desaster. So sollte die Sanierung  der Ende 2009 geschlossenen Staatsoper Unter den Linden ursprünglich €239 Mio betragen; es wurden €440 Mio. Die Wiedereröffnung der Staatsoper war zunächst für Herbst 2013 (Bauzeit 4 Jahre) geplant: tatsächlich fand sie im Herbst 2017, nach 8 Jahren statt. IOCO begleitete das langjährige Chaos um die kleinste Staatsoper der Welt, 1396 Plätze –  HIER der IOCO Bericht 2013 zur Sanierung:    Veni, Wowi, Wirrwarr

Der Wettbewerb 2020 –  Umbau und Sanierung der Komischen Oper  

 Einzelheiten des Wettberwerbs und der Sieger

Der Gebäudekomplex der Komischen Oper Berlin soll saniert, modernisiert und erweitert werden. Ziel des nun entschiedenen Wettbewerbs war es, gestalterisch, funktional und wirtschaftlich überzeugende Entwürfe zu erhalten, die sich architektonisch mit dem denkmalgeschützten Ensemble auseinandersetzen und die Komische Oper Berlin als Solitär im Stadtraum wirken lassen. Im Rahmen des Wettbewerbes überzeugte der Entwurf von kadawittfeldarchitektur aus Aachen die Jury.

Senatsbaudirektorin Regula Lüscher: „Ich bin glücklich, dass wir trotz genauer Einhaltung strenger Abstands- und Hygieneregeln das Preisgericht durchführen konnten. Noch glücklicher bin ich, dass eine fast unlösbar scheinende Aufgabe einen Entwurf hervorgebracht hat, der alles erfüllt, was wir uns wünschten. Ein markantes Gebäude, eine prominente Adresse an der Straße Unter den Linden, eine öffentliche Aufwertung entlang der Glinkastraße, einen denkmalverträglichen Umgang mit dem Bestandsbau, für die Mitarbeitenden der Komischen Oper Berlin hervorragende Arbeits- und Probebedingungen und für die Identität der Komischen Oper Berlin ein Gebäude, das Innovationskraft, Wandelbarkeit und Offenheit gegenüber der Stadtgesellschaft signalisiert.“

Kulturstaatssekretär Dr. Torsten Wöhlert ist sehr zuversichtlich, dass das Ergebnis des internationalen Wettbewerbs der erfolgreiche Start eines ambitionierten Zukunftsprojekts ist: „Der Siegerentwurf hat mich voll überzeugt: Hier entsteht nicht nur anspruchsvolle Architektur die sich im Erweiterungsbau der Komischen Oper Berlin an der Glinkastraße wiederfinden wird, schön anzusehen im Ensemble der Stadt. Hier wird kluge Architektur realisiert – einschließlich der umfänglichen Revitalisierung des denkmalgeschützten Opernhauses im Bestand – die den Anforderungen an modernste Opern-Bühnen mehr als gerecht wird.“

Barrie Kosky, Regisseur in Paris, auch Intendant der Komische Oper Berlin © IOCO

Barrie Kosky, Regisseur in Paris, auch Intendant der Komische Oper Berlin © IOCO

Intendant und Chefregisseur der Komischen Oper Berlin, Barrie Kosky: Obwohl oder gerade weil wir derzeit in einer Pandemie leben, ist es sehr wichtig, über die Zukunft nachzudenken und von ihr zu träumen. Daher freut es mich überaus, dass wir mit dem Siegerentwurf bereits heute die Zukunft der Komischen Oper Berlin gestalten können. Dieser wunderbare, sinnliche und zugleich funktionale Entwurf von kadawittfeldarchitektur erfüllt alle für die Komische Oper Berlin wesentlichen Kriterien: Er präsentiert sich als vielfältiges Chamäleon, als ein Haus der Metamorphosen, der Diversität und der Innovation. Er tritt in Dialog mit der Geschichte der Komischen Oper Berlin und lässt drei Jahrhunderte wie ein Kontrapunkt in- und auseinanderfließen: den Zuschauerraum des Metropol-Theaters, die Nachkriegsarchitektur von Felsensteins Komischer Oper und das 21. Jahrhundert. Und er schafft einen Ort für das Musiktheater des 21. Jahrhunderts: Einladend, zugewandt und offen – nach innen und in die Straßen der Stadt hinein.

