Lüttich, Opéra Royal de Wallonie-Liège, AIDA – Giuseppe Verdi, IOCO Kritik, 02.03.2019

Opéra Royal de Wallonie-Liège © Opéra Royal de Wallonie-Liège.

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Opéra Royal de Wallonie-Liège

AIDA – Giuseppe Verdi

 150.000 Goldfranken „überzeugten“ Verdi,  dies große Werk  zu schaffen

von Ingo Hamacher

Mehrfach war er vom regierenden Khediven Ismail Pascha gebeten worden, eine Oper „in ausschließlich ägyptischem Stil“ zu schreiben, aber Verdi hatte immer abgelehnt. Eine Repräsentations- und Prunkoper im Stil einer Grand Opéra mit Massenszenen, Balletteinlage und einem Konflikt zwischen Pflichterfüllung und Leidenschaft, den klassischen Zutaten der Pariser Oper in dieser Zeit, interessierten ihn nicht mehr.

AIDA  –  Giuseppe Verdi
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Nach Don Carlo, dessen ursprüngliche Fassung für Paris und auf Französisch komponiert wurde, wollte er nur noch seine Muttersprache vertonen. Verdi interessierte  Erzählungen menschlicher Konflikte; wollte Opern über Schicksale und Charaktere schreiben.

Erst, als ihm der in Kairo lebende französische Ägyptologe Auguste Mariette, Begründer der Denkmalpflege in Ägypten und des Ägyptischen Museums in Kairo, sein Libretto über eine im Alten Ägypten spielende Oper namens AIDA zuspielen ließ, erwachte Verdis Interesse. Möglicherweise hat auch der Hinweis geholfen, dass das Projekt alternativ an Richard Wagner oder Charles Gounod übergeben würde, falls Verdi nicht zusagen würde. Verdi forderte und bekam für die Komposition 150.000 Goldfranken; das bis dahin höchste Honorar für einen Komponisten. Die Uraufführung von AIDA fand am  24. Dezember 1871 statt, im Khedivial-Opernhaus in Kairo. Die Handlung spielt in  Memphis und Theben zur Zeit der Herrschaft der Pharaonen.

AIDA in Lüttich  –  So hätte wohl auch Verdi AIDA gewollt

Für das Bühnenorchester beim Triumphmarsch wurden von Verdi eigene Trompeten, die sogenannten AIDA-Trompeten, als Sonderanfertigung in Auftrag gegeben. Die Handlung ist nicht historisch, sondern fiktiv und berichtet von menschlichen Konflikten, die in vielen Opern Verdis das Wichtigste sind, immer ohne Happy End. Die Wirkung der Oper steht und fällt mit der ägyptischen bzw. ägyptisierenden Ausstattung; dies war so von Beginn an von Mariette und Verdi konzipiert.

Opéra Royal de Wallonie-Liège / AIDA - hier : Elaine Alvarez als AIDA © Opéra Royal de Wallonie-Liège

Opéra Royal de Wallonie-Liège / AIDA – hier : Elaine Alvarez als AIDA © Opéra Royal de Wallonie-Liège

Historische Genauigkeit der Handlung war nicht angestrebt, dagegen aber sehr wohl historische Genauigkeit in der Ausstattung. Auch die Musik sollte ägyptisch klingen, aber u?ber den Originalklang war nichts in Erfahrung zu bringen. Das die liturgischen Gesänge des Stückes als mit der Zeit der Oper stimmig erlebt werden, liegt an der Harfenbegleitung, der Chromatik der Melodik und dem monodischen und antiphonischen Gesang der Priester in der Art des Kirchengesangs von Palaestrina.

Die Tänze sind im ‚alla Turca’-Stil geschrieben, den z.B. auch Mozart für die Andeutung von „Orient“ benutzte. Besonders „ägyptisch“ klingt das Vorspiel zum dritten Akt, das eine tropische Sommernacht beschreibt. Zirpende Violinen; Flöten imitieren Vogelstimmen. Mit dem Triumphmarsch in seiner Oper Aida schuf Verdi einen der berühmtesten Märsche der Musikgeschichte und ein vor Trompeten-Fanfaren nur so strotzendes Stück opulenter Bühnenmusik.

Aber Aida endet nicht mit einem bombastischen fortissimo Finale, sondern verhaucht in einem vierfachen pianissimo. Spätere Theater verschoben den Schwerpunkt von der von Verdi komponierten Tragödie von Individuen zu einer pompösen Ägypten-Revue. Aida gehört zu den erfolgreichsten großen Opern des 19. Jahrhunderts.

Stefano Mazzonis di Pralafera, Intendant der Lütticher Opéra Royal de Wallonie-Liège und Regisseur der Produktion, greift Verdis ursprüngliche Idee eines ägyptischen Seelendramas wieder auf und inszeniert das Stück als Kammerspiel. Die Bühne gehört den leisen Tönen; den Beziehungen; den Emotionen. Es braucht nicht viel, um eine AIDA glaubhaft auf die Bühne zu bringen. Man muss es nur richtig machen. Stefano Mazzonis di Pralafera und sein Team haben alles richtig gemacht.

Am Pult: Speranza Scappucci, eine 45-jährige italienische Dirigentin und Pianistin, die nach internationaler Tätigkeit im September 2017 Paolo Arrivabendi als Chefdirigent der Opéra Royal de Wallonie abgelöst hat. Scappucci spürt in ihrem Dirigat die Feinheiten der Partitur auf und lässt den Abend mit zart geführter Hand zu einem musikalischen Erlebnis werden.

Opéra Royal de Wallonie-Liège / AIDA - hier : Ensemble © Opéra Royal de Wallonie-Liège

Opéra Royal de Wallonie-Liège / AIDA – hier : Ensemble © Opéra Royal de Wallonie-Liège

1. Akt

In einem schlichten, dunklen, von einer großen zentralen goldenen Horus-Statue dominierten Bühnenbild (Bühne: Jean-Guy Lecat) führt uns das Produktionsteam (Kostüme: Fernand Ruiz; Licht: Franco Marri; Choreographie: Michèle Anne De Mey; Chor: Pierre Iodice) in eine antikisierende Welt.

Zur von Radames als Kavantine gesungene Romanze „Celeste Aida“ (Himmlische Aida) erscheint Aida in einer stummen Partie auf der Bühne, so dass der Tenor die Arie nicht wie üblich in den Zuschauerraum brüllt, sondern seiner Geliebten zärtlich zuflüstern kann.

RADAMÈS: Gianluca Terranova: Der 48-jährige Römer ist international gefragten Tenor, der durch seine Leichtigkeit in der Höhe und durch große Bühnenpräsenz besticht.

Aida, Tochter des äthiopischen Königs, muss als Sklavin am ägyptischen Hof leben. Sie ist unsterblich in Radames verliebt. AIDA: Elaine Alvarez Die aus Kuba stammende international tätige US-amerikanische Sopranistin wird in dieser Spielzeit in Lüttich noch einmal, und zwar in der Titelrolle von Anna Bolena zu hören sein. Als Ägypten von den feindlichen Äthiopiern überfallen wird, wird Radames zum Heeresführer gegen die Äthiopier bestimmt. Er freut sich auf diese Aufgabe, hofft er doch, nach einem erfolgreichen Feldzug Aida heiraten zu können.

Amneris, die Tochter des Pharao, liebt den Feldherrn Radames ebenfalls und wirbt um seine Gunst. AMNERIS: Nino Surguladze: Die 41-jährige georgische Mezzosopranistin, Preisträgerin zahlreicher internationaler Wettbewerbe, ist stimmschön sowohl weltweit, als auch häufig in Deutschland zu erleben.

