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# Braunschweig, Staatstheater Braunschweig, Faust - Charles Gounod, IOCO Kritik, 24.12.2019
- URL: https://www.ioco.de/braunschweig-staatstheater-braunschweig-faust-charles-gounod-ioco-kritik-24-12-2019/
- Published: 2019-12-24T08:00:45.000Z
- Updated: 2023-09-06T13:00:34.000Z
- Author: Redaktion
- Tags: Aktuelles aus der Theaterwelt, Kritiken, Lohengrin, Braunschweig

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[Staatstheater Braunschweig](http://www.staatstheater-braunschweig.de/?ref=ioco.de)

![Staatstheater Braunschweig © Stefan Koch](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2014/06/staatstheater_braunschweig_588_auss.jpg)

Staatstheater Braunschweig © Stefan Koch

# ***Faust* \- Charles Gounod**

## ***\- Faust folgt dem Satan .... Spannungsreiche Inszenierung -***

von **Christian Biskup**

Das **Staatstheater Braunschweig** kann seit der Uraufführung des **Faust I.** am 19\. Januar 1829 im alten **Hagenmarkttheater** eine besondere **Faust**\-Tradition aufweisen. Während **Charles Gounods** Oper als **Margarethe** bis zum zweiten Weltkrieg regelmäßig auf den Plänen des Theaters stand, so war das Stück danach nur noch selten zu sehen. Nun steht das Werk nach einem Libretto von **Jules Paul Barbier** und **Michel Florentin Carré** in einer temporeich-amüsanten Inszenierung wieder auf dem Spielplan.

*Die Handlung ist schnell erzählt*: ***Faust*** ist seines Lebens überdrüssig, er sehnt sich nach der Jugend und will sein Dasein mit einem Giftbecher beenden. Er hadert mit Gott, ruft Satan zu sich, der ihm **Marguerite** in einer Vision erscheinen lässt. Bei einem Volksfest unterstellt **Valentin** seine Schwester **Marguerite** dem Freunde **Siebel,** da er in den Krieg ziehen muss. Zur allgemeinen Erheiterung will **Wagner** ein Lied anstimmen, doch Méphistophélès unterbricht ihn und verkündet die tragischen Kriegsschicksale einiger anwesender Männer und höhnt **Marguerites** Schönheit. ***Valentin*** will ihn bekämpfen, doch **Satans** Macht ist stärker und die Menge geht auseinander. Nun hat **Faust** freie Bahn zu **Marguerite,** doch sie lehnt seinen Arm ab.

****Faust *\-* Charles Gounod**youtube Trailer des Staatstheater Braunschweig **\[ Mit erweitertem Datenschutz eingebettet \]**

In **Marguerites** Haus: **Siebel** bringt Blumen, **Méphistophélès** jedoch ein prächtiges Schmuckkästchen, welches **Marguerite** und **Marthe** in Begeisterung versetzt. Während **Méphistophélès Marthe** umspielt, kann sich **Faust** dem Objekt seiner Sehnsucht nähern und erlangt mit Satans Hilfe schließlich ihre Liebe. Ein Jahr später ist **Marguerite** jedoch allein – **Faust** hat sie verlassen, sie ihr gemeinsames Kind getötet. In der Kirche sucht sie Schutz, doch statt Gottes Trost verflucht **Méphistophélès** ihr Leben. **Faust** jedoch empfindet Reue, kehrt zu ihrem Haus zurück, wird dort von **Valentin** empfangen, den er im Duell tötet. Seine letzten Worte verfluchen seine Schwester. **Faust** und **Méphistophélès** zieht es zum Hexensabbat auf den Blocksberg. **Faust** jedoch will zu **Marguerite,** die auf ihr Richturteil wartet. Sie verzichtet auf Rettung durch den **Satan.** Während er sie verdammt, verkündet ein himmlischer Chor ihre Erlösung.

