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# Brüssel, Theatre Royal de la Monnaie, Das Märchen vom Zaren Saltan - Rimski-Korsakov, IOCO Kritik, 14.06.2019
- URL: https://www.ioco.de/bruessel-theatre-royal-de-la-monnaie-das-maerchen-vom-zaren-saltan-rimski-korsakov-ioco-kritik-14-06-2019/
- Published: 2019-06-14T08:00:45.000Z
- Updated: 2023-09-06T12:55:41.000Z
- Author: Redaktion
- Tags: Oper & Operette, Konzert & Liederabend, Mozart, Orchester, Robert Schumann, Pressemeldungen & Nachrichten, Kritiken, Schumann, Brüssel

![Theatre Royal de la Monnaie Brüssel © Pierre Stubbe](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2019/05/facade-monnaie-nouvelle-saison-2018-19-afternoon-c-pierre-stubbeneu.jpg)

Theatre Royal de la Monnaie Brüssel © Pierre Stubbe

[Theatre Royal de la Monnaie](https://www.lamonnaie.be/?ref=ioco.de)

# ***Das Märchen vom Zaren Saltan* \- Nikolai Rimski-Korsakow**

**\- Die Oper mit dem Hummelflug -**

von **Ingo Hamacher**

Er hat es getan! **Dmitri Tcherniakov** hat gewagt, sich in seiner Brüsseler Inszenierung des Märchen vom **Zaren Saltan,** einer russischen Kultur-Ikone ersten Ranges, über alle Konventionen der Inszenierungs-Tradition hinweg zu setzen, und ein lebendiges, heutiges Stück mit Menschen aus Fleisch und Blut zu präsentieren. Dem Intendanten des Bolschoi-Theaters, der extra zur Generalprobe eingeflogen sei, habe der Atem gestockt: Es sei wunderschön, aber in Russland völlig undenkbar! Das Bühnenbild: 7 Küchenstühle.

**Das Märchen vom Zaren Saltan - Nikolai Rimski/Korsakov**youtube Theatre Royal de la Monnaie **\[ Mit erweitertem Datenschutz eingebettet \]**

**Doch der Reihe nach:** „***Das Märchen vom Zaren Saltan, von seinem Sohn, dem ruhmreichen und mächtigen Recken Fürst Gwidon Sohn des Saltan, und von der wunderschönen Schwanenprinzessin“,*** so der volle Name des Stückes, im Westen kaum gespielt, ist - ähnlich der Zauberflöte in Deutschland - regelmäßig auf allen russischen Spielplänen zu finden. Die Geschichte spielt in der Stadt **Tmutarakan,** was einerseits einen historischen Ort bezeichnet, andererseits im Russischen auch so viel wie „in der tiefsten Provinz“ bedeutet.

Der mächtige **Zar Saltan** lässt sich von hinterlistigen Frauen betrügen und verurteilt seine verleumdete Frau mit ihrem neugeborenen Sohn zum Tode. Doch die beiden können sich retten. Das Kind reift zum Mann und ist in allem das Gegenteil seines Vaters. Der ***Zarensohn*** rettet einen ***Schwan*** aus Todesnot. Der ***Schwan*** schenkt dem ***Zarewitsch*** eine Stadt, ein goldene Nüsse knackendes Eichhorn und dreiunddreißig aus der Flut emporsteigende wehrhafte Recken. Dem um Liebe werbenden Jüngling aber schenkt sich der Schwan selbst in Gestalt einer Schwanen-Prinzessin. Der Ruhm des Paares und seiner Reichtümer dringt zum ***Zaren Saltan*** und lockt ihn zum Inselland Bujan, um dort die Wunder zu sehen. Das größte Wunder aber widerfährt ***Zar Saltan,*** als er die Totgeglaubten und reuevoll Betrauerten - Frau und Sohn - in die Arme schließen kann und Verzeihung findet.

Mit fünfzehn Werken ist die Oper ***Das Märchen vom Zaren Saltan*** im Schaffen **Rimski-Korsakows** das zentrale Genre und er selbst einer der produktivsten Komponisten des ***Mächtigen Häufleins.*** Die **Gruppe der Fünf** oder **Das mächtige Häuflein** war eine Gruppe russischer Komponisten des 19\. Jahrhunderts. Die Komponisten schlossen sich 1862 in Sankt Petersburg zusammen. Ihr Ziel war die Förderung einer nationalrussischen Musik. Die ***Gruppe der Fünf*** setzte sich damit von russischen Komponisten ab, die sich stärker an westeuropäischen Vorbildern orientierten.