Radames rückt nach einer feierlichen Zeremonie mit den Truppen aus. Aida leidet an ihrer Ambivalenz zwischen der Liebe zu ihrer Heimat und zu Radames.

Opéra Royal de Wallonie-Liège / AIDA - hier : Luca Dall'Amico als Ramfis, Nina Surguladze als Amneris, Luciano Montanaro als aegyptischer Koenig © Opéra Royal de Wallonie-Liège

Opéra Royal de Wallonie-Liège / AIDA – hier : Luca Dall’Amico als Ramfis, Nina Surguladze als Amneris, Luciano Montanaro als aegyptischer Koenig © Opéra Royal de Wallonie-Liège

2. Akt

Die säulenartigen Mauertürme, die die Bühne bisher strukturiert haben, werden bei offenem Vorhang um 180 Grad gedreht, und fügen sich nun zu einem farbenprächtigen, reich ausgestatteten Palastinneren. Das Heer der Ägypter konnte gegen die Äthiopier siegen. Amneris entlockt Aida ihr Liebesgeheimnis, indem sie ihr erzählt, Radames sei in der Schlacht umgekommen. An Aidas emotionalen Reaktion erkennt Amneris ihre Rivalin. Sie befiehlt ihr, sie als Sklavin zum geplanten Triumphfest zu begleiten.

Ein Teil des Bühnenbodens wird in die Höhe gefahren, so daß auf der Unterbühne der große Chor sichtbar wird, bereit für den Triumphmarsch. So dezent das Orchester der Opéra Royal de Wallonie-Liège bisher auch geführt wurde: Hier gibt es zusammen mit dem großen Chor des Hauses alles!

Bei stark zurückhaltendem Bühnengeschehen (Soldaten und tierköpfige ägyptische Gottheiten ziehen nacheinander an der Chorempore vorbei) wird der Triumphmarsch vor allem ein musikalisches Erlebnis. Der ägyptische König, gesungen von Luciano Montanaro, einem italienischen Bass, der ebenfalls in dieser Spielzeit in Anna Bolena zu erleben sein wird, nimmt seine siegreichen Soldaten feierlich in Empfang. Auf seinen Befehl hin werden die Gefangenen vorgeführt. Unter ihnen ist der äthiopische König, Aidas Vater, Amonasro.

AMONASRO: Lionel Lhote: Der belgische Bariton unterrichtet neben seinen internationalen Gesangsauftritten seit September 2015 an dem Königlichen Konservatorium in Brüssel. Als Lohn für seinen erfolgreichen Feldzug soll Radames auf Wunsch des Königs dessen Tochter Amneris heiraten und nach dessen Tod selbst König von Ägypten werden; er selbst bittet jedoch erst einmal um die Freilassung der Gefangenen.

3. Akt

Grüne Pflanzenspaliere verweisen auf einen neuen Handlungsort. Aida wartet in der Nacht heimlich an Nilufer auf Radames. Doch vorher erscheint Aidas Vater, Amonasro: Er möchte seine Tochter dazu bewegen, Radames das Geheimnis zu entlocken, auf welchem Weg eine Flucht gelingen würde. Aida ist im Zwiespalt. Radames erscheint und Amonasro versteckt sich. Aida erfragt die Möglickkeit einer gemeinsamen Flucht; Radames nennt die Napataschlucht.

Triumphierend tritt Amonasro nun aus dem Hintergrund hervor und offenbart seine wahre Identität als äthiopischer König. Radames erkennt, dass er ungewollt sein Vaterland verraten und sich dadurch entehrt hat. Amneris, die die Szene belauschte, tritt hervor und bezichtigt Radames des Verrats. Amonasro und Aida fliehen, Radames lässt sich ohne Widerstand festnehmen.

Opéra Royal de Wallonie-Liège / AIDA - hier : Ensemble © Opéra Royal de Wallonie-Liège

Opéra Royal de Wallonie-Liège / AIDA – hier : Ensemble © Opéra Royal de Wallonie-Liège

4. Akt

Amneris ist verzweifelt und fühlt sich zwischen Wut und Liebe hin- und hergerissen. Sie möchte Radames retten und lässt ihn vorführen. Sie versucht ihn vergeblich zu überreden, sich vor Gericht zu verteidigen, um sein Leben zu retten. Radames geht davon aus, Amneris habe Aida getötet, weshalb er den Tod wählt. Erneut hebt sich der Bühnenboden und gibt den Blick auf das unterirdische Gefängnis frei. Man hört die Anklage der Priester; Radames jedoch schweigt. Er wird dazu verurteilt, in den Räumen unter dem Altar der Göttin lebendig begraben zu werden. Während Radames in seine Todeszelle hinab steigt, vernimmt er einen Seufzen.

Er sieht einen Schatten und erkennt Aida, die sich bei Tagesanbruch in die Krypta geschlichen hat, um mit ihm zu sterben. Gemeinsam nehmen die beiden Geliebten gelassen und verklärt Abschied von der Welt und versinken im Bühenboden.

In den weiteren Rollen:
RAMFIS, Oberpriester: Luca Dall’Amico, ein vielversprechender junger italienischer Bass, der an allen großen Häusern singt.

OBERPRISTERIN, Sopran: Tineke Van Ingelgem?Die Belgierin ist bekannt für ihr schauspielerisches Talent kombiniert mit einer hellen und kräftigen Stimme. Eine perfekte Besetzung für starke Frauenrollen.???BOTE: Maxime Melnik, geb. 1994, ist ein junger belgischer Tenor aus Charleroi.

Verdienter und lange anhaltender Applaus, rythmisches Klatschen, Jubel für die Solisten, ‚Ooohs‘ und ‚Aaahs‘ für die musikalische Leitung und Ovationen für das Produktionsteam beenden den erfolgreichen Abend.   So hätte Verdi es gewollt!

AIDA  im  Opéra Royal de Wallonie-Liège; die  weiteren Termine 03.03. (15:00); 05.03.; 07.03.; 09.03.; 10.03. (15:00); 12.03.; 14.03.2019

—| IOCO Kritik Opéra Royal de Wallonie-Liège |—

Lüttich, Opéra Royal de Wallonie-Liège, Faust – Charles Gounod, IOCO Kritik, 29.01.2019

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FAUST (Margarethe)  –  Charles Gounod

Margarethe – „Ich bin wie in einem eisernen Ring gefangen!“

von Ingo Hamacher

22 bekannte FAUST – Opern bestehen in der Musikgeschichte. FAUST von Charles Gounod ist davon die berühmteste. Uraufführung am 19. März 1859 im Théâtre-Lyrique, Paris. In Deutschland wird Gounods FAUST meist als MARGARETHE aufgeführt. 1883 wurde die Metropolitan Opera, New York mit diesem Werk eröffnet.


„Ich bin wie in einem eisernen Ring gefangen!“ – Diesen Ausruf Margarethes im 4. Akt auf dem Gipfel ihrer Leiden, hat Stefano Poda als Thema seiner Lütticher FAUST-Inszenierung aufgegriffen, und platziert einen 10 Meter hohen und 2 Meter breiten eisernen Ring in die Mitte des Bühnengeschehens.