Auf dieses Bühnenwirksame Libretto komponiert **Gounod** eine Partitur, die ganz in der Tradition der Opéra-comique steht, jedoch auch schon einige Wagnerismen enthält. Die Inszenierung von **Markus Bothe** überzeugt durch eine lebendige Personenführung, großen Detailreichtum, raffinierte Nutzung der Drehbühne und ein hohes Tempo. Den ersten Akt verlegt **Bothe** von **Fausts** Studierstube in ein Krankenhaus, wo **Faust** in einem Bett zuckend vor sich hin siecht und schließlich zum Giftbecher (hier mit Schlaftabletten gefüllt) greifen möchte. Auf seinen Ruf *„Satan erwache*“, springt **Satan** hinter einem Vorhang hervor, der **Faust** mit ein paar pyrotechnischen Effekten von seinen übernatürlichen Kräften überzeugt. Gemeinsam ziehen sie in leicht morbides Wirtshaus, in dem fröhlich gezecht und gefeiert wird. Mit dem *„Rondo vom goldenen Kalb“* merkt der Besucher spätestens, dass **Méphistophélès** im Fokus der Inszenierung steht und dass er alle Fäden der Handlung in der Hand hält. Er lässt die Feiergesellschaft – toll choreografiert – herumzucken und schließlich in der zweiten Strophe in eine große Prügelei übergehen. Weitere kleine Zaubertricks, wie die Verwandlung von Bier in Wein oder die Entwaffnungen **Valentins,** lassen auch die Gesellschaft erfahren, mit wem sie es zu tun haben. **Faust** und **Marguerite** rücken dabei etwas in den Hintergrund und können sich erst zum Ende des Aktes in den Vordergrund spielen.

![Staatstheater Braunschweig / Faust - hier :Valentin Anikin als Mephitopheles, Kwonsoo Jeon als Faust © Bettina Stoess](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2019/12/gpfaust58_c_bettina_stoess_150.jpg)

Staatstheater Braunschweig / Faust - hier :Valentin Anikin als Mephitopheles, Kwonsoo Jeon als Faust © Bettina Stoess

Der dritte Akt spielt in **Marguerites** Zimmer. So unschuldig wie ihre Seele ist das Zimmer gestaltet (Bühne Robert Schweer). Weiß-hellblaue Tapeten, weiße Holzvertäfelungen, ein Kruzifix an der Wand, ein Fenster zum Park raus. Wie romantisch gelingt der Auftritt Siebels mit Blumenstrauß durch das Fenster, wie glänzend das Anlegen des Schmuckes, aus dem innerlich leuchtenden Schmuckkästchen! Doch auch hier zeigt der Regiesseur seinen Humor – direkt nach **Méphistophélès** Auftritt, hängt dieser seine Jacke über das Kruzifix. Durch stetige Auf- und Abtritte der Personen, aber auch durch die Allgegenwärtigkeit **Méphistophélès,** der gestisch das Geschehen im Zimmer auch von außerhalb kommentiert, wird der lange dritte Akt keinen Moment langweilig. Besonders sein Spiel mit Marthe ist an Komik kaum zu übertreffen. Trotzdem bleiben auch die Gefühle, auch Dank schöner Lichtregie, beim Zusammenkommen der beiden Protagonisten nicht auf der Strecke!

Umso krasser wirkt die Trostlosigkeit des Raumes im vierten Akt – fahles Licht, ein fast leerer Raum. Dazu passt auch der moderne Kircheninnenraum der Kirchenszene. Geradezu widerwärtig, lässt **Markus Bothe *Méphistophélès*** hinter dem Altar erscheinen, sich über diesen zu **Marguerite** emporräkeln, um in einem Höhepunkt seine Arme verfluchend um sie, von einem bedrohlich maskierten Chor umgeben, zu schlingen.

Der letzte Akt ist im Vergleich zu den vorherigen starken Akten etwas schwach geraten. Während der Bacchanal-Musik von **Louis Schindelmeisser** räumen Bühnenarbeiter die Bühne leer und geben den Blick auf ein gigantisches Skelett im Bühnenhintergrund frei, dessen Bedeutung sich dem Autoren nicht erschließt - **Marguerite** steht, von Leere umgeben alleine in der Mitte, Faust kann nicht richtig zu ihr vordringen. Die Szene wird so aufgelöst, dass **Marguerite** in den Hintergrund geht, der himmlische Chor schirmt ihn von seiner Geliebten ab.