Blaubart – Barrie Kosky – Walter Felsenstein würdigend – IOCO Rezension
youtube Trailer Einführung der Komischen Oper Berlin
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Walter Felsenstein würdigend – IOCO Rezension

Mit diesem Entwurf erhalten die Komische Oper Berlin, ihr Publikum und die Stadt Berlin neue Proben- und Arbeitsräume, Foyers, Restaurants und Terrassen und damit einen Begegnungsort für Künstler*innen und Zuschauer*innen an einer der prominentesten Adressen der Stadt. Der Siegerentwurf war von Anfang an unser Favorit und ich freue mich sehr über dieses Ergebnis. Herzlichen Glückwunsch, kadawittfeldarchitektur!“

An exponierter Stelle in der Berliner Mitte, im historischen Stadtzentrum zwischen der Straße Unter den Linden und der Behrenstraße ist die Komische Oper ein wichtiger Teil der Berliner Opern- und Kulturlandschaft.

Der bauliche und technische Zustand des Gebäudes entspricht jedoch schon seit langem nicht mehr den Anforderungen an einen zeitgemäßen Kulturbetrieb. Die bühnentechnische Ausstattung basiert auf dem Stand des Wiederaufbaus Mitte der 1950-er Jahre bzw. der Erstausstattung der 1967-er Jahre. Trotz des schlechten baulichen Zustands und der dürftigen technischen Ausstattung überzeugt die Komische Oper Berlin mit ihrem klaren künstlerischen Profil, breitem Repertoire und der hohen künstlerischen Qualität der Aufführungen national wie auch international.

Gegenstand des zweiphasigen Realisierungswettbewerbs war der nachhaltige Umbau des denkmalgeschützten Gebäudeensembles und dessen Erweiterung zu einem modernen, zukunftsorientierten Opernhaus. Die Planung soll unter dem Aspekt des Nachhaltigen Bauens im Sinne eines innovativen Energie- und kosteneffizienten Gebäudekonzeptes erfolgen.

Das Programm umfasst insgesamt ca. 20.000 m² Nutzungsflächen, davon sind ca. 8.600 m² in Neubauflächen unterzubringen. Für die Baumaßnahme liegt ein geprüftes und genehmigtes Bedarfsprogramm vom April 2018 mit Gesamtkosten von 227.000.000,- Euro (brutto, Index Feb/18) vor. Das Bauvorhaben wird aus Mitteln des Landes Berlin finanziert.

In der ersten Phase wurden aus 63 ausgewählten Entwürfen 16 Arbeiten zur weiteren Bearbeitung der zweiten Phase ausgewählt. Die Wettbewerbsjury unter Vorsitz des Stuttgarter Architekten Stefan Behnisch entschied nach ausführlicher Diskussion über die 3 Preisträger und 3 Anerkennungen. Im Anschluss an den Wettbewerb wird mit den 3 Preisträgern ein formalisiertes Verhandlungsverfahren unter Berücksichtigung weiterer Auswahlkriterien durchgeführt und über die konkrete Auswahl und Beauftragung eines Generalplanungsteams verhandelt, welches im zweiten Quartal 2021 in die konkrete Planung einsteigen soll. Nach Auszug des Ensembles der Komischen Oper Berlin ist geplant, das Bestandsgebäude im Sommer 2023 für vertiefte Bestandsuntersuchungen und die Vorbereitung und Durchführung der Baumaßnahmen an die Bauverwaltung zu übergeben.