Um die ästhetische Einheit seiner Arbeiten für das Musiktheater zu gewährleisten, zeichnet der Italiener Stefano Poda (*1973) stets für die Inszenierung, Bühne, Kostüme, Licht und auch Choreographie verantwortlich, was seinen Inszenierungen ein ganz eigenes, gesamtkünstlerisches Gepräge verleiht. Dreh- und Schwenkbar wird dieser riesige Ring immer neue Blickwinkel und Perspektiven eröffnen, und so in größter Schlichtheit eine geradezu festspielwürdige Aufführung ermöglichen.

FAUST (Margarethe) –  Charles Gounod
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Der Bühnenboden ist kreisförmig mit deutschsprachigen Textauszügen des Goetheschen FAUST beschrieben, und wirkt wie ein Zauberbuch. Im Hintergrund und an den Seiten großblöckiges weißes Mauerwerk, dass bei Bedarf angehoben werden kann um dahinter schwarze Mauern zu zeigen.

Akt 1

Faust ist verzweifelt. Seine Bibliothek ist nichts mehr als ein riesiger Haufen Altpapier. Dutzende von Stundengläsern, deren Sand gnadenlos verrieselt, erinnert ihn daran, dass auch seine Zeit abläuft. Was er bisher nicht geschafft hat, wird ihm wohl nicht mehr gelingen. Er will sein Leben beenden; sieht er doch kaum auf mehr als auf ein ungelebtes Leben zurück. Wissenschaft und Glauben verfluchend, ruft er den Teufel an. Prompt erscheint dieser auch. Das Angebot ist verlockend: Als Gegenleistung für Jugend und Liebe soll er seine Seele verschreiben. Faust willigt ein.

Die anspruchsvolle Partie des FAUST wird von Marc Laho gesungen. Der 54 jährige belgische Tenor, der in Lüttich und Italien Gesang studiert hat und in weit über 30 Rollen auf zahlreichen internationalen Bühnen zu hören ist, singt einen großartigen Faust. Daran ändert auch nichts, dass er sich auf dem Höhepunkt der berühmten Kavatine „Salut! De meure chaste et pure“ („Hallo! Vom keuschen und reinem Morgen“) völlig versingt und lediglich einen schrillen, kaum zu ertragenen Ton herausbringt. Das Publikum reagiert mit verständnisvollem Gelächter. Die Partie ist schwierig, und Sänger sind auch nur Menschen. Versungen, aber nicht vertan, wird die Gesamtleistung der Arie mit reichlichem Applaus (!) belohnt.

Ildebrando D’Arcangelo, ein 50 jähriger italienischer Bass-Bariton, der weltweit vor allem klassische Rollen singt, ist erstmalig in Lüttich zu erleben. Er singt den Méphistophélès mit einer nachtschwärze, das seine Herkunft aus der Hölle auch akustisch mehr als glaubhaft wird.

Opéra Royal de Wallonie-Liège / FAUST - Charles Gounod hier A-C. GILLET als Margarethe M. LAHO als Faust © Opéra Royal de Wallonie-Liège

Opéra Royal de Wallonie-Liège / FAUST – Charles Gounod hier A-C. GILLET als Margarethe M. LAHO als Faust © Opéra Royal de Wallonie-Liège

Akt 2

Wir wissen: In der Stadt herrscht Trubel. Bürger feiern; Soldaten ziehen in den Krieg. Sehen können wir auf der Einheitsbühne den seine Position veränderten Eisenring und eine große Menschenmenge in Einheitskostümen. Männer in roten Anzügen, Frauen in gleichfarbigen Kleidern, jedoch mit schwarzen Hüten. Valentin, Bruder von Margarethe, vertraut seine Schwester seinem Freund Siebel an, da er selbst in den Krieg ziehen muss. Mephisto gesellt sich zu ihnen und gibt ein Lied zum Besten: Er weissagt Valentin und dessen Freund einen frühen Tod, Siebel aber, dass jede Blume in seiner Hand verwelken werde.

Valentin: Lionel Lhote – Der belgische Barintion, der in Mons und in Brüssel studiert hat, singt seit vielen Jahren große Partien im französisch- und deutschsprachigen Raum. In der laufenden Spielzeit wird er in Lüttich noch in AIDA von Verdi zu erleben sein. Na‘ama Goldman, israelischer Mezzosopran, singt die Hosenrolle des Siebel. Goldman ist seit 2011 festes Mitglied der Israeli Opera, tritt jedoch auch regelmäßig auf den internationalen Bühnen auf.

Nach allerlei Zauberkunststücken merken die Umstehenden, dass der Teufel seine Hand im Spiel hat und gehen fort. Faust wünscht sich von Mephisto, Margarethe zu sehen. Faust spricht Margarethe an und bittet, sie begleiten zu dürfen, während Mephisto Siebel, der das Mädchen ebenfalls liebt, wegdrängt. Faust wird zunächst von Margarethe abgewiesen, bleibt aber wie verzaubert zurück.

Margarethe: Anna-Catherine Gillet – Der 44-jährige belgische Sopran ist bereits in jungen Jahren von der Königlichen Oper der Wallonie-Liege entdeckt und ins Hausensemble aufgenommen worden. Von hier aus hat sie sich die großen Rollen und die großen Bühnen ersungen, wobei sie einen besonderen Bezug zum französischen Repertoire des 19. Jahrhundert hat. Gillet hat schönes dunkelblondes, langes Haar und entspricht vom Typ exakt dem, wie sich ein Deutscher eine Margarete vorstellt. Warum sie die Rolle mit einer pariserischen schwarzen Kurzhaarfrisur singt, wird wohl das Geheimnis des französischen Regisseurs bleiben.

Akt 3

Der eiserne Ring beherbergt inzwischen in seinem Inneren zwei abgestorbene, weiße Baumskelette. Eiserne Kugeln mit deutschsprachiger Beschriftung deuten tiefergehende Geheimnisse an, die zu entschlüsseln den Sterblichen nicht gegeben ist. Siebel bringt Margarethe Blumen, die ständig welken, bis er sie mit Weihwasser benetzt. Mephisto führt Faust vor Margarethes Wohnung und stellt ein Kästchen Juwelen vor die Tür.

Als das Mädchen von der Kirche zurückkehrt und die Kostbarkeiten sieht, sind Siebels Blumen (hier in Form eines reich besetzten Blumenmantels) rasch vergessen. Marguerite probiert die prächtigen Juwelen an und verliebt sich in sie. Dem musikalischen Höhepunkt der Oper, die „Juwelenarie“ wird Anna-Catherine Gillet in vollem Umfang gerecht, wofür sie mit verdientem Applaus und Ovationen gefeiert wird. Faust und Mephisto kommen wieder und gehen mit den Frauen in den Garten. Mephisto flirtet mit Marthe, der er berichtet, dass ihr Mann tot ist. Marthe wird stimmschön von der belgischen Mezzosopranistin Angélique Noldus gesungen. Faust findet Gelegenheit, Margarethe seine Liebe zu gestehen. Von der Reinheit des Mädchens beeindruckt, will Faust fliehen. Mephisto hält ihn zurück und führt ihn in die Nähe ihres Zimmers, wo er sie sehnsüchtig singen hört. Faust kann sich nicht mehr zurückhalten und stürzt in die Arme der Geliebten. Mephisto eilt triumphierend davon.

