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# Bonn, Theater Bonn, Premiere Giovanna d´Arco von Giuseppe Verdi, IOCO Kritik, 26.10.2014
- URL: https://www.ioco.de/bonn-theater-bonn-premiere-giovanna-darco-von-giuseppe-verdi-ioco-kritik-26-10-2014/
- Published: 2014-10-29T17:00:08.000Z
- Updated: 2023-09-06T12:25:34.000Z
- Author: Redaktion
- Tags: Kritiken, Karten, giuseppe verdi, Verdi, Bonn

![bonn_theater_bonn](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2013/10/bonn_theater_bonn.jpg)

[Theater Bonn](http://www.theater-bonn.de/?ref=ioco.de)

![Theater Bonn © Thilo Beu](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2013/01/theater-bonn-4-c-theater-bonn.jpg "Theater Bonn © Thilo Beu")

Theater Bonn © Thilo Beu

#   **Der frühe *Verdi:* Fest des Belcanto - Fest der Sinne** 

**Premiere 26.10.2014**; weitere Vorstellungen; 29\. Oktober 2014; 8.11.2014; 16.11.2014; 23.11.2014; 27.11.2014; 5.12.2014; 7.12.2014; 11.12.2014; 07.01.2015; 11.01.2015; 17.01.2015

![ Bonn / Giovanna d´Arco / Giacomo und Giovanna © Thilo Beu](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2014/10/ioco-giovanna-2406.jpg " Bonn / Giovanna d´Arco / Giacomo und Giovanna © Thilo Beu")

Bonn / Giovanna d´Arco / Giacomo und Giovanna © Thilo Beu

**Giuseppe Verdi**, 1813 - 1901, komponierte 28 Opern. Die Schaffenskraft des *Bauern von Roncole* (er nannte sich gern nach dem von französischen Truppen besetzten Dörfchen bei **Busseto**) war in jungen Jahren hoch. **Verdi** bezeichnet diese Jahre später als seine „*Galeerenjahre“*: 20 Opern komponierte er von 1839 bis 1855\. Der Grund für diesen Fleiß war irdisch profan: Seine frühen Erfolge sollten ihn nicht auf die **Mailänder Scala** beschränken. **Verdi** wollte auch in Rom, Venedig und anderswo erfolgreich sein. So komponierte **Verdi** in den Jahren 1844, 1845, 1847 und 1849 zwei Uraufführungen pro Jahr. Nur drei Monate nach ***I due Foscari*** in Rom fand am 15\. Februar 1845 fand die Uraufführung von **Giovanna d´Arco** an der **Mailänder Scala** statt. Für die ***Scala*** hatte **Verdi** zuvor schon **Oberto, König für einen Tag, Nabucco** und **Die Lombarden** komponiert. Auch ***Giovanna d´Arco*** ihres Mailänder Lokalhelden **Giuseppe Verdi** wurde an der **Scala** vom Publikum begeistert gefeiert. **Verdi** bewertete ***Giovanna d´Arco*** zu diesem Zeitpunkt als sein reifstes Werk. Tatsächlich findet man in dieser Oper vieles, was den späteren ***Verdi*** auszeichnen wird: Kompositorische Farbenpracht, welche, gut auf die Bühne gebracht, Sinne und Gehör des Hörers flutet.

![Theater Bonn / Giovanna d´Arco / Giacomo Aniskin © Thilo Beu](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2014/10/ioco-giovanna-0388.jpg "Theater Bonn / Giovanna d´Arco / Giacomo Aniskin © Thilo Beu")

Theater Bonn / Giovanna d´Arco / Giacomo Aniskin © Thilo Beu

Am Thema der **Giovanna d´Arco (Jeanne d´Arc)** haben sich viele Dichter und Komponisten versucht: **Shakespeare, Schiller, Mark Twain** aber auch **Tschaikowsky, Honegger, Braunfels** und eben **Giuseppe Verdi.** Und wenn es heißt, **Verdis** **Giovanna d´Arco** basiere auf **Friedrich Schillers** romantischer Tragödie **Die Jungfrau von Orleans**, so unterscheiden sich die Handlungen beider Werke doch erheblich. **Schillers** Werk verwebt Motive und Handeln von 21 Charakteren, während **Verdi** in seinem Werk mit nur 5 Solisten und großem Chor neue kompositorische Ansätze für den ***Belcanto*** probt: Die kompositorische Gestaltung innerer Ängste und Konflikte wie Reverenzen an **Vincenzo Bellini** treiben **Verdi**. Verschiedene Tonarten der Protagonisten, große Arien und Chöre, instrumentale Differenzierung von *Gut (Engel = Frauen + Harfe)* und *Böse (Dämonen= tiefe Männerstimmen + Harmonium)* sollen alles Geschehen versinnlichen. **Verdis** Librettist **Temistocle Solera** reduziert die Handlung denn weitgehend auf die Charaktere von **Giovanna d´Arco, König Carlo VII** und ihres ***Vater Giacomo*** und formt zwischen ihnen eine historisch unbelegte Liebe-/ Haß-Beziehungen. **Solera** sieht so in seinem Libretto nur wenig Nähe zu **Friedrich Schillers** Werk. Die Plausibilität der Handlung dieser Oper sollte daher, wie in vielen anderen Opern, nicht zu hoch bemessen werden.

