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# Brandenburg, Brandenburger Theater, ELEKTRA - Richard Strauss, IOCO
- URL: https://www.ioco.de/brandenburg-theater-brandenburg-elektra-richard-strauss-ioco/
- Published: 2024-05-27T13:52:53.000Z
- Updated: 2026-06-23T09:39:17.000Z
- Description: Brandenburger Theater: Richard Strauss Elektra nachdem antiken Tragödiendichter Sophokles beschreibt aus dem Atridenmythos die Rache der Geschwister Orest und Elektra an den Mördern ihres Vaters Agamemnon. Agamemnons Frau Klytämnestra .......
- Author: Michael Stange
- Tags: Oper & Operette, Kritiken

Elektra von Richard Strauss, Brandenburger Theater, Brandenburg.

***ELEKTRA* von Richard Strauss im Brandenburger Theater** \-   **Fulminante Regie, beglückende Titelheldin mit großartigem Ensemble**

 von **Michael Stange**

Ursprung von **Richard Strauss´ *Elektra*** ist das gleichnamige Stück des antiken Tragödiendichters **Sophokles.** Dort beschreibt dieser eine Episode aus dem Atridenmythos der die Rache der Geschwister ***Orest*** und ***Elektra*** an den Mördern ihres Vaters ***Agamemnon*** thematisiert. ***Agamemnons*** Frau ***Klytämnestra*** und deren Geliebter ***Aigisth*** haben ihn nach seiner Rückkehr von einem Feldzug ermordet.

![](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/2024/05/richard-strauss-walhalla-foto-hgallee-neu55.jpg)

Richard Strauss Büste in Walhalla @ HGallee

Mord, Schuld, Sühne und Fluch sind prägende Elemente der [Atridensage.](https://de.wikipedia.org/wiki/Atridenfluch?ref=ioco.de) Der ihr entstammenden gleichnamige Fluch beschreibt eine Prophezeiung der Götter. Danach soll sich in jeder Generation seines Geschlechts ein Mörder gegen die Sippe wenden. Er werde die Familie bis in die fünfte Generation in eine unheilvolle Folge von Gewalt und Verbrechen stürzen.

In **Sophokles** Drama hat ***Agamemnon*** zuvor seine Tochter ***Iphigenie*** geopfert. Aus Rache dafür und weil beide sich seiner entledigen wollen, töten ihn ***Klytämnestra*** und ihr Geliebter. Beide werden Jahre später wiederum von Agamemnons Sohn Orest getötet. In **Aischylos** ***Orestie*** werden die Rachegeister nach diesem Mord Anklägerinnen ***Orests*** Anklägerinnen in einem Gerichts-verfahren. Göttin ***Athene*** erkennt aufgrund einer Stimmengleichheit auf Freispruch. So wird die Kette von Gewalt und Gegengewalt durchbrochen.

![](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/2024/05/Barbara-Krieger--EnricoNawrathNEU1.jpg)

***ELEKTRA hier Barbara Krieger als Elektra** @ Enrico Nawrath

Der aus Rache und Mord entstehende Kreislauf ist eines der Urmotive der griechischen Tragödie. Tod wird in Blutrache durch Mord in Selbstjustiz gerächt. So wird der Muttermord ***Klytämnestra*** als Rache für den Vatermord an ***Agamemnon*** als legitim angesehen.

In der Oper ***Elektra*** wird eine moralisch verwerfliche Welt in Endzeitstimmung gezeigt, die an die Gesellschaft von **Wagners** „*Ring des Nibelungen“* erinnert. Alle Protagonisten sind voller Hass oder Angst; Folge der mörderischen Vergangenheit und der ungewissen künftigen Rache für ihre Taten.

**Strauss** und **Hoffmansthal** haben mit dieser Oper die Tür zum Psychodrama in der Oper noch weiter als **Wagner** aufgestoßen und eine der zentralen Opern des zwanzigsten Jahrhunderts geschaffen.

Fortgesponnen wurde diese Erzählung unter anderem in Hollywood mit den genannten „*Revenge-Movies“*, in denen sich Frauen, die oft bereits dem Wahnsinn verfallen sind, spektakulär für erlittene Gewalt rächen. Mord, Rache und Gewalt wurden auch dort in ihrer ganzen Wucht präsentiert.

In **Strauss *Elektra*** lebt die Königstochter **Elektra** ausgestoßen von ihrer Familie außerhalb des Palasts wie eine Dienerin. Ihre Mutter **Klytämnestra** und ihr Stiefvater **Aegisth** haben vor vielen Jahren ihren Vater König **Agamemmon** ermordetet. Sie sinnt auf Rache für diesen Mord und das ihr angetane Unrecht. Sehnsüchtig erwartet sie ihren Bruder **Orest*,* den sie vor dem Paar gerettet hat und der in der Ferne bei Fremden aufwuchs. Als er von ***Elektra*** zunächst unerkannt aus der Fremde heimkehrt, nimmt das Schicksal seinen Lauf. **Orest** erschlägt ***Klytämnestra*** und ***Aegisth***. Nach einem wahnsinnigen Tanz findet ***Elektra*** den Tod.

