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# Bonn, Theater Bonn, Fidelio - realer Befreiungsaufruf - für Kurden, IOCO, 04.01.2020
- URL: https://www.ioco.de/bonn-theater-bonn-fidelio-realer-befreiungsaufruf-fuer-kurden-ioco-04-01-2020/
- Published: 2020-01-05T08:00:23.000Z
- Updated: 2023-09-06T13:00:42.000Z
- Author: Redaktion
- Tags: Ballett, Tanz & Bewegungskunst, Premieren, Pressemeldungen & Nachrichten, Kritiken, Premiere, Bonn

![bonn_theater_bonn](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2013/10/bonn_theater_bonn.jpg)

[Theater Bonn](http://www.theater-bonn.de/?ref=ioco.de)

![Theater Bonn © Thilo Beu](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2013/01/theater-bonn-4-c-theater-bonn.jpg)

Theater Bonn © Thilo Beu

# ***Fidelio -* Ludwig van Beethoven**

## **Beethoven-Jahr - Beginn mit real politischer Befreiungsoper**

von **Viktor Jarosch**

![Ludwig van Beethoven Denkmal in Bonn © IOCO](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2010/04/ludwig-van-beethovenneu2017.jpg)

Ludwig van Beethoven Denkmal in Bonn © IOCO

Der Weltgeist **Ludwig van Beethoven,** wurde vor 250 Jahren, am 17.12.1770 in Bonn geboren. Zu dieser Zeit pulsierte in Bonn das Musikleben in allen Ausprägungen; in der Hofkapelle, in Kirchen, in der Oper. **Maximilian Franz** (1756-1801), musikaffiner Sohn von **Maria Theresia von Habsburg**, kam 1784 in seine neue Residenzstadt Bonn, um dort als **Kurfürst von Köln** und **Fürstbischof von Münster** die Regierungs-geschäfte seiner Bistümer zu leiten. **Beethovens** Vater Vater war zu dieser Zeit Sänger am Bonner Hof, sein Großvater zuvor Kapellmeister. So wuchs **Ludwig van Beethoven** in eine blühende Musikkultur hinein: Orgel spielte er bereits mit 11 Jahren Orgel in Kirchen, Klavier bei den Kammermusikern des Kurfürsten, Bratsche im Hoftheater. Auch der Kurfürst lernte **Beethoven** früh schätzen: er sendet ihn nach Wien, um bei **Joseph Haydn** für die **Bonner Hofkapelle** musikalisch weiter ausgebildet zu werden. Doch Wien wurde für **Beethoven** zu seiner neuen Heimat: von persönlichen Krisen und Hörbeschwerden stark behindert, wuchs er dort zu jenem musikalischen Weltgeist, der in der ***Europahymne*** der **Europäischen Gemeinschaft** (Vertonung von **Schillers** **Ode an die Freude**) täglich hörbar und spürbar ist.

***Fidelio am Theater Bonn – Hochpolitischer Fokus auf Kurden in der Türkei***

Das **Theater Bonn** beginnt das **Beethoven-Jahr** am **1\. Januar 2020** mit der Premiere dessen „Befreiungsoper“ ***Fidelio.*** Befreiungsopern waren Anfang des 19\. Jahrhunderts populär. So hatte Intendant des **Theater an der Wien, Peter Freiherr von Braun,** hatte Beethoven den Auftrag für eine solche Oper erteilt. Die 1798 uraufgeführte französische Oper **Léonore, ou L‘amour conjugal**, in welcher eine Frau ihren Mann aus der Herrschaft der Jakobiner befreit, inspirierte Beethoven zu **Fidelio.** Die Uraufführung der ersten **Fidelio-**Version, 1805 im **Theater an der Wien** war wenig erfolgreich. Erheblich überarbeitet wurde 1814, neun Jahre später, die im **Kärntnertortheater** uraufgeführte dritte **Fidelio**\-Version zum großen Erfolg: Das Allgemein-Menschliche des Handelns wird überhöht und kompositorisch herausgestellt: die große Befreiungsoper der Menschheit war geschaffen, war Grundlage für die hochpolitische Inszenierung im **Theater Bonn.**

![Theater Bonn / Fidelio - hier : Marzelline und Jaquino auf der Bühne, unten, im Media-Markt oben © Thilo Beu](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2020/01/fidelio-0045jpg__670x2000_q85_subsampling-2neu.jpg)

Theater Bonn / Fidelio - hier : Marzelline und Jaquino auf der Bühne, unten, im Media-Markt oben © Thilo Beu