Opéra Royal de Wallonie-Liège / FAUST - Charles Gounod - hier : Ensemble © Opéra Royal de Wallonie-Liège

Opéra Royal de Wallonie-Liège / FAUST – Charles Gounod – hier : Ensemble © Opéra Royal de Wallonie-Liège

Akt 4

Faust hat Margarethe, die ein Kind erwartet, verlassen. Das Mädchen wird von allen verspottet, nur Siebel steht ihr bei. In der Kirche sucht sie Trost im Gebet. Eine Scheibe hatte sich wie eine Schablone hinter den aufgerichteten Eisenring geschoben, und ließ das lichtdurchflutende Kreuzzeichen als letztes Zeichen der Hoffnung aufscheinen. Aber Mephisto, die Stimme ihres Gewissens, lässt ihr auch hier keine Ruhe. Margarethe bricht ohnmächtig zusammen. Valentin kehrt mit seinen Kameraden zurück. Sie tragen bodenlange Soldatenmäntel und Dornenkronen als Zeichen des durchlittenen Leides. Margarethes Zustand bleibt ihm nicht lange verborgen, auch Siebel kann ihn nicht beruhigen.

Mephisto singt eine anzügliche Serenade, zu der zehn schwarz gekleidete, ebenfalls schwangere Frauen die Bühne betreten. Nacheinander lässt Mephisto die Luftballons, die unter den Gewändern versteckt die Schwangerschaften andeuten, unter höhnischem Gelächter zerplatzen. Faust will Margarethe sehen; Valentin stürzt davon.

Er wird von Faust, dessen Degen Mephisto lenkt, getötet. Während Faust und Mephisto fliehen, verflucht Valentin vor allen nun in Schwarz gekleideten Menschen sterbend seine Schwester, die von Siebel weggeführt wird.

Akt 5

Mephisto führt Faust zum Hexensabbat und der Walpurgisnacht auf den Brocken. Ein berauschendes Bacchanal wird von nackten Männern und Frauen getanzt, die von Kopf bis Fuß mit eisengrauer Farbe angemalt sind. Faust erscheint eine Vision Gretchens, die im Kerker ihre Hinrichtung erwartet, weil sie im Wahn ihr Kind getötet hat. Faust drängt Mephisto, seine Geliebte zu retten; beide eilen davon. Margarethe liegt phantasierend und von Gesichtern gequält auf dem Boden; an dem riesigen Einsenring abgespannte Seile deuten die Kerkerstäbe an. Die Stimme Fausts weckt das Mädchen, das ihn freudig begrüsst.

Opéra Royal de Wallonie-Liège / FAUST - Charles Gounod - hier D'ARCANGELO als Mephisto © Opéra Royal de Wallonie-Liège

Opéra Royal de Wallonie-Liège / FAUST – Charles Gounod – hier D’ARCANGELO als Mephisto © Opéra Royal de Wallonie-Liège

Beide erinnern sich der vergangenen schönen Tage und ihrer Liebe, doch Margarethe kann Faust nicht mehr folgen und fleht Gott um Erbarmen an. Vergebens sind Fausts Bitten. Margarethe wendet sich schaudernd von ihm und Mephisto ab. Sie sinkt tot zu Boden. Mephistos »Gerichtet« beantwortet der Himmel mit »Gerettet«. Weitere gesanglichen Höhepunkte: Abschiedsarie Valentins, das Rondo Mephistos und der Chor der Soldaten wurden ebenfalls großartig gesungen.

Langanhaltender Applaus für eine äußerst gelungene Vorstellung – Ovationen für die großartige Leistung von Stefano Poda

Für Lütticher Verhältnisse, die ihren Schwerpunkt auf klassische Inszenierungen im klassischen Dekor setzten, ein ungewöhnlich modern inszeniertes Werk. Es handelt sich hier um eine Übernahme aus dem Theatro Regio Torino in Zusammenarbeit mit der Opéra de Lausanne und der New Israeli Opera de Tel Aviv.

Musikalische Leitung: Patrick Davin. Der 1962 geborene Belgier hat mit zahlreichen großen Regisseuren und Komponisten zusammen gearbeitet, und führt das Orchester durch alle Feinheiten der Partitur. Inszenierung, Bühne, Kostüme, Choreographie und Beleuchtung: Stefano Poda, Choreinstudierung: Pierre Iodice, Orchester, Chor und Technik:, Opéra Royal de Wallonie-Liège

FAUST von Charles Gounod an der Opéra Royal de Wallonie-Liège:  Die weiteren Termine in Lüttich: 25.01.; 27.01.; 29.01.; 31.01.; 02.02.2019.  Im Palais des Beaux-Arts de Charleroi wird das Stück am 08.02.2019 zu sehen sein.

—| IOCO Kritik Opéra Royal de Wallonie-Liège |—

Lüttich, Opéra Royal de Wallonie-Liège, Le Comte Ory – Gioacchino Rossini, IOCO Kritik, 28.12.2018

Opéra Royal de Wallonie-Liège © Opéra Royal de Wallonie-Liège.

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Opéra Royal de Wallonie-Liège

Le Comte Ory Gioacchino Rossini

Ory:  Frauentrost in froh clownesker Tolpatschigkeit

Von Ingo Hamacher

Gioacchino Rossini Monument in Paris © IOCO

Gioacchino Rossini Monument in Paris © IOCO

Nicht jeder schreibt 40 Opern; nicht jeder wird an einem 29. Februar geboren; nicht jedem gelingt es, mit seiner Kunst zu sagenhaftem Ruhm und Reichtum zu gelangen und nicht jeder lehnt sich mit 37 Jahren in seinem Sessel zurück und verkündet, zukünftig auf sein künstlerisches Schaffen zu verzichten und sich (die nächsten 40 Jahre) ausschließlich dem Genuss und dem Kochen zuzuwenden. Nicht jeder?

Eigentlich gibt es nur einen, auf den diese Beschreibung passt: Gioacchino Rossini (1792 – 1868).  Die letzten Opern seines Lebens komponierte Rossini in Paris, wo er sich endgültig niedergelassen hatte und schnell zum wahren Beherrscher der Grande Opéra aufstiegt. Und so schrieb er sowohl den Comte Ory wie auch den Guillaume Tell in französischer Sprache.  Das Textbuch zum Graf Ory stammt vom vielvertonten Librettisten Eugéne Scribe und wurde vom französischen Librettisten Delestre-Poirson für Rossini geschickt zurecht gemacht, wobei nach „Pariser Art“ Frivolitäten vorkommen, die in den italienischen Werken jener Jahren nicht zu finden sind.

Le comte Ory  –  Gioacchino Rossini
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Zur in Reims stattfindenden Krönung Karls X. im Jahre 1825 hatte Rossini Il viaggio a Reims (Die Reise nach Reims) komponiert. Zu dieser – nie stattfindenden – Reise kommen Reisende aus ganz Europa im „Gasthof zur goldenen Lilie“ zusammen, von wo aus sie die gemeinsame Weiterfahrt zum großen Fest antreten wollen. Da aber keine Pferde aufzutreiben sind bleibt nicht anderes übrig, als das Fest an Ort und Stelle im Gasthof zu feiern, wobei jeder musikalische Grüße aus seinem Land überbringt.

Dieses Werk, voll von Charme, Witz und musikalischer Bedeutung, wollte Rossini als Anlassoper nicht völlig aufgeben, sondern rettete die wichtigsten Einzelnummern anlassunabhängig in den Plan, eine leichte komische Oper über einen gefährlichen Verführer zu schreiben; Le Comte Ory mit Namen.

Die Umarbeitung der bestehenden Partien erwies sich für Rossini als aufwendiger, als die Neukomposition des Fehlenden, da Rossini durch die neu gewonnene Meisterschaft im Umgang mit der französischen Rezitativ- und Ensemblebehandlung nicht hinter seinen Fähigkeiten zurückstehen wollte, bis dass er die Komödie zu einem vollgültigen Meisterstück gestaltet hatte.