![Theatre Royal de la Monnaie /  Das Märchen vom Zaren Saltan  - hier : C.Wilson als Babarikha, B.Bobro als Povarikha, S.M. Fisher als Tkatchikha, A. Jerkunica als Saltane, S.Aksenova als Militrissa, B.Volkov als Gvidon, O.Kulchynska als Schwan © Forster](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2019/06/tsar-saltan_c_wilson-babarikha-b_bobro-povarikha-s_m-fisher-tkatchikha-a-jerkunica-saltane-s_aksenova-militrisa-b_volkov-gvidon-o_kulchynska-swan-bird-foto-forster_150.jpg)

Theatre Royal de la Monnaie / Das Märchen vom Zaren Saltan - hier : C.Wilson als Babarikha, B.Bobro als Povarikha, S.M. Fisher als Tkatchikha, A. Jerkunica als Saltane, S.Aksenova als Militrissa, B.Volkov als Gvidon, O.Kulchynska als Schwan © Forster

**Rimski-Korsakow** hatte das Glück, dass die meisten seiner Opern sehr bald nach der Partitur-Reinschrift an einer Bühne in Petersburg oder Moskau uraufgeführt wurde. Die unmittelbare Aufeinanderfolge von Komposition und klanglich-szenischer Realisation war eine wesentliche Bedingung für die Produktivität und das reformatorische Streben des Komponisten. Zentrale Uraufführungen fanden an einer Privatoper statt, an der künstlerisch bedeutende, national orientierte Bühnenbilder gestaltet wurden, die im Kontrast zu den feudal-kosmopolitischen Inszenierungsgepflogenheiten der großen zaristischen Operninstitute standen.

Das Opernschaffen des in seiner Zeit national wirksamen und auch international erfolgreichen Komponisten erfuhr nach seinem Tode eine Verfremdung hin zur volkloristisch-bunt gemalten Märchenerzählung, bzw. Schilderungen altrussischer Sitten und heidnischen Brauchtums. Hatte **Rimsky-Korsakow** noch lebendige Menschen des 19\. und 20\. Jahrhunderts vor Augen gehabt, wurden sie zunehmend zu folkloristisch aufgeputzten Puppen reduziert.   ***Zar Saltan: Weit mehr als ein Märchen!***

***Beziehung des Menschen zur Natur***

Das naheyu alle Werke **Rimskiy-Korsakows** durchdringende Interesse am heidnischen Polytheismus entsprach dem Wunsch, der autoritär-monistische Zarismus möchte einer „vielgöttrigen“ Demokratie weichen. Einer erstarrten, von Zwängen und Gewalt beherrschten Gesellschaft wird die Natur als Alternative gegenüber gestellt. Der Wald, der See, das Meer, das Firmament werden zu Orten, an denen Elementargeister im freien Spiel ihrer Existenzformen zu finden sind, so z.B. die ***Schwanenprinzessin.*** Den Weg zu solchen Orten und Wesen aber suchen und finden nur Menschen, die eine Sehnsucht aus ihrer bisherigen Umwelt heraustreibt, wie z.B. ***Gwidon***. Der lebendige Austausch zwischen Menschen und Phantasiewesen führt zu einer Erweiterung des Menschseins, zu der die versteinerten Mächtigen nicht fähig sind.

![Theatre Royal de la Monnaie / Das Märchen vom Zaren Saltan - hier : B.Volkov als Gvidon © Forster](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2019/06/tsar-saltan_b_volkov-gvidon-foto-forsterneu.jpg)

Theatre Royal de la Monnaie / Das Märchen vom Zaren Saltan - hier : B.Volkov als Gvidon © Forster

**Frauen als (Domostroi-)Opfer und als Idealbilder**

Iwan IV. (der Schreckliche, 1530 - 1584) veranlasste die Niederschrift eines Sittenkodex, der als Domostroi (Hausordnung) bekannt wurde und bis ins 20\. Jahrhundert hinein Gültigkeit und Folgen haben sollte. Nach der **Domostroi** wurde die Frau auf gleicher Stufe wie das Vieh dem feudal-patriarchalischen Hausstand zugeordnet. Die für ihr ‚Versagen als Ehefrau’ (Geburt eines nicht normgerechten Kindes) mit dem Tode bestrafte ***Militrissa*** ist ein Beispiel für die vielen unter Knechtung leidenden Opfer. Dem gegenüber erscheint die befreite, geistig und sexuell emanzipierte Frau als Phantasiegestalt und Märchen- bzw. Elementarwesen, wie wir sie in der Schwanen-Zarewna als unabhängiges, freies Wesen finden.

