Wien, Wiener Staatsoper, Der Olymp der Musiktheater – Die Saison 2018/19, IOCO Aktuell, 11.07.2019

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Wiener Staatsoper

Wien / Wiener Staatsoper © Starke

Wien / Wiener Staatsoper © Starke

Saisonabschluss der Wiener Staatsoper 2018/2019 
 Zahlen, Daten, Fakten

Die Wiener Staatsoper ist kultureller Olymp der Musiktheater Europas. Über 600.000 Besucher jährlich, eine Auslastung von regelmäßig über 98% erreicht kein anderes Musiktheater der Welt. Die Wiener Staatsoper veröffentlicht jedes Jahr einen öffentlich zugänglichen, umfassenden Geschäftsbericht. Für die Spielzeit 2017/18 veröffentlichte die Staatsoper Wien im Februar 2019 einen Geschäftsbericht der auf 123 Seiten  das künstlerische, operative, kaufmännische  Gebaren der Staatsoper beschreibt. Intendant Dominique Meyer betont und bespricht seit Jahren in seinen Pressekonferenzen   operative Eckdaten der Staatsoper im Detail; künstlerische Selbstverliebtheit ist Meyer fremd. Nun gab die Staatsoper Daten für die endende Saison 2018/19 bekannt.

Wiener Staatsoper / Intendant Dominique Meyer und Ballettchef Manuel Legris © IOCO

Wiener Staatsoper / Intendant Dominique Meyer und Ballettchef Manuel Legris © IOCO

 Eckdaten der Wiener Staatsoper zur endenden Saison 2018/19

In der Spielzeit 2018/2019 konnte die Wiener Staatsoper erneut einen Einnahmenrekord durch Kartenverkauf erzielen: 37.695.162,26 Euro (2017/2018: 35.298.761,91) – um 2.314.762,26 über den Plansoll. Die Sitzplatzauslastung betrug insgesamt 99,10% (2017/2018: 98,61%).

Insgesamt 622.081 Gäste (2017/2018: 608.955), besuchten 291 Opern-, Ballett-vorstellungen und Matineen auf der Hauptbühne (2017/2018: 292), 72 Vorstellungen im Studio Walfischgasse (2017/2018: 90) sowie 18 Matineen im Gustav Mahler-Saal (2017/2018: 20).

 Die 215 Opernvorstellungen erreichten eine Sitzplatzauslastung von 99,43%

Falstaff – Giuseppe Verdi
youtube Trailer der Staatsoper Wien
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Das Wiener Staatsballett verzeichnet 2018/2019 einen Besucherrekord: In der gerade zu Ende gegangenen Spielzeit konnte das Wiener Staatsballett erstmals 170.000 Besucher erreichen sowie zusätzlich 2.000 Besucher im Rahmen des St. Petersburg-Gastspiels im April 2019. Die Auslastung in der Wiener Staatsoper betrug 99,55% (2017/2018: 97,71%) sowie in der Volksoper Wien 87,01% (2017/2018: 72,17%). Ebenso erfreut sich das Wiener Staatsballett über Mehreinnahmen von insgesamt EUR 1.054.793,- durch Kartenverkäufe.

Noch viel mehr Opern- und Ballettliebhaber konnten mit den 47 Live-Übertragungen via WIENER STAATSOPER live at home erreicht werden sowie durch die TV-Übertragungen: Lucia di Lammermoor auf ORF 2 sowie Falstaff, Idomeneo, Tosca und Peer Gynt auf ORF III. Das Jubiläumskonzert am 26. Mai hat auf ORF III und ARTE rund eine Million Menschen verfolgt.

Erfreulich ist auch die Anzahl an verkauften Kinderkarten im Haupthaus und in der Walfischgasse: Insgesamt wurden 11.430 Kinderkarten (2017/2018: 13.469) ausgegeben Dazu kommen in beiden Spielzeiten rund 7.000 Kinder in den beiden Vorstellungen von Die Zauberflöte für Kinder am Tag nach dem Wiener Opernball.