**Filmset - Moderne Videotechnik verbindet die Bühne mit Weltgeschehen**

Regisseur **Volker Lösch** ergänzt auf der Bühne die dramaturgische Authentizität von **Beethovens *Fidelio*** um die Befreiung des in Isolationshaft gehaltenen politischen Gefangenen ***Florestan*** mit einer Dokumentation über verfolgte Kurden in der Türkei. Die Bühne (**Carola Reuther**) ist als Nachrichtenstudio / Filmset gehalten, ohne alle Kulissen, vollständig grün ausgekleidet. Diese **Greenscreen-Technik** (Videodesign **Chris Kondek** und **Ruth Stofer**) verbindet im **Theater Bonn** **Beethovens** bekannte Oper über zahlreiche Videos und Zeitzeugen auf der Bühne (beständig gefilmt von zwei Live-Kameras) mit der Kurdenproblematik in der Türkei. Unruhen, kriegerische Gewalt, aktuelle Hintergründen oder Filmaufnahmen aus Istanbul, Ankara werden auf eine 10 x 5 Meter große Leinwand projiziert. Das beständige Zusammenspiel von **Beethovens** Komposition mit Badestrand, Krieg und Elend in der Türkei geben dem Besucher das ungewohnte Gefühl, das moderne Werk eines zeitgenössischen Komponisten zu erleben. Das komplexe Regie-Konzept fordert Besucher, Darsteller, Orchester und Regie gleichermaßen: Doch **Volker Lösch** und sein Team beschreiten mit dieser Inszenierung neue Wege: ein ernsthaftes Experiment, welches mitreißt und gelungen ist.

![Beethoven Haus in Bonn © IOCO](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2020/01/beethoven-haus-neu2020.jpg)

Beethoven Haus in Bonn © IOCO

**Beethovens** Komposition wird im **Theater Bonn** ungestrichen gespielt; die offene Struktur der **Fidelio-**Handlung wird jedoch von fünf in Deutschland lebenden kurdischen ZeitzeugInnen immer wieder aufgebrochen; auf der Bühne oder an einem Tisch neben dem Filmstudio sitzend, wird von konkret Erlebtem erzählt, von grausamer Folter, von Frauen, die an den Haaren aufgehängt wurden, von Zerstörung, Krieg, Gefängnissen; befragt werden dabei die ZeitzeugInnen von „Filmregisseur“ **Matthias Kelle.** Prominentester Zeitzeuge auf der Bühne war der in Köln lebende Schriftsteller **Dogan Akhanli,** der in einem Buch seine Verhaftung und Folter in der Türkei beschrieben hatte. Differenzierende, allgemeine Betrachtungen greift in diesen Darstellungen nicht! Aktuelles, von den Individuen auf der Bühne konkret erlebtes und deren Sehnsucht nach einem friedvollen Leben sind Fokus der Inszenierung.. Der Mut der Darsteller auf der Bühne, ihre persönlichen Erfahrungen in der Türkei mit den Besuchern des **Theater Bonn** zu teilen, sich deshalb,außerhalb des Theaters vielleicht mit der Aggressivität radikaler Andersdenkender auseinanderzusetzen zu müssen, ist allein beeindruckend.

![Theater Bonn / Fidelio - hier : Der Gefangenenchor, unten, auf der Leinwand Fotos Gefangener, Misshandelter © Thilo Beu](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2020/01/fidelio-0412neu.jpg)

Theater Bonn / Fidelio - hier : Der Gefangenenchor, unten, auf der Leinwand Fotos Gefangener, Misshandelter © Thilo Beu

Zur kurzen Ouvertüre des hochgefahrenen Orchesters leuchtet auf der Leinwand auf der Bühne in großen plakativen Lettern: ***KOMMANDO BEETHOVEN*** – ***"zur Sichtbar-machung von politischen Gefangenen in der Türkei".*** Es folgen Videos über die Stadt Istanbul, politischen Massenjubelfeiern dort, Flüchtlingstrecks, der ***Pegida*** in Leipzig, **Merkels** umstrittenes *„Wir schaffen das“* und **Erdogans** drohendes *„Hey, Europäische Union, reißt euch zusammen...“*. In den folgenden Szenen werden die Darsteller auf der Bühne von Video-Sequenzen auf der Leinwand begleitet, das Orchester ist heruntergefahren. **Marzelline** (**Marie Heeschen** in hellem, frischem Sopran) und ihr ***Jaquino*** (**Kieran Carrel**) laufen streitend und ,eingespielt, wie sie mit Einkaufstüten durch den **Media Markt** (Foto oben). Die „angenehme“ friedliche Seite der Türkei erscheint: Badestrände, Yachten, spielende Kinder.