Le Comte Ory , eine „opéra comique“, ist eines der vollendetsten Werke Rossinis mit glänzenden Ensembles, geistvollen Nuancen und wunderschöner Melodien, wobei das Terzett „A la faveur de cette nuit obscure“ (Im Schutz dieser dunklen Nacht) den Höhepunkt der Oper als letzte Nummer vor dem Finale bildet, bei dem der Comte Ory sich in den Armen seiner angebeteten Gräfin glaubt, jedoch von dieser und seinem Pagen Isolier genarrt wird. Aus dieser großartigen Vorlage gestalten die Opéra Royal de Wallonie- Liège, die Opéra Comique, Paris, und der Opéra Royal-Château de Versailles Spectacles einen großartigen und äußerst witzigen Opernabend.

Opéra Royal de Wallonie-Liège / Le comte Ory - hier : A. Siragusa als Graf Ory  und J. Devos als Adèle  © Opéra Royal de Wallonie-Liège

Opéra Royal de Wallonie-Liège / Le comte Ory – hier : A. Siragusa als Graf Ory  und J. Devos als Adèle  © Opéra Royal de Wallonie-Liège

Die Welt steht Kopf. Es ist Krieg. Heiliger Krieg. Seit 5 Jahren sind die Männer fern der Heimat in Israel, um Jerusalem von den Sarazenen zu befreien. Bilder von Ölgemälden, die Schlachten der Soldaten darstellend, werden zur Ouvertüre auf den Vorhang projiziert. Den daheim gebliebenen, einsamen Frauen, fehlt es an Unterstützung, Zuspruch und weiteren Freuden, die sie mit den Männern erleben könnten. Aber auch die Kirche bietet keinen Halt. Die Priester sind ebenfalls im Feld; die Kirchen sind aufgelöst.

Musikalische Leitung des Abends: Jordi Bernàcer, der den Abend temperamentvoll gestaltet. Der Spanier ist seit 2015 Dirigent an der San Francisco Oper.

ERSTER AKT

Der sich öffnende Vorhang gibt den Blick frei auf eine betongraue, remisenhafte Halle, in der das Inventar einer aufgelassenen Kirche eingelagert ist: Ein Konvolut aus Kanzel, Beichtstuhl, Kreuz und Sakristeischränken; Figuren, Betstühlen und allem erdenklichen Zubehör. Hierhin hat sich Graf Ory, gesungen von Tenor Antonino Siragusa, zurück gezogen, um in Begleitung seines treuen Gefährten Raimbaud (Bass) als Einsiedler verkleidet den Frauen und Mädchen des Dorfes die Beichte abzunehmen, Trost zu spenden und ihnen neue Lebenslust zu vermitteln.

Der international tätige italienische Tenor Antonio Siragusa hat sich mit seinem umfangreichen Repertoire besonders auf die Interpretation von Rossini-Opern spezialisiert, und so singt und plappert er die rossinischen Dialoge mit einer Begeisterung und Perfektion, dass es eine Freude ist. Im Frauentrost ist Ory trotz seiner clownesken Tolpatschigkeit offensichtlich so gut, dass die Dorfbewohnerinnen in Scharen zu ihm strömen, um sich von den verschiedensten Nöten befreien zu lassen.

Opéra Royal de Wallonie-Liège / Le comte Ory -  hier :  das Ensemble © Opéra Royal de Wallonie-Liège

Opéra Royal de Wallonie-Liège / Le comte Ory – hier : das Ensemble © Opéra Royal de Wallonie-Liège

Leicht zerzaust, aber sichtlich glücklich, verlassen nicht weniger als 15 Frauen nacheinander seine Klause. Dabei ist es kaum das gute Aussehen, dass die Damen anlockt: Mit Knubbelnase und Umschnallbauch, die sich Ory als Tarnung zugelegt hat, ist er mit seinen verschiedenfarbigen Handschuhen eher eine eselhafte Erscheinung, als ein attraktiver Herzensbrecher.

Aber über seinen zarten tenoralen Schmelz in der Stimme hinaus scheint er auch noch gewisse weitere Begabungen und Fähigkeiten zu haben, die die Begeisterung der Frauenwelt erklärt… Schließlich hat der Graf Ory einen so furchtbar schlechten Ruf bei anständigen Damen, dass er bei weniger sittsamen Vertreterinnen des schönen Geschlechts großen Anklang findet. Die Aufseherin des nahegelegenen Schlosses Formoutier (Dame Ragonde: Alexise Yerna, belgischer Mezzosopran, in Rüschenkostüm und Hochfrisur unter beeindruckendem Hut) bittet den Eremiten, die junge, schöne, verwitwete Gräfin Adèle wegen eines unbekannten Leidens zu empfangen.

Auch ein junger Mann, Isolier (Hosenrolle, Josè Maria Lo Monaco, vielversprechender französischer Mezzosopran, ebenfalls auf Rossini-Opern spezialisiert), der Page von Graf Ory, sucht den Einsiedler auf, um sich dem Gottesmann (seinen Herrn erkennt er in der Verkleidung nicht) mit seinen Nöten anzuvertrauen. In Liebe zu der jungen Gräfin entbrannt, möchte der Knabe sich als Nonne verkleidet Zutritt zum Schloss verschaffen. Zudem bittet er den Eremiten, der Gräfin als Heilmittel die Liebe zu empfehlen. Ory segnet den Burschen und beschliesst, all dies selbst anzuwenden.

Adèle (Jodie Devos, dreißigjähriger belgischer Sopran, in der Zartheit und Schönheit des Gesangs fraglos die Stimme des Abends) kommt und berichtet dem Eremiten von dem Gelübde, den Rest ihres Lebens in keuscher Witwenschaft zu verbringen. Rasch entbindet sie Ory von diesem Schwur, doch weiter kommt er nicht; sein Erzieher nämlich hat Verdacht geschöpft und entlarvt den falschen Eremiten. Ein Bote meldet die baldige Heimkehr der Kreuzritter.

Opéra Royal de Wallonie-Liège / Le comte Ory -  hier :  Ensemble und Alexise Yerna als Dame Ragonde © Opéra Royal de Wallonie-Liège

Opéra Royal de Wallonie-Liège / Le comte Ory – hier : Ensemble und Alexise Yerna als Dame Ragonde © Opéra Royal de Wallonie-Liège

ZWEITER AKT

Die nur in wenigen Akzenten veränderte schmucklose Halle des ersten Aktes, jedoch vollständig vom Kirchenzubehör geräumt, repräsentiert das Innere des Schlosses, in das sich Frauen zum Schutze ihrer Strohwitwenschaft verschanzt haben. Den berüchtigten Grafen Ory in der Nähe zu wissen, hat allgemeines Entsetzen ausgelöst.

Während eines schweren Gewitters hören sie von außerhalb Hilferufe: Pilgerinnen bitten um Einlass zum Schutz vor dem Wetter und den Nachstellungen des Grafen Ory, dessen Opfer sie angeblich geworden seien. Die Gräfin zögert nicht, die Ordensfrauen einzulassen und bis zum erwarteten Eintreffen ihres Bruders und der weiteren Männer am nächsten Tag zu beschützen.

