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# Bremen, Theater Bremen, LOHENGRIN - R. Wagner, IOCO
- URL: https://www.ioco.de/bremen-theater-lohengrin-ioco/
- Published: 2024-10-05T10:59:53.000Z
- Updated: 2026-06-23T09:39:28.000Z
- Description: Theater Bremen: Selten wird so deutlich wie in Frank Hilbrichs Bremer Neuinszenierung, Besuchte Vorstellung: 3.10.24, von Wagners romantischer Oper, dass Elsa - wie Ludwig II. - eine Außenseiterin ist, die viele der Charakterzüge aufweist .....
- Author: Thomas Birkhahn
- Tags: Kritiken, Oper & Operette, Bremen

Lohengrin von Richard Wagner, Theater Bremen, Bremen, 3.10.24.

![](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/2024/10/richard-wagner-berliner-tiergarten-foto-rainer-maassneugnaz-neu.jpg)

Richard Wagner Denkmal in Berlin @ R Maas

 von **Thomas Birkhahn**

Vielleicht war es gar nicht der märchenhafte Schwanenritter ***Lohengrin*** aus **Richard Wagners** gleichnamiger Oper, sondern die weibliche Hauptfigur ***Elsa von Brabant,*** die **König Ludwig II.** aus Bayern einen fanatischen Wagnerianer werden ließ, nachdem er im Alter von 16 Jahren eine Aufführung des ***Lohengrin*** besucht hatte?

Denn selten wird so deutlich wie in **Frank Hilbrichs** Bremer Neuinszenierung, *Besuchte Vorstellung: 3.10.24*, von **Wagners** romantischer Oper, dass ***Elsa*** \- wie **Ludwig II.** \- eine Außenseiterin ist, die viele der Charakterzüge aufweist, die auch dem bayrischen *„Märchenkönig*“ zugeschrieben werden: Sie flüchtet sich in  
Traumwelten, sie hat kein Interesse an der realen Welt, sie schenkt ihren  
Mitmenschen kaum Beachtung und sie hofft in ihrer Naivität auf den Erlöser **Lohengrin,** dessen Rolle in **Ludwigs** Leben der über 30 Jahre ältere **Richard Wagner** einnahm.

![](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/2024/10/Lohengrin16_Christopher-Sokolowski--Chor-und-Extrachor_Foto-J-rg-Landsberg.jpg)

***Lohengrin** \- Chrisntopher Sokolowski als LOHENGRIN, Chor und Extrachor Foto Jörg Landsberg

**Hilbrich** erzählt in diesem ***Lohengrin*** eigentlich zwei Geschichten: Jene der  
einsamen ***Elsa*** und die Geschichte eines Volkes, das nach Orientierung sucht  
und dann blind und willenlos einem Erlöser folgt, der wie ein Schicksal aus  
dem Nichts hernieder schwebt.  
Diesen Erlöser, den Gralsritter ***Lohengrin***, sehen wir schon im Vorspiel, als er -  
bedeckt von großen Scherben eines Spiegels – erwacht und sieht, wo er nun als  
nächstes im Auftrag des heiligen Grals für Gerechtigkeit sorgen soll:  
Es ist in dieser Inszenierung ein halbrunder, holzvertäfelter Gerichtssaal  
(Bühnenbild: **Harald Thor**), an dessen Wänden in zwei Reihen große Porträts  
von vermutlich bedeutenden Persönlichkeiten aus der Geschichte des Volkes  
von Brabant hängen. Vor der oberen Porträtreihe in einigen Metern Höhe gibt es  
einen schmalen Gang, den man entlang gehen kann.  
Unten im Saal sitzt das fein herausgeputzte Volk *Brabants*, das in dieser  
Inszenierung eine herausragende Rolle spielt. Der bestens aufgelegte Chor des  
Bremer Theaters (Einstudierung: **Karl Bernewitz**) ist ein großartiges Ensemble  
mit warmem Klang und blitzsauberer Intonation.  

