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# Braunschweig, Staatstheater Braunschweig, DANTE - Oper Benjamin Godard, IOCO Kritik, 10.05.2023
- URL: https://www.ioco.de/braunschweig-staatstheater-braunschweig-dante-oper-benjamin-godard-ioco-kritik-10-05-2023/
- Published: 2023-05-10T13:38:10.000Z
- Updated: 2026-06-23T09:39:18.000Z
- Author: Christian Biskup
- Tags: Revue, Kritiken, Oper & Operette, Braunschweig

DANTE von Benjamin Godard, Staatstheater Braunschweig, Braunschweig, 10.05.2023.

![](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2018/02/logo_braunschweig_100.jpg)

[Staatstheater Braunschweig](http://www.staatstheater-braunschweig.de/?ref=ioco.de)

![Staatstheater Braunschweig © Stefan Koch](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2014/06/staatstheater_braunschweig_588_auss.jpg)

Staatstheater Braunschweig © Stefan Koch

## ***DANTE* \- Oper von Benjamin Godard**

#### ***\- Grandiose Neuentdeckung am Staatstheater Braunschweig -***

von **Christian Biskup**

**Benjamin Godard**? Nie gehört! Jetzt aber schon, denn das **Staatstheater Braunschweig** bringt mit **Godards** Oper **Dante** eine richtige Rarität auf die Bühne. Doch wer war überhaupt dieser **Benjamin Godard?**

Geboren im Paris des Jahres 1849, wuchs **Godard** in einer musikliebenden Kaufmannsfamilie auf. Er erlernte Geige, ging an das Pariser Konservatorium, wo er unter anderen bei **Henry Vieuxtemps** studierte und fing dabei auch an zu komponieren. Im Grunde ist dies ein häufig anzutreffender Lebenslauf im musikalischen Frankreich des 20\. Jahrhunderts. Und obwohl er nur 45 Jahre alt wurde, er starb an der Tuberkulose, hinterließ er ein umfangreiches Werk mit fünf Opern, von denen die Oper **Dante** aus dem Jahr 1890 die vorletzte sein sollte.

![Staatstheater Braunschweig / DANTE - Oper von Benjamin Godard hier das Ensemble © Bjoern Hickmann](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/wp-content/uploads/2023/05/dante-gp-019-c-bjoernhickmannneu1.jpg)

Staatstheater Braunschweig / DANTE - Oper von Benjamin Godard hier das Ensemble © Bjoern Hickmann

Das vieraktige Bühnenwerk handelt, besuchte Vorstellung 7.5.2023, wie sollte es anders sein, von **Dante Alighieri,** dem legendären Dichter der ***Göttlichen Komödie***, wobei Librettist **Édouard Blau** verschiedene Szenen aus **Dantes** doch nur spärlich bekanntem Leben auf die Bühne bringt und sie mit einer Idée fixe, nämlich der Liebe ***Dantes*** zu ***Béatrice,*** verbindet. So finden wir uns im ersten Akt der Oper in einem Saal der Stadt Florenz wieder. Hier ist das Leben los – die Guelfen und Ghibellinen sind in einer lautstarken Auseinandersetzung, als **Dante** hinzutritt und vermitteln will, doch nur Spott erntet. Zurück in seinem Arbeitszimmer trifft der beunruhigte Dichter auf seinen alten, frisch verlobten Jugendfreund **Simeone Bardi.** Als Dank dafür, dass er einem einflussreichen Mann politisch helfen und aus einer Zwangslage befreien konnte, soll er dessen Tochter zur Frau erhalten. Zu ***Dantes*** Entsetzen ist es jedoch **Béatrice,** eine Jugendliebe, die er zurückgewinnen möchte. Doch auch **Béatrice** ist entsetzt über ihre eigene Verlobung. Sie liebt ***Dante,*** was sie auch ihrer Vertrauten ***Gemma*** berichtet. Die Situation eskaliert, als ***Dante*** – vom Volk zum Stadtoberhaupt gewählt – jegliche politische Einflussnahme ablehnt. Béatrice tritt vor die Menschenmasse und erklärt, dass er sich der Pflicht stellen müsse, um geliebt zu werden. ***Dante*** nimmt die Wahl an und verbannt im zweiten Akt seine politischen Gegner. **Bardi** – der um seine Hochzeit fürchtet und in diesem Eindruck auch noch durch das Ansinnen ***Gemmas,*** auf ***Béatrice*** zu verzichten, verstärkt wird – scharrt **Dantes** politische Gegner um sich, um das dichtende Stadtoberhaupt zu entfernen. ***Béatrice,*** die zunächst standhaft zu ihrem Versprechen gegenüber ***Bardi*** hält und erst spät ***Dante*** ihre Liebe gesteht, wird ins Kloster geschickt.