Natürlich handelt es sich bei den frommen Schwestern um den verkleideten Grafen Ory und seine Mannen, die teilweise mit Vollbärten, hühnenhaften Gestalten und tölpelhaftesten Benehmen unter Beobachtung ihre ewigen Gebete murmeln, unbeobachtet jedoch über den Weinkeller des Schlosses herfallen und Saufgelage veranstalten. Ory nutzt jede Gelegenheit, um sich der Gräfin zu nähern.

Isolier hat sich inzwischen Zutritt zur Gräfin verschafft: er klärt sie auf, um wen es sich bei den Pilgerinnen handelt, und bietet sich an, ihr gegen Orys Nachstellungen Hilfe zu leisten. Dieser zögert nicht, im nächtlichen Dunkel die Gräfin aufzusuchen und sie zu hofieren. In dieser 10. Szene des zweiten Aktes kommt es – wie bereits gesagt – zum Höhepunkt der Oper: Isolier und die Gräfin verstecken sich vor Ory gemeinsam im Bett.

Ory tritt hinzu und antwortet auf die Frage, wer da sei: „Schwester Colette“. Er nimmt die Hand Isoliers, in der Meinung, es sei die Gräfin, presst sie an sein Herz, fällt auf die Knie und erklärt ihr seine Liebe. (Terzett: „A la faveur de cette nuit obscure“ (Für diese dunkle Nacht). Zu spät merkt Ory, dass er die ganze Zeit statt mit der Gräfin mit seinem Pagen gescherzt hat, als Trompeten die Rückkehr des Grafen und seiner Krieger melden. Ory und seine Kumpanen fliehen, Isolier aber bleibt im Schloss.

Langanhaltender, verdienter Applaus für eine großartige musikalische und gesangliche Leistung; großer Jubel für die drei Hauptrollen: Ory, Adèle und Isolier und großes Lob für das Produktionsteam.

Der englische Musikkritiker Henry F. Corley (1808-1872) urteilt: „In Le Comte Ory gibt es keine einzige schlechte Melodie und keinen einzigen anzweifelbaren Takt.“ und so kann man in dieserwunderbaren Inszenierung einen äußerst gelungenen Opernabend genießen, mit viel Witz, Klamauk und wunderschöner Musik. Äußerst lohnend!

Opéra Royal de Wallonie-Liège / Le comte Ory - hier : L. Kubla als Le gouverneur © Opéra Royal de Wallonie-Liège

Opéra Royal de Wallonie-Liège / Le comte Ory – hier : L. Kubla als Le gouverneur © Opéra Royal de Wallonie-Liège

Eine Produktion der:  Opéra Royal de Wallonie-Liège,  Opéra Royal-Château de Versailles Spectacles

Musikalische Leitung: Jordi Bernàcer, Regie: Denis Podalydès, Bühne: Eric Ruf, Kostüme: Christian Lacroix, Licht: Stéphanie Daniel, Bewegungsmitarbeit: Cécile Bon, Chorleitung: Pierre Iodice, Orchester der Opéra Royal de Wallonie-Liège

Besetzung: Le Gouverneur: Laurent Kubla, Dame Ragonde: Alexise Yerna, Alice: Julie Mossay, Komödianten: Laurent Podalydès und Léo Reynaud;  In weiteren Rollen: Stefano de Rosa, Xavier Petithan, Benoît Delvaux, Alexei Gorbatchev, Ludivine Scheers und Réjane Soldano

Le comte Ory an derOpéra Royal de Wallonie-Liège:  weitere Aufführungen in Lüttich:  ; 27.12.; 29.12.; 31.12.2018 und 02.01.2019;  Charleroi:  05.01.2019

Wie immer sind die Übertitel dreisprachig, so daß auch der deutschsprachige Besucher dem Text problemlos folgen kann.

—| IOCO Kritik Opéra Royal de Wallonie-Liège |—

Lüttich, Opéra Royal de Wallonie-Liège, Tosca – Giacomo Puccini, IOCO Kritik, 23.11.2108

Opéra Royal de Wallonie-Liège © Opéra Royal de Wallonie-Liège.

Opéra Royal de Wallonie-Liège © Opéra Royal de Wallonie-Liège

Opéra Royal de Wallonie-Liège

Tosca – Giacomo Puccini

– Himmel und Hölle der Gefühle –

Von Ingo Hamacher

Tosender Applaus, Ovationen, rythmisches Klatschen und Standing Ovations krönten einen Abend, bei dem das begeisterte Publikum die Darsteller und das Produktionsteam so oft an die Bühnenrampe zurück forderte, bis dass der Inspizient das Machtwort sprach, und den Vorhang endgültig in den nicht enden wollenden Jubel fallen ließ.

Musikalisch ein Genuss und stimmlich großartig bis in die kleinste Partie stellt diese Tosca einen Höhepunkt der jetzigen Saison dar. TOSCA errang schnell, obwohl sie attraktive Partien für Tenor und Bariton aufweist, als Primadonnenoper Ruhm und Anfeindung.

Tosca  –  Giacomo Puccini
Youtube Trailer der Opéra Royal de Wallonie-Liège
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1913 wurde die Oper noch vernichtend beurteilt: „Die Sensation schlägt durch. Ein ekelhafter Text, blutig nicht bloß im Stoff, auch in der Behandlung“, die Musik sei „Schlächterarbeit im Kleid des Liebenswürdigen, lächelnder Mord“ und die Arien seien versungen und vertan: „geopfert dem Moloch der Kinodramatik“.

Inzwischen gilt TOSCA als eine der bekanntesten Opern der Welt; Puccinis Musikdrama wird vom Publikum als realistisch empfunden, als komplexer Ausdruck einer psychischen Situation der Opernfiguren. Gianluigi Gelmetti, der die Aufführung musikalisch leitet, zeichnet die musikalischen Welten des Stücks, wie die Welt Scarpias mit ihrem tonalitätsfernen Blechbläserklang; die schmerzliche Chromatik der gequälten Revolution; wie auch die naive Sphäre des naiven Messners, feinfühlig und differenziert nach.

Gianluigi Gelmetti, 72, ist ein italienischer Dirigent und Komponist. Lange Jahre hatte Gelmetti die Position als Chefdirigent des SWR Radio-Sinfonieorchester Stuttgart (1989–1995) inne. Im Jahre 2001 wurde er zum Chefdirigenten des Teatro dell’Opera in Rom ernannt.

Wie häufig in Puccinis Werk sind in TOSCA sinnliche Liebe und Todesnähe oft unentrinnbar miteinander verknüpft. Das Werk ist dramatisch stringent und steht dem Verismo nahe. Die Handlung der TOSCA lässt sich auf den Tag genau festlegen: den Nachmittag und Abend des 17. Juni 1800 mit folgendem Morgen, drei Tage nach der Schlacht bei Marengo.

Hintergrund: Napoleon Buonaparte hatte in den Jahren zuvor fast ganz Italien erobert, und freiheitliche Republiken nach französischem Vorbild errichtet. Als er anschließend zu seinem Ägypten-Feldzug aufbracht, kam es zu einem Sieg reaktionärer Kräfte, die die republikanischen Bestrebungen aufs heftigste unterdrücken, und statt dessen eine Polizeiherrschaft errichten. An ihrer Spitze: die Königin Maria Carolina, die in Rom alle Unterstützer der vormaligen Republik erbarmungslos verfolgen ließ. Napoleon kehrte aus Ägypten zurück, marschierte erneut in Italien ein und errang den entscheidenden Erfolg in der Schlacht von Marengo am 14. Juni 1800. Vor diesem historischen Hintergrund spielt das Stück.

