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# Bonn, Theater Bonn, Thaïs: Farbenreiches Massenet-Fest im Bonn, IOCO Kritik, 17.05.2014
- URL: https://www.ioco.de/bonn-theater-bonn-thais-farbenreiches-massenet-fest-im-bonn-ioco-kritik-17-05-2014_2-2/
- Published: 2014-05-23T15:00:14.000Z
- Updated: 2023-09-06T12:21:02.000Z
- Author: Redaktion
- Tags: Kritiken, Karten, Bonn

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[Theater Bonn](http://www.theater-bonn.de/?ref=ioco.de)

![Bonn / Theater Bonn - Thais © Thilo Beu](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2014/05/thais-1024.jpg "Bonn / Theater Bonn - Thais © Thilo Beu")

Bonn / Theater Bonn - Thais © Thilo Beu

# ***Thaïs:* Große Produktion, Stürmischer Lohn**

Die Spielpläne großer Musiktheater favorisieren große wie populäre Opern: **Die Zauberflöte, La traviata, Carmen, Aida** werden immer und überall auf der Welt inszeniert; die sängerische Auswahl ist groß, hohe Zustimmungswerte des Publikum sind garantiert. Risiken beschränken sich auf das Regiekonzept, welches Intendanten vorab prüfen und vergleichen können. Große, nicht populäre Opern zu inszenieren zeugt dagegen von Mut, hoher Kreativität und künstlerischem Gestaltungswillen. Das **Theater Bonn** nahm die kompositorisch großartige aber selten gespielte Oper **Thaïs** von **Jules Massenet** erst nach kontroverser Abwägung auf seinen Spielplan: Auffällig und anhaltend bejubelte das Publikum dort am 19\. Mai 2014 die **Thaïs** Premiere. Und belohnte all jene hinter der Bühne, welche für diese **Thais** Produktion gekämpft haben. Doch der Reihe nach.

![Theater Bonn / Thais © Thilo Beu](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2014/05/thais-1301.jpg "Theater Bonn / Thais © Thilo Beu")

Theater Bonn / Thais © Thilo Beu

**Jules Massenet (1842 – 1912)** war um 1900 der populärste französische Komponist. **Ambroise Thomas, Charles Gounod** und **Franz Liszt** waren seine frühen Lehrmeister. **Massenet** zeichnete in seinen über 20 großen Opern menschliche Gefühlswelten in sinnlich melodiösen Farben; nie grell oder rau, immer sensibel harmonisch. Seine Werke **Manon** und **Werther** finden sich in vielen Theater Spielplänen; **Thaïs, Don Quichote, Le Cid,** und **Cendrillon (Aschenputtel)** nur selten. Die meisten Opern **Massenets** werden nicht gespielt. In der Entstehung und Komposition von **Thaïs** spielt **Massenets** Beziehung zur amerikanischen Sopranistin **Sybil Sanderson** eine überragende, nie geklärte Beziehung; Muse, Geliebte, Mentorin? Müßig, nach über 100 Jahren solchen Fragen nachzugehen. **Sybil Sanderson** sang die **Thaïs** in den Uraufführungen von 1894 wie der endgültigen Fassung von 1898.

![Theater Bonn / Thais © Thilo Beu](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2014/05/thais-1321.jpg "Theater Bonn / Thais © Thilo Beu")

Theater Bonn / Thais © Thilo Beu

Das Instrumentalstück für Solovioline **Méditation** aus **Thaïs** ist jedermann geläufig. Die Oper **Thais,** dem 1890 erschienenen Roman **Thais** von **Anatole France** entnommen, kennen dagegen nur wenige. Die Handlung der Oper kreist um die Antagonismen von Daseinsfreude in Form der in Alexandria lebenden ägyptischen **Hetäre / Kurtisane Thaïs** und dem von Askese und Buße bestimmten **Ordensbruder Athanaël**. **Athanaël** erscheint im Traum die Aufforderung, **Thaïs** „zu bekehren“. **Athanaël** bekennt sich zu dem Bekehrungauftrag, letztendlich zu einem ungewöhnlichen Preis: Während sich **Thaïs** nach ihrer Bekehrung im Kloster der Erlösung zuwendet (ihre letzten Worte: "**Ich sehe….Gott"**) schwört der durch Selbstzweifel und ***Thais´*** Tod zerstörte Gottesmann **Athanaël,** dass auf Erden doch die menschliche Liebe die einzige Wahrheit ist.