Der dritte Akt beginnt mit einer Gruppe junger Menschen, die sich begeistert mit dem Werk ***Vergils*** beschäftigt. ***Dante*** jedoch ist verzweifelt und fleht den antiken Dichter um Beistand für sein geplantes großes Werk. Und tatsächlich – plötzlich steht **Vergil** leibhaftig vor ***Dante*** und kündigt an, ihn in Sphären der Inspiration zu führen. So öffnet sich das Höllentor, gefolgt von einer Vision des Himmels, wo auch die geliebte **Béatrice** wieder für ihn erscheint. Doch es ist nur ein Traum. Kaum wach, steht ***Bardi*** vor ***Dante*** und bittet um Vergebung, die ihm gewährt wird, als er Dante zu seiner **Béatrice** lässt. Sie ist jedoch todkrank. Während sie noch von einer gemeinsamen Zukunft träumen, stirbt ***Béatrice.*** Die Oper endet mit **Dantes** Versprechen, sie in seinem Werk unsterblich zu machen.

![Staatstheater Braunschweig / DANTE - Oper von Benjamin Godard hier Zachariah N. Kariithi, Milda Tubelyte © Bjoern Hickmann](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/wp-content/uploads/2023/05/dante-gp-111-zachariah-n-kariithi-milda-tubelyte-c-bjoernhickmannneu2.jpg)

Staatstheater Braunschweig / DANTE - Oper von Benjamin Godard hier Zachariah N. Kariithi, Milda Tubelyte © Bjoern Hickmann

Obgleich das Libretto einige Schwächen hat und unerklärte Kehrtwendungen aufweist, gelingen **Édouard Blau,** Foto oben, einige schöne Massenszenen und Konfrontationen, von denen – auch musikalisch – das Aufeinandertreffen von ***Gemma*** und ***Bardi*** im zweiten Akt den Höhepunkt bildet. Stellenweise lahmen Handlung und Musik, was jedoch aufgrund der bildgewaltigen und ausgefeilten Inszenierung von **Philipp Himmelmann** kaum auffällt. Dieser bringt das Libretto ohne große Umdeutungen auf die Bühne und beweist, wie man auch mit konventionellen Mitteln Symbolik und Deutungsansätze vermitteln kann. Schon zu Beginn, wenn die Parteien aufeinandertreffen, zeigt sich eine mitreißende Chorchoreografie, die die aufwallenden Gemüter vollkommen widerspiegelt. Die Personen werden hervorragend geführt und im dritten Akt gelingt ein eindrucksvolles Stück Theatermagie. Die jungen Literaten sitzen mit ihrem alten Lehrer in ***Dantes*** Studienraum. Bücherregale und ein großes florentinisch anmutendes Gemälde prägen den Raum. Wer das Programmheft gelesen hat, weiß natürlich, dass jetzt **Vergil** „plötzlich“ vor ***Dante*** erscheinen muss. Es tut sich aber lange nichts – bis eben plötzlich der antike Dichter mit Tunika und Lorbeerkranz aus dem strahlend erleuchteten Bild steigt. Kaum hebt er die Hände, gehen sämtliche Bühnenwände in die Höhe und geben Blick auf die Hölle frei. Gebrechen, Krankheit, Not, Dahinsiechen – das infernalische Bild ist gut getroffen. Dann beginnt sich die Drehbühne immer schneller zu drehen. Der Höllensturm beginnt – und inmitten der sündhaften Seelen zeigt sich bereits ***Bardi,*** umgarnt von den infernalischen Sündern. Seine Seele scheint bereits verdammt und verloren. Doch ***Vergil*** will auch den Himmel zeigen. Der Chor zieht sich zurück, bildet einen Halbkreis und wird zu Gottes Ehre verkündenden Engeln. Obgleich noch unter den Lebenden, setzt **Himmelmann** bereits hier ***Gemmas*** und ***Béatrices*** Seelen in den hohen Sphären. Hier offenbart sich das Schwarz-Weiß-Denken der Librettovorlage. Die Figuren entwickeln sich nicht. Dass der Abend trotzdem nie ins Stocken gerät, liegt zum einen an der Drehbühne, die mit Ihren aufwendigen Bildern (Bühne: **Paul Zoller**) und schnellen Szenenwechseln immer dynamisch bleibt, zum anderen an der ausgefeilten und detailreichen Personenführung **Himmelmanns.**

Musikalisch erlebt man einen durchweg beglückenden Abend. Bis in die kleinste Partie singt das Ensemble des **Staatstheater Braunschweig**. Allen voran überzeugt das „Paar“ ***Gemma*** und ***Bardi.***

**Zachariah N. Kariithi** zeigt sich mit seinem volltönend-strahlenden Bariton bestens disponiert, und hinterlässt auch schauspielerisch einen starken Eindruck in seiner Rolle als vollkommen von Rache besessenen Bösewicht ***Simeone Bardi.*** Gemeinsam mit **Milda Tubelyte** als ***Gemma*** schaukeln sie sich in ihrer dramatischen Szene im zweiten Akt zu Höchstleistungen hoch. Ihr Sopran ist sehr flexibel im Ausdruck, glasklar und zeigt besonders in der Höhe eine glühend-volle Stimmfarbe.