La Bohème – Einführung von Regisseur Barrie Kosky
youtube Trailer Komische Oper Berlin
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Die Wettbewerbsjury entschied wie folgt:

1. Preis – Arbeit 1008 160.000 €
Architektur: kadawittfeldarchitektur
Aachen Tragwerksplanung: wh-p GmbH
Beratende Ingenieure, Berlin
Technische Ausrüstung Ingenieurbüro Nordhorn GmbH Co. KG, Münster

2. Preis – Arbeit 1014 110.000 €
Architektur: BE Berlin GmbH,
Baumschlager Eberle Architekten, Berlin
Technische Ausrüstung Stefan Ballmer, Berlin

3. Preis – Arbeit 1001   70.000 €
Architektur: AFF + Topotek 1, Berlin / Zürich Tragwerksplanung: Schnetzer Puskas Ingenieure AG, Basel     Technische Ausrüstung Buro Happold Limited, Bath

4. Anerkennung – Arbeit 1004   30.830 €
Architektur: JSWD Architekten, Köln / Gina Barcelona Architects, Barcelona
Tragwerksplanung: Werner Sobek AG, Stuttgart
Technische Ausrüstung ZWP Ingenieur-AG, Köln

5. Anerkennung – Arbeit 1010   30.830 €

Architektur: OMA International B. V., Rotterdam
Tragwerksplanung: Buro Happold GmbH, Berlin
Technische Ausrüstung Buro Happold GmbH, Berlin

6. Anerkennung – Arbeit 1013   30.830 €
Architektur: gmp Generalplanungsgesellschaft, Berlin Tragwerksplanung: Pfeifer Interplan, Cottbus Technische Ausrüstung gmp Generalplanungsgesellschaft, Berlin

Aus der Beurteilung des Preisgerichts zum 1. Preis von kadawittfeldarchitektur, Aachen

Das Projekt setzt auf einen plastisch gegliederten und in Materialisierung differenzierten Gebäudekörper, der von der Behrenstrasse bis Unter den Linden greift. Die verschiedenen Vor- und Rücksprünge aktivieren die bislang unterbewertete Glinkastraße, indem eine Reihe von Eingängen angeordnet sind: Café-, Bühnen- und Mitarbeiterrestauranteingang. Besonders überzeugend ist die Anordnung und Gestaltung der Tageskasse an Unter den Linden: Ein schmaler gläserner Körper öffnet sich einladend zur Straße, die Komische Oper erhält dadurch eine prominente Adresse an einer der bedeutendsten Straßen Berlins. Das Motiv für diese hohe Plastizität finden die Verfasser im Bestandsgebäude, genauer im Eingangsportal der Komischen Oper, die über den Materialwechsel von Sandsteinplatten zu dunklem Zinkblech eine starke Markierung erfährt. Die genannten Vor- und Rücksprünge enthalten im Innern von Norden nach Süden: das Café und die Tageskasse, die Probebühne I sowie den Orchesterprobenraum und schließlich das Mitarbeiterrestaurant. Diese Anordnung ist funktional überzeugend, da der Anbau jeweils an bestehende Nutzungen im Bestandsgebäude anschließen kann.

Die Bürogeschosse sind als eigenständiger Baukörper mit Pfosten-Riegel-Fassade ausgebildet und schließen die volumetrische Komposition nach oben hin ab.

Insgesamt ist ein inhaltlich reicher und anregender Entwurf gelungen, der eine hohe Sinnlichkeit aufweist. Lobenswert ist die Vielzahl der öffentlichen Orte mit hoher Aufenthaltsqualität: Neben dem Vorplatz an Unter den Linden sind dies die Außenräume entlang der Glinkastraße sowie der erweiterte Straßenraum an der Behrenstrasse. Besonders sind auch die beiden Terrassen zu erwähnen, die das Raumangebot der Komischen Oper Berlin für Mitarbeiter*innen und Besucher*innen bereichern. Ausstellung zu den Wettbewerbsarbeiten

Die Wettbewerbsarbeiten beider Phasen werden in der Zeit vom 15.11. – 26.11.2020 täglich von 12:00 bis 19:00 Uhr ausgestellt. Die Ausstellung findet statt in der Messe Berlin, Halle 7.2a, Messe Süd, Berlin

—| IOCO Aktuell Komische Oper Berlin |–

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