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# Bremen, Theater Bremen, Fidelio - Ludwig van Beethoven, IOCO Kritik, 05.10.2018
- URL: https://www.ioco.de/bremen-theater-bremen-fidelio-ludwig-van-beethoven-ioco-kritik-05-10-2018/
- Published: 2018-10-06T07:00:07.000Z
- Updated: 2025-01-29T15:33:09.000Z
- Author: Michael Stange
- Tags: Oper & Operette, Kritiken, Bremen

![logo_theater_bremen](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2016/11/logo_theater_bremen.jpg)

[Theater Bremen](http://www.theaterbremen.de/?ref=ioco.de)

![Theater Bremen / Theater am Goetheplatz © Jörg Landsberg ](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2016/11/goe_beleuchtet2-joerg-landsberg_150.jpg "Theater Bremen / Theater am Goetheplatz © Jörg Landsberg ")

Theater Bremen / Theater am Goetheplatz © Jörg Landsberg

# ***Fidelio* \- Ludwig van Beethoven**

***\- Grandiose Bremer Freiheitsode -***

Von **Michael Stange**

![Ludwig van Beethofen © IOCO](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2018/10/ludwig-van-beethovenneu2017.jpg)

Ludwig van Beethofen © IOCO

**Beethovens *Fidelio*** wurde nach der Aufführung der dritten revidierten Fassung zum Symbol des siegreichen Freiheitskampfes gegen **Napoleon.** Die großen Bühnen in Deutschland und Europa brachten das Werk in zügiger Folge heraus. **Goethe,** damals Intendant des Hoftheaters in Weimar, nahm ***Fidelio*** schon 1816 ins Programm, **Carl Maria von Weber** dirigierte 1823 die Dresdner Erstaufführung, 1830 wurde die Oper erstmals in Paris gegeben, 1831 folgte die Premiere in London.

**Richard Wagner** erlebte das Werk mit 16 Jahren 1829 in Leipzig. Dies führte zum Entschluss Opernkomponist zu werden und die Themen Treue und Aufopferungen bildeten zeitlebens einen zentralen Aspekt seiner Opern.

Die politische Aktualität der Oper besteht fort. Politische Gefangene, Unrechtsysteme, Folterungen, Unterdrückung, staatliche Gewalt, Lebensgefahr und Terror prägen heute den Alltag von Millionen von Menschen.

Daran knüpft die Inszenierung von **Paul-Georg Dittrich** an. ***Leonore*** ist eine liebende Frau, die - auch um ihren Gatten zu befreien - gegen die herrschenden politische Gewalt kämpft, um die Freiheit ihres Mannes zu erreichen und letztlich auch die Willkürherrschaft zu beenden.

![Theater Bremen / Fidelio - hier : Myrisol Schalit, Christoph Heinrich, Nadine Lehner, Joel Scott © Jörg Landsberg](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2018/10/fidelio001neu.jpg)

Theater Bremen / Fidelio - hier : Myrisol Schalit, Christoph Heinrich, Nadine Lehner, Joel Scott © Jörg Landsberg

In einer Zeitreise durch Theatergeschichte erinnert **Dittrich** durch Videosequenzen an frühere historische Ereignisse in Paris, Leningrad und Deutschland an und nimmt Bezug auf dortige ***Fidelio***\-Inszenierungen aus den jeweiligen Epochen seit der Entstehung der Oper.

Gleichzeitig stellt er Teilhabe an und Einmischung in politische Prozessen als wichtige Aufgabe des Einzelnen dar. Durch Einbeziehung des Publikums in die Handlung fordert er zur Aktivität, zur Emanzipation und zur Positionierung auf. Zuschauerraum und Bühne verschwimmen ineinander. Sechzig Zuschauerinnen und Zuschauer werden im 2\. Akt an einen großen Tisch auf die Bühne gebeten werden und das Finale wird von Chor und Ensemble vom 2\. Rang herunter gesungen. Dieses Konzept geht auf und steigert ungemein die Botschaft des Werks durch die Involvierung des Publikums.

![Theater Bremen / Fidelio - hier - Christian-Andreas Engelhardt, Claudio Otelli, Tischgesellschaft © Jörg Landsberg](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2018/10/fidelio017neu.jpg)

Theater Bremen / Fidelio - hier - Christian-Andreas Engelhardt, Claudio Otelli, Tischgesellschaft © Jörg Landsberg

**Yoel Gamzou** ist ein Glücksfall für das **Theater Bremen**. Schon in der Ouvertüre zeigen er und die ihm mit Spielfreude, technischer Brillianz und Feuer folgenden Bremer Philharmoniker eine temporeiche, spannende nuancierte Wiedergabe. Die ausgewogene Orchesterbalance und die stete Hörbarkeit der Streicher erzeugen durchgängig ein präsentes und beeindruckendes Orchesterbild. Poesie im 1\. Akt paart sich mit dramatischer Attacke im 2\. Akt. Welches Feuer die Bremer Philharmoniker aufbringen, zeigt die Videoinstallation der Leonoren Ouvertüre vor dem Finale in der das Orchester auf der Leinwand zu sehen ist. In diesem Farbreichtum und dieser Präzision dürfte das andernorts kaum zu hören sein.

Gesanglich bewegt sich die Aufführung auf höchstem Niveau. **Nadine Lehner** gelingt als ***Leonore*** trotz ihrer eher lyrischen Stimme ein farbenreiches Rollenportrait mit dramatischer Attacke und farbenreichen Facetten. **Claudio Otelli** ist ein ***Pizarrro*** mit ausladendem Bariton, heldischer Attacke und abgrundtiefer Bösartigkeit.

![Theater Bremen / Fidelio - hier : Nadine Lehner, Claudio Otelli © Jörg Landsberg](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2018/10/fidelio011.jpg)

Theater Bremen / Fidelio - hier : Nadine Lehner, Claudio Otelli © Jörg Landsberg

**Christian-Andreas Engelhardt** überzeigt als **Florestan** auf ganzer Linie. Mit baritonalem Timbre meistert er furchtlos mit ausgeglichener, bruchloser Gesangslinie in allen Registern die Arie des ***Florestan*** im 2\. Akt. Wuchtig und durchschlagskräftig gelingen ihm auch die hohen Töne des himmlischen Reichs. **Christoph Heinrich** portraitiert einen sympathischen ***Rocco*** mit sonorem und rundem Bass. **Marysol Schalit** ist vom Timbre her fast über die ***Marcelline*** hinausgewachsen. Gleichwohl gelingt ihr ein gesanglich exzellentes Portrait mit berührendem, strahlenden Ton und brillanter Geläufigkeit auch in den hohen Lagen. **Joel Scott** ist ein lyrischer und durchschlagskräftiger ***Jaquino.*** Diese ausgezeichnet Sängerriege rundet der **Don Fernando** von **Daniel Ratchev** ab, der Autorität und lyrische Gesangslinie glücklich vereint.

Mit diesem **Fidelio** ist dem **Theater Bremen** musikalisch und szenisch ein großer Wurf gelungen.

***Fidelio*** am **Theater Bremen;** die nächsten Termine: 4.11.; 10.11.; 16.12.2018; 10.1.2019

\---| IOCO Kritik Theater Bremen |---