**Kritik an der Macht**

**Rimski-Korsakow** wird nachgesagt, er habe sich keine Gelegenheit entgehen lassen, über die Macht zu lachen, verdeutlicht durch die marionettenhaft-beschränkte Musik, mit der er seine Mächtigen kennzeichnet, so eben auch den aufschneiderisch-prahlenden Ton des **Zaren Saltan.**

**Das Bild der Schwanen-Prinzessin**

In der bäuerlichen slawischen Kultur wurden über Jahrhunderte hinweg animistische und totemistische Vorstellungen gegen die mit der Zentralgewalt eindringenden monistische Religion reproduziert. Die Natur tritt als besondere, fremde und selbständige Größe in Erscheinung. Elementarkräfte - Wasser, Wind, Feuer - sowie Tiere erscheinen als Wesenheiten mit Verstandeskräften und Empfindungen, die sie dem Menschen vergleichbar machen, dem sie aber doch fremd bleiben. Es ist daher für ***Gwidon*** und seine Mutter nicht verwunderlich, wenn der ***Schwan*** mit Mädchenstimme spricht. Der ***Schwanenvogel*** muss nicht von einem Zauber befreit werden, er verwandelt sich auch nicht in eine Schwanhilde, sondern er wechselt einfach zu einer auch vorher schon immanenten Identität seiner Doppelexistenz: der ***Schwanen-Prinzessin.***

Im Schlusschor wird dem ***Schwan*** gehuldigt, und in der Huldigung wird eine zusätzliche Bedeutung seiner Doppelexistenz ausgesprochen: als ***Schwan*** tummelte er sich glücklich im Meer, Mühsal erwartet ihn als Mensch. Die Entscheidung, eine Ehe einzugehen, wird nicht als befreiender Akt gefeiert, sondern der ***Schwanen-Prizessin*** und jetzigen Frau ***Gwidons*** wird Bewunderung dafür ausgesprochen, die Bürde des Mensch- und Frau-Seins auf sich zu nehmen.

Jedes Bild leitet **Rimski-Korsakow** mit aus dem Ton des altrussischen Jahrmarkttheaters aufgegriffenen Trompetenfanfaren ein. *„Der Prolog und jeder Akt beziehungsweise jedes Bild heben mit derselben kurzen Trompetenfanfare an; sie will das Publikum auffordern, Ohren und Augen für das nun folgende Geschehen zu öffnen; eine Originelle und gerade für das Märchen geeignete Lösung“.* **(Rimski-Korsakow)**

**Rimski-Korsakow** hat für das Stück drei farbenprächtige sinfonische Orchestervorspiele komponiert. Der marionettenhafte Marsch des Orchestervorspiels zum I. Akt „*Zar Saltan zieht in den Krieg*“ ist zugleich die Musiksphäre der Figur des Saltan. In der „*Meeresfahrt der Tonne“* (Orchestervorspiel zum II. Akt) verbindet sich der Klagelaut der ***Militrissa -*** das alte tradierte Seufzermotiv - mit dem Gesang der wiegenden Wellen und dem Blinken der Sterne und wird zu einer klagenden Stimme im Universum. Im Orchestervorspiel zum letzten Bild wird der Marionettenton im *Tanzlied des Nüsse knackenden Eichhorn* wieder aufgegriffen und mit dem Donnerton der aus dem Meer aufsteigenden Recken kontrastiert. Es vollzieht sich der Übergang des Schwans zur liebenden ***Zarewna.***

![ Theatre Royal de la Monnaie / Das Märchen vom Zaren Saltan / hier : S Aksenova als Militrissa, B.Volkov als Gvidon, O. Kulchynska als Schwan © Forster](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2019/06/tsar-saltan_s_aksenova-militrisa-b_volkov-gvidon-o_kulchynska-swan-bird-foto-forsterneu.jpg)

Theatre Royal de la Monnaie / Das Märchen vom Zaren Saltan / hier : S Aksenova als Militrissa, B.Volkov als Gvidon, O. Kulchynska als Schwan © Forster

Auf all die Symbole und Bedeutungen, die sich in der Märchenvorlage von **Alexander Puschkin** und der Kompositionsarbeit von **Rimski-Korsakov** und seinem Librettisten **Wladimir Belski** finden - im Westen nie verstanden; im Osten mehrheitlich vergessen - verzichtet Dmitri Tcherniakov in seiner Produktion und reduziert das Stück auf einen zentralen Handlungskern: Eine alleinerziehende Mutter und einen Sohn, der in einer Traumwelt lebt. Eine verlassene Ehefrau und ihr autistischer Sohn.