—| Pressemeldung Wiener Staatsoper |—

 

Pforzheim, Theater Pforzheim, Premiere Junge Choreografen, 12.07.2019

Theater Pforzheim

Theater Pforzheim © Sabine Haymann

Theater Pforzheim © Sabine Haymann

„Junge Choreografen“

Tanz von seiner jungen und unerwarteten Seite

Pforzheim. Tanzen können sie, die Tänzerinnen und Tänzer des Ballett Theater Pforzheim! Virtuos und stilsicher bewegen sie sich voller Gefühl und Ausdruck durch all jene Werke, die ihnen entweder auf den Leib choreografiert worden sind oder die sie gemeinsam mit den anderen Künstlern auf die Bühne zaubern – vom Musicalballett bis zur Rock-Oper.

Ende der Spielzeit zeigen sie, dass sie auch choreografieren können und wollen. Sie wechseln die Seite, kreieren selbst eigene Stücke und definieren Bewegungsflüsse – von der ersten Idee bis zu jenem Moment, an dem die Kollegen sie schließlich tanzen werden. Seitdem der Stuttgarter Fritz Höver vor Jahrzehnten das Format der „Jungen Choreografen“ ins Leben gerufen hat, um Menschen mit choreografischem Talent zu entdecken, ist es an vielen Theatern in Deutschland kopiert und dort jeweils zu einer wichtigen Plattform geworden, um den hauseigenen Nachwuchs in der Kunst der Choreografie zu fördern.

Am Theater Pforzheim bestücken gleich sieben „Junge Choreografen“ mit acht Neukreationen die diesjährige Ausgabe der „Jungen Choreografen“ im Podium: Eleonora Pennacchini, die das Publikum in dieser Spielzeit in der Rolle des Feuervogels sowie als Hera, Gattin des Zeus, tief berührt hat; die Niederländerin Evi van Wieren, die in „Ovid – Verwandlungen“ in die Rolle der Eurydike geschlüpft ist und in „Metamorphosen“ eine von Zeus´ Frauen verkörpert hat; der Australier Isaac di Natale, der in „Der Feuervogel“ ausdrucksstark das Unheil symbolisierte und in „Ovid“ als verzauberter Hirsch stirbt; Johannes Blattner, der in so verschiedenen Rollen wie Falco, Orpheus oder mächtig-egozentrischer Zeus ein ganzes Psychogramm von die Zeiten charakterisierenden Figuren auffächert. Stella Covi und Dario Wilmington, deren Uraufführungen sie zugleich als Abschlussarbeiten für ihren Bachelor an ihren jeweiligen Hochschulen, der Zürcher Hochschule der Künste und der Palucca Hochschule für Tanz Dresden, einreichen, vervollständigen ebenso wie Antoine Audras das Programm. Gemeinsam führen sie ihr Publikum, das sich auf einen der vielseitigsten und „unerwartetsten“ Tanzabende am Theater Pforzheim freuen darf, in die Tiefen zwischenmenschlicher Begegnungen, mysteriöser Menschenspiele, gesellschaftlicher Debatten und poetischer Wirklichkeiten.


Junge Choreografen
Eleonora Pennacchini: Behind the Scenes
Tanz: Alba Lopez, Selene Martello, Evi van Wieren, Johannes Blattner
Leon Damm, Abraham Iglesias
Evi van Wieren: Unpuzzle.
Tanz: Selene Martello, Isaac di Natale
Antoine Audras: Bagarre
Tanz: Alba Lopez, Selene Martello
Isaac Di Natale: After Dinner Special
Tanz: Isaac die Natale
Johannes Blattner: Cooking, Cleaning and Vaginas
Tanz: Alba Valenciano, Eleonora Pennacchini, Evi van Wieren, Elias Bäckebjörk, Sophie Lochmann (a.G.)
Stella Covi: N.N.
Tanz: Elias Bäckebjörk, Abraham Iglesias
Dario Wilmington: I want your piece
Tanz: Evi van Wieren, Leon Damm, Dario Wilmington
Johannes Blattner/Eleonora Pennacchini: Tango
Tanz: Eleonora Pennacchini, Johannes Blattner
Kostüme Katharina Andes
Choreografische Assistenz Damian Gmür
Dramaturgie Alexandra Karabelas