Der von **Michal Partyka** mit schneidiger Schärfe gesungene *Heerrufer* bittet das  
Volk, ***König Heinrich von Sachsen*** zu empfangen. **Hidenore Inoue** ist ein  
souveräner Herrscher, der auch stimmlich Autorität ausstrahlt. Er bittet die  
*Brabanter* um Unterstützung im Kampf gegen die Ungarn, gleichzeitig muss er  
einen Streit schlichten, in dem der Edle **Friedrich von Telramund Elsa,** die  
Tochter des verstorbenen *Herzogs von Brabant*, des Mordes an ihrem Bruder  
***Gottfried*** anklagt.  
Selten hat eine Titelfigur einen so effektvollen Auftritt wie in dieser Produktion:  
***Hilbrich*** lässt ***Lohengrin*** eines der Porträts in großer Höhe durchbrechen und  
stark angeleuchtet dastehen. Unter dem Jubel des Volkes blickt er nun im  
silbern-metallisch glänzenden Anzug (Kostüme: **Tanja Hofmann**) - wie es ich  
für einen Erlöser gehört – von oben auf „sein Volk“ herab.  
Doch zunächst muss er den Konflikt zwischen ***Friedrich*** und ***Elsa*** lösen.  
**Elias Gyungseok Han** ist ein großartig wütender ***Friedrich.*** Er hat eine  
bedrohliche Schwärze in der Stimme, mit der er die angestaute Wut dieses  
Anklägers sehr überzeugend vermittelt. Angetrieben von seiner bösartigen Frau  
***Ortrud,*** deren große Stunde erst im zweiten Akt schlägt, kämpft er  
leidenschaftlich um Macht und Ehre.

![](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/2024/10/Lohengrin15_Nadine-Lehner--Elias-Gyungseok-Han_Foto-J-rg-Landsberneu2g.jpg)

Lohengrin - hier Nadine Lehner, Elias Gyungseok Han Foto Jörg Landsberg

**Hilbrichs *Lohengrin*** ist eine joviale, erfrischend unpathetische Frohnatur, kein  
weihevoller Wichtigtuer. Sein Schwert hat er lässig in einem Seesack verstaut.  
Im Kampf mit ***Friedrich*** benötigt er es nicht, er vertraut ganz allein der Kraft  
des Grals und schlägt ihn mit einer großen Bibel k.o.  
**Christopher Sokolowski** verkörpert diesen ungewohnt heiteren ***Lohengrin*** sehr glaubwürdig. Auch seine spätere Verzweiflung, als er und ***Elsa*** nicht mehr  
zueinander finden, nimmt man ihm in jedem Moment ab. Stimmlich meistert  
**Sokolowski** diese Partie ohne hörbare Anstrengung, seine Stimme hat Glanz  
und Strahlkraft und zeigt auch gegen Ende keinerlei Ermüdungserscheinungen.  
Die Gralserzählung beginnt er so zart, als hätte er nicht schon drei Stunden  
oftmals mit voller Kraft gesungen.  
Seine Liebe für ***Elsa*** kennt bei **Hilbrich** keine Grenzen, die beiden können von  
Anfang an kaum voneinander lassen. Offenbar bekommen Gralsritter nur selten  
körperliche Zuneigung vom anderen Geschlecht.  
**Sarah-Jane Brandon** spielt und singt ***Elsa*** mit einer anrührenden Mischung aus Verletzlichkeit und Einsamkeit. Ihr sicher geführter, weicher Sopran lässt die  
Unsicherheit und Verwundbarkeit dieser Figur wunderbar lebendig werden.  
Musikalisch weist **Wagner** besonders im zweiten Akt in die Zukunft. Die große  
Szene des Ehepaars ***Friedrich / Ortrud*** ist mit seiner fiebrigen Dramatik schon  
nah am Musikdrama, das **Wagner** nach dem ***Lohengrin*** neu konzipieren wird.  
**Gyungseok Hans** rabenschwarze Darstellung des ***Friedrich*** findet in dieser  
Szene eine ebenbürtige Entsprechung in der ***Ortrud* Nadine Lehners.** Sie kann  
ihrer Stimme eine Kälte und Härte verleihen, die geradezu beängstigend sind.

![](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/2024/10/Lohengrin6_Inoue--Brandon--Sokolowski--Chor-und-Extrachor_Foto-J-rg-Landsbeneu444rg.jpg)

Lohengrin - hier Inoue, Brandon, Sokolowski, Chor, Extrachor Foto Jörg Landsberg

Dieser ***Ortrud*** möchte man lieber nicht im Dunkeln begegnen, sie ist eine  
rachsüchtige Besessene, die noch an die alten Götter glaubt und mit ihrer  
Zauberkraft die Bibel in Flammen aufgehen lässt. **Hilbrich** findet auch für sie  
starke Bilder, etwa wenn sie sich die Asche der Bibel ins Gesicht schmiert.  
Und spätestens hier müssen Dirigent **Stefan Klingele** und die **Bremer** 
**Philharmoniker** erwähnt werden, denn was **Klingele** und sein Orchester in  
dieser Szene an überkochenden Emotionen aus dem Graben herausschleudern,  
lässt schon **Wagners** „*Tristan*“ vorausahnen. Dies ist Musizieren auf der  
äußersten Stuhlkante und es hätte wohl niemanden gewundert, wenn nicht nur  
die große Bibel, sondern auch **Klingeles** Dirigierpartitur in Flammen  
aufgegangen wäre, so feurig spielt das Orchester.