**Militrissa** tritt in knielangem Rock und Pullover vor den eisernen Vorhang und berichtet von ihrem schweren Los als verlassene Ehefrau, alleinerziehend mit einem autistischen Sohn in Jogginghose und Sandalen, der mit niemandem außer ihr spricht und seinen Vater nie kennen gelernt hat. Auf dem Boden Spielzeuge: Die Puppe einer Schwanenprinzessin, ein orangenes Plastikeichhorn und 33 Zinnsoldaten. 7 Küchenstühle. Inzwischen sei er, der nur in der Welt seiner Märchen lebe, groß genug die Familiengeschichte zu erfahren. Und sie hoffe, eine Frau für ihn zu finden, die, wenn sie nicht mehr da sei, sich um ihren Sohn kümmern würde und ihn vielleicht sogar mit ihrer Liebe heilen würde. Träume einer besorgten Mutter. Mit den Bildern seiner Märchenwelt wolle sie ihm alles erklären.

**Alain Altinoglu**, der Klangzauberer aus Brüssel, verzichtet auf die einleitenden Trompetenfanfaren. Wir sehen schließlich kein Märchen, sondern den harten Lebensalltag einer überforderten Frau.

**Das Märchen vom Zaren Saltan - Nikolai Rimski/Korsakov**youtube Theatre Royal de la Monnaie **\[ Mit erweitertem Datenschutz eingebettet \]**

***Prolog***

Die Protagonisten der Familiengeschichte betreten die Bühne in comicartigen historisierenden russischen Kostümen. Nicht der ***Zar*** belauscht die 3 Schwestern, sondern es sind die 4 Frauen (die drei Schwestern und die verwitwete Mutter), die sich um die Gunst des attraktiven Mannes bemühen. Die Älteste, **Powaricha,** sagt, wenn sie Zarewna wäre würde sie dem Zaren ein riesiges Bankett geben, die Mittlere, ***Tkatschicha,*** würde ihm ein kostbares Gewand nähen, die Jüngste, ***Militrissa,*** aber meint, sie würde ihm einen Heldensohn gebähren. Daraufhin nimmt der Zar ***Militrissa*** zur Frau. Aus Missgunst und Eifersucht schmieden die Schwestern und ***Mütterchen Babaricha*** ein Komplott.

**Erster Akt**

Die im Prolog gesponnene Intrige wird in die Tat umgesetzt. ***Der Zar*** verlässt seine schwangere Frau um Krieg zu führen, derweil schicken die Schwestern (die inzwischen am Hof angestellt sind) einen Brief an ihn, in dem sie verkünden, die Zarin habe ein Monster geboren. Als die Zarin endlich froh verkündet einen Sohn zu haben, hat bereits ein Brief des Zaren den Hof erreicht, der befielt, **Militrissa** samt ihres vermeintlichen Monsterkindes in eine Fass zu stecken und dieses ins Meer zu werfen. Dem Befehl des Zaren wird Folge geleistet.

**Zweiter Akt**

Der Eiserne Vorhang hat sich gehoben, statt dessen begrenz nun ein weißes Tuch, das als Projektionsfläche für die folgenden Videos dient, den nur wenige Meter tiefen Bühnenraum. Zum Vorspiel des zweiten Akt treibt das Fass im stürmischen Meer umher, bis dass es ans Ufer der Insel Bujan gespült wird. Die Projektionen übersetzen uns das Bild in die Gegenwart: Die vom Mann verlassene Ehefrau mit ihrem kranken Kind ist hilflos den Launen und Bosheiten der eigenen Familie und der Gesellschaft ausgesetzt. Die rettende Insel, auf die Beide sich zurück ziehen, ist die Einsamkeit der eigenen kleinen Wohnung. Dort können die Verfolgten ungestört leben und gemeinsam ihre fantastischen Märchengeschichten ausspinnen, die der Sohn ***Gwidon*** so liebt.