Premiere am Freitag, 12. Juli um 20 Uhr im Podium

Weitere und letzte Vorstellung am Sonntag, 14. Juli um 20 Uhr im Podium

—| Pressemeldung Theater Pforzheim |—

Dortmund, Oper Dortmund, Internationale Ballettgala XXIX, 06. und 07. Juli 2019

Juni 27, 2019  
Veröffentlicht unter Ballett, Pressemeldung, Theater Dortmund

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Theater Dortmund

Opernhaus Dortmund © Theater Dortmund

Opernhaus Dortmund © Theater Dortmund

Internationale Ballettgala XXIX

  6. und 7. Juli 2019 –  Dortmunder Opernhaus

Die XXIX. Dortmunder Ballettgala findet am Samstag, 6. Juli 2019, 19.30 Uhr und am Sonntag, 7. Juli 2018, 18 Uhr im Opernhaus statt. Mit diesem weit über die Grenzen Dortmunds bekannten Tanzfest internationaler Stars beenden das Dortmunder Ballett und sein Direktor Xin Peng Wang die Spielzeit. Solistinnen und Solisten u.a. des New York City Ballet, des National Ballet of Canada, des Stuttgarter Balletts, des Ballett Zürich sowie des Staatsballetts Berlin werden einmal mehr Dortmunds Ruf als Tanzmetropole unter Beweis stellen.

Dortmund hat sich durch seine Gastfreundlichkeit seinen Platz als Drehscheibe des internationalen Tanzes in der Ballettwelt erobert. Für viele Stars der renommiertesten Compagnien sind die „Internationalen Ballettgalas“ der Ruhrmetropole Fixpunkte in ihren Terminkalendern.

Theater Dortmund / Alexander Abdukarimov © Yan Revazov

Theater Dortmund / Alexander Abdukarimov © Yan Revazov

Ein rauschendes Fest der Tanzkunst erwartet die Freundinnen und Freunde hoher Tanzkunst zum Ende der Spielzeit 2018/2019. Wie in den Jahren davor werden die Stars der Tanzwelt das Publikum mit Brillanz, Bravour sowie Poesie und Witz verzaubern.

Svetlana Lunkina vom National Ballet of Canada wird den „Sterbenden Schwan“ in der Choreographie von Michel Fokine zur Musik von Camille Saint Saëns geben.

Die Leistungsschau internationaler Tanzkunst wird in ganz besonderer Weise von den Solisten des Stuttgarters Ballett, Elisa Badenes und Alexander Jones, dargestellt. Beide zeigen Christian Spucks Choreografie GRAND PAS DE DEUX mit der Musik von Gioachino Rossini. Der Solist des Berliner Staatsballetts, Alexander Abdukarimov wird eine eigene Choreographie in Dortmund vorstellen. Gemeinsam mit den Solistinnen und Solisten des New York City Ballet, des National Ballet of Canada, des Stuttgarter Balletts, des Ballett Zürich und des English National Ballet werden sie die internationalen Maßstäbe der Tanzkunst eindrucksvoll aufzeigen.

Und natürlich werden sich die Tänzerinnen und Tänzer des BALLETT DORTMUND am Ende dieser erfolgreichen Spielzeit bei ihrem Publikum bedanken.

Wenige Restkarten sind an allen bekannten Vorverkaufsstellen, an der Theaterkasse im Opernhaus, telefonisch unter 0231 / 50 27 222, oder im Internet auf www.theaterdo.de erhältlich.

—| Pressemeldung Theater Dortmund |—

Münster, Theater Münster, „Nice to meet you?“ – Tanzabend, IOCO Kritik, 26.06.2019

Juni 26, 2019  
Veröffentlicht unter Ballett, Hervorheben, Kritiken, Theater Münster

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Theater Münster

Theater Münster © Rüdiger Wölk

Theater Münster © Rüdiger Wölk

„Nice to meet you?“ – Tanzabend

– Kontaktrituale –  Fesselnd getanzt um jene gläserne Wand –

von Hanns Butterhof

Einmal in jeder Spielzeit überlässt Hans Henning Paar, Chef des Tanztheaters Münster, sein Ensemble einem Gastchoreographen, diesmal dem Portugiesen Tiago Manquinho. In seinem Tanzabend „Nice to meet you?“, der am Staatstheater Braunschweig 2017 uraufgeführt wurde, spielt er alltägliche Rituale von Nähe und Distanz fesselnd durch.