![Theater Bonn / Thais © Thilo Beu](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2014/05/thais-1004.jpg "Theater Bonn / Thais © Thilo Beu")

Theater Bonn / Thais © Thilo Beu

Regisseur **Francisco Negrin** bringt den Dualismus von jenseitsgewandtem Mönchsdasein wie lebensfroher Sinnlichkeit in ruhigen, geradezu hypnotisch fokussierenden Bühnenbildern (**Rifail Ajdarpasic**) eindrucksvoll zur Geltung. Bereits das erste Bühnenbild, **Athanaël** geißelt sich an einem übergroßen Kreuz begleitet von dem Chorgesang betender Mönche, erzeugt eine ergreifende, meditative Grundstimmung. Eine riesige, mit zahllosen Strahlern besetzte Sonnenscheibe begleitet die Handlung ebenso stimmungsvoll wie die lebensfrohen aber nie lasziven Kostüme (**Ariane Isabell Unfried**) der ägyptischen Frauen oder die spartanische, in Halbdunkel getauchte Drehbühne, welche **Thais** qualvolle Wanderung ins Kloster aufwühlend abbildet. Ein gelassen wandelnder Weiser **(Yuhi-Rango Binama**) und vier die Albträume der Protagonisten tänzerisch abbildende Schakale, runden das schlüssige wie ergreifende Regiekonzept dieser **Thais**\-Produktion des **Theater Bonn** ab.

**Massenets** Opern sind sinnlich, emotionsgeladen. Doch zuallererst sind sie melodisch anspruchsvolle Stimmfeste. **Thaïs** verlangt für seinen Farbenreichtum ein lyrisches wie gut disponiertes Sängerensemble, dazu ein der sensiblen Komposition gewachsenes Orchester. **Stefan Blunier** führte das Bühnen-Ensemble mit sanfter Hand. Mit seinem **Beethoven Orchester Bonn** erzeugt **Blunier** sensibel differenzierend die **Massenet-**gewollten, spannungsgeladenen Klangräume von atemberaubender Dramatik, gelegentlich vielleicht noch etwas sehr massiv. Besondere Aufmerksamkeit erzielt natürlich die populäre leitmotivische ***Méditation.*** Soloviolinist **Mikhail Ovrutsky** beschreibt die Zerrissenheit der **Thaïs** ergreifend zart in warm flutendem Vibrato.

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Theater Bonn / Thais © Thilo Beu

**Nathalie Manfrino** in der Partie der **Thaïs** ist eine starke Besetzung. Mit profunder Mittellage, ergreifendem Belcanto, optischen Reizen und starker Ausdruckskraft bannt **Manfrino** als goldfarbene Verführerin wie als tragische Asketin. Ihre einfühlsam vorgetragene **Spiegelarie** wird zum ergreifenden Ausdruck einer empfindsamen Frau, welche das Alter fürchtet. Der **Aserbeidschaner Evez Abdulla** überrascht von Beginn an in der Partie des Bruders **Athanaël** mit wohltimbrierter Stimmgewalt. Noch mehr erstaunt, wie sicher **Abdulla** seine erste große Partie in französischer Sprache mit gleichbleibender Intensität und Strahlkraft gestaltet. Die peinigenden Seelennöte des **Athanaël** angesichts des göttlichen Auftrages und seinen irdischen Wünschen bringt **Abdulla** auchdarstellerisch fesselnd auf die Bühne. **Mirko Roschkowski** füllt seine Partie als **Nicias** mit kräftig hellem Tenor und körperlicher Präsenz. **Priit Volmer** wiederum kontrastierte als alter Mönch **Palémon** mit gepflegtem schwarzem Bass. Auch **Susanne Blattert** als **Äbtissin Albine** und **Charlotte Quadt** und **Stefanie Wüst** als **Sklavinnen** harmoniertenund rundeten die stimmlich wie darstellerisch gelungene Premiere einer großen aber selten gespielten Oper ab.

![Theater Bonn / Enemble © IOCO](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2014/05/thais-ensemble_theater-bonn_foto-ioco.jpg "Theater Bonn / Enemble © IOCO")

Theater Bonn / Enemble © IOCO

Dem **Theater Bonn** gelang mit dieser mutigen **Thaïs** Produktion ein großer Wurf. Ungewöhnlich, mit welcher Verve das Publikum die **Thais** Inszenierung, das **Beethoven Orchester** und **Ensemble** feierte. Man schien sich einig, die mitreißende Premiere einer seltenen Opern-Produktion erlebt zu haben. In dieser Spielzeit wird **Thaïs** noch am **1.6., 4.6., 7.6., 12.6., 20.6\. und 27.6.2014** zu sehen sein. Danach wird **Thaïs** erst wieder in der übernächsten Spielzeit 2015/16 zu sehen sein.

**IOCO** / Viktor Jarosch / 27.05.2014.

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