***Elektra*** lebt in ihrer Innenwelt. Wesentlicher Teil ihrer Erinnerung ist das hündisch vergossene Blut des Königs **Agamemnon*.* Die anderen Personen werden nur begrenzt von ihr wahrgenommen. Dies ist ihr Schutz, um zu überleben. Für ihre Schwester **Chrysothemis** nimmt sie weder die Rollen von Vater, Mutter oder Schwester ein. Seelenlos, am Schicksal der Schwester innerlich unbeteiligt, will sie sie lediglich als Werkzeug für ihre Mordpläne benutzen.

**Strauss** hat in ***Elektra*** Psychogramm einsamer, verletzter und mit teils tödlicher Wut gefüllter Seelen entfesselt, von denen ***Elektra*** die Zerrissenste und am gröbsten Verletzte ist. Diese Erzählung hat er dramatisch furios mit einem opulenten Orchester versehen. Bisher nicht gekannte voluminöse Ausbrüche stehen neben subtilen, von **Strauss** als „*Nervencontrapunkt“* bezeicheten, Klangfarben.

![](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/2024/05/Sotiris-Charalampous-EnricoNawrathNEU333.jpg)

****ELEKTRA hier Sotiris Charalampous** als Orest ©Enrico Nawrath 

Besonders stark wird dies in ***Klytämnestra*** Angstzuständen, der Erkennungs-szene zwischen ***Elektra*** und ***Orest*** und im Finale. Seine ***Elektra-***Vertonung nannte **Strauss** auch „psychische Polyphonie“.

Die Fieberphantasien von **Richard Wagners *Tristan*** werden in der ***Elektra*** fortgesetzt und intensiviert. Neurotiker und psychisch Kranke wie ***Elektra, Salome*** und ***Herodes*** stellen eine völlig neue Generation von Protagonisten auf der Opernbühne dar. Hieran schloss dann später unter anderem **Alban Berg** mit *Lulu* und *Wozzeck* an.

Die **Brandenburger** Inszenierung greift viele dieser Hintergründe geschickt auf. Das Bühnenbild besteht aus stehenden und hängenden Metallelementen mit unterschiedlich angeordneten Verstrebungen aus Panzertape, die einem Tarnnetz der Armee gleichen. Sie werden passend zur Szene mit faszinierenden Lichteffekten ausgeleuchtet, so dass eine Bildlandschaft mit faszinierenden Impressionen entsteht. In der Mitte der Bühne steht die Urne des toten Königs ***Agamemnon,*** über die sein Königsmantel hängt, den ***Elektra*** später überstreift.

Für die Kostüme zeichnet **Hannes Ruhland** verantwortlich. Gelernter Damenschneidermeister und an der Modeschule München ausgebildeter Stylist war er langjährig als freischaffender Designer und bei Escada tätig. Heute betreut er unter anderem seine eigene Kollektion *„Shapes & Patterns“.* Durch die luxuriöse Wahl eines derart beschlagenen Designers wartet die Brandenburger ***Elektra*** mit vollendeten, die Charaktere subtil zeichnenden Kostümen auf: **Barbara Krieger** trägt ein militärisch geschnittenes Kleid mit integrierten Shorts, über das sie zeitweise den Königsmantel trägt. Geschickt werden so Weiblichkeit, gesellschaftlicher Rang und der mörderische Auftrag versinnbildlicht. ***Orest*** ist gleichfarbige uniformiert während Klytämnestra und Chrysothemis blutrot tragen. So werden schon durch Kostümschnitt und Farben die Lager der unter-schiedlichen Parteien verdeutlicht Die **Mägde** erinnern in Gewändern an die Hexen in *Macbeth.* ***Aegisth*** ist ein viriler junger Krieger mit Goldpanzer.

![](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/2024/05/Barbara-Krieger_-EnricoNawrathNEU2.jpg)

***ELEKTRA hier Barbara Krieger als Elektra** @ Enrico Nawrath

Regisseur **Alexander Busche** erweist sich als Meister der Licht- und Personen-führung. Zentrum des Raums ist eine metallenen Vase, die einer Urne gleicht und auch die Asche **Agamemnons** Bergen könnte. Die unterschiedlichen Szenen werden mit eindrucksvollen Lichteffekten untermalt. Mal schlangengleich verschlagen und mal elegant verführerisch bewegt sich **Barbara Krieger** gefährlich amazonengleich aber auch verführerisch im Dialog mit ***Klytämnestra*** durch den Raum. ***Orest*** ist ihr äußerlich in sich ruhender Gegenpol, der nur selten wütend auffährt. Hier ist das Stück entsprechend der Musik inszeniert und unterstützt die Entwicklung des Dramas