Wir erleben in den wunderschönen, gezeichneten Traumfilmen wie ein Geier einen ***Schwan*** bedroht. ***Prinz Gwidon*** rettet den ***Schwan.*** Eine zunehmend verskribbelnde Projektion verdunkelt den Hintergrundvorhang, und wenn er sich plötzlich wieder erhellt, sehen wir in einem organisch geschwungenen in die Tiefe reichenden Höhlengebilde eine traumschöne Schwanen-Prinzessin, die ihm mit engelsgleicher Menschenstimme dankt und als Geschenk ein Königreich auf der Insel herbei zaubert/zeichnet und Gwidon zu dessen König macht.

***Dritter Akt***

Die Handelsschiffe des Zaren Saltans besuchen Gwidons Königreich. Dieser beklagt, seinem Vater nie begegnet zu sein. Der ***Schwan*** verwandelt ihn in eine Hummel, so dass er mit den Schiffen zum Zaren fliegen kann, um seinen Vater kennen zu lernen. **Hier kommt es zum berühmten „Hummelflug“.** In der Stadt des Zaren angekommen, erzählen die Seeleute von Gwidons wundersamen Inselreich, worauf der Zar beschließt, diese Wunder mit eigenen Augen sehen zu wollen. Militrissas Schwestern und Mütterchen Babaricha versuchen, den Zaren mit weiteren Wunderschilderungen abzulenken: Die vieltürmige Stadt, ein Eichhorn, das goldene Nüsse knackt, und den dreiunddreißig bewaffneten Recken, die dem Meer entstiegen sind. Der ***Zar*** lässt sich nicht abhalten und die Hummel bestraft die bösen Frauen, indem sie sie sticht, alles durch wunderbare Projektionen herrlich bebildert.

**Vierter Akt**

**Gwidon** sitzt am Strand und wünscht sich eine Braut. Er erzählt dem ***Schwan*** von der sagenumwobenen Prinzessin, von der Mütterchen **Babaricha** erzählt hat. Der ***Schwan*** erforscht ***Gwidon*** und erkennt die ernste Absicht des jungen Mannes, worauf sich der Vogel als die schöne **Schwanen-Zarewna** zu erkennen gibt und ihn heiratet.

Der Märchentraum ist vorüber; die bunten Kostüme sind verschwunden. Die Realität ist wieder da. Die Familie kommt ebenso zur anstehenden Hochzeit, wie der Ehemann/Vater. Erstmalig erkennt er, das ein autistisches Kind kein verstoßenswertes Monster, sondern ein liebendes und liebenswürdiges Wesen ist, ein Held seiner eigenen Träume. In seiner Freude, Sohn und Frau wieder gefunden und ihr Verzeihen erhalten zu haben, kann er auch den anderen Frauen ihre Bosheit und Intrige verzeihen. Alle stimmen in den Jubel über die Hochzeit ***Gwidons*** und der reizenden jungen Frau ein, deren Liebe auch Heilung bringen soll. Nur ***Gwidon*** rastet in seiner situativen Überforderung völlig aus, schlägt mit Kopf und Fäusten hysterisch gegen die Wand bis dass er ohnmächtig zusammenbricht. Enttäuschung auf allen Gesichtern: Das Leben ist eben kein Märchen, in dem Wünschen noch geholfen hat.

Großer Applaus für eine hervorragende musikalische und sängerische Leistung. Auch die kleinsten Rollen waren noch mit Spitzensängern besetzt, so daß nicht nur keinerlei Schwächen auftraten, sondern jede einzelne Partie vollumfänglich überzeugte. Geradezu überirdisch der Gesang der ***Schwanen-Prinzessin* Olga Kulchinskaya**, kongenial ihre Kollegin **Svetlana Aksenova** als **Militrissa.** Stimmlich ausgezeichnet, aber vor allem durch seine auffallend glaubhafte schauspielerische Verkörperung des autistischen Jungen bestach **Bogdan Volkov.**

![Theatre Royal de la Monnaie / Das Märchen vom Zaren Saltan - hier : das Ensemble © Forster](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2019/06/tsar-saltan_ensemble-2-foto-forsterneu.jpg)

Theatre Royal de la Monnaie / Das Märchen vom Zaren Saltan - hier : das Ensemble © Forster

**Besetzung**

Musikalische Leitung: **ALAIN ALTINOGLU** (\* 1975, Paris) ist ein französischer Dirigent armenischer Abstammung. Er ist an großen Opernhäusern weltweit zu Gast. Seit Januar 2016 ist **Altinoglu** Chefdirigent am **Theatre Royal de la Monnaie**

Regie und Bühne: **DMITRI TCHERNIAKOV,** 1970 in Moskau geboren. Sein Studium an der Russischen Akademie der Darstellenden Künste schloss er 1993 ab. Tcherniakov entwirft die Bühnenbilder seiner Produktionen ausnahmslos selbst, des öfteren auch die Kostüme. Er ist Träger zahlreicher Auszeichnungen, darunter der italienische Franco Abbiati Preis und die Goldene Maske, Rußlands bedeutendster Theaterpreis.