Opéra Royal de Wallonie-Liège / Tosca hier links  A. Machado als Cavaradossi © Opéra Royal de Wallonie-Liège

Opéra Royal de Wallonie-Liège / Tosca hier links  A. Machado als Cavaradossi © Opéra Royal de Wallonie-Liège

Die berühmte Sängerin Tosca, die sich ihre Frömmigkeit bewahrt hat, liebt einen freigeistigen Maler, den liberal intellektuelle Cavaradossi, der neben seiner bildenden Kunst auch noch zum republikanischen Parteigänger wird. Dadurch kommt er in Konflikt mit dem allmächtigen Polizeichef Scarpia, dessen Persönlichkeit durch eine Mischung aus rücksichtsloser Grausamkeit und sexueller Obsession geprägt ist, und der den ehemaligen republikanischen Funktionär Angelotti jagt, dem nach Monaten im Kerker als Strafe für seinen Kampf gegen den alten Feudalismus die Flucht gelungen ist.

1. Akt

Ohne Ouvertüre, nur mit drei wuchtigen Harmonien eingeleitet, beginnt der erste Akt. Der Vorhang hebt sich und gibt den Blick frei auf das Innere von Sant’Andrea della Valle, eine römische Kirche im Stil des Barock, die in einzelnen Elementen auf der Bühne nachgebildet wurde. Linkerhand sehen wir die zuerst verhangene akuelle Arbeit des Künstlers: Ein Bildnis der Magdalena. Im Hintergrund barocke Goldelemente und lebensgroße Heiligenstatuen; rechts das Gitter einer Familienkapelle sowie den Kerzen und Blumenschmuck einer Madonna.

Der politische Gefangene Angelotti (Bass) versteckt sich in der Kirche Sant’ Andrea, wo sein Freund, der Maler Cavaradossi (Tenor) ein Bildnis der Magdalena fertigstellt. Der Messner behauptet, das Bild ähnelt einer der Frauen, die zum Beten regelmäßig in die Kirche komme. Cavaradossi malt tatsächlich die Gesichtszüge dieser Frau in sein Bild, besingt jedoch leidenschaftlich seine große Liebe: Tosca.
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MARIO CAVARADOSSI – Aquiles Machado
Für den venezuelanischer Tenor, 45, der sein Debut 1996 in Caracas in L‘elisir d‘amore hatte gehört die Partie des Cavaradossi zu einer seiner Paraderollen, mit denen er weltweit auftritt. Die Wärme seiner großartigen Stimme passt perfekt zu dem Menschenfreund Cavaradossi, der bereit ist, selbst Schaden zu nehmen, um andere zu schützen.
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Angelotti kommt aus seinem Versteck und Cavaradossi will ihm helfen. Als Tosca (Sopran) die Kirche betritt, versteckt sich Angelotti erneut. Im Bild der Magdalena erkennt die Primadonna die Ähnlichkeit mit der Gräfin Attavanti, Angelottis Schwester, und beim Anblick der überlebensgroßen lasziven Nacktheit der Sünderin werden es wohl nicht nur die besungenen blauen Augen gewesen sein, die ihre flammende Eifersucht geweckt haben. Cavaradossi überzeugt sie jedoch von seiner Liebe und kann sie beruhigen.

Opéra Royal de Wallonie-Liège / Tosca hier Virginia Tola als Tosca © Opéra Royal de Wallonie-Liège

Opéra Royal de Wallonie-Liège / Tosca hier Virginia Tola als Tosca © Opéra Royal de Wallonie-Liège

Virginia Tolah, ein international gefeierter argentinischer Sopran, 42, singt die Partie der FLORIA TOSCA mit der gebotenen leichten Hysterie der gefeierten Künstlerin im ersten Akt, um dann folgend alle Tiefen der Emotionen und Leidenschaften stimmschön und kraftvoll musikalisch zu gestalten.Kanonenschüsse sind zu hören. Angelottis Flucht wurde entdeckt und Cavaradossi bietet ihm seinen Garten als Versteck an. Der Polizeichef Scarpia (Bariton) kommt in die Kirche und bemerkt den Korb mit Essen, den Cavaradossi für Angelotti hingestellt hat. Zudem findet Scarpia einen Fächer. Er behauptet gegenüber Tosca, dies sei der Fächer der Gräfin aus dem Bild, mit der der Maler eine Affäre habe. Erneut eifersüchtig verlässt Tosca die Kirche.

Als nachtschwarze Bosheit und Schlechtigkeit, die sich in Scarpia manifestiert, steht Marco Vratogna, ein italienischer Bariton, mit schwarzem Bart, Glatze und mephistotelischem Umhang auf der Bühne. Vratogna hat die Partie schon in Wien, Dresden, Berlin, London, Hamburg und Baden-Baden gesungen; in Lüttich feiert er sein Hausdebut. Auch er, wie die beiden voraus genannten Hauptfiguren, stimmlich ein Erlebnis, dass den Abend noch lange nachklingen lassen wird.

Die Nachricht einer gewonnenen Schlacht gegen Napoleon läßt die reaktionären Kräfte jubeln. Scarpia schwört unterdessen, Tosca zu erobern. Das zur Feier des – vermeintlichen – Sieges aufgeführte Te Deum gibt der Regisseurin Claire Servais die Möglichkeit, den bisher kammerspielartigen Handlungsablauf zur großen Chorszene auszuweiten.

Zahllose Messnerknaben, Mönche, Nonnen, Priester, Kardinäle und nicht weniger als neun Bischöfe verwandeln die gold-barocke Szenerie mit ihrer schier unüberschaubaren Menge an Menschen, Weihrauch, Gesang und Gebet in ein Abschlussbild, bei dem man den Eindruck gewinnt, einen Blick auf himmlische Heerscharen geworfen zu haben und dem Himmel nahe gekommen zu sein.

2. Akt

Haben wir am Ende des ersten Aktes einen Blick in den Himmel geworfen, erwartet uns nun die Hölle. An der Rückwand der bis auf Scarpias Festtagstafel leeren, schwarzen Bühne sehen wir 13 Bilder alter Holzschnitte, die historische Folter- und Tötungsszenen grafisch darstellen. Als 14. und uns allen als Erlösungszeichen bekannte Darstellung hängt lebensgroß der gekreuzigte Jesus vor uns, nicht als Heiland, sondern als figürliche Darstellung des Sterbens und des Leidens.

Vor diesem Hintergrund beginnt der dramaturgisch geschickte zweite Akt: Während Scarpia im oberen Stockwerk seinen Machenschaften nachgeht, feiert die Königin im Stockwerk darunter ein Fest zu Ehren des mutmaßlichen Siegs über Napoleon. In Scarpias Wut darüber, daß seine Häscher Angelotti nicht gefunden haben, und in seiner Freude über die vorsorgliche Verhaftung Cavaradossis ertönt dann aus dem Festsaal eine Kantate mit Fünfstimmigem Chor mit dem Solo der Sopran-Primadonna Tosca.

Wir befinden uns in Scarpias Räumen im Palazzo Farnese. Der Palazzo Farnese, nach dem Adelsgeschlecht der Farnese benannt, ist eines der bedeutendsten Bauwerke der italienischen Renaissace und einer der größten Paläste Roms. Scarpia will Tosca besitzen. Triumphierend singt er „Ella verrà“, „Sie wird kommen“. Seine Diener holen Cavaradossi und bringen ihn genau in dem Moment herein, als auch Tosca kommt. Der Polizeichef befiehlt, Cavaradossi foltern zu lassen, bis er das Versteck des geflohenen Angelottis verrät.