Aber da ist ja noch die Erzählung des Volkes von Brabant, dass sich dem neuen  
Anführer ***Lohengrin*** unterwirft. Sie gelingt **Hilbrich** in ausdrucksstarken  
Bildern ebenso großartig wie die Geschichte ***Elsas.***  
Ohne kritisches Hinterfragen wird ***Lohengrin*** von Anfang an als Heilsbringer  
bejubelt. Zum Symbol der neuen Zeit werden die wie zum Vogelflug  
ausgestreckten Arme, ein klarer Hinweis Hilbrichs auf eine Zeit, als in  
Deutschland der nach oben ausgestreckte rechte Arm zum Symbol einer  
Bewegung wurde...  
Am Ende des ersten Aktes lässt sich das Volk von ***Lohengrin*** zur Zerstörung  
seines kulturellen Erbes und seiner Geschichte anstiften: Die Porträts werden  
von der Wand gerissen, Bücher werden zerfetzt, Akten vernichtet. Man denkt  
hier unweigerlich an die chinesische Kulturrevolution, als Rotgardisten,  
aufgehetzt von Mao Tse Tung, in rasender Zerstörungswut das Land mehrere  
Jahre ins Chaos stürzten.

Doch **Hilbrich** geht noch weiter: Nicht nur der ohne echte Beweise entehrte und  
geächtete Friedrich wird aus der Gesellschaft ausgestoßen, sondern auch  
diejenigen, die ihm äußerlich ähnlich sehen. Sie werden als Verräter und  
Verwirrte gebrandmarkt. Wer hier nicht an den wachsenden Rassismus in  
Deutschland denkt, hat vermutlich die letzten zehn Jahre auf einer einsamen  
Insel verbracht.  
Die Gleichmachung, die jeder Diktatur innewohnt, schreitet im dritten Akt noch  
mehr voran. Alle tragen nun graue Einheitskleidung, das neue Symbol ist ein  
Schwanen-Ei, welches in die Höhe gereckt wird und schließlich kommen noch  
Fackeln dazu, die sogleich an den 30\. Januar 1933 denken lassen.  
Aber schließlich enden beide Geschichten tragisch – zum Glück, möchte man  
im Falle der Diktatur ergänzen - denn ***Elsa*** missachtet das Frageverbot, das  
***Lohengrin*** ihr auferlegt hat. Man könnte auch sagen, sie nimmt ihr Recht wahr,  
zu erfahren, wer er sei. Wie auch immer, Lohengrin muss zum Gral  
zurückkehren, er verlässt ***Elsa*** und sein Volk, die beide ohne ihn nicht  
lebensfähig sind. Die Trennung von Elsa scheint ihm bei ***Hilbrich*** wesentlich  
mehr zuzusetzen, ***Lohengrin*** klagt sie wütend an. Auch hier ist er nicht der  
weihevolle Gottgesandte, als den man ihn schon oft gesehen hat. Das Leben als  
Gralsritter scheint kein Spaß zu sein, er wäre gerne geblieben.

Was **Frank Hilbrich, Stefan Klingele** und allen Beteiligten mit diesem  
***Lohengrin*** gelingt, ist nicht weniger als eine Sternstunde des Musiktheaters!  
Eine absolut überzeugende Regie und durchweg großartiges Musizieren sorgen  
für einen Opernabend, den man lange im Gedächtnis behalten wird!

## [*LOHENGRIN* \- THEATER BREMEN - alle Termine, Karten - link HIER](https://theaterbremen.de/de%5FDE/programm/lohengrin.1361860?ref=ioco.de)

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## Wie überzeugt Christopher Sokolowski in der ungewohnt heiteren Titelrolle?

Sokolowski verkörpert den jovialen, unpathetischen Lohengrin glaubwürdig und meistert die Partie mühelos mit glanzvoller, strahlkräftiger Stimme bis zum Schluss ohne Ermüdung.