**György Mészáros** konnte das packend rauschhafte Musiktheater mit den **Brandeburger Symphonikern** packend umsetzen. Gespielt wurde die orchestral reduzierte mit etwa fünfzig Musikern, die hinter dem Bühnenbild spielten. Neben der Wucht der Emotionen gelangen auch die Zwischentöne, Kontraste und kammermusikalische Elemente. **Mészáros** bewältige auch die schwierige Aufgabe ohne unmittelbaren Kontakt mit den Sängerinnen und Sängern ein großes Drama zu erzeugen. Insgesamt überzeugte das Orchester durch ein differenziertes und packendes Klangbild. Den Musiker gelang eine ergreifende Farbpalette, es wurde mit grandioser innerer Beteiligung gespielt.

**Barbara Kriegers *Elektra*** war von lyrisch glühender Intensität. Mit immensem vokalem Einsatz und einer breiten Palette an Stimmfarben gelangen ihre die Momente der eigenen Verletzlichkeit aber auch der tückischen Gefahr, die von ***Elektra*** ausgeht, mit faszinierender Seelentiefe. In ihren Monologen und den Dialogen mit ***Orest*** und ***Klytämnestra*** entwickelt sie eine verzehrende Intensität und große darstellerische Präsenz. Sie war technisch unglaublich sicher und so mit der Partie verwachsen, dass sie ihre stimmlichen Qualitäten durchweg ausspielen konnte. Darstellerische Intensität, paarte sich mit atemberaubendem stimmlichen Umfang von der Tiefe bis in die höchsten Lagen. und berückendem Timbre. Die Stimme behielt stets einen sonoren Klang, blieb in der Gesangslinie und prunkte mit großer Wortdeutlichkeit. Schauspielerisch ging sie in der Rolle vollendet auf. Eine besondere Herausforderung für sie lag auch darin, dass sich das **Brandenburger Theater** für die ungekürzte Fassung entschieden hatte. Ein beeindruckendes Rollendebut.

![](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/2024/05/Yvonne-Elisabeth-Frey--Barbara-Krieger--EnricoNawrath-1.jpg)

***ELEKTRA hier Barbara Krieger als Elektra, l, Yvonne Elisabeth Frey als Chrysothemis, r,** @ Enrico Nawrath

Als ***Chrysothemis*** bestach **Yvonne Elisabeth Frey** mit hellem lyrisch-dramatischen Sopran. Mit jugendlichem Feuer goss sie ihre Träume und Sehnsüchte in blühende und raumfüllende Klänge. Einer der Glanzpunkte war auch der Dialog mit ***Elektra*** im Finale. Ihre Rolle gestaltete sie mit Verve und Intensität. **Gráinne Gillis *Klytämnestra***war mit dunkel volltönendem Mezzosopran und teils keifenden Höhen weniger ein starker Widerpart als eine Frau, der schon der Tod dämmerte und die darüber verzweifelte. Wut und Verletzlichkeit stellte sie mit großer Authentizität und involviertem Spiel dar.

**Frederik Baldus** war ein raumgreifender ***Orest*** mit lyrisch heldischem Bariton. Trotz seiner weich lyrischen Tongebung gelangen ihm dramatische Attacken, so dass er den furchteinflößenden Rächer glaubwürdig darstellte. Durch seine Rollenidentifikation machte er insbesondere die Wiedererkennungszene zu einem großen Moment der Vorstellung. **Sotiris Charalampous** war ein Playboy, der die Rolle des ***Aegisth*** mit italienischem Spinto und unglaublich warmer und voluminöser baritonaler Tongebung und prächtigen hohen Tönen füllte. Eine beglückende Leistung.

Die ***Mägde* Denise Seyhan**, **Oleksandra Diachenko**, **Anna Werle**, **Nataliia Ulasevych**, und **Natallia Baldus** erinnerten an ***Macbeth*** Hexen und glänzten mit prächtigem stimmlichen Einsatz.

Grandios wurde musiziert und gesungen. Dies und die szenische Umsetzung wurde vom Publikum frenetisch gefeiert. Eine großartige Leistung, die in ihrer Wucht jedem großen Opernhaus zur Ehre gereicht hätte.

## [***ELEKTRA* \- Brandenburger Theater - alle Termine, Karten - link HIER!**](https://brandenburger-theater.reservix.de/p/reservix/event/2119290?ref=ioco.de)

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## Lohnt sich der Besuch der Brandenburger Elektra-Inszenierung?

Ja, die fulminante Regie, eine beglückende Titelheldin und ein großartiges Ensemble greifen die psychologischen Hintergründe des Werks geschickt auf.