Cavaradossi wird durch eine verborgene Tür in der Wand des Grauens in einen dahinter liegenden Raum geführt. Da die Türe einen Spalt offen steht, erleben wird die Qualen seine Folter durch seine zu uns dringenden Schreie mit. Wie der Gottessohn, der für die Sünden der Menschen sein Leben gab, erleidet auch der Maler seine Leiden, um einen anderen Menschen zu schützen. Wie der Erlöser wird auch Cavaradossi mit einem Dornenkranz um den Kopf gefoltert, wie wir aus dem Bericht Scarpias erfahren. Der weiße Corpus Christi als einzig erleuchteter Fleck in dieser Dunkelheit des Schreckens veranschaulicht uns die Gemeinsamkeit der Schicksale.

Tosca ist erschüttert und verrät das Versteck, um ihren Geliebten zu retten. Darüber ist Cavaradossi außer sich, zeigt aber, dass er sich über die von einem Boten gebrachte Nachricht vom endgültigen Sieg Napoleons freut. Daraufhin ordnet Scarpia seine Exekution an. Nur wenn sich Tosca mit ihm Scarpia einließe, würde ihr geliebter Maler verschont bleiben. In der berühmten Arie „Vissi d’arte, vissi d’amore“, der Tradition entsprechend liegend gesungen, wendet sich die Primadonna zu Gott und fleht „Nur der Schönheit weihte ich mein Leben“.

Opéra Royal de Wallonie-Liège / Tosca hier Roger Joakim als Cesare Angelotti © Opéra Royal de Wallonie-Liège

Opéra Royal de Wallonie-Liège / Tosca hier Roger Joakim als Cesare Angelotti © Opéra Royal de Wallonie-Liège

Kurz darauf erfahren wir, dass sich Angelotti umgebracht hat, um der Gefangenschaft zu entgehen. Scarpia erpresst Tosca weiterhin, um sie zu erobern. Er ist bereit eine Scheinhinrichtung Cavaradossis organisieren, ihn aber anschließend freilassen, wenn sie ihm zu Willen ist. Als sich Scarpia schließlich Tosca nähert, ersticht sie ihn mit dem Ausruf „Hier ist Toscas Kuss!“. Tief in ihrem christlichen Glauben verwurzelt, kann sie selbst ihn nicht unversorgt liegen lassen. Sie lagert seine Hände und bedenkt ihn mit einer Rose. Vor Gott ist Vergebung. Das übergroße Kreuz neigt sich von der Wand, und kommt dem Sünder entgegen. Atemberaubend!

3. Akt

Dem dritten Akt geht eine lange Einleitung voran, bis auf das kurze Lied des jungen Hirten, ganz ohne Text. Die Musik schildert Umgebung, Situation und Szene, die am Ende der Nacht auf der Plattform der damals noch vor den Toren der Stadt liegenden Engelsburg spielt, was den Hirtenknaben verständlich macht. Schließlich ertönen in verschiedenen Höhen und Rhytmen die Morgenglocken der städtische Kirchen. Puccini war persönlich nach Rom gefahren, um die Schauplätze der Handlung kennen zu lernen und besonders die Stimmung der Engelsburg und den Klang der umgebenden Kirchen im stimmigen musikalischen Couleur wieder geben zu können.

Gefängnis in der Engelsburg. Die Engelsburg in Rom wurde ursprünglich als Mausoleum für den römischen Kaiser Hadrian (117–138 n. Chr.) errichtet und später zur Festungsanlage umgebaut. Den heutigen Namen erhielt die Anlage im Jahr 590, als in Rom die Pest wütete. Papst Gregor I. der Große soll über dem Grabmal die Erscheinung des Erzengels Michael gesehen haben, der ihm das Ende der Pest verkündete.

Opéra Royal de Wallonie-Liège / Tosca hier V. Tola als Tosca und Marco Vratogna als Scarpia © Opéra Royal de Wallonie-Liège

Opéra Royal de Wallonie-Liège / Tosca hier V. Tola als Tosca und Marco Vratogna als Scarpia © Opéra Royal de Wallonie-Liège

Wir blicken auf eine leere, steingraue Bühne, auf der das Auge bis auf eine nach oben führende Treppe mit anschließender Empore keinen Anhaltspunkt findet. Darüber ein nachtblauer Himmel mit einem Sternenmeer. Die Hinrichtung von Mario Cavaradossi soll in einer Stunde stattfinden. Er denkt an Tosca: „E lucevan le stelle“, „Es funkeln die Sterne“. Tosca kommt und erzählt, dass sie Scarpia getötet hat und ihm nur eine Scheinhinrichtung bevorstehe. Er solle wie in einem Theaterstück mitspielen und sich nach den Schüssen fallen lassen.

Für die Hinrichtungsszene senkt sich eine ebenfalls graue Wand vor den Hintergrund. Auf der davor befindlichen Empore erscheint das Erschießungskommando; Cavaradossi steht mit dem Rücken zum Publikum. Die Schützen zielen, und auf Befehl schießen sie auf ihn und damit gleichzeitig auch auf das Publikum. Erneut ein schwer auszuhaltender Moment. Cavaradossi stürzt und Tosca ruft: „Ecco un artista!“, „Was für eine Schauspieler!“. Die Mauer im Hintergrund hebt sich wieder und gibt den Blick auf das blutrote Morgenlicht frei. Tosca sagt ihm mehrfach, er solle noch liegenbleiben, merkt dann jedoch, dass ihr Geliebter wirklich tot ist.

Bevor der Polizeiagent Spoletta, der inzwischen Scarpias Tod bemerkt hat, Tosca verhaften kann, stürzt sie die Treppen zum Rand der Engelsburg hoch. Die Figur des Erzengels Michael wird sichtbar; Tosca stürzt in den Tod.

Regie: Claire Servais
Claire Servais hat Tosca bereits 2016 in Toulon inszeniert. Ihre letzte Inszenierung in Lüttich war die wunderschöne und märchenhaft verspielte ZAUBERFLÖTE als Kinderzimmertraum eines kleinen Jungen im Frühjahr 2017. Mit dieser dritten Inszenierung für Lüttich wird die große Breite ihres künstlerischen Arbeitens erlebbar.
Bühne: Carlo Centolavigna, 65-jähriger italienischer Bühnenbildner mit internationaler Arbeitserfahrung.
Kostüme: Michel Fresnay
Fresnays erste Kostümarbeit fand im Jahre 1965 statt. Seit dem hat er nicht nur Produktionen auf fast allen französischsprachigen Bühnen ausgestattet, sondern auch Shows im Ausland und fürs Fernsehen ausgestattet. Die Kostüme von TOSCA geben die Mode der Handlungszeitdes Stücks wieder.
Licht: Olivier Wéry / Chorleiter: Pierre Iodice / ORCHESTRE, CHŒURS ET MAÎTRISE / Opéra Royal de Wallonie-Liège
CESARE ANGELOTTI: Roger Joakim
EIN MESSNER: Patrick Delcour
Beide Bariton und Mitglied des Ensembles der königlichen Oper Lüttich / SPOLETTA: Pierre Derhet / Belgischer Solist des Royal Theater la Monnaie, Brüssel
SCIARRONE: Marc Tissons / EIN TRÄGER: Pierre Gathier

Tosca an der Opéra Royal de Wallonie-Liège, weitere Vorstellungen 25.11.; 27.11. – 15.00 Uhr; 28.11.; 29.11.; 30.11.; 1.12.; 2.12.2018

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