Kostüme: **ELENA ZAYTSEVA,** in St. Petersburg geboren und beendete 1991 ihr Studium an der Fakultät für Theater-Produktion der St. Petersburg Theatre Arts Academy. Sie arbeitete für das Mariinsky- und das Bolschoi-Theater, bevor sie internationale Arbeiten übernahm.

Videoregie | Beleuchtung: **GLEB FILSHTINSKY,** Seit dreißig Jahren arbeitet der aus St. Petersburg stammende Gleb Filshtinsky als Lichtdesigner und war dabei an mehr als dreihundert Produktionen im Bereich des Musiktheaters, Sprechtheaters, Konzert, aber auch im Event- und Museumsbereich beteiligt.

**Ensemble**

***Zar Saltan:* ANTE JERKUNICA,**  Der gebürtige Kroate ist derzeit einer der gefragtesten Bässe auf internationalen Bühnen. Seit 2006 ist er im Ensemble der Deutschen Oper Berlin, jedoch ist er auch an vielen anderen Bühnen in Gastauftritten zu erleben. **Hunding, Sarastro, Marke** und **Iwan Chowanski** sind Beispiele seiner großen Rollen.

***Zarin Militrissa:* SVETLANA AKSENOVA,** Die in St. Petersburg geborene Svetlana Aksenova studierte Gesang am renommierten Rimsky-Korsakov St. Petersburg State Conservatory, wo sie bereits als Studentin in der Titelrolle von Tschaikowskys »Iolanta« auffiel. Sie verfügt zudem über ein großes Konzertrepertoire.

***Tkatschicha:* STINE MARIE FISCHER,** 2015 debutierte die deutsche Altistin am **Théâtre Royal de la Monnaie** in Brüssel. Seit der Spielzeit 2015/16 gehört die Altistin dem Ensemble der **Staatsoper Stuttgart** an. 2019 folgte ihr Debut in der Elbphilharmonie mit den Hamburger Symphonikern.

***Powaricha:* BERNARDA BOBRO,**  Die aus dem slowenischen Maribor stammende Sopranistin Bernarda Bobro debütierte u.a. 2005 an der Hamburgischen Staatsoper, 2006 bei den Salzburger Festspielen und 2009 am **Théâtre Royal de la Monnaie**. Wegen ihrer exquisiten Technik und brillanten Stimme ist sie international gefragt.

***Babaricha:* CAROLE WILSON,** Die britische Mezzosopranistin debütierte 1995 in Glyndebourne und ist seither an vielen großen Häusern zu Gast.

***Zarewitsch Gwidon*: BOGDAN VOLKOV**, (\* 1989) ist ein ukrainisch-russischer Tenor, der dem Jungen Ensemble des Bolschoi angehört. Für die Rollen in den Produktionen von Weinbergs ***Der Idiot*** und Rimsky-Korsakows ***Schneeflöckchen*** am Bolschoi-Theater erhielt Bogdan Volkov den National Opera Award Onegin.

***Schwanen-Zarewna*: OLGA KULCHYNSKA,** (\*1990) Die ukrainisch-russische Sopranistin gehört ebenfalls dem Jungen Ensemble des Bolschoi an. Im Großen Haus des Bolschoi sang sie bereits die Titelrolle in Rimski-Korsakows ***Die Zarenbraut.***

***Alter Mann:* VASILY GORSHKOV,** Skomoroche / 1\. Seemann**: ALEXANDER VASSILIEV,** Bote / 2\. Seemann: **NICKY SPENCE**, Seemann: **ALEXANDER KRAVETS,** Sinfonieorchester und Chor der la Monnaie., Eine Koproduktion mit dem TEATRO REAL

**Das Märchen vom Zaren Saltan,* von seinem Sohn, den ruhmreichen und mächtigen Recken Fürst Gwidon Saltanowitsch, und von der wunderschönen Schwanen-Zarewna,* Oper in vier Akten und einem Prolog, sieben Bildern, Musik von **Nikolai Rimski-Korsakow,** Libretto von Wladimir Belski nach Alexander Puschkin, Uraufführung am 2\. November 1900 im Theater Solodownikows Moskau mit dem Ensemble der Russischen Privatoper von Sawwa Mamontow

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