![Theater Bonn / Giovanna d´Arco / Talbot Tzonev Delil Georg © Thilo Beu](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2014/10/ioco-giovanna-2186.jpg "Theater Bonn / Giovanna d´Arco / Talbot Tzonev Delil Georg © Thilo Beu")

Theater Bonn / Giovanna d´Arco / Talbot Tzonev Delil Georg © Thilo Beu

Inszenierung und Bühne gestalteten **Momme Hinrichs** und **Torge Moller (*fettFilm*)**, indem sie der Handlung und dem Sinnlichen durch Video-Projektionen sichtbare Dynamik und Gestalt verleihen. *Mapping,* nicht einfaches Zuspielen von Videofilme, lautet die technische Zauberformel der Bonner Produktion. Video-Projektionen verändern fließend das Bühnenbild aus sich selbst heraus, verlieren alles abrupte: Treppen beginnen fast unmerklich zu rollen; ***Giovanna*** erschrickt betend vor der Erscheinung ihres eigenen, sichtbar gewordenen Antlitz (Bild), während die sie jagenden Dämonen unsichtbar als Chöre im Hintergrund klingen; blühende Rosenhecken ranken sich den Bühnenvorhang hinauf.....

![Theater Bonn / Giovanna d´Arco / Jacquelyn Wagner © Thilo Beu](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2014/10/ioco-giovanna-0127.jpg "Theater Bonn / Giovanna d´Arco / Jacquelyn Wagner © Thilo Beu")

Theater Bonn / Giovanna d´Arco / Jacquelyn Wagner © Thilo Beu

Schon im Prolog der Oper zeichnet **fettfilm** in sublimen bewegenden Bildern das Leben der **Giovanna.** Eine *Entrückte,* keine *Verrückte:* Der Tod in lodernden Flammen; ihre jungen Jahre; vor einem Kreuze kniend betend; eine vom Vater betriebene Ehe brüsk abweisend; selbstlos ihrer Bestimmung folgend, Frankreich von den Engländern zu befreien. Nicht männlich-rohes Schlachtgetümmel, rauhe Rezitative oder drehende Bühnen formen diese Inszenierung. Projektionen verwandeln im ersten Bild den Palastaufgang unmerklich weich in einen dunklen Abendwald. Nachdenklichkeit und Ruhe, innere Freuden und blanke Nöte der Protagonisten werden sensibel gezeichnet. Zur feinsinnigen Charakterbeschreibung nutzen **Momme Hinrichs** und **Torge Moller** in ihrer Bonner Inszenierung die Ausdrucksformen moderner Technik. So werden keine Schränke oder Wände krachend vom Schnürboden herunter gelassen, Bühnenarbeiter zurren keine Gestelle fest.Mapping, Projektionen stützen Emotionen, Gefühle, Handlung.

Dazu ein prächtiges Orchester, ein starkes Ensemble, ein riesiger wunderbar geführter Chor und diese frühe Oper **Verdis,** von etablierten Regisseuren gern gemieden, wird im **Theater Bonn** zu einer ***Belcanto***\-Erfahrung der besonderen Art.

![Theater Bonn / Giovanna d´Arco / Giacomo Giovanna Carlo © Thilo Beu](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2014/10/ioco-giovanna-2396.jpg "Theater Bonn / Giovanna d´Arco / Giacomo Giovanna Carlo © Thilo Beu")

Theater Bonn / Giovanna d´Arco / Giacomo Giovanna Carlo © Thilo Beu

Als *Man of the Match* wird Dirigent **Will Humburg** nach der Premiere gekürt. Lebendig und präzise führte **Humburg** das ***Beethoven Orchester Bonn*** und schuf eine harmonische Abstimmung mit dem Ensemble und dem Engel, Dämonen und Volk darstellenden, riesigen Chor und Extrachor (**Volkmar Olbrich**) des **Theater Bonn**. Die zentrale Sopran-Partie der **Giovanna** war mit **Jacquelyn Wagner** überaus wohltuend besetzt: Als große, schlanke Erscheinung gibt sie der von Engeln und Dämonen getriebenen Frau mit lyrisch höhensicherer Stimme und durchgeistigter Darstellung ihren sphärischen, übersinnlichen Charakter. Der Erfolg eines Opernabends gelingt immer nur durch die Harmonie des Ensembles. So auch am **Theater Bonn: George Oniani** strahlte mit sicher kräftigem *Belcanto* und darstellerischer Präsenz in der Partie des **König Carlo.** **Maxim Aniskin** imponierte als **Giacomo, Giovannas Vater,** und leuchtete mit gut geformtem Bariton die Zwiespältigkeit seiner Partie darstellerisch gut aus. Die englischen und französischen Offiziere, mit **Christian Georg** und **Martin Tzonev** stimmlich stark besetzt, rundeten die starke Ensembleleistung am Premierenabend ab.

**Premiere 26.10.2014; weitere Vorstellungen;** 29\. Oktober 2014; 8.11.2014; 16.11.2014; 23.11.2014; 27.11.2014; 5.12.2014; 7.12.2014; 11.12.2014; 07.01.2015; 11.01.2015; 17.01.2015

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![Theater Bonn / Giovanna d´Arco / Regisseure Hinrichs Moller © Thilo Beu](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2014/10/torge-momme-084.jpg "Theater Bonn / Giovanna d´Arco / Regisseure Hinrichs Moller © Thilo Beu")

Theater Bonn / Giovanna d´Arco / Regisseure Hinrichs Moller © Thilo Beu

**Giuseppe Verdi** flutete mit seinem *Belcanto*\-Werk **Giovanna d´Arco** Sinne und Gehör der Besucher im **Theater Bonn**. Die moderne Inszenierung von **Momme Hinrichs** und **Torge Moller *(fettFilm*)** blendet zudem sperriges der jungen **Verdi**\-Komposition aus und entwickelte mit prächtig aufgelegtem Ensemble und Orchester eine moderne und szenisch überaus starke **Giovanna d´Arco.** Das ausverkaufte Theater dankte lautstark. Weitere Kompositionen des jungen **Verdi** am **Theater Bonn** wurden angekündigt.

**IOCO /** Viktor Jarosch / 28.10.2014

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