Tiago Manquinho –  mit fesselnden Kontaktritualen

„Nice to meet you?“ beginnt im Kleinen Haus des Theaters Münster schon im Foyer. Tänzerinnen und Tänzer gehen unauffällig durch die auf Einlass wartenden Besucher, treten auf jemanden zu und blicken ihn mit ruhiger Mine lange und ausdruckslos an. Ein ins Visier genommener Mann weicht irritiert zur Seite, als könne er nicht gemeint sein, vielleicht jemand hinter ihm? Eine Frau errötet heftig; nett, sie getroffen zu haben?

 Theater Münster / Nice to meet you - Tanzabend -  hier :  Matteo Mersi und Adam Dembczynski © Oliver Berg

Theater Münster / Nice to meet you – Tanzabend – hier : Matteo Mersi und Adam Dembczynski © Oliver Berg

Tiago Manquinho, der in klassischem und modernem Tanz in Lissabon ausgebildet wurde, interessiert sich in „Nice to meet you?“ für die Distanz-Möglichkeiten, die sich hinter der leicht dahergesagten Kontakt-Floskel auftun. Er bleibt dabei ohne bemühte Aktualisierung dem Alltag erfreulich nahe.

In vielerlei Variationen umkreist das Ensemble auf der schmucklos schwarzen Bühne in dunkler Kleidung (Bühne und Kostüme: Imme Kachel) die gläserne Wand, die in allen Kulturen gegenüber dem unbekannten Anderen existieren. Sehr eindringlich macht die erste Szene deren hemmende Seite deutlich. In ihr begegnen sich eine Tänzerin und ein Tänzer, strecken nach erstem Abwenden dem Anderen doch die Hände entgegen, werden aber wie durch eine unsichtbare Barriere daran gehindert, sich zu berühren.

Ihre suchenden Bewegungen wiederholen sich in den Ensembles, in denen die geschlechtlichen Stereotypen aufgelöst sind; auch die Paare von Männern oder Frauen sind den gleichen Hemmnissen unterworfen, wenn sie sich in immer schneller werdendem Wechsel dem Gegenüber zu nähern suchen. Selten kommt es zu parallelen Gruppen-Bewegungen, kurzzeitig findet sich auch Nähe, in der aber niemand zur Ruhe kommt.

Theater Münster / Nice to meet you - Tanzabend © Oliver Berg

Theater Münster / Nice to meet you – Tanzabend © Oliver Berg

Manche Soli, fremdartige Musikarrangements, die Kombination von Percussionsgewitter und Ziehharmonika erzeugen eher das Gefühl von Distanz, als dass sie diese Distanzierung verständlich machten. Als eine Tänzerin mitten im Publikum ihre schönen Locken schüttelt und zu fernöstlichen Klängen mit ausholenden Gesten und flatternden Händen ihre Geschichte mitzuteilen versucht, wird bloß die gläserne Wand zwischen ihr und den Zuschauern spürbar.

Auch Nähe ist nicht unbedingt schön und bleibt nicht immer nett, wie schon das Fragezeichen im Titel nahelegt. Im Rahmen einer der packend dynamischen Ensembleszenen entwickelt sich erschreckend ein Kontakt zum Kampf. Es sieht anfangs nach Zärtlichkeit aus, wenn einer den Kopf seines Partners streichelt. Doch dann wird dessen Berührung immer herrischer, der Kopf wird brutal gepackt, der Tänzer zu Boden geschleudert, bis er sich, mühsam wieder aufgerichtet, schon vor dem bösen Blick des Anderen niederwirft. Da wird bei allem Entsetzen auch etwas vom Segen kultureller Distanz spürbar.

Großer Applaus für das ausdrucksstarke Ensemble nach siebzig durchgetanzten Minuten.

„Nice to meet you?“, Tanzabend am Theater Münster; der nächste Termin: 29.6.2019 19.30 Uhr.

—| IOCO Kritik Theater Münster |—

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