Neben der starken Regie, ist auch die teils überragende Leistung des Ensemble ein Grund die Produktion zu sehen. Mit **Ekaterina Kudryavtseva** stand der Publikumsliebling der Braunschweiger als **Marguerite** zur Verfügung. Mit ihren langsam zum dramatischen neigenden, flexiblen Sopran konnte Sie das Publikum schnell für sich gewinnen. Anmutig, schlicht und anrührend gestaltete sie das Lied des "*Königs von Thule"*, wenige Minuten später mit gezielten Spitzentönen und flüssigen Koloraturen die *Juwelenarie.* Ihr unschuldiges Spiel ist glaubhaft, umso stärker wirkt ihre Verzweiflung, die sie auch stimmlich in dramatischen Ausbrüchen umsetzen kann. *Das Publikum dankte mit viel Applaus und Bravo-Rufen.*

![Staatstheater Braunschweig / Faust - hier : Valentin Anikin als Mephitopheles, Ekaterina Kudryavtseva als Marguerite](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2019/12/gpfaust167_c_bettina_stoess_150.jpg)

Staatstheater Braunschweig / Faust - hier : Valentin Anikin als Mephitopheles, Ekaterina Kudryavtseva als Marguerite

Als **Faust** agierte der Koreanische Tenor **Kwonsoo Jeon.** Sein stimmliches Material, seine gute Diktion, aber auch sein Spiel, überzeugte. Seine Höhe hat strahlkraft und beeindruckt besonders durch die scheinbare Mühelosigkeit, die selbst beim hohen C der Kavatine „*Salut, demeure chaste et pure*“ keine große Anstrengung verrät. Dennoch bleibt er aufgrund der satanistischen Überpräzens etwas blass.

**Valentin Aniken** singt als **Méphistophélès**  und besonders spielt die komisch-bösartige Figur so stark, dass man sich wahrscheinlich keinen besseren Darsteller mehr vorstellen kann. Groß, schlaksig und mimisch enorm wandlungsfähig füllt er die Rolle köstlich aus. Das er nicht nur die zahlreichen kleinen Gags des Regisseurs, sondern auch dämonische Boshaftigkeit kann, zeigt das Ende des dritten Aktes: **Faust** erringt **Marguerite** und **Satan** hat seinen Vertrag erfüllt – dämonisches Lachen!

Stimmlich verfügt **Aniken** über einen voluminösen, volltönenden Bass mit starker Tiefe und baritonal glänzender Höhe. Leider ist seine Diktion und Aussprache teilweise so ungenau, dass man gar nicht feststellen kann, in welcher Sprache die Oper gerade gegeben wird. Dennoch wird das „*Rondo vom goldenen Kalb“* nicht nur szenisch, sondern auch gesanglich ein Fest für die Ohren.

Neben den drei Hauptpersonen, konnten auch die Sänger der kleineren Rollen – übrigens wurden sämtliche Rollen aus dem Ensemble besetzt – überzeugen. Wunderbar naiv in ihrer Hosenrolle gestaltete **Milde Tubelyté** die Partie des ***Siebel.* Zachariah N. Kariithi** übernahm die Rolle des **Valentin**, die er besonders beim Verfluchen des Schwester ausdrucksstark auszufüllen vermochte. Beim Gebet des Valentin blieben die Emotionen aufgrund des etwas übermäßigen Vibratos zum Teil auf der Strecke. Weniger überzeugen konnte **Zhenyi Hu** als **Marthe,** was sicherlich auch an der etwas undankbaren Partie lag. **Jisang Ryus** wohlgeformt-klare Bassstimme konnte man in der kleinen Partie des **Wagner** hören.

Ebenfalls zum Erfolg des Abends trug das **Staatsorchester Braunschweig** unter Leitung des 1\. Kapellmeisters **Christopher Lichtenstein** bei. Nachdem es bei der recht schwachen Ouvertüre noch zaghaft zuging und ein wenig im Zusammenspiel wackelte, änderte sich der Klang ab der ersten Gesangsnummer. Französische Leichtigkeit, Eleganz aber auch duftige Harfenarpeggien erfüllten den Theatersaal. Gerade kirchlich anmutende Elemente kostet er aus. Das Zusammenspiel zwischen Bühne und Graben war einwandfrei. Lichtenstein dirigiert sängerfreundlich, die Balance ist stets gegeben, wobei er dem Temperament auch freien Lauf ließ. Das orchestrale Highlight war dabei sicher das mitreißende Bacchanal von Schindelmeisser in der Walpurgisnacht. Der Chor (Einstudierung **Georg Menskes**) agierte bestens disponiert und mit großes Spielfreude!

*Das Publikum dankt allen Mitwirkenden mit großem Applaus.*

Besprochene Vorstellung vom **20.12.2019 19.30 Uhr**

**Faust** von **Charles Gounod** am **Staatstheater Braunschweig;** letzte Vorstellung dieser Spielzeit am 28.12.2019Vorstellungen

\---| Pressemeldung Staatstheater Braunschweig |---