![Staatstheater Braunschweig / DANTE - Oper von Benjamin Godard hier Kwonsoo Jeon, Ekaterina Kudryavtseva © Bjoern Hickmann](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/wp-content/uploads/2023/05/dante-gp-148-kwonsoo-jeon-ekaterina-kudryavtseva-c-bjoernhickmannneu3.jpg)

Staatstheater Braunschweig / DANTE - Oper von Benjamin Godard hier Kwonsoo Jeon als Dante, Ekaterina Kudryavtseva als Beatrice © Bjoern Hickmann

**Kwonsoo Jeon** übernahm die undankbare Partie des ***Dante,*** dem **Godard** nur einen kurzen Moment mit Melodie und Lyrismen im ersten Akt vergönnt. Der erste Tenor des Hauses vermag gerade diese Stelle mit betörender Kopfstimme und Phrasierung zu singen, bevor er im Grunde ständig gegen das aufwallende Orchester anzusingen hat. Obwohl ohne große Pausen, zeigt **Jeon** bis zum Schluss keine Ermüdungserscheinungen und vermag seinen – teils etwas unsauber geführten – Tenor bis zum Schluss vollmundig einzusetzen. **Ekaterina Kudryavtseva,** seine ***Béatrice,*** ist zu Recht seit Jahren eine der gefeiertsten Sängerinnen am Staatstheater. Saubere Stimmführung, dramatische Höhe, lyrisch-intime Zurücknahme prägen ihre Gesangskultur, die ganz das Wesen der reinen, jugendlichen, aber auch verzweifelten Geliebten Dantes verkörpert. Die Rolle des **Vergil,** der **Godard** einen der dankbarsten Melodiehappen komponierte, fand seinen idealen Interpreten im Bassisten **Jisang Ryu,** der den antiken Dichter in gewichtiger, feierlicher Manier gab. Viel Applaus für das Sängerteam und den bestens einstudierten Chor und Extrachor.

Das Orchester unter die Leitung von **Mino Marani** nimmt sich der Musik leidenschaftsvoll an, gerät jedoch manchmal etwas zu dick, ohne dabei jedoch weitgehend die Sänger zuzudecken. **Marani** kostet den Pathos der Komposition mit den oft gewichtigen Schlusswendungen sehr aus und treibt das bestens disponierte Blech zu strahlend warmen Höhen. Die Komposition selber ist eine Mischung aus **Gounod** und **Bizet,** wobei vor allem harmonische Parallelen mit den *Perlenfischer* des letztgenannten auszumachen sind. **Godard** vermag allerdings nie die leidenschaftliche Intensität oder anmutende Melodik der Vorbilder zu erreichen. Zu oft verfällt Godard ins Floskelhafte und vermag auch nur wenige intime Momente zu schaffen. Die aufwallenden Wogen und dramatischen Schreie aus dem Orchester sind sehr präsent, es ist fast dauerhaft laut komponiert, als würde der Komponist mit Bleifuß auf dem Gaspedal durch das Stück leiten. Die Musik ist dabei aber nicht schlecht. Handwerklich ist das sehr solide, teils sogar wirklich inspiriert und mit Humor gespickt. Eindrucksvoll ist so das zupackende Thema in der Szene zwischen ***Gemma*** und ***Bardi*** im zweiten Akt, das mit seiner vorwärtsdrängenden, glühenden Begierde an die rund 10 Jahre später entstandene Begegnung zwischen ***Tosca*** und ***Scarpia*** erinnert. Auch die Höllenszene mit dem Jammerchor ist ein bemerkenswerter Musikeffekt mit großer Wirkung. Obgleich **Godard** Zeit seines Lebens behauptete, nie einen Blick in einer Partitur des von ihm verachteten **Richard Wagner** geworfen zu haben, belehrt die Höllenmusik die Zuhörer eines Besseren.

*Was bleibt von dem Abend?* **Godards** Oper ***Dante*** ist ein weiteres Beispiel für die französische Opernkultur zur Zeit der zweiten Hälfte des 19\. Jahrhunderts. **Bizet's *Carmen*,** **Gounods *Faust*** sowie einige Werke von **Massenet** sind noch auf den Spielplänen geblieben, während ein Großteil ebenfalls qualitativer Bühnenstücke verschwunden ist.

**Im Staatstheater Braunschweig gibt es mit der Oper DANTE eine wahre Rarität zu hören, die – wenn sie auch von der Komposition nicht immer überzeugen kann – doch vor allem eines zu zeigen vermag: Richtig gute Theater- und Ensemblearbeit existiert auch abseits der großen Opernmetropolen.**

#### [***DANTE* \- Staatstheater Braunschweig - alle Termine, Tickets - Link HIER!**](https://staatstheater-braunschweig.de/?ref=ioco.de)

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## Lohnt sich die Wiederentdeckung von Godards Oper Dante in Braunschweig?

Ja, trotz Libretto-Schwächen gelingt dank Himmelmanns bildgewaltiger, detailreicher Inszenierung eine grandiose Neuentdeckung dieser Rarität.