In späteren Videos reißt **Leonore** (**Martina Welschenbach** (weich, wohl timbrierten Sopran) in ihrer Arie „*Komm, o Hoffnung“,* als ***Racheengel*** mit gestrecktem Arm und geballter Faust durch die Luft fliegend, die Mauern aller Gefängnisse niederreißt, während **Marzelline** auf rotem Sofa vom geordneten bürgerlichen Leben träumt. Zur mächtigen Gold-Arie des **Rocco** („*Hat man nicht auch Gold beineben, Kann man nicht ganz glücklich sein..“,*   **Karl-Heinz Lehner** kraftvoll und gut verständlich) fliegen er und ***Marzelline*** auf der Leinwand auf einem Euro-Schein dahin: Live-Kameras filmen die Darsteller beständig auf der Bühne, hinter der Bühne werden diese Aufnahmen mit anderen Filmen "gemischt" und auf die große Leinwand projiziert.

![ Theater Bonn / Fidelio - hier : Aufruf zum Ende der Vorstellung  © Thilo Beu](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2020/01/fidelio-2591neu.jpg)

Theater Bonn / Fidelio - hier : Aufruf zum Ende der Vorstellung © Thilo Beu

Der **Gefangenenchor** ist ein Höhepunkt jeder ***Fidelio***\-Inszenierung. Im **Greenscreen-Studio** des **Theater Bonn** erscheinen die Gefangenen als grün verhüllte Wesen, in gesucht überhöhtem Ausdruck menschlichen Leids und Elend, als unterdrückte seelenlose Masse; als nicht-menschliche Wesen. Dieser optisch quälende Anblick wandelt sich ergreifend zu dem sich von sanfter Wehmut in kraftvolle Emphase wandelndem Chor „*O welche Lust, in freier Luft, den Atem leicht zu heben! Nur hier, nur hier ist Leben..*“; (Einstudierung **Marco Medved**); die nicht-menschlichen Wesen werden zu Individuen, Menschen, wenn sie sich langsam ihre grünen Hüllen entledigen. Während-dessen die Leinwand über ihnen beständig Fotos zahlreicher in der Türkei Gefangener zeigt. **Florestans** Arie „*Gott, welch Dunkel hier...“,* von **Thomas Mohr** zu Beginn nahezu unsichtbar in einer Kiste liegend lyrisch ausdrucksstark vorgetragen, spiegelt die Qualen des Individuums, des Einzelnen: **Beethovens Postulat an die Menschheit.**

So endet **Fidelio** am **Theater Bonn** mit dem Freiheitsruf auf der Leinwand: **FREE THEM ALL** und dem am Bühnenrand stehenden Ensemble, welches auf Plakaten die Freiheit in der Türkei inhaftierter fordert.

![Beethoven Grab in Wien © IOCO](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2020/01/ludwig-van-beethoven_foto-ioco2017.jpg)

Beethoven Grab in Wien © IOCO

Der große Erfolg der vielschichtig polarisierenden Inszenierung hängt maßgeblich auch „in den Händen“ von GMD **Dirk Kaftan** und dem Beethoven Orchester Bonn. Die beständige Abstimmung von **Beethovens** Komposition mit den vielen Facetten von **Volker Löschs** spezieller Regie, den Erzählern und der Video-Flut auf der Leinwand ist für Dirigent und Orchester äußerst anspruchsvoll. Zwar reduziert die Inszenierung **Beethovens** Komposition ein wenig in ihrer Größe. Umso größer ist unsere Referenz vor **Dirk Kaftan** Ditigat und dem **Beethoven Orchester** für ihr sängerfreundliches und ausdrucksvolles Klangfestival.

Der Beifall für die auffällige, kontroverse, Widersprüche herausfordernde **Fidelio**\-Inszenierung am **Theater Bonn** war überraschend positiv, frenetisch. Orchester, Ensemble und Chor wurden ebenfalls gleichermaßen anhaltend und begeistert gefeiert.

***Aufforderung an Alle: Nehmt Teil an dem Befreiungs-Postulat***

**Postkarten, nach der Vorstellung im Theater - Eingang für die Besucher ausgelegt:** gerichtet an Politiker und Inhaftierte, so auch an: *„Lieber *Selahattin Demirtas*, wir sind tief besorgt, daß Sie und Tausende von Menschen in der Türkei inhaftiert sind, weil Sie von Pressefreiheit Gebrauch machen wollten...“.*

**Fidelio** am **Theater Bonn;** die weiteren Vorstellungen 4.1.; 16.1.; 24.1.; 2.2.; 9.2.; 15.2.; 14.3.; 27.3.2020

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